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	<title>Sophie Neuberg, Author at magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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	<title>Sophie Neuberg, Author at magazin.hiv</title>
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		<title>„Die schlimmen Erlebnisse sind hart, zum Glück gibt es auch positive“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2015 15:49:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Blaise* ist Musiker und kommt aus Benin. Als Schwarzer und wegen seiner HIV-Infektion hat er schon häufiger Diskriminierung erlebt. Sophie Neuberg hat mit ihm darüber gesprochen.]]></description>
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        <strong>Blaise* ist Musiker und kommt aus Benin in Westafrika. Als Schwarzer und wegen einer HIV-Infektion hat er schon häufiger Diskriminierung erlebt. <em>Sophie Neuberg</em> hat mit ihm darüber gesprochen.</strong></p>
<p><strong>Blaise, hast du schon Erfahrungen mit Rassismus und HIV-bedingter Diskriminierung in Deutschland gemacht?</strong></p>
<p>Ja, und beides überlagert sich zum Teil: Ich kam vor 15 Jahren nach Deutschland für eine Tournee. Es war Winter, sehr kalt und ich habe plötzlich auf der Straße das Bewusstsein verloren. Ich wachte im Krankenhaus auf. Es wurden viele Untersuchungen gemacht, und ein schlimmes Erlebnis war, dass man mich in einen Raum brachte, auszog und einer ganzen Gruppe von Studenten vorführte. Das war demütigend. Ich fühlte mich als Afrikaner herabgesetzt. Ich verstand damals kein Wort Deutsch, niemand hatte mich gefragt, ob ich damit einverstanden war.</p>
<blockquote><p>„Dann fühle ich mich unerwünscht“</p></blockquote>
<p>Später überbrachte man mir die Nachricht, ich hätte Aids. Da brach mein ganzes Leben zusammen, ich aß nichts mehr und wollte nur noch sterben. Aber es gab dann auch eine positive Erfahrung, denn das Krankenhaus ließ jemanden von einer Aids-Beratungsstelle kommen. Er sprach sehr gut Französisch, besuchte mich mehrmals und machte mir immer wieder Mut, indem er sagte, man könne mit HIV eine Therapie bekommen und gut leben. Nach und nach fasste ich Vertrauen. Ich dachte an meinen Sohn in Benin und wollte doch noch für ihn leben. So blieb ich hier, um die Therapie anzufangen. Das war ursprünglich gar nicht mein Wunsch, ich war zu Hause als Musiker sehr erfolgreich und hatte ein gutes Leben. Es gibt aber auch Leute hier, die sagen „du hast Aids, deshalb bist du hierhergekommen“, das verletzt mich sehr. Dann fühle ich mich unerwünscht.</p>
<blockquote><p>„Ich wäre am liebsten im Boden versunken“</p></blockquote>
<p><strong>Im Photovoice-Projekt <a href="http://www.hiv-migration.de/content/afrolebenvoice-unsere-stimmen-gegen-diskriminierung">„AfroLebenVoice“</a> hast du auch ein Erlebnis geschildert, bei dem es um deine HIV-Infektion ging.</strong></p>
<p>Oh ja, das war eine furchtbare Geschichte! Ich hatte einen Fahrradunfall und blutete am Kopf. Die Leute waren erst sehr hilfsbereit, ich kam in die Notaufnahme eines Krankenhauses, und vier junge Ärzte kümmerten sich gleich um mich. Sie wollten mir helfen, das war deutlich zu spüren. Da nur einer Handschuhe trug, sagte ich: „Sie sollten Handschuhe anziehen, ich bin HIV-positiv.“ Daraufhin erstarrten ihre Gesichter, ich sah richtig die Angst in ihren Augen. Einer nach dem anderen verließ wortlos den Raum. Ich dachte erst, sie holen Handschuhe, aber keiner kam wieder. Ich lag zwei Stunden lang allein auf einer Bahre und blutete. Manchmal kamen Leute vorbei, zeigten auf mich und tuschelten – als wäre ich hier, um ganz Deutschland zu kontaminieren, das war mein Gefühl. Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Dabei hatte ich sie nur schützen wollen. Am Ende habe ich das Krankenhaus verlassen und bin mit einem Taxi in ein anderes Krankenhaus gefahren, wo man mich schon kannte.</p>
<p><strong>Das hört sich an, als sei das zu einer Zeit passiert, als man noch nicht so gut über Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten bei HIV informiert war.</strong></p>
<p>Du wirst es nicht glauben, aber das ist erst ein, zwei Jahre her. Und dann denkt man, wenn schon medizinisches Personal so auf HIV reagiert, wie soll die Allgemeinbevölkerung es besser wissen. Aufgrund dieser Erfahrung hätte ich heute Angst, für eine Operation ins Krankenhaus zu gehen. Ich habe gesehen, wie man mit mir umgegangen ist, als ich wach war. Was würde man denn mit mir machen, wenn ich unter Narkose bin?</p>
<blockquote><p>Aufklärung in Schulen</p></blockquote>
<p><strong>Was sollte man deiner Meinung nach gegen Diskriminierung tun?</strong></p>
<p>Man muss viel mehr informieren. Die Deutsche AIDS-Hilfe bildet Migranten als Multiplikatoren für die Präventionsarbeit aus, und ich stelle mir vor, dass wir mit einer Gruppe in Schulen, Universitäten, Deutschkurse gehen und dass wir einmal im Jahr an jeder Bildungsstätte im ganzen Land eine Stunde Aufklärung und Diskussion zum Thema HIV, Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten anbieten. Es gibt zwar Plakatkampagnen für Solidarität mit HIV-Positiven, das ist gut, reicht aber bei Weitem nicht aus. Denn werden sie überhaupt verstanden? Wenn man in die Schulen geht, können die Schüler Fragen stellen und Antworten bekommen, das ist entscheidend.</p>
<p><strong>Und gegen rassistische Vorurteile?</strong></p>
<p>Meine persönliche Haltung ist, solche Leute zu ignorieren. Wenn sie nur tuscheln und nicht den Mut haben, ihre Meinung zu sagen, brauche ich nicht mit ihnen zu reden. Das mag ich übrigens hier im Norden: Die Leute sind eher ehrlich und sagen ganz offen „ich mag dich nicht, ich will nichts mit dir zu tun haben“, oder sie wechseln die Straßenseite. Damit kann ich umgehen, das ist mir lieber, als wenn nach vorne freundlich getan wird und hintenrum wird getuschelt.</p>
<p>Leider werden alle Afrikaner über einen Kamm geschoren. Benin gilt zum Beispiel in Afrika als Land der Intellektuellen, als das „Quartier Latin“ Afrikas. Ein Diplom ist dort sehr wichtig, nicht Geld. Aber Leute hier wissen das nicht. Bei Polizeikontrollen wird man als Schwarzer immer kontrolliert. Die Polizei ist hier in der Regel höflich, aber es gibt solche und solche. Einmal habe ich auf der Straße ein großes Polizeiaufkommen gesehen, ich wusste nicht, was los war, und habe einen Beamten gefragt. Er erklärte mir ganz normal, dass es wegen einer Demo sei. Aber im Hintergrund hörte ich, wie ein anderer Polizist sagte: „Was will das Arschloch hier bei uns?“ Das tut weh und untergräbt das Vertrauen in die Institutionen.</p>
<blockquote><p>„Flüchtlinge wollen arbeiten, sich nützlich machen“</p></blockquote>
<p>Ich möchte auch ein positives Erlebnis erzählen: Vor ein paar Jahren habe ich meine Brieftasche im Bus verloren, sie war aus meiner Hosentasche gerutscht. Am Nachmittag klingelte es bei mir. Da stand eine Dame mit meiner Brieftasche in der Hand und sagte: „Das haben Sie im Bus verloren.“ Es fehlte nichts. So etwas erlebt man hier auch. Die schlimmen Erlebnisse sind sehr hart und prägend, aber es gibt zum Glück auch viele positive. Das Netzwerk <a href="http://www.hiv-migration.de/netzwerke/afrolebenplus">Afro-Leben plus</a> ist auch eine sehr gute Sache: Man trifft sich mit anderen HIV-positiven Migranten, das gibt einem enorm viel Kraft und Selbstbewusstsein.</p>
<p><strong>Was wünscht du dir von der Politik?</strong></p>
<p>Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten muss in den Lehrplan aller Schulen und Bildungsstätten aufgenommen werden! Das wäre wirklich sinnvoll. Das beschäftigt mich sehr, weil ich weiß, was diese Krankheit in meinem Leben kaputt gemacht hat, und das wünsche ich niemandem. Und ich wünsche mir, dass man Flüchtlingen erlaubt, zu arbeiten, auch den HIV-positiven. Flüchtlinge wollen arbeiten, sich nützlich machen. Wenn sie krank sind, ist es noch schlimmer: Sie haben vielleicht Schuldgefühle wegen der Krankheit, fühlen sich abgewertet, nutzlos, sind deprimiert, fangen manchmal an zu trinken. Viele haben Depressionen und wissen es nicht. Das habe ich sehr oft gesehen, das ist extrem traurig. Wenn man uns nicht umbringen will, muss man uns arbeiten lassen, damit wir uns in der Gesellschaft nützlich machen können.</p>
<blockquote><p>„Ich möchte etwas verändern“</p></blockquote>
<p><strong>Und was wünscht du dir für dich?</strong></p>
<p>Mir geht es vergleichsweise gut. Ich kann zwar nicht mehr auf der Bühne auftreten, habe aber eine Arbeit gefunden. Jetzt möchte ich versuchen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen, und politisch aktiv werden. In Benin war ich das viele Jahre, und das möchte ich jetzt auch hier. Ich möchte etwas verändern. Man muss sich neue Wege überlegen, sonst wird man auf dieser Welt nicht mehr leben können.</p>
<p><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>
<p>* Name geändert
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
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		<title>Fantastische Paare: «Les couples imaginaires» von Olivier Ciappa</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Aug 2013 14:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe für alle]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
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		<category><![CDATA[Olivier Ciappa]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="Apple-style-span" style="color: #304454;">Der Fotograf und Zeichner Olivier Ciappa hat Prominente gebeten, sich als Homo-Paare fotografieren zu lassen. Als Botschafter für die „Homo-Ehe“ und gegen Diskriminierung.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <b>Der Fotograf und Zeichner Olivier Ciappa hat Prominente gebeten, sich als Homo-Paare fotografieren zu lassen. Als Botschafter für die „Homo-Ehe“ und gegen Diskriminierung. Das Echo war überwältigend. <em>Sophie Neuberg</em></b><b> hat mit dem Künstler gesprochen</b></p>
<figure id="attachment_17434" aria-describedby="caption-attachment-17434" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2013/08/13/fantastische-paare-les-couples-imaginaires-von-olivier-ciappa/andre-techine/" rel="attachment wp-att-17434"><img decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-17434" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/08/André-Téchiné-180x180.png" alt="Mann hält Plakat vor der Brust" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-17434" class="wp-caption-text">Auch André Téchiné zählt zu den prominenten Unterstützern (Quelle: www.olivierciappa.com)</figcaption></figure>
<p>Er fotografiert in schwarz-weiß und hatte schon viele Berühmtheiten vor der Kamera, vor allem französische, aber auch internationale wie Whoopi Goldberg oder Tim Burton. Und kürzlich war der Künstler Olivier Ciappa in Frankreich in aller Munde, denn sein „Marianne“-Entwurf für die neue französische Briefmarke wurde von Präsident François Hollande unter drei Finalisten ausgewählt.</p>
<p>Die „Marianne“ ist das Frauengesicht auf den einfachen Briefmarken der französischen Post und stellt die Republik dar. Regelmäßig mit einem neuen Präsidenten kommt eine neue „Marianne“. Als Vorbilder dienten schon Brigitte Bardot und Catherine Deneuve, aber wer war Ciappas Modell? „Es waren verschiedene Frauen“, sagt er „aber hauptsächlich die Femen-Gründerin Inna Shevchenko“. <a href="http://http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/frankreich-streit-ueber-mariannen-vorbild-fuer-briefmarke-a-911586.html" target="_blank" rel="noopener">Eine barbusige Aktivistin auf ehrwürdigen Briefmarken? Die Konservativen in Frankreich tobten, </a>wollten einen Boykott gegen die Briefmarke anzetteln. Inna Shevchenko lachte sich kaputt: „Jetzt müssen die Konservativen meinen Hintern lecken, um einen Brief zu verschicken“, verkündete sie per Twitter.</p>
<figure id="attachment_17428" aria-describedby="caption-attachment-17428" style="width: 220px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2013/08/13/fantastische-paare-les-couples-imaginaires-von-olivier-ciappa/marianne/" rel="attachment wp-att-17428"><img decoding="async" class="size-full wp-image-17428 " src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/08/Marianne.png" alt="Francois Hollande vor neuer Briefmarke" width="220" height="220" /></a><figcaption id="caption-attachment-17428" class="wp-caption-text">Bild der neuen „Marianne“-Briefmarke (Foto: www.olivierciappa.com)</figcaption></figure>
<p>Und Olivier Ciappa? War das jetzt der Höhepunkt seiner Karriere? „Um Gottes willen“, sagt er „ich bin erst 34, ich hoffe nicht, dass ich bereits den Höhepunkt meiner Karriere erreicht habe.“</p>
<blockquote><p>„Ich wollte seit Jahren Bilder ohne Klischee sehen“</p></blockquote>
<p>Dem in Marseille geborenen Künstler, der keine Kunsthochschule besuchte, sondern sich vieles selbst beigebracht hat, liegt ein anderes aktuelles Projekt ohnehin mehr am Herzen: <a href="https://www.facebook.com/media/set/?set=a.539405909405510.127988.124526830893422&amp;type=3" target="_blank" rel="noopener">„Les couples imaginaires“</a>. Es handelt sich um eine Serie von Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen sich Prominente als ganz normale Homo-Paare haben ablichten lassen: Gemütlich zu zweit unter einer Kuscheldecke, zärtlich mit nacktem Oberkörper, lachend mit Kind in der Mitte, im Anzug mit Baby im Arm, manchmal auch als Comic- oder Fantasyfiguren gezeichnet, immer attraktiv, sympathisch und unaufgeregt. „Ich hatte seit Jahren das Bedürfnis, solche Bilder ohne Klischees zu sehen, mit denen jeder Hetero sich identifizieren kann“, erklärt Ciappa. Da er sie im Kino und in der Fotografie nicht sah, musste er selber tätig werden.</p>
<figure id="attachment_17432" aria-describedby="caption-attachment-17432" style="width: 540px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://magazin.hiv/2013/08/13/fantastische-paare-les-couples-imaginaires-von-olivier-ciappa/couples-imaginaires/" rel="attachment wp-att-17432"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-17432 " src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/08/couples-imaginaires.png" alt="zwei Frauen- und ein Männer-Paar mit Kind" width="540" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-17432" class="wp-caption-text">Prominente bilden „imaginäre Paare“ (Quelle: www.olivierciappa.com)</figcaption></figure>
<p>Mit den gleichen Prominenten gestaltete er auch Einzelporträts, auf denen sie ein Plakat für Gleichberechtigung halten: <a href="https://www.facebook.com/media/set/?set=a.646574655355301.1073741829.124526830893422&amp;type=3" target="_blank" rel="noopener">„Stop à l’homophobie. Mariage, adoption, filiation, PMA. OUI à l’égalité“</a> (Stopp Homophobie. Ehe, Adoption, Elternschaft, künstliche Befruchtung. JA zur Gleichheit). Darunter hat jede und jeder eine persönliche Botschaft hinzugefügt und unterschrieben. Manchmal einfach nur „Ja“, manchmal einen längeren Satz. Das war Ciappas Antwort auf die extrem aggressiven Demonstrationen gegen die Einführung der „Ehe für alle“ in Frankreich. Er wolle einerseits darauf hinwirken, dass sich Einstellungen verändern, andererseits Personen Trost spenden, die unter Homophobie zu leiden haben, sagt er.</p>
<blockquote><p> „Keiner hat nein gesagt“</p></blockquote>
<p>Um die Schauspieler und Schauspielerinnen, Sänger und Sängerinnen und anderen Showgrößen anzufragen, ging er zunächst den Weg einer offiziellen Anfrage bei den Künstleragenturen und -managern. Ohne Erfolg: Immer hatten die angefragten Künstler angeblich keine Zeit, oder es kam für sie nicht in Frage, ihr Gesicht für ein solch umstrittenes Thema wie die „Homo-Ehe“ zur Verfügung zu stellen. „Dann habe ich mich sechs Monate lang mit den Fans am Ausgang von Konzerthallen, Theatern usw. postiert und die Künstler direkt auf meine Idee angesprochen.“ Und siehe da: „Keiner hat nein gesagt!“</p>
<p>Mehr als hundert Prominente konnte er so für seine Fotokampagne gewinnen, darunter die Schauspieler und Schauspielerinnen Pierre Arditi, Isabelle Carré, Virginie Efira, Julie Gayet, Mélanie Laurent, Eva Longoria, Mathilde Seigner und Jean-Paul Rouve, TV-Moderator Antoine de Caunes, Politikerin Roselyne Bachelot, die Comedians Sophia Aram, François-Xavier Demaison und Fred Testot, die Sänger und Sängerinnen Sofia Essaïdi, Lara Fabian, Emmanuel Moire, Yael Naïm, Julie Zenatti und, und, und …</p>
<figure id="attachment_17430" aria-describedby="caption-attachment-17430" style="width: 440px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://magazin.hiv/2013/08/13/fantastische-paare-les-couples-imaginaires-von-olivier-ciappa/zerstorung/" rel="attachment wp-att-17430"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17430 " src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/08/Zerstörung.png" alt="Zerstörte Fotos vor Zaun" width="440" height="220" /></a><figcaption id="caption-attachment-17430" class="wp-caption-text">Rechte Gegner der „Ehe für alle“ zerstörten die Ausstellung (Quelle: www.olivierciappa.com)</figcaption></figure>
<p>Die Fotoreihe mit dem Plakat kam zuerst in die Öffentlichkeit und fand breiten Anklang in den Medien. Dann kam eine Ausstellung mit den Fotos der Fantasiepaare „Les couples imaginaires“ in und vor zahlreichen Rathäusern in Paris. Eine dieser Ausstellungen, die im Juni vor dem Rathaus des 3. Arrondissements stattfand, wurde sofort zweimal von Rechtsextremisten verwüstet. Olivier Ciappa war zunächst zutiefst schockiert, doch die Unterstützung, die er dann erfuhr, hat ihn wieder bestärkt. Die Fotos wurden neu neben den zerschnittenen Bildern aufgestellt: „Eine Liebesbotschaft neben einer Hassbotschaft“ sei dies für ihn. Hinzu kamen unzählige Kinderbilder und Botschaften, die Menschen an Ort und Stelle hinterlassen haben, um ihre Solidarität mit dem Künstler zum Ausdruck zu bringen. Mittlerweile wurden die Täter übrigens gefasst und verschiedene Organisationen haben Strafanzeige erstattet.</p>
<blockquote><p>„Aids hat viele Paare zerstört“</p></blockquote>
<p>Andere Gegner seines Tuns melden seine Fotos als anstößig bei Facebook an, sodass sie von seiner Facebook-Seite verschwinden. Aber das ist ihm egal, er stellt sie wieder auf die Seite und die Aufmerksamkeit wird dadurch nur größer. „So läuft das Spiel“, sagt er. Facebook macht er keinen Vorwurf: „Das läuft automatisch: Wenn eine bestimmte Anzahl Meldungen vorliegt, verschwinden die Fotos“, meint er.</p>
<p>Als nächstes ruft eine weitere Herausforderung: Olivier Ciappa will seine Fotos in Ländern ausstellen, die Homosexualität unter Strafe stellen, zum Beispiel im Iran. Und natürlich ist er auch diesmal guter Dinge, dass das klappen wird.</p>
<p>Im Herbst werden übrigens Fotos der „Couples imaginaires“ in Paris versteigert. Der Erlös wird Olivier Ciappa der <a href="http://www.aides.org" target="_blank" rel="noopener">französischen Aids-Organisation „AIDES“</a> spenden: „Durch Aids wurden viele Paare zerstört, viele Menschen blieben außerdem mit leeren Händen zurück, es waren sehr harte Situationen. Es geht mir darum, dieser frühen Opfer zu gedenken.“</p>
<figure id="attachment_17436" aria-describedby="caption-attachment-17436" style="width: 540px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://magazin.hiv/2013/08/13/fantastische-paare-les-couples-imaginaires-von-olivier-ciappa/gegen-homophobie/" rel="attachment wp-att-17436"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17436" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/08/Gegen-Homophobie.png" alt="Ein Mann, eine Frau und ein Männerpaar halten Plakate" width="540" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-17436" class="wp-caption-text">Prominente gegen Homophobie (Quelle: ww.olivierciappa.com)</figcaption></figure>
<p>&nbsp;
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein langer Weg zum starken Wir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 May 2013 07:44:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="Apple-style-span" style="color: #304454;">Gemeinsam sind wir stark – oder ist das ein großes Missverständnis? Fühlen sich Trans*-Menschen der schwul-lesbischen oder queeren Community zugehörig?</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>Gemeinsam sind wir stark – oder ist das ein großes Missverständnis? Fühlen sich Trans*-Menschen der schwul-lesbischen oder queeren Community zugehörig? <em>Sophie Neuberg </em>und<em> Susanne Reuber</em> haben mit Eva Casi von TXKöln und Arn Sauer von TransInterQueer e.V. gesprochen.</strong></p>
<p>Heutzutage ist kein Verein mehr einfach ein Schwulenverein, sondern „LGBT“, „lesbisch-schwul-trans-queer“ usw. Es darf offenbar nicht der Anschein erweckt werden, man würde jemanden vergessen oder gar ausschließen.</p>
<p>Der frühere „Schwulenverband in Deutschland“ (SVD) ist bereits vor Jahren zum <a href="http://www.lsvd.de" target="_blank" rel="noopener">„Lesben- und Schwulenverband“ (LSVD)</a> geworden. Auf seiner Homepage heißt es: „Wir wollen, dass Lesben, Schwule und Transgender als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Normalität respektiert und anerkannt werden“, und unter dem Menüpunkt „Bürgerrechte“ ist zu lesen: „Als Bürgerrechtsverband sind wir offen für Transgender und setzen uns für ihre Rechte ein.“ Auch andere Verbände oder Projekte, wie z.B. das Kölner Wohnprojekt <a href="www.villa-anders-koeln.de" target="_blank" rel="noopener">„Villa Anders“</a> , zeigen sich offen für Lesben, Schwule und Bi-/Transsexuelle.</p>
<blockquote><p>„Wen man liebt“ ist nicht gleich „Wer man ist“</p></blockquote>
<p>Aber wie sieht die Realität aus? Und wo finden sich Trans*-Menschen wieder in diesem weiten Feld? Ist die Öffnung für alle Gruppen aus dem LGBT-Spektrum eine positive Entwicklung oder bloß ein Feigenblatt? Fühlen sich Trans*-Menschen überhaupt der schwul-lesbischen oder queeren Community zugehörig? Oder fühlen sie sich durch solche Bestrebungen eher vereinnahmt?</p>
<p>„Vom Grundsatz her haben wir keine Berührungspunkte“, stellt Eva Casi*, Aktive im Selbsthilfeverein für Transidenten <a href="www.txkoeln.de" target="_blank" rel="noopener">TXKöln</a>, klipp und klar fest: „Schwul-lesbisch beschreibt, wen man liebt; Transidentität beschreibt, wer man ist.“ Doch als Minderheiten mit der Erfahrung des Coming-outs gebe es auch einiges Verbindende, betont sie: „Wir kennen zum Beispiel alle die Problematik, von der Gesellschaft schräg angesehen zu werden.“</p>
<figure id="attachment_16113" aria-describedby="caption-attachment-16113" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-16113 " src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/05/Villa-Anders-180x180.png" alt="Villa Anders" width="180" height="180" /><figcaption id="caption-attachment-16113" class="wp-caption-text">Das Kölner Wohnprojekt „Villa Anders“ ist auch offen für Trans*-Menschen (Foto: Villa Anders e.V.)</figcaption></figure>
<p>Diese dünne Linie zwischen Gemeinsamkeit und Unterschieden ist möglicherweise die Quelle vieler Schwierigkeiten. Denn egal wie ehrlich und offen sich Projekte und Vereine um die Beteiligung aller Personen bemühen, die in irgendeiner Form Geschlechterrollen und -identitäten in Frage stellen, die Interessen sind und bleiben unterschiedlich.</p>
<p>Im Wohnprojekt „Villa anders“ in Köln leben laut Eigenbeschreibung „Lesben, Schwule, Bi-/Transsexuelle mit offenen Heterosexuellen unter einem Dach“. Doch momentan sind es nur Schwule und Lesben – nicht mangels Offenheit, sondern einfach „mangels Masse“, meint Eva Casi: „Teilweise müssen wir transidente Menschen uns an die eigene Nase fassen und uns mehr einbringen“, so ihre Diagnose. Die „Villa Anders“ freut sich mittlerweile über transidente InteressentInnen, die voraussichtlich demnächst einziehen können.</p>
<blockquote><p>Selbstfindungsphase</p></blockquote>
<p>In einer Selbstfindungsphase suchen transidente Menschen oft nach einer Gruppe, die ihnen helfen kann. Viele künftige heterosexuelle Transfrauen landen bei ihrer Suche nach sich selbst zunächst in der schwulen Szene – so nach dem Motto „Vielleicht bin ich ja nur schwul?“. „Schon am ersten Abend fühlte ich mich in dieser Szene angenommen“, berichtet beispielsweise Denise Cline in ihrem biografischen Buch „Telefonate mit Denise“ – sicherlich stellvertretend für viele Transfrauen.</p>
<p>Später, in ihrer neuen Rolle angekommen, brauchen sie die Gruppe oder die Schwulenszene nicht mehr. Die meisten wollen sich in der Öffentlichkeit nicht als Trans* zu erkennen geben, sondern möglichst unauffällig in ihrem Wunschgeschlecht leben: „Wenn Leute wissen, dass du transident bist, dann kippt die Stimmung. Sie suchen bei dir immer nach Spuren des alten Geschlechts“, erklärt Eva Casi. Deshalb seien diejenigen, die in die Öffentlichkeit gehen, oft nicht repräsentativ. „Die Öffentlichkeit soll erfahren, dass es uns gibt und welche Probleme wir haben“, so Casi. Wer aber keine Probleme im Hier und Jetzt hat, möchte in der Regel mit seinem früheren Ich möglichst nicht mehr konfrontiert werden.</p>
<figure id="attachment_16118" aria-describedby="caption-attachment-16118" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-16118" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/05/LGBT-Symbol-180x180.png" alt="LGBT-Symbol" width="180" height="180" /><figcaption id="caption-attachment-16118" class="wp-caption-text">Das „T“ für Trans* darf in queeren Zusammenhängen kaum mehr fehlen</figcaption></figure>
<p>Lesbische Transfrauen oder schwule Transmänner wiederum nähern sich oft erst später an die lesbische oder schwule Communityan an. So hat die vielfältig engagierte Eva Casi in Köln einen Lesbenstammtisch mitgegründet und bewegt sich sowohl in Trans*- als auch in Lesbenzusammenhängen. Allerdings haben lesbische Transfrauen in der Lesbenszene nicht nur positive Erlebnisse. Einige Lesben haben ein Problem mit Transfrauen in ihren Reihen und würden sie am liebsten ausschließen, und manche Transfrauen seien aufdringlich und würden sich in den Vordergrund schieben. „Unter Umständen fühlen sich Lesben bedroht, wenn ein ‚Ex-Mann‘ sich so verhält“, berichtet Casi.</p>
<p>In Schwulenprojekten wiederum könne es die Befürchtung geben, dass knappe Ressourcen mit immer mehr Gruppen geteilt werden müssen, so Arn Sauer von TrIQ <a href="www.transinterqueer.org" target="_blank" rel="noopener">(TransInterQueer)</a>, einem Berliner Verein zur Beratung und Information für trans- und intergeschlechtliche sowie queer lebende Menschen. Er hat auch beobachtet, dass Transmänner oft eine Verbundenheit zur Lesbenszene beibehalten. „Das Zugehörigkeitsgefühl wechselt, bleibt gleich oder kommt neu dazu“, erzählt er.</p>
<blockquote><p>Das Zugehörigkeitsgefühl wechselt</p></blockquote>
<p>Hinzu kommt, dass aktuell hierzulande für Trans*- und Inter*-Menschen „mehr im Argen liegt als für Schwule und Lesben“, erklärt Arn Sauer weiter. So steht eine Reform des Transsexuellengesetzes bereits länger im Raum, Inter*-Menschen kämpfen für die Abschaffung von Geschlechtseinträgen oder zumindest die Möglichkeit eines dritten Geschlechtseintrags bei der Geburt und vor allem gegen geschlechtszuweisende Eingriffe an Kindern und Jugendlichen im nicht zustimmungsfähigen Alter.</p>
<p>Für Arn Sauer ist es aber wichtig, diese Themen solidarisch als Community durchzukämpfen. Deshalb sieht er die Einbeziehung von Trans*- und Inter*-Menschen in verschiedene Gruppen und Vereine als positiv. „Nur müssen die Repräsentation und die Selbstbestimmung von Trans*- und Inter*-Menschen eingelöst werden“, betont er, damit das „T“ oder „I“ im Namen keine bloße Alibifunktion erfüllen.</p>
<p>Für ihn ist dies in erster Linie keine private, sondern eine politische Frage: „Schwule und Lesben sind unsere Verbündete und Partner_innen. Wir können auch andere Partner_innen haben, zum Beispiel Menschenrechtsorganisationen, Behindertenverbände, Migrant_innengruppen, Aktivist_innen aus der Antipsychiatriebewegung – unsere Anliegen überschneiden sich.“</p>
<figure id="attachment_15898" aria-describedby="caption-attachment-15898" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-15898" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2013/04/30_Jahre_HIV-180x180.jpg" alt="HIV" width="180" height="180" /><figcaption id="caption-attachment-15898" class="wp-caption-text">Die HIV-Prävention von und mit Trans*-Menschen steht noch am Anfang</figcaption></figure>
<p>Was die HIV- und Aidsprävention angeht, steckt die Zusammenarbeit noch ganz am Anfang. Spezielle Angebote der Aidshilfen gibt es noch nicht, aber immerhin erste Gespräche. So würde sich Arn Sauer freuen, wenn der deutsche Datensatz der europaweiten<a href="http://www.emis-project.eu"> EMIS-Studie</a>, der größten jemals unternommenen Erhebung zu Sexualität und Gesundheitsverhalten von schwulen und bisexuellen Männern,  auch im Hinblick auf Trans*-Menschen analysiert würde. Eine solche Auswertung würde z. B. Erkenntnisse liefern über das Risikoverhalten und die HIV-Betroffenheit von Trans*-Menschen. Anhand dieser Ergebnisse sollte man dann Informationsmaterial speziell für Trans*-Menschen entwickeln, und zwar indem man ihre Expertise nutzt und nicht bloß „für sie“ arbeitet. „Das wäre auch Empowerment“, betont Arn Sauer. Bis dahin lässt sich nur analog zu Untersuchungen aus anderen Ländern annehmen, dass Trans*-Menschen von HIV und Aids im besonderen Maße betroffen sind, so wie sie übrigens auch in ihrer psychosozialen Gesundheit besonders gefährdet sind.</p>
<p>Zugehörigkeit zu einer Community ist offenbar veränderlich und fließend, ergibt sich aber auch nicht einfach von selbst. Damit „wir“ als große und starke Community nicht nur privat, sondern auch und vor allem politisch gemeinsam auftreten und Erfolge feiern können, sind von allen Seiten nicht nur Willensbekundungen, sondern auch Anstrengungen nötig.</p>
<p>*Name geändert</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Bücher und Texte zum Thema:<br />
</b></p>
<p>Jana Henschel &amp; Denise Cline: „Telefonate mit Denise. Eine Transsexuelle erzählt ihr Leben“, Berlin 2008</p>
<p><a href="http://www.hivandmore.de/archiv/2012-2/HIVm2_12_FoBi_Sauer.pdf" target="_blank" rel="noopener">Arn Thorben Sauer: „HIV und Trans*: Kein Thema oder viele?“</a>, HIV&amp;more 2/2012</p>
<p>kollektiv sternchen &amp; steine: „Begegnungen auf der Trans*Fläche – reflektiert 76 queere momente des transnormalen alltags“, Münster 2012</p>
<p><strong>Weitere Beiträge im DAH-Blog zum Thema:</strong></p>
<p>&#8211; <a href="https://magazin.hiv/2013/04/05/ankommen-im-eigenen-wunschgeschlecht/">Ankommen im Wunschgeschlecht</a></p>
<p>&#8211; <a href="https://magazin.hiv/2013/03/22/zwei-geschlechter-sind-nicht-genug/" target="_blank" rel="noopener">Porträt des Trans*mannes Kay Garnellen</a></p>
<p>&#8211; <a href="https://magazin.hiv/2013/03/22/alles-queer-oder-was/" target="_blank" rel="noopener">Glossar</a> zu Begriffen rund um Gender, Geschlechteridentitäten und Sexualitäten</p>
<p>&#8211; <a href="https://magazin.hiv/2013/04/18/neugeboren-in-casablanca/">Neugeboren in Casablanca.</a> Über den Dokumentarfilm „I Am A Woman Now“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bildunterschriften:</strong></p>
<p>&nbsp;
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Manchmal muss es eben MuMM sein</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 May 2012 15:24:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention & Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[MuMM]]></category>
		<category><![CDATA[Nozomi Spennemann]]></category>
		<category><![CDATA[Schulung]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Projekt MuMM der Deutschen AIDS-Hilfe hat in drei Städten Migrant_innen als Multiplikatoren für die HIV- und STI-Prävention in ihren Communities ausgebildet. Ein Berichtet vom Projektstandort Berlin.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>Das Projekt MuMM der Deutschen AIDS-Hilfe hat in drei Städten – Berlin, München und Freiburg – Migrantinnen und Migranten als Multiplikatoren für die HIV- und STI-Prävention in ihren Communities ausgebildet. <em>Sophie Neuberg</em> berichtet vom Projektstandort Berlin, wo 19 Frauen und Männer die Schulung durchlaufen haben.</strong></p>
<figure id="attachment_11913" aria-describedby="caption-attachment-11913" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/05/09/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/teilnehmer-berlin-zugeschnitten-220x220/" rel="attachment wp-att-11913"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-11913" title="Teilnehmerinnen und Teilnehmer MuMM-Schulung in Berlin zugeschnitten. Foto: Susanne Reuber" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/05/Teilnehmer-Berlin-zugeschnitten-220x220-180x180.jpg" alt="" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-11913" class="wp-caption-text">Teilnehmerinnen und Teilnehmer der MuMM-Schulung in Berlin. Foto: Susanne Reuber</figcaption></figure>
<p>Kürzlich ging der theoretische Teil der MuMM-Schulung zu Ende. Migrantinnen und Migranten, die bereits in sozialen Projekten arbeiten oder aus anderen Gründen gut in ihre Communities eingebunden sind, konnten hier lernen, wie man Botschaften der HIV-Prävention fachgerecht vermittelt. Die Schulung erstreckte sich über zwölf Sitzungen und gründete auf Erfahrungen, die im vorangegangenen Projekt PaKoMi in Sachen „Partizipation und Kooperation in der HIV-Prävention mit Migrantinnen und Migranten“ gemacht wurden.</p>
<blockquote><p>Vielfalt hat die Zusammenarbeit nicht gerade erleichtert, aber immer bereichert</p></blockquote>
<p>MuMM wurde an seinen Projektstandorten in Kooperation mit den lokalen Aidshilfen durchgeführt, in der Bundeshauptstadt in den Räumen der Berliner Aids-Hilfe. „In Berlin war die Zusammensetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer besonders gemischt“, berichtet Projektleiterin Nozomi Spennemann vom Verband für Interkulturelle Arbeit. „Sie stammten aus Afrika, Ostasien und Osteuropa und hatten sehr verschiedene Motivationen, Hintergründe und Sprachniveaus.“ Durch diese Vielfalt sei die Zusammenarbeit nicht immer leicht gewesen, doch immer sehr bereichernd.</p>
<figure id="attachment_11929" aria-describedby="caption-attachment-11929" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/05/09/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/tanja-und-nozomi-zugeschnitten-220x220-2/" rel="attachment wp-att-11929"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-11929" title="MuMM-Leiterinnen Tanja Gangarova und Nozomi Spennemann. Foto: Susanne Reuber " src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/05/tanja-und-nozomi-zugeschnitten-220x2201-180x180.jpg" alt="" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-11929" class="wp-caption-text">Schulungsleiterinnen Tanja Gangarova und Nozomi Spennemann. Foto: Susanne Reuber</figcaption></figure>
<p>Geschult wurde freitagnachmittags und in zwei Wochenendseminaren, insgesamt 65 Stunden. Die Themen waren breit gefächert. Vermittelt wurden Grundkenntnisse zu HIV/Aids und anderen (sexuell) übertragbaren Infektionen, zum Gesundheitssystem in Deutschland, zu Schwangerschaftsverhütung und Schadensminderung beim Drogenkonsum, aber auch moderne Methoden der Wissensvermittlung. Die jeweils mitgebrachten Erfahrungen und Kenntnisse unterschieden sich oft sehr. So kannten sich schwule Männer nicht unbedingt mit Schwangerschaftsverhütung aus. Manche Teilnehmer hatten bereits mit Drogen zu tun gehabt, andere nicht. „Drogen waren für mich ein ganz unbekannter Bereich“, erzählt Dorin aus Rumänien. Da er in seinem Heimatland HIV-positive Freunde habe, wollte er sich in diesem Feld engagieren und erfahren, wie es in Deutschland bearbeitet wird. Dabei habe er viel gelernt – durch die Schulung selbst, aber auch durch die Erfahrungen anderer Teilnehmerinnen und Teilnehmer.</p>
<blockquote><p>„Selber etwas konzipieren und umsetzen, was man für sinnvoll hält“</p></blockquote>
<figure id="attachment_11932" aria-describedby="caption-attachment-11932" style="width: 120px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/05/09/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/sergiu-zugeschnitten/" rel="attachment wp-att-11932"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11932" title="Schulungsleiter Sergiu Grimalschi von der Berliner Aids-Hilfe. Foto: Susanne Reuber" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/05/sergiu-zugeschnitten.jpg" alt="" width="120" height="145" /></a><figcaption id="caption-attachment-11932" class="wp-caption-text">Schulungsleiter Sergiu Grimalschi von der Berliner Aids-Hilfe. Foto: Susanne Reuber</figcaption></figure>
<p>Nach so viel Theorie gilt es nunmehr, auch praktische Erfahrungen zu sammeln. In Hospitationen sollen die Ausgebildeten Projekte kennenlernen, die mit Migration und Gesundheit zu tun haben, und dabei das Gelernte möglichst in die Tat umsetzen. Zum Abschluss der Schulung stellten sich daher verschiedene Einrichtungen vor, die frisch gebackenen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Einblick in ihre Arbeit geben wollen. Wie zum Beispiel das Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung Charlottenburg-Wilmersdorf, das Projekt „Afrika-Herz“ für Menschen aus afrikanischen Ländern, der „Frauentreff Olga“ für Drogenkonsumentinnen in der Prostitution, das Schoolwork-Projekt der Berliner Aids-Hilfe oder „subway“ für Jungs, die anschaffen gehen.</p>
<p>Wie und wo die Geschulten ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen, können sie selbst entscheiden. „Wir geben nicht vor, was sie nach der Schulung machen“, sagt Projektleiterin Tanja Gangarova von der Deutschen AIDS-Hilfe. „Wir unterstützen sie, damit sie selbst etwas konzipieren und umsetzen, was sie für sinnvoll halten.“</p>
<blockquote><p>„Man muss nicht prominent sein, um als Schlüsselperson zu fungieren“</p></blockquote>
<figure id="attachment_11942" aria-describedby="caption-attachment-11942" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/05/09/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/ulas-220-3/" rel="attachment wp-att-11942"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-11942" title="Ulaş möchte sein Wissen in türkischsprachigen Vereinen weitergeben. Foto: Susanne Reuber" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/05/ulas-2202-180x180.jpg" alt="" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-11942" class="wp-caption-text">Ulaş möchte sein Wissen in türkischsprachigen Vereinen weitergeben. Foto: Susanne Reuber</figcaption></figure>
<p>Ulaş zum Beispiel, der vor neun Jahren aus Ankara nach Berlin kam, möchte seine Kenntnisse am liebsten an Vorstände türkischsprachiger Vereine weitergeben. „Es gibt dort ein Potenzial, das man aktivieren müsste – Schlüsselpersonen können das. Um als Schlüsselperson zu fungieren, muss man nicht prominent sein, es reicht, dieses Wissen zu haben“, sagt der 34-jährige Informatiker. In türkischen Kreisen gilt er für viele bereits als Ansprechpartner für das Thema „Homosexualität und Gesundheit“. Doch zugleich ist ihm bewusst, dass er sein Projekt nicht allein stemmen kann: „Man bräuchte dafür mehr Leute, mehr Zeit und mehr Ressourcen.“</p>
<p>Der Rumäne Dorin hat bereits ein erstes Projekt realisiert: In Rumänien und Bulgarien verschenkt man am 1. März rot-weiße Armbänder mit dem Wunsch für gute Gesundheit, und diese Tradition hat er kurzerhand in Berlin umgesetzt. „Dabei bin ich gar nicht der Basteltyp“, lacht er, „aber ich habe tatsächlich 350 Armbänder geflochten!“. Die Armbänder wurden zusammen mit einer Kurzinfo über Safer Sex und einem Kondom in ein durchsichtiges Tütchen verpackt und an rumänische Prostituierte in der Bülowstraße und an Roma-Strichjungen verteilt. „Die Resonanz war überwältigend“, freut sich Dorin. „Rumänen und Bulgaren wissen sofort, was mit diesem Armbändchen gemeint ist – eine gute Möglichkeit also, einfache Präventionsbotschaften zu vermitteln.“</p>
<figure id="attachment_11915" aria-describedby="caption-attachment-11915" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/05/09/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/aktionstheater-zugeschnitten-220x220/" rel="attachment wp-att-11915"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-11915" title="Aktionstheater AfroLebenPlus. Foto: Susanne Reuber" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/05/aktionstheater-zugeschnitten-220x220-180x180.jpg" alt="" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-11915" class="wp-caption-text">Aktionstheater AfroLebenPlus. Foto: Susanne Reuber</figcaption></figure>
<p>Am letzten Schulungstag trat die Theatergruppe „AfroLebenPlus“ auf, die kurzweilige Szenen rund um die HIV-Prävention darbietet. Die Ausgebildeten waren begeistert, auch wenn sie sich nicht unbedingt vorstellen konnten, selbst im Rampenlicht zu stehen, wie etwa Dorin. Der 48-jährige Biochemiker, der bereits viel im Medizinbereich gearbeitet hat, möchte in einem Tuberkulose-Projekt hospitieren, zum Beispiel beim Gesundheitsamt Lichtenberg oder bei „Amaro Drom“, einem Projekt für Roma- und andere Jugendliche in Neukölln. „Ich denke, dass viele Aidskranke aus Osteuropa auch noch an Tuberkulose erkrankt sind. Es ist eine stille Krankheit, die mit schlechter Hygiene, schlechter Nahrung und schlechter Wohnsituation zusammenhängt.“</p>
<p>Sein Armbandprojekt möchte Dorin im nächsten Jahr am 1. März unbedingt noch einmal durchführen – dann aber mit mehr Vorbereitungszeit, um noch mehr Menschen zu erreichen.
      </p></div>
</p></div>
</p></div>
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		<title>KISS of life &#8211; selbstkontrollierter Drogenkonsum für mehr Gesundheit</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/kiss-of-life-selbstkontrollierter-drogenkonsum-fur-mehr-gesundheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 12:33:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention & Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenkonsum]]></category>
		<category><![CDATA[KISS]]></category>
		<category><![CDATA[Konsumtagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Joachim Körkel]]></category>
		<category><![CDATA[selbstkontrollierter Drogenkonsum]]></category>
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					<description><![CDATA[KISS – das steht für „Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum“. Dahinter verbirgt sich ein neues Programm, das Konsumenten legaler und illegaler Drogen helfen soll, ihren Konsum zu kontrollieren und damit ihr Leben zu verbessern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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<div class="l-content-column block-content content classic-content">
        <strong>KISS – das Kurzwort hört sich viel schöner an als die sperrige Langform „Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum“. Dahinter verbirgt sich ein relativ neues Programm, das Gebraucher/innen legaler und illegaler Drogen helfen soll, ihren Konsum selbst zu kontrollieren und damit ihr Leben zu verbessern. Von <em>Sophie Neuberg</em>.</strong></p>
<figure id="attachment_10401" aria-describedby="caption-attachment-10401" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/03/02/kiss-of-life-selbstkontrollierter-drogenkonsum-fur-mehr-gesundheit/400581_web_r_k_by_clara-diercks_pixelio-de/" rel="attachment wp-att-10401"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-10401" title="Ein Konsumtagebuch hilft beim selbstkontrollierten Drogengebrauch. Foto: Clara Diercks, pixelio.de" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/03/400581_web_R_K_by_Clara-Diercks_pixelio.de_-180x180.jpg" alt="Ein Konsumtagebuch hilft beim selbstkontrollierten Drogengebrauch. Foto: Clara Diercks, pixelio.de" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-10401" class="wp-caption-text">Ein Konsumtagebuch hilft beim selbstkontrollierten Drogengebrauch. Foto: Clara Diercks, pixelio.de</figcaption></figure>
<p>Das verhaltenstherapeutische Programm KISS richtet sich an Drogengebrauchende und Menschen in Drogenersatztherapie (Substitution), die an ihrem Drogenkonsum etwas ändern wollen, aber nicht abstinent leben können oder wollen. Der Schlüssel dazu heißt „selbstkontrollierter Konsum“.</p>
<p>Dabei geht es darum, den eigenen Drogengebrauch an einem zuvor festgelegten Konsumplan bzw. an Konsumregeln auszurichten. Um sich KISS anzueignen, sind zwölf Einzel- oder Gruppensitzungen vorgesehen, in denen man beispielsweise lernt, ein Konsumtagebuch zu führen, wöchentliche Konsumziele festzulegen oder mit Versuchungen und „Ausrutschern“ umzugehen. Üblicherweise wird zunächst individuell festgelegt, wie viele Tage in der Woche drogenfrei sein sollen, wie viel maximal an Konsumtagen genommen werden soll und wie viel insgesamt in der Woche.</p>
<blockquote><p>Abstinenz ist kein Muss</p></blockquote>
<p>Ziel von KISS ist es, den Umgang mit Drogen bewusst zu machen, die Änderungsmotivation zu stärken und Fertigkeiten zu vermitteln, die es dem Einzelnen ermöglichen, den Konsum zu reduzieren oder bestimmte Substanzen ganz abzusetzen. Denn im Gegensatz zu anderen Programmen ist es bei KISS nicht nötig, vollständige Abstinenz anzustreben. Dieses Ziel der klassischen Drogentherapie sei nämlich „in aller Regel unrealistisch“, erklärt Prof. Joachim Körkel, der seit 2005 das KISS-Programm in Deutschland umsetzt.</p>
<p>„Wenn jemand seit Jahrzehnten fünf bis sechs Substanzen konsumiert, kann man von ihm keine Abstinenz erwarten“, so der Psychologe. Es habe bislang an Programmen gefehlt, die auf die Bedürfnisse und Wünsche dieser Menschen zugeschnitten sind. Denn viele wollten auch gar keine Abstinenz anstreben, sondern vielmehr ihren Konsum so senken, dass er nicht ausufert und sie „mit ihrem Leben besser zurechtkommen“.</p>
<p>Bei illegalen Drogen ist Körkel mit diesem Ansatz ein Pionier. Vorher hat er jedoch schon mit einem ähnlichen Programm im Alkoholbereich gearbeitet, das in verschiedenen Ländern erfolgreich eingesetzt wird. Obwohl man oft höre, dass kontrollierter Konsum bei Alkoholabhängigen aufgrund des sogenannten Kontrollverlusts nicht möglich sei, habe er sich in Wirklichkeit als wirksam und erfolgreich erwiesen, so Körkel. Deshalb hält er die grundsätzliche Ablehnung dieses Ansatzes für ein Dogma.</p>
<blockquote><p>Das Wichtigste ist Respekt und Verzicht auf Vorschriften</p></blockquote>
<p>KISS schließt alle Arten von legalen und illegalen Suchtmitteln ein und ist somit nah an der Realität der Menschen, da viele Drogenabhängige auch alkoholabhängig sind, Alkohol aber in der Drogenhilfe oft kein Thema ist.</p>
<figure id="attachment_10402" aria-describedby="caption-attachment-10402" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/03/02/kiss-of-life-selbstkontrollierter-drogenkonsum-fur-mehr-gesundheit/koerkel_kontrolliertes-trinken-de/" rel="attachment wp-att-10402"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-10402" title="Prof. Joachim Körkel und sein Team schulen Fachleute aus der Drogenhilfe. Foto: kontrolliertes-trinken.de" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/03/koerkel_kontrolliertes-trinken.de_-180x180.jpg" alt="Prof. Joachim Körkel und sein Team schulen Fachleute aus der Drogenhilfe. Foto: kontrolliertes-trinken.de" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-10402" class="wp-caption-text">Prof. Joachim Körkel und sein Team schulen Fachleute aus der Drogenhilfe. Foto: kontrolliertes-trinken.de</figcaption></figure>
<p>Das Wichtigste für Prof. Körkel ist, respektvoll mit den Menschen umzugehen und ihnen keine Vorschriften zu machen. Jeder Teilnehmer bestimmt selbst im Gespräch mit dem KISS-Trainer, was seine Ziele sind. Es kann sein, dass jemand den Konsum einer oder zweier bestimmter Substanzen auf ein für ihn vernünftiges Maß einschränken oder auch ganz davon loskommen möchte. Es kann aber durchaus auch Aufgabe des Trainers sein, den Klienten auf überhöhte Ziele aufmerksam zu machen.</p>
<blockquote><p>Konsumgewohnheiten aufbrechen und den Weg zur Abstinenz anbahnen</p></blockquote>
<p>In den letzten Jahren hat Prof. Körkel mehr als 500 Fachleute in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschult, die das KISS-Programm nun im Rahmen der Drogenhilfe anbieten. Und das mit Erfolg: Eine in Frankfurt/Main durchgeführte Studie zeigte, dass die Teilnehmenden ihren Konsum um ca. ein Drittel reduzierten. Auch sechs Monate nach Abschluss der Sitzungen konnte der reduzierte Konsum illegaler Substanzen beibehalten werden. Manche stoppten die Einnahme bestimmter Substanzen ganz. Noch könne man nicht sagen, ob damit eine dauerhafte Abstinenz erreicht wurde, doch zeige sich, dass KISS Konsumgewohnheiten „aufbrechen“ und den Weg zur Abstinenz anbahnen könne, so Körkel.</p>
<p>Marco Jesse, Geschäftsführer des Kölner Drogenhilfevereins Vision e.V., ist einer der von Körkel und seinem Team geschulten KISS-Trainer. Ein besonders wichtiger Aspekt des Programms ist nach seiner Erfahrung, dass es „Druck von den Menschen nimmt“ und ihnen andere Möglichkeiten aufzeige als „schwarz oder weiß“ – das sei eine ganz andere Botschaft. Gerade Ältere, so Jesse, könnten oder wollten oft nicht abstinent sein, sondern wollten ihren Konsum so in den Griff bekommen, dass sie mit ihrem Geld klarkommen und nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Das Besondere an KISS sei, dass der Drogengebrauch der Teilnehmenden weder be- noch verurteilt werde.</p>
<blockquote><p>KISS hilft Substituierten, Beikonsum gezielt zu reduzieren</p></blockquote>
<p>Laut Jesse sind die KISS-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer begeistert und möchten nach Ende der zwölf Sitzungen das Konsumtagebuch und die Gruppe beibehalten. Leider kann dies der Drogenhilfeverein im Moment nicht leisten, weshalb Prof. Körkel derzeit an einem Anschlussprogramm arbeitet. Auch ist er mit Krankenkassen im Gespräch, damit diese die Kosten des Programms für Substituierte mit Beikonsum übernehmen. Seiner Ansicht nach wäre es auch im Interesse der Krankenkassen, dieses Programm zu finanzieren statt immer wieder neue Entgiftungstherapien. Die klassische Substitutionstherapie sieht nämlich keinen Beikonsum vor. Dieser ist aber verbreitet, denn „substituiert werden nur Opiate, das heißt Heroin“, erklärt Körkel. Wenn aber jemand mehrere Substanzen einnimmt, könne er nicht einfach auf einmal von allen wegkommen. Deshalb eigne sich das KISS-Programm auch für Substituierte: Es helfe ihnen, ihren Beikonsum gezielt zu reduzieren.</p>
<figure id="attachment_10403" aria-describedby="caption-attachment-10403" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/03/02/kiss-of-life-selbstkontrollierter-drogenkonsum-fur-mehr-gesundheit/marco_jesse_by_philip_eicker/" rel="attachment wp-att-10403"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-10403" title="KISS-Trainer Marco Jesse. Foto: Philip Eicker" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/03/Marco_Jesse_by_Philip_Eicker-180x180.jpg" alt="KISS-Trainer Marco Jesse. Foto: Philip Eicker" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-10403" class="wp-caption-text">KISS-Trainer Marco Jesse. Foto: Philip Eicker</figcaption></figure>
<p>Glücklicherweise ist es für interessierte Drogengebrauchende in Großstädten derzeit nicht schwer, einen Platz in einem KISS-Programm zu bekommen, da es von genügend Drogenhilfe-Einrichtungen kostenlos angeboten wird. Fachleute aus der Drogenhilfe, die sich für KISS interessieren, können sich von Prof. Körkel und seinen Mitarbeitern schulen lassen.</p>
<p>Prof. Körkel ist überzeugt, dass KISS sich für Drogenabhängige eignet, die durch Abstinenzangebote nicht, nicht mehr oder noch nicht erreicht werden können. KISS bietet sich auch als Begleitangebot zur Substitutionsbehandlung an, wenn der Beikonsum ihren Erfolg zu gefährden droht. Die mit dem KISS-Programm erreichte deutliche Reduzierung des Gesamtkonsums ermöglicht es, die soziale Lage der Klient(inn)en zu stabilisieren und ihren Gesundheitszustand zu verbessern, und trägt zugleich zu einem Rückgang der Beschaffungskriminalität und -prostitution bei. Außerdem lassen sich damit auch Kosten für stationäre Entgiftungsbehandlungen einsparen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen: <a href="http://www.kiss-heidelberg.de" target="_blank" rel="noopener">www.kiss-heidelberg.de</a>, <a href="http://www.kontrolliertes-trinken.de" target="_blank" rel="noopener">www.kontrolliertes-trinken.de</a>, <a href="http://www.vision-ev.de" target="_blank" rel="noopener">www.vision-ev.de</a>
      </div>
</p></div>
</p></div>
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		<title>Müssen sich Trans* sterilisieren lassen? Unterschriftenaktion gegen schwedisches Gesetz</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/global/mussen-sich-trans-sterilisieren-lassen-unterschriftenaktion-gegen-schwedisches-gesetz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 09:18:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtszugehörigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Sterilisation]]></category>
		<category><![CDATA[Transsexuelle]]></category>
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					<description><![CDATA[In Schweden sind Transgender und Transsexuelle  (kurz: Trans*) gezwungen, sich sterilisieren zu lassen, um eine Änderung ihrer Geschlechtszugehörigkeit zu erreichen. Dagegen regt sich jetzt Protest. Von <em>Sophie Neuberg</em> und <em>Susanne Reuber.</em>]]></description>
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        <strong>In Schweden sind Transgender und Transsexuelle  (kurz: Trans*) gezwungen, sich sterilisieren zu lassen, um eine Änderung ihrer Geschlechtszugehörigkeit zu erreichen. Dagegen regt sich jetzt Protest. Von <em>Sophie Neuberg</em> und <em>Susanne Reuber.</em></strong></p>
<figure id="attachment_10058" aria-describedby="caption-attachment-10058" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/02/03/mussen-sich-trans-sterilisieren-lassen-unterschriftenaktion-gegen-schwedisches-gesetz/es-ist-etwas-faul-im-land-der-elche/" rel="attachment wp-att-10058"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-10058" title="Es ist etwas faul im Land der Elche. Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/02/288520_web_R_K_B_by_Stephanie-Hofschlaeger_pixelio.de_-180x180.jpg" alt="Es ist etwas faul im Land der Elche. Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-10058" class="wp-caption-text">Es ist etwas faul im Land der Elche. Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de</figcaption></figure>
<p>Wunderschönes Schweden: An jedem Fahnenmast eine blau-gelbe Fahne, dahinter ein gemütliches rotes Holzhäuschen, in jedem Häuschen ein glückliches, legal verheiratetes schwules oder lesbisches Paar, rundum sozial und gesundheitlich abgesichert und mit dem Rest der Bevölkerung vollkommen gleichberechtigt. Das war doch schon immer unser Klischee von Schweden, oder? Sozial, offen, fortschrittlich. Schon 1995 wurde dort beispielsweise die registrierte Partnerschaft eingeführt, die komplette Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben wurde 2009 vom Parlament beschlossen.</p>
<blockquote><p>Ende Januar waren es bereits 75.000 Unterschriften</p></blockquote>
<p>Doch auf einmal zeigt das hübsche Häuschen einen Riss: Die amerikanische Organisation <a href="http://allout.org/stop_forced_sterilization" target="_blank" rel="noopener">„AllOut“ sammelt Unterschriften </a>gegen ein „barbarisches Gesetz“, das Transmenschen in Schweden zwingt, eine Sterilisations-OP durchführen zu lassen, um beispielsweise den Führerschein umschreiben zu lassen. Mit den Unterschriften – Ende Januar waren es schon knapp 75.000 – soll Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt aufgefordert werden, sich gegen die kleine konservative Partei der Christdemokraten durchzusetzen und das Gesetz zu ändern.</p>
<p>Barbarische Praxis im Land der Elche? Vorsicht, denn durch die plakative Ausdrucksweise von AllOut, wie etwa „Stop forced sterilization in Sweden“, kann es zu Missverständnissen kommen. Es geht dabei nämlich nicht darum, den Namen auf dem Führerschein zu ändern, sondern die Geschlechtszugehörigkeit. Den Vornamen zu ändern, ist in Schweden sogar besonders leicht und steht jedem offen – das hat ein gewisser/eine gewisse Jan-Olov Madeleine im Jahre 2009 vor Gericht durchgesetzt. Daraus folgte zwar kein Gesetz, aber die Rechtspraxis hat sich damit geändert: Man kann heute beim Finanzamt einen Teil des Vornamens ändern, ihm etwas hinzufügen oder etwas davon streichen lassen oder beim Patent- und Registeramt sämtliche Vornamen ändern lassen.</p>
<blockquote><p>Der Vorschlag zur Abschaffung der Sterilisationspflicht wurde bisher nicht aufgegriffen</p></blockquote>
<p>Die Frage einer Sterilisation stellt sich jedoch, wenn man die Geschlechtszugehörigkeit und damit zum Beispiel den Eintrag des Geschlechts auf der Geburtsurkunde ändern lassen will. Auch für den Führerschein ist das von Belang, da die dort angegebene Personennummer die Geschlechtszugehörigkeit verrät. Um den Geburtseintrag und damit auch die Personennummer zu ändern, verlangt das schwedische Gesetz, dass die Person fortpflanzungsunfähig ist.</p>
<p>Schon im Mai letzten Jahres hat die Sozialverwaltung einen Vorschlag zur Gesetzesänderung eingereicht und darin unter anderem nahegelegt, die Pflicht zur Sterilisation abzuschaffen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass schon 2010 der EU-Ministerrat alle EU-Staaten aufgefordert hatte, Bedingungen fallen zu lassen, die bei einer Änderung der Geschlechtszugehörigkeit körperliche Eingriffe voraussetzen. Dass dieser Vorschlag nun nicht aufgegriffen wird und die Bedingung der Unfähigkeit zur Fortpflanzung weiterhin im Gesetz steht, dagegen richtet sich der Protest der schwedischen Vereinigung für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Trans* (RFSL) in Zusammenarbeit mit AllOut.</p>
<blockquote><p>Der entsprechende Passus im deutschen Transsexuellengesetz ist derzeit „nicht anwendbar“</p></blockquote>
<p>Und hierzulande? Für eine Änderung der Geschlechtszugehörigkeit verlangt der entsprechende Passus im deutschen Transsexuellengesetz (TSG), dass die Person „dauernd fortpflanzungsunfähig“ ist und „sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist“. Diese beiden Bedingungen hat das Bundesverfassungsgericht Anfang 2011 als „nicht vereinbar“ mit dem Grundgesetz bezeichnet, unter anderem wegen des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit. Bis eine neue gesetzliche Regelung verabschiedet wird, ist dieser Absatz „nicht anwendbar“, beschloss das BVG. Die lässt allerdings auf sich warten.</p>
<p>Um die Forderung nach Abschaffung des entsprechenden Paragrafen im schwedischen Gesetz zu bekräftigen, fanden am 18. Januar in verschiedenen schwedischen Städten Demonstrationen statt, zum Beispiel in Stockholm mit ca. 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der RFSL bemüht sich derzeit, einen Termin mit Regierungschef Fredrik Reinfeldt zu bekommen, um ihm die Unterschriften zu überreichen, hatte bislang aber noch keinen Erfolg.</p>
<blockquote><p>Die Chance auf einen Erfolg ist jetzt groß</p></blockquote>
<p>Immerhin war das Thema auch Teil der Debatte, die die Vorsitzenden der Parteien im Januar im Schwedischen Reichstag führten. RFSL-Präsidentin Ulrika Westerlund ist sich sicher, dass dies den Aktivitäten ihrer Organisation und der Unterschriftensammlung von AllOut zu verdanken sei, weil der Protest viel Aufmerksamkeit erzeuge. Der RFSL werde auf jeden Fall weiterhin „lautstark kämpfen“, so Westerlund, da die Chance auf einen Erfolg derzeit groß sei. Sollte er eintreffen, wäre der Riss im fortschrittlichen Schwedenhaus gekittet.</p>
<p><a href="http://allout.org/stop_forced_sterilization ">Onlinepetition</a> und <a href="http://www.rfsl.se" target="_blank" rel="noopener">weitere Infos</a>
      </div>
</p></div>
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		<title>Im Heimatland verfolgt, in Deutschland nicht immer anerkannt</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/im-heimatland-verfolgt-in-deutschland-nicht-immer-anerkannt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 04:45:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Lesben]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
		<category><![CDATA[LSDV]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Schwule]]></category>
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					<description><![CDATA[Schwule, Lesben und Transidenten, die aufgrund von Diskriminierung und Verfolgung ihr Heimatland verlassen und in Deutschland Asyl beantragen, können nicht sicher sein, anerkannt zu werden.]]></description>
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        <strong>Schwule, Lesben und Transidenten, die aufgrund von Diskriminierung und Verfolgung ihr Heimatland verlassen und in Deutschland Asyl beantragen, können nicht sicher sein, anerkannt zu werden. Im Rahmen einer vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland organisierten Podiumsdiskussion am 27. Januar wurden Gründe und Hindernisse erläutert und Forderungen formuliert. <em>Von Sophie Neuberg und Susanne Reuber</em></strong></p>
<figure id="attachment_10034" aria-describedby="caption-attachment-10034" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2012/02/01/im-heimatland-verfolgt-in-deutschland-nicht-immer-anerkannt/lsvd-2/" rel="attachment wp-att-10034"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-10034 " title="lsvd" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2012/01/lsvd1-180x180.jpg" alt="Menschen auf dem Podium der Veranstaltung" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-10034" class="wp-caption-text">Podiumsteilnehmer Jurist Dirk Siegfried, Psychologin So-Rim Jung und LSDV-Vorstand Katayun Pirdawari (v. l.n.r.) (Foto: Jouanna Hassoun)</figcaption></figure>
<p>Erst die gute Nachricht: Seit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 1988 kann Homosexualität in Deutschland als politischer Asylgrund anerkannt werden.<br />
Damals recht fortschrittlich entschied das Gericht, dass Lesben und Schwule mit „irreversibler, schicksalhafter homosexueller Prägung“ Anspruch auf Asyl haben, wenn sie bei einer Rückkehr in ihr Heimatland in die Gefahr geraten, mit schweren Leibesstrafen oder der Todesstrafe belegt zu werden.</p>
<blockquote><p>„irreversibler, schicksalhafter homosexueller Prägung“</p></blockquote>
<p>Doch mit diesem positiven Urteil sind auch viele Schwierigkeiten verbunden. Was zum Beispiel ist eine „irreversible, schicksalhafte homosexuelle Prägung“? Und vor allem: Wie soll sie nachgewiesen werden? Es kann zum Beispiel sein, erklärte Psychologin So-Rim Jung vom LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) im Rahmen der Podiumsdiskussion „Situation homosexueller Asylsuchender in Deutschland“, dass ein Flüchtling ein psychologisches Gutachten vorlegen muss, das diesen Umstand bestätigt.</p>
<p>Ein solches Gutachten ist aber für Flüchtlinge oft viel zu teuer und einen wie auch immer gearteten medizinischen „Beweis“ der Homosexualität gibt es nicht. Immerhin berichtete Rechtsanwalt Dirk Siegfried, dass die Gutachten in aller Regel positiv ausfallen.</p>
<p>Die Formulierung der „irreversiblen Prägung“ sei 1988 ein Fortschritt gewesen, denn damit habe das Bundesverwaltungsgericht ausdrücken wollen, die Homosexualität könne – wie Nationalität oder ethnische Zugehörigkeit – als eine unveränderliche Tatsache betrachtet werden, die das Asylrecht begründet.</p>
<p>Heute klingt es absurd, wenn Flüchtlinge ihre Homosexualität nachweisen müssen, er habe aber kaum jemals erlebt, dass ein Gutachten negativ ausfalle, berichtete Dirk Siegfried: „Meist scheitern die Asylverfahren aus anderen Gründen“, so der Anwalt.</p>
<p>Zuallererst ist es für die meisten Hilfesuchenden schwer, überhaupt erst mal nach Deutschland zu kommen. Der Landweg scheidet aus, da die deutschen Nachbarländer alle als sichere Drittstaaten gelten, wohin Flüchtlinge sofort wieder abgeschoben werden können. Auch über den Seeweg kommen nur sehr wenige ins Asylverfahren, so dass nur der Luftweg ohne Zwischenlandung in einem Drittland als Möglichkeit verbleibt.</p>
<blockquote><p>Flüchtlinge fühlen sich oft nicht in der Lage, einem Beamten sofort Auskunft über ihre sexuelle Orientierung zu geben</p></blockquote>
<p>Ein weiteres Problem ist, dass die Asylbewerber bei ihrer ersten Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verpflichtet sind, detailliert sämtliche Fluchtgründe vorzutragen. Kurz nach ihrer Ankunft fühlen sich schwule und lesbische Flüchtlinge aber oft nicht in der Lage, einem Beamten über ihre sexuelle Orientierung Auskunft zu geben. Bringen sie diesen Grund jedoch erst später im Verfahren vor, wird ihnen oft nicht geglaubt.<br />
Hat es dann jemand tatsächlich geschafft, seinen Antrag auf Asyl zu stellen, lässt die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 1988 an mehreren Stellen viel Raum für Interpretation, zum Beispiel wenn es darum geht, welche Art der Verfolgung im Heimatland droht.</p>
<p>Da kann leider viel davon abhängen, welches Gericht in Deutschland die Entscheidung fällt, und wie im einzelnen Fall die Lage im Heimatland des Flüchtlings vom Auswärtigen Amt und vom Gericht eingeschätzt wird. So wird Schwulen und Lesben teilweise zugemutet, ihre Homosexualität im Verborgenen zu leben.</p>
<p>Es wird auch schon davon ausgegangen, die strafrechtliche Verfolgung der Homosexualität werde im Heimatland des Flüchtlings nicht wirklich angewandt. Bisweilen verlassen sich die deutschen Gerichte auch mal auf Aussagen des Auswärtigen Amts, wonach es im fraglichen Land Treffpunkte für Homosexuelle bzw. eine Szene gibt. Daraus wird dann geschlossen, man könne sich dort als Homosexueller durchaus arrangieren – so nach dem Motto: „Ein Schwuler muss nicht in Stöckeln durch Teheran herumlaufen“ –, mit etwas Diskretion würde es schon gehen.</p>
<blockquote><p>Der Weg zum Standesamt kann für Asylbewerber zur Falle werden</p></blockquote>
<p>Auch Asylbewerber, die mit ihrem deutschen Partner eine registrierte Partnerschaft eingehen wollen, können schon beim Standesamt in Schwierigkeiten geraten, weil ihnen unterstellt wird, auf diese Art und Weise ihren Aufenthalt sichern zu wollen. So droht sowohl vom Standesamt als auch von der Ausländerbehörde die Gefahr der Ausweisung, weil das Standesamt berechtigt ist, bei einem etwaigen Verdacht auf Scheinehe die Ausländerbehörde zu informieren.</p>
<p>Sowohl Podiumsteilnehmer als auch Publikum mussten bei diesen Erläuterungen oftmals den Kopf schütteln, insbesondere bei der Vorstellung, deutsche Gerichte fänden es zumutbar, unter Androhung der Todesstrafe (wie im Iran) seine Homosexualität im Verborgenen zu leben.</p>
<p>Das ist aber nicht alles, was sich im Asylverfahren als Problem herausstellen kann. Die Härte der drohenden Strafe und die Begründung der Verfolgung spielt auch eine Rolle. Dies hat auch mit der Entscheidung von 1988 zu tun: Das Bundesverwaltungsgericht wollte damals ausdrücklich nicht riskieren, den zu diesem Zeitpunkt in der Bundesrepublik Deutschland noch geltenden § 175 StGB als politische Verfolgung von Homosexuellen hinzustellen. Deshalb wurde präzisiert, eine Verfolgung wegen Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit und Moral reiche nicht aus, um das Recht auf Asyl zu begründen.</p>
<blockquote><p>Forderungen der Politik</p></blockquote>
<p>Viel Entscheidungsspielraum für die Gerichte also und dementsprechend wenig Sicherheit für die Asylsuchenden, die während der ganzen Dauer des Verfahrens der sogenannten Residenzpflicht unterliegen. So dürfen sie den Bezirk oder Landkreis nicht verlassen, in dem die für sie zuständige Ausländerbehörde liegt.</p>
<p>Hinzu kommt, dass sie in einem Asylbewerberheim wohnen müssen, egal ob sie eventuell auch bei Verwandten unterkommen könnten. In den Heimen sind sie wiederum oft Zielscheibe von Diskriminierung und Misshandlung, denn auch unter Asylbewerbern ist Homophobie keine Seltenheit.</p>
<p>Am Ende der Diskussion fasste Rechtsanwalt Dirk Siegfried die wichtigsten politischen Forderungen zusammen, die sich aus der aktuellen Situation ergeben:</p>
<ul>
<li>Abschaffung der Residenzpflicht</li>
<li>Entscheidung des Gesetzgebers, wonach die Gerichte von niemandem mehr verlangen dürfen, seine Sexualität zu verbergen</li>
<li>Aufnahme durch die Bundesrepublik Deutschland und/oder durch ein Bundesland von bestimmten Menschen, die persönlich bedroht sind bzw. von Menschen aus bestimmten Regionen, indem man diesen Personen aus „völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen“ ein Visum anbietet (dafür ist das Bundesministerium des Innern zuständig, § 22 und § 23 Aufenthaltsgesetz).</li>
</ul>
<p>Katayun Pirdawari vom LSVD-Vorstand appellierte zum Schluss an die schwul-lesbische Szene, die ungeheuren Schwierigkeiten, Beleidigungen und Schmerzen zu bedenken, die Flüchtlinge gerade aus muslimischen Ländern auf sich nehmen, wenn sie Homosexualität als Fluchtgrund angeben. Sie bat eindringlich darum, diese Flüchtlinge offen aufzunehmen und ihnen zu glauben, auch wenn sie vom Aussehen oder Auftreten her unseren hiesigen Vorstellungen nicht entsprechen.</p>
<p><strong>Mehr Informationen zum Thema:<br />
</strong>&#8211; www.<a href="http://www.lsvd.de/852.0.html">lsvd.de<br />
</a>&#8211; <a href="http://www.rechten.vu.nl/nl/onderzoek/conferenties-en-projecten/onderzoeksproject-fleeing-homophobia/index.asp">„Fleeing Homophobia“</a> von Sabine Jansen und Thomas Spijkerboer, COC Nederland und Vrije Universiteit Amsterdam, September 2011 (vergleichende Studie zur Asylpraxis in der EU, zum kostenlosen Herunterladen in verschiedenen Sprachen)
      </div>
</p></div>
</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>„Die Frauen sind hoch motiviert, sich einzubringen“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/die-frauen-sind-hoch-motiviert-sich-einzubringen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sophie Neuberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 17:19:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention & Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche AIDS-Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HPTN 052]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[Im November 2011 hat die Deutsche AIDS-Hilfe ein Seminar zum Thema „HIV-positive Frauen und Studien: mit uns und für uns!“ veranstaltet. Eine der Seminarleiterinnen war<em> Dr. Annette Haberl</em>, seit 1996 am <a href="http://www.hivcenter.de/cms/index.php?option=com_content&#38;task=view&#38;id=119&#38;Itemid=345" target="_blank" rel="noopener">Frankfurter HIV CENTER</a> tätig.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>Im November 2011 hat die Deutsche AIDS-Hilfe ein Seminar zum Thema „HIV-positive Frauen und Studien: mit uns und für uns!“ veranstaltet. Eine der Seminarleiterinnen war<em> Dr. Annette Haberl</em>, seit 1996 am <a href="http://www.hivcenter.de/cms/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=119&amp;Itemid=345" target="_blank" rel="noopener">Frankfurter HIVCENTER</a> tätig, Vorstandsmitglied der <a href="http://www.daignet.de" target="_blank" rel="noopener">Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG)</a> und <a href="http://www.bmg.bund.de/glossarbegriffe/a/nationaler-aids-beirat.html" target="_blank" rel="noopener">Mitglied des Nationalen AIDS-Beirats (NAB)</a>.</strong></p>
<figure id="attachment_9485" aria-describedby="caption-attachment-9485" style="width: 180px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2011/12/19/%e2%80%9edie-frauen-sind-hoch-motiviert-sich-einzubringen/venussymbol_220-svg/" rel="attachment wp-att-9485"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-9485" title="Venussymbol_220.svg" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2011/12/Venussymbol_220.svg_-180x180.png" alt="Venussymbol" width="180" height="180" /></a><figcaption id="caption-attachment-9485" class="wp-caption-text">Quelle: www.wikimedia.org</figcaption></figure>
<p><strong><em>Sophie Neuberg</em> sprach mit ihr über die Ergebnisse des Seminars und die Forderungen von Frauen an die Forschung.</strong></p>
<p><strong>Wie sieht es mit frauenspezifischen Aspekten in der HIV- und Aids-Forschung aus?</strong></p>
<p>Auch wenn hier in den letzten Jahren insgesamt eine positive Entwicklung zu beobachten ist, liegt der Frauenanteil bei klinischen Studien nach wie vor bei nur 20 bis 30 Prozent. Je nach Größe der Studie ist dann eine Unter-Analyse zu den Frauen statistisch oft nicht mehr aussagekräftig, weil ihre Gesamtzahl einfach zu klein ist. HIV ist damit in der Medizin aber keine Ausnahme, auch in anderen Bereichen ist der Frauenanteil in klinischen Studien ein Problem. Bei Medikamentenstudien sind Frauen oft schon deshalb unterrepräsentiert, weil sie schwanger werden könnten, was dann ein sogenanntes unerwünschtes Ereignis wäre und zum Studienausschluss führen würde.</p>
<p><strong>Gibt es denn Medikamente, bei denen sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass sie bei Frauen eine andere Wirkung oder spezielle Nebenwirkungen haben?</strong></p>
<p>Ein Beispiel ist die Substanz Nevirapin: Erst 2005, neun Jahre nach der Zulassung in den USA, hat die zuständige Food and Drug Administration (FDA) eine Warnung herausgegeben, dass das Medikament bei Frauen mit hohen Helferzellzahlen bei Therapiebeginn eine deutlich höhere Nebenwirkungsrate hat als bei Männern mit vergleichbaren Werten. Mit mehr Frauen in der Zulassungsstudie hätte man das natürlich früher entdeckt. So musste erst der klinische Alltag mühsam die notwendigen Daten liefern. Gerade in Zulassungsstudien für neue Medikamente ist deshalb ein höherer Frauenanteil erforderlich.</p>
<p><strong>Was sind im HIV- und Aids-Bereich Aspekte, die Frauen besonders betreffen und interessieren?</strong></p>
<blockquote><p>Wir brauchen ein zentrales Schwangerschaftsregister</p></blockquote>
<p>Ein wichtiges Thema ist die Empfängnisverhütung, denn viele HIV-Medikamente haben Wechselwirkungen mit oralen Verhütungsmitteln, sodass Frauen die Pille nicht nehmen können bzw. durch sie keinen sicheren Schutz vor einer Schwangerschaft haben. Natürlich ist auch die Sicherheit der HIV-Medikamente in der Schwangerschaft ein großes Thema. Da fehlte uns bislang in Deutschland ein Schwangerschaftsregister, wie es beispielsweise in den USA schon lange existiert. Wir sind aber gerade dabei, ein solches Register einzurichten. Es wird im nächsten Jahr bundesweit an den Start gehen. Bei der Datenerfassung geht es im Wesentlichen darum, zu erfahren, wie viele Schwangerschaften HIV-positiver Frauen es in Deutschland überhaupt gibt, wie die Frauen behandelt werden und wie hoch die Fehlbildungsrate bei den Kindern ist. Die Fehlbildungsrate liegt in unserer Bevölkerung zwischen zwei und vier Prozent. Zu zeigen, dass diese Rate bei Kindern, die in der Schwangerschaft HIV-Medikamenten ausgesetzt waren, nicht höher ist, bringt Frauen und ihren Ärztinnen und Ärzten mehr Sicherheit.</p>
<figure id="attachment_9490" aria-describedby="caption-attachment-9490" style="width: 230px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/2011/12/19/%e2%80%9edie-frauen-sind-hoch-motiviert-sich-einzubringen/annette-haberl_by_bmg-bund-de/" rel="attachment wp-att-9490"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-9490" title="Annette Haberl_by_bmg.bund.de" src="//magazin.hiv/wp-content/uploads/2011/12/Annette-Haberl_by_bmg.bund_.de_.jpg" alt="Annette Haberl" width="230" height="160" /></a><figcaption id="caption-attachment-9490" class="wp-caption-text">Annette Haberl (Quelle: bmg.bund.de)</figcaption></figure>
<p>Ein weiteres Thema, das Frauen momentan sehr interessiert, sind die Wechseljahre. Die HIV-Patientinnen werden älter, und da stellt sich die Frage: Wie wird man als Frau gut alt mit HIV? Das wissen wir ja noch gar nicht. Wie sieht es mit der Knochendichte nach den Wechseljahren aus? Die HIV-Infektion selbst scheint sich negativauf den Knochenstoffwechsel auszuwirken, und unter HIV-Medikamenten kann es zu einer – weiteren – Verringerung der Knochendichte bis zur Osteoporose kommen. Um aber Fragen rund um die Wechseljahre beantworten zu können, brauchen wir zum einen klinische Studien und zum anderen Ergebnisse aus Langzeitstudien mit einer festen Gruppe von Frauen, eine sogenannte Kohorte.</p>
<p>Außerdem stellt sich die Frage, was mit dem Risiko für einen Herzinfarkt ist. Frauen ohne HIV haben nach der Menopause ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – bei Frauen mit HIV scheint es drastisch erhöht zu sein. Das sind Themen, die auch die Seminarteilnehmerinnen sehr interessiert haben.</p>
<blockquote><p>Viele Frauen mit HIV stehen wirtschaftlich nicht gut da</p></blockquote>
<p><strong>Sind Frauen eigentlich besonders an ergänzender oder alternativer Medizin interessiert?</strong></p>
<p>Dazu stehen uns bislang keine Studienergebnisse zur Verfügung. Vom Gefühl her würde ich sagen, ja, Frauen informieren sich darüber, was sie zusätzlich zur Medikamenteneinnahme noch für sich tun können, aber ich habe keine konkreten Zahlen. Dieser Bereich liegt völlig brach. Man müsste die Frauen hier erst einmal nach ihren Bedürfnissen fragen. Ein Problem ist allerdings, dass die meisten Frauen mit HIV bei uns wirtschaftlich nicht gut dastehen, sodass sie sich kaum etwas extra leisten können. Manchmal ist schon die sogenannte gesunde Ernährung finanziell ein Riesenproblem. Vor allem alleinerziehende Mütter mit HIV sind hier betroffen. Da ist Alternativmedizin aus wirtschaftlichen Gründen einfach kein Thema.</p>
<p><strong>Gibt es aktuelle Forschungsergebnisse, die für Frauen besonders wichtig sind?</strong></p>
<p>In der berühmt gewordenen Studie mit dem Namen HPTN 052 war der Anteil der Männer und Frauen ausgewogen. <a href="http://aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/neuer-hiv-report-erschienen-medikamente-der-praevention" target="_blank" rel="noopener">Sie hat wissenschaftlich bewiesen: Eine gut funktionierende HIV-Therapie reduziert das Risiko der Übertragung um mindestens 96 Prozent und ist damit genauso effektiv wie Kondome.</a> Das ist für Frauen mit HIV eine wichtige Nachricht, und das nicht nur beim Thema Kinderwunsch.</p>
<p>In einer anderen Arbeit wurden kürzlich die Ergebnisse mehrerer Studien nach möglichen geschlechtsspezifischen Unterschieden in der HIV-Therapie ausgewertet. Erfreulicherweise zeigte sich dabei, dass der Therapieerfolg bei Männern und Frauen gleich war. Wir sehen allerdings bei Frauen immer noch häufiger Therapiewechsel aufgrund von Verträglichkeitsproblemen. Das Nebenwirkungsprofil bei Frauen und Männern ist einfach unterschiedlich.</p>
<p><strong>Im Seminar ging es auch um die geringe Teilnahme von Frauen an Studien. Was meinen Sie, woran das liegt?</strong></p>
<blockquote><p>Die Teilnahme an Studien bringt oft Belastungen mit sich</p></blockquote>
<p>Im Seminar habe ich erlebt, dass Frauen sehr daran interessiert sind, mehr über Studien zu erfahren. Sie wollen wissen, wie diese konzipiert werden, ob sie daran mitwirken können, wo welche Studien laufen usw. Die Frauen waren hoch motiviert, sich einzubringen. Dabei muss man wissen, dass die Teilnahme an einer Studie für die einzelne Teilnehmerin meist keinen Vorteil hat, sondern oft sogar mit Belastungen wie häufigeren Visiten und Blutabnahmen verbunden ist – das alles für das hehre Ziel, zum Fortschritt der Wissenschaft beizutragen. Wenn Frauen Kinder haben, ist eine Studienteilnahme für sie oft auch mit organisatorischen Schwierigkeiten verbunden. Dazu kommt vielleicht noch eine finanzielle Belastung durch Babysitter, Fahrkarten usw. – da bräuchte man eine entsprechende Aufwandsentschädigung, Kinderbetreuung oder auch einfach eine Fahrtkostenerstattung. Wenn Frauen eine bestimmte Empfängnisverhütung brauchen, um an einer Studie teilnehmen zu können, muss auch dafür die Kostenübernahme gesichert sein. Es geht doch nicht an, dass eine Frau sich in eine Studie einbringt, die Belastung auf sich nimmt und noch dazu die Kosten für eine Spirale selbst tragen muss!</p>
<p><strong>Was müsste sich bei der Pharma-Industrie ändern, damit sich das verbessert?</strong></p>
<p>Die genannten organisatorischen und finanziellen Barrieren müssen abgebaut werden. Außerdem ist es wichtig, die Frauen besser zu informieren: Warum ist eine Studie notwendig? Wie wird sie durchgeführt? Was sind die einzelnen Schritte? Man muss sich mehr Zeit nehmen – und da nehme ich mich nicht aus –, um den Frauen zu erklären, welche Konzepte und Studientypen es gibt. Frauen möchten hier ernst genommen werden. Sie sind kritisch, und das zu Recht. Im Seminar beklagten die Frauen, dass sie über Ergebnisse gar nicht informiert werden, wenn sie an einer Studie teilgenommen haben. Es ist aber sehr wichtig, dass man als Studienteilnehmer ein Feedback bekommt und erfährt, was bei einem Forschungsprojekt herausgekommen ist.</p>
<p>Frauen mit HIV wollen außerdem mehr Mitbestimmung: Sie müssen deshalb bereits in einer frühen Phase der Planung einbezogen werden, damit sich eben nicht plötzlich herausstellt, dass eine Empfängnisverhütung zwar nötig ist, die Kosten aber nicht übernommen werden, weil keiner daran gedacht hat.</p>
<p>Frauen müssen sich aber auch besser positionieren und gemeinsam ihre Forderungen stellen, zum Beispiel, dass Langzeitdaten von Frauen gezielt erfasst werden müssen. Wir brauchen Verlaufsdaten zu Wirkungen und Nebenwirkungen, und dazu brauchen wir eben eine HIV-Kohorte von Frauen, die natürlich Geld kostet. Die gemeinsame Forderung von Betroffenen und Medizinern nach mehr frauenspezifischer Forschung im HIV-Bereich kann sicher dazu beitragen, die Finanzierung voranzutreiben und Firmen hier in die Verantwortung zu nehmen. Die Frauen jedenfalls sind bereit, sich aktiv an der Forschung zu beteiligen, aber man muss sie mit ihnen zusammen sinnvoll gestalten.
      </p></div>
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