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	<title>Frauke Oppenberg, Author at magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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	<title>Frauke Oppenberg, Author at magazin.hiv</title>
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		<title>„Ich habe beschlossen, als der Mann zu leben, der ich wirklich bin“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Mar 2019 10:45:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Jayrôme C. Robinet]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Trans*]]></category>
		<category><![CDATA[Transition]]></category>
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					<description><![CDATA[<span id="snippet_meta" class="desc desc-default">In <em>Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund</em> wirft Jayrôme Robinet einen messerscharfen Blick auf unsere binär-geschlechtliche Gesellschaft voller Vorurteile.</span>]]></description>
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        <strong>Was ist männlich? Welche Unterschiede gibt es im Alltag von Männern und Frauen? Der Berliner Autor </strong><strong>Jayrôme</strong><strong> C. Robinet sucht in seinem gerade </strong><strong>erschienenen Buch <a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/mein-weg-von-einer-weissen-frau-zu-einem-jungen-mann-mit-migrationshintergrund/978-3-446-26207-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund“</a></strong><strong> Antworten auf solche Fragen. Es ist die Geschichte eines </strong><strong>trans* </strong><strong>Mannes mit französisch-italienischen Wurzeln, aber auch ein messerscharfer Blick auf unsere binär-geschlechtliche Gesellschaft voller Vorurteile.</strong></p>
<p>Jayrôme trägt bei unserem Treffen einen kurzen Fasson-Haarschnitt, eine rechteckige schwarze Brille und eine Lederjacke mit breitem Pelzkragen.</p>
<p>Für unser Interview hat er das Café Kotti vorgeschlagen. Ein multikultureller, diskriminierungsfreier Ort, aber leider völlig verraucht, als wir eintreten.</p>
<p>Jayrôme will das gemütliche Café schon fast wieder verlassen, als der Betreiber uns aufhält und in einen rauchfreien Nebenraum führt.</p>
<p>Hier sind wir ungestört, auch vom Zigarettenqualm.</p>
<p><strong>Jayrôme, du</strong><strong> nennst </strong><strong>dein</strong><strong> Buch „autofiktionale Memoiren</strong><strong>“.</strong><strong> Was ist Fiktion an dem, was </strong><strong>du</strong><strong> erzählst?</strong></p>
<p>Ich habe meine Geschichte literarisch verarbeitet. Das heißt, die Zeitspanne ist eine andere als in der Realität.</p>
<p>Im Buch erzähle ich das, was in Wirklichkeit acht Jahre gedauert hat, innerhalb eines Jahres.</p>
<blockquote><p>„Autofiktionale Memoiren“ als literarische Verarbeitung der Realität</p></blockquote>
<p>Dann gab es einiges, was ich aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen anders erzählen wollte. Ich wollte nicht, dass sich meine Freund_innen eins zu eins wiederfinden.</p>
<p>Und auch aus dramaturgischen Gründen ist manches anders, als es in der Realität war.</p>
<p>Zum Beispiel erzähle ich von einem Brunch, bei dem die Freund_innen Abschied nehmen von Céline und Jayrôme begrüßen.</p>
<p>In Wirklichkeit waren vielleicht fünfzehn Leute bei diesem Brunch, aber für ein Buch macht es wenig Sinn, Figuren einzuführen, die dann nicht mehr vorkommen.</p>
<p>Deswegen erzähle ich nur von denen, die später in der Geschichte wieder auftauchen.</p>
<p>Aber im Grunde ist alles, was ich im öffentlichen Raum schildere, so oder so ähnlich passiert, es wird nur zum Teil anders eingebettet in die Geschichte.</p>
<p><strong>Warum wolltest </strong><strong>du deine</strong><strong> Geschichte aufschreiben?</strong></p>
<p>Ich bin Schriftsteller und es war schon klar, dass ich irgendwann meine eigenen Erfahrungen literarisch verarbeiten würde.</p>
<p>2010 habe ich angefangen, Testosteron zu nehmen. Seit der <a href="https://nibi.space/transition" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transition</a> hatte ich so oft überraschende Erlebnisse.</p>
<blockquote><p>„Ethnische Herkunft“ ist genauso wie „Geschlecht“ ein Konstrukt</p></blockquote>
<p>Nicht nur im Hinblick darauf, dass ich jetzt als Mann gelesen werde, sondern auch darauf, dass ich nicht mehr als weiße Person wahrgenommen werde und Rassismus erlebe.</p>
<p>Das hatte ich zum Beispiel nicht erwartet. Und ich fand interessant, zu beleuchten, inwiefern auch eine vermeintliche ethnische Herkunft genauso wie Geschlecht ein Konstrukt ist.</p>
<p><strong>Du hast in </strong><strong>deinem</strong><strong> Leben schon verschiedene Geschlechterrollen durchlebt: die Heterofrau, die Lesbe, der bisexuelle Mann, der zudem als nicht</strong><strong> weiß</strong><strong> und </strong><strong>potenziell</strong><strong> gefährlich wahrgenommen wird. Kann man sagen: In jeder sozialen Rolle, in der </strong><strong>du</strong><strong> je gelebt hast, hast </strong><strong>du</strong><strong> Ausgrenzung erfahren?</strong></p>
<p>Ja, aber ich würde sagen, dass vielleicht jeder Mensch Ausgrenzungserfahrungen hat, der nicht weiß, männlich, heterosexuell, wohlhabend und unbehindert ist.</p>
<p>Doch wer ist das schon? Eigentlich nur eine kleine Minderheit.</p>
<p><strong>Welche Ausgrenzungserfahrung hat </strong><strong>dir</strong><strong> am meisten weh getan?</strong></p>
<p>Es ist schwierig, das zu hierarchisieren. Und ich weiß nicht, ob ich das möchte.</p>
<p>Jede Ausgrenzungserfahrung ist schmerzhaft. Aber ich versuche sehr oft, das, was ich erlebe, positiv zu beleuchten.</p>
<p>Ich denke, dass sogar Ausgrenzungserfahrungen mit einer anderen Perspektive etwas Schönes haben können, weil sie auch eine Art Zugehörigkeitsgefühl mit anderen Menschen auslösen können.</p>
<p>Das bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht gegen Ausgrenzung wehre.</p>
<p><strong>Faszinierend</strong><strong> an </strong><strong>deinem</strong><strong> Buch finde</strong><strong> ich</strong><strong>, dass du sehr viel von Verletzungen </strong><strong>erzählst</strong><strong>, sehr viel von deinem Innenleben und </strong><strong>deinen</strong><strong> Gefühlen preisgibst. Ist das nicht </strong><strong>„</strong><strong>unmännlich</strong><strong>“?</strong></p>
<p>Es wird auf jeden Fall in der Gesellschaft als unmännlich aufgefasst oder als eher weiblich markiert, sanfte Gefühle auszuleben und mitzuteilen.</p>
<p>Aber ich habe in meinem Umfeld viele trans* Männer, die das können und die eine andere Art von Männlichkeit nach außen tragen wollen. Von daher fällt es mir nicht schwer, Verletzlichkeit zu zeigen.</p>
<p>Außerhalb von meiner queeren Blase finde ich es manchmal schon schwer, das auszuleben, das stimmt.</p>
<p>Und dann weiß ich manchmal tatsächlich nicht, welche Codes und welches Verhalten von mir erwartet werden.</p>
<p><strong>Auf welche männlichen Rollenerwartungen könntest du denn gut und gerne verzichten? </strong></p>
<p>Tatsächlich diese Erwartung, immer selbstsicher und stark sein zu müssen. Nicht verletzlich und sanft sein zu dürfen. Darauf könnte ich verzichten.</p>
<p>Der Kämpfer oder der Krieger zu sein, das finde ich sehr anstrengend.</p>
<p>Es war mir nicht in diesem Maße bewusst, dass das Patriarchat auch Männer unterdrückt.</p>
<blockquote><p>Das Tabu Homosexualität wirkt sich bei Männern völlig anders aus</p></blockquote>
<p>Und mir war auch nicht so klar, inwiefern sich das Tabu der Homosexualität bei Männern anders auswirkt.</p>
<p>Als ich mich als lesbische Frau verortet habe, war mir schon bewusst, dass Homosexualität tabuisiert wird oder zu Diskriminierungserfahrungen führt.</p>
<p>Aber ich hatte nie den Eindruck, dass ich körperlicher Gewalt ausgesetzt werden könnte – auch wenn das <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/das-queer-lexikon-wofuer-steht-die-bezeichnung-butch/13712504.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Butches</a> durchaus passieren kann.</p>
<p>Als Mann muss ich aber total aufpassen, wie ich andere Männer angucke, damit das auf keinen Fall als schwul gelesen werden kann.</p>
<p>Blicke sind sehr kodifiziert, und eigentlich bin ich es gewöhnt, Menschen anders in die Augen zu schauen.</p>
<p>Aber wenn ich sicher durch den Alltag kommen möchte, muss ich eben aufpassen.</p>
<p><strong>Hast </strong><strong>du</strong><strong> erlernen müssen, was männlich ist?</strong></p>
<p>Nein. Erstens würde ich nicht sagen, dass es nur eine Art und Weise gibt, wie man als Mann sein muss, sondern es gibt unterschiedliche Formen von Männlichkeit.</p>
<p>Zweitens würde ich sagen, dass meine Art der Männlichkeit total legitim ist.</p>
<p>Mir fällt nur auf, dass mein Mannsein in den verschiedenen Kontexten unterschiedlich wahrgenommen wird.</p>
<p><strong>Du </strong><strong>beschreibst</strong><strong> im Buch </strong><strong>die</strong><strong> Hochzeit eines Ex-Freundes, auf der du wildfremden Menschen erzählst, dass du als Frau gelebt hast. Auf der anderen Seite hast du Jahre gebraucht, deiner Familie zu </strong><strong>sagen</strong><strong>, dass </strong><strong>du</strong><strong> als Mann lebst. </strong></p>
<p>Manchmal ist es tatsächlich einfacher, sich Menschen zu offenbaren, die man nicht kennt, weil das nicht so emotional aufgeladen ist.</p>
<blockquote><p>Manchmal ist es einfacher, sich Menschen zu offenbaren, die man nicht kennt</p></blockquote>
<p>Bei der Familie ist es so, dass man sie nicht enttäuschen oder verletzen will. Und ihre Ablehnung tut viel mehr weh als bei wildfremden Menschen.</p>
<p>Außerdem hatte ich tatsächlich wenig Kontakt zu meiner Familie. Sie lebt in Nordfrankreich und ist weit weg.</p>
<p>Und ich wollte auf keinen Fall, dass sie mich davon abhalten. Dass sie versuchen, mich zu überreden.</p>
<p><strong>Du </strong><strong>schriebst</strong><strong> dann in </strong><strong>einer</strong><strong> Mail an deine Familie: „Ich habe beschlossen, als der Mann zu leben, der ich wirklich bin.“ Was für ein Mann möchtest du sein?</strong></p>
<p>Im Grunde hat sich meine Persönlichkeit nicht verändert.</p>
<p>Vielleicht bin ich sanfter geworden, weil ich zum einen ruhiger und glücklicher geworden bin, zum anderen, weil ich aufpasse, dass ich nicht zu viel Raum einnehme.</p>
<p>Als ich als Frau gelesen wurde und gelebt habe, habe ich versucht, in Gruppen Präsenz zu zeigen, eine starke Meinung zu haben und sie laut zu vertreten.</p>
<p>Heutzutage versuche ich, mich eher zurückzuhalten und eben nicht eine Art von Männlichkeit zu performen, die selbstsicher und laut und raumeinnehmend ist.</p>
<p><strong>Nun wirst </strong><strong>du</strong><strong> als Mann auch als Migrant wahrgenommen</strong><strong>,</strong><strong> und ich </strong><strong>habe den Eindruck</strong><strong>, dass </strong><strong>du im Grunde</strong><strong> auf alle Reaktionen vorbereitet warst, </strong><strong>aber</strong><strong> darauf nicht.</strong></p>
<p>Genau. Das ist etwas, was selten passiert bei trans* Menschen. Jedenfalls hätte ich das nicht erwartet.</p>
<blockquote><p>Als Frau wurde ich als exotisch und sexy wahrgenommen – heute als exotisch und gefährlich</p></blockquote>
<p>Aber im Nachhinein denke ich, dass ich vermutlich auch damals, als ich noch als Frau gelesen wurde, nicht als weiß gesehen wurde.</p>
<p>Man begegnete mir aber wohlwollend, wenn auch oft verniedlichend und in Wahrheit herabsetzend. Ich wurde als exotisch und sexy wahrgenommen – heute als exotisch und gefährlich.</p>
<p><strong>Was an </strong><strong>deinem</strong><strong> Weg zum Mann, der </strong><strong>du</strong><strong> sein wolltest, war besonders schwer? </strong></p>
<p>Ich fand die die gesetzliche Regelung für die Vornamens- und Personenstandsänderung damals schwierig.</p>
<p>Schon die Namensänderung war langwierig.</p>
<p>Ich wollte aber auch meinen Geschlechtseintrag offiziell ändern. Doch dafür hätte ich mich sterilisieren lassen müssen – in Deutschland war das bis 2011 so, in Frankreich bis 2016.</p>
<p>Inzwischen ist es zum Glück in beiden Ländern nicht mehr der Fall.</p>
<p>Auch die Voraussetzungen für die medizinische Versorgung waren kompliziert.</p>
<p>Es gab eine ziemlich lange Begleittherapie, die absolviert werden musste.</p>
<p>Und es gab einen Alltagstest, bei dem du erst mal in dem „gewünschten Geschlecht“ leben musstest, um auszuprobieren, wie es sich anfühlt, bevor du überhaupt Hormone nehmen durftest.</p>
<p>Ende 2018 wurde eine <a href="https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/138-001.html">neue Leitlinie zur Behandlung von trans* Menschen vorgelegt</a>. Es ist noch nicht perfekt, aber es geht in die richtige Richtung.</p>
<p>Aber wie gesagt: Damals war alles sehr kompliziert und hat lange gedauert. Ich hätte mich gerne auf andere Sachen konzentriert, auf das Leben.</p>
<p><strong>Welche Momente waren besonders schön auf dem Weg?</strong></p>
<p>So viele. Das erste Mal, als ich meine Stimme gehört habe, wie sie jetzt klingt nach dem Stimmbruch.</p>
<blockquote><p>Eine Menge war und ist schön</p></blockquote>
<p>Das erste Mal, als ich festgestellt habe, dass ich jetzt immer als Mann gelesen werde.</p>
<p>Das erste Mal oder immer wieder, wenn ich Jayrôme genannt werde.</p>
<p>Eine Menge war und ist schön.
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
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		<title>Hund und Herrchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Oct 2017 07:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA["Hund und Herrchen"]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Drogengebrauch]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Kein AIDS für alle]]></category>
		<category><![CDATA[Substitution]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Projekt „Hund und Herrchen“ bietet kostenlose Gesundheitsversorgung für Hunde von Drogen konsumierenden Menschen plus Gesundheitscheck für Frauchen oder Herrchen.]]></description>
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        <strong>Drogenkonsument_innen haben oft andere Probleme, als zum Gesundheitscheck zu gehen. Viele von ihnen kümmern sich aber aufopferungsvoll um ihren Hund. Die Deutsche AIDS-Hilfe macht ihnen ein besonderes Angebot: Während ein_e Veterinär_in kostenlos den Vierbeiner versorgt, bekommt der Mensch die Gelegenheit für einen HIV-Test samt Beratung.</strong></p>
<p><em>Das Projekt „Hund und Herrchen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher AIDS-Hilfe, Stiftung SPI, Kontaktladen enterprise, Berliner Aids-Hilfe und dem Projekt Hunde-Doc im Rahmen der Kampagne <a href="http://„Kein AIDS für alle!“">„Kein AIDS für alle!“</a>.</em></p>
<p>Man sieht ihr das Alter nicht auf den ersten Blick an. Ein paar graue Haare ziehen sich zwar durch ihr hellbraunes Fell. Die zu erkennen, fällt aber schwer, denn Jumper ist ständig in Bewegung. Die Hundedame schnüffelt neugierig an dem umgebauten Krankenwagen, begrüßt freudig die Tierärztin Jeanette Klemmt und rennt dann wieder zurück zu ihrem Herrchen Bernd.</p>
<p>Der 44-Jährige ist heute mit Jumper hergekommen, um sie in der mobilen Tierarztpraxis untersuchen zu lassen. Das Projekt „Hunde-Doc“ behandelt Tiere von bedürftigen Menschen wie Obdachlosen, Drogenkonsument_innen oder Straßenkids. Bernd ist substituierter Heroinabhängiger und lebt von Hartz IV. Jumper in einer normalen Tierarztpraxis durchchecken zu lassen, könnte er sich nicht leisten.</p>
<h2><strong>Ein umgebauter Krankenwagen als Tierarztpraxis</strong></h2>
<p>Mit ihren 13 Jahren hat die Mischlingshündin schon einige gesundheitliche Probleme. Die Ohren sind immer mal wieder entzündet, die Pfoten oft wund, und in der Hüfte scheint Jumper auch nicht mehr so beweglich zu sein wie früher. Bernds aufmerksamen Augen ist das nicht entgangen, und er möchte sichergehen, dass seine pelzige Begleiterin keine Schmerzen hat.</p>
<p>„Sie hat auch in Ruhephasen oft einen Tremor, also zittert im Bein“, erklärt Bernd der Tierärztin, nachdem sie Jumper gemeinsam auf den Behandlungstisch im Krankenwagen gehoben haben. „Das ist neu, das hat sie erst seit ein paar Wochen.“ Jeanette Klemmt nickt und beginnt, die Hündin zu untersuchen. Dafür muss sie Jumper an den Hinterläufen ziehen  und die Gelenke durchstrecken. Dem Vierbeiner gefällt das gar nicht. Man sieht Bernds verzerrtem Gesicht an, dass er mitleidet.</p>
<p>Gegen den Schmerz in der rechten Hüfte der Hündin gibt die Tierärztin Bernd ein Medikament mit. „Was kostet das?“, fragt der Hartz-IV-Empfänger und reißt die Augen auf, als Jeanette Klemmt mit einem schlichten „Nichts“ antwortet.</p>
<blockquote><p>„Ich gehe viel mehr spazieren, nehme deutlich weniger Drogen“</p></blockquote>
<p>Das Projekt Hunde-Doc wird durch Spenden finanziert, vor allem durch eine regelmäßige Zuwendung einer großen Stiftung. Trotzdem muss auch Jeanette Klemmt den bedürftigen Hundebesitzer_innen, die zu ihr kommen, hin und wieder Geld abnehmen. Zum Beispiel für eine Blutuntersuchung.</p>
<p>„Bei fortgeschrittenem Alter eines Hundes ist so ein Blutbild regelmäßig angezeigt, am besten einmal im Jahr“, erklärt Jeanette Klemmt dem Hundepapa. Als sie Bernds besorgten Blick sieht, fügt sie hinzu, dass sie beim Labor einen Tierschutzrabatt bekäme. 35 Euro würde die Untersuchung kosten. Für Bernd viel Geld, aber für Jumper wird er die Summe schon aufbringen.</p>
<p>&nbsp;</p>

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<h2><strong>Kein Verlangen nach Drogen mehr – auch dank Jumper</strong></h2>
<p>Auf den Hund gekommen ist Bernd per Zufall. Sein früherer Mitbewohner brachte Jumper mit in die gemeinsame Wohnung. Von Anfang an war die Hündin auf Bernd fixiert, saß wartend an der Wohnungstür, wenn er nicht da war, und hörte irgendwann auch nur noch auf seine Befehle. „Sie hat mich ausgesucht“, lacht Bernd, „seither sind wir zusammen.“ Für beide eine gute Entscheidung. Jumper ist deutlich ruhiger und fröhlicher geworden, und Bernd hat sein Leben grundlegend geändert: „Ich gehe viel mehr spazieren, nehme auch deutlich weniger Drogen und gehe kaum noch aus. Mir geht´s gesundheitlich definitiv besser.“</p>
<blockquote><p>„Die meisten suchen eher Hilfe für ihr Tier als für sich selbst“</p></blockquote>
<p>Bernd hat eine 30-jährige Drogenkarriere hinter sich. Seit 2001 wird er substituiert, immer wieder mit Unterbrechungen. Aber vor zwei Jahren ist er von dem Medikament Subutex zu Substitol gewechselt. Mit diesem Mittel habe er gar kein Verlangen nach weiterem Drogenkonsum, freut sich Bernd, „und der Hund hat zu dieser Entwicklung definitiv beigetragen.“</p>
<p>Jeanette Klemmt kennt solche Geschichten. „Die meisten  kommen und suchen eher Hilfe für ihr Tier als für sich selbst“, weiß die Tierärztin. Bei Hunde-Doc bekommen sie beides, das ist das Konzept des Projekts.</p>
<h2><strong>HIV-Test mit Hund</strong></h2>
<p>Die mobile Tierarztpraxis hält ausschließlich vor sozialen Einrichtungen, heute vor dem Kontaktladen „enterprise“, einer Begegnungsstätte für Suchtkranke und Suchtgefährdete in Lichtenberg. Wer mit seinem Hund zu Jeanette Klemmt in den umgebauten Krankenwagen will, muss sich vorher im Kontaktladen anmelden. „Hunde-Doc ist kein reines Versorgungsprojekt, sondern eins mit sozialpädagogischem Ansatz“, erklärt die resolute Tierärztin, „wir möchten sichergehen, dass sie wirklich bedürftig sind. Sucht, Obdachlosigkeit oder Überschuldung sind Voraussetzungen, bei denen wir Hilfe anbieten, und nur wenn sie diese annehmen, kann auch der Hund behandelt werden.“</p>
<blockquote><p>„Nur wenn sie die Hilfe annehmen, kann auch der Hund behandelt werden“</p></blockquote>
<p>Ein tolles Konzept, fand auch die Deutsche AIDS-Hilfe und testet nun in einem Pilotprojekt und in Zusammenarbeit mit der Berliner Aids-Hilfe die Kooperation mit dem Hunde-Doc. Wenn die mobile Tierarztpraxis vor dem Kontaktladen „enterprise“ Station macht, sind nun auch zwei Mitarbeiter_innen der BAH vor Ort.</p>
<p>Heute haben der Arzt Maik Müller und Berater Jens Ahrens ihr temporäres Büro im zweiten Stock der Drogenberatung eingerichtet. „Bei der Anmeldung für den Hunde-Doc haben wir die Gelegenheit, die Tierhalter zu fragen, ob sie sich vielleicht zu HIV beraten lassen möchten“, erklärt Jens Ahrens, „und wenn sie Risiken gehabt haben, dann können sie gegebenenfalls auch einen Test machen.“ Sowohl auf HIV als auch auf Hepatitis C können sich die Hundebesitzer_innen hier testen lassen. Wenn das Infektionsrisiko lange genug zurückliegt, sind auch Schnelltests möglich.</p>
<blockquote><p>„Für den Hund nimmt man sich die Zeit“</p></blockquote>
<p>Auch Bernd hat heute bei der Anmeldung das Angebot bekommen, einen HIV-Test zu machen. „Das ist toll“, findet Jumpers Herrchen, „gerade für Süchtige ist es schwierig, sich die Zeit für die eigene Gesundheit zu nehmen. Für den Hund nimmt man sich aber Zeit. Und wenn man in dem Zuge auch noch seine eigene Gesundheit überprüfen kann, ist das der Schlüssel, der da passen könnte.“</p>
<p>Bernd selber nimmt das Angebot heute aber nicht an, er hat erst vor kurzem seinen HIV-Status testen lassen. „Beim nächsten Mal vielleicht“, grinst er. Bernd wird wiederkommen. Vor allem wegen Jumper.</p>
<p><strong>Mehr Informationen:</strong></p>
<p><a href="https://kein-aids-fuer-alle.de/aktion/hund-und-herrchen/">Projektbeschreibung „Hund und Herrchen&#8220;</a></p>
<p><a href="https://kein-aids-fuer-alle.de/">Kampagne „Kein AIDS für alle!“</a></p>
<p>&nbsp;
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>LGBT-Geflüchtete: Diskriminierung von allen Seiten</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/lgbt-gefluechtete-und-rechtspopulismus/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Aug 2017 05:01:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsruck]]></category>
		<category><![CDATA[VielfaltGegenRechteEinfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit der Online-Kampagne „Vielfalt gegen rechte Einfalt“ positioniert sich die Deutsche AIDS-Hilfe klar gegen rechts. Wir sprachen mit Gema Rodríguez Díaz von der Kölner LGBT-Beratungsstelle Rubicon]]></description>
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        <strong>Mit der Online-Kampagne „Vielfalt gegen rechte Einfalt“ positioniert sich die Deutsche AIDS-Hilfe anlässlich der Bundestagswahl klar gegen rechts. Mit Gema Rodríguez Díaz haben wir über LGBT-Geflüchtete und Rechtspopulismus gesprochen.</strong></p>
<p>Gema Rodríguez Díaz arbeitet als Diplom-Sozialarbeiterin bei der Kölner LGBT-Beratungsstelle <a href="http://www.rubicon-koeln.de/Home.473.0.html">Rubicon</a>. Ihre Schwerpunkte sind Antidikriminierungsarbeit und Flüchtlingsberatung. Und sie ist zuständig für <a href="http://www.baraka-online.info/">Baraka</a>, einen offenen Treff für lesbische, schwule und transsexuelle Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete und Deutsche mit Migrationsgeschichte.</p>
<h2>Eine Möglichkeit, sich durch den Alltag zu schlagen</h2>
<p><strong>Gema, Baraka gibt es seit 2005. Wer nimmt heute das Angebot wahr?</strong></p>
<p>Wir versuchen, es so bunt wie früher zu halten. Aber klar, der große Kern der Gruppe sind vor allem die Geflüchteten, die jetzt in den vergangenen zwei Jahren zu uns gekommen sind. Das sind in erster Linie Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan, aus Somalia, Guinea oder Eritrea.</p>
<p>Das Baraka ist eine Gruppe, die sich nur jeden Freitag von 18 bis 22 Uhr trifft. Zum Glück gibt es in Köln aber noch andere Angebote, wo die Menschen auch an den anderen Tagen der Woche ihre Freizeit gestalten können.</p>
<blockquote><p>Seit Ende 2015 kamen alle mit Asylfragen</p></blockquote>
<p>Als Geflüchteter ist es dir ja erst mal nicht erlaubt, einen Deutschkurs zu besuchen oder arbeiten zu gehen. Und da sind Angebote wie Baraka eine Möglichkeit, sich durch den Alltag zu schlagen.</p>
<p><strong>Kommen die Menschen auch mit ganz konkreten Hilfsgesuchen?</strong></p>
<p>Seit zwei Jahren ist es tatsächlich so. Seit Ende 2015 hat sich die Gruppe verändert und wurde so eine Art Nothilfegruppe. Die kamen alle mit Asylfragen. Wir haben dann versucht, dass die Menschen einen Termin machen und in der Woche zu meiner Flüchtlingsberatung kommen.</p>
<p>Wir haben bei Rubicon auch ein sechsköpfiges Team, das psychosoziale Beratung macht, und die sind sehr gut vernetzt mit anderen Stellen, wenn es um einen Therapieplatz geht. Wir können ihnen also in der Woche auf vielfältige Weise helfen.</p>
<p>Und freitagabends bei Baraka können sie Freunde treffen, danach noch ausgehen und zumindest versuchen, ihre Probleme zu vergessen.</p>
<h2>„So viele verschiedene furchtbare Geschichten“</h2>
<p><strong>Was haben die Menschen, die zu euch kommen, erlebt?</strong></p>
<p>Wenn ich damit anfange, dann werde ich gleich heulen. Das sind so viele verschiedene furchtbare Geschichten.</p>
<p>Ich habe von mehreren Menschen gehört, wie sie ihre Freunde im Meer verloren haben. Oder wie ihre Freunde von hohen Gebäuden gestoßen wurden, und dann wurde so getan, als wäre es Selbstmord gewesen.</p>
<blockquote><p>„Wenn ich damit anfange, werde ich gleich heulen“</p></blockquote>
<p>Diese Menschen haben in ihrer Heimat gelitten, sie haben auf der Flucht gelitten, und dann kommen sie her mit vielen Erwartungen und leiden wieder, weil sie so lange Zeit im Prinzip auf Standby stehen.</p>
<p>Ich meine, es ist schon diskriminierend genug und hart genug, wie die Gesetze gemacht sind und wie die Menschen einfach sortiert werden. Wer aus Uganda stammt, kommt nach Bayern und wird dort untergebracht, egal, aus welchem Grund sie diesen Asylantrag gestellt haben. Die Menschen werden aufgeteilt, als wären sie Schafe.</p>
<p>Und dann das, was sie in den Unterkünften erleben mit den Menschen, die sie schon in der Heimat unterdrückt und verfolgt haben. Dort erleben sie wieder Diskriminierung und auch Gewalt.</p>
<p>Und natürlich werden sie auch diskriminiert von den Menschen, die schon in diesem Land leben. Die Diskriminierung kommt von allen verschiedenen Seiten und manchmal von Menschen, von denen man denken könnte, dass sie nicht diskriminieren. Das machen wir alle und leider auch viele in unserer queeren Community.</p>
<h2>LGBT-Geflüchtete und Rechtspopulismus: Empowerment gegen Diskriminierung</h2>
<p><strong>Wie kann sich jede_r Einzelne gegen Diskriminierung stark machen?</strong></p>
<p>Keiner von uns ist frei davon, andere zu diskriminieren, auch sehr oft unbewusst. Wichtig ist, dass wir erkennen können, wann wir vielleicht jemanden verletzt haben, und uns entschuldigen und daraus lernen.</p>
<p>Ich würde damit anfangen, mir meine eigenen Privilegien bewusst zu machen. Ich bin zum Beispiel eine Frau, lesbisch lebende Migrantin mit einem Akzent. Das sind Merkmale, mit denen man Diskriminierung erfahren kann. Und trotz dieser ganzen Merkmale und gewissen Diskriminierungserfahrungen in meinem Alltag bin ich so was von privilegiert.</p>
<blockquote><p>„Warum die und nicht wir?“</p></blockquote>
<p>Ich denke, viele Menschen, gerade in der LGBT-Community, bleiben gerne in der Opferrolle. Sie fragen: Warum die und nicht wir? Als würde das Leiden und die Diskriminierungserfahrung von dem einen mehr zählen als von der anderen.</p>
<p>Und wenn man selber Diskriminierung erfährt, sollte man sich wehren, sich an die Anti-Diskriminierungs-Stellen wenden, um zu gucken, was für Möglichkeiten es da gibt. Dazu müssen wir Menschen empowern, damit sie sich wehren können.</p>
<p>Und wir brauchen richtige Integrationsgesetze, mit denen die Menschen tatsächlich Teilhabe in der deutschen Gesellschaft bekommen und wir alle zusammen an der Inklusion arbeiten. Und das heißt alle, nicht nur die, die gerade seit ein paar Jahren oder Monate bei uns sind, sondern auch die, die hier lange leben oder sogar hier geboren sind.</p>
<h2>Rechtsruck auch in der queeren Community</h2>
<p><strong>Hast du das Gefühl, dass die Diskriminierungen mehr geworden sind in den vergangenen Jahren? Dass es einen Rechtsruck gibt in der Gesellschaft und auch in der queeren Community?</strong></p>
<p>Ja, in der Gesellschaft im Allgemeinen und leider auch in der queeren Community. Wahrscheinlich war es schon immer da, es wurde nur noch nie so deutlich wie jetzt.</p>
<p>Die Menschen haben Ängste und ich glaube, dass diese verschiedenen Situationen seit dem Sommer 2015, wie zum Beispiel die Kölner Silvesternacht, die Ängste verstärkt haben.</p>
<p>Da war auch die Presse nicht ganz so neutral oder professionell. Das hätte man alles viel differenzierter betrachten müssen.</p>
<p><strong>Wie berechtigt ist die Angst, dass die Geflüchteten, speziell die aus muslimischen Ländern, besonders homophob und transphob sind?</strong></p>
<p>Das ist schwierig zu sagen. Natürlich ist das teilweise ein Vorurteil. Nicht jeder Muslim ist automatisch homophob. Ich bin keine Freundin von diesen Verallgemeinerungen. Aber das ist leider ein Gedanke, der bei vielen in den Köpfen sitzt.</p>
<blockquote><p>Homo- und Transphobie gibt es auch bei uns</p></blockquote>
<p>Auch viele von den Besucherinnen und Besuchern von Baraka bringen selber diese Vorurteile mit. Sie denken, dass die Katholiken, die Protestanten und alle anderen, die hier in Deutschland leben, viel besser sind. Aber wir wissen, dass das nicht stimmt.</p>
<p>Natürlich kommen viele aus Ländern, in denen es Gesetze gegen LGBT gibt, die sogar bis zur Todesstrafe führen können, und viele Menschen aus diesen Ländern bringen homophobe oder transphobe Gedanken mit, aber genau solche haben wir auch schon hier. Das haben zum Beispiel die Reaktionen nach der Einführung der Homoehe gezeigt.</p>
<h2>Wählen gehen für eine Gesellschaft mit weniger Diskriminierung</h2>
<p><strong>Was würdest du jemandem sagen, der überhaupt nicht wählen geht, weil er findet, dass das nichts bringt?</strong></p>
<p>Guck mal, ich bin in Madrid geboren. Ich habe einen spanischen Pass, und als ich konnte, habe ich meinen deutschen Pass beantragt, allein aus dem Grund, dass ich wählen gehen wollte.</p>
<blockquote><p>„Ich möchte meine Stimme abgeben, die zählt“</p></blockquote>
<p>Weil da, wo ich Steuern zahle, möchte ich auch meine Stimme abgeben, und die zählt. Und ich freue mich, dass ich in diesem Jahr zum zweiten Mal bei einer Bundestagswahl dabei sein kann.</p>
<p><strong>Was wünscht du dir, was nach der Wahl ganz dringend angegangen werden muss?</strong></p>
<p>Sagen wir mal, nach den Wahlen ist alles jot jejange, wie man in Köln sagt, und es kommt nicht so, wie wir leider befürchten, dann sollte man sich an die Asylgesetze ranmachen und vielleicht die Dublin-Regelung ganz abschaffen.</p>
<p>Das ist natürlich eine Aufgabe, die die ganze EU betrifft, aber ganz besonders Deutschland, das in einer ziemlich angenehme Situation mitten in Europa ist.</p>
<p><strong>Was würde das Leben von Migrant_innen in Deutschland erleichtern?</strong></p>
<p>Zum Beispiel, wenn die Kinder, die in Deutschland geboren werden, automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Das würde vielleicht nicht das Leben dieser Menschen erleichtern, aber auf jeden Fall das Leben ihrer Kinder. Und das bedeutet von den zukünftigen Deutschen.</p>
<h2>Sich engagieren zu können ist ein Privileg</h2>
<p><strong>Warum engagierst du dich persönlich?</strong></p>
<p>Das ist auch ein Privileg. Ich bin Sozialarbeiterin und werde für meine Arbeit bezahlt. Ich sage immer, ich bin eine Büro-Aktivistin.</p>
<p>Ja, warum engagiere ich mich? Ich glaube, jeder muss einen kleinen Teil dazu beitragen, und wenn alle das machen würden, hätten wir vielleicht eine bessere Gesellschaft. Durch dieses Engagement könnte man die Gesellschaft verändern, damit es weniger Diskriminierung gibt. Ich weiß, dass das eine Utopie ist, aber zumindest ein bisschen weniger.</p>
<blockquote><p>„Man braucht Durchhaltevermögen und Kraft“</p></blockquote>
<p>Es geht um Kleinigkeiten, die man jeden Tag versuchen kann, andere zu sensibilisieren, zum Beispiel im Gespräch mit dem Metzger, mit Freunden, in unserem privaten Leben. Aber dafür braucht man Durchhaltevermögen und Kraft.</p>
<p><strong>Bleiben wir mal bei der Utopie: Wenn du drei Wünsche frei hättest, wie würden die lauten?</strong></p>
<p>Eine diskriminierungs- und rassismusfreie Gesellschaft. Die Abschaffung der Dublin-Regelung. Und ein Wunsch wird gerade teilweise erfüllt, obwohl es lange gedauert hat. Ich war immer für eine dezentrale Unterkunft von queeren Geflüchteten, und wir sind auf dem besten Weg in Köln. Es ist lange versprochen worden, und es könnte bald kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Dieses Interview ist Teil unserer Kampagne „Vielfalt gegen rechte Einfalt“: <a href="https://magazin.hiv/2017/08/09/vielfalt-gegen-rechte-einfalt/">Hier geht es zu weiteren Inhalten und Materialien.</a></strong></p>
<p>&nbsp;
      </p></div>
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		<title>„Ein Wort, ein Geruch, ein Bild – und Erfahrungen werden wieder real“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Mar 2017 10:17:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Café Kuchus]]></category>
		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Prousalis]]></category>
		<category><![CDATA[LSBTI*-Geflüchtete]]></category>
		<category><![CDATA[Schwulenberatung Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit Frühjahr 2016 betreibt die Schwulenberatung Berlin eine Not- und Gemeinschaftsunterkunft für LSBTI*-Geflüchtete. Jakob Prousalis ist dort für die psychologische Beratung zuständig.]]></description>
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        <strong>Seit Frühjahr 2016 betreibt die Schwulenberatung Berlin eine Not- und Gemeinschaftsunterkunft für LSBTI*-Geflüchtete. Jakob Prousalis ist dort für die psychologische Beratung zuständig. </strong></p>
<figure id="attachment_31230" aria-describedby="caption-attachment-31230" style="width: 242px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/03/Jakob-Prousalis.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-31230" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/03/Jakob-Prousalis-242x300.jpg" alt="Jakob Prousalis" width="242" height="300" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/03/Jakob-Prousalis-242x300.jpg 242w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/03/Jakob-Prousalis-768x953.jpg 768w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/03/Jakob-Prousalis-825x1024.jpg 825w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/03/Jakob-Prousalis.jpg 1501w" sizes="auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px" /></a><figcaption id="caption-attachment-31230" class="wp-caption-text">Psychotherapeut Jakob Prousalis (Foto: privat)</figcaption></figure>
<p><strong>Jakob, du bist seit vielen Jahren </strong><strong>Berater und Psychotherapeut </strong><strong>und speziell in Traumatologie ausgebildet. Wie neu ist deine jetzige Aufgabe trotz deiner Erfahrung für dich?</strong></p>
<p>Ich arbeite schon länger mit traumatisierten Geflüchteten, aber bislang nur gelegentlich mit LSBTI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und inter* Menschen; Anm. d. Red.). Hier arbeite ich nun in einer Organisation, die diesen geschützten Raum ermöglicht, in dem die Klient_innen offen über Homosexualität oder Transgeschlechtlichkeit reden können. Diese Möglichkeit hatte ich vorher nicht. Sie ist eine wichtige und gute Basis für alles Weitere.</p>
<p><strong>Also die Arbeitsbedingungen sind anders, aber die Geschichten, die du hörst, nicht?</strong></p>
<p>Lebensgeschichten sind immer individuell und unterscheiden sich, und Menschen werden vielfältig geprägt: familiär, soziokulturell, bildungsbedingt und durch vieles mehr. Und selbstverständlich machen auch Geflüchtete unterschiedlichste Erfahrungen. Bei LSBTI*-Geflüchteten spielen neben Krieg und Bürgerkrieg als Fluchtgrund häufig zusätzlich noch homo- und trans*-spezifische Verfolgung eine Rolle.</p>
<blockquote><p>„Viele mussten jahrelang Ausgrenzung, Folter oder familiäre Gewalt erleben“</p></blockquote>
<p><strong>Was haben diese Menschen erlebt?</strong></p>
<p>Für die psychosoziale Entwicklung eines Menschen ist die Bindung zur Familie sehr wichtig. LSBTI* erleben häufig schon lange vor ihrem Coming-out eine familiäre oder gesellschaftliche Ablehnung von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit. Das heimliche Wissen um die eigene Homosexualität oder Transgeschlechtlichkeit und die damit befürchtete Stigmatisierung führen schon zu einer emotionalen Störung dieser Bindung. Kommt es später aufgrund dessen zu Beziehungsabbrüchen, psychischer oder physischer Gewalt, kann man von einem ersten Traumaereignis sprechen. Viele mussten leider schon jahrelange gesellschaftliche Ausgrenzung, Kriminalisierung, Inhaftierung und Folter oder familiäre Gewalt erleben – zusätzlich zu den allgemeinen kriegsähnlichen Zuständen in einigen Ländern.</p>
<p><strong>Wie gehst du in der Beratung vor?</strong></p>
<p>Ich versuche erst einmal zu erklären, wie ich arbeite. Viele haben keine Vorstellung von meiner Tätigkeit. In manchen  Herkunftsländern ist zum Beispiel psychotherapeutische Beratung verboten oder sie ist nicht LSBTI*-freundlich und -akzeptierend. Bei Psychiatern besteht die reale Gefahr, dass die Eltern oder gleich die Behörden informiert werden. Manche haben daher verständlicherweise zu Beginn Befürchtungen. Gleichzeitig haben viele ein starkes Bedürfnis, über Gefühle und gemachte Erfahrungen endlich in einem geschützten Rahmen zu sprechen. Es geht um den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung – auch, indem ich zeige, dass sie hier so akzeptiert werden, wie sie sind. <a href="http://www.schwulenberatungberlin.de/refugees-deutsch">Die verschiedenen Angebote der Schwulenberatung Berlin</a> mit Treffpunkt, Beratung und Unterkunft für LSBTI*-Geflüchtete helfen dabei, diese Glaubwürdigkeit in der Akzeptanz zu unterstreichen.</p>
<blockquote><p>„Sobald der Körper Ruhe findet, erinnert sich das Gehirn“</p></blockquote>
<p><strong>Mit welchen akuten Problemen kommen deine Klient_innen in die Beratung?</strong></p>
<p>Nach den oft traumatisierenden Erfahrungen in ihren Familien und Herkunftsländern, auf der Flucht und auch noch hier in Deutschland erfahren sie endlich ein Stück Sicherheit und kommen langsam mehr und mehr zur Ruhe. Sobald der Körper aber Ruhe findet, erinnert sich das Gehirn. Die Bilder können zurückkommen. In der Psychotraumatologie spricht man von Flashbacks, von Nachhall-Erinnerungen. Als Auslöser braucht es mitunter nur ein Wort, einen Geruch, ein Bild, um sich zu erinnern. Dann werden die schlimmen Erfahrungen wieder real. Und es kann zu Panikattacken oder Angstzuständen kommen.</p>
<p><strong>Wie oft kommt das vor?</strong></p>
<p>Andere psychosoziale Einrichtungen für Geflüchtete und Folteropfer gehen davon aus, dass 50 Prozent der Geflüchteten traumatisiert sind. Bei LSBTI* ist der Anteil möglicherweise deutlich höher wegen der spezifischen Verfolgung, auch wenn es noch nicht viele Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Arbeit gibt. Es geht nicht unbedingt darum, ob sie traumatisiert sind, sondern dass sie komplex traumatisiert sind. Durch diese Komplexität entsteht eine Prädisposition – also eine Anlage, eine Empfänglichkeit – für Folgeerkrankungen.</p>
<blockquote><p>„Alkohol- und Drogenprävention wird zunehmend wichtiger“</p></blockquote>
<p><strong>Was für Folgeerkrankungen sind das?</strong></p>
<p>Das können psychosomatische Erkrankungen wie Migräne, Bauchkrämpfe, Lähmungserscheinungen oder psychogene Krampfanfälle bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen sein. Hinzu kommen Selbstheilungsversuche mit Alkohol und anderen illegalisierten Drogen oder selbst beschafften Medikamenten. Diese haben einen hohen Reiz, weil sie anfangs helfen zu vergessen. Alkohol- und Drogenprävention wird hier zunehmend wichtiger, weil die Selbstheilungsversuche auch in eine Suchterkrankung übergehen können. Dies alles sind ziemlich komplexe Herausforderungen, auch für das psychiatrische Versorgungssystem in Berlin.</p>
<p><strong>Ist denn unser psychiatrisches Versorgungssystem darauf eingestellt?</strong></p>
<p>Es ist nicht ausreichend darauf eingestellt, um Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zu verstehen und zu versorgen. Professionelle Sprachmittlung in den flüchtlingsrelevanten Sprachen ist entweder nicht vorhanden oder wird nicht finanziert und ist schon gar nicht LSBTI*-sensibel. Und nach wie vor denken viele Psychotherapeuten, dass mit Sprachmittlung keine wirkliche Psychotherapie möglich sei. Auch müssen Mitarbeitende im Gesundheitssystem sich das Vertrauen von LSBTI*-Geflüchteten in die akzeptierende Haltung gegenüber LSBTI* und die Unterstützungsabsicht häufig aktiv erarbeiten, möglicherweise immer wieder neu. Hintergrund sind die oftmals schlechten Erfahrungen mit den Gesundheitssystemen der Herkunftsländer. Hierzu benötigt es Bereitschaft und Anstrengung. Das kostet Zeit und damit auch Geld.</p>
<blockquote><p>„Die Komplexität eines Traumas kommt nur langsam zum Vorschein“</p></blockquote>
<p><strong>Wie lange dauert es, diese Traumata aufzuarbeiten?</strong></p>
<p>Die ganze Komplexität eines Traumas kommt nur sehr langsam zum Vorschein. Es ist sehr individuell, wo und wie es sich manifestiert. Das hängt davon ab, wie vulnerabel die Person ist, wie sie aufgewachsen und sozialisiert ist, welche kulturellen und sozialen Bindungen sie hat. Nach der ersten Stabilisierung und nach Versorgung der Folgekrankheiten, was sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, ist es nicht immer so wichtig, ob dann auch noch das eigentliche Trauma ausgiebig  behandelt wird. Die traumatherapeutische Versorgung ist nicht ohne die psychosoziale Versorgung zu denken. Zuerst geht es vor allem um Grundbedürfnisse wie Sicherheit, etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf. Eine Verselbständigungsmöglichkeit durch Bleiberecht, eine eigene Wohnung und Ausbildung oder Arbeit sind die nächsten wichtigen Schritte, um weitere Stabilität zu erreichen.</p>
<p><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Neben der <a href="https://magazin.hiv/2016/05/12/selbstverstaendlich-sagen-koennen-ich-bin-schwul/">Not- und Gemeinschaftsunterkunft</a> mit 122 Plätzen betreibt die Schwulenberatung Berlin mit ihrem <strong>Café Kuchus</strong> in der Wilhelmstraße 115 einen Treffpunkt für LSBTI*-Geflüchtete. Immer dienstags und freitags von 14 bis 18 Uhr kann man sich dort in gemütlicher Atmosphäre mit anderen austauschen und bei den Mitarbeiter_innen Unterstützung und Beratung holen. Auch <strong>Beratung zum Asylverfahren und Migrationsrecht</strong> bietet die Schwulenberatung an – in verschiedenen Sprachen und, wenn notwendig, mit Unterstützung von LSBTI*-sensiblen Übersetzer_innen. Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr gibt es im Café Kuchus zudem eine <strong>offene Sprechstunde für die psychologische Beratung</strong>. Alle Infos <a href="http://www.schwulenberatungberlin.de/startseite">hier</a> und über <a href="mailto:refugees@sbberlin.info">refugees@sbberlin.info</a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Weitere Informationen und bundesweite Projekte:</strong></p>
<p><a href="http://www.more-than-welcome.de/karte/">Karte mit bundesweiten Einrichtungen für queere Refugees</a></p>
<p><a href="http://www.schwulenberatungberlin.de/wp_uploads/Handreichung_Online.pdf">Handreichung für Beratungsstellen zum Empowerment von lesbischen, schwulen, bisexuellen sowie trans* und inter* Geflüchteten durch Beratung und Unterstützung</a> (PDF)</p>
<p><a href="http://www.asylindeutschland.de/de/film-2/">Informationsfilm über die Asyl-Anhörung in 14 Sprachen</a></p>
<p><a href="http://www.asyl.net/index.php?id=startseite">Informationsverbund Asyl e.V</a>.</p>
<p><a href="https://www.1averbraucherportal.de/versicherung/krankenversicherung/nichtversicherte">Mehrsprachige Erläuterungen zu Gesundheitsleistungen für Asylsuchende in Deutschland</a> (mit PDFs zum Download)</p>
<p><a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/themen/asylflucht/">Dossier „Asyl/Flucht“ des Deutschen Instituts für Menschenrechte</a></p>
<p><strong>Beratung und Projekte in Berlin:</strong></p>
<p><a href="http://www.fluechtlingsrat-berlin.de/arbeitshilfen.php">Flüchtlingsrat Berlin – Adressen Flüchtlingsberatung / Rechtsanwälte / Behörden in Berlin</a></p>
<p><a href="http://www.xenion.org/">Xenion, psychotherapeutisches Beratungs- und Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge</a></p>
<p><a href="http://lesmigras.de/Refugee_gruppen_und_Beratung.html">Refugees bei LesMigraS, Projekt der Lesbenberatung Berlin</a></p>
<p><a href="http://www.schwulenberatungberlin.de/queere-fluechtlinge">Schwulenberatung Berlin, Projekt für queere Geflüchtete</a></p>
<p><a href="http://www.schwulenberatungberlin.de/wp_uploads/Broschuere-Fachstelle-Druck.pdf">Mehrsprachige Handreichung der Schwulenberatung für schwule, lesbische, bisexuelle, trans* und inter* Geflüchtete</a> (PDF)</p>
<p><a href="http://berlin.lsvd.de/homosexuelle-und-transgeschlechtliche-fluechtlinge-staerken/">MILES, Projekt „Homosexuelle und transgeschlechtliche Flüchtlinge stärken“</a> des LSVD Berlin-Brandenburg</p>
<p><a href="http://www.gladt.de/">GLADT</a>
      </div>
</p></div>
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			</item>
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		<title>„Ich dachte, wir wären schon weiter“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/ich-dachte-wir-waeren-schon-weiter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Nov 2016 07:46:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention & Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Schaeffer]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Ruth Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenkonsum]]></category>
		<category><![CDATA[druck-Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Robert-Koch-Institut]]></category>
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					<description><![CDATA[Hohe Hepatitis-C-Raten, geringe Impfquoten: Eine Studie bei über 2.000 Drogenkonsument_innen zeigt Lücken in der Prävention und Versorgung.]]></description>
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        <strong>Hohe Hepatitis-C-Raten, geringe Impfquoten: Eine Studie bei über 2.000 Drogenkonsument_innen zeigt Lücken in der Prävention und Versorgung.</strong></p>
<p>Vier Jahre lang hat das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeinsam mit Einrichtungen der Drogen- und Aidshilfe an der <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Studien/DRUCK-Studie/Abschlussbericht.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DRUCK-Studie</a> gearbeitet. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der umfangreichen Untersuchung bieten detaillierte Informationen zu Infektionsrisiken und Verhaltensweisen von intravenös Drogengebrauchenden.</p>
<p>2.077 Drogenkonsument_innen in acht Großstädten wurden unter anderem zu ihrem Wissen und Schutzverhalten befragt. Darüber hinaus wurde die Häufigkeit von HIV- und Hepatitis-Infektionen in der Studienpopulation bestimmt. „Auf so eine Untersuchung haben wir lange gewartet“, stellt Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug der Deutschen AIDS-Hilfe, den besonderen Stellenwert der Studie heraus. „Viele Jahre hatten wir überhaupt keine zielgruppenspezifischen Daten.“</p>
<blockquote><p>Überraschende Ergebnisse beim Schutzverhalten</p></blockquote>
<p>Das ist nun anders. 154 Seiten stark ist der Abschlussbericht, der nicht nur die Studienergebnisse zusammenfasst, sondern auch ganz konkrete Handlungsempfehlungen gibt. Einige der Ergebnisse hatte die Studienleiterin Dr. Ruth Zimmermann so nicht erwartet: „Uns hat überrascht, dass ‚unsafe Use‘ auch aktuell noch verbreitet ist, obwohl die meisten Teilnehmenden schon einen sehr langen Konsum haben“, sagt sie. „Wir hätten erwartet, dass ein besseres Wissen zu den Schutzmöglichkeiten vorhanden ist.“</p>
<p>So gaben 9 Prozent der Teilnehmenden an, in den vergangenen 30 Tagen von anderen gebrauchte Spritzen und Nadeln benutzt zu haben. Genauso viele gaben gebrauchte Spritzen und Nadeln an andere weiter. Jede_r Fünfte hatte bereits benutzte Filter oder Löffel weitergegeben.</p>
<p>Während das Teilen von Spritzen und Nadeln möglicherweise auf eine unzureichende Versorgung mit diesen Utensilien zurückzuführen sei, habe das gemeinsame Benutzen anderer Konsumutensilien vor allem mit einem Informationsdefizit zu tun, vermuten die Forscher_innen. „Das Wissen, dass beim Teilen von Utensilien wie Filtern, Löffeln und Wasser Hepatitis C übertragen werden kann, war nicht sehr verbreitet“, berichtet Dr. Ruth Zimmermann. „Dazu sollte gezielt Beratung stattfinden, gepaart mit der konsumorientierten Ausgabe dieser Utensilien.“</p>
<blockquote><p>Mit der Konsumdauer steigt die Wahrscheinlichkeit einer HCV-Infektion</p></blockquote>
<p>Die DRUCK-Studie stellt fest, dass in einzelnen Städten bis zu 54 Prozent der Teilnehmer_innen eine aktive, behandlungsbedürftige Hepatitis-C-Infektion haben. Und: Je länger jemand Drogen spritzt, desto wahrscheinlicher ist, dass er_sie von HCV betroffen ist. Von den Studienteilnehmer_innen, die erst seit höchstens zwei Jahren Drogen spritzen, waren 29 Prozent HCV-positiv. Bei einer Konsumdauer von zwei bis zehn Jahren erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Hepatitis-C-Infektion bereits erheblich: Jede_r Zweite ist positiv. Und bei den Befragten mit einem intravenösen Konsum von mehr als zehn Jahren sind sieben von zehn infiziert.</p>
<p>Astrid Leicht, Leiterin der Berliner Drogenberatungsstelle Fixpunkt, macht Fehler in der Präventionsarbeit für diese Zahlen verantwortlich. „Weil Hepatitis immer im Kielwasser von HIV mitschwimmt, hat sich eine Unschärfe eingeschlichen“, sagt sie und berichtet aus ihrer langjährigen Erfahrung mit Drogengebrauchenden: „Viele Leute wissen nicht, woher sie ihre Hepatits-C-Infektion haben und dass es mehr Infektionsanlässe gibt, als sie denken.“</p>
<p>Als ein weiteres auffallendes Ergebnis der DRUCK-Studie nennt Astrid Leicht die niedrige Zahl derer, die gegen Hepatitis B geimpft sind. Von den Teilnehmer_innen gaben nur 45 Prozent an, jemals gegen HBV geimpft worden zu sein. Bei den Blutuntersuchungen zeigte sich aber, dass von diesen 45 Prozent auch noch knapp die Hälfte falsch lag und gar nicht geimpft war, obwohl sie es dachte. „Das ist schon bemerkenswert“, meint Astrid Leicht, „dass eine verfügbare, kostengünstige Möglichkeit, eine Infektion zu vermeiden, nicht angeboten wird. Das bemängele ich schon seit Jahren, aber jetzt ist es wissenschaftlich bewiesen.“</p>
<p>„Ich hätte gedacht, wir wären schon weiter“, zeigt sich Dirk Schäffer von der DAH erstaunt über den Wissensstand der Drogengebrauchenden – auch bezüglich HIV. „Was Spritzen und Nadeln angeht, sitzen die Botschaften. Aber wenn es um Detailwissen wie HCV-Infektionsrisiken durch Konsumutensilien oder die positiven Effekte der antiretroviralen HIV-Therapie geht, sinkt das Wissen rapide ab.“</p>
<blockquote><p>Niedrigschwellige Test- und Beratungsangebote ausbauen</p></blockquote>
<p>Nur etwa jede_r Zweite mit einem positiven HIV-Status erhält eine antiretrovirale Therapie. „Das liegt aber primär nicht an den Drogengebrauchenden“, meint Dirk Schäffer. Vielmehr sei es gerade für diese Menschen nicht hilfreich, wenn das Angebot von Test und Beratung in Sachen Infektionskrankheiten vorwiegend bei Ärzt_innen und Gesundheitsämtern liege. „Drogenkonsumenten kommen einfach nicht für einen HIV- oder HCV-Test ins Gesundheitsamt und warten mehrere Tage auf das Ergebnis“, weiß Dirk Schäffer. „Wir müssen dahin kommen, dass Test und Beratung in Form von zielgerichteten Kurzinterventionen niedrigschwellig angeboten werden, um so die Wissensstände zu erhöhen und die Leute dazu zu bewegen, sich testen und bei positivem Testergebnis behandeln zu lassen.“</p>
<p>Schon im DAH-Projekt „TEST IT“ hatte sich gezeigt, dass Angebote, die sich an den Lebensweisen und Tagesstrukturen von Drogenkonsument_innen orientieren, auch genutzt werden. Die DRUCK-Studie kann das nur bestätigen: In sieben Städten wurden zusätzlich zu den Labor-Tests auch HIV-Schnelltests angeboten. „Wenn dieser Test sofort verfügbar war und es geeignete Räumlichkeiten für die Beratung gab, dann wurde das sehr gut angenommen“, berichtet Dr. Ruth Zimmermann. Daher empfehlen die Autor_innen der Studie, dass Drogenberatungsstellen neben der bedarfsgerechten Ausgabe von Konsumutensilien auch regelmäßig HIV- und HCV-Tests anbieten.</p>
<p>„Dafür muss Personal qualifiziert werden, um auch therapeutisch intervenieren zu können“, sagt Astrid Leicht von Fixpunkt. „Und wir müssen Leute gewinnen, die sich berufen fühlen und die Arbeit mit Herzblut machen.“ Die Deutsche AIDS-Hilfe hat bereits auf diese Empfehlung reagiert. „Wir werden Fortbildungen zu Kurzberatungen anbieten, damit es gut geschulte Leute gibt, die auf niedrigschwelliger Ebene zu HIV und Hepatitis beraten können“, verspricht Dirk Schäffer.
      </p></div>
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		<title>Ein Gesetz, das seinem Namen nicht gerecht wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2016 12:09:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Prostituiertenschutzgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[ProstSchG]]></category>
		<category><![CDATA[Sexarbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Kritik und Protest haben das „Prostituiertenschutzgesetz“ auf seinem Weg durch die Instanzen begleitet. Jetzt ist klar: Die neuen Regeln kommen – und mit ihnen viele Probleme]]></description>
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        <strong>Kritik und Protest haben das „Prostituiertenschutzgesetz“ auf seinem Weg durch die Instanzen begleitet. Jetzt ist klar: Die neuen Regeln kommen – und mit ihnen viele Probleme</strong></p>
<p>Alle Einwände und Bedenken haben nichts genutzt. Vom <a href="http://berufsverband-sexarbeit.de/">Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen</a> über Amnesty International und die Deutsche AIDS-Hilfe bis hin zum Deutschen Juristinnenbund: Sie alle hatten gegen das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) begründete Argumente, die jedoch nicht gehört wurden.</p>
<p>Auch der Empfehlung des Ausschusses für Frauen und Jugend, das umstrittene Gesetz doch zumindest ein halbes Jahr später in Kraft treten zu lassen, um Ländern und Kommunen mehr Zeit für die Umsetzung zu geben, ist der Bundesrat nicht gefolgt. Allerdings hatte die Länderkammer kaum eine Wahl: Da es sich um ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Einspruchsgesetz">Einspruchsgesetz</a> handelt und der Bundestag das Regelwerk bereits im Juli 2016 in dritter Lesung verabschiedet hatte, hätte der Bundesrat nur noch den Vermittlungsausschuss anrufen und das Gesetz verzögern können. Darauf haben die Länder aber verzichtet. Am 23. September wurden die neuen Bestimmungen für Sexarbeiter_innen und Bordelle endgültig verabschiedet. Damit tritt das Gesetz am 1. Juli 2017 in Kraft.</p>
<blockquote><p>Für Sexarbeiter_innen gilt eine Anmelde- und Beratungspflicht</p></blockquote>
<p>Das Prostituiertenschutzgesetz will – so sagt es der Name – Prostituierte vor Ausbeutung schützen und ihre Arbeitsbedingungen klar regeln. Doch ein Übermaß an Bürokratie wird das Gegenteil bewirken, befürchten die Kritiker_innen.</p>
<p>Die neuen Regelungen legen allen, die mit dem Gewerbe zu tun haben, einen Stapel Pflichten auf. In erster Linie den Sexarbeiter_innen: Sie müssen sich künftig anmelden und jedes Jahr gesundheitlich beraten lassen. Undine de Rivière vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen geht davon aus, dass ein Großteil ihrer Kolleg_innen dieser Melde- und Beratungspflicht nicht nachkommen wird: „Weil sie zum Beispiel gar keine Meldeadresse haben“, sagt sie. „Dann gibt es natürlich auch viele, die einen Hauptberuf haben oder studieren und deshalb viel Wert auf Diskretion legen, damit sie nicht gesellschaftlich stigmatisiert werden.“ Hinzu kämen noch Frauen aus Ländern, in denen Prostitution illegal ist, und die sich aus Angst, nach einer eventuellen Abschiebung in ihrer Heimat festgenommen zu werden, nicht registrieren lassen wollen.</p>
<p>Zahlen aus Österreich zeigen, dass die Einwände begründet sind. In Wien, wo es bereits eine Anmeldepflicht für Sexarbeiter_innen gibt, sind 3.400 Prostituierte gemeldet. Der Verein LEFÖ, der sich in der österreichischen Hauptstadt um Betroffene von Frauenhandel kümmert, geht aber davon aus, dass noch einmal genauso viele Sexworker_innen nicht angemeldet sind und damit illegal arbeiten.</p>
<blockquote><p>Die Zuständigkeiten sind noch völlig unklar</p></blockquote>
<p>Auch Paula Riedemann von der Koordinations- und Beratungsstelle gegen Menschenhandel Ban Ying ist skeptisch, ob die Anmeldepflicht das erklärte Ziel erreicht, die illegale Prostitution zu bekämpfen. Selbst diejenigen, die sich ordnungsgemäß bei einer Behörde melden, würden dort wohl kaum ein Abhängigkeitsverhältnis offenbaren. „Unsere jahrelange Erfahrung zeigt, dass Betroffene von Menschenhandel oft einen längeren Zeitraum und ein Vertrauensverhältnis brauchen, um sich gegenüber Dritten zu offenbaren“, so <a href="http://www.amnesty.de/presse/2016/7/7/prostituiertenschutzgesetz-schuetzt-prostituierte-nicht">Riedemann in einer von Amnesty International initiierten Stellungnahme zum ProstSchG</a>. „Gespräche, die im Rahmen der zwingenden Anmeldung stattfinden, werden diese Voraussetzungen nicht erfüllen.“</p>
<p>Bei wem sich Sexarbeiter_innen künftig melden müssen und wer die Gesundheitsberatung übernimmt, ist dabei noch völlig unklar. Das Gesetz lässt offen, wer die „zuständigen Behörden“ sein sollen, und überlässt die Umsetzung der Vorschriften den Ländern und Kommunen. „Das wird jetzt in den einzelnen Bundesländern diskutiert“, sagt Undine de Rivière. Ihren Berufsverband sieht sie in der Zwickmühle: Konsequente Ablehnung oder Schadenbegrenzung? „Wir überlegen, ob wir uns bei der Umsetzung einmischen sollen, um diese Regelungen für die Betroffenen möglichst wenig schwierig zu gestalten“, erklärt sie, „aber eine gute Lösung gibt es nicht“. Mit Sorge beobachtet de Rivière auch, dass Organisationen, die der Prostitution ablehnend gegenüber stehen, sich nun als künftige Pflichtberatungsstellen anbieten: „Die schießen jetzt wie Pilze aus dem Boden.“</p>
<p>Es bleibt nicht mehr viel Zeit, die offenen Fragen zu klären. In zehn Monaten muss das Gesetz in die Praxis umgesetzt werden. Nordrhein-Westfalen als schärfster Kritiker des ProstSchG unter den Ländervertretungen im Bundesrat hat bereits kurz nach der Verabschiedung die vielen Umsetzungsprobleme bemängelt. Vor allem die viel zu weit gefassten Definitionen seien ein Problem, <a href="http://www.mgepa.nrw.de/ministerium/presse/pressethemen/20160923-Regelung-Prostitutionsgewerbe/index.php">so NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens</a>: „Wenn eine gelegentliche Tätigkeit genügt, noch nicht einmal mehrere Kunden erforderlich sind und sogar kein Geld fließen muss – wie soll da eine Behörde erkennen, dass es sich hier um bezahlte sexuelle Dienstleistungen handelt?“</p>
<blockquote><p>Auch die HIV-Prävention ist gefährdet</p></blockquote>
<p>Das Gesetz wird immense Kosten für Länder und Kommunen produzieren. Die erforderliche Beratung, die Prüfung der Anmeldevoraussetzungen, eventuelle Kosten für Sprachmittler_innen – <a href="https://www.djb.de/Kom/K4/st16-08/">der Deutsche Juristinnenbund geht davon aus, dass der erhebliche Verwaltungsaufwand durch Gebühren für die Anmeldung kompensiert wird</a>, die voraussichtlich im dreistelligen Bereich liegen. Mittellose Prostituierte müssten sich dann verschulden, was wiederum die Gefahr erhöhe, von Schlepper_innen und Zuhälter_innen abhängig zu werden. Zudem wird die Gebühr noch mehr Sexworker_innen davon abhalten, sich überhaupt anzumelden.</p>
<p>Tausende illegale Sexarbeiter_innen in Deutschland – die Folgen wären prekär. „Bei Übergriffen wird die Polizei aus Angst, selbst belangt zu werden, nicht gerufen. Die Mittel des Rechtsstaats können illegale Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter nicht in Anspruch nehmen“, sagt Undine de Rivière. „Das erhöht die Gefahr, Opfer von Verbrechen oder Ausbeutung zu werden“. Das Gesetz bewirke also genau das Gegenteil dessen, was es behauptet, bewirken zu wollen. Auch die HIV-Präventionsarbeit ist gefährdet: „Kontrolle und Repression führen dazu, dass viele illegal arbeitende Frauen von den Hilfsangeboten nicht mehr erreicht werden“, warnt Marianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen AIDS-Hilfe.</p>
<p>Folgen werden auch die neuen Regeln für die Konzessionierung von Bordellen haben. Das ProstSchG spricht bereits dann von einem Gewerbe, wenn sich zwei Sexarbeiter_innen zusammen eine Wohnung für die Ausübung ihres Berufs anmieten. Sie brauchen damit eine behördliche Erlaubnis, die sie nur bekommen, wenn sie ein Betriebskonzept vorlegen und bauliche Anforderungen wie Pausenräume und ausreichende sanitäre Anlagen nachweisen können.</p>
<p>Undine de Rivière sieht durch diese Bestimmungen Kleinbordelle und selbstorganisierte Arbeitsgemeinschaften in Gefahr: „Das wird uns in die Isolation treiben, was die Arbeit nicht sicherer macht.“ Ihr Berufsverband prüft nun, ob einzelne Mitglieder eine Verfassungsklage einreichen können. „Aber das dauert Jahre“, befürchtet sie, „bis dahin sind die jetzigen Strukturen zerstört“.
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		<title>Frau, alleinerziehend, HIV-positiv</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jan 2016 17:10:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche AIDS-Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen und HIV]]></category>
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					<description><![CDATA[Die HIV-Infektion ist vor allem für Frauen ein Armutsrisiko. Das belegen die bei der Deutschen AIDS-Hilfe gestellten Anträge auf Einzelfallhilfe.]]></description>
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        <strong>Die HIV-Infektion ist vor allem für Frauen ein Armutsrisiko. Das belegen die bei der Deutschen AIDS-Stiftung gestellten Anträge auf Einzelfallhilfe.</strong></p>
<p>Ein neues Bett, ein Schrank, Ersatz für die kaputte Waschmaschine, Unterstützung bei der Kaution für eine neue Wohnung. Ralf Pütz klickt sich durch die Fälle in seinem Computer. Er ist Leiter der Abteilung Mittelvergabe bei der <a href="https://aids-stiftung.de/">Deutschen AIDS-Stiftung (DAS)</a>. Seit 1987 kümmert sich diese um HIV-positive Menschen in prekären Situationen. Im vergangenen Jahr haben Ralf Pütz und seine Mitarbeiter über 400.000 Euro verteilt.</p>
<p>Die sogenannte Einzelfallhilfe macht etwa ein Drittel der Ausgaben der DAS aus. Vor allem bei größeren Anschaffungen für die Wohnung hilft die Stiftung, aber häufig auch bei der medizinischen Versorgung, wenn Zuschüsse für Brillen oder Zahnersatz fehlen oder das Sozialamt besondere Bedürfnisse nicht nachvollziehen kann.</p>
<blockquote><p>„Wir haben da ein bisschen mehr gegeben als üblich“</p></blockquote>
<p>„Das hier zum Beispiel ist ein Klassiker“, meint Ralf Pütz mit Blick auf seinen Bildschirm, auf dem er einen der rund 2.000 Fälle des vergangenen Jahres aufgerufen hat. „Eine 53-jährige Frau, bezieht Erwerbsminderungsrente, leidet an Osteoporose, hat sich bei einem Sturz mehrere Wirbel angebrochen“, fasst er die Eckdaten zusammen. „Offensichtlich hat ihr das Tippen des Antrags schon Mühe bereitet. Wir haben da ein bisschen mehr gegeben als üblich.“ 300 Euro für eine spezielle Matratze hat diese Frau aus dem Topf der DAS erhalten.</p>
<p>HIV ist vor allem für Frauen ein Armutsrisiko. Erstmals in der fast 30-jährigen Geschichte der Stiftung haben im Jahr 2014 mehr Frauen als Männer finanzielle Hilfe bei der DAS gesucht. Dabei liegt der Anteil der Frauen an den HIV-Infizierten in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts seit Jahren konstant bei etwa 20 Prozent.</p>
<p>Dass überproportional viele von ihnen Unterstützung brauchen, erstaunt Ralf Pütz allerdings nicht. „Frauen mit HIV sind aus verschiedenen Gründen bei der Jobsuche eingeschränkt“, erklärt er. „Sie haben wegen der Infektion Lücken im Lebenslauf, sind oft körperlich nicht so belastbar, und wenn sie dann einen Job finden, ist er meist schlecht bezahlt.“ Zudem seien sie vielfach Mütter und nicht nur für sich selbst verantwortlich. Vollzeit zu arbeiten, sei für viele daher gar nicht möglich.</p>
<blockquote><p>„Sie legen viel Wert darauf, dass es vor allem ihren Kindern gut geht“</p></blockquote>
<p>Von den Frauen, die im vergangenen Jahr bei der DAS einen Hilfeantrag gestellt haben, sind mehr als die Hälfte alleinerziehend. „Sie legen viel Wert darauf, dass es vor allem ihren Kindern gut geht. Das sehen wir an der Art der Antragsgegenstände wie zum Beispiel Kinderfahrräder oder Schulausstattung“, analysiert Ralf Pütz.</p>
<p>Barbara, 56: Nur einmal brauchte sie Geld für sich – als Zuschuss für ein Auto, das sie, streng genommen, auch nur kaufen wollte, um ihre Tochter zur Ergotherapie zu fahren. Alle anderen Anträge, die sie in den vergangenen Jahren an die Deutsche AIDS-Stiftung gestellt hatte, waren ausschließlich nötig, um ihrem Kind ein annähernd normales Leben zu ermöglichen. Ihre Tochter ist in der Entwicklung verlangsamt, geht heute auf eine Förderschule in Dortmund. Barbara fährt sie jeden Tag 25 Kilometer hin und zurück. Ihren Vater hat die 15-Jährige nicht kennengelernt, er starb kurz vor ihrer Geburt an den Folgen von Aids.</p>
<p>Barbaras HIV-Infektion wurde im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge diagnostiziert. Da waren ihre Werte schon schlecht. Sie hatte offene Wunden, die nicht verheilen wollten, nahm innerhalb von drei Monaten 38 Kilo ab. Die Spätfolgen aus dieser schweren Zeit merkt die Witwe heute noch. „Ich bin immer schlapp und habe keine Ausdauer“, erzählt sie. „Acht Stunden am Tag zu arbeiten, könnte ich körperlich gar nicht durchhalten.“ Sie bezieht Erwerbsunfähigkeitsrente und geht nebenbei noch putzen, um bloß nicht auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Und auch die Anträge auf Einzelfallhilfe bei der DAS sind ihr nicht leicht gefallen, gesteht Barbara: „Ich würde nicht fragen, wenn es nicht sein müsste.“</p>
<blockquote><p>„Ich würde nicht um Einzelfallhilfe fragen, wenn es nicht sein müsste“</p></blockquote>
<p>Viermal im Jahr fährt sie zu den Treffen von <a href="http://www.xxelle-nrw.de/xxelle/front_content.php">XXelle</a>, einem Netzwerk der <a href="http://www.aids-nrw.de/front_content.php?idcat=1702">Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in Nordrhein-Westfalen</a>. Hier findet sie Frauen, denen es ähnlich geht wie ihr. „Mein Bekanntenkreis ist klein geworden“, erzählt die 56-Jährige, „aber auf die, die übrig geblieben sind, kann ich zählen“. Viele der Frauen in Barbaras Umfeld sind Migrantinnen und haben mehr als ein Kind, um die sie sich alleine kümmern. Diese Frauen haben noch weniger Chancen, Arbeit zu finden und ohne finanzielle Unterstützung auszukommen, weiß Barbara.</p>
<p>Vor allem in den Städten sind es in erster Linie HIV-positive Frauen mit Migrationshintergrund, die in prekären Situationen leben. „Wegen der sprachlichen Schwierigkeiten gibt es wenig Eigeninitiative“, berichtet Indra Mechnich von der <a href="http://www.aidshilfe-bochum.de/">Aidshilfe Bochum</a>. Die Frauen wüssten deshalb oft nicht, an wen sie sich wenden können. Aber auch Alleinerziehende mit deutschen Wurzeln würden oft nicht versuchen, Hilfsangebote, zum Beispiel vom Jugendamt, in Anspruch zu nehmen. Der Grund, so Indra Mechnich, sei „die Angst, das Kind zu verlieren“.</p>
<p>Und so ist die Deutsche AIDS-Stiftung Anlaufstelle Nummer eins geworden, wenn es um finanzielle Unterstützung geht. Das könnte zumindest in Nordrhein-Westfalen auch ein Ergebnis der guten Arbeit von XXelle sein, sagt Annette Ritter, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW. „Wir erreichen mittlerweile mehr als ein Drittel der Frauen mit HIV“, berichtet die langjährige Mitarbeiterin der <a href="http://www.aidshilfe.org/">Aidshilfe Münster</a> und vermutet hier einen Zusammenhang mit den gestiegenen Anträgen auf Einzelfallhilfe: „Dass Frauen besonders von Armut betroffen sind, war ja schon immer so.“</p>
<p>Anna* hatte das erste Mal einen Antrag bei der Deutschen AIDS-Stiftung gestellt, als es noch die D-Mark gab. Mitte der Neunzigerjahre lebte sie in Berlin und erfuhr im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge von ihrer HIV-Infektion. „Ich habe mich nicht mal getraut, in die Apotheke zu gehen und dort die Medikamente zu kaufen“, erinnert sie sich. „Ich habe alle Freundschaften damals abgebrochen, damit ich keinem von der Infektion erzählen muss.“</p>
<blockquote><p>„Ich muss halt alles alleine wuppen“</p></blockquote>
<p>Bei der <a href="http://www.berlin-aidshilfe.de/">Berliner Aids-Hilfe</a> fand sie Unterstützung und bekam den Tipp, finanzielle Hilfe bei der Deutschen AIDS-Stiftung zu suchen. Bis heute ist sie immer wieder auf die Einzelfallhilfe angewiesen: für eine neue Waschmaschine, einen Schrank oder Bekleidung für den Sohn. Die Weihnachtsbeihilfe der DAS nimmt sie jedes Jahr in Anspruch. Achtzig Euro sind es, die formlos beantragt werden können. „Davon kaufe ich grundsätzlich einen Weihnachtsbaum und bastle einen Adventskalender für meinen Jungen“, erzählt Anna. Ohne die finanzielle Unterstützung der Stiftung wäre das nicht möglich. Dabei hat sie zwei Minijobs – bei einem Pflegedienst und als Putzhilfe – und bekommt Sozialhilfe. „Ich muss halt alles alleine wuppen“, sagt die Alleinerziehende, „mit den Jahren gewöhnst du dich daran“.</p>
<p>Vor zwölf Jahren hat Anna gedacht, dass es anders werden könnte – dass sie nicht mehr auf sich allein gestellt sein müsste. Für die vermeintlich große Liebe ist sie aus Berlin in eine Kleinstadt gezogen. Aber das Glück hielt nur ein paar Jahre. Der Mann hat sie betrogen und nach der Trennung ihre HIV-Infektion in der Nachbarschaft publik gemacht. „Die Leute haben mich dann blöde angeguckt, und ich habe mich gar nicht mehr aus dem Haus getraut“, erzählt Anna von der Zeit nach ihrem unfreiwilligen Outing.</p>
<p>Die psychische Belastung dieser Zurückgezogenheit wiegt über die Jahre immer schwerer, und als sie nach einem Unfall im vergangenen Jahr nicht mal mehr ein Auto hat, um ihrer Isolation wenigstens zeitweise entfliehen zu können, bricht Anna zusammen. Sie wird mit einer Psychose ins Krankenhaus eingeliefert. „Da ist alles eingekracht, was mir auf der Seele lag“, blickt die 38-Jährige zurück. „Und mir hat keiner geholfen, dort wieder rauszukommen. Dabei wollte ich nur wieder normal sein“. Sie hat darüber nachgedacht, wieder nach Berlin zu ziehen, aber ihr Sohn hat gerade eine Ausbildung begonnen und seine Bedürfnisse gehen für Anna vor. „Für ein Kind ist es ja ideal, auf dem Land groß zu werden.“</p>
<blockquote><p>„Da ist alles eingekracht, was mir auf der Seele lag“</p></blockquote>
<p>„Frauen stecken Stigmatisierung anders weg als Männer“, weiß Hortense Lademann von der <a href="https://www.aidshilfe-potsdam.de/">Aidshilfe in Potsdam</a>, „sie machen sich einfach mehr Gedanken und sind dadurch seelisch stärker belastet“. Auch sie betreut vor allem Migrantinnen und Alleinerziehende. „Diese Frauen brauchen eine intensivere Betreuung“, weiß die Sozialarbeiterin. Dabei ist gerade in ländlichen Regionen eine HIV-Infektion für Frauen ein besonders großer Makel. Leben sie dazu noch in prekären Verhältnissen, ziehen sie sich nicht selten zurück, sagt auch Manuela Brandt von der <a href="http://www.aidshilfe-westmuensterland.de/">Aidshilfe Westmünsterland in Ahaus</a>. „In der Regel quälen diese Frauen große Schuldgefühle. Es ist wichtig, sie aus ihrer Isolation zu holen“, sagt sie. „Wir müssen ihnen Angebote zur Verfügung stellen, die ihre Individualität berücksichtigen.“</p>
<p>Ralf Pütz hat das bei jeder der über 1.100 Frauen getan, die im vergangenen Jahr bei der DAS einen Einzelfallantrag gestellt haben. „Die Situationen, in denen sich die Frauen befinden, sind so vielgestaltig wie das Leben nun mal ist“, sagt er. „Die typische HIV-positive Frau, die Hilfe braucht, gibt es nicht.“</p>
<p>Von <strong><em>Frauke Oppenberg</em></strong>
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		<title>„Ich habe dort wundervolle Leute gefunden“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Oct 2015 16:30:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Datingportale]]></category>
		<category><![CDATA[Flirt-Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Dating]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Dating]]></category>
		<category><![CDATA[Positiv-Treff]]></category>
		<category><![CDATA[Singlebörse]]></category>
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					<description><![CDATA[Online-Datingportale gibt es zuhauf. Es gibt sogar welche, die sich speziell an Menschen mit HIV richten. Was bieten solche Singlebörsen? Warum und von wem werden sie genutzt? Frauke Oppenberg hat mit Usern und Betreibern gesprochen.]]></description>
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        <strong>Online-Datingportale gibt es zuhauf. Es gibt sogar welche, die sich speziell an Menschen mit HIV richten. Was bieten solche Singlebörsen? Warum und von wem werden sie genutzt? <em><strong>Frauke Oppenberg</strong></em><strong> hat mit Usern und Betreibern gesprochen.</strong><br />
</strong></p>
<p>Eigentlich war Lisa* (Name von der Redaktion geändert) gar nicht auf der Suche nach einem neuen Partner, als sie sich vor fast drei Jahren bei der Online-Datingplattform „Positiv-Treff“ angemeldet hat. Damals hatte sie noch einen Mann und mit ihm zwei Kinder. Ihr beschauliches Leben in einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz war aber gerade ordentlich aus den Fugen geraten. Ihr Mann hatte erst sich bei einem Seitensprung und dann sie mit HIV angesteckt.</p>
<p>Als Krankenschwester wusste Lisa, was diese Diagnose bedeutet. Aber sie wusste auch, wie selbst ihre Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus mit HIV-Infizierten umgingen. Dass sie sich weigerten, Blut von Positiven abzunehmen zum Beispiel.</p>
<blockquote><p>Angst vor Zurückweisung</p></blockquote>
<p>Lisa hatte Angst vor Zurückweisung. Sie brauchte Unterstützung, doch ihren Freunden wollte sie sich nicht anvertrauen. „Klar, ich hätte mich an die Aidshilfe wenden können“, sagt die 38-Jährige, „aber ich wollte halt so anonym wie möglich bleiben“.</p>
<p>Also suchte sie im Internet nach Hilfe und wurde ausgerechnet bei einer Online-Singlebörse fündig. „Ich habe dort wundervolle Leute gefunden, die mir ganz viel Mut gemacht haben. Die mir gesagt haben: Das Leben hört jetzt nicht auf.“</p>
<p>„Mehr als nur Dating“ verspricht die Website Positiv-Treff. Ihr Macher Thomas hat sich an sozialen Netzwerken orientiert, als er die Seite im vergangenen Jahr grundlegend umgebaut hat. Außer den Profilen, die jeder Nutzer von sich anlegen kann, gibt es ein Forum, Blogs, einen Veranstaltungskalender oder aktuelle Nachrichten, die für HIV-Positive interessant sein können.</p>
<p>In Gruppenchats werden neueste Forschungsergebnisse erklärt, Erfahrungen mit Ärzten und Kliniken ausgetauscht, Behandlungsarten oder der optimale Therapiebeginn diskutiert. Sogar ein Internetradio hat Thomas geplant. „Ich wollte den Leuten etwas Ordentliches bieten, die vereinsamen sonst“, so der 36-Jährige. Thomas freut sich, dass sich in den knapp neun Monaten, die seine erneuerte Seite online ist, schon über 400 Menschen angemeldet haben. „Bis zu fünf User kommen jeden Tag dazu“, erzählt der Hamburger stolz von seinem Erfolg. „An manchen Abenden sind bis zu 30 Leute im Chat.“</p>
<blockquote><p>„Positiv-Treff“,  „Flirt-Projekt“, „HIV-Dating“</p></blockquote>
<p>Trotzdem gehört Positiv-Treff zu den Kleinen auf dem Markt. Der große Pionier ist Flirt-Projekt.com. Hartmut Neidiger ist mit dieser Singlebörse für HIV-Positive schon vor elf Jahren ins Netz gegangen. „Ein Bekannter von mir hatte eine Freundin kennengelernt“, erzählt der Coburger Geschäftsmann von seinen Beweggründen, „und als er ihr nach vier Wochen gebeichtet hat, dass er HIV-positiv ist, hat sie ihn verlassen“.</p>
<p>Neidiger, der schon eine Datingseite für Menschen mit Behinderung betrieb, erkannte den Markt und gründete eine Online-Singlebörse für Menschen mit HIV. Heute sind nach Angaben des Betreibers beim Flirt-Projekt rund 30.000 HIV-Positive aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner. Eine Community wie bei Positiv-Treff ist hier aber nicht entstanden. „Im Forum sind die Leute scheu“, berichtet Neidiger, „die gehen gleich in den Privatchat“.</p>
<p>Ein anderer Mitbewerber ist die Seite „HIV-Dating“, auf der über 4.000 User angemeldet sind. Allerdings wird diese Seite nicht mehr betreut, der Administrator hat sie schon vor Jahren aufgegeben.</p>
<p>„Positiv-Treff“ und „HIV-Dating“ sind kostenlos. Das „Flirt-Projekt“ auf den ersten Blick auch, aber wer hier Nachrichten verschicken oder Fotos der anderen User sehen will, muss einen Jahresbeitrag von knapp dreißig Euro zahlen. „Das geschieht auch aus Schutzgründen“, verteidigt Hartmut Neidiger sein Bezahlkonzept, „es gibt tagtäglich fingierte Anmeldungen von Menschen, die mal schauen wollen, wer alles HIV-positiv ist“. Für die sei der Mitgliedsbeitrag eine Hürde, die meist nicht überschritten würde.</p>
<blockquote><p>Fake-User unerwünscht</p></blockquote>
<p>Auch Thomas hat auf seiner Seite Positiv-Treff Probleme mit gefakten Profilen. Um sie auszusortieren, prüft er jede Anmeldung. Vor allem Fotos sind vorher nicht sichtbar. Einen Mitgliedsbeitrag lehnt er aber ab. Positiv-Treff solle kostenlos bleiben, „damit diese Seite so besonders bleibt, wie sie ist“, sagt er. Um seine Kosten zu decken, hat er allerdings einen Spenden-Button eingerichtet.</p>
<p>Pascal würde auch zahlen, um sich vor Fake-Usern zu schützen. „Ich bin schon bereit, dafür Geld auszugeben, aber ich bin auch finanziell nicht schlecht gestellt“, meint der Handwerker, der seit drei Jahren bei Positiv-Treff angemeldet ist. Nach der Trennung von seiner Freundin wollte er hier „nur mal gucken, wer da so ist“. Und eine Beziehung zu einer Frau, die nicht HIV-positiv ist, kommt für ihn nicht infrage.</p>
<p>Pascal nimmt zwar Medikamente und seine Viruslast ist unter der Nachweisgrenze, aber die Angst, jemanden zu infizieren, sei immer noch da. „Ich kann auch nachvollziehen, wenn das für einen negativen Partner immer ein Schatten ist, der auf der Beziehung liegt“, sagt er.</p>
<p>Nur eine Handvoll seiner Freunde weiß, dass er HIV-positiv ist. Und das soll auch so bleiben. Er bedauert nur, dass er seine Erfahrungen nicht mit allen Menschen teilen kann, die ihm nahestehen. „Ich habe zwei Nichten“, erzählt Pascal, „denen würde ich schon gerne etwas erzählen, damit sie von meinen Fehlern lernen können“. Getraut hat er sich das aber bisher nicht. Also gibt er seine Erfahrungen stattdessen auf Positiv-Treff weiter. „Dem ein oder anderen hilft das auch“, ist sich Pascal sicher.</p>
<blockquote><p>Auf der Suche nach Menschen, die Ähnliches durchmachen</p></blockquote>
<p>Auch Anne ist auf Positiv-Treff mittlerweile nicht mehr nur einfache Userin. Sie hilft Thomas bei dessen Aufgaben als Administrator, prüft Neuanmeldungen oder stellt Umfragen online. Sie hat mittlerweile ein ziemlich genaues Bild davon, wer sich warum bei der Datingplattform anmeldet. Es sind vor allem HIV-Positive, die auf der Suche nach Menschen sind, die Ähnliches durchmachen wie sie selber.</p>
<p>Überdurchschnittlich viele Heterosexuelle melden sich hier an, auch der Frauenanteil ist besonders hoch. „Und die wollen alle anonym bleiben“, erzählt Anne, „weil es leider so ist, dass die Gesellschaft HIV-Positive verurteilt“. Was bliebe ihnen also anderes übrig, meint sie, als in eine Parallelwelt abzutauchen. Die Community im Netz nennt die zweifache Mutter ihre HIV-Familie. „Das ist das andere Leben, das man führt, wenn man nicht geoutet ist“, sagt sie. Und trotzdem: Nächste Woche hat sie ein Date mit jemandem, den sie auf Positiv-Treff kennengelernt hat. Sie werden sich zum Kaffee treffen, im ganz realen Leben.
      </p></div>
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		<title>„Die bunte Mischung ist gewollt“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Oct 2015 07:12:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Vorbereitungsgruppe der Positiven Begegnungen 2016 in Hamburg repräsentiert die Vielfalt der Lebenwirklichkeiten von Menschen mit HIV und will „Diversität“ auch im Konferenzprogramm verankern.]]></description>
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        <strong>Die Vorbereitungsgruppe der Positiven Begegnungen 2016 in Hamburg repräsentiert die Vielfalt der Lebenwirklichkeiten von Menschen mit HIV und will „Diversität“ auch im Konferenzprogramm verankern. <em>Von Frauke Oppenberg</em><br />
</strong></p>
<p>An den Wänden hängen acht dicht beschriebene DIN-A1-Blätter, an zwei Stellwänden kleben eng beieinander farbige Pappkreise mit Stichworten. „PoBe schiebt an“ steht an einer Stelle, an einer anderen „Dialog fördern“ oder „Alle in einem Boot“.</p>
<p>Die Vorbereitungsgruppe der „Positiven Begegnungen“, Europas größte Selbsthilfekonferenz zum Leben mit HIV/Aids, die alle zwei Jahre von der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) und Vertreter_innen der HIV-positiven Community organisiert wird, hat sich zu ihrem ersten Treffen in den Räumen der DAH in Berlin zusammengefunden und schon viele Ideen für die kommende Ausgabe im nächsten Jahr notiert.</p>
<p>„Wir sind in der Phase des Brainstormings“, erklärt Heike Gronski, DAH-Referentin für „Leben mit HIV“ die vielen großformatigen Papierbögen. „Wir haben erst mal gesammelt, was jeder hier einbringen möchte.“ Schon in den ersten Tagen habe sich herauskristallisiert, dass bei der Konferenz in Hamburg der Fokus auf Diversität, Dialog und Austausch liegen soll – auf positiven Begegnungen im wahrsten Sinne des Wortes.</p>
<blockquote><p>Neue Impulse durch Vielfalt</p></blockquote>
<p>„Bei den Positiven Begegnungen ist es einfach toll zu sehen, wie vielfältig die Community ist“, findet Alex, „das hat mir jedes Mal ganz neue Impulse gegeben.“ Die Aachenerin engagiert sich seit zehn Jahren in der HIV-Selbsthilfe und war auch schon zweimal bei der PoBe, wie die mehrtägige Konferenz gerne abgekürzt wird. „Dieser Erfahrungsaustausch, die unterschiedlichen Sichtweisen und die Vielfalt sind ganz wichtige Themen für mich“, erklärt sie die Faszination der Selbsthilfekonferenz.</p>
<p>In der Vorbereitungsgruppe sitzt Alex allerdings zum ersten Mal. So wie die meisten ihrer sieben Mitstreiter_innen. Nur Holger aus Köln ist Wiederholungstäter, er war schon an der Organisation der PoBe 2014 in Kassel beteiligt. „Es war ein tolles Erfolgserlebnis, weil wir viele positive Rückmeldungen bekommen haben“, schwärmt er. „Das hat mich motiviert, noch mal mitzumachen. Ich baue an dem Haus noch ein bisschen weiter.“ Vor allem die Öffentlichkeitsarbeit möchte er weiterentwickeln.</p>
<blockquote><p>„Ich baue an dem Haus noch ein bisschen weiter“</p></blockquote>
<p>Rund 20 Selbsthilfeaktivist_innen haben sich für das Vorbereitungsteam beworben. Voraussetzungen waren Erfahrungen in der Selbsthilfearbeit, Zugehörigkeit zu einer von HIV bedrohten oder betroffenen Gruppe, breite Kenntnisse der sozialen und politischen Herausforderungen im Leben mit HIV und vor allem Zeit. Denn die Teilnahme an allen Treffen der Gruppe ist für die Mitglieder verbindlich.</p>
<p>Acht der 20 Bewerber arbeiten nun an mindestens fünf Wochenenden ehrenamtlich am Gesamtkonzept der Positiven Begegnungen. „Wir haben uns bemüht, die Gruppe so zusammenzusetzen, dass auch die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen mit HIV vertreten sind“, begründet Heike Gronski die Auswahl der Teammitglieder. „Deshalb sind Jüngere und Ältere dabei, Frauen, Männer, intersexuelle Menschen, Migranten, Deutsche – eine bunte Mischung, und das ist auch gewollt.“</p>
<blockquote><p>Unterschiedliche Anliegen unter einen Hut bringen</p></blockquote>
<p>Die Konferenz wird vom 25. bis 28. August 2016 in Hamburg stattfinden. Bis dahin muss die Vorbereitungsgruppe die Inhalte der Workshops festlegen, Referent_innen finden oder auch ein Rahmenprogramm gestalten. Dass rund 400 HIV-Aktivist_innen auch in der 19. Ausgabe der Positiven Begegnungen wieder eine einzigartige Konferenz erleben werden, liegt nun in ihren Händen.</p>
<figure id="attachment_27488" aria-describedby="caption-attachment-27488" style="width: 225px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/PoBe2016-Gruppe.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-27488" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/PoBe2016-Gruppe-225x300.jpg" alt="Die Vorbereitungsgruppe der „Positiven Begegnungen 2016“" width="225" height="300" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/PoBe2016-Gruppe-225x300.jpg 225w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/PoBe2016-Gruppe.jpg 608w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><figcaption id="caption-attachment-27488" class="wp-caption-text">Die Vorbereitungsgruppe der „Positiven Begegnungen 2016“</figcaption></figure>
<p>Viele unterschiedliche Anliegen muss die Gruppe unter einen Hut bringen. Lillian zum Beispiel möchte, dass sich mehr Migrant_innen von der Konferenz angesprochen fühlen und sich anmelden. Die Aktivistin engagiert sich unter anderem ehrenamtlich im „Haus Afrika“ in Saarbrücken. „Mir ist bei den Positiven Begegnungen aufgefallen, dass Migrant_innen zu wenig vertreten sind. Wir kämpfen für eine gemeinsame Sache, aber noch nicht genug zusammen.“</p>
<p>Christoph aus Braunschweig wünscht sich, dass vor allem auch solche HIV-Positive zur Konferenz kommen, die noch nie dabei waren. „Wenn man das erste Mal zu so einer Veranstaltung geht, dann ist man nicht gleich mittendrin“, meint er, der selbst ein PoBe-Neuling ist. Es sei wichtig, „diese Leute zu erreichen und zu zeigen, dass sie nicht alleine sind“.</p>
<p>Lisa (Name geändert) und Christoph aus Mannheim wiederum möchten, dass die Jugendlichen bei den Positiven Begegnungen gut betreut werden und in das Programm besser einbezogen werden. Und Ann-Katrin aus Köln will sich dafür einsetzen, dass die Interessen von trans- und intersexuellen Menschen im Programm ausreichend berücksichtigt werden.</p>
<blockquote><p>„Wir wollen konstruktiv streiten“</p></blockquote>
<p>„Noch ist eitel Sonnenschein“, lacht Ann-Katrin auf die Frage, ob es bei so vielen unterschiedlichen Interessen schon Meinungsverschiedenheiten gegeben hat. Dass es in den kommenden Wochen aber auch zu Auseinandersetzungen kommen kann, ist allen Teammitgliedern klar. Deshalb haben sie sich auch den Grundsatz „Streitkultur“ auf einen der großen Papierbögen geschrieben.</p>
<p>„Wir haben aber vor, konstruktiv zu streiten“, fügt Heike Gronski von der DAH an. Ehrlichkeit und Akzeptanz der Vielfalt stehen schließlich auch auf dem Blatt mit den Gruppenvereinbarungen. Die Diversität der Vorbereitungsgruppe sehen alle als Stärke, weil so auch die unterschiedlichen Lebenswelten und Interessen der HIV-Positiven ins PoBe-Programm einfließen können.</p>
<p>Dass ihr Engagement mit viel unentgeltlicher Arbeit und Reisen verbunden sein wird, schreckt niemanden ab. „Wir freuen uns einfach auf das Ergebnis“, meint Lillian, und Holger fügt verschmitzt hinzu: „Wir kennen das ja nicht anders. Möchtest du mal meine Bahn-Bonus-Punkte sehen?“ Im November werden weitere hinzukommen, dann trifft sich das Vorbereitungsteam das nächste Mal in Hamburg. Dort, wo die Positiven Begegnungen 2016 stattfinden werden.
      </p></div>
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		<title>„Wir partizipieren zu hundert Prozent“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2015 08:19:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention & Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Menze]]></category>
		<category><![CDATA[Clément Matweta]]></category>
		<category><![CDATA[Diversity]]></category>
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		<category><![CDATA[Frauke Oppenberg]]></category>
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		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Tanja Gangarova]]></category>
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					<description><![CDATA[Was braucht es, damit HIV-Prävention in Migranten-Communities funktioniert? Ein neues Handbuch mit Qualitätsstandards und Praxisbeispielen gibt darauf Antwort.]]></description>
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        <strong>Was braucht es, damit HIV-Prävention in Migranten-Communities funktioniert? Ein neues Handbuch mit Qualitätsstandards und Praxisbeispielen gibt darauf Antwort. <em>Von Frauke Oppenberg </em></strong></p>
<p>Als Clement Matweta vor fast zehn Jahren zum ersten Mal in seiner Heimatstadt Essen in einer afrikanischen Kirchengemeinde über HIV spreche wollte, wusste er nicht genau, was ihn erwartet. „Wir haben gesagt, wir versuchen es“, erinnert sich der Sozialarbeiter. „Ich hatte am Ende des Gottesdiensts Gelegenheit, zehn Minuten zu reden. Danach sagte der Pastor: ‚Okay, wenn wir jemanden haben, der HIV-positiv ist, werden wir uns melden.‘ Das haben sie bis heute nicht getan.“ Zum Glück haben sich aber einige Kirchenmitglieder kurz darauf an die Beratungsstelle gewendet, ohne dass die Gemeinde davon wusste. So war Clement Matwetas Auftritt in der Kirche am Ende doch von Erfolg gekrönt. Und er hat verstanden: HIV-Prävention in diesem Setting ist zwar zunächst „aufsuchende“ Arbeit, wer wirklich Hilfe sucht, wird aber erst später auf einen zukommen.</p>
<blockquote><p>Vielfalt in jeder Hinsicht</p></blockquote>
<p>Clement Matweta ist einer von über zwanzig Menschen, die an dem <a href="http://www.aidshilfe.de/de/shop/hiv-praevention-fuer-mit-migrantinnen">gerade erschienenen Handbuch „HIV-Prävention für &amp; mit Migrant_innen“ der Deutschen AIDS-Hilfe</a> mitgewirkt haben. Entstanden ist ein Leitfaden, der Qualitätsstandards formuliert und mit 16 Praxisbeispielen die Vielfalt der Präventionsarbeit mit den Communities widerspiegelt. „Migranten sind keine homogene, sondern eine vielfältige Gruppe. Sie kommen in jeder Zielgruppe der HIV-Prävention und Aidshilfe-Arbeit vor“, erläutert DAH-Migrationsreferentin Tanja Gangarova, die federführend zwei Jahre an dem Handbuch mitgearbeitet hat. „Wir haben geschaut, wo sich Standards formulieren lassen, die für alle anwendbar sind. Wo das nicht möglich ist, haben wir Modelle guter Praxis gesammelt, die andere für ihre Arbeit übernehmen und anpassen können.“</p>
<p>Die vorgestellten Projekte reichen vom Tablet-Quiz, mit dem der Berliner Verein manCheck auf Schwulen-Partys spielerisch über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen und die Schutzmöglichkeiten informiert, über Workshops der Hurenorganisation Hydra bis hin zur Aufklärungsarbeit der Münchner MuMM-Gruppe (DAH-Projekt „<strong>M</strong>igrantinnen <strong>u</strong>nd <strong>M</strong>igranten als <strong>M</strong>ultiplikatoren für die HIV- und STI-Prävention“) in Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete.</p>
<blockquote><p>Sein Trick sind Zitate aus der Bibel</p></blockquote>
<p>Auch ganz konkrete Empfehlungen werden gegeben. So rät Clement Matweta, bei der HIV-Prävention in Kirchen immer zuerst den geistlichen Führer einer Gemeinde zu kontaktieren. „In afrikanischen Communities und speziell in Kirchengemeinden ist HIV ein Tabu“, beschreibt er die größte Hürde seiner Arbeit. Für viele sei Aids eine Strafe Gottes. Darüber in der Kirche zu sprechen, funktioniere nur über den Pastor oder Priester. „Sie sind es, die den Zugang zur Gemeinde öffnen und es erlauben, über Tabuthemen zu sprechen.“ Sein Trick sind Zitate aus der Bibel, in denen es um die Gesundheit des Körpers und der Seele geht. „Damit kann man anfangen, wenn man über Gesundheitsthemen sprechen möchte.“</p>
<p>Ohne Menschen wie Clement Matweta, die selbst aus der Community kommen, ist eine effektive HIV-Prävention für und mit Migranten nicht möglich. Das betont auch Tanja Gangarova: „Das Buch basiert auf den Konzepten von ‚Diversity‘, also der Anerkennung von Vielfalt, und Partizipation, der Einbeziehung der Zielgruppe.“</p>
<blockquote><p>Kooperation statt Konkurrenz</p></blockquote>
<p>Nach diesen Konzepten ist das Werk auch entstanden: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Aidshilfe-Verband, Community-Vertreter, die zum Teil über zwanzig Jahre Erfahrung in der Präventionsarbeit haben, und andere Kooperationspartner wie Gesundheitsämter und die Caritas haben das Handbuch gemeinsam entwickelt. „Wir haben die gesamten Erfahrungen in Leitlinien übersetzt, um die Qualität unserer Maßnahmen noch mal zu steigern, die vor allem von der Beteiligung der Communities abhängt“, erläutert Gangarova das Ziel des Projekts.</p>
<p>Der Bedarf an angemessenen Angeboten steige nicht zuletzt durch die aktuelle Flüchtlingsbewegung. „Immer mehr Aidshilfen fragen nach Fortbildungen zur Prävention für und mit Migranten“, erzählt Gangarova. Mit dem Handbuch soll die Beratungsarbeit und die Planung von Projekten erleichtert werden.</p>
<p>Wie wichtig es ist, dass dabei nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, weiß Aids-Koordinatorin Brigitte Menze vom Essener Gesundheitsamt. Auch sie hat am Handbuch mitgewirkt und berichtet in einem Praxisbeispiel vom „Arbeitskreis Migration und sexuelle Gesundheit“ der Stadt Essen. Verschiedene Beratungsstellen, die bis vor ein paar Jahren nebeneinander her gearbeitet haben, wirken hier nun zusammen. „Vorher fehlte die Nachhaltigkeit in der Arbeit“, erinnert sich Brigitte Menze, „deshalb haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir uns ergänzen können statt zu konkurrieren.“</p>
<blockquote><p>Regelmäßiger Austausch</p></blockquote>
<p>Die Kooperation ist erfolgreich – und stärkt die einzelnen Mitarbeiter, unter ihnen Community-Vertreter, die die Projekte hauptverantwortlich betreuen. „Das eigene Empowerment fließt wieder in die Arbeit in den Communities ein“, so Brigitte Menze. Besonders freut sie, dass die Projekte inzwischen von der Stadt Essen mitfinanziert und die Angebote in den Communities jetzt so gut angenommen werden.</p>
<p>Auch Clement Matweta kann die positiven Effekte der Zusammenarbeit in Essen bestätigen. „Wenn Menschen kommen, die Hilfe brauchen, können wir sie an die jeweiligen Stellen weiterleiten.“ Wichtig sei aber auch, dass sich alle in der HIV-Prävention Tätigen regelmäßig austauschen. „Wir fragen uns immer wieder, wie wir den Leuten sonst noch helfen können“, erklärt Matweta. „Durch die Vernetzung kriegen wir dazu viele Informationen.“</p>
<p>Input wie diesen möchte auch das Handbuch „HIV-Prävention für &amp; mit Migrant_innen“ geben. Es zeigt auf, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um Migrantinnen und Migranten die Beteiligung an der Präventionsarbeit zu ermöglichen und eine an „Diversity“ orientierte Arbeitsweise zu etablieren. „Wir werden jetzt als Migranten mit unseren Anliegen richtig wahrgenommen“, freut sich Clement Matweta. „Wir partizipieren zu hundert Prozent – sind nicht mehr nur Dekoration, sondern richtige Akteure.“</p>
<p><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/migrant-Titel-DIN-A6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-27454" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/migrant-Titel-DIN-A6-212x300.jpg" alt="Migrant 2015-druck.indd" width="212" height="300" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/migrant-Titel-DIN-A6-212x300.jpg 212w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/migrant-Titel-DIN-A6-724x1024.jpg 724w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/10/migrant-Titel-DIN-A6.jpg 1240w" sizes="auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><a href="http://www.aidshilfe.de/de/shop/hiv-praevention-fuer-mit-migrantinnen">Neuerscheinung: Das Arbeitsbuch „HIV-Prävention für &amp; mit Migrant_innen. Standards, Praxisbeispiele, Grundlagen“ kann ab sofort kostenlos über den Versand der Deutschen AIDS-Hilfe bezogen oder über aidshilfe.de als PDF heruntergeladen werden.</a></em>
      </div>
</p></div>
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