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Weltgesundheitsorganisation empfiehlt HIV-Selbsttests

Freiwillige und qualitätsgesicherte HIV-Heimtests sind für die WHO ein wichtiges Instrument, um bis 2020 die globalen 90-90-90-Ziele zu erreichen und Aids bis 2030 zu beenden.

Anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember hat die Weltgesundheitsorganisation deshalb Leitlinien zur HIV-Selbsttestung und Partnerbenachrichtigung veröffentlicht, welche die im Sommer 2015 herausgegebenen Leitlinien zu HIV-Testangeboten ergänzen.

Die zwei wichtigsten Empfehlungen lauten:

  • HIV-Selbsttests sollten als zusätzliche Maßnahme zur HIV-Testung angeboten werden.
  • Die unterstützte freiwillige Benachrichtigung von Partner_innen sollte Menschen mit HIV als Element eines umfassenden Pakets zur Testung und Behandlung angeboten werden.

Für alle HIV-Tests gelten dabei laut WHO die fünf „C“s:

  • Consent – informierte Einwilligung (das gilt auch für die Benachrichtigung von Partner_innen)
  • Confidentiality – Vertraulichkeit
  • Counselling – qualitätsgesicherte Beratung vor und nach dem Test
  • Correct test results – korrekte Testergebnisse; dazu gehört, dass positive (reaktive) Tests durch erfahrene Personen bestätigt werden müssen und dass die Bedeutung negativer (nicht reaktiver) Tests erläutert wird (einschließlich Informationen zur diagnostischen Lücke)
  • Connection – Anbindung/Verweisung an Angebote zur Prävention, Behandlung und Versorgung, darunter communitybasierte und stigmafreie Angebote für weitere HIV-Tests.

In Deutschland dürfen HIV-Selbsttests derzeit nur an Ärzt_innen, ambulante und stationäre Einrichtungen im Gesundheitswesen sowie mit Ärzt_innen zusammenarbeitende Aidshilfen und Gesundheitsbehörden abgegeben werden.

In Frankreich und Belgien kann man HIV-Selbsttests, die für die Verwendung durch Laien konzipiert sind, in Apotheken kaufen.

Das französische Gesundheitsministerium hat außerdem in einem Erlass vom 18. August verfügt, dass Krankenhäuser sowie Präventionseinrichtungen den HIV-Heimtest an folgende drei Gruppen kostenlos abgeben dürfen:

  • Personen mit hohem HIV-Risiko und wiederholten Risikosituationen
  • Personen, die keinen HIV-Test in einer Test-Einrichtung machen wollen oder zögern, einen HIV-Test durchzuführen
  • Personen mit besonderen Schwierigkeiten beim Zugang zu Test-Angeboten, zum Beispiel aus sozio-ökonomischen Gründen oder weil sie geografisch isoliert leben.

Bevor man in Frankreich diese Tests bekommen kann, muss man einmalig ein Beratungsgespräch führen. Darin wird man unter anderem über die korrekte Anwendung und das „diagnostische Fenster“ informiert, das heißt den Zeitraum, in dem eine Person bereits HIV-infiziert ist, aber der Test auf die vorliegende Infektion noch nicht bzw. noch nicht sicher „anschlägt“. Das Beratungsgespräch kann auch telefonisch oder per Internet-Chat erfolgen – in diesem Fall wird der Test per Post verschickt. Ausgeben dürfen die Tests nicht nur Ärzt_innen, sondern auch in der Anwendung geschulte Mitarbeiter_innen von Präventionsorganisationen.

(hs)

Weitere Informationen:

Mit Grindr zum HIV-Heimtest (Beitrag auf dem IWWIT-Blog)

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Holger Sweers

Holger Sweers

Holger Sweers, seit 1999 als Lektor, Autor und Redakteur bei der Deutschen AIDS-Hilfe, kümmert sich um die Redaktionsplanung des Magazins.

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