<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Philip Eicker, Author at magazin.hiv</title>
	<atom:link href="https://magazin.hiv/author/philip-eicker/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://magazin.hiv/author/philip-eicker/</link>
	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
	<lastBuildDate>Tue, 01 Mar 2022 08:40:44 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
<image>
	<url>https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2022/02/cropped-Favicon_Magazin-32x32.png</url>
	<title>Philip Eicker, Author at magazin.hiv</title>
	<link>https://magazin.hiv/author/philip-eicker/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Klarheit über Chemsex dank Quapsss</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/klarheit-ueber-chemsex-dank-quapsss/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/klarheit-ueber-chemsex-dank-quapsss/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Mar 2022 08:38:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Chemsex]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[quapsss]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsthilfe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1552542</guid>

					<description><![CDATA[Was hilft Männern, die beim Sex psychoaktive Substanzen nehmen und ihren Konsum reduzieren möchten? Das Pilotprojekt Quapsss hat in sechs deutschen Städten Selbsthilfegruppen organisiert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was hilft Männern, die beim Sex psychoaktive Substanzen nehmen und ihren Konsum reduzieren möchten? Das Pilotprojekt Quapsss hat in sechs deutschen Städten Selbsthilfegruppen organisiert. Im Dezember 2021 endete es nach über zwei Jahren. Ein Teilnehmer und der Projektleiter blicken zurück.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für viele waren die Corona-Lockdowns eine Zeit der Enthaltsamkeit, aber nicht für Erik. Der 25-Jährige hatte 2020 mit mehr Männern Sex als vor der Pandemie – und hat dabei deutlich öfter Metamphetamin genommen. Vor den Kontaktbeschränkungen war schlicht weniger Zeit dafür, der Terminkalender des Profimusikers war prall gefüllt: Stimmtraining, Konzertproben, Tourneen … „Wenn Auftritte bevorstanden, habe ich nie Substanzen konsumiert“, erinnert sich Erik, „sondern nur, wenn ich frei hatte“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-im-lockdown-blieben-nur-sex-und-drogenkonsum">Im Lockdown blieben nur Sex und Drogenkonsum</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dann kam Corona, die Theater wurden geschlossen und mit einem Schlag war der Kalender des Jazzsängers leergefegt: „Übriggeblieben sind nur Sex und Drogenkonsum“, sagt Erik und lacht. Schon zuvor, als Musikstudent in Berlin, hatte Erik Chemsex schätzen gelernt – so die gängige Bezeichnung für Sex, bei dem die Beteiligten psychoaktive Substanzen nehmen. In Datingapps für schwule Männer ist das Stichwort „chemsfriendly“ ein gängiger Begriff.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.7#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Ich muss verstehen, was da in mir vorgeht</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Statt zwei-, dreimal im Monat war das dann zwei-, dreimal pro Woche – mindestens“, erinnert sich Erik an diese Zeit. Die Phasen, in denen er nüchtern war, wurden immer kürzer. Darunter litten seine Beziehungen: zu seinem Partner, zu seinen Freund*innen. „Wenn ich mir vorgenommen hatte, in einer Woche mal nichts zu konsumieren, habe ich das nicht mehr geschafft. Das war der Punkt, an dem ich mir gesagt habe: Ich muss verstehen, was da gerade in mir vorgeht!“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="quapsss-ein-selbsthilfeprojekt-fur-manner-die-chemsex-mit-mannern-haben">Quapsss: Ein Selbsthilfeprojekt für Männer, die Chemsex mit Männern haben</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Der erste Schritt: Erik googelte nach den Begiffen „Sucht“, „Chemsex“ und „Hilfe“. So kam er nach einigen Beratungsgesprächen im Frühsommer 2020 in eine angeleitete Selbsthilfegruppe im Mann-O-Meter, einer schwulen Beratungsstelle in Berlin-Schöneberg. Die hatte sich frisch zusammengefunden und war Teil von Quapsss, einem Pilotprojekt der Deutschen Aidshilfe (DAH). Gefördert vom Bundesgesundheitsministerium lief es von April 2019 bis Dezember 2022.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Inhaltlich war Quapsss präzise zugeschnitten auf Männer, die Chemsex mit Männern haben. (Die Abkürzung steht für „Qualitätsentwicklung in der Selbsthilfe für Männer, die Sex mit Männern haben und psychoaktive Substanzen im sexuellen Setting konsumieren“.) Zwischen Februar und September 2020 starteten zehn Quapsss-Gruppen in sechs deutschen Großstädten von Hamburg bis München. Alle bestehen bis heute, eine elfte ist im Laufe der Zeit dazugekommen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="struktur-in-einer-zeit-ohne-termine">Struktur in einer Zeit ohne Termine</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Erik hat seine Gruppe im Berliner Nollendorfkiez inzwischen verlassen. Aber anderthalb Jahre lang hatte er sie regelmäßig besucht. Als der Wahlberliner davon berichtet, ist er seit mehr als 50 Tagen clean – und dankbar für die Eindrücke, die er dort gesammelt hat. „Allein die Struktur war sehr hilfreich“, stellt Erik im Rückblick fest. „Einmal in der Woche, jeden Donnerstag, immer um 18 Uhr geht man wohin, bekommt einen Input – und ist quasi gezwungen, sich Fragen zu stellen: zu seinem Substanzkonsum, zu seiner eigenen Sexualität.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.7#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Es war eine große Ehrlichkeit und Zerbrechlichkeit zu spüren</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Gut in Erinnerung ist ihm eine Übung, bei der alle Beteiligten auf eine „Mindmap“ zeichnen sollten, was sie beim Sex eigentlich geil finden: Was will ich machen? Und mit wem? Mit meinem Freund oder einem Fremden? Und wo? Im Bett oder im Darkroom? Nach der Bestandsaufnahme ging es darum: Wie bewerte ich meine sexuellen Präferenzen? Was ist<br>cool für mich? Was möchte ich gerne ändern? „Da schreibt jeder komplett andere Sachen auf“, erzählt Erik. „Das ist sehr spannend – und es hat mir Klarheit verschafft, was ich selbst will!“ Für Erik war das einer der besten Momente in seiner Quapsss-Gruppe. „Es war eine große Ehrlichkeit und auch Zerbrechlichkeit zu spüren, weil man die Geschichten der anderen kennt und auch selbst offenbart, womit man hadert.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="balance-zwischen-selbsthilfe-und-anleitung">Balance zwischen Selbsthilfe und Anleitung</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Als nützlich empfand Erik auch die fachlichen Informationen, so erfuhr er, dass der Körper bis zu sechs Wochen braucht, um alle Amphetamin-Rückstände abzubauen. Erst dann ist der Kopf wieder völlig klar. „Das Wissen hätte ich gern gehabt, bevor ich bestimmte Substanzen genommen habe“, sagt Erik. „Denn das bedeutet: Entscheidungen, die ich ein paar Wochen nach dem Konsum treffe, sind immer noch von ihm geprägt.“ Das dürfte mit ein Grund gewesen sein, warum er es in den Lockdown-Monaten nicht geschafft hat, nüchtern zu bleiben: Er war noch immer leicht berauscht, als er sich schon zum nächsten Chemsex-Date verabredet hat.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kernidee des Quapsss-Konzepts ist der sogenannte Peer-Support: Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und vor ähnlichen Herausforderungen stehen, beraten und unterstützen sich gegenseitig. Unter den eigens fürs Projekt ausgebildeten Gruppenleitern waren nicht nur professionelle Sozialarbeiter und Therapeuten, sondern auch ehrenamtliche „Peers“, also Männer, die selbst Chemsex haben oder früher hatten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.7#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Man teilt intime Sachen eher mit Leuten, die in einer ähnlichen Situation stecken</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eriks Gruppe wurde von einem Profi-Berater aus dem Mann-O-Meter-Team angeleitet. Im Laufe der Monate empfand Erik das manchmal als störend, auch wenn sich der Leiter die meiste Zeit im Hintergrund hielt. „Anfangs war ich froh, dass ein Profi dabei war, der Struktur in unsere Gruppe gebracht hat“, erinnert sich Erik. „Später gab es Momente, wo ich mir dachte: Die Sessions sind einfach besser, wenn er nicht dabei ist. Dann ist mehr Vertrauen da. Man teilt intime Sachen eher mit Leuten, die in einer ähnlichen Situation stecken. Sie wissen, wovon ich spreche.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eigentlich war es anfangs auch so gedacht: Jede Quapsss-Gruppe soll sich nach einer Anlaufphase selbstständig organisieren. Vorbild war unter anderem die Selbsthilfe-Bewegung der Anonymen Alkoholiker*innen. „Im Idealfall soll nur in den ersten drei Monaten ein Gruppenleiter dabei sein“, erläutert Projektleiter Urs Gamsavar. Der Berliner Sexual- und Suchtberater hat das Quapsss-Konzept entwickelt und das Projekt geleitet. „Am Anfang ist ein Gruppenleiter notwendig, um Vertrauen aufzubauen und eine Gruppenkultur zu etablieren, aber dann soll er sich zurückziehen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In der Praxis hat das nur selten geklappt – auch weil Corona die Organisation erschwert hat. „In allen funktionierenden Gruppen hat es eine Person gebraucht, die sich verbindlich kümmert: um Räume, Termine und Programm.“ Die Auswertung des Pilotprojekts Ende 2021 zeigte, dass es viele Teilnehmer sogar gut fanden, dass der Profi immer wieder mal mit in der Runde saß – um Feedback zu geben, aber auch um die Sitzung zu steuern. Urs Gamsavar nennt ein Beispiel: „Eine Bedingung ist, dass alle Teilnehmer beim Treffen nüchtern sind. Wenn einer betrunken kommt, ist es sehr schwierig, ihm zu sagen: ,Geh bitte wieder!‘ Einem Profi fällt das leichter.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="handwerkskoffer-zur-selbsthilfe">Handwerkskoffer zur Selbsthilfe</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Obwohl Quapsss fast zeitgleich mit der Pandemie begann, haben alle zehn Gruppen die zwölf Monate der Durchführungsphase durchgehalten. Manche haben sich geteilt, um kleiner zu werden. Andere mussten auf große Säle oder ins Netz ausweichen. „Dass die Quapsss-Gruppen trotz der Lockdowns so gut besucht waren, spricht dafür, wie wichtig das Thema für die Teilnehmer war“, betont Urs Gamsavar. Quapsss fülle eine Lücke im professionellen Hilfsangebot. In vielen Städten gebe es noch immer keine speziellen Angebote für Männer, die Chemsex praktizieren. „Unser Ziel war es, diese Männer zusammenzubringen und in einen Austausch zu bringen – damit sie mit ihren Erlebnissen und Gefühlen nicht alleine sind!“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Gerade das flexible Modulsystem von Quapsss habe sich in der Pandemie bewährt, sagt Urs Gamsavar. <a href="https://www.aidshilfe.de/shop/handbuch-durchfuhrung-quapsss-gruppen">Das Quapsss-Handbuch, das sich Interessierte kostenlos herunterladen können</a>, listet fünf „Lebensbereiche“ auf, die für Chemsex-User von Bedeutung sind. In jedem können die Gruppenteilnehmer durch gemeinsame Übungen ihre Kompetenzen trainieren: Soziales Miteinander, Sexualität, Substanzkonsum/Sucht, Körperwahrnehmung und Selbstbestimmung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Jede Gruppe konnte ihr Angebot flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse der Teilnehmer anpassen und selbst entscheiden, wie intensiv sie sich der einzelnen Module annehmen wollte“, sagt Urs Gamsavar. Ein wichtiger Unterschied war etwa die Haltung zum Konsum. In manchen Gruppen waren alle Teilnehmer schon clean und wollten sich dabei unterstützen, es zu bleiben. Dort wurde das Modul zum Substanzkonsum oft weggelassen. „Quapsss funktioniert wie ein Handwerkskoffer“, erläutert Urs Gamsavar. „Jede Gruppe benutzt ihn nach ihrem Bedarf und nimmt sich aus ihm die Instrumente, die den Teilnehmern weiterhelfen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.7#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Die Quapsss-Idee lebt weiter!</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Mit dem Anfang 2022 vorgelegten Abschlussbericht ist Quapsss offiziell abgeschlossen. „Aber die Quapsss-Idee lebt weiter!“, betont Urs Gamsavar. Zum einen seien neue professionelle Netzwerke entstanden, etwa die Bundesinitiative Sexualisierter Substanzkonsum (BISS). Zum anderen laufen die Trainerausbildungen weiter. Die nächste startet im September 2022. An drei Wochenenden lernt man auf Basis des Quapsss-Handbuchs, wie man eine neue Gruppen gründen und anleiten kann. „Eingeladen sind sowohl Profis aus dem Hilfesystem als auch Betroffene“, sagt Urs Gamsavar. „Wichtig ist nur, dass sie jeweils an eine größere Organisation angebunden sind, zum Beispiel an eine Aidshilfe. Es hat sich gezeigt, wie wichtig so eine unterstützende Infrastruktur ist. Es wäre schön, wenn an noch mehr Orten Gruppen entstehen würden, welche Quapsss gemeinsam weiterentwickeln!“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="sex-ohne-rausch">Sex ohne Rausch</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für Erik ist Quapsss dagegen Geschichte. Im November 2021 hat er seine Gruppe verlassen, obwohl sie noch weitergeführt wird. Inzwischen hätten sich die Teilnehmer auf ein neues Ziel geeinigt: Sie wollen den Substanzkonsum nicht nur unter Kontrolle bringen, sondern in Zukunft ganz darauf verzichten. „Diese Entscheidung habe ich für mich selbst noch nicht getroffen“, erklärt Erik seinen Entschluss.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.7#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Wenn meine Zukunftsangst sehr groß war, habe ich mich mit Konsum abgelenkt</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Stattdessen macht der Musiker nun eine klassische Verhaltenstherapie – solo, nicht in einer Gruppe. Und er hat sich seine eigenen Ziele gesteckt: „Ich möchte für mindestens drei Monate komplett abstinent sein von allen Substanzen.“ Sex will er dauerhaft ohne „Chems“ genießen. „Aber sobald es jobtechnisch wieder mehr Sicherheit und Planbarkeit gibt, möchte ich einen geplanten Konsum mit 3-MMC noch nicht ausschließen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die positiven Effekte der Gruppentreffen sind geblieben. „Ich habe mehr Antrieb, auch die Auswirkung auf meine Beziehung ist positiv“, berichtet Erik. „Aber ich weiß auch: Ich werde immer Junkie sein. Und in manchen Lebensbereichen, in der Musik ist das auch toll und gut. Nur: Man ist halt sein Leben lang süchtig. Ich kann mich nie zurücklehnen und sagen: ,Ich hab’s geschafft!‘“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zudem weiß Erik nun genauer, warum er beim Sex so oft „Chems“ genommen hat: „Wenn meine Zukunftsangst sehr groß war, die Unsicherheit als Freiberufler, dann habe ich mich mit Konsum abgelenkt – und das in einem sexuellen Kontext, weil die Ablenkung dadurch noch intensiver wird. Erst durch meine Gruppe habe ich darüber Klarheit bekommen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/klarheit-ueber-chemsex-dank-quapsss/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Niemand ist davor gefeit, beschuldigt zu werden“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hiv-kriminalisierung-niemand-ist-davor-gefeit-beschuldigt-zu-werden/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hiv-kriminalisierung-niemand-ist-davor-gefeit-beschuldigt-zu-werden/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 07:29:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[HIV Justice]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Schutz durch Therapie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=30891</guid>

					<description><![CDATA[Viele HIV-Positive haben das Gefühl, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen: Nach Sex ohne Kondom kann ihnen eine Anzeige wegen (versuchter) Körperverletzung drohen. Tipps gab eine Veranstaltung auf den Positiven Begegnungen 2016]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>Viele HIV-Positive haben das Gefühl, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen: Nach Sex ohne Kondom kann ihnen eine Anzeige wegen (versuchter) Körperverletzung drohen. Tipps gab eine Veranstaltung zur Kriminalisierung auf den Positiven Begegnungen 2016</strong></p>
<p>Dem Richter ist an diesem Augusttag so heiß, dass er unter seiner schwarzen Robe kurze Hosen trägt, die nackten Füße stecken in Badelatschen. Das Outfit ist dem hohen Gericht nicht angemessen, aber das ist auch keine echte Verhandlung, sondern ein Rollenspiel: Das „PoBe-Gericht“, eine Veranstaltung im Rahmen der <a href="https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/documents/pobe_magazin_2016_21112016a-web.pdf">Positiven Begegnungen</a>, tagt in einem saunawarmen Seminarraum der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaft. Der Hammer des Richters ist aus Gummi, der Fall erfunden, aber der Inhalt sehr realistisch: „Frau Tugend“ hat ihren Ex-Freund „Herrn Wild“ angezeigt. Der Vorwurf: versuchte Körperverletzung. Die beiden haben ohne Kondom miteinander geschlafen, oft und gern. Die Anklage lautet auf „versuchte gefährliche Körperverletzung“ in mindestens 500 Fällen. Frau Tugend wusste nicht, dass ihr Freund HIV hat. Als sie es erfährt, fühlt sie sich hintergangen. Nachdem die Beziehung zerbrochen ist, geht Frau Tugend zur Polizei und beschreitet den Rechtsweg.</p>
<blockquote><p>Juristisch ist das Thema HIV eine Randerscheinung, aber emotional trifft es ins Herz.</p></blockquote>
<p>Das Rosenkriegsszenario ist nicht abwegig. Wenn HIV vor Gericht verhandelt wird, dann immer wieder als Streit zwischen zwei Menschen, die sich einst geliebt haben. Knapp 50 Fälle in rund 30 Jahren hat die Deutsche AIDS-Hilfe dokumentiert. Juristisch ist das Thema HIV eine Randerscheinung, aber emotional trifft es ins Herz. „Wir stehen immer mit einem Fuß im Gefängnis“, sagt Gerd aus Stuttgart, selbst positiv und regelmäßig Gast bei den Positiven Begegnungen. Dieses Jahr besucht er den Themenstrang „Was tun gegen die Kriminalisierung der (potenziellen) HIV-Übertragung“. Bernd spielt einen Schöffen. „Das Schlimme ist, dass bei manchen Urteilen nicht einmal berücksichtigt wird, <a href="https://www.aidshilfe.de/schutz-therapie">dass der Verurteilte nicht infektiös war</a>“, kritisiert Gerd.</p>
<p>Das Thema bewegt nicht nur ihn. Die rund 70 Teilnehmenden des Themenstrangs sind trotz schweißtreibender Hitze voll dabei. Das liegt auch daran, dass das komplexe Thema so unterhaltsam inszeniert ist. Die Teilnehmenden haben das Rollenspiel gemeinsam vorbereitet. Aufgeteilt in Arbeitsgruppen haben sie sich jeweils in eine_n Prozessbeteiligte_n hineinversetzt. „Wegsperren, die Sau!“, brüllt einer der Zuschauer plötzlich während der Verhandlung – er spielt einen Vertreter der „Besorgten Eltern“. Die religiös-fundamentalistische Gruppe nutzt den Prozess für eine Demo. Die Gruppe „Aktivist_innen der Aidshilfe“ hält dagegen: „Keine Rechenschaft für Leidenschaft!“, ruft ein Vertreter in Wiener Mundart.</p>
<blockquote><p>Bei manchen Urteilen wird nicht einmal berücksichtigt, dass der Verurteilte nicht infektiös war</p></blockquote>
<p>Der Richter lässt alle Zwischenrufer_innen hinausauswerfen. Der Saalordner kommt kaum hinterher, so oft muss er Störer_innen aus den Stuhlreihen ziehen. Im echten Leben arbeitet der Saalordner als Rechtsanwalt: Jacob Hösl hat schon in vielen Verfahren Angeklagte mit HIV verteidigt. „In manchen Momenten war ich mir nicht sicher, ob sich das Thema Kriminalisierung für die Vermittlung in Form eines Rollenspiels eignet“, sagt er nach der Veranstaltung. „Zum Zuschauen war es sehr lustig. Aber für die Betroffenen sind solche Verfahren eine todernste Sache.“</p>
<p>Nach dem turbulenten „PoBe-Gericht“ stellt Sebastian aus Düsseldorf die Frage, die viele PoBe-Besucher_innen umtreibt: „Ich bin positiv – wie kann ich mich vor einer Anzeige schützen?“ <a href="https://magazin.hiv/2012/03/27/die-verangstigung-ist-greifbar/">Die eindeutige Antwort gibt Bernd Aretz, ebenfalls Jurist und seit Jahren in der Aidshilfe aktiv</a>: „Niemand ist davor gefeit, beschuldigt zu werden. Wovor du dich schützen kannst, ist eine Verurteilung.“</p>
<blockquote><p>Für die Betroffenen sind solche Verfahren eine todernste Sache</p></blockquote>
<p>Es folgt ein Grundkurs in Rechtswissenschaft. Erste Lektion: Anzeigen kann man nicht verbieten. Wer den Rechtsweg beschreiten will, darf das tun, auch wenn es in Sachen HIV nicht der beste Weg sein mag. Zweite Lektion: Für Jurist_innen ist jede HIV-Infektion erst einmal eine Körperverletzung – aber das heißt nicht, dass sie bestraft werden muss. Auch eine Blutentnahme beim Arzt oder bei der Ärztin verletzt den Körper. Sie wird aber nicht verfolgt, weil der oder die Gestochene zugestimmt hat. Ähnlich deuten Richter_innen und Staatsanwält_innen eine HIV-Übertragung beim Sex: Wenn beide Seiten wissen, dass eine_r positiv ist, ist die Infektion kein Straftatbestand. „Der sicherste Schutz vor strafrechtlicher Verfolgung ist die Aufklärung des Partners beziehungsweise der Partnerin über die HIV-Infektion“, fasst Jacob Hösl die aktuelle Rechtslage zusammen.</p>
<p>Das Problem daran: Im Strafverfahren steht oft Aussage gegen Aussage. Bernd Aretz empfiehlt daher auch Offenheit gegenüber Freund_innen und Bekannten. Sei die HIV-Infektion im gemeinsamen Freundeskreis bekannt, könnten Freund_innen dies als Zeug_innen bestätigen. „Dann ist der oder die Angezeigte aus dem Schneider“, erklärt Bernd Aretz, „unabhängig davon, ob es zu einer Infektion kam oder nicht.“</p>
<blockquote><p>Im Strafverfahren steht oft Aussage gegen Aussage</p></blockquote>
<p>Nach vorherrschender Rechtsprechung sind HIV-Positive immer in der Pflicht, ihre Sexpartner_innen über die Infektion zu informieren – oder müssen konsequent Kondome verwenden. „Das ist lebensfremd“, kritisiert das ehemalige DAH-Vorstandsmitglied Carsten Schatz auf der Podiumsdiskussion nach dem „PoBe-Gericht“. „Gerade bei der Anbahnung von Sex wird viel gelogen. Wir sollten nicht eine Fantasiewelt beschwören, in der sich alle immer die Wahrheit sagen.“</p>
<p>Wenn HIV zum Streitfall wird, verlangen deutsche Gerichte trotzdem bedingungslose Wahrheit. „Die Aidshilfen sollten zumindest Empfehlungen für Leute bereithalten, die wegen ihrer HIV-Infektion in ein Strafverfahren verwickelt werden“, fordert Bernd Aretz. Laien hätten oft einen naiven Eindruck von einem Strafverfahren. „Man sollte sich die Vorstellung abschminken, dass man nach einer Anzeige dem netten Polizisten oder der netten Polizistin erzählt, wie es wirklich gelaufen ist – und dass das dann genauso in der Akte steht.“ Auf diese Anregung hin trugen die versammelten Fachleute die wichtigsten Fakten in Sachen Rechtsschutz zusammen:</p>
<p><strong><em>Rechtstipp: Angezeigt wegen HIV? So verhalte ich mich richtig</em></strong></p>
<ul>
<li><em>Gegenüber der Polizei ist man nur verpflichtet, die Personalien zu nennen.</em></li>
<li><em>Sich bei der örtlichen Aidshilfe nach fachkompetenten Anwält_innen erkundigen, die die Verteidigung übernehmen könnten. Es lohnt sich, auch lange Wege in Kauf zu nehmen, um einen guten Rechtsbeistand zu finden.</em></li>
<li><em>Unbedingt mit der Aussage warten, bis ein juristischer Beistand gefunden ist und dieser die Verfahrensakten eingesehen hat.</em></li>
</ul>
<p>Die Hoffnung der PoBe-Teilnehmenden, das Justizsystem von innen reformieren zu können, teilten die anwesenden Jurist_innen nicht. „Richter_innen geraten in ihrem ganzen Berufsleben maximal an einen HIV-Fall“, rechnet Jacob Hösl vor. „Aus ihrer Sicht ist eine Fortbildung zu dem Thema irrelevant.“ Dennoch ist Hösl optimistisch, denn er beobachtet ein Umdenken in der Justiz: „Anders als noch vor wenigen Jahren wurde in einigen Strafverfahren inzwischen der aktuelle medizinische Kenntnisstand berücksichtigt“, berichtet er. Dies meine vor allem die <a href="https://www.aidshilfe.de/schutz-beim-sex#tab-5">Tatsache, dass eine erfolgreiche Therapie vor einer HIV-Übertragung schütz</a>t. „Wenn sich dieses Wissen auch dank der Positiven Begegnungen weiter verbreitet, haben wir im Kampf gegen Kriminalisierung von HIV-Infektionen schon viel erreicht.“ Bisher sei er als Strafverteidiger in Sachen HIV vor allem damit beschäftigt, die anderen Prozessbeteiligten auf den aktuellen medizinischen Stand zu bringen. „Mit mehr Vorwissen könnten die Verfahren viel zügiger verhandelt werden, zum Wohle aller Beteiligten.“</p>
<blockquote><p>Jede Tablette erinnert an die enttäuschte Liebe</p></blockquote>
<p>Von Versachlichung würden auch die Menschen profitieren, die ihr Heil in einer Strafanzeige gegen den oder die Ex suchen, davon ist Jacob Hösl überzeugt. „Ich kenne eine Reihe von Leuten, die wegen HIV Strafanzeigen erstattet haben und die inzwischen sagen: ‚Heute würde ich das nicht mehr tun.‘ Anfangs verbinden sie mit ihrer Klage die Hoffnung, die erlittene Verletzung verarbeiten zu können. Bei HIV funktioniert das nicht“, sagt Jacob Hösl, „die vitale Bedrohung bleibt erhalten.“ Dazu komme das belastende Ermittlungsverfahren. Beide Seiten müssen den Behörden Einblick ins Intimleben gewähren. „Aber irgendwann ist das Verfahren abgeschlossen, das öffentliche Interesse erlischt, und die geschädigte Person bleibt mit der HIV-Infektion alleine zurück“, berichtet Jacob Hösl. Jede Tablette erinnere dann an die enttäuschte Liebe. Ein Strafprozess sei keine gute Methode, um mit dieser psychischen Verletzung umzugehen, betont er: „Eine moderierte Mediation zwischen den Parteien wäre die größte Hilfe – allerdings nur, wenn sich alle Beteiligten darauf einlassen.“</p>
<p><strong>Weitere Informationen:</strong></p>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/node/5202">Position der Deutschen AIDS-Hilfe zur HIV-Kriminalisierung</a></p>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/dossiers#acc-480245">Dossier HIV und Kriminalisierung (2014)</a></p>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/dossiers#acc-127283">Interviews zur Strafbarkeit der HIV-Übertragung (2012)</a></p>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/dossiers#acc-486165">Dossier HIV und Strafrecht (2012)</a></p>
<p><a href="http://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/nationaler-aids-beirat/votum-zur-frage-der-strafrechtlichen-bewertung-ein.html">Votum des Nationalen AIDS-Beirats</a>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hiv-kriminalisierung-niemand-ist-davor-gefeit-beschuldigt-zu-werden/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Das Ausmaß der Stigmatisierung war mir nicht bekannt“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/das-ausmass-der-stigmatisierung-war-mir-nicht-bekannt/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/das-ausmass-der-stigmatisierung-war-mir-nicht-bekannt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2017 07:41:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[FC St. Pauli]]></category>
		<category><![CDATA[Oke Göttlich]]></category>
		<category><![CDATA[Positive Begegnungen 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Stigmatisierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=30740</guid>

					<description><![CDATA[Oke Göttlich, Musikmanager und Vereinspräsident des FC St. Pauli, erzählt im Interview, was ihn als Schirmherr der Positiven Begegnungen 2016 besonders bewegt hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>Oke Göttlich, Musikmanager und Vereinspräsident des FC St. Pauli, war Schirmherr der Positiven Begegnungen 2016. Im Interview erklärt er, warum er sich für Menschen mit HIV engagiert und die Beach Boys gut zu den Positiven Begegnungen passen.</strong></p>
<p><strong>Oke, du warst als Schirmherr der Positiven Begeg­nungen 2016 sehr engagiert bei der Sache. Wie hast du die Positiven Begegnungen erlebt? </strong></p>
<p>Es war eine wunderbar fröhliche Atmosphäre, die auch einer solidarischen Hete wie mir gezeigt hat, dass man gemeinsam und mithilfe solcher Begegnungen und Seminare auch ganz dicke po­litische Bretter bohren kann. Zudem ist mir klar geworden, welche Hoffnung sie erkrankten Menschen schenken können. Es ist toll für den FC St. Pauli, Teil einer solchen Veranstaltung sein zu dürfen.</p>
<p><strong>Was verbindet dich mit der HIV-Selbsthilfebewegung? </strong></p>
<p>Die Ausgrenzung von Betroffenen ist im Zusammenhang mit dem FC St. Pauli ein Thema, mit dem man sich grundsätzlich be­schäftigt. Ganz privat ist es so, dass es in meinem Bekannten­kreis Menschen gibt, die mit HIV infiziert sind. Es ist mir ein Anliegen, Vorurteile auszuräumen, zum Beispiel die Annahme, dass das Virus durch Küssen, Umarmen oder die Nutzung desselben Glases verbreitet werden kann. Mir ist es wichtig, dass solche Ängste, die nur durch Fehlinformationen entstehen, verrin­gert werden.</p>
<p><figure id="attachment_30743" aria-describedby="caption-attachment-30743" style="width: 265px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/01/PoBe_Oke-Göttlich.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-30743" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/01/PoBe_Oke-Göttlich.png" alt="Portrait Oke Göttlich" width="265" height="390" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/01/PoBe_Oke-Göttlich.png 265w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2017/01/PoBe_Oke-Göttlich-204x300.png 204w" sizes="(max-width: 265px) 100vw, 265px" /></a><figcaption id="caption-attachment-30743" class="wp-caption-text">Oke Göttlich, Musikmanager und Vereinspräsident des FC St. Pauli, war Schirmherr der Positiven Begegnungen 2016 (Bild: Johannes Berger)</figcaption></figure></p>
<p><strong>Welcher Moment, welche Begeg­nung ist dir im Kopf geblieben? </strong></p>
<p>Die Begegnung mit einem Aktivisten, der meine sexuelle Ori­entierung öffentlich infrage gestellt hat. Ich musste ihn leider enttäuschen und bin zu meiner Frau nach Hause gefahren (lacht).</p>
<p><strong>In deiner Eröffnungsrede hast du erzählt, dass du bei der Vorbereitung für die Positiven Begegnungen viel Neues über das Leben mit HIV gelernt hast – was zum Beispiel? </strong></p>
<p>Die Begegnungen und Gespräche im Vorfeld haben mir gezeigt, dass man in der Forschung und Bekämpfung des Virus einen gehö­rigen Schritt weitergekommen ist. Dennoch war mir das Ausmaß der Stigmatisierung in Bezug auf HIV nicht bekannt.</p>
<p><strong>Zur Abschlussdemo hast du deine ganze Familie mit­gebracht. Wie kam es zu dem Familienausflug? </strong></p>
<p>Wir haben den wunderschönen Sonnabend für eine gemeinsame Radtour genutzt, auf der ich meiner Familie von dem Engage­ment des FC St. Pauli bei den Positiven Begegnungen erzählt habe. Daraufhin hatte die gesamte Familie Lust, an der Demo teilzunehmen.</p>
<p><strong>Wie hast du deinen Kindern erklärt, worum es auf der Demo geht? </strong></p>
<p>Ich habe meinen Kin­dern erzählt, wie man sich mit dem Virus anstecken kann und dass Menschen, die infiziert sind, in dieser Gesellschaft vielen Problemen und Vorurteilen ausgesetzt sind. Da­her ist es wichtig, ein Zeichen der Solidarität zu setzen.</p>
<p><strong>Das Stigma in Sachen HIV hat viel mit Sexualität und Minder­heiten zu tun. Der FC St. Pauli hat da weniger Berührungs­ängste als andere Bundesligavereine. Bei euch weht seit Jahren eine Regenbogenfahne auf dem Stadiondach. Klappt das nur beim FC St. Pauli oder können das andere Vereine auch? </strong></p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass zumindest im Kampf gegen Ho­mophobie in den letzten Jahren im deutschen Profifußball viel getan worden ist; für den FC St. Pauli ist es seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit, Menschen so anzuer­kennen, wie sie selbst sein wollen. Das zeigt auch der Slogan „Lieb doch, wen du willst“. Das ist auch eine Art unserer Will­kommenskultur, die sich hoffentlich durch mehr ausdrückt als eine Regenbogenfahne auf dem Dach des Stadions.</p>
<p><strong>Dein Tipp als Musikmanager: Welcher Song passt am besten als Soundtrack zu den Positiven Begegnungen? </strong></p>
<p>Ohne mich nun anbiedern zu wollen &#8230; Ich habe tatsächlich lange, bevor ich die Einladung zu den Positiven Begegnun­gen bekommen habe, eine Playlist erstellt, die ich „Positi­ve Love“ genannt habe. Aus dieser würde ich tatsächlich „God Only Knows“ von den Beach Boys auswählen.</p>
<p>Weitere Infos:</p>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/documents/pobe_magazin_2016_21112016a-web.pdf">Einen Rückblick auf die Positiven Begegnungen 2016 bietet das Life+ Magazin</a></p>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/positive-begegnungen-2016#tab-1">Die „Positiven Begegnungen“ 2016 in Hamburg auf aidshilfe.de</a>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/das-ausmass-der-stigmatisierung-war-mir-nicht-bekannt/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit dem Stein in der Hand</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/mit-dem-stein-in-der-hand/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/mit-dem-stein-in-der-hand/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2015 07:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Ghana]]></category>
		<category><![CDATA[Homophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Kojobesia]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Philip Eicker]]></category>
		<category><![CDATA[Safer Sex]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=26892</guid>

					<description><![CDATA[Seit seiner Jugend kämpft Kojobesia für die Rechte von Schwulen in Ghana. Inzwischen lebt er in Hamburg. Doch den Traum von einem Gay Community Center in Accra hat er nicht aufgegeben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>Seit seiner Jugend kämpft Kojobesia für die Rechte von Schwulen in Ghana. Inzwischen lebt er in Hamburg. Doch den Traum von einem Gay Community Center in Accra hat er nicht aufgegeben.</strong></p>
<p>Es gibt Situationen, da muss ein Mann den ersten Stein werfen. Bei Kojobesia* war es 2002 so weit. Als der damals 19-jährige Ghanaer die Wohnung seiner Eltern in Accra verließ, traf er eine Nachbarin. Die ließ wie jeden Tag eine spitze Bemerkung fallen. „Könntest du aufhören rumzustolzieren und dich wie ein normaler Mann benehmen?“, rief sie über den Innenhof. Alle konnten mithören. „Sonst wirst du nie eine Frau finden!“ Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Wie können Sie es wagen, so was zu sagen?“, schreit Kojobesia, greift sich einen Stein und wirft ihn auf seine Kritikerin. Er verfehlt sein Ziel, die Nachbarin schreit vor Entsetzen. Es folgen wüste Beschimpfungen, die Polizei kommt. Kojobesia muss auf die Wache.</p>
<blockquote><p>Ein Menschenrechtskämpfer wird geboren</p></blockquote>
<p>Ein junger Mann explodiert – und ein Menschenrechtskämpfer wird geboren. „Das war mein erster Kampf“, erzählt Kojobesia 13 Jahre später in Hamburg. „Wenn irgendjemand in unserer Siedlung mich beleidigt hat, weil ich schwul bin, dann habe ich gekämpft“, sagt der heute 32-Jährige. „Geendet hat das meist auf dem Polizeirevier.“ Oft blieb es bei einem Verhör, aber Kojobesia hat auch schon in der Zelle übernachtet, bis seine Eltern die Kaution hinterlegt hatten. Die beiden halten zu ihm. „Sei, was du bist“, hat der Vater seinem Sohn eingeschärft. „Kümmere dich nicht drum, was andere Leute denken.“</p>
<p>Diese Haltung ist nicht selbstverständlich. Homosexualität ist in Ghana verboten, Höchststrafe: drei Jahre. Schwule und Lesben sind eine beliebte Zielscheibe, von politischen wie auch religiösen Führern. Das führt immer wieder zu Gewalt. Erst im Februar 2015 wurde ein bekannter schwuler Partyveranstalter in Accra zusammengeschlagen, als er zu einem vermeintlichen Date gehen wollte.</p>
<p>Trotzdem hat Ghana eine lebhafte schwule Subkultur. Die „Compounds“ genannten Wohnsiedlungen begünstigen nicht nur gehässige Nachbarinnen, sondern fördern auch die Gemeinschaft. „Schwule Partys finden bei uns auf der Straße statt“, erklärt Kojobesia. Schon eine Geburtstagsfeier reicht als Anlass, um den Durchgangsverkehr zu sperren. Dann schleppen die Leute Tische und Stühle nach draußen und drehen die Musik auf. „Einige Siedlungen sind als schwul bekannt“, erklärt Kojobesia. „Dort tanzen die Männer in aller Öffentlichkeit in High Heels und Schleier.“</p>
<blockquote><p>„Wenn du Geld hast, bist du unabhängig“</p></blockquote>
<p>Eigentlich findet das ganze Leben in Accra auf der Straße statt. Hier knüpfte auch Kojobesia seine ersten schwulen Kontakte. Mit dem Sex kam die Unabhängigkeit. Mit 17 hatte er seinen ersten Freund, einen deutlich älteren Europäer. „Mein Partner hat sogar die monatliche Schulgebühr übernommen“, berichtet Kojobesia. „Ich hatte immer Freunde, die mich versorgt haben. Und wenn das Geld nicht gereicht hat, bin ich einfach auf die Straße und habe mir einen anderen Mann gesucht.“ Er sei damals glücklich gewesen, versichert Kojobesia. „Wenn du Geld hast, bist du unabhängig. Du musst dich nicht kümmern, was andere Leute sagen oder was deine Familie von dir will.“</p>
<p>2003 bat ihn ein Ex-Freund um Hilfe. Der arbeitete als Entwicklungshelfer und hatte einen Termin bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Agency_for_International_Development">USAID</a>. Die US-amerikanische Behörde unterstützt unter anderem Informationskampagnen zu HIV. „Die suchen jemanden, der viele schwule Männer kennt – du musst da hin“, bat der Freund. Kurz darauf saß der gerade einmal 20 Jahre alte Kojobesia als einziger Mann in einer Runde von Sexarbeiterinnen. „Wir haben uns gegenseitig vorgeworfen, uns die Kunden wegzuschnappen“, erzählt Kojobesia und lacht laut.</p>
<blockquote><p>Peer Education unterm Baum</p></blockquote>
<p>Doch sein Auftritt überzeugte. Kojobesia wurde zum „Peer Educator“, zog von Siedlung zu Siedlung, sprach schwule Bekannte an und unterhielt sich mit ihnen über Safer Sex. Sein Arbeitsmaterial: Bilder, Kondome und ein Holzdildo. „Oft saßen wir nur zu dritt oder viert unter einem Baum zusammen“, erinnert er sich, „mit dem Rücken zu den Nachbarn, damit wir in Ruhe reden konnten.“ Die mühselige Arbeit an der schwulen Basis war gleichzeitig der Startpunkt für die erste Aidshilfe-Organisation für schwule Männer in Ghana: Brother’s Keeper.</p>
<p>Die Präventionsarbeit stieß schnell an wirtschaftliche Grenzen. „Die häufigste Frage der Leute war: Wie kommen wir denn an Kondome und Gleitmittel?“, erinnert sich Kojobesia. Die sind in Ghana ein Luxusgut. Das Land boomt und gilt als afrikanische Musterdemokratie. Durchschnittsverdiener kommen auf zwei Euro pro Tag. Gemeinsam mit UN-Organisationen organisierten Brother’s Keeper deshalb Anlaufstellen in Kliniken. Dort erhalten schwule Männer kostenlos Kondome – und eine respektvolle Beratung. Keine leichte Aufgabe im tiefreligiösen Ghana.</p>
<blockquote><p>„Wir gelten als doppelte Sünder“</p></blockquote>
<p>In einer Umfrage von 2013 erklärten 98 Prozent der befragten Ghanaer Homosexualität für inakzeptabel, der höchste Wert unter 40 Staaten. „Wir gelten als doppelte Sünder“, sagt Kojobesia. „Schwulsein ist nicht nur per Gesetz verboten, sondern auch durch die Bibel.“ Als Kojobesia einmal wegen einer Gonorrhoe-Infektion in eine Klinik kam, griff die Schwester nach der Diagnose zur Bibel und kritisierte seine Sünden. „Ich musste ihr sagen: Ich bin zur Behandlung hier, nicht zur Bekehrung!“</p>
<p>Inzwischen bemüht sich auch die ghanaische Regierung darum, die von HIV besonders betroffenen Schwulen besser zu erreichen und das medizinische Personal zu sensibilisieren. Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Fund">Global Fund</a> unterstützt diesen Prozess. Wieder war Kojobesia als Fachmann für schwulen Sex als einer der Ersten mit dabei. Zunächst informierte er nur die Ärzte und Schwestern in den Anlauf-Kliniken, später in den großen Krankenhäusern, die auf HIV spezialisiert sind.</p>
<p>„Das war ein toller Job“, sagt Kojobesia, „aber durch diese Arbeit habe ich gemerkt: Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis!“ Der gläubige Christ zitiert die Bibel, um die schwierige Situation schwuler Positiver zu beschreiben. „Wenn die Leute nicht selbstbewusst auf eine Behandlung bestehen, werden sie nach einer HIV-Diagnose ohne Folgetermin nach Hause geschickt“, sagt Kojobesia. Allein 2014 seien acht seiner Bekannten an Aids verstorben. „Nicht HIV hat diese Männer getötet“, betont Kojobesia, „das Stigma hat sie getötet. Sie bekommen nicht genügend Unterstützung, weil sie schwul sind.“</p>
<blockquote><p>„Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis“</p></blockquote>
<p>Kojobesia hat seine Lebensaufgabe gefunden: Schwulen Männern Recht zu verschaffen, Schritt für Schritt. Angefangen hat er dort, wo es am dringendsten ist: im Gesundheitssystem. Diese Aufgabe verfolgt er auch aus der Ferne weiter.</p>
<p>Derzeit lebt er in Hamburg und macht eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Mit einem Zeugnis aus Deutschland will er in ein paar Jahren nach Ghana zurückkehren. Sein Traum: ein Community-Zentrum, in dem Schwule, Lesben und Transmenschen Kraft tanken können. „In Ghana musst du stark sein“, sagt Kojobesia, „sonst buttern sie dich unter. Wenn dich jemand angreift, dann schau dich um, such dir Verbündete – oder greif dir was, um dich zu wehren.“ In der Not muss ein schwuler Mann manchmal den ersten Stein werfen.</p>
<p><em>Verfasst von</em><strong><em> Philip Eicker</em></strong></p>
<p><em>*Name von der Redaktion geändert. „Kojobesia“ heißt in der ghanaischen Umgangssprache ein Mann, der – in den Augen der Mehrheitsgesellschaft – nicht besonders männlich wirkt. </em></p>
<p>&nbsp;
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/mit-dem-stein-in-der-hand/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Zum Zwanzigsten wünschen wir uns Applaus“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/zum-zwanzigsten-wuenschen-wir-uns-applaus/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/zum-zwanzigsten-wuenschen-wir-uns-applaus/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2015 09:34:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[AIDS-Hilfe Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Bernie und Gerd]]></category>
		<category><![CDATA[DGS]]></category>
		<category><![CDATA[G.A.T.]]></category>
		<category><![CDATA[Gebärden-AIDS-Team]]></category>
		<category><![CDATA[Gebärdensprache]]></category>
		<category><![CDATA[Gehörlose]]></category>
		<category><![CDATA[Hein & Fiete]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Beratung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=26295</guid>

					<description><![CDATA[Seit 20 Jahren berät die AIDS-Hilfe Hamburg Gehörlose in Gebärdensprache. <em>Michael Stürmer</em> und <em>Jochen Aldag</em>, die Leiter des Gebärden-AIDS-Teams, erklären, warum die Beratung zu HIV für Gehörlose besonders lebendig ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>Seit 20 Jahren berät die AIDS-Hilfe Hamburg Gehörlose in Gebärdensprache. <em>Michael Stürmer</em> und <em>Jochen Aldag</em>, die Leiter des Gebärden-AIDS-Teams, erklären, warum die Beratung zu HIV für Gehörlose besonders lebendig ist.</strong></p>
<p>Wenn Michael Stürmer spricht, geraten die Dinge in Bewegung: Schon wieder wischt er mit einer schnellen Gebärde seine schwarze Lesebrille über den Tisch. Erst an der Wand kommt sie zum Stehen. Michael lacht laut, ein Dutzend Lachfältchen umspielen seine Augen.</p>
<p>Der 55-Jährige ist es gewohnt, auszuholen: Michael spricht mit seinen Händen, seit er ein kleines Kind ist, denn er hört fast nichts. Als „Gebärden-Muttersprachler“ kam der Vermessungstechniker zu seinem Ehrenamt: Seit 2008 leitet er gemeinsam mit seinem Lebenspartner Jochen Aldag (52) das bei der AIDS-Hilfe Hamburg ansässige <a href="http://www.aidshilfe-hamburg.de/news/317-gebaerden-aids-team-wir-tun-etwas-gegen-missverstaendnisse/">Gebärden-AIDS-Team</a>, kurz G.A.T.</p>
<blockquote><p> „Die Leute kommen von weit her, um sich von uns beraten zu lassen“</p></blockquote>
<p>An jedem ersten Mittwoch im Monat berät das fünfköpfige Team schwule und bisexuelle Männer, die schwer oder gar nicht hören. „Manchmal kommen auch Heteros zu uns“, sagt Jochen. „Unter Gehörlosen kennt man sich. Die Community ist wie ein kleines Dorf.“</p>
<p>Auch online ist das G.A.T. zu erreichen, per E-Mail oder Video-Chat. „Wir telefonieren mit Bild“, erklärt Jochen, „die Gesprächspartner müssen ja die Gebärden sehen können“. Die meisten Kontakte entstehen im Chat, erst dann folgt ein Treffen in den Räumen der <a href="http://www.aidshilfe-hamburg.de/">AIDS-Hilfe Hamburg</a> oder bei <a href="http://heinfiete.de/">Hein &amp; Fiete</a>, dem schwulen Infoladen.</p>
<p>In beiden Einrichtungen kann man sich auch auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen. Das G.A.T. dolmetscht dann beim Test. „Die Leute kommen von weit her, um sich von uns beraten zu lassen“, sagt Jochen. Die meisten seien lange Fahrten gewöhnt: „Gehörlose nehmen lange Wege in Kauf, um andere zu treffen.“</p>
<blockquote><p>Aufklärungsvideos zu HIV und STIs für Gehörlose</p></blockquote>
<p>Gerade bei komplizierten Themen wie Sex, HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (kurz: STIs) ist der Austausch in Gebärdensprache die beste Beratungsmethode. Schriftliche Informationen sind für Menschen, die gehörlos aufgewachsen sind, schwerer zu verstehen als für Hörende. „Die Grammatik und die gesamte Logik der Gebärdensprache funktionieren anders als im Deutschen“, erklärt Jochen. Dadurch kommt es manchmal zu Missverständnissen.</p>
<p>Michael verteilt jedes Jahr auf dem Hamburger CSD Info-Materialien. Daher weiß er, wann schriftliche Informationen an ihre Grenzen stoßen. „Eine Abkürzung wie ,negativ‘ für ,HIV-negativ‘ wird oft so verstanden wie ,schlecht drauf‘“, sagt er.</p>
<blockquote><p>„Bernie und Gerd“ erklären Safer Sex mithilfe von Dildo und Sprühsahne</p></blockquote>
<p><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLuH6iwplsOSJ_XhYCnSEzwR6AsImKkYMv">Videos in Gebärdensprache</a> sind leichter zu verstehen als Texte. <a href="http://www.gehoerlosen-aids-info.de/">Seit drei Jahren helfen die Hamburger der Deutschen AIDS-Hilfe dabei, solche Filme zu produzieren.</a> Es hat zwar auch schon vorher einige Videos gegeben, doch die kamen beim Testpublikum nicht so gut an. Ein gehörloser Betrachter bemerkte schnell, dass hier einfach Texte in Gebärdensprache übersetzt wurden.</p>
<p><figure id="attachment_26307" aria-describedby="caption-attachment-26307" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/04/Gebaerden-Team-Hamburg-Aldag-Stuermer-C-privat.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-26307" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/04/Gebaerden-Team-Hamburg-Aldag-Stuermer-C-privat-300x225.jpg" alt="Jochen Aldag (li.) und Michael Stürmer (Foto: privat)" width="300" height="225" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/04/Gebaerden-Team-Hamburg-Aldag-Stuermer-C-privat-300x225.jpg 300w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2015/04/Gebaerden-Team-Hamburg-Aldag-Stuermer-C-privat-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-26307" class="wp-caption-text">Jochen Aldag (li.) und Michael Stürmer (Foto: privat)</figcaption></figure></p>
<p>„Die neuen Videos werden von Anfang an in Gebärdensprache geplant und sind viel visueller“, erklärt Jochen. „Gehörlose lieben Körpersprache, Mimik und Gestik. Um sie zu erreichen, muss ein Video sehr lebendig sein.“</p>
<p>In den gemeinsam produzierten Filmen gibt es nun nicht nur einen Erzähler, sondern zusätzlich zwei Schauspieler: „Bernie und Gerd“ spielen vor, um was es geht – erklären zum Beispiel Safer Sex mithilfe von Dildo und Sprühsahne. 22 Videos sind in den letzten drei Jahren entstanden, im Sommer ist schon die nächste Staffel geplant.</p>
<blockquote><p>Tag der offenen Tür anlässlich des Jubiläums</p></blockquote>
<p>Vor dem Dreh aber gibt es noch einen wichtigen Termin: Am 25. April feiert das Gebärden-AIDS-Team sein 20-jähriges Bestehen. Die AIDS-Hilfe Hamburg macht zu diesem Anlass einen Tag der offenen Tür. Es gibt Bratwurst vom Grill, kühle Getränke und viele Geschichten aus zwei Jahrzehnten G.A.T. – lebhaft und zweisprachig vorgetragen von den fünf Teammitgliedern. Denn: „Wir haben ja viel erlebt die letzten 20 Jahre“, sagt Jochen.</p>
<p>„Über Spenden würden wir uns auch freuen.“, ergänzt Michael. Zwar arbeitet das Team ehrenamtlich, mit den Geldspenden aber bezahlt das G.A.T. zum Beispiel weitere Gebärdensprachdolmetscher, die beim HIV-Test in der Aidshilfe dabei sind.</p>
<p>Und was wünschen sich Michael und Jochen zum Zwanzigsten? „Dass wir Applaus bekommen“, sagt Michael, indem er seine Arme nach oben reißt und die Hände schüttelt, dabei lacht er wieder laut. „Und dass möglichst viele Neugierige kommen. Es ist schön, wenn Hörende und Gehörlose mal zusammenkommen.“</p>
<p>Von <em><strong>Philip Eicker</strong></em></p>
<p><strong>Weitere Infos:</strong></p>
<p><a href="http://www.gehoerlosen-aids-info.de/">Videos der Deutschen AIDS-Hilfe für Gehörlose in Gebärdensprache</a></p>
<p>20 Jahre Gebärden-AIDS-Team, 25. April, 14-20 Uhr, AIDS-Hilfe Hamburg, Lange Reihe 30-32, 20099 Hamburg</p>
<p>Die offene Beratung des Gebärden-AIDS-Teams findet jeden 1. Mittwoch im Monat zwischen 19 und 21 Uhr in der AIDS-Hilfe Hamburg statt.</p>
<p>Ebenfalls jeden 1. Mittwoch im Monat – oder auf Anfrage – bietet das Gebärden-AIDS-Team <a href="http://www.aidshilfe-hamburg.de/praevention-beratung/onlineberatung/">eine E-Mail-Beratung für gehörlose oder schwerhörige Menschen</a> an, von 19 bis 21 Uhr unter gebaerden-team@aidshilfe-hamburg.de.
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/zum-zwanzigsten-wuenschen-wir-uns-applaus/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Für viele ein großer dunkler See“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/fuer-viele-ein-grosser-dunkler-see/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/fuer-viele-ein-grosser-dunkler-see/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2015 07:07:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[HCV]]></category>
		<category><![CDATA[Hepatitis C]]></category>
		<category><![CDATA[Hepatitis-C-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Mr. Leather Bavaria]]></category>
		<category><![CDATA[Philip Eicker]]></category>
		<category><![CDATA[Sexspielzeug]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=26233</guid>

					<description><![CDATA[Im November 2013 erkrankte der HIV-positive Elektrotechniker Georg* (39) aus München zum zweiten Mal an Hepatitis C. Zum Glück gibt es inzwischen viel besser verträgliche Medikamente. Ein Interview mit dem ehemaligen „Mr. Leather Bavaria“]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>Im November 2013 erkrankte der HIV-positive Elektrotechniker Georg* (39) aus München zum zweiten Mal an Hepatitis C. Zum Glück gibt es inzwischen viel besser verträgliche Medikamente. Ein Interview mit dem ehemaligen „Mr. Leather Bavaria“</strong></p>
<p><strong>Georg, was hat dein Arzt gesagt, als er bei dir zum zweiten Mal Hepatitis C festgestellt hat? </strong></p>
<p>Er meinte nur: „Sie haben offenbar ein glückliches Händchen für Hepatitis C. Aber machen Sie sich keinen Kopf, das schaff’mer auch.“ Ich habe ihm gleich gesagt: „Nach Möglichkeit bitte keine Interferon-Therapie mehr!“</p>
<p><strong>Warum kein Interferon? </strong></p>
<p>Wegen der Nebenwirkungen. Ich konnte während der Therapie teilweise nicht mal mehr Treppen steigen. Psychische Probleme kamen auch dazu: Angstzustände, vor allem im Beruf. Trotzdem war ich in den 48 Wochen Therapie nur drei Wochen krankgeschrieben.</p>
<p><strong>Die erste HCV-Infektion ist über fünf Jahre her. Wie hast du dich nach der zweiten Diagnose gefühlt?</strong></p>
<p>Ich war geschockt. Ich fiste aktiv und passiv, aber nur mit Handschuhen. Ficken tu ich nur mit Gummi. Woher hatte ich es also? Nach der Diagnose hatte ich Panik: Pack ich die Therapie noch mal? Meine Leberwerte haben sich leicht verbessert. Es besteht noch Hoffnung, dass die Hepatitis C von allein weggeht. Deshalb haben wir beschlossen: Wir warten, bis die neuen Medikamente ohne Interferon verfügbar sind.</p>
<blockquote><p>„Ich will die neuen Tabletten jetzt“</p></blockquote>
<p><strong>Wann hast du erstmals von den neuen Hepatitis-C-Therapien gehört? </strong></p>
<p>Letztes Jahr. Die erste Reaktion war: Die will ich haben! <em>(lacht)</em> Der hohe Preis hat mich natürlich abgeschreckt. Mir war damals klar, dass ich sie als Kassenpatient gar nicht bekommen kann.</p>
<p><strong>Inzwischen haben die Kassen angekündigt, die neuen Therapien zu finanzieren. Fängst du jetzt mit der Therapie an?</strong></p>
<p>Ja, voraussichtlich Anfang Mai will ich damit beginnen. Bei meinem nächsten Termin bei meinem Doc werde ich sagen: „Ich will die neuen Tabletten jetzt haben und das Virus endlich loswerden! Meine Leber wird ja nicht besser.“</p>
<p><strong>Was wusstest du über Hepatitis C, bevor du dich damit angesteckt hast? </strong></p>
<p>Recht viel. Ich war immer auf Vorträgen bei meinem HIV-Schwerpunktarzt. Da ging es um HIV und mögliche Ko-Infektionen. Als ehemaliger Träger des Titels „Mr. Leather Bavaria“ hab ich dann einen Workshop zu Hepatitis C gemacht, gemeinsam mit dem <a href="http://www.mlc-munich.de">Münchner Löwen Club</a> und der <a href="http://www.muenchner-aidshilfe.de">Münchner Aidshilfe</a>.</p>
<blockquote><p>„Die große Unbekannte, die man sich nebenbei einfängt“</p></blockquote>
<p><strong>Worum ging es da? </strong></p>
<p>Um die neuen Medikamente, die Übertragungswege und Desinfektionsmöglichkeiten. Das Hepatitis-C-Virus kann ja außerhalb des Körpers bis zu drei Wochen überleben. Das muss man bei der Desinfektion von Liegeflächen oder Sexspielzeug beachten. Man sollte spezielle Desinfektionsmittel verwenden und sie lange genug einwirken lassen. Das heißt auch, dass man einen Dildo nicht gleich nach der Desinfektion wieder verwenden darf. Und wenn man frische Handschuhe angezogen hat, sollte man damit möglichst nicht Liegeflächen oder Ketten des Slings berühren.</p>
<p><strong>Konntest du den Leuten viel Neues erzählen, oder wissen die Fetisch-Fans schon alles über Hepatitis C? </strong></p>
<p>Die meisten sind überrascht. Mit HIV und Syphilis kennen sich alle aus, aber Hepatitis C ist die große Unbekannte, die man sich nebenbei einfängt.</p>
<p><strong>Lassen dich manche Sexpartner abblitzen, weil du Hepatitis C hast? </strong></p>
<p>Privat gab es nur in drei Fällen negative Reaktionen. Alle drei waren Play-Partner, mit denen ich schon gespielt hatte. Einer hat mir offen gesagt: Das ist mir zu riskant. Das fand ich in Ordnung. Die zwei anderen haben mir nichts gesagt. Aber später habe ich erfahren, dass sie mit anderen abfällig über mich und meine Infektion gesprochen haben. Das ist doch verrückt: Jemand spricht ehrlich über seine Krankheit und wird dann ausgegrenzt! Viel schlimmer ist doch, wenn die Beteiligten nichts erfahren und sich nicht schützen können.</p>
<p><strong>Ist dir so etwas Ähnliches auch schon wegen HIV passiert? </strong></p>
<p>Nein. HIV ist bekannter. Hepatitis C dagegen ist für viele ein großer dunkler See, bei dem niemand weiß, wie tief er ist und was unter der Oberfläche ist. Da wagen sich die Leute nicht weit raus.</p>
<blockquote><p>„Für Abstinenz noch zu jung“</p></blockquote>
<p><strong>Hat Hepatitis C dein Sexleben verändert? </strong></p>
<p>Ja, nach meiner Infektion dachte ich sogar: Jetzt reicht’s, ich werde ich asexuell! Mein Arzt hat mir aber gesagt: „Für Abstinenz sind Sie noch zu jung. Lassen Sie sich wegen einer Infektion nicht vom Leben abhalten!“ Und natürlich haben mich meine Freunde unterstützt und gesagt: Komm doch mal wieder mit. Oder sie haben mich zu privaten Partys eingeladen, wo nur drei, vier Leute waren. Sie haben mir Mut gemacht und gesagt: Wir passen schon auf, dass nichts passiert.</p>
<p>*Name geändert</p>
<p><em> Interview: <strong>Philip Eicker</strong></em>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/szene-community/fuer-viele-ein-grosser-dunkler-see/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Das Sexgewerbe braucht keine Sondergesetze“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/das-sexgewerbe-braucht-keine-sondergesetze/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/das-sexgewerbe-braucht-keine-sondergesetze/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2014 07:23:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Marianne Rademacher]]></category>
		<category><![CDATA[Philip Eicker]]></category>
		<category><![CDATA[Prostituiertenschutzgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitutionsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[ProstSchG]]></category>
		<category><![CDATA[Sexarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sexarbeiterinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Sexgewerbe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=24883</guid>

					<description><![CDATA[Die Bundesregierung plant ein neues Prostitutionsgesetz, das Sexarbeiterinnen vor Ausbeutung schützen und ihre Gesundheit fördern soll. Leider zeigen die Details, dass die Verantwortlichen wenig von den Problemen in der Sexarbeit verstehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>Die Bundesregierung plant ein neues Prostitutionsgesetz, das Sexarbeiterinnen vor Ausbeutung schützen und ihre Gesundheit fördern soll. Leider zeigen die Details, dass die Verantwortlichen wenig von den Problemen in der Sexarbeit verstehen.</strong></p>
<p>Wenigstens in einem sind sich alle einig: Das seit 2002 geltende Prostitutionsgesetz war nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Versuch, den Sexarbeite­rinnen die Möglichkeit einer sozialversicherten Anstellung zu eröffnen, war gut gemeint. In der Praxis nützt sie aber nur wenigen. „Die meisten Sexarbeiterinnen arbeiten lieber selbstständig“, sagt Ma­rianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen AIDS-Hilfe. „Sie möchten selbst entscheiden, wo, mit wem und wie lange sie tätig sind. Das lässt sich nur schwierig in ein Angestelltenverhältnis einbinden.“</p>
<p>Im Herbst 2013 beschloss die Große Ko­alition einmütig, das Prostitutionsgesetz zu verbessern. Am 1. Januar 2016 soll das neue Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) in Kraft treten. Aber mit der Einigkeit ist es schon wieder vorbei, denn bei den nun vorliegenden Eckpunkten hat sich der konservative Flügel der Union durchgesetzt. Bordelle sollen schärfer kontrolliert werden, außerdem ist eine Anmeldepflicht für Sexarbeite­rinnen vorgesehen.</p>
<p><strong>Gute Ziele, schlechte Mittel</strong></p>
<p>Die in den Eckpunkten angepeilten Ziele des Gesetzes kann auch die Deutsche AIDS-Hilfe voll und ganz unterstützen. Das künftige Gesetz soll unter anderem</p>
<ul>
<li>das Selbstbestimmungsrecht und die Rechtssicherheit der Sexarbeiterinnen stärken</li>
<li>durch Fachgesetze „verträgliche Ar­beitsbedingungen“ und „den Schutz der Gesundheit“ garantieren</li>
<li>Menschenhandel, Gewalt und Ausbeu­tung in der Sexarbeit bekämpfen.</li>
</ul>
<p>Gleichzeit aber taucht in den Zielformu­lierungen die 2002 eigentlich überwun­dene Kontrollfantasie auf, Prostitution „durch ordnungsrechtliche Instrumente“ zu überwachen und „sozial unverträg­liche (…) Auswirkungen der Prostituti­onsausübung (…) zu verdrängen“. Mit anderen Worten: Die Prostitution soll aus dem öffentlichen Leben verschwinden.</p>
<blockquote><p>Die Prostitution soll aus dem öffentlichen Leben verschwinden</p></blockquote>
<p>So soll für alle „Prostitutionsstätten“ künftig eine Erlaubnis nötig sein, die über die normale Gewerbeordnung hi­nausgeht. Sie ist mit hohen Auflagen ver­bunden, die viele Anbieter abschrecken dürfte. Besonders im Fokus: sogenannte Wohnungsbordelle in Mietshäusern. „Das neue Gesetz würde ausgerechnet diese Wohngemeinschaften erschweren, die sich Frauen selbst organisieren – zu ihrem eigenen Schutz und ohne Zuhäl­ter“, sagt Marianne Rademacher. „Es wäre schlimm, wenn die Behörden diese Arbeitsform zerschlagen würden.“</p>
<p>Auch ein Mindestalter für die Ausübung von Sexarbeit ist noch nicht vom Tisch. Zuletzt hatte das SPD-geführte Sozialministerium in Niedersachsen eine sol­che Altersgrenze gefordert. Die Union ist sowieso dafür. Erst ab 21 sollen Frauen legal anschaffen können. Doch das Mindestalter würde die Situation ausgerech­net für die jüngsten Frauen verschlech­tern. „Der Zugang zu relativ sicheren Arbeitsplätzen in festen Häusern wäre den 18- bis 20-Jährigen dadurch ver­wehrt“, erläutert Marianne Rademacher. Als Alternative bleibt der Straßenstrich. „Der birgt hohe Risiken, insbesondere für Personen mit geringen Erfahrungen in der Prostitution.“ Zudem seien die Frauen für Präventionsangebote dann nur noch schwer ansprechbar – sie müs­sen ja stets mit Verhaftung wegen ille­galer Prostitution rechnen.</p>
<p><strong>Gesundheit durch Kontrolle?</strong></p>
<p>An manchen Stellen wirkt das Eck­punktepapier, als wolle die Große Koa­lition Sexarbeiterinnen zu ihrem gesund­heitlichen Glück zwingen. Ein zentraler Punkt ist die Registrierungspflicht, die über die Gewerbeanmeldung hinausgeht. Ausgerechnet hier sollen die Antragstel­lerinnen auf Angebote zur Gesundheits­beratung hingewiesen werden.</p>
<p>„Die Eckpunkte der Regierungsfrakti­onen orientieren sich zu sehr an Kontrol­len und Strafen“, kritisiert Marianne Rademacher. „Aber Kontrollen in der Sexarbeit wirken nicht, sondern schre­cken ab.“ Hinzu kommt: Zwei Drittel der Sexarbeiterinnen kommen nicht aus Deutschland. „Frauen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus entziehen sich ohnehin der Kontrolle, weil sie ständig fürchten müssen, abgeschoben zu werden“, erklärt Rademacher.</p>
<blockquote><p>„Kontrollen wirken nicht, sondern schre­cken ab.“</p></blockquote>
<p>Auch Marianne Rademacher kennt die zum Teil schlechten Bedingungen in der Sexarbeit. Sie zweifelt aber, ob strengere Gesetze daran etwas ändern werden. „Die Regierungsfraktionen tun so, als ob Missstände in Bordellen nur mit neuen Kontrollinstrumenten behoben werden könnten“, kritisiert Rademacher. Aber schon heute ermögliche es die Gewerbe­ordnung, einschlägig vorbestraften Men­schen den Betrieb eines Bordells zu un­tersagen. „Das Sexgewerbe braucht keine Sondergesetze, sondern offizielle Ar­beitsstandards. Die gilt es unter Einbezie­hung aller Beteiligten zu entwickeln.“</p>
<p><strong>Menschenhandel bekämpfen</strong></p>
<p>Das Problem bei der ganzen Sache ist: Die Abgeordneten sprechen oft von Prostitution, meinen aber Menschenhan­del. Den gibt es in Deutschland tatsäch­lich. Doch Hungerlöhne, Erpressung und Gewalt sind kein Phänomen, das nur in der Sexarbeit vorkommt. Auch Hilfsarbeiter gehen in Deutschland auf den „Arbeitsstrich“ und nehmen aus wirt­schaftlicher Not unmenschliche Arbeits­bedingungen in Kauf. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt die Zahl der von Zwangsarbeit betroffenen Menschen in der Europäischen Union auf 880.000. Über die Hälfte davon Frauen. Ein Drittel der Fälle umfasst Sexarbeit, die Opfer arbeiten aber auch in Gastronomie, Pflege und Landwirtschaft.</p>
<blockquote><p>Auch Hilfsarbeiter gehen in Deutschland auf den „Arbeitsstrich“</p></blockquote>
<p>Die Bundesregierung könnte die Ausbeutung der zumeist aus Südosteuropa eingewanderten Arbeitskräfte deutlich verbessern: nicht durch das Prostitutionsgesetz, sondern durch bessere Aufenthaltsbedingungen. Schon seit zwei Jahren gibt es eine EU-Richtlinie gegen Menschenhandel. Sie soll die Rechte derjenigen stärken, die unter Zwang und Androhung von Gewalt arbeiten. In Deutschland hängt der Gesetzentwurf zur Abstimmung in den Bundesministerien fest.</p>
<p>Eine weitere wirksame Maßnahme gegen Menschenhandel könnte ein besserer Zeugenschutz sein. „Frauen, die gegen organisierte Kriminelle aussagen, sind bisher nur solange geschützt, wie das Verfahren läuft“, weiß Rademacher, „dann werden sie abgeschoben. Wer Angst vor Abschiebung hat, geht nicht zur Polizei.“</p>
<p><strong>Sexarbeit normalisieren: Sozialberatung im Bordell</strong></p>
<p>Eine echte Unterstützung für Frauen im Sex Business bieten Fachberatungsstellen für Sexarbeit in mehreren Großstädten an. Im Projekt ProfiS, unterstützt von der Deutschen AIDS-Hilfe, organisieren Sozialarbeiterinnen und geschulte Sexarbeiterinnen Fortbildungen dort, wo die Frauen Geld verdienen. „Die Themen sind breit gefächert“, berichtet Marianne Rademacher. „Es geht nicht nur um Safer Sex, sondern auch um Krankenversiche­rung und Rechtsberatung.“ Wichtige Themen für die meist ausländischen Frauen: Aufenthaltsrecht und das Verhal­ten bei Polizei-Razzien.</p>
<blockquote><p>„Die Angebote müssen so niedrigschwel­lig sein wie nur möglich“</p></blockquote>
<p>„Diese praktischen Tipps sind oft die Türöffner für weitergehende Beratung wie Gesundheitsförderung oder beruf­liche Umorientierung“, erklärt Radema­cher. „Die Trainerinnen des Projekts bie­ten ein großes Informationspaket an, um die Frauen zu stärken und zu professio­nalisieren.“ Seit 2010 sind die Sexarbeit-Workshops bundesweit verfügbar. Weit über 1.000 Personen haben schon an 170 Vor-Ort-Schulungen teilgenommen. Es fehlt allerdings an Ressourcen, um alle angemessen zu versorgen.</p>
<p>„Die Angebote müssen so niedrigschwel­lig sein wie nur möglich, die Frauen müs­sen auf Augenhöhe eingebunden sein“, betont Rademacher. Freiwillige und anonyme Angebote von Selbsthilfevereinen und Gesundheitsbehörden werden gut angenommen. Die geringe Zahl der HIV-Infektionen bei Sexarbeiterinnen in der Bundesrepublik bestätigt den Erfolg dieser Ansätze.</p>
<p><strong>Auch das neue Gesetz bleibt Stückwerk </strong></p>
<p>Mit dem neuen Prostitutionsgesetz droht nun wieder mehr Repression. Um die Zu­stimmung des Bundesrates sicherzustel­len, versprechen die Regierungsfrakti­onen in ihren Eckpunkten zudem, die Befugnisse der Länder in Sachen Prosti­tution nicht zu beschneiden. So können weiterhin Sperrgebiete angeordnet wer­den. „Schon das gültige Prostitutionsgesetz ist in weiten Teilen nie konsequent umgesetzt worden“, kritisiert Marianne Rademacher. Mit Sperrgebietsverord­nungen und über den Umweg des Bau­rechts haben vor allem die südlichen Bundesländer die gewünschte Liberali­sierung verhindert. „Behördenwillkür und regelmäßige Polizeikontrollen drän­gen das Sexgewerbe in die Illegalität“, sagt Rademacher. „Wir brauchen aber eine bundesweit einheitliche Rechtsicherheit, sowohl für Sexarbeiterinnen als auch für Betreiberinnen und Betrei­ber von Bordellen.“</p>
<blockquote><p>„Wir brauchen eine bundesweit einheitliche Rechtsicherheit“</p></blockquote>
<p>Mit dem neuen Gesetz wird erst recht jedes Bundesland Rotlicht-Politik nach eigenem Gusto machen – inklusive fach­lich unsinniger Regelungen wie der „Kondompflicht“. Die versucht die baye­rische Polizei seit 2001 durchzusetzen, unter anderem, indem sie Beamte als „Scheinfreier“ in die Bordelle schickt. „Sexarbeiterinnen ziehen sich aufgrund solcher Repressalien eher zurück und sind für Gesundheitsberatung nicht mehr erreichbar“, sagt Marianne Rademacher. „Wer den Frauen im Gewerbe helfen möchte, muss ihnen mit Respekt und Toleranz begegnen.“</p>
<p><em>Philip Eicker</em>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/das-sexgewerbe-braucht-keine-sondergesetze/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sie wissen nicht, was sie tun</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sie-wissen-nicht-was-sie-tun/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sie-wissen-nicht-was-sie-tun/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2014 13:55:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Einstellungsuntersuchung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Infektionsmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Infektionsschutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=24765</guid>

					<description><![CDATA[In vielen Gesundheitsberufen gehört ein HIV-Test zur Einstellungsuntersuchung. Diese Praxis ist medizinisch unsinnig und diskriminiert Menschen mit HIV. Ein Bericht über Arbeitsschutz in Medizinberufen

&#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        Mit HIV kann man heute alt werden, doch die Karriere kann schweren Schaden nehmen. Ausgerechnet in Gesundheitsberufen ist die Gefahr besonders groß. So war es auch bei einem 36-jährigen Arzt, der 2008 seine HIV-Diagnose erhielt. Im <a title="Deutsches Ärzteblatt" href="http://www.aerzteblatt.de/archiv/92888/HIV-positiv-Ende-einer-Karriere" target="_blank" rel="noopener">Deutschen Ärzteblatt</a> schildert er, wie die HIV-Infektion seinen Berufsweg beendet hat: Die Klinik verweigerte dem Kollegen die bereits zugesagte Anstellung als Chirurg.</p>
<p>Heute ist der Mediziner nur noch beratend tätig. Besonders bitter: Der Traumjob bleibt ihm verwehrt, obwohl der Mann in jeder Hinsicht fit ist. Sofort nach der Diagnose hatte sich der junge Arzt in Behandlung begeben. Nach sechs Monaten war die Viruslast unter der Nachweisgrenze. „Ich war de facto gesund, konnte niemanden gefährden und wurde durch niemanden gefährdet“, bilanziert der enttäuschte Mediziner. Dennoch durfte er seinen Traumberuf nie antreten.</p>
<p>Leider kein Ausnahmefall in Deutschland. In vielen Gesundheitsberufen wird im Rahmen der Einstellungsuntersuchungen ein HIV-Test durchgeführt – das diskriminiert Menschen mit HIV. Ein positives Ergebnis führt oft zu beruflichen Einschränkungen: Medizinstudenten können im Praktischen Jahr ihre chirurgische Zeit nicht absolvieren; Krankenpflegekräfte werden aus der Patientenversorgung verbannt; Arbeitsämter bewilligen keine Zuschüsse für Umschulungen mit dem Hinweis, die Interessenten dürften in Pflegeberufen sowieso nicht arbeiten.</p>
<blockquote><p>In Deutschland gab es bisher keine einzige HIV-Übertragung von medizinischem Personal auf Patienten</p></blockquote>
<p>Das Beharren auf dem routinemäßigen HIV-Test ist wissenschaftlich unhaltbar. Im Arbeitsalltag von Krankenhäusern, Praxen und Pflegeeinrichtungen ist eine Übertragung von HIV so gut wie ausgeschlossen. Das Immunschwäche-Virus kann – wie auch Hepatitis-B und Hepatitis C – nur dann in den Körper gelangen, wenn mehrere Bedingungen zusammen kommen:</p>
<ul>
<li>Es muss eine größere Menge Viren im Blut vorhanden sein.</li>
<li>Der oder die Behandelnde muss eine blutende Verletzung haben.</li>
<li>Es muss Blut aus dieser Verletzung in die Wunde oder auf die Schleimhaut eines Patienten gelangen.</li>
</ul>
<p>In Deutschland gab es noch keinen einzigen solchen Fall einer Übertragung, international wenige Einzelfälle (<a title="HIV-Report 4/2012" href="http://www.hivreport.de/sites/default/files/ausgaben/2012_04_HIVReport.pdf" target="_blank" rel="noopener">siehe HIV-Report 4/2012</a>).</p>
<p>Grundlegende Schutzmaßnahmen wie Einweghandschuhe verhindern die Übertragung wirkungsvoll. Der einzig denkbare Übertragungsweg im medizinischen Normalbetrieb sind besondere chirurgische Eingriffe, in einem beengten Operationsfeld und unter unübersichtlichen Bedingungen. Hierbei kann sich der Operateur relativ leicht verletzen. Solche Eingriffe dürfen HIV-positive Chirurgen deswegen nur dann durchführen, wenn sie eine wirksame HIV-Therapie nehmen.</p>
<p>„Eine Übertragung ist dann höchst unwahrscheinlich“, betont Hans-Jürgen Stellbrink, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und Arzt am Infektionsmedizinisches Centrum Hamburg. Dass HIV-Therapien die Zahl der Viren im Blut verringern, bis sie nicht mehr nachweisbar sind, sei selbst Fachleuten oft unbekannt, sagt Stellbrink. „Es dauert einige Zeit, bis sich solches Fachwissen im gesamten Gesundheitswesen verbreitet.“ Bei Medizinern gebe es eine gewisse Resistenz gegenüber neuen Erkenntnissen: „Man hält im Zweifelsfall an der erprobten Praxis fest.“</p>
<blockquote><p> Für einen HIV-Tests bei der Einstellungsuntersuchung spricht nichts</p></blockquote>
<p>Es gibt also keinen vernünftigen Grund für HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen von medizinischem Personal.  Trotzdem fordern manche Mediziner Tests ohne Einwilligung, unter bestimmten Bedingungen sogar für Patienten. Ein „Recht auf Nichtwissen“ gebe es nicht, erklärte 2013 die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern in ihrem „Rostocker Appell“.</p>
<p>„Es ist völlig unverständlich, warum manche Kollegen HIV zu einer Ausnahmekrankheit erklären, die Zwangstestungen erfordert“, sagt dazu Hans-Jürgen Stellbrink. „Bei HIV sehen viele Menschen übertriebene, teils irrationale Infektionsrisiken.“</p>
<p>Die meisten Arbeitgeber weisen Kritik an ihrer Test-Praxis zurück und sprechen von einem „betriebsärztlichen Angebot“. „Bei einer Einstellungsuntersuchung hat ein HIV-Test nichts zu suchen“, betont hingegen Heike Gronski, HIV-Referentin der Deutschen AIDS-Hilfe. „Wer wagt es schon, ein solches Angebot abzulehnen, wenn der erhoffte Job davon abhängt?“</p>
<p>HIV-Spezialist Hans-Jürgen Stellbrink fordert: „Der Mitarbeiter muss tatsächlich die Freiheit haben, sich für oder gegen den HIV-Test zu entscheiden.“</p>
<p>Zu jedem HIV-Test gehört professionelle Beratung – das ist die zentrale Botschaft von Keikawus Arastéh, Klinik-Direktor und Chefarzt für Innere Medizin am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin. „Ein HIV-Test sollte nicht mal eben eingeschoben werden“, betont Arastéh in einem <a title="Arastéh: &quot;Aufblühender Kontrollwahn&quot;" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/aufbluehender-kontrollwahn/" target="_blank" rel="noopener">Interview mit magazin.hiv</a>. „Das Problem ist, dass nicht alle Kollegen vom Medizinischen Dienst ausreichend geschult sind, eine verständnisvolle Aufklärung über Risiken und Nutzen des HIV-Tests zu gewährleisten.“</p>
<blockquote><p>Urteil schafft mehr Rechtssicherheit</p></blockquote>
<p>Wenigstens die rechtliche Situation ist nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 19. Dezember 2013 klarer: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Menschen mit HIV, weil HIV nach den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention als Behinderung zu betrachten sei.</p>
<p>„Nach dem Urteil des BAG sind nahezu alle HIV-Tests, die im Zusammenhang mit einem Bewerbungsverfahren durchgeführt werden, unzulässig“, erklärt Jacob Hösl, begleitender Rechtsanwalt in dem Verfahren, vor dem Bundesarbeitsgericht. Ausnahmen gälten nur für den kleinen Bereich jener medizinischer Tätigkeiten, die mit einem sachlich begründeten Infektionsrisiko verbunden sein könnten. „In allen anderen Fällen darf der HIV-Test im Rahmen der Eignungsuntersuchung nicht durchgeführt werden, und es darf auch nicht nach einer HIV-Infektion gefragt werden“, so Jacob Hösl in einer <a title="Jacob Hösl: Geschützt durchs AGG" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/hiv-test-in-der-einstellungsuntersuchung-unzulaessig/" target="_blank" rel="noopener">Einschätzung für die Deutsche AIDS-Hilfe</a>.</p>
<p>Der Nationale AIDS-Beirat (NAB) hatte bereits 2012 in einem <a title="Votum des Nationalen AIDS-Beirats" href="http://www.bmg.bund.de/praevention/nationaler-aids-beirat/nationaler-aids-beirat/votumabbauvondiskriminierung.html" target="_blank" rel="noopener">Votum</a> deutlich gesagt: Kein Arbeitgeber ist berechtigt, über den HIV-Status Auskunft zu verlangen. Erhält der betriebsärztliche Dienst Kenntnis von einer HIV-Infektion, unterliegt er der Schweigepflicht – auch gegenüber dem Arbeitgeber.</p>
<blockquote><p>Infektionsschutz im Krankenhaus tut Not – aber HIV ist nicht das Problem</p></blockquote>
<p>Die Ausgrenzung von HIV-positiven Arbeitskräften trägt ganz gewiss nicht dazu bei, die Gesundheitsrisiken in deutschen Kliniken und Praxen zu senken. Im Gegenteil: Die Fokussierung auf HIV verstellt den Blick auf die wahren Gesundheitsrisiken im Medizinsystem. Die Europäische Präventionsbehörde (ECDC) schätzt die Zahl der im Krankenhaus entstandenen Infektionen europaweit auf jährlich drei Millionen und die Zahl der daraus resultierenden Todesfälle auf 50.000. Am häufigsten treten Infektionen mit Bakterien und Pilzen auf. HIV-Infektionen kommen dagegen nicht vor.</p>
<p>„Entscheidend für die Gesundheitsvorsorge in Krankenhäusern sind sorgfältige Hygienemaßnahmen und gute Beratung – keine einmaligen Tests bei der Einstellung“, sagt Knut Lambertin, beim Deutschen Gewerkschaftsbund zuständig für Gesundheitspolitik. Im <a title="Lambertin" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/ein-hiv-test-schafft-nur-neue-probleme/" target="_blank" rel="noopener">Gespräch mit magazin.hiv</a> fordert Lambertin ein gesetzliches Verbot von HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen. „Für HIV gelten da immer noch Sonderregeln“, kritisiert Lambertin. „Andere Infektionskrankheiten werden dagegen sträflich vernachlässigt. Wir haben in Deutschland regelmäßig regionale Masernepidemien. Von einer regionalen HIV-Epidemie habe ich dagegen noch nie etwas gehört.“</p>
<blockquote><p>Wirkt am besten: HIV-positiver Pfleger bildet Kollegen weiter</p></blockquote>
<p>Für fundierte Aufklärung über HIV im Arbeitsleben sorgt Manfred Müller. Der Altenpfleger aus Bochum ist seit 1991 HIV-positiv getestet. Arbeitgeber und Kollegen haben kein Problem damit. In seiner Freizeit besucht er gemeinsam mit der Aidshilfe Bochum Gesundheitseinrichtungen und Ausbildungsstätten für Medizinberufe. Dort steht er Angestellten und Studierenden Rede und Antwort. „Ich stelle mich als positiv vor, und dann können die Teilnehmer mir alle Fragen stellen, die sie zu HIV haben“, so beschreibt Müller seine ehrenamtliche Arbeit. Er habe dabei gelernt, abweichende Meinungen auch mal stehen zu lassen. „Vorurteile kann man nicht sofort löschen, ich kann nur einen kleinen Impuls geben, dass sich vielleicht in Zukunft etwas ändert.“</p>
<p>Infoveranstaltungen zu HIV sind aber nicht nur für den Nachwuchs sinnvoll, sondern auch für Altgediente, davon ist Manfred Müller überzeugt: „Gerade wenn man schon länger auf Station arbeitet, geht Wissen verloren.“ Außerdem verschwinde das Gefühl dafür, dass die eigene Arbeitsweise diskriminierend sein kann. „Es bedarf regelmäßiger Schulungen“, fordert auch Klinikdirektor Keikawus Arastéh. Die fänden zwar statt, das Thema HIV werde aber mehr schlecht als recht behandelt, so Arastéh. „Ich kann aus meiner Erfahrung empfehlen: Möglichst wenig Powerpoint, lieber persönlich mit den Menschen sprechen. Dann bleibt mehr hängen.“</p>
<p><strong>Weitere Beiträge zum Thema:</strong></p>
<p><a title="Arastéh: &quot;Aufblühender Kontrollwahn&quot;" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/aufbluehender-kontrollwahn/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (2): „Aufblühender Kontrollwahn“ &#8211; Interview mit dem HIV-Mediziner Dr. Keikawus Arastéh </a></p>
<p><a title="Lambertin fordert Verbot" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/ein-hiv-test-schafft-nur-neue-probleme/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (3): DGB-Referent Knut Lambertin fordert Verbot </a></p>
<p><a title="Jacob Hösl: Geschützt durchs AGG" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/hiv-test-in-der-einstellungsuntersuchung-unzulaessig/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (4): Gesetzlich geschützt vor HIV-Tests &#8211; Eine Einschätzung von Rechtsanwalt Jacob Hösl </a>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sie-wissen-nicht-was-sie-tun/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Aufblühender Kontrollwahn“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/aufbluehender-kontrollwahn/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/aufbluehender-kontrollwahn/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2014 13:55:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Einstellungsuntersuchung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[HIV und Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Test]]></category>
		<category><![CDATA[Infektionsschutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=24773</guid>

					<description><![CDATA[Keikawus Arastéh ist einer der führenden HIV-Spezialisten Deutschlands. Wir sprachen mit ihm über diskriminierende HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen und die Situation HIV-positiver Mitarbeiter im Gesundheitswesen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <figure id="attachment_24775" aria-describedby="caption-attachment-24775" style="width: 150px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/Arasteh_Foto_600px.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-24775 size-thumbnail" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/Arasteh_Foto_600px-150x150.jpg" alt="Dr. Keikawus Arastéh" width="150" height="150" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/Arasteh_Foto_600px-150x150.jpg 150w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/Arasteh_Foto_600px-60x60.jpg 60w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/Arasteh_Foto_600px-230x230.jpg 230w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/Arasteh_Foto_600px-200x200.jpg 200w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></a><figcaption id="caption-attachment-24775" class="wp-caption-text">Dr. Keikawus Arastéh</figcaption></figure></p>
<p><strong>Keikawus Arastéh ist einer der führenden HIV-Spezialisten Deutschlands. Wir sprachen mit ihm über diskriminierende HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen und die Situation HIV-positiver Mitarbeiter im Gesundheitswesen.</strong></p>
<p><strong>Herr Arastéh, in vielen Gesundheitsberufen wird bei der Einstellungsuntersuchung ein HIV-Test verlangt. Wie ist die Praxis bei Ihnen am Klinikum?</strong></p>
<p>Der HIV-Test ist bei uns keine Einstellungsvoraussetzung. Er wird aber zur Zweituntersuchung angeboten.</p>
<p><strong>Lassen Sie sich auch im Hause testen?</strong></p>
<p>Nein. Wenn ich mich auf HIV testen lasse, dann nicht bei der Arbeit, sondern privat. Ein positives Testergebnis hat bei uns zwar keine beruflichen Konsequenzen, aber ich empfehle jedem, den Sero-Status außerhalb des Berufsumfeldes zu klären.</p>
<p><strong>Was spricht gegen den HIV-Test am Arbeitsplatz?</strong></p>
<p>Ein HIV-Test sollte nicht mal eben eingeschoben werden. Das Problem ist, dass nicht alle Kollegen vom Medizinischen Dienst ausreichend geschult sind, eine verständnisvolle Aufklärung über Risiken und Nutzen des HIV-Testes zu gewährleisten. Es ist wichtig, dass der Getestete eine vernünftige Beratung bekommt, auch in Hinsicht auf die Arbeitssicherheit in medizinischen Berufen. Das erfordert ein gewisses Know-how. Der Betriebsarzt sollte auch wissen, wo er sich im Zweifel fachlichen Rat holt. Außerdem sollte sich der Getestete im Vorfeld darüber klar sein, welche Konsequenzen so ein HIV-Test in beiden Fällen – positiv oder negativ – haben kann. Da geht es ja nicht um Natrium, Kalium und Harnstoff.</p>
<blockquote><p>„Ein HIV-Positiver, der sich behandeln lässt, kann überall arbeiten“</p></blockquote>
<p><strong>Sehen Sie Arbeitsbereiche, wo HIV-Positive grundsätzlich nicht arbeiten sollten?</strong></p>
<p>Ein HIV-Positiver, der sich behandeln lässt, kann überall arbeiten. Die Viruslast ist dann so gering, dass eine Infektion unmöglich ist. Eine Infektionsmöglichkeit besteht nur bei hoher Viruslast und auch dann nur bei stark invasiven chirurgischen Eingriffen, bei denen die Verletzungsgefahr des eigenen Leibes erhöht ist. Dann kann es zum Austausch von Körperflüssigkeiten kommen. Diese Situation ist sensibel, sie gilt es zu vermeiden.</p>
<p><strong>Ein positives Testergebnis hat für Angestellte in Gesundheitsberufen oft gravierende Konsequenzen bis hin zur Entlassung …</strong></p>
<p>… wie in dem Fall eines pharmazeutischen Assistenten aus Berlin. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass er als HIV-Positiver vom Allgemeinen Gesetz zur Gleichbehandlung geschützt war, weil HIV im Sinne dieses Gesetzes eine Behinderung ist. Darauf können sich aber Menschen mit HIV noch nicht immer verlassen. Aus meiner Sicht ist es skandalös, dass Arbeitgeber Menschen mit medizinisch unsinnigen Vorschriften ausgrenzen können – die müssen erst bis vors höchste Gericht gehen, um ihr Recht zu bekommen.</p>
<blockquote><p>Kündigungen von HIV-Positiven: „Medizinisch ist das absurd“</p></blockquote>
<p><strong>Sind Kündigungen von HIV-Positiven medizinisch gerechtfertigt?</strong></p>
<p>Nein, zu keiner Zeit. Medizinisch ist das absurd. Derzeit blüht überall wieder dieser Kontrollwahn auf. In manchen Bundesländern wollen die Ärztekammern sogar Zwangstestungen von Patienten salonfähig machen: Bereits vorhandene Blutproben sollen gegen ausdrücklichen Patienten-Wunsch auf HIV getestet werden dürfen, zum Beispiel wenn sich ein Arzt mit einer Nadel gestochen hat. Die Ethikkommission der Bundesärztekammer hat dieses Ansinnen – nach ausdrücklichem Rat der Experten sowie der Deutschen AIDS-Gesellschaft – verworfen.</p>
<p><strong>Aber ist dieser Wunsch in so einer Situation nicht verständlich?</strong></p>
<p>Einige Kollegen behaupten, sie müssten wissen, ob ein Patient HIV-positiv ist oder nicht. In dieser Situation wird routinemäßig vor jeder OP ein HIV-Test gemacht. Das ist selten dämlich. Liegt die HIV-Infektion erst drei bis sechs Wochen zurück, fällt der HIV-Test negativ aus. Er kann also nur Auskunft über den Sero-Status vor etwa einem Monat geben. Wieso sollte ich meine Schutzmaßnahmen von einem solchem Testergebnis abhängig machen? Das macht keinen Sinn. Das Fachpersonal sollte immer so agieren, als <em>sei </em>der Patient HIV- oder Hepatitis-C-positiv. Die gängigen Hygienestandards reichen vollkommen aus.</p>
<p><strong>Wieso bestehen manche trotzdem auf den HIV-Test, sogar bei Kollegen?</strong></p>
<p>Das ist Ideologie. Da rührt sich eine Vorstellung, die nie ganz weg war. Früher dachte ich, dass wir hier in Deutschland ein besonderes Erfolgsmodell entwickelt haben, um mit dem Problem HIV umzugehen – ein Exportschlager wie Mercedes-Benz. Diese erfolgreiche Präventionspolitik steht derzeit wieder in Frage, spätestens seit dem Umgang mit der Sängerin Nadja Benaissa. Sie wurde nach einem Konzertauftritt in aller Öffentlichkeit verhaftet und am Ende mit Verweis auf eine HIV-Infektion verurteilt. Dabei waren auch bei dieser HIV-Infektion zwei Personen beteiligt. Die Solidarität mit HIV-Positiven ist weggebrochen. Heute gilt: Der HIV-Negative genießt Sex und Rock ’n’ Roll, und der HIV-Positive muss die Aufklärung und Prävention leisten. Viele glauben inzwischen, dass HIV allein ein Problem von Drogengebrauchern und Schwulen ist. Alle anderen haben eine freie Spielwiese – sofern kein Fremder in den Garten einbricht. Aber dann wollen sie Polizei und Gesetze auf ihrer Seite haben.</p>
<blockquote><p>„Ich wüsste keinen Fall, wo ein HIV-Test ohne Zustimmung des Patienten notwendig ist“</p></blockquote>
<p><strong>Wo ist der Einsatz von HIV-Tests sinnvoll?</strong></p>
<p>Der HIV-Test ist sinnvoll, um die Situation des getesteten Menschen einzuschätzen. Ist er HIV-positiv, sollte er sich regelmäßig untersuchen und – sobald erforderlich – behandeln lassen. Das ist erst einmal der Sinn des Tests! Dann betrifft die Diagnose natürlich auch den Umgang mit anderen Menschen. Im Krankenhaus oder in der Praxis geht es zum Beispiel um Stichverletzungen. Die werden durch bessere Schutzmaßnahmen immer seltener in Deutschland</p>
<p><strong>Angenommen, es kommt dennoch zu einer Stichverletzung …</strong></p>
<p>…dann will man natürlich wissen: Enthält das Blut übertragbare Viren, zum Beispiel Hepatitis C oder HIV? Bei HIV kann eine Post-Expositions-Prophylaxe, kurz PEP, die Infektionsgefahr deutlich senken. Das Zeitfenster ist sehr eng. Der Arzt muss binnen Stunden entscheiden: Ist eine PEP notwendig oder nicht? Aber in der Regel kennt der Patient ja seinen Sero-Status. Falls nicht, sollte es durchaus möglich sein, von ihm die Einwilligung zu einem HIV-Test zu bekommen. Es handelt sich ja um Personen, die sich dem medizinischen Fachpersonal anvertraut haben. Ich wüsste keinen Fall, wo ein HIV-Test ohne Zustimmung des Patienten notwendig ist. Im begründeten Zweifelsfall tendieren fast alle Behandler eher zu einer prophylaktischen Gabe.</p>
<p><strong>Die Befürworter von Zwangstestungen verweisen oft auf Arbeitsunfälle von Rettungssanitätern, zum Beispiel im Umgang mit Menschen, die intravenös Drogen gebrauchen.</strong></p>
<p>Hier liegt die Entscheidung über eine PEP im Ermessenspielraum des behandelnden Arztes. In der Regel würde ich auf reinen Verdacht hin keine PEP empfehlen. Ist der Betroffene panisch, dann würde ich zur Überbrückung eine PEP verschreiben. Meist lässt sich der Sero-Status nach einigen Tagen klären, dann kann man die PEP wieder absetzen. In jedem Fall sollte Rat eingeholt werden von infektiologisch tätigen Kollegen, die sich mit HIV auskennen.</p>
<blockquote><p>„Im Arbeitsumfeld sollte das Outing der Diagnose wohlüberlegt sein!“</p></blockquote>
<p><strong>Gibt es bei Ihnen im Team Vorbehalte im Umgang mit HIV-positiven Kollegen?</strong></p>
<p>Nein, das habe ich hier noch nie erlebt. Das Vivantes-Auguste-Viktoria-Klinikum ist aber eine besondere Umgebung: Hier ist HIV völlig normal. Außerhalb ist HIV aber oft noch eine Besonderheit, vor der auch Fachleute Angst haben, weil sie wenig darüber wissen. Es ist oft schwierig, das hohe Fachwissen bei allen Beschäftigten zu garantieren.</p>
<p><strong>Wie kann im Klinikalltag mehr Wissen über HIV geschaffen werden?</strong></p>
<p>Es bedarf regelmäßiger Schulungen. Die finden auch statt, aber das Thema HIV wird da eher schlecht als recht behandelt. Ich kann aus meiner Erfahrung empfehlen: Möglichst wenig Powerpoint, lieber persönlich mit den Menschen sprechen, dann bleibt mehr hängen.</p>
<p><strong>Wie offen sollte ein HIV-positiver Mitarbeiter im Gesundheitsbereich mit seiner Infektion umgehen?</strong></p>
<p>Davon rate ich persönlich grundsätzlich ab. Es gibt ja Menschen, die sich entlasten wollen, indem sie möglichst viele in Kenntnis setzen. Das ist gefährlich, denn am Ende ist viel zerschlagen und lässt sich nicht mehr kitten. Man erzählt ja auch nicht jedem, dass man eine Syphilis hat – eine Krankheit mit einem ähnlich hohen Stigma wie HIV. Die Menschen, die es betrifft, sind von ihrer Infektion ja meist nicht mehr in ihrer Arbeit eingeschränkt. Insofern besteht auch kein Erklärungsbedarf. Mein Rat ist klar: Im Arbeitsumfeld sollte das Outing der Diagnose wohlüberlegt sein!</p>
<p><strong>Schadet es dem Image einer Klinik, wenn bekannt wird, dass dort auch Fachkräfte mit HIV arbeiten?</strong></p>
<p>Mir ist kein Fall bekannt. Früher hatten allerdings andere Patienten und Angehörige gelegentlich die Sorge, sie könnten sich auf einer gemeinsamen Toilette infizieren und verlangten ein anderes Zimmer. Dann haben wir die Patienten getrennt. Aber solche Beschwerden sind äußerst selten geworden.</p>
<p><em> <strong>Priv.-Doz. Dr. Keikawus Arastéh</strong> ist Klinik-Direktor am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin und Chefarzt für Innere Medizin, Infektiologie und Gastroenterologie. Arastéh ist ausgewiesener HIV-Spezialist, unter anderem ist er Mitautor der Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.</em></p>
<p><strong>Weitere Beiträge zum Thema:</strong></p>
<p><a title="Arastéh: &quot;Aufblühender Kontrollwahn&quot;" href="Bei%20Einstellung HIV-Test (2)" target="_blank" rel="noopener"> </a><a title="Sie wissen nicht, was sie tun" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/sie-wissen-nicht-was-sie-tun/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (1): Sie wissen nicht, was sie tun</a></p>
<p><a title="Lambertin fordert Verbot" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/ein-hiv-test-schafft-nur-neue-probleme/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (3): DGB-Referent Knut Lambertin fordert Verbot </a></p>
<p><a title="Jacob Hösl: Geschützt durchs AGG" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/hiv-test-in-der-einstellungsuntersuchung-unzulaessig/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (4): Gesetzlich geschützt vor HIV-Tests &#8211; Eine Einschätzung von Rechtsanwalt Jacob Hösl </a>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/aufbluehender-kontrollwahn/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Ein HIV-Test schafft nur neue Probleme“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ein-hiv-test-schafft-nur-neue-probleme/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ein-hiv-test-schafft-nur-neue-probleme/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philip Eicker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2014 13:55:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[DGB]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Einstellungsuntersuchung]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaften]]></category>
		<category><![CDATA[HIV und Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[ILO]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=24787</guid>

					<description><![CDATA[Knut Lambertin, DGB-Referent für Gesundheitspolitik fordert ein Verbot von HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen. Ein Gespräch über Sonderregeln für HIV und den ausbaufähigen Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="block block--type-classic">
<div class="l-container">
<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <figure id="attachment_24791" aria-describedby="caption-attachment-24791" style="width: 150px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/HIV-Test-Lambertin-Portraetfoto-4625.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-24791 size-thumbnail" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/HIV-Test-Lambertin-Portraetfoto-4625-150x150.jpg" alt="DGB-Referent Knut Lambertin" width="150" height="150" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/HIV-Test-Lambertin-Portraetfoto-4625-150x150.jpg 150w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/HIV-Test-Lambertin-Portraetfoto-4625-60x60.jpg 60w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/HIV-Test-Lambertin-Portraetfoto-4625-230x230.jpg 230w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2014/11/HIV-Test-Lambertin-Portraetfoto-4625-200x200.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /></a><figcaption id="caption-attachment-24791" class="wp-caption-text">Knut Lambertin</figcaption></figure></p>
<p><strong>Knut Lambertin, DGB-Referent für Gesundheitspolitik fordert ein Verbot von HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen. Ein Gespräch über Sonderregeln für HIV und den ausbaufähigen Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern</strong></p>
<p><strong>Herr Lambertin, Krankenschwestern und Pfleger werden bei der Einstellungsuntersuchung routinemäßig auf HIV getestet.</strong><strong> Ist das okay?</strong></p>
<p>Nein, wir vom DGB sind dagegen. Die Diskriminierung ist viel zu stark und hat letztendlich keinerlei Auswirkung auf Arbeitssicherheit. Ein HIV-Test löst keine Probleme, sondern schafft nur neue – die der Diskriminierung. Falls einer positiv getestet wird, besteht die Gefahr, dass bald die ganze Betriebsöffentlichkeit davon erfährt. Betriebe sind wie Dörfer. Weiß es einer, wissen es irgendwann alle.</p>
<p><strong>Trotz der ärztlichen Schweigepflicht?</strong></p>
<p>Die betriebliche Realität ist manchmal eine andere – trotz Schweigepflicht. Der Betriebsarzt ist dem Unternehmer direkt unterstellt.</p>
<blockquote><p>„Die BRD sollte die ILO-Empfehlung umsetzen und den HIV-Test zur Einstellung gesetzlich verbieten“</p></blockquote>
<p><strong>Wie könnte man die Beschäftigten vor dieser Diskriminierung schützen?</strong></p>
<p>Das kann man nur durch ein grundsätzliches Verbot verhindern: kein HIV-Test bei der Einstellungsuntersuchung. Wir haben uns auch dafür eingesetzt, dass in der <a title="Empfehlung 200" href="http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---ed_protect/---protrav/---ilo_aids/documents/normativeinstrument/wcms_150809.pdf">Empfehlung 200 der Internationalen Arbeitsorganisation</a> darauf Bezug genommen wird. Dort steht nun: „Von keinem Arbeitnehmer sollte verlangt werden, sich einem HIV-Test zu unterziehen oder seinen HIV-Status preiszugeben.“</p>
<p><strong>Wie könnte man dieses Verbot umsetzen?</strong></p>
<p>Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Man kann das über Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen regeln. Bei einigen Gesundheitsberufen ist ein HIV-Test allerdings immer noch vorgeschrieben. Der beste Weg wäre es, wenn die Bundesrepublik die ILO-Empfehlung umsetzt und den HIV-Test zur Einstellung gesetzlich verbietet.</p>
<p><strong>Wie haben ihre Mitgliedsgewerkschaften auf die Empfehlung reagiert? Für die Gesundheitsberufe wäre ja Verdi zuständig.</strong></p>
<p>Ich muss ganz ehrlich sagen: HIV könnte ein größeres Thema sein. Unsere Gewerkschaftskollegen, die in Betriebs- oder Personalräten für Gesundheit zuständig sind, beschäftigen sich in der Regel nicht mit Infektionskrankheiten wie HIV. Im Vordergrund stehen der Arbeitsschutz und die Betriebliche Gesundheitsförderung. Sie sind da mit einer Vielzahl von Vorschriften konfrontiert, die kaum zu überwachen sind.</p>
<blockquote><p>„Jeder HIV-Test ist ja nur eine Momentaufnahme“</p></blockquote>
<p><strong>Ist dann ein Routinetest nicht die praxisnähere Lösung?</strong></p>
<p>Nein, er gaukelt nur Sicherheit vor. Jeder HIV-Test ist ja nur eine Momentaufnahme. Entscheidend für die Gesundheitsvorsorge sind sorgfältige Hygienemaßnahmen und gute Beratung – keine einmaligen Tests bei der Einstellung. Für HIV gelten da immer noch Sonderregeln, andere Infektionskrankheiten werden dagegen sträflich vernachlässigt. Nehmen Sie Masern: Wir haben in Deutschland regelmäßig regionale Masernepidemien. Von einer regionalen HIV-Epidemie habe ich dagegen noch nie etwas gehört.</p>
<p><strong>Die Diskriminierung von HIV-Positiven in Gesundheitsberufen geht oft von Kolleginnen und Kollegen aus. Sie fürchten eine HIV-Infektion, obwohl im Arbeitsalltag gar keine besteht</strong><strong>. </strong><strong>Wie könnte man diese Angst zerstreuen?</strong></p>
<p>Wenn Sie einen normalen Chirurgen fragen würden „Darf ein Arzt mit HIV operieren?“, dann würde der antworten: Nein. Das Problem ist, dass in diesen Berufen die Aufklärung und Prävention hinsichtlich übertragbarer Krankheiten nicht funktioniert. Und das betrifft bei Weitem nicht nur HIV…</p>
<p><strong>… sondern auch?</strong></p>
<p>Ich kenne deutsche Kliniken, in denen so einfache Hygienemaßnahmen wie die Handdesinfektion nicht funktionieren. Diese Desinfektionsapparate sind ja überall installiert worden und haben ein ganz charakteristisches Geräusch. Beim Benutzen macht es klack-klack. Achten Sie mal darauf, wenn Sie das nächste Mal im Krankenhaus sind – Sie werden das Geräusch nicht oft hören. Ich war zuletzt im Frühjahr zu Besuch im Krankenhaus und habe nie „Klack-Klack“ gehört. Die Todesraten in Krankenhäusern habe durchaus etwas mit schlechten Hygienebedingungen zu tun.</p>
<blockquote><p>„Unter-, Über- und Fehlversorgung sind immer noch große Probleme in unserem Gesundheitswesen“</p></blockquote>
<p><strong>Viele Ärzte fordern sogar HIV-Testmöglichkeiten ohne das Wissen der Getesteten. Ist das ein Ablenkungsmanöver von diesen Missständen?</strong></p>
<p>Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich kann mir vorstellen, dass viele Ärzte glauben, die herkömmlichen Infektionskrankheiten im Griff zu haben und sich deswegen auf HIV konzentrieren. Es ist ja so, dass nicht alle Ärzte Epidemiologen sind. Aber nur anhand epidemiologischer Daten kann man einordnen, wie groß die Übertragungsrisiken bei einzelnen Infektionskrankheiten sind.</p>
<p><strong>Das klingt pessimistisch.</strong></p>
<p>Eher realistisch. Die meisten, die sich mit Gesundheitspolitik beschäftigen, neigen nicht zu übertriebenen Arztgängen und Aufenthalten im Krankenhaus. Das hat Gründe: Unter-, Über- und Fehlversorgung sind immer noch große Probleme in unserem Gesundheitswesen.</p>
<p><em><strong>Knut Lambertin (44)</strong> leitet das Referat „Gesundheitspolitik/Krankenversicherung“ beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Lambertin war Vertreter für die deutschen Arbeitnehmer im Ausschuss „HIV/Aids in der Welt der Arbeit“ der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO; engl. ILO). 2010 hat die ILO dort die <a title="ILO-Empfehlung zu HIV am Arbeitsplatz" href="http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---ed_protect/---protrav/---ilo_aids/documents/normativeinstrument/wcms_150809.pdf" target="_blank" rel="noopener">„Empfehlung 200“ zu HIV am Arbeitsplatz</a> verabschiedet. Dort heißt es unmissverständlich: „Von keinem Arbeitnehmer sollte verlangt werden, sich einem HIV-Test zu unterziehen oder seinen HIV-Status preiszugeben.“</em></p>
<p><a title="Arastéh: &quot;Aufblühender Kontrollwahn&quot;" href="Bei%20Einstellung HIV-Test (2)" target="_blank" rel="noopener"> </a><a title="Sie wissen nicht, was sie tun" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/sie-wissen-nicht-was-sie-tun/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (1): Sie wissen nicht, was sie tun</a></p>
<p><a title="Arastéh: &quot;Aufblühender Kontrollwahn&quot;" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/aufbluehender-kontrollwahn/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (2): &#8222;Aufblühender Kontrollwahn&#8220; &#8211; Interview mit HIV-Mediziner Dr. Keikawus Arastéh </a></p>
<p><a title="Jacob Hösl: Geschützt durchs AGG" href="https://magazin.hiv/2014/11/30/hiv-test-in-der-einstellungsuntersuchung-unzulaessig/" target="_blank" rel="noopener">Bei Bewerbung HIV-Test (4): Gesetzlich geschützt vor HIV-Tests &#8211; Eine Einschätzung von Rechtsanwalt Jacob Hösl </a>
      </div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ein-hiv-test-schafft-nur-neue-probleme/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>

<!--
Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: https://www.boldgrid.com/w3-total-cache/?utm_source=w3tc&utm_medium=footer_comment&utm_campaign=free_plugin

Page Caching using Disk: Enhanced 
Database Caching 21/87 queries in 0.026 seconds using Disk

Served from: magazin.hiv @ 2026-04-24 06:39:13 by W3 Total Cache
-->