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	<title>Axel Schock, Author at magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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		<title>„Öffentliche Gesundheit gehört zu den wichtigsten Anliegen der EU-Bürger*innen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 10:23:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Kommission]]></category>
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					<description><![CDATA[Die EU fährt die Finanzierung von HIV-Programmen massiv zurück. Community-Organisationen haben kaum noch Förderchancen. Ferenc Bagyinszky (AIDS Action Europe) berichtet von den Auswirkungen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die EU-Kommission fährt die Finanzierung von HIV- und STI-Programmen massiv zurück. Communitygeführte Organisationen in diesem Bereich haben kaum noch Chancen auf eine Förderung. Ferenc Bagyinszky (AIDS Action Europe) berichtet von den Auswirkungen dieser HIV-Politik und dem dringend nötigen Druck auf die Verantwortlichen.  </strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anfang Mai 2025 hat die Coalition for a European HIV Response (C4EHR, auf Deutsch etwa: Koalition für eine europäische HIV-Antwort) in einer gemeinsamen Erklärung die Europäische Kommission aufgefordert, eine „nachhaltige, vorhersehbare und zugängliche EU-Finanzierung für communitygeführte HIV-Prävention im Rahmen von EU4Health und des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens (2028–2034) sicherzustellen“ (<a href="https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/communitygefuehrte-hiv-praevention-aufrechterhalten">aidshilfe.de berichtete</a>).</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bis zum 12. Mai hatten 155 Organisationen und Institutionen aus dem Bereich HIV, sexuell übertragene Infektionen (STIs) und Gesundheit sowie fast 300 Einzelpersonen den Appell unterzeichnet.</p>

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<h2 id="h-steigende-statt-sinkende-zahlen-bei-hiv-infektionen-und-todesfallen" class="wp-block-heading">Steigende statt sinkende Zahlen bei HIV-Infektionen und Todesfällen</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Europa sei nicht auf Kurs, um die HIV-Epidemie als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden, und müsse dringend umsteuern, so die C4EHR.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Erklärung verweist die Coalition auf aktuelle Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). So sind die HIV-Neuinfektionen in der WHO-Region Europa, zu der auch die Ukraine und Russland gehören, von 2010 bis 2022 um 5 Prozent gestiegen, statt um 75 Prozent zurückzugehen, bei den HIV-bedingten Todesfällen waren es sogar 37 Prozent mehr. Ähnlich sieht es bei der Zahl der Menschen mit HIV aus, bei denen die Virenvermehrung durch HIV-Medikamente wirksam unterdrückt ist, sodass beim Sex keine Infektion mehr möglich ist: Dies ist nur bei 70&nbsp;% der Fall.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In dieser Situation erscheint es umso unverständlicher, dass die EU ausgerechnet communitygeführte Organisationen im Regen stehen lässt. Sie haben von Beginn der Aidskrise an eine zentrale Rolle bei der Prävention wie bei der Versorgung und Unterstützung von Menschen mit HIV und Aids gespielt, sind nun aber akut bedroht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Die Lage sieht nicht gut aus.“</p>

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    </div>
  </div>
<cite>Ferenc Bagyinszky von AIDS Action Europe zur HIV-Politik in Europa und darüber hinaus</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Wenn diese tragende Säule in der HIV-Bekämpfung fehlt, wird das ganze System zusammenbrechen“, sagt Ferenc Bagyinszky, Exekutivkoordinator von <a href="https://aidsactioneurope.org/en">AIDS Action Europe (AAE</a>; dem Netzwerk gehören mehr als 370 NGOs, nationale Netzwerke und communitybasierte Gruppen aus 47 Ländern der WHO-Region Europa an). Die Folge: eine steigende Zahl von Neuinfektionen wie auch von Spätdiagnosen, nicht nur in der Europäischen Union, sondern in ganz Europa.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Bagyinszky erläutert, wie die Kürzungen aussehen: So hat die Europäische Kommission das Budget ihres <a href="https://www.nks-eu4health.de/eu4health/arbeitsprogramm/">strategischen Arbeitsprogramms EU4Health</a> für 2025 um eine Milliarde Euro gekürzt. Zum Opfer gefallen sind dem sämtliche HIV-spezifischen Fördermöglichkeiten – bis dahin die wichtigste Finanzierungform der EU in diesem Bereich. Derzeit gibt es nur wenige gemeinsame Maßnahmen (sogenannte „Joint Actions“), für die sich zudem ausschließlich Mitgliedstaaten und öffentliche Gesundheitsinstitutionen bewerben können. Ein ebenfalls über das EU4Health-Programm finanziertes Arbeitspaket befasst sich zwar mit HIV-Stigmatisierung und -Diskriminierung im Gesundheitswesen, doch auch hier ist eine Communitybeteiligung explizit ausgeschlossen.</p>

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<h2 id="h-speziell-gesundheits-ngos-leiden-unter-politik-der-eu-kommission" class="wp-block-heading">Speziell Gesundheits-NGOs leiden unter Politik der EU-Kommission</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zudem wurden die EU4Health-Arbeitsprogramme und die damit verbundenen Ausschreibungen zuletzt immer später veröffentlicht. Statt bereits im Vorjahr, wie es für eine verlässliche Planung notwendig ist, wurde das Programm für 2025 erst im Juli desselben Jahres vorgelegt. Ob und wann ein Programm für das Geschäftsjahr 2026 veröffentlicht wird, ist nicht bekannt. Die Kommission schweigt sich dazu aus. Die EU-Programme für andere Bereiche kennen solche Probleme nicht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit der im Gesundheitsbereich engagierten Nichtregierungsorganisationen ist zudem durch eine andere nicht nachvollziehbare Entscheidung gefährdet: 2024 hatten rund 30 Organisationen, darunter AIDS Action Europe, aber auch Netzwerke zu seltenen Krankheiten oder Alkoholismus, noch eine sogenannte Rahmenpartnerschaftsvereinbarung mit der Kommission für die Jahre 2025 und 2026 unterzeichnet. Sie sollte garantieren, dass diese Organisationen gezielt eingeladen werden, sich auf Ausschreibungen für „<a href="https://international-partnerships.ec.europa.eu/funding-and-technical-assistance/looking-funding/grants_en">operating grants</a>“, also institutionelle Förderung zu bewerben, mit denen deren Kerntätigkeiten in Teilen oder gänzlich finanziert werden – beispielsweise Personalkosten, Büromieten und Schulungen. Doch als dann im Juli 2025 das Arbeitsprogramm endlich veröffentlicht wurde, waren Betriebskostenzuschüsse komplett gestrichen – und zwar nur bei Gesundheits-NGOs. Andere Programme der EU, etwa im Bereich Bürgerrechte oder Sozialfonds, gewähren europäischen zivilgesellschaftlichen Organisationen weiterhin „operating grants“. Mittlerweile untersucht die Europäische Ombudsstelle den Fall.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">An Nichtregierungsorganisationen und Netzwerke im Bereich HIV, Hepatitis, Tuberkulose und STIs wurden nach Schätzung von Bagyinszky jährlich lediglich Fördermittel in Höhe von rund einer Million Euro jährlich ausgezahlt – eine äußerst bescheidene Summe angesichts des Gesamtbudgets des EU-Haushalts 2021–2027 von etwa zwei Billionen Euro (inklusive <a href="https://next-generation-eu.europa.eu/index_de">Aufbaufonds Next Generation EU</a> mit etwa 650 Mrd. Euro).</p>

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<h2 id="h-auch-andere-fordermoglichkeiten-fur-hiv-ngos-sind-weggebrochen" class="wp-block-heading">Auch andere Fördermöglichkeiten für HIV-NGOs sind weggebrochen</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Nach Monaten der Unsicherheit war der Wegfall der institutionellen Förderungen für die betroffenen Organisationen ein Schock. Viele müssen Personal entlassen und ihre Angebote stark reduzieren, anderen droht sogar das Aus, weil sie die elementaren Kosten nicht anderweitig finanzieren können. Manche Organisationen mussten ihre Büros komplett schließen und arbeiten jetzt nur noch ehrenamtlich.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Die Lage sieht also nicht gut aus“, so Ferenc Bagyinszky zur Situation in Europa und darüber hinaus. Denn nicht nur die Trump-Regierung hat massiv Mittel im HIV-Bereich gekürzt, auch UNAIDS und die Weltgesundheitsorganisation haben Gelder verloren. Auch andere Finanzierungsmechanismen seien eingebrochen, so etwa der US-finanzierte Robert Carr Fund, der marginalisierte HIV-Schlüsselgruppen dabei unterstützt, Zugang zu Gesundheitsdiensten zu erhalten – die wichtigen Geldgeber USA und Niederlande haben sich zurückgezogen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie viele andere Organisationen versucht auch AIDS Action Europe, die Finanzierungslücken durch kleinere Förderungen aus anderen Quellen auszugleichen. Doch dies gestaltet sich immer schwieriger, denn Fördermittel werden weltweit gekürzt, während gleichzeitig der Bedarf steigt. AIDS Action Europe konnte deshalb eine frei gewordene Stelle nicht neu besetzen und musste bereits Aktivitäten reduzieren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im Juni wird ein Steuerungskomitee aus Vertreter*innen der AAE-Mitgliedsorganisationen darüber beraten, wie das Netzwerk unter diesen neuen Bedingungen so aufgestellt werden kann, dass es finanzierbar bleibt und gleichzeitig die Bedürfnisse der Mitgliedsorganisationen erfüllen kann.</p>

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<h2 id="h-health-emergency-preparedness-statt-beschaftigung-mit-hiv-hepatitis-und-tuberkulose" class="wp-block-heading">„Health Emergency Preparedness“ statt Beschäftigung mit HIV, Hepatitis und Tuberkulose?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zuvor aber geht es darum, die Verantwortlichen innerhalb der EU davon zu überzeugen, dass im HIV-Bereich weiterhin Handlungsbedarf besteht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Bei vielen herrscht der Eindruck vor, es sei bereits genug Geld in HIV investiert worden und die HIV-Versorgung funktioniere bestens“, so Ferenc Bagyinszkys Wahrnehmung. Dabei würden jedoch die enormen Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten wie auch zu den Nachbarländern völlig ignoriert. „In Deutschland zum Beispiel gibt es gesicherten Zugang zur HIV-Behandlung nur, wenn man krankenversichert ist – es ist also kein universeller Zugang. Dasselbe gilt für die <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep">PrEP</a>: Theoretisch ist sie verfügbar, aber wenn etwa eine Frau aufgrund ihres persönlichen Risikos PrEP nutzen möchte, ist der Zugang für sie extrem schwierig.“ Dafür fehle es letztlich am politischen und finanziellen Willen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen die europäischen Institutionen weiter unter Druck setzen, damit sie eine angemessene Finanzierung sicherstellen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Ferenc Bagyinszky, AIDS Action Europe</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig werde aufgrund der geopolitischen Lage und wahrscheinlich auch aufgrund der Erfahrungen mit COVID-19 inzwischen sehr viel Geld für „Health Emergency Preparedness“ ausgegeben – also für die Vorbereitung auf zukünftige Gesundheitskrisen. Doch im gleichen Zug würden bestehende Probleme vernachlässigt und HIV, virale Hepatitis und auch Tuberkulose gerieten aus dem Blick.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, dass zivilgesellschaftliche Organisationen rechten Kräften im Europäischen Parlament bereits seit einigen Jahren ein Dorn im Auge sind. Um sie zu diskreditieren, wird die Erzählung gesponnen, NGOs würden nicht transparent arbeiten beziehungsweise nicht im Interesse der Menschen, sondern der Industrie handeln.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-weckruf-fur-die-hiv-pravention" class="wp-block-heading">Weckruf für die HIV-Prävention</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Gemeinsame Erklärung der Coalition for a European HIV Response, zu der unter anderem die DAH, das Europäische Netzwerk von Drogenkonsumierenden (EuroNPUD), die Europäische Allianz für die Rechte von Sexarbeiter*innen (ESWA) und Fachgesellschaften wie die European AIDS Clinical Society und die International AIDS Society gehören, ist in dieser Situation ein Weckruf. Dies gilt auch für die Aufforderung an die EU, nicht nur in ihren Mitgliedsländern, sondern darüber hinaus in Nachbarstaaten, insbesondere in osteuropäischen Ländern, Verantwortung für HIV-Maßnahmen zu übernehmen, da das Virus sich von einer Staatsgrenze nicht aufhalten lasse. Die Koalition sieht zudem eine Chance, dass Europa eine stärkere globale Führungsrolle auf diesem Gebiet übernimmt.&nbsp;</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Brüssel hat die Deklaration bereits einige Verantwortliche zum Nachdenken gebracht. „Wir wissen, dass sowohl Mitgliedsstaaten als auch Europaabgeordnete die Kommission bereits aufgefordert haben, die ‚operating grants‘ für Gesundheits-NGOs wieder einzuführen“, sagt Ferenc Bagyinszky. Gleichzeitig wachse das politische Interesse an der HIV-Situation in Europa und weltweit.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit jedoch drängt – auch angesichts des <a href="https://www.unaids.org/en/2026-high-level-meeting-aids">hochrangigen HIV-Treffens der Vereinten Nationen am 22. und 23. Juni 2026</a>, auf dem eine neue politische UN-Erklärung zu HIV verabschiedet werden soll. Bereits im vergangenen Dezember verabschiedete der UNAIDS-Vorstand die neue globale Aids-Strategie für 2026 bis 2031. Eine ihrer zentralen Säulen ist die Führungsrolle der Communitys – auf die die EU jedoch glaubt, verzichten zu können.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Treffen im Juni soll nun politischer Druck aufgebaut werden, und zwar sowohl auf nationaler Ebene als auch innerhalb der EU. „Nationale NGOs müssen ihre Regierungen dazu drängen, vorbereitet nach New York zu reisen und sich für die politische Erklärung einzusetzen“, erklärt Bagyinszky. Viele Staaten versuchten nämlich jetzt schon, bereits vereinbarte Begriffe wie „Schlüsselgruppen“, „Geschlechtervielfalt“, „Menschenrechte“, „sexuelle Rechte“ oder „reproduktive Rechte“ wieder infrage zu stellen. „Gleichzeitig müssen wir die europäischen Institutionen weiter unter Druck setzen, damit sie eine angemessene Finanzierung sicherstellen – nicht nur jetzt, sondern auch im nächsten EU-Haushalt“, so Bagyinsky weiter. „Öffentliche Gesundheit braucht ein eigenes Budget. Denn öffentliche Gesundheit gehört zu den wichtigsten Anliegen der EU-Bürger*innen.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei der Vorstellung der Gemeinsamen Erklärung im EU-Parlament hat ein Europaabgeordneter den beteiligten NGOs seine Unterstützung zugesagt und ihnen einen für Ferenc Bagyinszky entscheidenden Auftrag mitgegeben: „Bleibt unbequem.“ Genau darin sieht Bagyinszky jetzt die Rolle der Zivilgesellschaft und der Communitys: unbequem zu bleiben und Druck zu machen: „Wenn wir jetzt aufgeben, ist der Kampf verloren. Wir müssen sowohl auf lokaler Ebene als auch auf nationaler und europäischer Ebene Druck ausüben, damit Gesundheit, Soziales und Bildung nicht geopfert werden, weil sich alles nur noch um Krieg, Verteidigung und Notfälle dreht.“</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-mehr-zum-thema-hiv-politik" class="wp-block-heading">Mehr zum Thema HIV-Politik</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="bi7XhvCbbe"><a href="https://magazin.hiv/magazin/hiv-finanzierungskrise-globaler-fonds/">„Ich habe Angst, dass wir in Zeiten zurückkehren, als die Menschen starben“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Ich habe Angst, dass wir in Zeiten zurückkehren, als die Menschen starben““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/hiv-finanzierungskrise-globaler-fonds/embed/#?secret=DvLjkHOwS8#?secret=bi7XhvCbbe" data-secret="bi7XhvCbbe" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Grenzenlos solidarisch: Positive Begegnungen 2026</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/grenzenlos-solidarisch-positive-begegnungen-2026/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 12:48:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559824</guid>

					<description><![CDATA[Europas größte HIV-Selbsthilfe-Konferenz, die Positiven Begegnungen, findet vom 13. bis 16. August in Magdeburg statt. Was die rund 400 Teilnehmenden erwartet, verrät Organisatorin Heike Gronski.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Europas größte HIV-Selbsthilfe-Konferenz, <a href="https://www.aidshilfe.de/de/pobe2026">die Positiven Begegnungen (kurz: PoBe)</a>, findet vom 13. bis 16. August in Magdeburg statt. Was die rund 400 Teilnehmenden diesmal unter dem Motto „Grenzenlos (und) solidarisch“ erwartet, verrät Heike Gronski, DAH-Fachreferentin „Leben mit HIV&#8220; und Organisatorin der Konferenz.</strong></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-positiven-begegnungen-finden-in-der-regel-alle-zwei-jahre-statt-und-sind-das-zentrale-ereignis-fur-die-hiv-community-und-hiv-selbsthilfe-gibt-es-thematische-schwerpunkte-die-bei-der-konferenz-im-zentrum-stehen-werden">Die Positiven Begegnungen finden in der Regel alle zwei Jahre statt und sind das zentrale Ereignis für die HIV-Community und HIV-Selbsthilfe. Gibt es thematische Schwerpunkte, die bei der Konferenz im Zentrum stehen werden?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für das Programm hat ein Team mit Menschen aus den verschiedenen Communitys über viele Monate hinweg all die Themen zusammengetragen, die die Menschen mit HIV derzeit besonders beschäftigen. Gemeinsam <a>mit unserem Kooperationspartner vor Ort, dem </a><a href="https://www.aidshilfesachsenanhaltnord.de/de">Zentrum für sexuelle Gesundheit Magdeburg</a>, haben wir nun ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das diese aktuellen Fragen und Herausforderungen in fünf Überthemen bündelt, die jeweils von Impulsvorträgen eingeleitet werden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das umfangreiche Programm bündelt aktuelle Fragen in fünf Überthemen: inklusives Gesundheitssystem, positiv im Alter, Digitalisierung im Gesundheitswesen, Rausch ohne Stigmatisierung und solidarisches Miteinander.</p>

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</blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Titel <strong>„Selbsthilfe bleibt aktiv: Für ein inklusives Gesundheitssystem“</strong> werden wir uns mit Mental Health, den neuen Richtlinien für Schwangere mit HIV, der Diskriminierung marginalisierter Gruppen im Gesundheitswesen und der Heilungsforschung beschäftigen. Im Themenbereich <strong>„Selbsthilfe bleibt im Wandel: Für positive Aussichten im Alter“</strong> geht es unter anderem um alternative Wohn- und Pflegemodelle und darum, wie wir mit den altersbedingten gesundheitlichen Herausforderungen umgehen.<br>Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den Chancen sowie den potentiellen Gefahren, die sich durch <a href="https://magazin.hiv/magazin/wie-veraendert-ki-das-gesundheitswesen/">„Künstliche Intelligenz“</a> und Digitalisierung ergeben. Wir wollen uns unter anderem darüber austauschen, was die fortschreitende <strong>Digitalisierung im Gesundheitswesen</strong> bedeutet, und wie sie in der Selbsthilfe und Beratung als hilfreiches Werkzeug eingesetzt werden kann.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im Themenblock <strong>„Selbsthilfe bleibt selbstbestimmt: Für Rausch ohne Stigmatisierung“</strong> wird es Gelegenheit gebe, eigene Erfahrungen mit Chemsex zu reflektieren und über die Drogenpolitik und Druck-Checking zu diskutieren. Den Fünften Themenstrang haben wir mit <strong>„Selbsthilfe bleibt stabil: Für ein solidarisches Miteinander</strong>“ überschrieben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-dieser-titel-spielt-naturlich-auf-die-dah-kampagne-aidshilfe-bleibt-stabil-an">Dieser Titel spielt natürlich auf die DAH-Kampagne <a href="aidshilfe.de/bleibt-stabil">„Aidshilfe bleibt stabil“</a> an.</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Richtig. Wir sind mit den Positiven Begegnungen in Sachsen-Anhalt zu Gast, wo drei Wochen später Landtagswahlen stattfinden werden. Der Rechtsruck in der Gesellschaft und die damit verbundenen Themen wie Rassismus, Antifeminismus und Queerfeindlichkeit betrifft Aidshilfen und die verschiedenen Communitys in ganz besonderem Maße. Wir wollen uns in verschiedenen Workshops nicht nur über die politischen Entwicklungen und deren Folgen austauschen bzw. Handlungsmöglichkeiten entwickeln, sondern auch der Frage nachgehen, inwieweit unsere eigenen Vorurteile der Realität standhalten. Wählt der Osten wirklich anders und wenn ja, warum? Wir wollen aber auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen und die Entwicklungen in Europa und im Rest der Welt in den Blick nehmen. Zum Beispiel, welche Folgen die Kürzungen im Gesundheitsbereich auf europäischer sowie globaler Ebene haben und was die erneute Kriminalisierung von LGBTIQ* in vielen Ländern für die Communitys dort und für uns bedeutet.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-in-den-letzten-beiden-positiven-begegnungen-war-die-ukrainische-community-sehr-stark-eingebunden">In den letzten beiden Positiven Begegnungen war <a href="https://magazin.hiv/schlagwort/ukraine/">die ukrainische Community</a> sehr stark eingebunden.</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das wird auch in dieses Jahr wieder der Fall sein. Wir haben ohnehin versucht, bei der Programgestaltung eine größtmögliche Diversität bei den Teilnehmenden zu ermöglichen.<br>Es wird also Programmpunkte geben, die jüngere bzw. ältere Menschen im besonderen Maße ansprechen, und wir berücksichtigen Themen, die für Menschen aus den migrantischen Communitys – sowohl aus den afrikanischen als auch aus dem osteuropäischen Raum – von besonderer Bedeutung sind.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ein kleiner Themenstrang wiederum richtet sich explizit an russischsprachige Aktivist*innen, die Drogen konsumieren, um so die Strukturen dieser Community zu fördern. Ein weiterer Workshop wird von in Deutschland lebenden Ukrainer*innen mit HIV gestaltet. Bei vielen Veranstaltungen werden wir eine Übersetzung sowohl ins Englische und Französische als auch ins Russische und Ukrainische anbieten, sodass Begegnungen auch über Sprachgrenzen hinweg möglich sein werden. Damit auch Eltern entspannt an der Konferenz teilnehmen können und die Kinder gut versorgt wissen, werden wir wieder eine umfangreiche Kinderbetreuung ermöglichen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-konferenz-ist-vor-uber-25-jahren-aus-der-bundespositivenversammlung-hervorgegangen-seitdem-richten-sich-die-positiven-begegnungen-nicht-mehr-nur-an-menschen-mit-hiv-wer-ist-dazu-eingeladen-und-kann-sich-anmelden">Die Konferenz ist vor über 25 Jahren aus der Bundespositivenversammlung hervorgegangen. Seitdem richten sich die Positiven Begegnungen nicht mehr nur an Menschen mit HIV. Wer ist dazu eingeladen und kann sich anmelden?</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In der Tat sind die Positiven Begegnungen nicht nur für Menschen mit HIV offen, sondern für alle, die im HIV-Kontext leben und arbeiten. Also beispielsweise An- und Zugehörige und Menschen, die beispielsweise im Gesundheitswesen oder in Aidshilfen tätig sind. Wir erhoffen uns dadurch bei vielen Themen, die auf der Tagesordnung stehen, einen regen und produktiven Austausch. Ich denke da etwa an das Thema Alter: Wie können Aidshilfen und andere Institutionen Hand in Hand mit der Selbsthilfe die zukünftigen Bedarfe meistern?</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Positiven Begegnungen sind nicht mehr nur für Menschen mit HIV offen, sondern für alle, die im HIV-Kontext leben und arbeiten, wie An- und Zugehörigen oder Mitarbeitenden im Gesundheitswesen oder Aidshilfen. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-worauf-durfen-sich-die-konferenzteilnehmenden-jenseits-der-zahlreichen-workshops-freuen">Worauf dürfen sich die Konferenzteilnehmenden jenseits der zahlreichen Workshops freuen?</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel auf die große Eröffnungsveranstaltung, zu der wir die junge ghanaische Musikerin und trans Aktivistin Angel Maxine erwarten. Wir freuen uns sehr, dass wir die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, als Schirmfrau der Positiven Begegnungen gewinnen konnten. Sie wird leider nicht anreisen können, aber eine Grußbotschaft an alle Teilnehmenden senden. Für den Samstag planen wir eine Demonstration durch die Magdeburger Innenstadt und am Abend werden wir die Konferenz mit einem Fest abschließen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Anmeldung</em></strong> <em>zu den Positiven Begegnungen vom 13. bis 16. August 2026 in Magdeburg sind über <a href="https://seminar.aidshilfe.de/de/ed62b0158c9c4c9d8a3871e9336b6d51/positive-begegnungen-2026">seminar.aidshilfe.de</a> möglich. Dort gibt es auch nähere Informationen zur gestaffelten Teilnahmegebühr, zur Unterkunft und zum Ablauf. &nbsp;</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-weiterlesen">Weiterlesen</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="tpCknB3L2l"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/embed/#?secret=Lte7CtCLph#?secret=tpCknB3L2l" data-secret="tpCknB3L2l" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="4mibEU5RKC"><a href="https://magazin.hiv/magazin/katja-schraml-rede-living2024/">„In meinem Leben geht‘s nicht mehr um Überleben. Es geht um Leben.“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„In meinem Leben geht‘s nicht mehr um Überleben. Es geht um Leben.“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/katja-schraml-rede-living2024/embed/#?secret=oQrn90ORhD#?secret=4mibEU5RKC" data-secret="4mibEU5RKC" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Schwules Power Couple aus Ost-Berlin</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/aids-in-zeiten-der-liebe/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/aids-in-zeiten-der-liebe/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 13:10:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Serie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559739</guid>

					<description><![CDATA[Die ZDF-Dokumentation „AIDS – In Zeiten der Liebe“ erinnert an eine außergewöhnliche deutsch-deutsche Geschichte und an ein besonderes Beziehungsgeflecht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Dokumentation „AIDS – In Zeiten der Liebe“ über den Bühnenkünstler Heiko Zolchow und seinen Partner Dirk Nawrocki erinnert an eine außergewöhnliche deutsch-deutsche Geschichte und an ein besonderes Beziehungsgeflecht</strong>. <strong><strong>Der ZDF-Dreiteiler von Johannes Nichelmann </strong>ist ab 14. Mai in der Mediathek.</strong></p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-berlin-1987">Berlin 1987</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Seinen ständigen Husten hatte Heiko Zolchow mehr oder weniger ignoriert. Doch dann verschlechtert sich sein Gesundheitszustand und er landet in einem West-Berliner Krankenhaus. Als ein enger Freund zu Besuch kommt, zieht er das Hemd hoch und zeigt die Kaposi-Sarkome. „Hättest du gedacht, dass ich der Erste bin?“, sagt der damals 30-Jährige und weiß, dass sein Gegenüber die bläulichen Flecken zu deuten weiß: Heiko Zolchow ist an Aids erkrankt. Die Medizin weiß 1987 der Immunschwächeerkrankung noch nichts entgegenzusetzen und so stirbt der Künstler und Bühnenbildner nur wenige Monate nach der Diagnose.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">In der Kunst- und Theaterwelt hat Heiko Zolchow kaum Spuren hinterlassen. Zwar war es ihm nach seiner Ausreise aus der DDR 1984 gelungen, langsam Fuß im westdeutschen Kulturbetrieb zu fassen, ein Engagement an der West-Berliner Schaubühne versprach den endgültigen Durchbruch. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen. In Erinnerung geblieben ist er jedoch bei seinen Freund*innen, Weggefährt*innen und Geliebten. Und sie erzählen in der dreiteiligen Dokumentation „AIDS – In Zeiten der Liebe“ von einer in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Geschichte und einem besonderen Liebes- und Beziehungsgeflecht.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-ausreise-genehmigt">Ausreise genehmigt!</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">In den frühen Achtzigerjahren ist Heiko Zolchow Teil der Ost-Berliner alternativen Künstlerszene, jung verheiratet, bald zweifacher Vater. Doch er fühlt sich zunehmend zu Männern hingezogen. Seine Frau Sabine lässt sich auf dieses Beziehungsmodell ein, denn sie weiß, dass Heiko sie weiterhin liebt und die Nächte bei ihr und den Kindern verbringen wird. Das ändert sich erst, als er den Schauspieler Dirk Nawrocki kennenlernt. Der junge Mann mit dem wuscheligen Lockenkopf und der unangepasste, charismatische Künstler bilden, wie man heute vielleicht sagen würde, ein <em>Power Couple</em>. Ihre Wohnung wird zum Treffpunkt der Boheme und der schwulen Szene. Das bleibt auch den Behörden nicht verborgen. Aber auch als unangepasster Theatermacher gerät Zolchow in deren Visier, arbeitet er doch mit dem bereits in die Provinz nach Anklam strafversetzten Regisseur Frank Castorf zusammen. Weil sie in der DDR für sich keine Zukunft sehen, stellen Zolchow und Nawrocki einen Ausreiseantrag – der zu ihrer Überraschung bereits nach einem Jahr bewilligt wird. „Homos!“ hatte man handschriftlich auf ihren Unterlagen vermerkt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Im Westen angekommen genießt das Paar die neuen künstlerischen wie sexuellen Freiheiten, pflegt Freundschaften zu Theaterschaffenden aus ihrer alten Heimat und zu schwulen West-Berliner Kolleg*innen, die sie bereits vor der Ausreise kennengelernt haben. Mit dem jungen Biologiestudenten Nikolaus Heveker beginnen sie eine – offenbar recht konfliktfreie – Ménage-à-trois.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-buhnengerechte-wendung">Bühnengerechte Wendung</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">All das wissen wir, weil der Journalist, Autor („Nachwendekinder“) und Filmemacher Johannes Nichelmann das Vertrauen der überlebenden Beteiligten gewonnen hat und sie ganz offen vor der Kamera erzählen. Es ist eine Geschichte mit solch überraschenden Twists, dass sie in einen Roman oder Spielfilm fast unglaubwürdig erschienen. Etwa, dass der junge Assistenzarzt, der Heiko in seinen letzten Lebenswochen im Krankenhaus versorgt, sich in Dirk verliebt und die beiden ein Paar werden. Der Verstorbene wird, wie es ein Freund beschreibt, als „stillen Seele“ in dieser Beziehung bleiben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Dieser Arzt mit Namen Bernd Hoestermann wird Dirk helfen, in der westdeutschen Film- und Fernsehwelt an Jobs zu gelangen. Er managt ihn so gut, dass sich nach der Wende immer mehr Stars der ehemaligen DDR an ihn wenden, und Hoestermann steigt zu einem der wichtigsten Schauspielagenten der Bundesrepublik auf. Doch auch er erkrankt an Aids. Die hochwirksame Kombinationstherapie kommt für ihn gerade noch rechtzeitig; für Dirk hingegen zu spät. Er stirbt 1994.</p>

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          </div>                              <figcaption class="media-image__caption"><figcaption class="wp-element-caption">Der junge Arzt Bernhard (Clemens Bobke, r.) lernt bei seiner Arbeit im Krankenhaus Heiko (Evangelos Tsarkowistas, M.) und Dirk (Benjamin Viziotis, l.) kennen.<br></figcaption></figcaption>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-eintrage-ins-kollektive-gedachtnis">Einträge ins kollektive Gedächtnis</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Zugegeben, der Titel dieser auf drei halbstündige Episoden aufgeteilten Dokumentation klingt wenig originell. Auch die Machart ist eher konventionell. Johannes Nichelmann montiert Archivmaterial – private Fotos, Ausschnitte aus Dirk Nawrockis Filmauftritten, aber auch Dokumentarisches zum Leben in der DDR und den Reaktionen auf Aids in der BRD – mit Zeitzeug*inneninterviews. Bebildert werden diese Originaltöne zudem mit überzeugend umgesetzten Spielszenen. Daraus fügt sich nicht nur ein sehr feinfühliges und offenherziges Doppelporträt dieses besonderen Paares. Die Lebensgeschichten der mit ihm verbundenen Menschen machen deutlich, wie tiefgreifend Aids in den Achtziger- und Neunzigerjahren wirkte – und sogar bis in die Gegenwart hinein. Wie Menschen in diesen unsicheren Zeiten es verlernten, wieder eine eigene Zukunft zu haben, wie unverarbeitete Trauer und verdrängte Ängste ein Weiterleben sabotierten. Wenn aus Angst vor beruflichen Nachteilen die eigene HIV-Infektion verschwiegen werden musste.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Vieles von dem“, sagt Johannes Nichelmann, „was diese Zeit geprägt hat – die Ängste, die Debatten, die gesellschaftliche Kälte –, ist heute in Vergessenheit geraten. Außer bei denen, die es selbst erlebt haben.“ Die gesellschaftspolitische Dimension dieser im Film aufgerollten Einzelschicksale ordnet der Historiker Hennig Tümmers. Er ist Autor von „AIDS. Autopsie einer Bedrohung im geteilten Deutschland“, einer lesenswerten Analyse der Aidspolitik in der Bundesrepublik und der DDR, und damit bestens prädestiniert, wichtige Informationen beizutragen, insbesondere im Umgang der DDR mit der Aidskrise.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Im kollektiven Gedächtnis Deutschlands hätten die Schicksale der vielen jungen Menschen, die in der Aidskrise gestorben sind, keinen festen Platz erhalten, stellt Johannes Nichelmann fest. Seine sehenswerte Dokumentation ist der Versuch, diese Lücke zumindest ein klein wenig zu füllen. Dass sie das ZDF zu nachtschlafender Zeit ins Programm genommen hat, ist bedauerlich, fast schon ärgerlich. Bleibt deshalb zu hoffen, dass sie viele Menschen in der ZDF-Mediathek entdecken werden.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><em>„AIDS – In Zeiten der Liebe“, Buch und Regie: Johannes Nichelmann. mit Evangelos Tsarkowistas, Benjamin Viziotis, Konrad Damer, Clemens Bobke, Antonia Jungwirth sowie in Interviews u. a. Zolchows Ex-Frau Sabine Zolchow, Theaterregisseur Frank Castorf, Szenenbildner Karl-Hermann Reith, Schauspieler Bernd Stegemann, Regisseur und Autor Jean-Claude Kuner und Historiker Henning Tümmers.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>ZDF, 22. Mai, 23.30 Uhr sowie bereits ab 14. Mai in der </em><a href="https://www.zdf.de/video/dokus/aids-in-zeiten-der-liebe-100/trailer-doku-100"><em>ZDF-Mediathek</em></a><em>.</em></p>

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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-filme-zur-aidsgeschichte">Mehr Filme zur Aidsgeschichte</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="aCwxSDGBSc"><a href="https://magazin.hiv/magazin/romeria-aidskrise-spanien/">Wider das Verschweigen</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Wider das Verschweigen&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/romeria-aidskrise-spanien/embed/#?secret=qYKgzPliDE#?secret=aCwxSDGBSc" data-secret="aCwxSDGBSc" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="OEZosNl9Yz"><a href="https://magazin.hiv/magazin/dokus-hiv-aids/">Vier Jahrzehnte Aids: 8 Dokumentarfilme zu HIV/Aids</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Vier Jahrzehnte Aids: 8 Dokumentarfilme zu HIV/Aids&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/dokus-hiv-aids/embed/#?secret=X4P8fxK2l5#?secret=OEZosNl9Yz" data-secret="OEZosNl9Yz" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>&#8222;Geht raus, trefft euch, verbündet euch!&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 09:31:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfen gegen Rassismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsruck]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559666</guid>

					<description><![CDATA[Was der wachsenden Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit für die queere Community bedeuten und wie sie sich vor Anfeindungen und Repressalien schützt, das erläutert IWWIT-Kampagnenchef Jonathan Gregory im Interview. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit der Kampagne #AidshilfeBleibtStabil setzt die Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen gegen den wachsenden Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit. Was diese Entwicklungen für die queere Community bedeuten und wie sie sich vor Anfeindungen und Repressalien schützt, das erläutert IWWIT-Kampagnenchef Jonathan Gregory im Interview.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em><a href="https://www.iwwit.de/gayzine/aidshilfe-bleibt-stabil/">Der Artikel erschien zuerst auf iwwit.de.</a></em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-ruckzug-aus-safe-spaces-was-rechtspopulismus-fur-queere-menschen-bedeutet">Rückzug aus Safe Spaces: Was Rechtspopulismus für queere Menschen bedeutet</h2>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rechte und rechtspopulistische Ansichten finden nicht nur eine zunehmende Verbreitung in Gesellschaft und Öffentlichkeit, auch Parteien, die solches Gedankengut vertreten, gewinnen an Zuspruch. Welche politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die queere Community?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich beobachte hier gleich mehrere Reaktionen. Durch den Druck, den insbesondere marginalisierte Gruppen wie queere Menschen zunehmend erleben, ziehen sich immer mehr aus ihren Safe Spaces zurück.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Das IWWIT-Team reist insbesondere zur CSD-Saison viel durchs Land, und im letzten Jahr habe ich durch Gespräche vor Ort verstärkt mitbekommen, dass sich viele Queers immer weniger trauen, Community-Orte aufzusuchen, weil sie ihnen nicht mehr sicher erscheinen. Etwa, weil es dort immer wieder zu Vandalismus kommt oder die Besucher*innen sogar Angst haben, belästigt oder attackiert zu werden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir beobachten zudem, dass durch Sparmaßnahmen auf kommunaler wie auf Landesebene immer mehr auch queere Projekte betroffen sind. Die Folge ist, dass solche Angebote weniger werden und schließlich ganz verschwinden.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wenn-community-orte-verschwinden-verlust-von-vernetzung-und-teilhabe">Wenn Community-Orte verschwinden: Verlust von Vernetzung und Teilhabe</h2>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diese Orte sind ja nicht nur wichtig als Treffpunkt und als Safe Spaces von LGBTIQ*, sondern auch als Ankerpunkt zum Beispiel für die Arbeit von IWWIT.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das ist richtig. Queere Menschen haben lange dafür gekämpft, sich nicht mehr verstecken zu müssen, sondern offen und frei leben zu können. Wenn uns nun aber solche Orte verloren gehen, wird auch die Community-Arbeit schwerer. Natürlich kann man sich auch digital vernetzen und sich online austauschen. Aber es ist einfach etwas anderes, wenn man sich im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht austauschen, kennenlernen oder organisieren möchte. Wenn sich Menschen aufgrund der politischen Lage wieder zurückziehen, verlieren sie dadurch auch den Zugang zu Gemeinschaft, wie zu Kultur-, Freizeit-, und Gesundheitsangeboten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das bedeutet also, dass Online-Angebote zunehmend wichtiger werden. Zum Beispiel um queeren Menschen Informationen zu Gesundheitsthemen zu vermitteln.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Hier kommen wir zu einer anderen besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Entwicklung. <a href="https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/youtube-loescht-schwulen-praeventionskanal-puenktlich-zum-pride-month" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise der YouTube-Kanal von IWWIT gesperrt</a>. Eigentümer ist bekanntlich der Google-Mutterkonzern Alphabet. Auch in Europa sind wir in eine große Abhängigkeit von US-amerikanischen Online-Plattformen geraten, die ihre ganz eigene Vorstellung von Zensur haben. Wenn Web-Inhalte nicht dem entsprechen, was die US-Regierung für richtig und wichtig erachtet, wird sehr schnell mit Löschung und Sperrung reagiert. Und das hat natürlich große Auswirkungen auf unsere Präventionsarbeit, aber auch auf die Möglichkeiten der Vernetzung.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-forderung-unter-druck-iwwit-zwischen-bewahrung-und-politischem-gegenwind">Förderung unter Druck: IWWIT zwischen Bewährung und politischem Gegenwind</h2>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie wird es unter diesen veränderten Bedingungen in den kommenden Jahren mit der IWWIT-Kampagne weitergehen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ob es mit IWWIT weitergeht, wird alle fünf Jahre entschieden. Dann nämlich, wenn die Fördergeberinnen, das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, unsere Arbeit evaluieren und unser Konzept für die Zukunft prüfen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und das ist euch gelungen, trotz der deutlich veränderten politischen Stimmungslage?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ja, und wir sind sehr froh, dass wir die Verantwortlichen von der Notwendigkeit und Wichtigkeit unserer Arbeit, aber auch von unserem Konzept für die nächsten Jahre überzeugen konnten. Wir stellen allerdings auch fest, dass IWWIT als Projekt und auch das, wofür es steht, von vielen verschiedenen Akteur*innen verstärkt hinterfragt wird – jedoch nicht auf kritisch-konstruktive, sondern eher auf eine vernichtende und abwertende Art und Weise.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklung zeigt sich auch auf politischer Ebene, etwa durch kleine oder große Anfragen von einzelnen Parteien im Bundestag. Wir hatten durchaus Sorge, ob unsere Arbeit weiter gefördert wird. Andere wichtige Projekte, gerade auch im Bereich Gesundheitsförderung, Anti-Rassismus oder LGBTIQ*-Rechte, die auf öffentliche Mittel angewiesen sind, müssen um ihre Existenz bangen. Wenn gespart werden muss, fallen solche Initiativen und Projekte oft als erstes weg, weil sie zunehmend nicht mehr für wichtig erachtet und für verzichtbar gehalten werden.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-kurzungen-treffen-queere-projekte-einzelfalle-oder-systemversagen">Kürzungen treffen queere Projekte: Einzelfälle oder Systemversagen?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In einigen Städten, etwa in Potsdam und in Halle (Saale), mussten die lokalen Aidshilfen kürzlich ihre Schulpräventionsprojekte auf Eis legen, weil die Förderung dafür nicht verlängert wurde.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dies sind leider keine Einzelfälle. Die tatsächlichen Summen, mit denen solche und andere Projekte von Organisationen, Vereinen und Initiativen mit öffentlichen Zuschüssen gefördert werden, sind oft gar nicht so groß, aber sie stellen einen wichtigen Teil der Gesamtfinanzierung dar. Fehlt dieses Geld, entfallen die Angebote deshalb oft komplett.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Wenn zum Beispiel ein Kontaktcafé oder eine Beratungsstelle zwar ehrenamtlich betrieben wird, die Raummiete aber bislang wesentlich durch Fördergelder finanziert wurde, gehen mit der Streichung dieser Gelder solche Orte verloren. Damit verlieren viele Menschen – seien es queere oder solche mit Migrationsgeschichte – eine wichtige Möglichkeit, Anschluss und Teilhabe am sozialen Leben zu finden. Auch deshalb ist es wichtig, dass Aidshilfe stabil bleibt – damit uns diese Netzwerke nicht verloren gehen und dadurch all die Menschen, die sonst durchs Raster fallen. Wir müssen also nicht nur unsere Orte und Angebote, sondern auch unsere Community stärken.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welchen Beitrag kann IWWIT dazu leisten?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfen und IWWIT haben Präventionsarbeit und auch sexuelle Bildung immer schon als politisch betrachtet. Denn wir stehen nicht nur für Menschen mit HIV, sondern für unterschiedlichste marginalisierte Gruppen ein. Zum Beispiel für Menschen mit HIV, die vielleicht jeglichen Zugang zu Gesundheitssystemen verlieren, sollte sich die politische Lage noch weiter zuspitzen. Wir stehen auch dafür ein, dass Menschen mit Fluchterfahrungen überhaupt einen Zugang zum Gesundheitssystem erhalten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir werden deshalb unsere Präventionsarbeit mehr als bisher auch mit einer politischen Bildungsarbeit verbinden. Denn wir merken, dass das eine nicht ohne das andere geht. Wir sprechen natürlich gerne über Sexualität und Sex und alles, was dazugehört. Wir alle wollen Liebe, wollen Räume, in denen wir uns sicher und wohlfühlen, und wir wollen von der Gesellschaft als das anerkannt und respektiert werden, was wir sind: queere Menschen. Das alles jedoch ist nicht mehr selbstverständlich.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir wollen die Community nicht nur aufklären, sondern auch dazu animieren, über solche Themen zu sprechen und nicht unsichtbar zu werden: Geht raus, trefft euch, verbündet euch!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-digital-prasent-bleiben-und-selbst-aktiv-werden">Digital präsent bleiben – und selbst aktiv werden</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gerade solche analogen Angebote werden ja immer weniger, wie wir bereits festgestellt haben.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir haben uns für die neue Förderperiode selbst einen klaren konzeptionellen Fokus gesetzt. Wir werden versuchen, stärker als zuvor auf den verschiedenen digitalen Plattformen, die wir bereits bespielen, präsent zu sein. Eben, um mehr denn je mit Menschen in Kontakt zu treten, die wir im analogen Leben, etwa bei Veranstaltungen während der CSD-Saison, nicht oder nicht mehr erreichen. IWWIT hat deshalb auch einen eigenen TikTok-Kanal gestartet, um auf diesem Weg eine weitere, sehr junge Zielgruppe mit hineinzuholen.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und hast du Tipps, was jede*r einzelne dazu beitragen kann, damit nicht nur Aidshilfe stabil bleibt, sondern auch unsere Community?</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine gute Frage. Aktivismus hat sehr viele Facetten und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, etwas zu bewirken. Du kannst mit vielen anderen gemeinsam auf einer CSD-Demo deine Rechte einfordern und für Sichtbarkeit sorgen. Du kannst einen Brief an einen Bundestagsabgeordneten oder an Verantwortliche in deiner Stadtverwaltung schreiben. Aber auch jedes einzelne Gespräch kann in deinem eigenen persönlichen Umfeld etwas ändern, allein dadurch, dass du klare Haltung zeigst.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wichtig dabei ist: Achte auf dich und bleib informiert. Es geht nicht allein darum, was im Bundestag oder bei den Parteien passiert, sondern auch, was bei dir auf lokaler Ebene, direkt vor der Haustür geschieht. IWWIT und die Deutsche Aidshilfe werden weiterhin eine vertrauenswürdige Plattform sein, wo ihr Informationen zu bestimmten Fragen erhaltet.</p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was mir aber auch wichtig ist zu sagen: Wir leben in unruhigen Zeiten und die vielen schlechten Nachrichten können uns mental belasten. Deshalb: Wer sich aktivistisch engagiert und Haltung zeigt, kann dies nur, wenn er auch auf sich selbst und die eigene Gesundheit achtet, und sich auch notwendige Ruhe und Auszeiten gönnt.</p>

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  </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zur-kampagne-aidshilfebleibtstabil"><strong>Mehr zur Kampagne #AidshilfeBleibtStabil</strong></h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="dI8ZKFrMAb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/embed/#?secret=jpzf4wfPlu#?secret=dI8ZKFrMAb" data-secret="dI8ZKFrMAb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="I8tFtURl0I"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/">Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/embed/#?secret=SvDB4rUXPm#?secret=I8tFtURl0I" data-secret="I8tFtURl0I" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
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		<title>Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:35:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
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		<category><![CDATA[sexuelle Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturelle Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559626</guid>

					<description><![CDATA[Die Unterstützung von Menschen in Haft gehört für viele Aidshilfen zu ihren Kernaufgaben. Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte arbeitet seit langem mit dem preisgekrönten Projekt "Gesundheit in Haft".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Betreuung und Unterstützung von Menschen in Haft gehört für viele Aidshilfen in Deutschland zu ihren Kernaufgaben. Welche Bedeutung diese Arbeit für die Gefangenen hat, zeigt sich im Emsland. Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte hat hier über Jahrzehnte hinweg das vorbildliche und preisgekrönte Programm &#8222;Gesundheit in Haft</strong>&#8220; <strong>entwickelt.</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Mit der Kampagne <a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">#AidshilfeBleibtStabil</a> setzt die Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen: Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz. Wir stehen zu unseren Werten – und an der Seite all unserer Communitys!</em></p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Aussicht auf Kaffee und Kuchen, das ist natürlich erst einmal für jede*n ein Anreiz. Aber selbst wer sich nur deshalb zur Gruppe anmeldet, sagt Thomas*, merkt schnell, dass es noch ganz andere Gründe gibt, dabei zu bleiben und mitzumachen. „Melanie und Kerstin schaffen es, alle zusammenzubringen und mitzunehmen, und auf eine nette Art und Weise, Vertrauen aufzubauen.“ Bei den Frauen, denen das gelingt, handelt es sich um Kerstin Billig und Melanie Kura vom <a href="https://zsg-ev.de/">Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte (ZSG)</a>, wie die Aidshilfe Emsland seit 2024 heißt. Sie besuchen nicht nur nach Bedarf Gefangene im Justizvollzugskrankenhaus Lingen, sondern bieten in den Haftanstalten Meppen und Hesepe zudem feste Gruppen an.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-anstoss-zur-selbstvorsorge">Anstoß zur Selbstvorsorge</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Seit mittlerweile über sechs Jahren gestalten sie diese wöchentlichen Treffen des eigens entwickelten innovativen Konzepts <a href="https://zsg-ev.de/gesundheit-in-haft/">„Gesundheit in Haft“</a>. Die Hälfte der zehn Sitzungen ist einem bestimmten Gesundheitsthema gewidmet, genauer gesagt sexuell übertragbaren Krankheiten – von Hepatitis und Syphilis bis HPV. „Viele Dinge, insbesondere zu HIV, waren mir tatsächlich neu, etwa die Behandlungsmethoden und die <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep">PrEP</a>. Von <a href="https://www.aidshilfe.de/de/mpox-affenpocken">Mpox</a> hatte ich davor nur in den Nachrichten gehört“, sagt Thomas, der in der JVA Hesepe an dem Gruppenangebot teilgenommen hat. Er fand es zur Erweiterung des eigenen Horizonts beispielsweise auch sehr informativ, von den Infektionsrisiken durch das Teilen von Spritzen und Röhrchen zu erfahren, obwohl er selbst keine Drogen konsumiert. „Aber es ist immer gut, über sowas Bescheid zu wissen und dieses Wissen vielleicht an andere weitergeben zu können.“ </p>

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<p class="wp-block-paragraph">Auf diese Weise wächst auch wieder das Vertrauen in die Gesundheitssysteme und ihre Institutionen.</p>

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<cite>Kerstin Billig, Gesundheit in Haft</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Für Kerstin Billig dienen diese Aufklärungsstunden nicht allein der Prävention. Ihr geht es auch darum, die Insass*innen zu mehr Selbstvorsorge zu motivieren. „Wir regen sie auch an, gegebenenfalls HPV- oder Hepatitis-Impfungen nachzuholen.“ In den Sitzungen bekommen sie das Rüstzeug, um mit ihren Anstaltsärzt*innen darüber zu sprechen. Und auf diese Weise, so Kerstin Billigs Hoffnung, wächst auch wieder das Vertrauen in die Gesundheitssysteme und ihre Institutionen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-vertrauliche-gesprache-zu-psychischen-sorgen">Vertrauliche Gespräche zu psychischen Sorgen</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Für Thomas besonders hilfreich waren jedoch jene Sitzungen, in denen es darum ging, mit welchen Übungen man Stress, dem Inhaftierte unweigerlich ausgesetzt sind, besser bewältigen kann. Und vielleicht noch wichtiger sind für viele die offenen Gesprächsrunden. Denn für Inhaftierte gibt es wenig Möglichkeiten, den Haftraum zu verlassen, unter anderen Menschen zu sein und offen über die alltäglichen Sorgen und Nöte sprechen zu können.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zwar haben alle Gefangenen die Möglichkeit, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, doch gerade Männer scheuen sich davor. Zudem bleibt die Unsicherheit, ob das, was mit den Psycholog*innen besprochen wurde, vielleicht doch in der Haftakte landet oder an die Anstaltsleitung weitergegeben wird. In den Gruppen des Zentrums Sexuelle Gesundheit gilt hingegen die Vereinbarung: Alles, was dort besprochen wird, wird nicht weitergegeben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Kerstin Billig ist selbst immer wieder davon überrascht, wie wertschätzend und respektvoll der Umgang untereinander in den Sitzungen ist und wie schnell die Teilnehmenden sich öffnen. Es sind eigentlich ganz alltägliche Dinge aus dem Haftalltag, die hier ungefiltert ausgesprochen werden können. Ganz häufig, sagt Thomas, geht es um die Sorge, was nach der Haft kommt: „Welche Möglichkeiten habe ich? Wie werde ich draußen angenommen?“ </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Hier werden die Inhaftierten nicht darüber definiert, weshalb sie einsitzen. Wir wissen nicht, weshalb sie verurteilt wurden, und wollen das auch bewusst nicht wissen.</p>

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    </div>
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<cite>Kerstin Billig, Gesundheit in Haft</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Kerstin Billig weiß, wie wichtig diese wöchentlichen Sitzungen für die Teilnehmenden sind. Diese Treffen sind ein kleiner Lichtblick im Haftalltag. „Wir bieten einen relativ sicheren Raum, sich auszutauschen und auch mal Gefühle zu zeigen. Hier werden sie nicht über die Verbrechen definiert, weshalb sie einsitzen. Das ist für viele eine wichtige Erfahrung. Wir wissen nicht, weshalb sie verurteilt wurden, und wollen das auch bewusst nicht wissen.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Oftmals bleibt der Kontakt zum Zentrum Sexuelle Gesundheit auch nach der Haftentlassung noch eine Weile bestehen. Manchmal kommen ehemalige Gefangene einfach mal zum wöchentlichen Regenbogenfrühstück im Zentrum vorbei. Manche benötigen Unterstützung, etwa wenn es um den Kontakt zu Arbeitgeber*innen oder Institutionen geht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vor allem während der Haftzeit bleiben die Mitarbeiterinnen des ZSG Ems-Vechte Ansprechpartnerinnen. Die Gefangenen können jederzeit einen Beratungs- und Gesprächstermin in der Haftanstalt vereinbaren. Das Entscheidende dabei: Diese Gespräche sind anonym und finden ohne Anwesenheit von Vollzugsbeamt*innen statt. Diese Beratungstermine können zudem auch für Tests auf HIV, Syphilis und Hepatitis C genutzt werden. Auch das erfolgt völlig anonym und die Ergebnisse werden nicht weitergegeben. Kerstin Billig und Melanie Kura beraten dann im Falle positiver Testergebnisse über Behandlungsmöglichkeiten.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-beharrliches-engagement-seit-1986">Beharrliches Engagement seit 1986</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dass eine Aidshilfe-Einrichtung innerhalb einer Haftanstalt anonyme Tests durchführen kann, ist keineswegs selbstverständlich, sondern spricht für das Vertrauen, das ihnen von Seiten der Anstaltsleitungen in Meppen und Hesepe entgegengebracht wird. Die Sozialpädagogin Kerstin Billig und die Psychotherapeutin Melanie Mura profitieren hier von der Arbeit ihrer Vorgänger*innen. Denn die Aidshilfe Emsland engagiert sich bereits seit ihrer Gründung 1986 in den Haftanstalten. Über all diese Jahrzehnte hinweg ist so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit erwachsen. Die Arbeit, die das ZSG Ems-Vechte für die Gefangenen leistet, wird von allen Seiten gewünscht, geschätzt und gewürdigt. Probleme und Wünsche können deshalb auf dem kurzen Dienstweg besprochen werden. Der Erfolg ihrer Arbeit und das Engagement des ZSG Ems-Vechte wurde längst über Niedersachsen hinaus wahrgenommen. 2023 wurde die kleine Aidshilfe im Emsland mit dem Hans-Peter-Hauschild-Preis für besondere Verdienste um die strukturelle Prävention gewürdigt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als das ZSG nach einer Corona-bedingten Pause mit dem neuen Konzept wieder die Arbeit in den Justizvollzugsanstalten aufnehmen konnte, war der Zulauf noch verhalten. Mittlerweile ist die Skepsis der Inhaftierten verflogen, und das Angebot wird durch Mund-zu-Mund-Propaganda stetig weiterempfohlen. Auch Thomas hatte darüber von der Gruppe erfahren. Rund 50 Menschen haben übers Jahr die Möglichkeit, an diesem Programm teilzunehmen. Die Nachfrage ist allerdings deutlich höher. Doch für zusätzliche Gruppen fehlt es dem ZSG Ems-Vechte an personellen Ressourcen. Im Mai beginnt in Hesepe ein neuer Durchgang des Seminars. Thomas möchte unbedingt noch einmal daran teilnehmen und wird sich deshalb erneut dafür bewerben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><em>*Name redaktionell geändert</em></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zu-gesundheit-in-haft">Mehr zu &#8222;Gesundheit in Haft&#8220;</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="TdzTLa4tau"><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/gesundheit-in-haft-es-hakt-immer-dann-wenns-teuer-wird/">Gesundheit in Haft: „Es hakt immer dann, wenn&#8217;s teuer wird“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Gesundheit in Haft: „Es hakt immer dann, wenn&#8217;s teuer wird“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/gesundheit-in-haft-es-hakt-immer-dann-wenns-teuer-wird/embed/#?secret=JoayqsoG4Y#?secret=TdzTLa4tau" data-secret="TdzTLa4tau" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zur-kampagne">Mehr zur Kampagne</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="G0O8K79Hty"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/embed/#?secret=QLShDk69dz#?secret=G0O8K79Hty" data-secret="G0O8K79Hty" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Wider das Verschweigen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 13:34:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559618</guid>

					<description><![CDATA[In ihrem autobiografisch geprägten Spielfilm „Romería“ erinnert die Regisseurin Carla Simón an die tabuisierte Aidskrise im Post-Franco-Spanien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach dem Ende der Franco-Diktatur erlebte Spanien eine gesellschaftliche Aufbruchstimmung, in deren Folge das Land viele Drogen- und Aidstote zu beklagen hatte. In ihrem autobiografisch gefärbten Spielfilm „Romería“ erinnert die Regisseurin Carla Simón an diese tabuisierten Krisenjahre.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die 18-jährige Marina hat ihre biologischen Eltern nie richtig kennengelernt; der Vater starb, als sie ein Baby war, und die Mutter nur wenige Jahre später. Im Jahr 2004 macht sich Marina auf den Weg nach Galizien, um erstmals die Familie ihres Vaters Alfonso zu treffen. Der Anlass ist pragmatisch: Für ein Stipendium an einer Filmhochschule benötigt sie dessen Sterbeurkunde. Das, so denkt Marina (Llúcia Garcia), dürfte doch kein Problem sein. Doch dann muss sie feststellen, dass sie in den offiziellen Unterlagen gar nicht als Tochter genannt ist. Sie gerät nun unweigerlich in die Situation, ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Leicht machen es ihr die neuen Onkel, Tanten, Neffen und Nichten nicht. Von den zurückweisenden Großeltern abgesehen wird sie von ihrem weitverzweigten Familienclan jedoch herzlich aufgenommen. Immer wieder bekommt sie zu hören, wie sie ihrer Mutter aus dem Gesicht geschnitten sei. Sie wird geradezu überschüttet mit Geschichten und bruchstückhaften Erinnerungen an ihre verstorbenen Eltern. Mit gesundem Misstrauen und sanfter Neugier auf diese quirlige Großbürgerfamilie gelingt es Marina, sich weder vereinnahmen noch abkanzeln zu lassen.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn so manches Berichtete deckt sich überhaupt nicht mit dem, was ihr bisher über Alfonso erzählt worden war, selbst grundlegende Fakten wie sein Todesjahr. Jetzt erfährt sie, dass er erst Jahre nach ihrer Geburt gestorben ist. Vieles, das sie von ihren Eltern zu wissen glaubte, entpuppt sich als Notlüge, Realitätsverweigerung oder der dreiste Versuch, die Wahrheit zu vertuschen. Ihr Cousin glaubt zu wissen, dass Alfonso, abgeschirmt von Freund*innen und Familienangehörigen, in einem Zimmer eingesperrt gestorben sei: „Du musst dir das so vorstellen: Großmutter betrat den Raum nur mit Maske und Handschuhen.“ Niemand habe ihn besuchen dürfen, damit sich sein Zustand nicht in der Stadt herumsprach. Und auch über Marina selbst scheinen seltsame Dinge zu kursieren. Zwei Kinder plaudern aus, dass man ihnen eingeschärft habe, sich Marina nicht zu sehr zu nähern: Mit ihrem Blut sei etwas nicht in Ordnung.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Es war eine glückliche Periode, aber auch eine, in der in einigen Regionen des Landes Drogen überhandnahmen. Damit ging eine schnelle Verbreitung von HIV einher.“</p>

              </div>
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<cite>Carla Simón</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Wie schon in ihrem Vorgängerfilm, dem Berlinale-Gewinner „Alcarràs – Die letzte Ernte“, hat Carla Simón ein feines Gespür dafür, Familiendynamiken präzise und fast beiläufig offenzulegen und emotionale Zwischentöne zu gestalten. Erzählerisch knüpft die spanische Regisseurin und Drehbuchautorin mit „Romería“ an ihren Erstlingsfilm <a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/zehn-tage-filmrausch/">„Fridas Sommer“</a> an: Dort kommt ein kleines Mädchen nach dem Tod ihrer Eltern bei der Verwandtschaft auf dem Lande unter. Dass sie drogenabhängig waren und an den Folgen von Aids starben, ist dem Kind nicht bewusst.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">In „Romería“ – das spanische Wort bedeutet Pilgerfahrt – steht nun eine Jugendliche im Zentrum, die durch ihr beharrliches Nachfragen vom Schicksal ihrer Eltern erfährt: von deren Drogenabhängigkeit und Aids-Erkrankung Ende der 1980er Jahre.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Carla Simón greift in diesen Filmen auf ihre eigene Lebensgeschichte zurück. Auch ihre Eltern gehörten zu jener Generation, die in den achtziger Jahren nach dem Ende der Franco-Diktatur neue Lebensmodelle ausprobierten und im Zuge der gesellschaftlichen und kulturellen Aufbruchsstimmung die neugewonnene Freiheit auskosteten. Dazu gehörte auch der Drogenkonsum. „Es war eine glückliche Periode, aber auch eine, in der in einigen Regionen des Landes Drogen überhandnahmen. Damit ging eine schnelle Verbreitung von HIV einher“, erklärt Carla Simón in einem <a href="https://taz.de/Regisseurin-Carla-Simon-ueber-Romeria/!6166521/">Interview mit der taz</a>. Doch obwohl so viele Menschen in Spanien in dieser Zeit an den Folgen von Aids starben, sei das Thema weiterhin tabuisiert. Mit ihrem Film möchte sie daher erreichen, dass mehr über diese Generation gesprochen wird. „Auch, weil sie diejenigen waren, die mit gestrigen Wertvorstellungen brachen, mit streng konservativen und erzkatholischen Überzeugungen, die nach der Diktatur noch sehr präsent waren.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Aus dem, was Marina aus den Gesprächen über ihre Eltern erfährt, imaginiert sie Szenen aus deren jungem, wildem, exzesshaftem Leben. Zwar sind es keine eigenen Erinnerungen – denn sie war ja nicht dabei –, aber so könnte es vielleicht gewesen sein. Es ist ihr Weg, mit dem Verlust und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit umzugehen und diese Leerstelle in ihrer Biografie zu füllen. Die Rückblenden, in denen wir die Eltern im Film kennenlernen, sind nichts anderes als Imaginationen <a>– </a>Marina und deren Mutter werden immerhin von der derselben Schauspielerin verkörpert.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Drastische Bilder fügen sich in Carla Simóns präzise montierten Patchwork aus Spielszenen, Archivmaterial und stimmungsvollen Motiven der iberischen Atlantikküste zu einem poetisch-melancholischen Gesamtbild.</p>

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</blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Um das große Sterben in jener Zeit zu visualisieren, lässt Simón die Besucher*innen eines Clubs zu dem spanischen 80er-Jahre-Hit „Bailaré sobre tu tumba“ (zu Deutsch: „Ich werde auf deinem Grab tanzen“) streng choreografiert bewegen. Nach und nach erstarren Tänzer*innen und werden mit einem Leichentuch verhüllt. Auch solch drastische Bilder fügen sich in Carla Simóns präzise montierten Patchwork aus Spielszenen, Archivmaterial und stimmungsvollen Motiven der iberischen Atlantikküste zu einem poetisch-melancholischen Gesamtbild. Am Ende wird Marina ihren Eltern zum ersten Mal wirklich nahegekommen sein. Vor allem aber hat sie das jahrelange Verschweigen durchbrochen und der aus der gesellschaftlichen Ächtung befeuerten Scham, die ihre Großeltern für Alfonsos Aidstod immer noch empfanden, ein Ende bereitet.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><em><a href="https://pifflmedien.de/filme/romeria/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“</a>, Spanien 2025. Regie Carla Simón, mit Llúcia Garcia, Tristán Ulloa, Tristán Ulloa, Sara Casasnovas. 115 Min., OmU.</em></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-vorfuhrungen-von-romeria-mit-anschliessenden-gesprachen"><strong>Vorführungen von &#8222;Romería&#8220; mit anschließenden Gesprächen</strong></h2>

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<ul class="wp-block-list">    
<li>Karlsruhe, 9.4., 18.15 Uhr, Schauburg, in Kooperation mit dem Zentrum für sexuelle Gesundheit, Identität und Aufklärung Karlsruhe (ZeSIA)</li>



    
<li>Nürnberg: 9.4., 20.15 Uhr, Filmhaus. Filmgespräch im Anschluss mit Beate Lischka, Sozialpädagogin der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e. V.</li>



    
<li>Soest: 7.5., 20 Uhr, Kulturhaus Alter Schlachthof, in Kooperation mit der Aidshilfe im Kreis Soest e.V.</li>

</ul>

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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-filme-zur-aidsgeschichte">Mehr Filme zur Aidsgeschichte</h2>

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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="17afmOV0Oa"><a href="https://magazin.hiv/magazin/filme-hiv-aids/">Vier Jahrzehnte Aids: 9 Filme zum Leben mit HIV/Aids</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Vier Jahrzehnte Aids: 9 Filme zum Leben mit HIV/Aids&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/filme-hiv-aids/embed/#?secret=oIxuK2UVyR#?secret=17afmOV0Oa" data-secret="17afmOV0Oa" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>„Als würde man neben jemandem im Bett aufwachen“: Porträts von Peter Hujar</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/peter-hujar-fotograf/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/peter-hujar-fotograf/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 16:53:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559544</guid>

					<description><![CDATA[Der früh infolge von Aids verstorbene New Yorker Fotograf Peter Hujar blieb zu Lebzeiten ein Geheimtipp. Nun erlebt er eine Wiederentdeckung. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der früh infolge von Aids</strong> <strong>verstorbene New Yorker Fotograf Peter Hujar blieb zu Lebzeiten ein Geheimtipp. Nun erlebt er als empfindsamer Chronist einer Zeit der gesellschaftlichen Veränderungen und sexuellen Emanzipation eine Wiederentdeckung. Aktuell sind Retrospektiven in Berlin und Bonn zu sehen.</strong></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-bandbreite-mannlicher-emotionen">Bandbreite männlicher Emotionen</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was genau sehen wir hier eigentlich? Einen Mann, der aus Verzweiflung weint? Oder ist sein Gesicht vor Schmerz oder vielleicht aus Lust verzerrt? Als Hanya Yanagihara ihrem Verlag dieses Foto als Covermotiv für ihren Roman „Ein wenig Leben“ vorschlug, war man dort wenig begeistert. Das Bild schien zu übergriffig zu sein, zu intim, zu herausfordernd. Die New Yorker Autorin aber setzte sich durch. Ihr 2017 auch auf Deutsch erschienenes Buch wurde ein Weltbestseller, und das Umschlagmotiv – da sind sich die Leser*innen einig – fängt die ganze Bandbreite der emotionalen Extreme des Romans – männliche Verletzlichkeit, Schmerz, Verzweiflung und Ekstase – in einem einzigen Ausdruck ein. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="196" height="300" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/Ein-wenig-Leben_CT0_9783446255586_0001-196x300.jpg" alt="Buchcover des Romans &quot;Ein wenig Leben&quot; von Hanya Yanagihara zeigt ein Gesicht mit zusammengekniffenen Augen" class="wp-image-1559545 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/Ein-wenig-Leben_CT0_9783446255586_0001-196x300.jpg 196w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/Ein-wenig-Leben_CT0_9783446255586_0001.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Foto von Peter Hujar auf dem Romancover von Hanya Yanagihara </p>

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<p class="wp-block-paragraph">© Hanser</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Bild erfuhr auf diesem Weg eine enorme Verbreitung und Aufmerksamkeit. Was aber viele überraschte: Entstanden ist das Foto mit dem Titel „Orgasmic Man“ bereits im Jahr 1969 – es stammt von Peter Hujar.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zu Lebzeiten war der 1987 verstorbene New Yorker Fotograf nur mäßig erfolgreich. Lediglich ein Band „Portraits in Life and Death“ – Porträts befreundeter Künstler und Autor*innen wie Susan Sontag, Robert Wilson, Fran Lebowitz und William S. Burroughs neben Fotos von mumifizierten Leichen in den Katakomben von Palermo – hat Hujar zu Lebzeiten veröffentlicht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch seit wenigen Jahren erlebt sein Werk eine erstaunliche Wiederentdeckung. Im vergangenen Jahr kam <a href="https://salzgeber.de/peterhujar">„Peter Hujar’s Day“</a> von Ira Sachs in die Kinos. Vorlage für dieses intime Porträt sind Gespräche, die Hujars befreundete Autorin Linda Rosenkrantz im Laufe eines Tages im Jahr 1974 protokollierte. Eine von der Londoner Galerie Raven Row erarbeitete Retrospektive gastiert derzeit in der Bonner Bundeskunsthalle. Parallel dazu wird auch <a href="https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau/programm/2026/ausstellungen/peter-hujar-liz-deschenes">im Berliner Martin-Gropius-Bau mit „Persistence of Vision“</a> eine Übersicht seines fotografischen Schaffens gezeigt (gekoppelt mit abstrakten Arbeiten der zeitgenössischen Fotografin Liz Deschenes). Hier sind nun auch Originalprints von „Orgasmic Man“ zu sehen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-intimitat-empathie-und-verletzlichkeit">Intimität, Empathie und Verletzlichkeit</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In den Achtzigerjahren wurden einige von Hujars Männeraktfotografien, darunter viele Selbstporträts, vielfach reproduziert. Im Zuge der Gay-Liberation-Bewegung hatten schwule Fotografen damit begonnen, den nackten Mann technisch und handwerklich perfekt in Szene zu setzen, ihn als Motiv in die Fotokunst einzuschreiben und damit ein Tabu zu brechen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anders als <a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/provokationen-in-schwarz-weiss/">Robert Mapplethorpe</a>, der mit seiner unterkühlten Ästhetik und inszeniertem Glamour zum Starfotografen erhoben wurde, reduziert Hujar seine Modelle nicht allein auf die Perfektion ihrer Körper. Vielmehr versuchte er in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien, deren Persönlichkeit einzufangen. Dazu verbrachte er viele Stunden mit ihnen, bis schließlich das eine, entscheidende Foto gelungen war. Viele der Porträtierten waren ohnehin Freund*innen und Bekannte mit der Bereitschaft, sich vor der Kamera nicht nur zu entblößen, sondern auch zu öffnen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter Hujar gelangen auf diese Weise Bilder, die ganz der Tradition der Porträtfotografie verpflichtet sind und zugleich soviel Intimität, Empathie und Verletzlichkeit ausstrahlen, dass sie bis heute zu berühren vermögen. „Ein Hujar-Porträt anzusehen“, sagt die Fotografin Lynn Davis, „ist fast so, als würde man neben jemandem im Bett aufwachen“.</p>

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              © Peter Hujar “Larry Ree Backstage (II)”, 1974 © 2025 Tue Peter Hujar Archive/Artists Rights Society (ARS), NY, DACS London and Pace Gallery
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wahlfamilie-und-beseelte-stadtlandschaften">Wahlfamilie und beseelte Stadtlandschaften</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Im gerade auf Deutsch erschienenen, zwischen Autobiografie und Fiktion changierenden Roman „Foto auf Anfrage“ erzählt der französische Autor Simon Chevrier von einem jungen Sexworker und Grindr-Date-Maniac, der von einem Bild Hujars derart fasziniert ist, dass er in einer obsessiven Recherche versucht, das Schicksal dieses Fotomodells zu ergründen. Das Bild – „Daniel Schook Sucking Toe“ – zeigt einen unbekleideten, sehr gelenkigen Mann, der an seinen eigenen Fußzehen lutscht, und den Betrachter direkt anzuschauen scheint. Eine solche Szene entsteht aus einer Vertrautheit, die sich auf das Bild und schließlich auf die Betrachter*innen überträgt, ohne diese in die Rolle von Voyeur*innen zu drängen.</p>

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<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="212" height="300" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/foto-auf-anfrage-212x300.jpg" alt="Buchcover &quot;Foto auf Anfrage&quot; von Simon Chevrier mit Hujars Fotografie &quot;Daniel Schook Sucking Toe&quot;, die eine nackte, gelenkige Person zeigt, die an den eigenen Fußzehen lutscht und in die Kamera guckt." class="wp-image-1559548 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/foto-auf-anfrage-212x300.jpg 212w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/foto-auf-anfrage.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph">Das Foto von Peter Hujar spielt eine wichtige Rolle im Roman von Simon Chevrier </p>

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<p class="wp-block-paragraph">© Albino/Salzgeber</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Hujars Arbeitsweise und Wirkung erinnert stark an <a href="https://magazin.hiv/schlagwort/nan-goldin/">Nan Goldin</a>, wenngleich die US-Fotografin ihren erweiterten Freund*innen- und Bekanntenkreis gewissermaßen ganz spontan, aus dem Moment heraus, mit der Kamera festhält. Doch bei Goldin wie bei Hujar fügen sich die einzelnen Aufnahmen in der Gesamtschau zu einem Gruppenporträt eines queeren Netzwerks.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hat Peter Hujar auch sein Umfeld mit der gleichen Aufmerksamkeit und Sensibilität im Bild festgehalten wie diese erweiterte Wahlfamilie: etwa die heruntergekommenen West Side Piers in Manhattan – eine morbide Kulisse und zugleich schwule Cruising-Area –, zarte Wellen auf dem Hudson River, Drag Queens, menschenleere Stadtlandschaften sowie Clowns und Artist*innen in einem Zirkus. Er fotografierte aber auch Tiere auf Bauernhöfen in Germantown, einer von Deutschen gegründeten Siedlung unweit von Philadelphia, mit der gleichen Aufmerksamkeit.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Pferde, Hunde und Kühe oder das Wasser im Fluss sind für ihn ebenso beseelt wie der Stadtraum und die darin lebenden Menschen. Nichts ist zu banal, als dass es seine Aufmerksamkeit verdiente; nichts zu intim, als dass man es nicht mit der Kamera festhalten, bannen und zeigen dürfte. Angesichts all des Schmerzes und Leids, der Vergänglichkeit und des Verfalls sucht Peter Hujar beharrlich nach Schönheit, einem Moment des Glücks – und wird fündig.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-post-stonewall-nostalgie-und-queere-geschichtsschreibung">Post-Stonewall-Nostalgie und queere Geschichtsschreibung</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Die hedonistische Revolte, der Aufbruch, die sich in Hujars Porträts der Sechziger- und Siebzigerjahre spiegeln, stimmen nostalgisch. Seine Bilder atmen die Aufbruchsstimmung, den Hedonismus und das Freiheitsgefühl, das die queere Subkultur nach dem Stonewall-Aufstand 1969 in New York erlebte. In diesen Aufnahmen ist zugleich ein New York vor dem Vergessen bewahrt, das durch die Gentrifizierung lange schon verschwunden ist, und eine Kunstszene und Bohéme, die innerhalb weniger Jahre durch Aids einen wahren Kahlschlag erlebte. Mit vielen dieser Menschen war Hujar befreundet, und er hat sie in seiner karg möblierten Wohnung im East Village, die auch als Atelier diente, fotografiert – wie etwa den Künstler Paul Thek, die Schauspielerin und Kolumnistin Cookie Mueller und seinen kurzzeitigen Geliebten, den Künstler, Schriftsteller und Aids-Aktivisten <a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/kreative-wut-und-hommage-an-frank-wagner/">David Wojnarowicz</a>.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Als Peter Hujar am 26. November 1987, nur wenige Monate nach der Diagnose, im Alter von 53 Jahren an einer Aids-bedingten Lungenentzündung in einem New Yorker Krankenhaus starb, fotografierte und filmte David Wojnarowicz den ausgemergelten Leichnam und nutzte die Aufnahmen für künstlerische Arbeiten – seine Form der Hommage und Trauerarbeit.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Drei dieser eindringlichen und ergreifenden Aufnahmen sind in der Bonner Ausstellung zu sehen. Sie bilden ein unerbittliches, fast sakral wirkendes Triptychon, das wie eine moderne Pietà wirkt: das hagere, bärtige Gesicht des Fotografen, seine rechte Hand, die ein Laken zu umklammern scheint, seine blassen Füße mit verkrümmten Zehen, die unter der Bettdecke hervorragen. Entstanden sind diese Aufnahmen im gleichen Krankenzimmer, in dem Hujar viele Jahre zuvor seinerseits Candy Darling, eine Pionierin der US-Trans-Bewegung und Star in vielen Andy-Warhol-Filmen, auf dem Sterbebett fotografiert hatte.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Viele Künstler*innen und Akteur*innen dieser Ära, die Teil von Hujars Kosmos waren und von ihm porträtiert wurden – wie Wojnarowicz oder der Performancekünstler und Modedesigner Leigh Bowery – haben in den vergangenen Jahren neue Aufmerksamkeit erfahren. Im Zuge einer Neubefragung der 1980er Jahre zur queeren Geschichtsschreibung, der Aidskrise und der ACT-UP-Bewegung rücken diese Menschen wieder in den Fokus. Dabei wird auch deren Einfluss auf nachfolgende Generationen immer deutlich. So erlebt nun Peter Hujar, fast vier Jahrzehnte nach seinem Tod, die verdiente Anerkennung, die ihm zu Lebzeiten weitgehend versagt geblieben ist.</p>

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              Peter Hujar, Selbstportrait (III), 1980 © The Peter Hujar Archive / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy of The Peter Hujar Archive / ARS, New York, and
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-aktuelles-zu-peter-hujar">Aktuelles zu Peter Hujar</h2>

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<ul class="wp-block-list">    
<li><em><a href="https://www.bundeskunsthalle.de/hujar">Peter Hujar: „Eyes Open In The Dark”,</a> Bundeskunsthalle Bonn, bis 23. August 2026.<br></em></li>



    
<li><em><a href="https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau/programm/2026/ausstellungen/peter-hujar-liz-deschenes">Peter Hujar/Liz Deschenes: „Persistence of Vision”,</a> Martin-Gropius-Bau Berlin, bis 28. Juni 2026.</em></li>

</ul>

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<ul class="wp-block-list">    
<li><em><a href="https://salzgeber.de/de/buch/chevrier-fotoaufanfrage/">Simon Chevrier: „Foto auf Anfrage“.</a> Aus dem Französischen von Christian Ruzicska. </em><em>Albino Verlag, 155 S., 24 Euro</em></li>

</ul>

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		<title>„Wir sind es den Menschen schuldig, dass wir ihre Geschichten erzählen“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/wir-sind-am-leben/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/wir-sind-am-leben/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 12:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[90er]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Aids-Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
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					<description><![CDATA[Peter Plate und Ulf Leo Sommer haben mit Rosenstolz die deutsche Popmusik geprägt. Ihr neues Musical „Wir sind am Leben“ blickt zurück auf die Aufbruchzeit im Berlin des Jahres 1990 und die Aidskrise.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Peter Plate und Ulf Leo Sommer haben mit Rosenstolz die deutsche Popmusik geprägt, aber sich inzwischen auch in der Musicalbranche einen Namen gemacht. Ihr neues Stück ist ein Herzensprojekt. „Wir sind am Leben“ blickt zurück auf die Aufbruchzeit im Berlin des Jahres 1990 und die Aidskrise.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Berlin im Jahr nach dem Mauerfall: Im Osten hat ein halbes Dutzend junger Menschen eine neue Heimat und eine Wahlfamilie gefunden. Dort leben unter anderem der HIV-positive Drag-Performer Bruno mit seinem Partner, einem kubanischstämmigen Tänzer, ein lesbisches Paar und Nina, die noch kurz vor der Maueröffnung aus Wittenberg in den Westen geflohen ist, um hier ihr Glück als Musikerin zu versuchen. Auch ihr jüngerer schwuler Bruder Mario sucht Unterschlupf in der Wohngemeinschaft.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Am 21. März 2026 wird „Wir sind am Leben“ am Berliner Theater des Westens uraufgeführt und ist dort bis mindestens zum Jahresende zu sehen. Wir haben mit Peter Plate und Ulf Leo Sommer gesprochen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Peter und Ulf, eure bisherigen Musicals basieren alle auf bereits vorhandenen Stoffen, „Romeo &amp; Julia“ etwa auf dem Shakespeare-Drama, „Kudamm 56“ auf der gleichnamigen ZDF-Serie. Welche Idee liegt eurer neuen Produktion zugrunde?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Uns schwebte ein Stück vor, bei dem man als Zuschauer das Gefühl hat, einer Gruppe von 1990 zufällig zusammengewürfelten Menschen beim Leben zuzuschauen. Wir hatten also am Anfang keine riesige Story im Kopf, sondern haben erst sehr detailliert die einzelnen Figuren entworfen und daraus die verschiedenen Geschichten und Höhepunkte entwickelt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Publikum erlebt nun eine ziemlich bunte, vor allem sehr queere WG. Es geht um junge Menschen, die nach Berlin ziehen, um sich künstlerisch zu verwirklichen, aus der provinziellen Enge ihrer ostdeutschen Heimat auszubrechen und um ihren Platz im Leben zu finden. Das Stück verhandelt dabei eine ganze Reihe an Themen. Gab es eines, das für euch von Anfang an zentral war?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Es gab tatsächlich eine Hauptmotivation, weshalb wir dieses Musical angegangen sind. Genaugenommen verfolgen wir diesen Wunsch schon viele, viele Jahre: ein Stück zu schreiben, das sich um HIV und Aids dreht und in dieser Zeit angesiedelt ist.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ulf Leo Sommer: In Großbritannien gibt es beispielsweise die großartige Fernsehserie <a href="https://magazin.hiv/magazin/wider-die-scham-und-die-suende/">„It’s a Sin“</a>, in den USA „Engel in Amerika“. Aber was gibt es Vergleichbares in Deutschland, das ein breites Mainstream-Publikum anspricht? Wir haben hier ein großes Theater zu füllen und wir müssen und wollen deshalb mit unserem Musical ein großes Publikum erreichen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Musical scheint nicht gerade die naheliegende Kunstsparte, um das Thema zu verarbeiten, oder?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Uns war klar, dass es keine leichte Aufgabe sein wird, ein solch schweres Thema als Musical aufzubereiten, und dass dies nur durch <em>Comic Relief </em>geht, durch befreiende Komik. Die Aufgabe erfüllt im Stück insbesondere die Figur der krankhaft lügnerischen, übergriffigen und zuletzt doch auch liebenswerten Mutter von Nina und Mario.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Wir verfolgen schon viele, viele Jahre den Wunsch, ein Stück zu schreiben, das sich um HIV und Aids dreht.</p>

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<cite>Peter Plate</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe als Komponist oder Produzent im Studio ja mit vielen Künstler*innen gearbeitet und sie immer mit meinem Spruch geärgert: „Kein Leben ist interessant genug für ein ganzes Album. Es braucht Überhöhung.“ Das gilt auch für das Musical. Aber alle, die uns ein wenig kennen, werden sofort merken, dass das Stück sehr starke autofiktionale Züge trägt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Bruno etwa ist nach der großen Liebe meines schwulen Onkels benannt. Bruno war Maskenbildner und ist auf sehr dramatische Weise an Aids gestorben. Ich habe das aber erst viel später erfahren. In meiner Familie war das ein Geheimnis, ich durfte das als Jugendlicher nicht wissen. Es ist einfach Wahnsinn, dass es so viele Jahre brauchte, dass in unserer Familie darüber geredet wurde. In der ersten Schreibsession haben wir einfach unsere Erinnerungen an diese Zeit zusammengetragen, und das ging uns allen ziemlich nahe. Ich hab manchmal richtig geflennt. Gemeinsam mit unserem Regieteam Lukas Nimscheck und Franziska Kuropka haben wir dann das Buch entwickelt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viele der Menschen, die in ein Musical gehen, wollen dort einen Wohlfühlabend erleben. Die Themenpalette, die euer Stück behandelt, lässt das erst einmal nicht vermuten. Ihr geht damit, kommerziell betrachtet, durchaus ein Risiko ein.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ulf Leo Sommer: Wer hätte gedacht, dass ein Musical mit singenden Katzen erfolgreich sein könnte? Oder denken wir an „Cabaret“, ein Stück über den Aufstieg der Faschisten mit einer Frau im Mittelpunkt, die sich prostituiert, eine Abtreibung vornimmt und eine Geschichte, die alles andere als gut ausgeht. Wir sollten das Publikum nicht unterschätzen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind am Leben“ ist ein Herzensprojekt.</p>

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    </div>
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<cite>Ulf Leo Sommer</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Ja, wir gehen ein Risiko ein. Aber ich betrachte das ganz nüchtern. Wir haben keine Kinder, die wir versorgen müssen, und ich brauche keine Segeljacht oder anderen Luxus. Wenn es richtig schiefgeht, können wir danach wirklich pleite sein. Aber dieses Musical ist ein Herzensprojekt, das wir schon sehr, sehr lange angehen wollten. Es mag jetzt vielleicht etwas merkwürdig rüberkommen, aber ich glaube, wir sind es den Menschen, die damals gestorben sind, schuldig, dass wir ihre Geschichten erzählen. Und auch die Geschichten der Wahlfamilien, die sich um ihre erkrankten Freunde gekümmert haben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Wir sind am Leben“ erzählt zwar von vielen tragischen Ereignissen, aber entlässt das Publikum keineswegs in einer niedergeschlagenen Stimmung.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Als wir ein erstes grobes Konzept des Stücks erarbeitet hatten, habe ich mich mit einigen Leuten der Berliner Aidshilfe getroffen und davon erzählt. Die fanden die Idee toll, aber gaben mir den Rat mit auf den Weg: „Pass nur auf, dass es kein Jammerstück wird!“ Das haben wir uns auch zu Herzen genommen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auf seine HIV-Diagnose reagiert Bruno im Stück mit dem Lied „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=mAtUxHlU_Tw&amp;t=68s" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ich werd&#8216; nicht weinen</a>“, in dem er sich zu Lebenslust statt Selbstmitleid entschließt. </strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Wir haben auch lange überlegt, wie wir Brunos Sterben auf der Bühne darstellen wollen, und bei den Proben dann eine Lösung entwickelt, in der Bruno in diesen letzten Momenten zu einer starken Figur wird und die Zuschauer*innen dennoch weinen dürfen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ulf Leo Sommer: Ich muss zugeben, dass ich bei der ersten Voraufführung auf einmal richtig Angst vor unserer eigenen Courage hatte: Ich dachte, vielleicht überfordern wir die Leute ja doch damit, dass wir in dieser Geschichte die Aids-Thematik derart ins Zentrum rücken. Durch die Publikumsreaktionen bei der ersten Voraufführung war ich dann aber sehr erleichtert!</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Herausforderung beim Schreiben dürfte gewesen sein, was bei einem solchen letztlich historischen Stoff als bekannt vorausgesetzt werden kann oder für ein jüngeres Publikum erklärt werden muss.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Damit haben wir uns in der Tat permanent beschäftigt. Ich finde es aber nicht schlimm, wenn es Details gibt, deren Bedeutung sich nicht allen gleich erschließt. Nehmen wir die Szene, in der Mario den bereits erkrankten Bruno fotografieren will.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mario fragt sehr zaghaft, ob Bruno dafür auch seinen Oberkörper entblößen würde.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Leute, die damals jung waren, werden sofort verstehen, dass es darum geht, ob er zulässt, dass seine Kaposi-Sarkome zu sehen sind. <em>[Anm. d. Red.: Das Kaposi-Sarkom ist ein eigentlich sehr seltener Tumor, der bei Menschen mit Aids auftritt und als ein aidsdefinierendes Symptom gilt. Es zeigt sich meist durch rötliche bis violette Flecken auf der Haut.]</em> Wir hatten bei den Proben eine leidenschaftliche Diskussion darüber, wie wir diese Szene gestalten wollen und wie Bruno darauf reagieren sollte. Unserem sehr jungen Regieteam haben wir dann den Hintergrund erklärt: Sich offen mit den stigmatisierenden Flecken zu zeigen, war nicht selbstverständlich, das war fast schon ein aktivistischer Akt. Ich erinnere mich noch sehr lebendig daran, wie damals <em>[der Berliner Visagist, d.R.] </em>René Koch in der Berliner Aidshilfe Aidskranken zeigte, wie sie die Flecken überschminken können. Ich weiß, dass wir sehr viele sehr sensible Themen behandeln und dass wir es nicht allen recht machen können. Das wollen wir auch nicht. Aber wir sind uns unserer großen Verantwortung bewusst.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, dass wir sehr viele sehr sensible Themen behandeln. Aber wir uns unserer großen Verantwortung bewusst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Peter Plate</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei unserem Musical „Kudamm 56“ hatten wir irgendwann die Idee, ein Gästebuch auszulegen, und wenn man darin liest, kommen einem die Tränen. Denn so viele über 80-Jährige haben dort ihre Geschichten hineingeschrieben. Ich fände es schön, wenn jene, die die Neunzigerjahre bewusst miterlebt haben, durch den Abend vielleicht angeregt werden, sich mit ihren eigenen Erinnerungen auseinanderzusetzen. Und vielleicht bricht dadurch bei manchen das Eis und sie beginnen einander ihre Geschichten zu erzählen. Ich glaube, dass es ganz vieles gibt, das aus unterschiedlichen Gründen totgeschwiegen wird oder über das mit anderen nicht gesprochen wurde.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein nicht unwesentlicher Teil des Publikums dürfte unter 40 sein und konnte die frühen Neunzigerjahre damit überhaupt nicht bewusst miterleben. Warum ist wichtig, ihnen zumindest im Ansatz zu vermitteln, was die Aidskrise für die Menschen damals bedeutet hat?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Gute Frage. Zunächst bin ich der festen Überzeugung, dass man jungen Menschen nicht aufzwingen kann, sich dafür zu interessieren. Es ist einfach schlimm, wenn Ältere versuchen, die Jüngeren zu belehren.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ulf Leo Sommer: Ein für mich wichtiger Aspekt ist, an das Stigma zu erinnern, das mit Aids verbunden war. Wie einsam erkrankte Menschen oft waren und wie man selbst innerhalb der Szene über sie getuschelt hat und sie gemieden wurden. Das Schlimme war ja, dass das Virus durch Sex übertragen wurde, und deshalb schob man den Infizierten die Schuld zu. Als ich mit Anfang 20 nach Berlin kam, habe ich natürlich nur an Sex gedacht, aber Sex war damals immer mit Tod und Sterben verbunden. Dabei ist Sex etwas so Wichtiges, Befreiendes und Schönes. Krieg und Gewalt sind schlimm, aber nicht Sex. Doch man hat diese Menschen dafür verurteilt und sie alleingelassen. Heute können sich viele Menschen vielleicht gar nicht vorstellen, dass dies so war.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was können junge Zuschauer*innen aus dem Abend für sich mitnehmen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Peter Plate: Das Schönste wäre, wenn sie wieder ein bisschen mehr Hoffnung hätten. Wer hätte 1987 gedacht, dass zwei Jahre später die Mauer fallen würde? Wer, dass es bald bessere HIV-Medikamente gibt, die einen zumindest etwas länger leben lassen? Und dass es bald eine Therapie geben würde, die HIV zu einer chronischen Krankheit werden lässt? Dass wir inzwischen die PrEP haben, die uns vor einer Infektion schützen kann?</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ulf Leo Sommer: Wir sollten dabei auch im Blick haben, dass wir uns gerade in einer Zeit befinden, in der das Eis wieder merklich dünner wird und die Freiheit, die wir in der queeren Community derzeit genießen, zunehmend in Gefahr ist. Und wer sagt, dass das Thema Aids von gestern ist, dem kann ich nur entgegnen: Du lebst auf einem anderen Planeten! Wir müssen nur in die USA schauen, was dort mit der Krankenversorgung geschieht oder wie sich in Afrika die HIV-Situation wieder verschlimmert.</p>

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		<title>Wie die Leichtigkeit des Seins in den HIV-Bereich einkehrte</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/christoph-mayr-infektiologie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 16:07:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Infektiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
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					<description><![CDATA[Vier Jahrzehnte hat sich Christoph Mayr Menschen mit HIV gewidmet. Nun ist er im Ruhestand. Warum die HIV-Behandlung eine Sonderstellung in der Medizin einnimmt, erklärt Mayr in einem persönlichen Rückblick.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vier Jahrzehnte hat sich Christoph Mayr Menschen mit HIV gewidmet. Nun ist der Berliner Schwerpunktarzt in den Ruhestand gegangen. Warum die HIV-Behandlung eine Sonderstellung in der Medizin einnimmt, wie Pflegekräfte und Ärzteschaft durch die Aidskrise an ihre Grenzen gerieten, erklärt Mayr in einem persönlichen Rückblick.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Anfang Februar hat Dr. Christoph Mayr seinen Schreibtisch im Berliner Zentrum für Infektiologie (ZFI) geräumt. Mit ihm ist vermutlich einer der dienstältesten HIV-Expert*innen Deutschlands in den Ruhestand gegangen. Bereits während seines Studiums hatte er sich mit der damals ganz neuen Krankheit Aids beschäftigt. In der Aids-Ambulanz in München, der Tagesklinik des Berliner Auguste-Viktoria-Krankenhauses (AVK) und zuletzt in HIV-Schwerpunktpraxen hat er sich mit großem Engagement für HIV- und Aids-Patient*innen eingesetzt. Von 2008 bis 2014 stellte Mayr als Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (dagnä) wichtige Weichen in der HIV-Behandlung. Durch zahllose Vorträge und Workshops quer durchs Land versorgte er Menschen mit HIV mit aktuellem medizinischem Wissen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Monaten ist mir so klar geworden, dass sich der Bereich HIV und Aids eklatant von anderen Fachgebieten unterscheidet, weil hier ein ganz besonderes, festes Bündnis zwischen dem Menschen mit HIV und dem Menschen, der ihn begleitet, besteht.</p>

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<cite>Dr. Christoph Mayr</cite></blockquote>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-konnen-sie-sich-noch-daran-erinnern-wann-sie-zum-ersten-mal-von-aids-gehort-haben">Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie zum ersten Mal von Aids gehört haben?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sehr genau sogar. 1981, ich bereitete mich damals aufs Staatsexamen in der Krankenpflege vor, las ich in der „Süddeutschen Zeitung“ unter „Nachrichten aus aller Welt“ die verknappte Form dessen, was der „Morbidity and Mortality Weekly Report“ der US-Gesundheitsbehörden kurz davor berichtet hatte. Nämlich eine ungewöhnliche Häufung von seltenen Lungenentzündungen und Hauttumoren bei jungen schwulen Männern. Ich hatte diese Nachricht mit einem mulmigen Bauchgefühl zur Kenntnis genommen. Bald schon wurden dann immer mehr Fälle dieser damals seltenen Erkrankungen bekannt.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-das-seltsame-medizinische-phanomen-das-damals-zunachst-als-gay-related-immune-deficiency-bezeichnet-wurde-war-1981-lediglich-in-den-usa-registriert-worden-wann-haben-sie-erstmals-einen-aids-fall-in-deutschland-erlebt">Das seltsame medizinische Phänomen, das damals zunächst als „Gay-Related Immune Deficiency“ bezeichnet wurde, war 1981 lediglich in den USA registriert worden. Wann haben Sie erstmals einen Aids-Fall in Deutschland erlebt?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner Krankenpflegeausbildung hatte ich in Regensburg mit einem Medizinstudium begonnen und während einer Famulatur 1984 in München in der hämato-onkologischen Abteilung des Schwabinger Krankenhauses den jungen Assistenzarzt Hans Jäger kennengelernt. Der war gerade aus New York zurückgekommen, wo er am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York gearbeitet hatte und dort mit Aids konfrontiert wurde. In München hat er die ersten Patient*innen behandelt. Bei mir reifte damals schon die Idee, meine Doktorarbeit über Aids zu schreiben. Und tatsächlich gelang es mir nach meinem zweiten Staatsexamen 1986, nach München zurückzukehren und als Doktorand in der HIV-Ambulanz mitzuarbeiten, die Jäger aufgebaut hatte.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-was-war-das-thema-ihrer-dissertation">Was war das Thema Ihrer Dissertation?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Der vollständige Titel lautet: „Der natürliche Verlauf der HIV-Infektion. Eine seroepidemiologische Langzeitstudie an homo- und bisexuellen Männern unter Berücksichtigung biopsychosozialer Aspekte.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Hans Jäger hatte bereits sehr früh mit einigen Aktivist*innen eine Arbeitsgruppe, den Vorläufer der Münchner Aids-Hilfe, gegründet. Über sie hat er Menschen mit HIV und Aids gewonnen, die ab 1984 an einer Langzeitstudie teilnahmen. Es ging damals darum, ganz grundlegende klinische Daten zum Krankheitsverlauf zu sammeln.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-eine-art-kleine-munchner-hiv-kohorte">Eine Art kleine Münchner HIV-Kohorte?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Richtig. Von den 96 Personen, die an dieser Initialstudie dabei waren, habe ich dann 80 Menschen für meine Doktorarbeit über zwei Jahre hinweg in der Aids-Ambulanz begleitet. Wir mussten damals ja erst einmal virologische und immunologische Grundlagenforschung betreiben, um zu verstehen, wie und warum das Virus diese so unterschiedlichen Folgeerkrankungen auslöst. Ein Jahr zuvor war der HIV-Nachweistest zugelassen worden, man wusste inzwischen mehr über die Übertragungswege, aber noch sehr wenig über den Krankheitsverlauf.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wer-unter-den-mediziner-innen-hat-sich-damals-fur-diese-immer-noch-sehr-neue-zudem-damonisierte-krankheit-interessiert">Wer unter den Mediziner*innen hat sich damals für diese immer noch sehr neue, zudem dämonisierte Krankheit interessiert?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, es war kein Zufall, dass sich sowohl auf wissenschaftlicher Seite wie auch im klinischen Bereich viele schwule Männer um Aids und an Aids Erkrankte kümmerten. Ich kann mich noch gut an meinen allerersten internationalen Aids-Kongress in Paris im Juni 1986 erinnern. Die Dominanz schwuler Männer unter den Virolog*innen wie unter den Ärzt*innen war augenfällig. Und es war kein Geheimnis, dass viele Mediziner mit dieser Krankheit schlicht nichts zu tun haben wollten. Als ich Ende der 1980er Jahre nach Berlin kam, hatten wir arge Not, niedergelassene Fachärzt*innen, die wir für die Mitbehandlung der Menschen mit HIV in unserem Versorgungssystem benötigten, mit ins Boot zu holen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-hatten-sie-in-diesen-fruhen-jahren-der-aidskrise-angst-sich-selbst-mit-hiv-zu-infizieren">Hatten Sie in diesen frühen Jahren der Aidskrise Angst, sich selbst mit HIV zu infizieren?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich gehöre durchaus zu jener Generation, die sich hätten anstecken können, bevor die Gefahr überhaupt bekannt war. Denn mein schwules Coming-out lag vor dem Erscheinen dieses kleinen Artikels in der Süddeutschen Zeitung. Als Mediziner wusste ich bestens darüber Bescheid, was die Infektionswege sind – und was genau nicht. Als 1990 ein ZDF-Team in meiner Praxis drehte, weil sie für eine Reportage einen meiner Patient*innen porträtierte, strich ich ihm ganz selbstverständlich ohne Handschuhe über seine Kaposi-Sarkome. Mir wurde erst nach der Ausstrahlung bewusst, wie wichtig es war, dass diese beiläufige Geste im Fernsehen gezeigt wurde. Kolleg*innen hatten sich bei mir dafür bedankt, weil ich dadurch ganz beiläufig deutlich gemacht hätte, dass durch eine Berührung HIV eben nicht übertragen werden kann.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Als 1990 ein ZDF-Team in meiner Praxis drehte, weil sie für eine Reportage einen meiner Patient*innen porträtierte, strich ich ihm ganz selbstverständlich ohne Handschuhe über seine Kaposi-Sarkome. Mir wurde erst nach der Ausstrahlung bewusst, wie wichtig es war, dass diese beiläufige Geste im Fernsehen gezeigt wurde.</p>

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<cite>Dr. Christoph Mayr</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">In meiner beruflichen Vita gab es lediglich einen einzigen Moment, bei dem mir Schweißperlen auf der Stirn standen. Ich arbeitete damals in der AVK-Tagesklinik und wir führten bei einem HIV-Patienten ambulant eine Knochenmarkspunktion durch. Als ich die Nadel mit Knochenmark herauszog, rutsche ich ab und die Nadel steckte tief in meinem Handballen. Es ist alles gutgegangen, aber mir war klar, wie knapp ich einer Infektion entgangen war.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-in-den-1980er-jahren-bestand-hiv-medizin-im-wesentlichen-darin-die-durch-aids-ausgelosten-opportunistischen-infektionen-zu-behandeln-es-war-aber-meist-eine-frage-der-zeit-bis-die-patient-innen-die-nachste-erkrankung-traf">In den 1980er Jahren bestand HIV-Medizin im Wesentlichen darin, die durch Aids ausgelösten opportunistischen Infektionen zu behandeln. Es war aber meist eine Frage der Zeit, bis die Patient*innen die nächste Erkrankung traf.</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Eine Pneumocystis-Jirovecii-Pneumonie konnten wir glücklicherweise schon in den 1980er Jahren sehr gut behandeln, gleichzeitig wussten wir: Solange wir die grundsätzliche Immunschwäche nicht behandeln können, erleben wir einen Drehtüreffekt. Wir werden diese Patient*innen immer wieder sehen, im Grunde bis zu ihrem Tod. Als ich 1989 nach West-Berlin ging, habe ich in der HIV-Schwerpunktpraxis des damaligen Kollegen Gerd Bauer gearbeitet und zweieinhalb Jahre Menschen mit HIV ambulant betreut. Stationär aufgenommen wurden Patient*innen eigentlich nur bei sehr akuten Fällen, etwa bei Luftnot infolge einer Lungenentzündung. Transfusionen, Infusionen – all das wurde vielfach zuhause gemacht; das wäre in den Kliniken gar nicht zu schaffen gewesen.<br>Ich habe die Stadt damals im Auto und mit der Straßenkarte auf den Knien kennengelernt, GPS und Navigator gab es ja noch nicht. In dieser Zeit habe ich über 100 Leichenschauscheine ausgefüllt.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wie-haben-die-arzt-innen-und-das-pflegepersonal-das-damals-verkraftet">Wie haben die Ärzt*innen und das Pflegepersonal das damals verkraftet?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Im Schwabinger Krankenhaus hatten sich die Pflegekräfte ganz gezielt für die Aids-Ambulanz beworben. Doch dort, wie auch später im Berliner Auguste-Viktoria-Krankenhaus, habe ich Kolleg*innen erlebt, die den HIV-Bereich irgendwann bewusst verlassen haben. Pfleger*innen, die gesagt haben: „Ich möchte ganz bewusst in einem anderen Fachgebiet arbeiten. Meine Batterie ist leer, ich kann das Sterben nicht mehr ertragen.“ Es gab aber auch Pflegerinnen, die sich auf andere Stationen versetzen ließen, weil ihnen ihre Männer gedroht hatten, nicht mehr mit ihnen schlafen zu wollen, solange sie weiterhin HIV-Patient*innen versorgen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das waren aber Einzelfälle. Das lag sicherlich daran, dass die Pfleger*innen, Ärzt*innen, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen ein verschworener Haufen waren und wir uns gegenseitig gestützt haben, wenn wir an den Rand unserer Kräfte gelangten. Weil der langanhaltende medizinische Erfolg bis Mitte der 1990er Jahre fehlte, war es eine Herausforderung und selbstverständlich auf Dauer sehr ernüchternd und frustrierend, in diesem Bereich zu arbeiten. Zu dieser Zeit ging es in unserer Arbeit vor allem um den ärztlichen und pflegerischen Beistand. Das aber ist im besten Sinne genau das, was der hippokratische Eid abverlangt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir erst 1987 ein Medikament bekamen, das originär gegen HIV zielen konnte.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-azidothymidin-kurz-azt-das-unter-dem-namen-retrovir-in-den-handel-kam"><strong><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/25-jahre-azt-geldschranke-grose-hoffnungen-gravierende-nebenwirkungen/">Azidothymidin, kurz AZT,</a> das unter dem Namen Retrovir in den Handel kam.</strong></h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zu Retrovir gibt es rückblickend drei Dinge zu sagen. Erstens: Es war ursprünglich nicht zur Behandlung von HIV gedacht, sondern von onkologischen Erkrankungen. Das hatte jemand aus der Schublade geholt und sich gedacht: Da wir im Moment nichts anderes haben, versuchen wir es mal damit.<br>Zweitens: Weil das Medikament viel zu hoch dosiert eingesetzt wurde, kam es zu schweren Nebenwirkungen wie der Retrovir-bedingten Blutarmut und sogar zu Todesfällen.<br>Und drittens: Das Virus entwickelte sehr schnell eine Resistenz gegen AZT, die Wirkung hielt also nicht lange an.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wann-gab-es-den-ersten-wirklichen-lichtblick-in-der-forschung">Wann gab es den ersten wirklichen Lichtblick in der Forschung?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für mich waren die Jahre 1995/96 entscheidende Jahre. Zum einen war es nun möglich, die Viruslast zu bestimmen. Bis dahin haben wir uns neben den Helferzellen nur an klinischen Gesichtspunkten orientiert, also dem sichtbaren Krankheitszustand. Zum anderen standen uns die ersten <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-medikamente#Protease-Hemmer">Proteaseinhibitoren</a> zur Verfügung, die letztlich zu dem führten, was wir auch heute noch <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-therapie">Kombinationstherapie</a> nennen.</p>

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              © Zentrum für Infektiologie 
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-entscheidende-studie-zur-wirksamkeit-der-antiretroviralen-therapie-wurde-1996-beim-welt-aids-kongress-in-vancouver-vorgestellt-sie-waren-damals-selbst-vor-ort-war-allen-teilnehmenden-gleich-klar-was-das-fur-die-hiv-medizin-bedeuten-wird">Die entscheidende Studie zur Wirksamkeit der antiretroviralen Therapie wurde 1996 beim Welt-Aids-Kongress in Vancouver vorgestellt. Sie waren damals selbst vor Ort. War allen Teilnehmenden gleich klar, was das für die HIV-Medizin bedeuten wird?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Es waren ja zuvor schon Teilstudien bekannt geworden; wir wussten also, was auf uns zukommt. Aber man konnte in Vancouver das Aufatmen der HIV-Behandler*innen förmlich spüren. Nach all den vielen experimentellen Medikamenten, die sich dann doch als eher wirkungslos erwiesen hatten, ging endlich etwas nach vorn, und zwar fundamental. Zum ersten Mal kamen wir nicht mit leeren Händen zu unseren Patient*innen nach Hause.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wollten-dann-alle-gleich-auf-die-art-wechseln-oder-mussten-die-niedergelassene-arzt-innen-bei-ihren-patient-innen-erst-uberzeugungsarbeit-leisten">Wollten dann alle gleich auf die ART wechseln oder mussten die niedergelassene Ärzt*innen bei ihren Patient*innen erst Überzeugungsarbeit leisten?</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Anfangs war es in der Tat nicht immer einfach, die Medikamente an die Frau und den Mann zu bringen, eben weil sich Retrovir als sehr toxisch herausgestellt hatte. Die Dosis wurde dann zwar gesenkt, aber viele HIV-Patient*innen waren verunsichert. Auf der einen Seite stand die Krankheit, die unbehandelt offensichtlich zum Tode führt, und auf der anderen Seite waren die Medikamente, die offensichtlich deutliche Nebenwirkungen haben und den Körper auch schädigen können. Aber auch wir Ärzt*innen waren verunsichert. Natürlich waren wir froh um jede Substanz, die auf den Markt kam. Und gleichzeitig haben wir angefangen, Studienprojekte auch selbst zu initiieren. Nach einiger Zeit war aber klar, dass man eine HIV-Infektion nur durch den Einsatz antiretroviraler Substanzen überleben kann, beziehungsweise nur so mit dieser Infektion leben kann. Und das gilt bis heute.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Anfangs war es in der Tat nicht immer einfach, die Medikamente an die Frau und den Mann zu bringen, eben weil sich Retrovir als sehr toxisch herausgestellt hatte. Die Dosis wurde dann zwar gesenkt, aber viele HIV-Patient*innen waren verunsichert.</p>

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<cite>Dr. Christoph Mayr</cite></blockquote>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-kombinationstherapie-konnte-dann-bereits-wenige-monate-nach-der-konferenz-auch-in-deutschland-regular-eingesetzt-werden">Die Kombinationstherapie konnte dann bereits wenige Monate nach der Konferenz auch in Deutschland regulär eingesetzt werden.</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Wir haben sehr schnell all das bei unseren Patient*innen auch sehen können, was John W. Mellors bei seiner Studienpräsentation in Vancouver angekündigt hatte: Durch die antiretrovirale Therapie wird die Virusvermehrung im Körper gestoppt, infolgedessen sinkt die Viruslast und die Zahl der Helferzellen steigt wieder an. Und nicht zuletzt zeigte sich die Wirkung darin, dass die Leute wieder an Gewicht zunahmen, die tastbar deutlich vergrößerten Lymphknoten kleiner und opportunistische Infektionen seltener wurden oder sogar gänzlich ausblieben. Die verschiedenen Medikamente, die in der Kombinationstherapie eingesetzt wurden, waren mit der Zeit immer besser verträglich und wirkungsvoller.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">2000 kam dann der Proteaseinhibitor Lopinavir mit dem Handelsnamen Kaletra auf den Markt. Es gibt einige Patient*innen von mir, die heute noch sagen: Kaletra hat mir das Leben gerettet. Das Medikament war so gut verträglich und wirkte so stark, dass sie es bis heute als zentralen Game Changer in ihrem Leben betrachten.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-durch-die-antiretrovirale-therapie-hatten-nun-plotzlich-menschen-eine-zukunft-die-mit-dem-leben-bereits-abgeschlossen-hatten-viele-hatten-die-ausbildung-abbrechen-mussen-eine-karriere-gar-nicht-erst-beginnen-konnen-und-infolge-dessen-auch-kaum-rentenanspruche-sie-standen-nun-vor-der-frage-wie-es-fur-sie-weitergehen-soll">Durch die antiretrovirale Therapie hatten nun plötzlich Menschen eine Zukunft, die mit dem Leben bereits abgeschlossen hatten. Viele hatten die Ausbildung abbrechen müssen, eine Karriere gar nicht erst beginnen können und infolge dessen auch kaum Rentenansprüche. Sie standen nun vor der Frage, wie es für sie weitergehen soll.</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Bis Mitte der 90er Jahre wurde die Berentung von Menschen mit HIV, die über eine längere Zeit krankgeschrieben waren, faktisch durchgewunken. Ein Schwerbehindertenausweis mit 100 Prozent Behinderungsgrad, inklusive „G“ für gehbehindert und „H“ für Hilflosigkeit, ging meist ohne jegliche Prüfung über den Tisch.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für jene Menschen mit HIV, die durch die ART überlebt haben, war eine Rückkehr in den Beruf aber nicht immer so einfach. Das habe ich bei vielen Patient*innen aus dieser Zeit miterlebt. Dem einen oder der anderen ist die Rückkehr in den Beruf gut gelungen, anderen hingegen nicht. Sie hatten Veränderungen und Weiterentwicklungen in ihrem Beruf verpasst, andere waren durch die Therapie gezeichnet – denken wir nur an das Phänomen der <a href="https://www.hivandmore.de/archiv/2011-1/HIV1_11_FoBi_Fettverteil.pdf">Lipoatrophie</a> [als sichtbarer Fettverteilungsstörung]. Oder aber das Immunsystem blieb auch unter Therapie geschwächt.</p>

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  </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-virusvermehrung-konnte-ab-1996-dank-der-therapie-unterdruckt-werden-das-bedeutete-auch-dass-menschen-mit-hiv-auf-lebenszeit-hiv-patient-innen-sind-und-in-engem-kontakt-zu-ihren-hiv-arzt-innen-bleiben-was-bedeutete-dies-fur-diese-beziehung-bereits-auf-den-aids-stationen-in-den-1980er-jahren-war-das-ja-etwas-sehr-besonderes">Die Virusvermehrung konnte ab 1996 dank der Therapie unterdrückt werden. Das bedeutete auch, dass Menschen mit HIV auf Lebenszeit HIV-Patient*innen sind und in engem Kontakt zu ihren HIV-Ärzt*innen bleiben. Was bedeutete dies für diese Beziehung? Bereits auf den Aids-Stationen in den 1980er Jahren war das ja etwas sehr Besonderes.</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie sprechen damit einen ganz wichtigen Punkt an, der mich zum Ende meiner ärztlichen Karriere sehr beschäftigt hat. Seit ich im August 2025 beschlossen hatte, endgültig in den Altersruhestand zu gehen, habe ich mich nach und nach von meinen Patient*innenverabschiedet. Das war mir ein sehr großes Bedürfnis. Zuletzt habe ich weit über 500 Menschen mit HIV betreuen dürfen. Jede*r Einzelne bringt eine eigene Geschichte mit sich, viele habe ich 25 Jahre begleitet. Ein Patient, weit über 80, kam mit Gehhilfe, der mich sogar seit 36 Jahren aus meiner Zeit als Assistenzarzt kannte. Andere lernte ich als Klinikarzt im AVK in einer Akutphase mit Lymphomen, mit PCP, mit Toxoplasmose, mit Herpes-Enzephalitis kennen und sie wurden später Patient*innen in meiner Praxis.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was will ich damit sagen? Es ist mir in den letzten Monaten so klar geworden, dass sich der Bereich HIV und Aids eklatant von anderen Fachgebieten unterscheidet, weil hier ein ganz besonderes, festes Bündnis zwischen dem Menschen mit HIV und dem Menschen, der ihn begleitet, besteht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-sie-haben-uber-die-jahrzehnte-ihre-patient-innen-sehr-intensiv-kennengelernt-sie-durch-krisen-begleitet-und-viele-auch-sterben-sehen-es-durfte-schwer-sein-diese-erfahrungen-nach-feierabend-in-der-praxis-oder-klinik-zu-lassen-und-nicht-mit-nach-hause-zu-nehmen">Sie haben über die Jahrzehnte Ihre Patient*innen sehr intensiv kennengelernt, sie durch Krisen begleitet und viele auch sterben sehen. Es dürfte schwer sein, diese Erfahrungen nach Feierabend in der Praxis oder Klinik zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen.</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das war in den Jahren der Aidskrise ganz sicherlich so. Dafür erleben wir HIV-Behandler*innen seit nunmehr gut zwei Jahrzehnten, dass unsere Patient*innen mit der Infektion die gleiche Lebenserwartung haben wie Menschen ohne HIV. Für Ärzt*innen wie mich, die ganz andere Zeiten durchlebt haben, ist es ein großes Geschenk, dass wir erleben durften, wie die Leichtigkeit des Seins in den HIV-Bereich eingekehrt ist, und wir nehmen das nicht als Selbstverständlichkeit.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Für Ärzt*innen wie mich, die ganz andere Zeiten durchlebt haben, ist es ein großes Geschenk, dass wir erleben durften, wie die Leichtigkeit des Seins in den HIV-Bereich eingekehrt ist, und wir nehmen das nicht als Selbstverständlichkeit.</p>

              </div>
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<cite>Dr. Christoph Mayr</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte vor kurzem noch eine Situation, bei der ein langjähriger Patient wegen eines akuten Problems in die Sprechstunde gekommen war. Beim Gehen drehte er sich an der Tür noch einmal um und sagt: „Herr Mayr, mir fällt gerade auf: Wir haben heute gar nicht über unsere Helferzellen gesprochen.“ HIV ist für diese Patient*innen im Grunde kein Problem mehr. Menschen mit HIV sterben heute an den ganz normalen Alterserkrankungen: an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, manche an Prostatakarzinom, andere an Lungenkrebs.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-sie-hatten-eingangs-erzahlt-welche-mediziner-innen-sich-vor-40-jahren-fur-das-feld-hiv-und-aids-interessierten-wie-sieht-es-heute-aus">Sie hatten eingangs erzählt, welche Mediziner*innen sich vor 40 Jahren für das Feld HIV und Aids interessierten. Wie sieht es heute aus?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der Berufsalltag eines HIV-Schwerpunktarztes hat sich deutlich verändert. Abgesehen von Late Presentern – Menschen, die erst zu einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium überhaupt ihre Diagnose erhalten – sind Aids-Erkrankungen heute eine große Seltenheit. Die eigentliche HIV-Behandlung und die PrEP-Vergabe sind zudem unkompliziert geworden.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die dagnä, in deren Vorstand ich viele Jahre war, hat lange auf die Facharztbezeichnung Infektiologie hingearbeitet. Das hat die Aufmerksamkeit für diesen Bereich deutlich erhöht und bei jungen Mediziner*innen Interesse geweckt. Anders als früher sind es nicht mehr vornehmlich schwule Männer, die in diesen infektiologischen Bereich gehen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-welche-entwicklungen-in-der-hiv-medizin-werden-sie-verpassen-mit-welchen-themen-werden-sich-ihre-kolleg-innen-in-den-nachsten-jahren-wahrscheinlich-beschaftigen">Welche Entwicklungen in der HIV-Medizin werden Sie verpassen? Mit welchen Themen werden sich Ihre Kolleg*innen in den nächsten Jahren wahrscheinlich beschäftigen?</h2>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin bis zuletzt von meinen Patient*innen immer wieder gefragt worden, wann denn die Heilung von HIV komme. Und ich habe mich dabei ertappt zu sagen, dass ich – auch aufgrund meiner Erfahrungen der letzten vier Dekaden und trotz der Hoffnungen, die zwischendurch von bestimmten Koryphäen formuliert wurden – nicht glaube, dass ich noch eine Therapie erleben werde, die zu einer Ausheilung von HIV führt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube aber durchaus, dass alles noch verbesserungsfähig und -würdig ist, obwohl wir jetzt bereits bei Single-Tablet-Regimes und einer Zweimonatsspritze angekommen sind. Vielleicht kommt bald die Sechsmonatsspritze? Oder ein Implantat? Wer weiß.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zur-hiv-geschichte">Mehr zur HIV-Geschichte</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="FjedNomdFb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidsgeschichte-forschungsthemen/">Aidsgeschichte: „An Forschungsthemen mangelt es keineswegs“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Aidsgeschichte: „An Forschungsthemen mangelt es keineswegs“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidsgeschichte-forschungsthemen/embed/#?secret=fqidDuzrry#?secret=FjedNomdFb" data-secret="FjedNomdFb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="li4PZiVJUy"><a href="https://magazin.hiv/magazin/was-waeren-wir-ohne-sie-eine-verneigung-vor-rita-suessmuth/">Was wären wir ohne sie? – Eine Verneigung vor Rita Süssmuth</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Was wären wir ohne sie? – Eine Verneigung vor Rita Süssmuth&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/was-waeren-wir-ohne-sie-eine-verneigung-vor-rita-suessmuth/embed/#?secret=ubkh8NQixi#?secret=li4PZiVJUy" data-secret="li4PZiVJUy" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
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		<title>Eine Wette auf den Tod</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 14:39:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Oscar-nominierte US-Dokumentarfilm „Cashing Out“ erinnert an ein makabres Geschäftsmodell mit Lebensversicherungen von Aidskranken.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Oscar-nominierte US-Dokumentarfilm „Cashing Out“ widmet sich auf differenzierte Weise einem makabren Geschäftsmodell mit Lebensversicherungen von Aidskranken.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Während der Aidskrise in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren sahen sich Aidserkrankte nicht nur mit einem nahen Tod konfrontiert, ihnen fehlte oftmals auch das Notdürftigste zum Leben. Viele waren nicht mehr arbeitsfähig oder verloren aufgrund ihrer Infektion ihren Job – und damit in den USA zumeist auch ihre Krankenversicherung. Hilfe vom Staat konnten sie nicht erwarten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">In dieser Notlage entstand ein bizarres und moralisch fragwürdiges Geschäftsmodell: Menschen mit Aids, die oft nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben hatten, verkauften ihre Lebensversicherungen an private Investor*innen. Diese zahlten einen Teil des Versicherungswertes, der mit dem Tod fällig wurde, – mal nur 30, mal 80 Prozent – sofort aus. Die Anleger*innen erhielten nach dem Tod der Versicherten dann die volle Versicherungssumme. Die Listen, in denen solche Policen zum Verkauf angeboten wurden, nannten nicht nur Auszahlungswert und Kaufpreis, sondern auch die T-Helferzellzahl der Versicherten sowie deren voraussichtliche Lebenserwartung. Ein in jeder Hinsicht makabres Geschäft und für die Investor*innen eine Wette auf den Tod.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Listen, in denen Policen zum Verkauf angeboten wurden, nannten nicht nur Auszahlungswert und Kaufpreis, sondern auch die T-Helferzellzahl der Versicherten sowie deren voraussichtliche Lebenserwartung.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-zeitgeschichte-trifft-familiengeschichte">Zeitgeschichte trifft Familiengeschichte</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Als der heute 26-jährige Journalist und Dokumentarfilmer Matt Nadel von diesem weithin vergessenen Kapitel der Aidsgeschichte erfuhr und beschloss, es in einem Film aufzuarbeiten, schien die Stoßrichtung für ihn klar: Skrupellose Geschäftemacher nutzten das Leid und die Hilflosigkeit Aidskranker aus, um schnelles Geld und hohe Profite zu erzielen. Doch während seiner Recherchen offenbarte ihm sein Vater, dass er selbst zu den ersten Investoren dieser sogenannten „Viatical Settlements“ gehört hatte. Matt Nadel war fassungslos. Die Gewinne aus diesen Investments hatten seine Ausbildung und die Familienurlaube mitfinanziert.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Ich verstehe mich als jemand, der auf den Schultern von Aids-Aktivist*innen steht, die buchstäblich ihren Körper einsetzen, um eine Welt zu schaffen, in der ich gesund sein, jeden Morgen meine PrEP einnehmen und als schwuler Mann relativ frei leben kann“, erklärte Matt Nadel in einem Interview. Viele Errungenschaften der LGBTIQ-Bewegung seien den Aktivist*innen der Aidskrise zu verdanken – „und nun musste ich feststellen, dass meine Existenz und meine Privilegien in gewisser Weise vom Tod eben dieser Menschen abhingen“.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Ich verstehe mich als jemand, der auf den Schultern von Aids-Aktivist*innen steht, die buchstäblich ihren Körper einsetzen, um eine Welt zu schaffen, in der ich gesund sein, jeden Morgen meine PrEP einnehmen und als schwuler Mann relativ frei leben kann.“</p>

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<cite>Matt Nadel, Regisseur</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Folgerichtig erzählt Matt Nadel in seinem für den Oscar nominierten Dokumentarfilm „Cashing Out“ auch seine eigene Geschichte und lässt darin seinen Vater zu Wort kommen. Vor allem aber gelingt es ihm im Laufe dieses rund 40-minütigen Films, dem Publikum deutlich zu machen, dass der Deal mit Lebensversicherungen aidskranker schwuler Männer in den 1980er-Jahren auch unter moralischen Aspekten komplexer ist, als man zunächst denken würde.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-grunder-aus-not">Gründer aus Not</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Der wichtigste Zeitzeuge ist gleich in den ersten Filmminuten doppelt zu sehen: als junger Mann Anfang 20 in einer US-Talkshow, in der er sein Geschäftsmodell erklären und verteidigen muss – und als mittlerweile ergrauter Senior, der diese alten Aufnahmen betrachtet und seinem jüngeren Selbst nichts vorzuwerfen hat. „Ich wurde aufs Übelste beschimpft“, erinnert sich Scott Page. „Aber wir kämpften ums Überleben. Ich wusste, dass das, was ich tat, von großer Wichtigkeit war, um Menschen zu helfen, damit sie ihre verbleibende Zeit in Würde verbringen konnten.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Seine Geschäftsidee war aus einer persönlichen Not heraus entstanden. Pages Lebensgefährte Greg war an Aids erkrankt, die wenigen Ersparnisse waren aufgebraucht und die finanzielle Situation eine zusätzliche Belastung. Scott Page fiel auf, dass Greg neben den Ausgaben für das tägliche Leben monatlich auch eine Prämie für eine Lebensversicherung zahlen musste. Über eine Kleinanzeige bot Page die Police zum Verkauf an – und fand tatsächlich einen Abnehmer. Mit dem sofort ausgezahlten Geld konnte das Paar in ein Haus ziehen, sich einen Golden Retriever anschaffen, Reisen unternehmen und – wenn auch nur für eine überschaubare Zeit – genau das Leben führen, das sich Greg immer erträumt hatte.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Mit dem sofort ausgezahlten Geld konnte das Paar – wenn auch nur für eine überschaubare Zeit – genau das Leben führen, das sich Greg immer erträumt hatte.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Freund*innen und Bekannte baten daraufhin Page, ebenfalls Investor*innen für sie zu vermitteln. Da Banken und Kreditunternehmen, die er zunächst ansprach, abwinkten, nahm er die Sache selbst in die Hand und gründete ein Unternehmen. Dieses sorgte nicht nur für reißerische Schlagzeilen, sondern war auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. Weil das Geschäftsmodell den Kleinanleger*innen ziemlich sichere Renditen bot, fand es schnell Nachahmer*innen und wurde sogar mit Fernsehspots beworben. Der Jahresumsatz dieser neuen Branche betrug in den USA zeitweise mehrere Hundert Millionen Dollar.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-personliche-schicksale-diverse-perspektiven">Persönliche Schicksale, diverse Perspektiven</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Matt Nadel unterfüttert diese Geschichte mit reichlich, sehr klug eingesetztem Archivmaterial und nimmt damit auch ein Publikum mit, das bislang wenig oder nichts über die Aidskrise der 1980er- und 1990er-Jahre weiß. Noch wichtiger ist jedoch, dass er mit den Protagonist*innen, deren persönliche Schicksale er erzählt, das moralisch ambivalente Geschäftsmodell aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Da sind einerseits Erkrankte wie Greg, die durch diese Deals zumindest ihre finanziellen Sorgen lindern konnten. Oder Sean Strub, der mit den 400.000 Dollar aus dem Verkauf seiner Versicherungspolice das Magazin „POZ“ gründete – das erste Hochglanzmagazin, das sich ausschließlich den Themen HIV und Aids widmet. Und dann ist da die ehemalige Sexarbeiterin Dee Dee Chamblee. Obwohl sie zeitweise nur noch drei T-Helferzellen hatte – die die gläubige Christin „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ nannte – überlebte sie die Aidskrise. Eine Police hatte sie jedoch nicht zu verkaufen. Denn, wie sie sagt, eine trans Frau of Color wie sie hätte nicht einmal bei McDonald’s einen Job bekommen, geschweige denn bei einer Firma, die – wie bei Greg – für ihre Angestellten auch eine Lebensversicherung abschloss.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nadel macht in seinem Film nicht nur deutlich, welche Diskrepanzen selbst unter marginalisierten Gruppen wie schwulen Männern, Drogengebrauchenden, People of Color und Sexarbeiter*innen bestanden. Er zeigt auch, wie politische Entscheidungen – der Abbau sozialer Hilfen und staatlicher Gesundheitsversorgung, die Privatisierung des Gesundheitswesens und die Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus – Menschen in Armut und letztlich in den Tod trieben. „Cashing Out“ zeigt, wie damals zumindest für eine privilegierte Gruppe unter den Bedürftigen ein Ausweg gefunden wurde.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-ruckblick-in-zeiten-von-kurzungen-und-privatisierung">Rückblick in Zeiten von Kürzungen und Privatisierung </h2>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Unter der zweiten Trump-Regierung werden erneut hilfsbedürftige Menschen vom Staat im Stich gelassen: <a href="https://magazin.hiv/magazin/globale-hiv-praevention-beschaedigt/">HIV-Programme werden gekürzt</a>, Steuervergünstigungen im Rahmen von Obamacare laufen aus und gefährden damit die einzige bezahlbare Krankenversicherung für Millionen Menschen. Die Einschränkung von Medicaid hat weitere Millionen ihre Absicherung verlieren lassen. Notaufnahmen und Hospizketten wurden privatisiert – deren Anleger*innen nun Gewinne und Renditen erwarten. Vor diesem Hintergrund erscheint das Geschäft mit den Lebensversicherungen Aidskranker in einem neuen Licht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit der Einführung der <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-medikamente#Protease-Hemmer">Protease-Hemmer</a> und der damit verbundenen lebensrettenden antiretroviralen HIV-Therapie war das Geschäftsmodell seinerzeit allerdings schnell erledigt. Manche Investor*innen zahlen bis heute die monatlich fälligen Prämien – und hoffen auf den baldigen Tod der Versicherten. Andere haben ihre Investitionen aufgegeben und alle Ansprüche verfallen lassen. Auch Sean Strub wurde durch die antiretrovirale Therapie gerettet. Sein Magazin „POZ“ existiert bis heute.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Cashing Out“, das von der Zeitschrift The New Yorker mitproduziert wurde, ist auf <a href="https://www.newyorker.com/culture/the-new-yorker-documentary/cashing-out-examines-an-investment-strategy-that-profited-from-aids-deaths">deren Website</a> sowie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MhrmiGjHAFE">auf YouTube</a> kostenfrei abrufbar.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-filme-zur-aidsgeschichte">Mehr Filme zur Aidsgeschichte</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="qlml69CGmL"><a href="https://magazin.hiv/magazin/die-uneinsichtigen-aids-aktivismus-frankfurt/">Die Grenzen der Solidarität</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Die Grenzen der Solidarität&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/die-uneinsichtigen-aids-aktivismus-frankfurt/embed/#?secret=5OAts5L8Xz#?secret=qlml69CGmL" data-secret="qlml69CGmL" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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