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	<title>Szene &amp; Community | magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
	<lastBuildDate>Fri, 08 May 2026 12:48:50 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Szene &amp; Community | magazin.hiv</title>
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	<item>
		<title>Martina H.: Ich habe meine Jahre der Sucht wenig als negativ erlebt und bereue nichts</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philine Edbauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 09:57:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
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					<description><![CDATA[Martina H. fing als Teenager an, Heroin zu konsumieren. Später hat sie dann die Selbstorganisation JES Berlin mitbegründet. Im Interview mit magazin.hiv erzählt sie ihre Geschichte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Martina H. fing als Teenager an, Heroin zu konsumieren. Später hat sie dann die Selbstorganisation JES Berlin mitbegründet. Im Interview mit magazin.hiv erzählt sie ihre Geschichte.</strong></strong></p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-martina-du-hast-angefangen-heroin-zu-konsumieren-ungefahr-als-das-buch-wir-kinder-vom-bahnhof-zoo-uber-christiane-felscherinow-erschien-oder">Martina, du hast angefangen, Heroin zu konsumieren, ungefähr als das Buch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_Kinder_vom_Bahnhof_Zoo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“</a> über Christiane Felscherinow erschien, oder?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Ja, Anfang der 80er <em>[„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erschien 1978, Anm. d. Red.]</em>. Das Buch habe ich in der 9. Klasse gelesen. Das weiß ich noch wie heute, wie ich es unter dem Schultisch verschlungen habe. Es hat mich wirklich inspiriert.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-was-daran">Was daran?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Das Berliner Nachtleben zum Beispiel. Ich wuchs in einer bürgerlichen Kleinstadt auf, zusammen mit meiner jüngeren Schwester, Großeltern, Tanten und Cousins. Ich war ein Opakind. Samstags putzten alle Männer ihre Autos und die Frauen fegten die Bürgersteige oder arbeiteten im Garten. Alle taten dasselbe, und wenn jemand mal nicht sichtbar war, fragte man besorgt: „Alles in Ordnung bei euch? Ist jemand krank?“ Das war nichts für mich. Ich dachte mir immer, ich erwarte irgendwie mehr vom Leben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Dann las ich das Buch – und war begeistert. Es war so toll beschrieben, was diese jungen Menschen alles erlebten. Das hat mich völlig angefixt, das wollte ich auch haben. Einen Teil davon in unserer Kleinstadt zu finden, war dann gar nicht mehr so weit. Bei uns gab es einen Club, eine Diskothek, wie wir damals sagten. Und auch wenn man noch keine 16 Jahre alt war, so wie meine Freundinnen und ich, war es sehr einfach, reinzukommen.</p>

              </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-und-da-gab-es-dann-gleich-alles-auch-sachen-zum-spritzen">Und da gab es dann gleich alles? Auch Sachen zum Spritzen?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Nicht alles, was es heute gibt, aber genau, auch zum Spritzen. Der Kontakt war sehr schnell hergestellt. Wenn du einmal da warst, dann hattest du Christiane F. gleich ganz nah.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-das-buch-beschreibt-auch-deutlich-die-negativen-erlebnisse-die-mit-ihrem-heroinkonsum-einhergingen-warum-war-das-nicht-abschreckend">Das Buch beschreibt auch deutlich die negativen Erlebnisse, die mit ihrem Heroinkonsum einhergingen. Warum war das nicht abschreckend?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Der Reiz und die Versuchung waren einfach größer. Die paar negativen Zeilen, die kamen mir unbedeutend vor. Das andere hat überwogen, es war viel mächtiger.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-ging-es-weiter-nachdem-du-als-teenager-angefangen-hast-heroin-zu-konsumieren-hast-du-die-schule-abgeschlossen">Wie ging es weiter, nachdem du als Teenager angefangen hast, Heroin zu konsumieren? Hast du die Schule abgeschlossen?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Ja. Ich habe mit 16 eine einjährige Ausbildung als Bekleidungsnäherin in einer Hosenfabrik gemacht und danach in einer Polstermöbel-Fabrik gearbeitet. Mit 18 war ich aber nicht mehr imstande, täglich zur Arbeit zu gehen. Anfangs war ich mehr auf Speed unterwegs und konnte damit sehr gut und schnell nähen. Wenn der Chef freitags fragte „Wer kommt Samstag zur Arbeit?“ war ich immer dabei, weil ich sowieso die Nacht durchgemacht habe.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ hat mich wirklich inspiriert.&#8220;</p>

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</blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Aber als ich dann stark auf Heroin war, ging das nicht mehr. Mein Chef kam sogar zu meiner Mutter und fragte, was denn mit dem Mädchen los sei, „sie war doch immer so fleißig“. So ging es abwärts und bald bin ich dann zum ersten Mal beim Klauen erwischt worden. Da kippte langsam auch zu Hause alles.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-dein-mehrjahriger-konsum-war-bis-dahin-also-nicht-aufgefallen">Dein mehrjähriger Konsum war bis dahin also nicht aufgefallen?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Nein, die ersten ein, zwei Jahre nicht. Als es rauskam, ist meine Mutter zur Drogenberatung gegangen, um sich Hilfe holen. Die Hilfe der Drogenberatung bestand jedoch darin zu sagen: „Entweder das Kind will jetzt zur Therapie gehen oder du musst es vor der Tür setzen.“ Sozusagen mit der Pistole auf der Brust hat man mir diese beiden Möglichkeiten gegeben, also habe ich mich mit 18 zu meiner ersten Therapie breitschlagen lassen. Ich war zu dem Zeitpunkt auch wegen Diebstählen vor Gericht und durch die Therapie bekam ich eine Bewährungsstrafe statt Haft<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a>.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Nach drei Monaten habe ich die Therapie aber abgebrochen, der Haftbefehl ging raus und ich kam das erste Mal ins Gefängnis.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-du-warst-als-teenager-heroinabhangig-und-hast-haftstrafen-erhalten">Du warst als Teenager heroinabhängig und hast Haftstrafen erhalten?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Ja, mit gerade mal 18 Jahren. Die Strafen waren erst für kleine Ladendiebstähle, dann Autoradios, Lederjacken und so weiter. Man hatte seine Kundschaft. Mit den Diebstählen habe ich das finanziert, was hätte ich anderes machen sollen. Heroin war damals richtig teuer, zwischen 300 und 500 DM pro Gramm. Beim ersten Mal Knast waren es nur drei Monate Jugendstrafe. Beim zweiten Mal acht Monate und beim dritten Mal war ich dann etwas über ein Jahr drinnen. Es waren schnelle Wechsel zwischen Therapien und Knast.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Meine Eltern hatten mir zwischendurch meinen Hausschlüssel abgenommen. Zu Hause kam ich nur noch rein, wenn sie auch da waren, weil auch Freund*innen von mir bei meinen Eltern lange Finger gemacht haben – Papas Lederjacke, Geld aus der Keramikdose und so weiter. Ich habe daraufhin bei drei Kumpels gewohnt, war viel draußen und bin nach Holland geflüchtet. Auch mit dem Schmuggeln von Drogen von Holland nach Deutschland konnte ich meine Sucht finanzieren. Das ging immer bis zum nächsten Therapie- oder Haftantritt gut.</p>

              </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-fur-deine-dritte-inhaftierung-hat-auch-deine-familie-eine-wichtige-rolle-gespielt-richtig-wie-lief-das-ab">Für deine dritte Inhaftierung hat auch deine Familie eine wichtige Rolle gespielt, richtig? Wie lief das ab?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland lief wieder ein Haftbefehl gegen mich. An Weihnachten hatte ich mit meinen Eltern telefoniert. Ich hatte Heimweh. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um mich abzuholen und im Auto versteckt über die Grenze zu bringen, damit wir Weihnachten zusammen zu Hause verbringen können. Es war abgesprochen, dass sie mich danach wieder zurück nach Holland bringen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe ihnen gesagt, wo ich bin, und dann sind mein Vater, meine Mutter und mein Schwager losgefahren. Ich war bei meinem Dealer untergekommen und er hatte mir für die Tage auch noch was mitgegeben, damit ich nicht in den Entzug komme. Damals waren die Grenzen noch besetzt und es war also ein heikles Spiel, mich rüberzuholen. Ich habe mich unter dem Rücksitz unter einer Kapuze versteckt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, dass meine Eltern mir nichts Böses wollten. Sie waren ja auch verzweifelt und wussten nicht, was sie machen sollten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Fahrt ist mein Schwager aber nicht nach Hause abgebogen, sondern weiter geradeaus gefahren. Wahrscheinlich hätten sie es lieber gehabt, wenn die Polizei an der Grenze zugeschlagen hätte, aber da ist alles gut gegangen. Sie brachten mich zur Polizeistation, ich hab mich erfolglos gewehrt. Weihnachten habe ich dann also im Polizeigewahrsam verbracht, bis ich ein, zwei Tage später in den Frauenknast nach Köln gekommen bin.</p>

              </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-blickst-du-heute-darauf">Wie blickst du heute darauf?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Meine Eltern und besonders meine Mutter waren froh, dass sie wieder schlafen konnten. Ich weiß, dass meine Eltern mir nichts Böses wollten. Sie waren ja auch verzweifelt und wussten nicht, was sie machen sollten. Damals aber war ich völlig irritiert, sauer und vor den Kopf gestoßen. Wenn wir heute miteinander über diese alten Geschichten sprechen, ist es immer noch nicht einfach für uns. Meine Mutter fängt noch heute an zu weinen und dann ich&nbsp;…</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie haben wirklich viel durchgemacht. Mein Vater war immer arbeiten und hat sich eher rausgehalten. Wenn ich in Therapie war und Elterngespräche anstanden, hat er sich sehr schwer damit getan. Meine Mutter war offener. Sie ist zum Elternkreis gegangen, der hauptsächlich aus Frauen bestand. Aus Müttern, die sich mit der Drogenberaterin einmal in der Woche im Stuhlkreis zusammengesetzt und ausgetauscht haben. Jede hat erzählt, was zu Hause vorgefallen ist. Es war die einzige Stütze, die meine Mutter hatte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In dem Elternkreis gab es allerdings leider wenig andere Vorstellungen von Lösungswegen als das Vor-die-Tür-Setzen, Therapie und Knast. Man glaubte, man müsse erst einmal ganz unten ankommen, bevor Hilfe möglich sei. Ich hoffe, das ist in den Elternkreisen heute anders. Meine Mutter hat sogar einmal zu Hause einen Entzug mit mir durchgemacht und sich nicht von meiner Seite bewegt. Es ging mir dann aber so schlecht, dass sie den Hausarzt rufen musste. Er hat uns etwas zur Beruhigung dagelassen. Lange habe ich allerdings nicht ausgehalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-war-es-in-haft-wie-muss-man-sich-das-vorstellen">Wie war es in Haft? Wie muss man sich das vorstellen?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Tage sind wirklich sehr schlimm. Und wenn man zudem einen Entzug durchmacht, ist das eine ganz üble Zeit. Sie haben einem das Licht in der Zelle nie ausgemacht, weil man immer unter Beobachtung stand. Haben ständig durch den Spion geschaut, ob man sich selbst etwas antut. Man versucht, das Licht zum Schlafen irgendwie abzuhängen, und wenn sie es merken, bollern sie gegen die Tür, bis das Tuch die Lampe nicht mehr abdeckt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Aber ich muss sagen, nachdem diese ersten Tage überstanden waren und der kalte Entzug vorbei war, ist es eigentlich eine recht coole Zeit gewesen. Nach zwei Wochen konnte man ohne Licht schlafen. Ich kann mich wirklich nicht beschweren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich in eine Situation komme, gucke ich sie mir an und für mich gibt es nicht nur Schwarz und Weiß. Ich versuche, aus allem irgendwie das Beste zu machen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe alle drei Male, als ich im Knast war, super Jobs abgegriffen. Man lernt beim ersten Mal ziemlich schnell die Arbeitsbereiche kennen. Beim zweiten und dritten Mal weiß man schon, in welchen Bereichen man arbeiten will. Paletten auf dem Hubwagen mit neuer Ware zum Etikettieren und Verpacken durch die Gegend fahren, um die anderen Häftlinge mit Arbeit zu versorgen, war ein guter Job.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Hinterher war ich Hausarbeiterin, das heißt, du hast in Jugendhaft den ganzen Tag die Zelle offen und versorgst das Haus, in dem du auch selber liegst. Du bringst den anderen Essen, gehst also von Tür zu Tür und kriegst immer mit, wo gerade Besuch war, wo was läuft, wer breit ist und wer nicht. Mit dem Essenswagen kamst du auch in die Großküche im Männertrakt. Dort habe ich jemanden getroffen, den ich von draußen kannte. So kamen kleine Lieferungen unter den Tabletts zu uns ins Haus.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte im Knast auch die erste Erfahrung mit einer Frau. Es waren also viele schöne Momente dabei.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-es-hort-sich-so-an-als-ob-du-jemand-bist-die-sich-egal-was-im-leben-passiert-an-die-situation-schnell-anpasst-immer-schnell-freund-innen-findet-und-aus-jeder-situation-irgendwie-etwas-schones-macht">Es hört sich so an, als ob du jemand bist, die sich, egal was im Leben passiert, an die Situation schnell anpasst, immer schnell Freund*innen findet und aus jeder Situation irgendwie etwas Schönes macht.</h3>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich denke schon. Wenn ich in eine Situation komme, gucke ich sie mir an und für mich gibt es nicht nur Schwarz und Weiß. Ich versuche, aus allem irgendwie das Beste zu machen.</p>

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    </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-aber-muss-man-sich-die-haft-nicht-auch-frustrierend-vorstellen">Aber muss man sich die Haft nicht auch frustrierend vorstellen?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich war schon auch mal wütend, aber immer nur kurzzeitig. Zum Beispiel, als mein Opa gestorben ist und ich nicht zur Beerdigung rausgelassen wurde, obwohl es als „besonderer Grund“ eigentlich hätte ermöglicht werden können – aber nicht als BtM-Inhaftierte. Auch der Entzug war sehr schlimm, denn du hast keine Medikamente bekommen. Aber die anderen Zeiten haben überwogen.</p>

              </div>
    </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-konnte-man-sagen-dass-die-haft-in-deinem-fall-sinnvoll-war">Könnte man sagen, dass die Haft in deinem Fall sinnvoll war?</h3>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nein, das hätte nicht sein müssen. Man hätte es anders regeln können und müssen. Für meine Eltern war es wiederum gut, weil sie dachten, dass mir im Knast nichts passieren würde.</p>

              </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-waren-die-auferlegten-therapien-sinnvoll">Waren die auferlegten Therapien sinnvoll?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Therapien waren vergleichsweise hilfreich für mich, um über mein Suchtverhalten etwas zu lernen, aber auch überhaupt über mich. Das hast du ja im Knast nicht, im Knast bist du ja einfach nur weggesperrt und arbeitest, hörst Musik, isst und schläfst. Mehr machst du ja nicht und hast vielleicht ein bisschen Sex mit einer Frau und das war’s.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aber mit viel Tränen und Wut in der Therapie, ob in Einzel- oder Gruppensitzungen, machst du schon einiges mit. Menschen da mit Auflage vom Gericht hinzuschicken, ist schon krass. Es muss gewollt sein, ansonsten funktioniert es nicht. Aber nicht nur für Süchtige, sondern auch für andere Menschen kann eine Therapieerfahrung gut sein. Es gibt leider immer noch genug Leute, die nie eine solche Erfahrung gemacht haben. Ich finde, man sollte es allen ein bisschen näherbringen, dass sie mal ausprobieren, an sich zu arbeiten. Aber eben nicht mit Strafen, es muss ihr Wille sein.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie denkst du generell über rechtliche Strafen bei Drogengebrauch?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Es ist einfach nicht nachvollziehbar, warum ich mir zwei Flaschen Korn am Abend reinziehen kann oder Whiskey und das anders betrachtet wird. Wenn ich das mehrere Wochen lang täglich mache, bin ich auch Alkoholikerin. Und das hat keine rechtlichen Folgen, aber wenn ich ein bisschen Heroin rauche oder zieh mir Koks rein, wie auch immer, werde ich eine Verbrecherin.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Alle gehen Risiken ein, ob im Straßenverkehr oder im Sport. Das würde man auch nicht verbieten.</p>

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</blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, dass sich irgendwann mal was ändern wird, um alles gleich zu behandeln. Entweder wer trinkt, wird ebenfalls bestraft. Oder andersrum, das wäre natürlich besser. Es ist doch mein Körper und nicht der des Staates. Ich bin der Meinung, es sollte allen frei überlassen werden, ob und was sie konsumieren möchten. Ich bin davon überzeugt, dass der Konsum zurückgehen wird. Der Reiz des Verbotenen wäre weg.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-aber-drogenkonsum-ist-mit-risiken-verbunden-ist-da-vermeiden-nicht-besser">Aber Drogenkonsum ist mit Risiken verbunden, ist da Vermeiden nicht besser?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Alle gehen Risiken ein, ob im Straßenverkehr oder im Sport. Das würde man auch nicht verbieten.&nbsp;Man sollte die Angebote für Hilfen und Therapien ausbauen und mehr fördern und nicht wegen der Kosten noch mehr einsparen. Früher waren zwölf Monate Therapie mit sechs Monaten Nachsorge normal. Heute ist dies gekürzt auf drei bis sechs Monate und ohne Nachsorge. Uns hat man damals die Therapie wirklich noch ans Herz gelegt. Heute scheint das anders zu sein.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Therapie war schon sinnvoller für mich als der Knast, besonders die letzte, auch wenn ich die nicht ganz abgeschlossen habe. Die ersten beiden habe ich abgebrochen, aus der dritten wurde ich rausgeschmissen, weil ich schwanger wurde. Mit der Schwangerschaft kam dann für mich aber die Kehrtwende in meinem Leben und ich habe alles umgekrempelt.&nbsp;</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-du-hast-deinen-ehemann-dort-kennengelernt-und-bist-wahrend-der-dritten-therapie-schwanger-geworden-da-gab-bestimmt-einige-vorurteile-oder">Du hast deinen Ehemann dort kennengelernt und bist während der dritten Therapie schwanger geworden. Da gab bestimmt einige Vorurteile, oder?</h3>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Dass zwei Süchtige sich gegenseitig helfen können, das hätten unsere Therapeut*innen damals nie gedacht. Eine Beziehung dort in der Therapie, das gehe gar nicht, sagten sie. Das könne doch nicht funktionieren, wenn beide süchtig sind. Und jetzt kam noch ein Kind dazu, um Gottes willen.</p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es hieß, man könne das in der Klinik nicht tragen. Man ließ uns die Therapie nicht zu Ende machen. Mein Mann, damals mein Partner, war zu dem Zeitpunkt elf Monate dort. Nach zwölf Monaten warst du fertig und gingst in die Nachsorge. Ich war acht Monate da. Aber das Argument war, ich würde jetzt von den anderen Patient*innen bevorzugt und das wäre nicht gut.</p>

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    </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-inwiefern-bevorzugt-das-verstehe-ich-nicht">Inwiefern bevorzugt? Das verstehe ich nicht.</h3>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel könne jemand aus der Gruppe mir beim Putzdienst Arbeit abnehmen wollen, weil ich ja schwanger war, und jemand anderes könne dann sagen: „Wenn sie die Aufgaben nicht mehr macht, dann mache ich sie auch nicht mehr.“ So dachte man damals. Und dann haben die uns echt rausgeschmissen.</p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir haben ihnen es dann aber gezeigt, dass sie falschlagen, und sind zwei bis drei Jahre zusammen mit dem Kind zu den Ehemaligen-Treffen gegangen, die in dieser Einrichtung stattfanden. Plötzlich waren alle ganz stolz auf dieses Kind, das dort bei ihnen gezeugt worden ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-alt-warst-du-bei-dem-rausschmiss-und-wie-ging-es-dann-fur-euch-weiter">Wie alt warst du bei dem Rausschmiss und wie ging es dann für euch weiter?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich war 25. Wir sind dann nach Bonn gezogen und haben ein ganz neues Leben aufgebaut mit völlig fremden Leuten, mit völlig fremden Nachbar*innen, ohne Familie ums Eck. Zunächst sind wir bei einem Kumpel eingezogen, der zu seiner Freundin zog. Kurz danach haben wir ein Zimmer in einem Haus für Leute bekommen, die unter Bewährung standen oder aus dem Knast gekommen sind und obdachlos waren.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Unsere Eltern haben uns angeboten, nach Hause zu kommen, aber das wäre wirklich das Dümmste gewesen, was wir hätten machen können, wieder zurück in die alte Umgebung zu gehen.</p>

              </div>
    </div>
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</blockquote>

        </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir wollten neu anfangen und nicht zurück nach Hause. Deswegen hat uns die Bewährungshelferin in diesem Haus ein Zimmer besorgt. Das war nicht besonders schön, aber da konnten wir erst einmal unterkommen und Kontakt zu den Ämtern aufnehmen, um die Dringlichkeit für eine richtige Wohnung wegen der Schwangerschaft zu erklären. In dieser Unterkunft haben wir sogar noch geheiratet. Ja, das war schon auch krass, unsere Hochzeit im heruntergekommenen Haus, in diesem kleinen Zimmer mit Gemeinschaftsbad.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-waren-eure-eltern-bei-der-hochzeit-dabei">Waren eure Eltern bei der Hochzeit dabei?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, die Eltern, Schwiegereltern, meine Schwester und Schwager, also die engste Familie. Wir waren beim Standesamt im Stadthaus und dann schön im Restaurant essen, was meine Eltern bezahlt haben. Aber in die Hütte haben wir sie danach nicht reingelassen. Die hätten die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, wenn sie gesehen hätten, wie wir da hausten. Allein schon im Flur, diese Dusche und Toilette, die alle mitbenutzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aber sonst wären wir ja wirklich auf der Straße gewesen. Unsere Eltern haben uns angeboten, nach Hause zu kommen, aber das wäre wirklich das Dümmste gewesen, was wir hätten machen können, wieder zurück in die alte Umgebung zu gehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dank der Hilfe meiner Schwiegermutter hat es dann auch schnell geklappt, eine eigene Wohnung zu bekommen. Sie hat damals an den Vorsitzenden vom Wohnungsamt geschrieben und unsere Geschichte erzählt, von der Therapie und dass wir jetzt versuchten, ein neues Leben zu starten. Man müsse doch den jungen Menschen helfen. Dieser Leiter vom Wohnungsamt hat uns dann eingeladen und uns versichert, dass er versuchen wird, uns ganz schnell zu helfen. Und es hat wirklich geklappt, dass wir im Oktober in unsere Wohnung gezogen sind. Im Dezember kam mein erster Sohn zur Welt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Martina H. mit Mitte 20 in der ersten gemeinsamen Wohnung in Bonn</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-damals-hast-du-eine-substitutionstherapie-angefangen-wie-lief-das">Damals hast du eine Substitutionstherapie angefangen. Wie lief das?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das ging damals nur, weil ich schwanger war. Damals kam man nur in die Substitution, wenn man Aids hatte oder ähnlich schwer krank war, wenn man mindestens drei Therapien abgebrochen hatte oder eben schwanger war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 90er Jahre war es in der Substitution auch noch so, dass man das Ziel vorgegeben hatte, schnell clean zu werden. Die Leute mussten nach ein, zwei Jahren Substitution anfangen, runterzudosieren, sind dann aber wieder rückfällig geworden. Das ist auch mir passiert, aber mein Arzt hat mich, Gott sei Dank, schnell wieder aufgenommen. So konnte ich die Substitution fortsetzen, was wichtig war, weil ich ja derweil Mutter geworden war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Krankenkassen hatten es inzwischen gecheckt, dass es mit dem Runterdosieren nicht funktioniert. Zusammen mit den Ärzt*innen konnte man dann bei den Krankenkassen einen Antrag auf Substitution auf Lebenszeit stellen, was auch für mich gelang. Heute ist die Länge einer Substitutionsbehandlung zum Glück kein Thema mehr.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-konntest-du-beruflich-wieder-einsteigen">Konntest du beruflich wieder einsteigen?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Ja, das lief für uns beide wunderbar. Mein Mann war sofort untergebracht in einem Kunststoffschlosserbetrieb. Und ich habe im Krankenhauskiosk einen Minijob gemacht. Nachdem man mich dort kennengelernt hatte, konnte ich hinterher in die Krankenhauskantine. Ein paar Jahre später kam der Sprung, wohl auch durch die Arbeit im Krankenhaus, zur Arbeit im Pflegeheim. Wir hatten wirklich eine gute Zeit in Bonn.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Vor allen Dingen habe ich da Claudia S. zufällig vor der Arztpraxis wiedergetroffen. Wir kannten uns noch aus unserer Heimat aus der Schulzeit. Es war ja damals keine Handyzeit, dass man sich mal eben connecten konnte. Nachdem wir zehn Jahre in Bonn gewohnt haben, sind wir ziemlich zeitgleich im Jahr 2001 nach Berlin gezogen.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-ihr-habt-zusammen-jes-berlin-gegrundet-und-engagiert-euch-seither-fur-die-rechte-von-drogengebrauchenden-und-substituierten-kannst-du-davon-erzahlen">Ihr habt zusammen JES Berlin gegründet und engagiert euch seither für die Rechte von Drogengebrauchenden und Substituierten. Kannst du davon erzählen?</h3>

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<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang standen Claudia und ich noch ganz alleine am Kotti <em>[Anm. der Red.: Platz um den U-Bahnhof Kottbusser Tor, eine Gegend, in der sich unter anderem viele marginalisierte Drogengebrauchende treffen und verweilen]</em> und haben darauf aufmerksam gemacht, dass wir auf der Suche nach Menschen sind, die sich anschließen möchten. Wir wollten die User*innen wissen lassen, dass es da jetzt eine Gruppe gab. Die Menschen, die wir aufgesucht haben, hatten ein Recht darauf, zu wissen, was ihnen zusteht, wie zum Beispiel die Behandlung von Hepatitis C. Ein anderes Hauptanliegen wurde die Aufklärung von Konsumierenden und Ärzt*innen über die Substitution.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-welche-irrtumer-begegnen-euch-haufig">Welche Irrtümer begegnen euch häufig?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Durch mein jahrelanges Engagement bei JES und auch in meinem Job bei <a href="https://felix-pflegeteam.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Felix</a> <em>[ambulanter Spezialpflegedienst in Berlin, Anm. d. Red.]</em>, wo ich mit vielen suchtkranken Menschen zu tun hatte, ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Substitution oftmals nicht gut läuft. Viele Ärzt*innen haben ihr persönliches Standardmedikament, auf das sie selber schwören, aber es ist nicht für jede*n das Richtige. Manche brauchen eben etwas anderes.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Liebe Ärzt*innen, traut euch, die richtige Dosis und den richtigen Wirkstoff gemeinsam mit den Patient*innen zu finden!</p>

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</blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, die meisten Ärzt*innen müssten sich mehr Zeit nehmen, ein bisschen genauer hinhören und nicht direkt so rigoros sein. Es wird so schnell geurteilt und sanktioniert, wenn die Urinproben <em>[zur Kontrolle von sog. „Beikonsum“, d.&nbsp;h. die Analyse über Abbaustoffe nichtverschriebener psychoaktiver Stoffe, Anm. d. Red.]</em> positiv ausfallen, und Patient*innen haben viel Angst davor. Der Beikonsum kann an einer zu niedrigen Dosis oder einem nicht passenden Substitut <a>liegen.</a> Ein Medikamentenwechsel kann bedeuten, dass der Suchtdruck schnell weg ist.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Liebe Ärzt*innen, traut euch, die richtige Dosis und den richtigen Wirkstoff gemeinsam mit den Patient*innen zu finden! Als im Jahr 2015 Substitol <em>[retardiertes und daher langwirksames Morphinsulfat, Anm. d. Red.]</em> in Deutschland eingeführt wurde, waren nicht viele Ärzt*innen bereit, ihre Patient*innen umzustellen. Aber die, die es gemacht haben, haben schnell gemerkt, dass die damit Substituierten keinen Suchtdruck mehr hatten – oder, wenn überhaupt, nur ganz wenig.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Einführung von Substitol und auch von Diamorphin <em>[medizinisch reines Heroin, <a href="https://magazin.hiv/magazin/diamorphin-substitution-interview-dirk-schaeffer/">zur Substitutionsbehandlung seit 2009 zugelassen, wenn auch mit relativ hohen Hürden</a>, Anm. d. Red.]</em> haben sehr dazu beigetragen, dass für viele Opiatabhängige das Mittel ihrer Wahl endlich verfügbar war. Tricksereien mit den Urinkontrollen waren endlich vorbei.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für keine*n war es schön, mit den Ärzt*innen nicht offen über den Beikonsum sprechen zu können. Man hatte ständig die Sanktionen im Kopf, die automatisch folgten, wenn die Probe positiv war. Zum Beispiel wurde Take-Home <em>[gut auf das Substitutionsmittel eingestellte Patient*innen können für bis zu sieben oder in begründeten Fällen bis zu 30 Tage Rezepte für eine eigenverantwortliche Einnahme beanspruchen, Anm. d. Red.] </em>sofort gestrichen, selbst für die Berufstätigen. Der tagtägliche Weg zur Praxis macht das Leben sehr schwierig, zum Beispiel wenn man arbeitet.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt sie, die richtigen Medikamente und die richtige Dosis für alle, die sie brauchen! Bis auf die wenigen, die den Originalstoff Heroin bevorzugen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-zum-schluss-wurde-ich-gerne-noch-kurz-mit-dir-daruber-sprechen-wie-du-gesundheit-krankheit-und-sucht-siehst-wie-fandest-du-es-damals-1983-die-sucht-diagnose-zu-erhalten-als-beim-ersten-gerichtsverfahren-der-therapiestatt-strafe-antrag-gestellt-wurde">Zum Schluss würde ich gerne noch kurz mit dir darüber sprechen, wie du Gesundheit, Krankheit und Sucht siehst. Wie fandest du es damals, 1983, die Sucht-Diagnose zu erhalten, als beim ersten Gerichtsverfahren der Therapiestatt-Strafe-Antrag gestellt wurde?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich noch drauf war, habe ich solche Dinge überhaupt nicht wahrgenommen. Ich habe mich erst dann darüber geärgert, als ich gemerkt habe, dass die Diagnose seitdem auf jeder ärztlichen Überweisung steht: „Zustand nach Heroinabusus“ <em>[Abusus ist der lateinische Begriff für „Missbrauch“, Anm. d. Red.]</em>. Selbst wenn ich zum MRT muss, egal was. Es wird direkt klargemacht, dass ein Mensch mit Heroinabusus in die Praxis kommt. Damit man mir bloß kein Betäubungsmittel gibt. Es interessiert nicht, dass ich schon lange kein Heroin mehr angepackt habe. Der Hinweis bleibt einfach stehen.</p>

              </div>
    </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-was-ist-in-deinen-augen-ein-gesundes-leben">Was ist in deinen Augen ein „gesundes Leben“?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Laufen zu können, zumindest einigermaßen fit zu sein, satt zu sein. Also im Grunde bin ich da ganz einfach gestrickt, ich habe da nicht so hohe Ansprüche, ich muss keine muskulösen Körperteile haben oder so. Ich muss mich bewegen können, ich muss aufs Klo gehen können.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich nie als chronisch kranker Mensch gefühlt. Nur ab und zu krank, wenn ich entzügig war.</p>

              </div>
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</blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit zunehmendem Alter kam die Frage nach Gesundheit für mich überhaupt erst auf. Als junger Mensch, kann ich sagen, habe ich mich damit überhaupt nicht beschäftigt. Gedanken mache ich mir erst über meine körperliche Gesundheit, seitdem ich angefangen habe, Schmerzen beim Gehen zu fühlen, die Spritzen vom Orthopäden irgendwann nicht mehr reichten und es eine Knie-OP brauchte.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-ist-sucht-eine-krankheit">Ist Sucht eine Krankheit?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, na ja, irgendwie schon und irgendwie nicht. Es ist eine psychische Erkrankung oder eine psychische und körperliche Erkrankung. Es kommt bei jeder Person darauf an. Es ist schon gut, wenn Sucht als Krankheit betrachtet wird. Aber ich habe das Gefühl, dass Krankheit gleich so negativ verstanden wird.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe meine Jahre der Sucht wenig als negativ erlebt, muss ich ehrlich sagen. Eigentlich waren es gute Zeiten und ich bereue nichts. Ich habe mich nie als chronisch kranker Mensch gefühlt. Nur ab und zu krank, wenn ich entzügig war.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei Krankheit denkt man: Oh Gott, der arme Mensch hat da vor sich hin vegetiert. Aber ich habe viele schöne Jahre erlebt, obwohl ich ein süchtiger Mensch bin. Auch einfach mal los nach Spanien brettern und dort Zeit verbringen&nbsp;&#8230; Mein Leben war schön und kein Leben voller Krankheit. Ich habe wirklich viele schöne Zeiten erlebt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Anm. d. Red.: Bei einer Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren wegen einer Straftat, die auf eine diagnostizierte Abhängigkeit von illegalisierten Stoffen („Betäubungsmittelabhängigkeit“) zurückgeführt wird, kann ein Freiheitsentzug zurückgestellt werden, sofern sich die Person wegen dieser Abhängigkeit in einer staatlich anerkannten Einrichtung behandeln lässt (siehe § 35 Absatz 1 BtMG, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/__35.html">https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/__35.html</a>).<a id="_msocom_2"></a><a id="_msocom_3"></a><a id="_msocom_4"></a></p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
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		<title>Pay it no mind</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/pay-it-no-mind-marsha-p-johnson/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastbeitrag]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 11:47:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQ+]]></category>
		<category><![CDATA[Marsha P. Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1558737</guid>

					<description><![CDATA[Trans Frau, Sexarbeiterin, Dragqueen – Marsha P. Johnson war all das, vor allem aber eine der größten LGBT-Vorkämpferinnen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Trans Frau, Sexarbeiterin, Dragqueen – Marsha P. Johnson war all das, vor allem aber eine der größten LGBT-Vorkämpferinnen</strong>.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Von <a href="https://lukashermsmeier.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lukas Hermsmeier</a></em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wofür das P in ihrem Namen stehe, fragte ein Richter Marsha P. Johnson, als sie* wieder mal auf der Anklagebank saß. Für „Pay it no mind“, antwortete Marsha. Auf Deutsch sinngemäß: „Kümmer dich nicht darum.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>* Marsha P. Johnson benutzte für sich selbst die Pronomen she/her, also „sie/ihr“.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur der Richter bekam diesen Spruch zu hören, sondern auch alle Menschen, die sich nach Marshas Geschlecht erkundigen wollten. „Pay it no mind“ – das brachte ihre Lebenshaltung ganz gut auf den Punkt. Es war eine selbstbewusste Ablehnung aufdringlicher Fragen, ein Aufruf, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern, statt darum, Menschen in Schubladen zu stecken. Und gleichzeitig stellt die Botschaft bis heute Grundsatzfragen: Was wäre, wenn wir jenseits dieser starren Kategorien lebten? Wenn wir die Menschen nicht danach beurteilten, welches Geschlecht sie haben, welche Hautfarbe und wen sie lieben?</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-laut-und-exzentrisch-kampfte-die-burgermeisterin-der-christopher-street-fur-gleiche-rechte">Laut und exzentrisch kämpfte die „Bürgermeisterin der Christopher Street“ für gleiche Rechte</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Marsha P. Johnson war Aktivistin, Dragqueen, Künstlerin und Sexarbeiterin. Sie gehörte schon in den 1960er-Jahren zu den wichtigsten Figuren der weltweiten Queer-Bewegung. Angetrieben vom&nbsp;<a href="https://www.fluter.de/geschichte-des-csd-interview-mit-zeitzeuge" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stonewall-Aufstand</a>&nbsp;im Sommer 1969, bei dem es nach einer Razzia in einer Gay-Bar zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und LGBTQ+-Personen auf den Straßen New York Citys kam, gründete Marsha gleich mehrere Organisationen, die wichtige Rollen im Kampf für die sexuelle Befreiung spielten. Sie prägte die New Yorker Szene, wurde zur „Bürgermeisterin der Christopher Street“, die bis heute ein ikonischer Ort für die Homosexuellenbewegung ist, und wurde von Andy Warhol porträtiert. Nur jenseits der queeren Welt spielte Marsha P. Johnson, die 1992 unter ungeklärten Umständen starb, sehr lange Zeit kaum eine Rolle. Kein Wunder. Als Schwarze trans Frau aus der Arbeiterklasse war sie in einer Zeit, in der in den USA noch etliche rassistische Gesetze galten (so war es Schwarzen Menschen in vielen Bundesstaaten immer noch verboten, Weiße zu heiraten), die pure Provokation. Vor allem, weil sie laut und exzentrisch für Gleichberechtigung eintrat.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Geboren wurde Marsha in einer mittelgroßen Stadt in New Jersey – „Geschlecht: männlich“ stand 1945 in ihrer Geburtsurkunde. Doch bereits im Alter von fünf Jahren trug sie zum ersten Mal Kleider, was sie allerdings schnell wieder sein ließ, nachdem andere Kinder sie damit aufgezogen hatten. Auch vor ihren Eltern – ihr Vater arbeitete in einer Autofabrik am Fließband, ihre Mutter half in einem reicheren Haushalt – konnte sie ihre Identität kaum entfalten. Mit 17 zog Marsha nach New York, im Gepäck ein paar Klamotten und kaum mehr als 15 Dollar.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Um zu überleben, ging sie wie viele andere arme queere Jugendliche auf den Strich. Rund um den Times Square, heute berühmt für seine riesigen Leuchtreklamen, suchten Teenager damals nach Freiern. Aus „Black Marsha“, wie sie sich zu Anfang nannte, wurde Marsha P. Johnson – angelehnt an das Restaurant „Howard Johnson’s“, in dem sie viel Zeit verbrachte.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-ging-neben-marsha-p-johnson-in-die-geschichte-ein-ein-nbsp-geworfenes-schnapsglas">Ging neben Marsha P. Johnson in die Geschichte ein: ein&nbsp;geworfenes Schnapsglas</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Im Rotlichtviertel von Manhattan lernte Marsha 1963 die sechs Jahre jüngere Sylvia Rivera kennen, eine queere lateinamerikanische Dragqueen, die ebenfalls in die Geschichte eingehen sollte und um die sie sich fortan großschwesterlich kümmerte. Dabei kämpfte sie selbst ständig ums Überleben: Lange Zeit schlief sie in Kinos oder bei Freundinnen, wurde immer wieder festgenommen, hatte mehrere Nervenzusammenbrüche, kam in die Psychiatrie – und wurde wieder entlassen. Dieses Leben am Abgrund hinderte sie nicht daran, andere Menschen emotional zu unterstützen und ihnen sogar finanziell auszuhelfen. Geld, das sie bekam, gab sie denen, die es noch mehr brauchten als sie.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Dann kam Stonewall, die legendäre Rebellion im Greenwich Village, die zwar nicht nachweislich durch einen Schnapsglaswurf Marshas ausgelöst wurde (wie eine von mehreren Erzählungen behauptet), aber auch dank ihrer Beteiligung das wohl bedeutendste Ereignis der LGBTQ+-Bewegung des 20. Jahrhunderts markiert. Aus den Ausschreitungen wuchs die „Gay Liberation Front“, eine militante Gruppe, die regelmäßige Proteste organisierte und bald Nachahmer auf der ganzen Welt fand. Zusammen mit ihrer Verbündeten Sylvia Rivera gründete Marsha im September 1970 die „Street Transvestite (später:&nbsp;<a href="https://www.fluter.de/transition-transgender-detransition" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Transgender</a>) Action Revolutionaries“, kurz STAR – ein Kollektiv, das sich um wohnungslose trans Kids kümmerte. Im East Village richtete STAR Schlafstätten für obdachlose queere Personen ein und versorgte sie dort auch mit Essen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Schwarz und trans, dazu aus prekären Verhältnissen: Marsha verkörperte Intersektionalität, bevor es den Begriff überhaupt gab. Sie war eine Vorkämpferin der Homosexuellenbewegung und protestierte zugleich gegen die Dominanz weißer bürgerlicher Schwuler, die&nbsp;<a href="https://www.fluter.de/transgender-frage-buch-shon-faye-interview" target="_blank" rel="noreferrer noopener">trans Menschen</a>&nbsp;manchmal geradezu ablehnten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Ich war lange Zeit transphob“, sagt Randy Wicker, der in den 1960er-Jahren zu den bekanntesten schwulen Aktivisten der USA zählte. „Ich dachte, Transsexuelle seien in Wahrheit Homosexuelle, die sich besonders schuldig fühlen.“ Was Transsein wirklich bedeutet, habe er erst später realisiert, erzählt der heute 84-Jährige. Diese Erkenntnis habe er auch Marsha zu verdanken, die zu seiner besten Freundin wurde.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Wicker lebt immer noch in derselben Wohnung in Hoboken, New Jersey, in der er mit Marsha rund zehn Jahre lang zusammenwohnte. Zwei schwarze Engelsfiguren und etliche Fotos erinnern dort an sie. „Meine Wohnung ist ein Tempel für Marsha“, sagt Wicker. „Marsha hat mein Leben verändert. Sie war die großmütigste Person der Welt.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Es liegt auch an Wicker, dass Marshas Lebenswerk inzwischen nicht nur von der LGBTQ+-Gemeinde wahrgenommen wird. 2012 kam der Dokumentarfilm „Pay It No Mind“ heraus, gespickt mit Wickers Archivmaterial und Erinnerungen. Im selben Jahr wurden die Ermittlungen zu Marshas Tod wieder aufgenommen. Ihre Leiche war im Juli 1992 im Hudson River gefunden worden.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-marsha-p-johnsons-tod-ist-bis-heute-ungeklart">Marsha P. Johnsons Tod ist bis heute ungeklärt</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Ob es ein Suizid war, wie die Behörden schnell behaupteten, ist bis heute nicht bewiesen. Wicker und viele andere Freundinnen und Freunde bezweifeln, dass sich Marsha umgebracht hat. Es passte nicht zu ihr, sagen sie. Zu viel Lebensfreude, zu viele Pläne. Ihr Werk jedenfalls bleibt bestehen: 2019 wurde das „Marsha P. Johnson Institute“ gegründet, das sich für Schwarze trans Menschen einsetzt. Seit 2020 gibt es in Brooklyn direkt am Wasser den „Marsha P. Johnson State Park“, ein Jahr später wurde ganz in der Nähe der Stonewall-Bar eine Statue von ihr aufgestellt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Marsha war der erste Schwarze trans Mensch, den ich je in meinem Leben gesehen habe“, sagt die 22-jährige Qween Jean, eine Schwarze trans Frau, die in New York als Kostümdesignerin arbeitet. Sie habe sie damals in der Bibliothek ihrer Schule auf einem von Andy Warhol aufgenommenen Foto entdeckt. „Das war so ein großer Moment für mich. Ich wollte sofort alles über sie erfahren.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Qween Jean hat aus ihrer Neugierde eine Lebensaufgabe entwickelt. Als vor einigen Jahren zwei ihr nahestehende trans Menschen starben, fragte sie sich: Würde irgendjemand für mich kämpfen, wenn ich sterbe? Würde sich irgendjemand um Gerechtigkeit bemühen? Sie gründete daraufhin die Organisation „Black Trans Liberation“, die sich besonders für wohnungslose Schwarze trans Menschen einsetzt. Mehr noch als in Statuen oder Filmen lebt so der revolutionäre Geist von Marsha P. Johnson weiter.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Text von Lucas Hermsmeier wurde im Dezember 2022 auf fluter.org unter der Lizenz <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC-BY-NC-ND-4.0-DE</a> veröffentlicht: <a href="https://www.fluter.de/transfrau-marsha-p-johnson-protest" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.fluter.de/transfrau-marsha-p-johnson-protest</a>. Wir danken herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung.</em></p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weiterer Beitrag zu Marsha P. Johnson:</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Anlässlich ihres 75. Geburtstags, den sie am 24. August 2025 gefeiert hätte, hat <a href="https://www.iwwit.de/gayzine/marsha-p-johnson-75/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Paul Schulz Marsha P. Johnson gewürdigt</a>:</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="o5qi8RjV1L"><a href="https://www.iwwit.de/gayzine/marsha-p-johnson-75/">Marsha wer?! – Na Marsha P. Johnson!</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Marsha wer?! – Na Marsha P. Johnson!&#8220; &#8212; ICH WEISS WAS ICH TU" src="https://www.iwwit.de/gayzine/marsha-p-johnson-75/embed/#?secret=884S5B7Mep#?secret=o5qi8RjV1L" data-secret="o5qi8RjV1L" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>„Das ist so wertvoll, denn es erreicht die Massen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 10:20:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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		<category><![CDATA[Aidshilfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Schutz durch Therapie]]></category>
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					<description><![CDATA[In der RTLzwei-Daily-Soap „Berlin – Tag &#038; Nacht“ geht es seit August 2025 auch um HIV. Die Macher*innen holten sich dafür den Rat der Berliner Aids-Hilfe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In der RTLzwei-Daily-Soap „Berlin – Tag &amp; Nacht“ geht es seit August 2025 auch um HIV. Die Macher*innen holten sich dafür den Rat der Berliner Aids-Hilfe. Eine Kollegin durfte sogar mitspielen.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach einem One-Night-Stand fürchtet Valentina, dass sie sich mit HIV infiziert hat. Ihre Freundin Indira will sie unterstützen und macht zusammen mit ihr einen Test – und der zeigt überraschenderweise, dass Indira HIV-positiv ist.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie diese Diagnose das Leben der 23-Jährigen verändert, ist gerade einer der Handlungsstränge in der Daily-Soap „Berlin – Tag &amp; Nacht“ bei RTLzwei. Sophie Kortenbruck erzählt im Interview, weshalb zentrale Szenen in den Räumen der Berliner Aids-Hilfe gedreht wurden und warum sie nicht nur am Drehbuch mitgewirkt, sondern auch selbst mitgespielt hat.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sophie, als du im Frühjahr 2025 als Vertretung der Frauenreferentin zur Berliner Aids-Hilfe kamst, stand eine Serienrolle sicherlich noch nicht im Arbeitsvertrag?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte die Stelle erst ein paar Wochen zuvor vertretungsweise übernommen, als die Anfrage von „Berlin – Tag &amp; Nacht“ kam. Die Serie hatte ich vorher noch nie gesehen, ich wusste aber, dass sie sehr populär ist. Ich fand es super, dass sie sich überhaupt gemeldet haben, um sich fachliche Beratung einzuholen. HIV ist ja ein sensibles Thema! Sie schickten mir dann das Treatment mit dem geplanten Handlungsstrang. Da die Schauspieler*innen vor der Kamera ja mehr oder weniger improvisieren, gibt es keine ausformulierten Dialoge, sondern nur skizzenhafte Vorgaben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der erste Entwurf las sich aber, was die HIV-Botschaften anging, wie eine Zeitreise in die 1990er-Jahre.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was meinst du mit „Zeitreise“?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten wirklich jedes überholte Klischee von HIV und Aids in die Storyline gepackt, das man sich vorstellen kann. Ich habe dann ziemlich deutlich zu verstehen gegeben: Wenn ihr den Menschen mit HIV und der Prävention mit dieser Storyline wirklich etwas Gutes tun wollt, dann lasst es lieber bleiben oder ändert das. Sonst geht das Ganze komplett nach hinten los.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es fehlte einfach an Basiswissen über das Leben mit HIV im Jahr 2025.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie hat das Produktionsteam auf diese deutliche Kritik reagiert?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Team hat das tatsächlich dankbar und offen aufgenommen. Man hat gemerkt, dass es einen guten Willen gab und sie das Thema ganz bewusst setzen wollten, aber es einfach an Basiswissen über das Leben mit HIV im Jahr 2025 fehlte.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie lief das Wissens-Update konkret ab?</strong></p>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Erstmal habe ich ihnen ein paar Links zu Videos geschickt, etwa zum Schutz durch die HIV-Therapie. <a href="https://www.aidshilfe.de/de/schutz-therapie" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das war ja eine wichtige Botschaft: Unter Therapie ist HIV beim Sex nicht mehr übertragbar.</a>&nbsp; Ich habe außerdem die Storyline kommentiert und mit dem Hauptautor eine knappe Stunde über verschiedene Aspekte des Lebens mit HIV heute gesprochen, neben dem Schutz durch Therapie zum Beispiel auch darüber, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, eine HIV-positive Frau mit selbstbestimmter Sexualität vereinfacht als „HIV-Opfer“ darzustellen. Das stieß auf offene Ohren. Vielleicht war ich anfangs auch unfair voreingenommen.</p>

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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kam es dann zur Beteiligung der Berliner Aids-Hilfe bei den Dreharbeiten selbst?</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Produktionsteam hatte gemerkt, dass wir auf inhaltlicher Seite sehr hinterher sind, vor allem, wenn unser Name als Verein im Spiel ist. Sie dachten sich: Bevor wir nun irgendwelchen Laiendarsteller*innen beibringen, wie so ein Beratungsgespräch bei einem HIV-Test abläuft, warum macht das nicht gleich jemand von der Aids-Hilfe? Am Ende ist dieser Part dann bei mir hängengeblieben. <em>(lacht)</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es wurde dann tatsächlich auch in den Beratungsräumen der Berliner Aidshilfe gedreht.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Drei Tage lang und das ganze Haus war deshalb sehr aufgeregt. Wir hätten das natürlich gerne an einem Wochenende gemacht, aber die Produktion arbeitet nur von Montag bis Freitag, das heißt, die Dreharbeiten fanden mitten im Beratungsalltag statt. Was es bedeutet, wenn in die eh schon engen räumlichen Verhältnisse der Berliner Aids-Hilfe auch noch ein zehnköpfiges Fernsehteam einfällt, kann man sich leicht ausmalen. Und ich durfte noch nicht mal erzählen, worum es genau ging, wegen meiner Schweigepflicht!</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du hast schon für Kampagnen der Deutschen Aidshilfe vor der Kamera gestanden, aber nie als Schauspielerin. Wie war denn dieses Debüt für dich?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Produktionsteam hatte tatsächlich einen Schauspielcoach dabei, der von meinem Spiel ganz beeindruckt war. Ich habe mich fast schlappgelacht, denn ich habe in diesen Szenen als Beraterin ja überhaupt nicht „gespielt“, sondern einfach nur meinen Job gemacht. Das einzig Schwierige war, dass man ein gewisses Tempo halten und Infos sehr komprimiert rüberbringen musste. Es ist ja keine Dokumentation, sondern Fiktion. Es geht also immer eher um die Dramatik. Im richtigen Leben sollte die Mitteilung eines positiven Testergebnisses dann doch etwas länger als fünf Minuten dauern.</p>

              </div>
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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Episoden, an denen du bzw. die Berliner Aids-Hilfe direkt beteiligt wart, sind inzwischen ausgestrahlt. Bist du mit dem Gesamtergebnis zufrieden?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich finde, dass die Serie die Dramatik, die Unsicherheiten und vielleicht auch das Versteckspielen, die eine HIV-Diagnose für manche Menschen mit sich bringt, durchaus realistisch rüberbringt, ohne zu überspitzen.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Meine Hoffnung ist, dass wir etwas Angst nehmen und aktuelles Wissen zum Leben mit HIV vermitteln konnten.</p>

              </div>
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</blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte anfangs natürlich schon ein bisschen Sorge, was da am Ende dann tatsächlich über den Fernsehbildschirm flimmert, und dass die Aids-Hilfe dafür dann womöglich einen auf den Deckel bekommt, weil wir daran beteiligt waren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Meine größere Befürchtung war aber ehrlich gesagt, dass ich bei meinem Fernsehauftritt als HIV-Beraterin in der Aufregung den Standards der Aidshilfen nicht gerecht werde und es dann Beschwerden von Kolleg*innen hagelt! Ich hab schon geschwitzt in dem Moment.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Wirkung erhoffst du dir von der Thematisierung von HIV in der Serie?</strong></p>

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  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Meine Hoffnung ist, dass die Leute nun die Türen der Aidshilfen einrennen und alle einen Test machen wollen. Dass wir etwas Angst nehmen und aktuelles Wissen zum Leben mit HIV vermitteln konnten. Bei der Berliner Aids-Hilfe, das ist allerdings auch Teil der Wahrheit, hätten sie derzeit allerdings Probleme, einen Termin zu bekommen, weil die Testangebote völlig überlaufen sind. Und dass Frauen bei ihren Gynäkolog*innen oder Hausärzt*innen HIV-Tests meist selbst bezahlen müssen, ist ein Skandal.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wieso ist das der Fall? Weil Frauen, anders als etwa schwulen Männern, keine freie Sexualität zugesprochen wird?<br></strong>Bei Frauen wird oft schlicht nicht gesehen, dass auch sie HIV- und STI-Risiken haben können, oder entsprechende Hinwiese werden im ärztlichen Gespräch nicht ernst genommen. Wenn aber ein HIV-Test nicht für ärztlich notwendig erachtet wird, bleibt Frauen dann nur, ihn aus eigener Tasche zu bezahlen.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Handlungsstrang zu HIV wird nun noch vier Monate weiterlaufen. Die Berliner Aids-Hilfe ist dann aber nicht mehr involviert?</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht mehr direkt. Ich habe dem Autor*innenteam noch ein paar Überlegungen mitgegeben, mit welchen möglichen Diskriminierungsmomenten Indira zum Beispiel konfrontiert sein oder was ihre Diagnose für Beziehungen bedeuten könnte. Und ich habe ihnen angeboten, dass sie sich jederzeit an uns wenden können, wenn sie Fragen zu dem Thema haben. Schön wäre es, wenn Indiras HIV-Status irgendwann in der Serie nicht mehr etwas Besonderes, sondern etwas ganz Alltägliches ist, das nur noch ab und zu aufploppt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du hast das Team zwar nur einige Tage erlebt, aber wie ist es mit dem Thema umgegangen?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Schauspielerinnen waren ziemlich auf Zack, haben sich eingelesen und man hat gemerkt, dass sie ein echtes Interesse für das Thema entwickelt haben. Sie haben auch die Plakate von vielen prominenten Unterstützer*innen im Flur der Aidshilfe bestaunt. Die Indira-Darstellerin Ellinor Vogel überlegt, ihre Bekanntheit vielleicht künftig für die Berliner Aids-Hilfe zu nutzen. Ich fände es super, wenn sie sich vielleicht gezielt für die Belange von Frauen einsetzen würde. Denn die Darstellerin einer positiven jungen Frau kann durch ihre Prominenz sicherlich auch eine jüngere Generation erreichen. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass RTLzwei das Thema platziert und es ernst nimmt. Das ist so wertvoll, denn es erreicht die Massen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und musstest du schon Autogramme geben?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich wurde tatsächlich schon von einigen Leuten angesprochen. Das Lustige ist, dass man nun mitbekommt, wer die Serie dann offensichtlich doch regelmäßig schaut, aber es vorher nie zugegeben hätte! Durch die Serie erreichen wir auf alle Fälle mehr Menschen mit dem Thema, als es der beste Flyer je könnte. Vor allem aber auch ganz andere Bevölkerungs- und Altersgruppen. Sie durchleben mit Indira die Zeit der HIV-Diagnose und entwickeln Empathie für sie. Nebenbei lernen sie auch etwas darüber, was es heißt, heute mit HIV zu leben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe drei Jahre in im Youthwork-Team der Berliner Aidshilfe mitgearbeitet. Da sitzen dann Kids in der Schule, und die so: „HIV? Das ist doch kein Problem mehr. Das hab ich in einer Netflix-Serie gesehen. Man nimmt Tabletten und dann ist das doch okay.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die haben durch eine Storyline in einer Serie vielleicht viel mehr mitbekommen, als ich ihnen in einem Drei-Stunden-Workshop beibringen könnte. Gerade auch, weil sie einen persönlichen Bezug zu einer HIV-positiven Person aufgebaut haben – auch wenn es eine fiktive Figur in einer Serie ist.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Berlin – Tag &amp; Nacht“ läuft von Montag bis Freitag um jeweils 19:05 Uhr bei RTLzwei. Pro Woche schauen durchschnittlich 1,3 Millionen hauptsächlich junge Menschen die Serie. Die Serie ist online bei rtl2.de und youtube.com kostenlos abrufbar. Das Thema HIV beginnt ab Folge #3497.</em></p>

              </div>
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			</item>
		<item>
		<title>Aidshilfe erinnert daran: Nicht die Menschen sind falsch, das System ist es oft</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-unverzichtbar/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-unverzichtbar/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marcel Dams]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2025 10:28:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturelle Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1558568</guid>

					<description><![CDATA[Am 21. Juni 2025 hat die Aidshilfe Köln ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Auch Marcel Dams gratulierte – und brachte neben seiner eigenen Geschichte vier Dankeschöns und Wünsche für die Zukunft mit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 21. Juni 2025 hat die <a href="https://www.aidshilfe-koeln.de/tag/40-jahre/">Aidshilfe Köln ihr 40-jähriges Jubiläum</a> gefeiert. Auch Marcel Dams gratulierte – und brachte neben seiner eigenen Geschichte vier Dankeschöns und Wünsche für die Zukunft mit.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Wir dokumentieren Marcels Rede und danken herzlich für die Erlaubnis zur Veröffentlichung!</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich bin ein Kind der Aidshilfe.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Vor 15 Jahren gab sie mir Halt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Kurz nach meiner HIV-Diagnose hat sie mich begleitet, gestärkt, aber auch irritiert und herausgefordert.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Heute bin ich gewachsen, gehe eigene Wege, blicke mit mehr Abstand auf sie und komme doch immer wieder zurück, weil sie meine Heimat ist. Eine, mit der man sich verbunden fühlt, selbst wenn man sie mal verlässt.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ohne sie wäre ich nicht, wer ich bin. Und es ist mir nicht egal, wie es mit ihr weitergeht.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es ist der Blick der Aidshilfe auf die Gesellschaft und die einzelnen Menschen, der sie einzigartig macht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Zum 40. Geburtstag habe ich deshalb vier Dankeschöns mitgebracht, verbunden mit Wünschen für die Gegenwart und Zukunft.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Persönlich, politisch, kritisch, vielleicht etwas unbequem. So wie Aidshilfe auch ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich entschieden, nicht nur die erwartbaren, offensichtlichen Dinge zu sagen, sondern um die Ecke zu denken.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als Mensch mit HIV, als Sexualberater und als angehender Bildungswissenschaftler.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn eins ist klar: Die Arbeit der Aidshilfe war wichtig, ist wichtig und bleibt wichtig.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Es ist ihr Blick auf die Gesellschaft und die einzelnen Menschen, der sie einzigartig macht. Und genau diesen möchte ich herausarbeiten.</p>

              </div>
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  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Dazu braucht es Zeit.</p>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe hatte 40 Jahre.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Keine Sorge, die brauche ich nicht, aber lassen Sie sich 10 Minuten darauf ein.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich verspreche Ihnen, sie verstehen Aidshilfe und ihre Unverzichtbarkeit danach besser.</em></p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erstens: Leistung lohnt sich nicht immer!</strong></p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">In unserer Gesellschaft zählt an vielen Stellen vor allem, wie „nützlich“ wir sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Migrant*innen und Geflüchtete gelten als umso willkommener, je mehr sie der Wirtschaft dienen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Kranke sollen schnell genesen und ihre Arbeitskraft wieder zur Verfügung stellen.</p>

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    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbst der CSD in Köln und anderswo wird zunehmend über seine Wirtschaftsleistung legitimiert, als sei unser Kampf nur dann berechtigt, wenn er sich rechnet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Wer nicht ständig an sich arbeitet, sich optimiert oder diszipliniert, gilt schnell als faul.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Auf Social Media wird vorgemacht, wie wir unsere Körper, unsere Beziehungen, unsere Noten, unser Einkommen verbessern können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Maximale Ergebnisse in minimaler Zeit. Wer da nicht mitkommt, ist selber schuld. Denn jede*r kann es schaffen, man muss es nur wollen.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Aidshilfe ist man willkommen, nicht, weil man etwas leistet, sondern als Mensch, egal in welchem Zustand.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sogar „Self-Care“ wird ins System und den eng getakteten Terminkalender gepresst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">5-Minuten-Meditationen, kurze Atemübungen, ein schneller Kaffee, so hält man selbst produzierten Stress besser aus. Selbstfürsorge als eine von vielen Aufgaben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Und das gilt auch für unsere Körper und Beziehungen.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dating funktioniert wie ein Marktplatz: Wir präsentieren und betonen, was gut ankommt, verstecken, was den Marktwert mindert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei sexuellen Funktionsstörungen (wie Lustlosigkeit oder Erektionsproblemen) geht es kaum noch um die Suche nach dem Sinn, sondern nur um die schnelle Behebung, damit der Körper wieder funktioniert. Denn nur störungsfreie Sexualität gilt als attraktiv.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der harte Schwanz, lang durchhalten, Orgasmen hinterherrennen und die Anzahl der Partner*innen zählen mehr als folgende Fragen:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bin ich sexuell zufrieden? Brauche ich all das dafür? Was erfüllt mich stattdessen?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auch in Freundschaften, Familien oder Communitys soll man liefern, immer verfügbar sein, bloß keine Zumutung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Und weil wir es ständig erleben, erscheint es uns normal. Das ist es nicht.</em> Es ist gelernt. Eine gesellschaftlich eingeübte Haltung, die sich tief in unsere Beziehungen, unsere Körper und unser Selbstbild frisst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaftliche Kräfte wie Neoliberalismus, Rechtsruck oder soziale Medien wirken auf unsere innersten Beziehungen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der Aidshilfe möchte ich danken, weil sie für mich stets das Gegenteil war: <em>Man ist willkommen, nicht, weil man etwas leistet, sondern als Mensch, egal in welchem Zustand.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deshalb wünsche ich mir, dass noch klarer wird, was Verhältnisprävention<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> heißt: Nicht nur Zugang zu Gesundheit oder Abbau von Diskriminierung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sondern auch eine Kritik am System, das Menschen in allen Lebensbereichen unter permanenten Leistungsdruck setzt und soziale Arbeit unter ökonomischen Aspekten betrachtet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn der Kampf um Anerkennung, um Ressourcen, um Sichtbarkeit, dieser Kampf findet nicht nur zwischen Konzernen statt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sondern auch in Familien, Partnerschaften, Freundschaften, sozialen Bewegungen, Communitys. Die Logik der Konkurrenz hat Orte erreicht, an denen es mal um Solidarität ging.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Qualität der Arbeit von Aidshilfe bemisst sich nicht an der Zahl der Klient*innen, der HIV-Tests oder der durch sexualpädagogische Angebote in Schulen erreichten Jugendlichen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie bemisst sich daran, ob sich Menschen gesehen fühlen. Ob sie sich so sicher fühlen, dass sie sich zeigen können, auch mit ihren Brüchen und Zumutungen. Ob in ihnen etwas in Bewegung gerät, nicht auf Knopfdruck, sondern in einem Prozess, der Zeit braucht, Tiefe, Vertrauen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Ob sie spüren: Ich bin hier willkommen. Ohne Vorleistung. Ohne Bedingung.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Liebenswürdig macht nicht die perfekte Karriere, der gestählte Körper oder die konfliktfreie Beziehung. Liebenswürdig machen das Unaufgeräumte, die Fehltritte, die Makel.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Qualität der Arbeit von Aidshilfe bemisst sich daran, ob sich Menschen gesehen fühlen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bitte also darum, dass Aidshilfe ihren starken politischen Einfluss in unserer Stadt und darüber hinaus nutzt &#8211; für eine Gesellschaft, die Menschen auch jenseits von Gesundheit nicht optimieren will, sondern nimmt, wie sie sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine Aidshilfe, die nicht nur Symptome, sondern gesellschaftliche Strukturen bekämpft, die viele von uns krank machen und zu Phänomenen wie Sucht oder psychischen Erkrankungen führen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine Aidshilfe, die nicht, wie es an anderen Stellen oft geschieht, die Individuen für ihre Lage allein verantwortlich macht, sondern das System in Verantwortung nimmt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Eine Aidshilfe, die daran erinnert: Nicht die Menschen sind falsch, das System ist es oft!</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweitens: Die Mitte der Gesellschaft Mitte sein lassen!</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt hörte ich oft von Aidshilfe: „Scham und Schuld müssen endlich enden.“ Auch in aktuellen Spendenkampagnen liest man von dramatischen Geschichten mit Happy End.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, was damit gemeint ist, und bin dankbar, wenn Diskriminierung benannt und bekämpft wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Manchmal klingt es so, als müssten alle gerettet werden. Als sei das Leben erst lebenswert, wenn wir gesellschaftlich integriert und in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch es gibt Menschen, die stehen am Rand. Und manche werden dort bleiben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht, weil sie gescheitert sind, sondern weil sie nicht anders wollen, können oder schlicht nicht eingeladen sind, solange sie sich nicht anpassen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Mitte der Gesellschaft ist kein sicherer Ort für alle.</em> Für manche ist das Einzige, was sie schützt: sich von dieser Mitte fernzuhalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn Emanzipation heißt nicht: Akzeptanz durch Anpassung. Sie ist keine Vorher-Nachher-Erzählung mit Happy End im Sinne von: „Früher ausgeschlossen, heute aufgenommen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Emanzipation heißt: Befreiung von Zwängen, von Normen, vom Anpassungsdruck.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deshalb wünsche ich mir von der Aidshilfe, dass sie mehr Geschichten erzählt, in denen es keine Heilung gibt. Aber dennoch Würde und Überleben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn das, was oft als „krank“ oder „kaputt“ abgetan wird, ist häufig eine Überlebensleistung, und Überleben allein darf schon reichen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Mitte der Gesellschaft ist kein sicherer Ort für alle. Für manche ist das Einzige, was sie schützt: sich von dieser Mitte fernzuhalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Leben heißt nicht immer, heil zu werden. Leben heißt auch: Räume schaffen und Menschen finden, in und bei denen man anders sein darf.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Sich retten, oft nur gerade so, aber aus eigener Kraft. Dazu braucht’s keine Ratschläge derer, die uns erst in diese Lage brachten.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
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          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drittens: die Aidshilfe als Ort, der mehr aushält als Harmonie</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe hat mich im besten Sinne verunsichert. Ich traf auf verschiedenste Sichtweisen, Beziehungsmodelle, Kulturen, Vorlieben, Haltungen und fragte mich: <em>Was davon bin eigentlich ich?</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht kennen Sie das: Man sitzt im Restaurant, die Karte hat zu viele Gerichte und plötzlich sehnt man sich danach, in der Puszta-Hütte am Neumarkt zu sein. Da gibt’s nur Gulasch, man muss nichts entscheiden. Man isst, was auf den Tisch kommt, und es schmeckt auch noch.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf Lebenswege schmeckt nicht allen dasselbe. Entscheiden kann man sich aber nur, wenn man Auswahl hat und wenn man überhaupt weiß, dass es Alternativen gibt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Aidshilfe hat mir diese Alternativen gezeigt. Und auch wenn das vielleicht komisch klingt: Das war nicht immer leicht.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn Vielfalt ist kein schöner Insta-Post. <em>Echte Vielfalt ist nicht harmonisch.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie ist unbequem, stellt Normen infrage, bringt Gewissheiten ins Wanken und manchmal auch die eigene Identität. Aber genau das ermöglicht Entwicklung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich noch gut an Gespräche, die mich tief irritiert haben. Oft war ich skeptisch, manchmal auch abwehrend gegenüber anderen Meinungen. Aber genau das war der Punkt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vielfalt ist kein schöner Insta-Post. Echte Vielfalt ist nicht harmonisch.</p>

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    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbstwerdung und Veränderung passiert nicht dort, wo wir immer einig sind. Sie passiert im Konflikt. In der Reibung. In der Begegnung mit anderen, Unvertrautem, dem Unverständlichen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Aidshilfe ermöglicht Räume, in denen man sich nicht auf einen Nenner einigen muss</em>, in denen Identität nicht vorausgesetzt wird, sondern wachsen kann, im Kontakt, in Auseinandersetzung.</p>

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    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Deshalb wünsche ich mir, dass das Café Bach stärker wiederbelebt wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur für Kaffee und Kuchen, auch als Raum für Debatte, Widerspruch, Bildung, Begegnung. Oder einfach für Schrullen, schräge Vögel und einsame Seelen, die nicht wissen, wohin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Identität entsteht nicht und entwickelt sich nicht im stillen Kämmerlein.</em> Sie wächst im Kontakt mit anderen, gerade mit jenen, die man nicht versteht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Muss man auch nicht. Aber man ist auf sie angewiesen. Denn das eigene Ich kann erst im Unterschied zu anderen sichtbar werden. Es gibt kein Ich ohne Abgrenzung und Unterschiede.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dafür wünsche ich mir wieder mehr Raum und mehr Vertrauen darauf, dass Konflikte Zeichen von lebendiger Vielfalt sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Denn Unterschiede sichtbar machen und aushalten, das war immer die Stärke der Aidshilfe<strong>.</strong></em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viertens: Den Menschen vertrauen und ihnen etwas zutrauen</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich an die Corona-Pandemie: Überall herrschte der moralische Zeigefinger.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Stay the fuck home, Abstand, Verzicht!</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Als wäre das alles ganz einfach, wenn man sich nur genug zusammenreißt. Als ginge es nicht um Nähe, Körperlichkeit, menschliche <em>Grundbedürfnisse, die man nicht ohne Schaden dauerhaft pausieren kann.</em></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Besonders eingebrannt hat sich bei mir ein Interview mit einer jungen Frau aus Berlin im ZDF.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Sie sagte, dass es ihr schwerfalle und sie traurig mache, auf so viel verzichten zu müssen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was folgte, war ein Shitstorm. Dabei hatte sie nicht gegen Regeln verstoßen oder war Risiken eingegangen, sie hatte Bedürfnisse geäußert.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Empörung löst das nur aus, wenn man eigene Bedürfnisse (aus Selbstschutz?) so unterdrückt, dass man sie auch anderen nicht gönnt.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe veröffentlichte damals einen Flyer, wie man Risiken reduziert, auch wenn man weiterhin Sex hat. Mein erster Gedanke war: Das ist mal konsequent.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn genau das hat sie schon bei HIV getan und tut es bis heute: Keine Verbote. Keine Abwertung von Bedürfnissen oder Lust. Sondern informieren, ermöglichen, Menschen ernst nehmen.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe hält Menschen für fähig, mit Unsicherheiten umzugehen, und weiß: Wer aufklärt statt moralisiert, stärkt Selbstbestimmung.</p>

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    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieses Menschenbild – Vertrauen statt Kontrolle – kenne ich von kaum einer anderen Organisation.</em></p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aidshilfe fragt nicht nur, wie man Infektionen verhindert, sondern auch, ob Menschen zufrieden sind. Und sie weiß: Wer das wirklich sein will, muss manchmal Risiken eingehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch derzeit beobachte ich, als Sexualpädagoge und Bildungswissenschaftler, eine Tendenz im gesellschaftlichen Diskurs: Sexualität soll rein, eindeutig, absolut sicher sein. Das sind Nachwirkungen von Corona.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als wäre Lust nur legitim, wenn sie klinisch sauber und frei von Widersprüchen ist.<em> Doch Sexualität und Leben sind nie frei von Risiko und Ambivalenz.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Zeiten von Gesundheit als höchstem Ideal, wo Risikofreiheit wichtiger scheint als Lebensqualität, setzt die Aidshilfe einen Kontrapunkt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie fragt nicht nur, wie man Infektionen verhindert, sondern auch, ob Menschen zufrieden sind. Und sie weiß: <em>Wer das wirklich sein will, muss manchmal Risiken eingehen.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle wünsche ich der Aidshilfe keine Veränderung, nur, dass sie sich treu bleibt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dass sie sich weiter aus ihrer Geschichte heraus versteht: als Bewegung für Lust, Genuss, Selbstbestimmung und dafür, Ambivalenzen auszuhalten und anzuerkennen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Widersprüche nicht nur zu ertragen, so, als ob man ihnen wie ein Opfer ausgeliefert wäre, sondern sie als notwendigen Teil von Lebendigkeit, vom Leben zu begreifen.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht fühlen sich in Aidshilfe deshalb so viele Menschen wohl, die sich sonst nirgends zugehörig fühlen, weil ihnen hier zugetraut wird, die passenden Entscheidungen für sich selbst zu treffen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe tut das seit 40 Jahren. Und ich habe keinen Zweifel, dass sie damit weitermacht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gerade in gesellschaftlich schwierigen Zeiten macht das Hoffnung, weil es ein kleines, aber wichtiges <em>Puzzlestück für unsere Demokratie ist, die auf Kommunikation, Mündigkeit und einem akzeptierenden Blick auf reale Lebensweisen beruht.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich möchte mit für mich wichtigen Worten enden.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für mich ist die Aidshilfe Familie. Und ich bin sehr glücklich, dass so viele Menschen sie mitgestalten und Teil meines Lebens geworden sind.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe wird gebraucht, weil sie an der Seite der Menschen steht. Oft über den Tod hinaus.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Es ist schmerzhaft, wie viele Freund*innen wir verloren haben. Aber immer, wenn ich im Café Bach an der Gedenkwand stehe, weiß ich: <em>Selbst der größte Schmerz wird erträglicher, steht man zusammen, ist man nicht allein.</em></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und ich fühle mich seit 15 Jahren weniger allein. Nicht nur in Bezug auf HIV. Dafür bin ich gerade in den aktuellen Zeiten zutiefst dankbar.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Natürlich werden wir weiter zusammenstehen und füreinander einstehen. Dafür ist und bleibt die Aidshilfe der richtige Ort.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich freue mich, auch in Zukunft mit dabei zu sein.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vielen Dank!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Anm. d. Red.: Verhältnisprävention ist ein Begriff aus dem Konzept der Strukturellen Prävention, das der Aidshilfe-Arbeit zugrundeliegt: Es nimmt das Verhalten Einzelner ebenso in den Blick wie die Verhältnisse (Strukturen), in denen sie leben. Denn was die Einzelnen zu ihrer Gesundheit und zur Verminderung von Risiken beitragen können, hängt stark von ihrem sozialen Umfeld, Gesellschaft und Politik ab.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beiträge zu Aidshilfe-Arbeit und Struktureller Prävention (Auswahl)</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Interview mit Dirk Meyer, der fast 40 Jahren in Aidshilfe-Strukturen gearbeitet und sie geprägt hat (2025)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="oqm1G8ELGt"><a href="https://magazin.hiv/magazin/dirk-meyer-interview/">„Aidshilfe habe ich immer als politische Arbeit verstanden“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Aidshilfe habe ich immer als politische Arbeit verstanden“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/dirk-meyer-interview/embed/#?secret=G4ldcPefhb#?secret=oqm1G8ELGt" data-secret="oqm1G8ELGt" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

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    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Würdigungen zum 80. Geburtstag von Rainer Schilling, der die Deutsche Aidshilfe mit aufbaute und ihre Prävention maßgeblich prägte (2023)</p>

              </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="z8cqBdVeJD"><a href="https://magazin.hiv/magazin/von-der-schoenheit-schwuler-sexualitaet-rainer-schilling-wird-80/">Von der Schönheit schwuler Sexualität: Rainer Schilling wird 80</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Von der Schönheit schwuler Sexualität: Rainer Schilling wird 80&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/von-der-schoenheit-schwuler-sexualitaet-rainer-schilling-wird-80/embed/#?secret=SgyCGEWFvr#?secret=z8cqBdVeJD" data-secret="z8cqBdVeJD" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Beitrag von Marco Kammholz zu Struktureller Prävention und Aidshilfe-Arbeit in der Covid-19-Pandemie (2021)</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="KdJb64lDgI"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/strukturelle-praevention-corona-aids-pandemie/">Unmögliche Verhältnisse: Strukturelle Prävention in der Covid-19-Pandemie</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Unmögliche Verhältnisse: Strukturelle Prävention in der Covid-19-Pandemie&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/strukturelle-praevention-corona-aids-pandemie/embed/#?secret=wZ8RKFysJd#?secret=KdJb64lDgI" data-secret="KdJb64lDgI" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Beitrag von Michael Jähme zum Verhältnis von Positivenselbsthilfe und Aidshilfe (2017)</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="lUqSZsv72O"><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/hilfe-war-gestern-selbstorganisation-ist-heute/">Hilfe war gestern, Selbstorganisation ist heute</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Hilfe war gestern, Selbstorganisation ist heute&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/hilfe-war-gestern-selbstorganisation-ist-heute/embed/#?secret=1zNAuzyxnw#?secret=lUqSZsv72O" data-secret="lUqSZsv72O" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>„Aidshilfe habe ich immer als politische Arbeit verstanden“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/dirk-meyer-interview/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Jun 2025 14:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[BzgA]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1558544</guid>

					<description><![CDATA[Seit 40 Jahren ist Dirk Meyer in Aidshilfe-Strukturen auf allen Ebenen aktiv. Vor seinem Ruhestand blickt er zurück auf seine Arbeit in der Selbsthilfe, in Landes- und Dachverband sowie in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vier Jahrzehnte lang hat Dirk Meyer in seiner Arbeit Akzente gesetzt und vor allem Strukturen aufgebaut und gefestigt: in der lokalen Aidshilfe, auf Landesebene in NRW sowie im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), jetzt Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG). Nun geht er in den Ruhestand. Für magazin.hiv sprach Axel Schock mit ihm.</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du bist während deines beruflichen Lebens zwar unterschiedliche Stationen durchlaufen und hattest verschiedenste Funktionen und Ämter inne. Verbindend aber war stets das Thema HIV-Prävention, oder?</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das wurde mir zur Vorbereitung auf unser Gespräch erst so richtig bewusst. Los ging es, als ich im September 1985, also vor mittlerweile 40 Jahren, als 26-Jähriger gemeinsam mit einigen anderen Mitstreitenden die <a href="https://www.aidshilfe-unna.de/de">Aidshilfe für den Kreis Unna</a> gegründet habe.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kam es, dass du dich in der Aidshilfe engagiert hast?</strong></p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative zur Gründung war von der Drogenberatungsstelle in Kamen ausgegangen. Zu dem ersten Treffen kamen neben mir noch ein paar weitere schwule Männer aus der Region. Wir waren durch die persönliche Betroffenheit bereits für das Thema sensibilisiert und durch die Gründung der Aidshilfe NRW angeregt worden, in der eigenen Region selbst etwas auf die Beine zu stellen. Wir sagten uns: Wenn wir jetzt nicht gesundheitspolitisch aktiv werden, passiert nichts.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir waren, wie andernorts auch, eine bunte Mischung von Leuten, die sich nicht unterkriegen lassen wollten. Mir ist erst viel später bewusst geworden, dass dies für mich als politisch aktiven schwulen Mann möglicherweise eine Form war, um mit meiner Angst umzugehen, die ich mir damals vielleicht nicht so eingestanden habe. Ich habe gewissermaßen meine Angst externalisiert.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mir ist später bewusst geworden, dass die Aidshilfearbeit für mich als politisch aktiven schwulen Mann eine Form war, um mit meiner Angst umzugehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dirk Meyer</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>War dir damals schon klar, dass du dich nicht nur im Ehrenamt und politisch, sondern auch beruflich mit HIV beschäftigen möchtest?</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nach vier Jahren als Vorstandsmitglied in der Aidshilfe im Kreis Unna gab es einen Bruch in meiner ursprünglich geplanten Berufskarriere. Ich hatte Mathematik, Physik und Erziehungswissenschaften auf Lehramt studiert. Das Referendariat habe ich dann aber unterbrochen, um 1987 eine der ersten bezahlten Stellen anzunehmen, die wir in unserer Aidshilfe einrichten konnten.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Statt Lehrer zu werden, hast du also fortan im HIV-Kontext gearbeitet. War dies ein folgerichtiger Schritt?</strong></p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mir war immer schon klar: Wenn wir etwas bewegen wollen, dann brauchen wir das persönliche Engagement und entsprechende Strukturen. Und dafür benötigen wir Geld.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Meine Arbeit in der Aidshilfe war zwar durch eine tiefe persönliche Betroffenheit motiviert, ich habe sie aber immer als politische Arbeit verstanden. Das hat uns auch von vielen Selbsthilfeorganisationen zu chronischen Erkrankungen unterschieden. Es war klar, dass es mit Selbsthilfegruppen allein nicht getan sein wird. Denn wir lebten ja in einer gesellschaftlichen Situation, in der wir statt auf Unterstützung vielmehr mit Ressentiments und Diskriminierung rechnen mussten. Ich habe deshalb in meiner Berufslaufbahn nicht von ungefähr immer an Stellen gearbeitet, wo es darum ging, Strukturen aufzubauen und weiterzuentwickeln, die Finanzierung zu sichern, Lobbyarbeit zu machen und politisch aktiv zu sein. Glücklicherweise habe ich immer Mitstreiter*innen gefunden, die ähnlich dachten und die Chancen sahen, die sich durch die Aidskrise damals ergaben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kannst du das erläutern?</strong></p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt etwa war es faktisch nicht möglich, Spritzenautomaten aufzuhängen. Die Drogenhilfe in Nordrhein-Westfalen hatte das damals abgelehnt. Einige Mitarbeitende der Drogenhilfe in unserem Kreis sahen das hingegen anders. Sie engagierten sich in unserer Aidshilfe und setzten hier die ersten Schritte zu Schadensreduzierung um. Mit den schwulen Männern und den Sozialarbeiter*innen aus der Drogenhilfe trafen völlig unterschiedliche Welten aufeinander. Aber uns vereinten gesundheitspolitische Anliegen. Diese Koalition war nicht immer einfach, aber wir haben uns großartig ergänzt. Zudem hatten sich recht früh einige substituierte Drogengebraucher*innen in unserer Aidshilfe engagiert.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bereits 1988 bist du in den ehrenamtlichen Landesvorstand der Aidshilfe NRW aufgerückt. Das ist kein selbstverständlicher Schritt.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das ist richtig. Ich hatte mich damals für die Aidshilfen in den ländlichen Regionen stark gemacht, die in einem so ausgedehnten Bundesland mit großen Aidshilfen – etwa in Köln, Dortmund, Essen und Düsseldorf, also Städten mit ausgeprägter schwuler Szene – leicht untergegangen wären. Ich konnte dann auf Landesebene die Strukturen mit aufbauen. Offenbar wusste man meine Arbeit zu schätzen, denn im Herbst 1989 fragte mich die Aidshilfe Bonn, ob ich nicht bei ihnen die Geschäftsführung übernehmen möchte. Bonn war damals noch Bundeshauptstadt und deshalb besonders interessant. Zudem war die Bonner Aidshilfe eine sehr politische und bunte – und damals die einzige in der Bundesrepublik, in der sich auch HIV-positive Bluter*innen engagierten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Rund zweieinhalb Jahre arbeitete ich in der Doppelfunktion als Landesvorstand der Aidshilfe NRW und Geschäftsführer der Aidshilfe Bonn, als mich die Aidshilfe NRW fragte, ob ich nicht die Nachfolge der Geschäftsführerin Christiane Friedrichs antreten möchte. Diesen Wunsch hatte man mit der Mitgliederversammlung abgestimmt, was eine ungewöhnliche Vorgehensweise und zugleich eine besondere Bestätigung war. Bis zum April 2011 bin ich dort 19 Jahre lang Landesgeschäftsführer geblieben.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für die Geschäftsführungsposition in Aidshilfen scheinst du stets eine Idealbesetzung gewesen zu sein. 2005 hast du interimsmäßig auch in der DAH diese Funktion übernommen.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das habe ich für ein halbes Jahrgemacht, bis mit Luis Escobar ein neuer Bundesgeschäftsführer gefunden war. In dieser Zeit habe ich meine Arbeitszeit zwischen der DAH in Berlin und der Aidshilfe NRW in Köln aufgeteilt. Es war eine spannende und auch sehr lehrreiche Zeit mit völlig neuen Aufgaben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In der Zeit ist es gelungen, einen Prozess aufzusetzen, der schließlich dazu führte, dass die DAH bis heute zusätzlich Finanzmittel in Höhe von rund einer Million Euro pro Jahr für die zielgruppenspezifische Prävention mit schwulen Männern erhält.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Letztlich konnte mit dieser Projektförderung die Basis zur Präventionskampagne <a href="https://www.iwwit.de/">ICH WEISS WAS ICH TU</a> gelegt werden; einer Präventionskampagne, die eng mit den Aktivitäten vor Ort und in der Community verknüpft ist. Ich hatte also auch in dieser kurzen Zeit, die ich für die DAH tätig war, eine Möglichkeit gefunden, Strukturen strategisch zu stärken.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hast du für dich aus diesen Monaten in der DAH-Geschäftsstelle für deine nachfolgenden beruflichen Etappen mitgenommen?</strong></p>

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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mir wurde einmal mehr bewusst, welche herausragende Rolle der Bundesverband als Zuwendungsempfänger im Gefüge der Aidshilfearbeit in Deutschland sowie in der Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und auf kommunaler Ebene spielt. Diese Struktur mag fragil sein, aber es ist zugleich eine besondere Stärke des Aidshilfe-Systems, und es lohnt sich, dort hinein zu investieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe deshalb in meiner Zeit bei der BZgA auch ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet. Ich hatte durch die Vorerfahrungen sicherlich eine besondere Sensibilität und konnte die Zusammenhänge besser einschätzen und mich daher im Rahmen der Arbeitsteilung zwischen DAH und BZgA vielleicht auch besser auf innovative Weise auf Dinge einlassen, die es in anderen Zuwendungsbereichen in der Form vielleicht so nicht gibt.</p>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zur BZgA bist du im April 2011 gekommen und dort bis zu deiner Berentung auch geblieben – allerdings ab Mai 2013 mit einer vierjährigen Unterbrechung, in der du als Patient*innenbeauftragter der nordrhein-westfälischen Landesregierung tätig warst. Wie kam es dazu?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die damalige Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, hatte mich gefragt und die BZgA gebeten, mich für diese vier Jahre freizustellen. Dass ich für diese Position in Frage kam, ging auf mein Engagement in vielen Strukturen zurück. Ich hatte mich im Paritätischen Wohlfahrtsverband für ein solidarisches Miteinander im Bereich der Gesundheitsselbsthilfe stark gemacht. Wenn man politisch agiert, ist es immer wichtig, auch den Blick zu weiten und Verbündete zu suchen – gerade auch in politisch schwierigen Zeiten. Deshalb war ich auch über zwölf Jahre aus tiefer Überzeugung in der Gesundheitsselbsthilfe Nordrhein-Westfalen engagiert, wo ich die Stärkung der Gesundheitsverbände mit auf den Weg gebracht habe. Dass ich damals als offen schwuler, politisch aktiver Mann von den rund 50 Verbänden zu deren Sprecher gewählt wurde, war damals noch ein Politikum und keineswegs selbstverständlich.</p>

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    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es für dich ein besonderes Highlight deiner Arbeit bei der BZgA?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich zur BZgA stieß, gab es bereits seit vielen Jahren die gemeinsame Welt-Aids-Tags-Kampagne mit der DAH und der Deutschen AIDS-Stiftung. Bis dahin wurden aber vor allem Prominente – etwa Boris Becker oder Fußballer des FC Bayern München – für die Plakataktionen eingesetzt. Ab 2010 wurde der Kampagnenansatz neu ausgerichtet und auf Menschen mit HIV fokussiert. 2011 konnten wir dann gemeinsam mit der DAH mehrere Protagonist*innen finden, die diesem neuen Ansatz ihr Gesicht gaben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kam diese Idee innerhalb der HIV-Community an?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph">Es gab durchaus Vorbehalte gegen dieses Konzept. Die Befürchtung war, dass Menschen mit HIV für diese Kampagne instrumentalisiert werden könnten. Es war daher sicherlich von Vorteil, dass ich aus der Aidshilfe kam. Die Kampagne wurde dann immer wieder verlängert und im Rückblick ist sie für mich ein besonderer Erfolg. In den ersten beiden Jahren aber war es eine echte Herausforderung, Menschen dafür zu gewinnen, im Rahmen der Kampagne ihr Gesicht zu zeigen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Für mich war diese Erfahrung deshalb so wichtig, weil die BZgA hier den Mut bewiesen hatte, gemeinsam mit der DAH und der AIDS-Stiftung etwas Neues zu wagen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es weitere Projekte, an deren Umsetzung du maßgeblich mitgewirkt hast und auf die du besonders stolz bist?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Eine ganze Reihe sogar. Ich hatte ja das Glück, dass ich durch meine verschiedenen Tätigkeiten in so unterschiedlichen Bereichen gearbeitet habe. Ende der Achtzigerjahre hatten wir im Landesverband NRW beispielsweise die Idee entwickelt, jenen Gruppen, die im Alltag und in der Gesellschaft sonst gewöhnlich keine Bühne haben, eigene Plattformen zu schaffen – seien es Menschen mit HIV, schwule Männer, drogengebrauchende Menschen, Frauen im HIV-Kontext oder Menschen mit Migrationsgeschichte. Daraus sind Projekte entstanden, die zum Teil bis heute existieren, wie etwa die Präventionskampagne „Herzenslust“. Sie ist bis heute aktiv, durch sie wurde viel bewegt und sowohl ehrenamtliches Engagement als auch die Strukturen in diesem Feld gestärkt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Unter anderen Vorzeichen, aber mit einem ähnlichen Ansatz haben wir in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft „Frauen und HIV in NRW“ die Präventionsmarke „<a href="https://www.xxelle-nrw.de/">XXelle</a>“ auf den Weg gebracht. Auch sie gibt es bis heute, ebenso „<a href="https://www.posithivhandeln.de/PosithivHandeln/front_content.php">POSITHIVHANDELN</a>“ im Bereich der Positiven-Selbsthilfe NRW.</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein ganz spezielles Highlight ist das <a href="https://queeres-netzwerk.nrw/">Queere Netzwerk NRW</a>, das 1991 als Schwules Netzwerk NRW ebenfalls im gesundheitspolitischen Kontext mit Unterstützung der Aidshilfe entstanden ist und in dessen Gründungsvorstand ich war.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dass solche Projekte noch nach über 30 Jahren lebendig sind, ist nicht selbstverständlich.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Sie funktionieren weiterhin, weil sich immer wieder Menschen finden, die sie weiterentwickeln und sich dafür engagieren. Und ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, sie ins Leben zu rufen. Das war oftmals anstrengend und ging nicht immer ohne Auseinandersetzungen vonstatten. Aber gerade weil verschiedene Perspektiven eingeflossen und um ein gemeinsames Konzept gerungen wurde, sind die Resultate bis heute tragfähig geblieben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über all die Jahrzehnte in einem Feld zu arbeiten, in dem es immer wieder auch um Stigmatisierung, Krankheit und Tod geht und Menschen im eigenen Freund*innen- und Kolleg*innenkreis direkt betroffen sind, war ganz sicher belastend. Wie bist du damit umgegangen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit mit HIV und Aids war und ist für mich eine enorm intensive Erfahrung, denn sie betrifft ganz existenzielle Dinge. Dass ich diese ständige Konfrontation mit HIV und Aids im Beruflichen, Ehrenamtlichen und Privaten so lange durchgehalten habe, liegt sicherlich an einer Entscheidung, die ich sehr früh getroffen habe: Beruf- und Privatleben strikt voneinander zu trennen – also die Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sprechen wir über die Zukunft. Welchen gesundheitspolitischen Herausforderungen werden sich die Aidshilfen und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) stellen müssen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Diese sind meines Erachtens groß und nicht wenige: angefangen von den zunehmenden Antibiotika-Resistenzen bei Gonokokken bis hin zu den geopolitischen Veränderungen – seien es der Krieg in der Ukraine, die aktuelle US-Regierung oder die Folgen von Migration. Dies bedeutet auch, dass wir zunehmend mit weltweiten Pandemien konfrontiert werden und Deutschland sich angesichts dieser Veränderungen gesundheitspolitisch neu aufstellen muss. Das gilt etwa auch für die Unterstützungsleistung für die WHO oder UNAIDS. Denn wenn diese Organisationen ihre Arbeit mangels Finanzierung zurückfahren müssen, wonach es derzeit leider aussieht, werden wir uns in fünf Jahren oder sogar früher mit großen Problemen auseinandersetzen müssen. Denn wir leben eben nicht auf einer Insel. Wenn etwa HIV-Infektionen in anderen Regionen der Welt wieder ansteigen, werden diese auf dem einen oder anderen Weg auch vermehrt bei uns ankommen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deshalb bemüht sich das BIÖG auch darum, dass diese Wahrnehmung noch mehr geschärft, HIV und Aids nicht abgehakt und das Erfolgsmodell der Arbeitsteilung zwischen DAH und BIÖG fortgeführt werden. Dies ist jedoch keineswegs selbstverständlich. Denn in jeder Legislaturperiode werden Politiker*innen neu in den Bundestag gewählt, die sich mit dieser Thematik erst einmal auseinandersetzen müssen. Und wir müssen alle vier Jahre erneut dafür sorgen, dass die Wichtigkeit dieser Arbeit deutlich gemacht und bei den Haushaltsberatungen ausreichend Mittel eingeplant werden.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wo siehst du die DAH und ihre Mitgliedsorganisationen in den nächsten fünf oder zehn Jahren? Wo sind neue Herausforderungen, gerade auch in den sich verändernden politischen Rahmenbedingungen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Themenstellungen werden vielleicht andere sein, die Herangehensweise jedoch wird im Grundprinzip die gleiche bleiben. Wichtig ist, dass Aidshilfen aus sich heraus oder mit anderen zusammen in der Lage sind, auf die sich veränderte Situation zu reagieren und sich dementsprechend weiterzuentwickeln. Das sehe ich nicht monolithisch. Es gibt ja jetzt bereits Aidshilfen mit neuem Namen und mit veränderten Schwerpunkten, etwa der Ausbau von Testangeboten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend wird sein, ob es gelingt, den gesundheitspolitischen Ansatz weiterzutragen. Der Arbeiter-Samariterbund oder die Arbeiterwohlfahrt wurden auch ursprünglich als solidarische Hilfsstrukturen in der Arbeiterbewegung aufgebaut, übernehmen heute aber auch völlig andere Aufgaben. Gleichgeblieben ist jedoch die Haltung, das Miteinander, das gemeinsame Aushandeln von unterschiedlichen Interessenslagen, um auf dieser Grundlage in die Gesellschaft hineinzuwirken und auch Forderungen zu stellen. Wenn sich auch die Aidshilfen auf vergleichbare Weise weiterentwickeln und sich dennoch treu bleiben, werden sie eine Chance haben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was wünschst du dir für die Aidshilfe?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Für die Aidshilfe wünsche ich mir, gerade in Anbetracht der gesellschaftlichen schwierigen Situation und des aufkommenden Rollbacks, dass die über viele Jahre gemeinsam erkämpften Rechte und Errungenschaften verteidigt werden.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Daher wünsche ich mir, dass es den Aidshilfen auch in Zukunft gelingt, Strukturen anzubieten, in dessen Rahmen kritische Auseinandersetzungen möglich sind. Denn Demokratie ist keine Garantie dafür, dass Menschen in einem Land nicht diskriminiert werden. In der Bundesrepublik war es etwa über Jahrzehnte möglich, dass Lesben und Schwule ausgegrenzt und zum Teil sogar rechtlich sanktioniert wurden. Es bleibt daher eine Daueraufgabe – auch in einer Demokratie – für sich einzustehen und gemeinsam zu kämpfen. Mein Wunsch ist daher, dass sich die Aidshilfe mit einem Schwerpunkt gesundheitspolitischer Aktivismus daran beteiligt und dass sich immer wieder Menschen finden, die diese Arbeit mittragen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie darf man sich das Leben des Rentners Dirk Meyer vorstellen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Im positiven Sinn wechselhaft. Ich bin seit einigen Jahren nebenbei Ombudsperson beim medizinischen Dienst Nordrhein, also eine Art Patient*innenbeauftragter, und werde dieses Amt noch mindestens drei Jahre weiterführen. Ich freue mich aber darauf, endlich mehr reisen und vor allem mehr Zeit mit meinem Mann und guten Freunden verbringen zu können.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich bin weiterhin in verschiedenen Vereinen aktiv und kann mich dort nun sogar etwas mehr engagieren, als es mir bislang möglich wäre. Und weil ich es bestimmt nicht ganz lassen kann, werde ich mich vielleicht auch in einer lokalen Aidshilfe ehrenamtlich einbringen.</p>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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		<title>Frohes Märzchen!</title>
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					<comments>https://magazin.hiv/magazin/frohes-maerzchen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Sweers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Feb 2025 09:18:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Marteniza]]></category>
		<category><![CDATA[Märzchen]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit Martenizi (Plural von Marteniza) wünscht man sich in Bulgarien zum 1. März traditionell Glück, Gesundheit und ein langes Leben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit Martenizi (Plural von Marteniza) wünscht man sich in Bulgarien zum 1. März traditionell Glück, Gesundheit und ein langes Leben.</strong></p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">In der HIV-Prävention setzen die Deutsche Aidshilfe und viele ihrer Mitgliedsorganisationen die&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.feste-der-religionen.de/feste/martenizi.html" rel="noreferrer noopener">Marteniza-Bändchen</a>&nbsp;seit vielen Jahren ein. Entstanden ist die Idee dazu im Rahmen des Projekts „Migrantinnen und Migranten als Multiplikator*innen für die HIV/STI-Prävention“ (MuMM).</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><a target="_blank" href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/marteniza-talisman-und-turoffner/" rel="noreferrer noopener">Zunächst stand dabei die Sexarbeit im Vordergrund</a>, denn viele Sexarbeiter*innen in Deutschland stammen aus Bulgarien oder Rumänien.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile aber dient der schöne Brauch ganz allgemein dazu, ohne viel Worte zu sagen: Mir ist wichtig, dass es dir gutgeht, ich wünsche dir Glück und Gesundheit und ein langes Leben!</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein Marteniza-Bändchen sagt: Mir ist wichtig, dass es dir gutgeht!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr verteilen Projekte, die mit Migrant*innen aus Osteuropa arbeiten, hunderte Postkarten mit guten Wünschen auf Deutsch, Bulgarisch und Rumänisch, zusammen mit einem Marteniza-Band fürs Handgelenk, das aus zwei ineinander verdrehten Fäden in Rot und Weiß besteht.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Karten bieten Platz für Infos zu lokalen Beratungs-Projekten und laden dazu ein, sich über das Thema sexuelle Gesundheit zu informieren.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv. Die Marteniza-Bändchen wirken oft als Türöffner, weil sie für viele Beschenkte ein Stück Heimat sind. Oft sind die beschenkten Personen überrascht, dass sie so etwas von deutschen Einrichtungen bekommen. Das wirkt sich für die Projekte auch langfristig positiv aus, denn sie bauen so Vertrauen auf und können ihre Angebote bekanntmachen.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hinweis</strong>: Vom 17. bis 30. März 2025 finden die Internationalen Wochen gegen Rassismus unter dem Motto „Menschenwürde schützen“ statt. Die Deutsche Aidshilfe wird in diesen zwei Wochen eine Reihe von Online-Angeboten und Medien zum Thema Rassismus bereitstellen, an denen alle Mitglieder, Partner*innen und Interessierte aus Gesundheitswesen, Beratung und Betroffenenhilfe, aber auch Communitymitglieder teilnehmen können. Diese Angebote berücksichtigen intersektionale Diskriminierungsformen, die Traumata bei Betroffenen, ihren Familien sowie Mitarbeiter*innen in Aidshilfen und Beratungsinstitutionen hervorrufen können. Weitere Informationen:</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.hiv-migration.de/aktuelles/internationale-wochen-gegen-rassismus-unser-programm">https://www.hiv-migration.de/aktuelles/internationale-wochen-gegen-rassismus-unser-programm</a></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ältere Beiträge zum Thema (Auswahl)</strong></p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="F8PuQqIG28"><a href="https://magazin.hiv/magazin/marteniza-talisman-und-turoffner/">Marteniza: Talisman und Türöffner</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Marteniza: Talisman und Türöffner&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/marteniza-talisman-und-turoffner/embed/#?secret=cjd99GdW0V#?secret=F8PuQqIG28" data-secret="F8PuQqIG28" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="k7ezufQGQb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/">Manchmal muss es eben MuMM sein</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Manchmal muss es eben MuMM sein&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/manchmal-muss-es-eben-mumm-sein/embed/#?secret=OLkPZeqYOx#?secret=k7ezufQGQb" data-secret="k7ezufQGQb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>&#8222;Für die Community gibt es noch viel zu tun&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Oct 2024 08:21:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Akademie Waldschlösschen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolfgang Vorhagen]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit mehr als 30 Jahre ist Wolfgang Vorhagen eng mit der Aids- und Selbsthilfebewegung verbunden. Nun wird er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Wolfgang Vorhagen eng mit der Aids- und Selbsthilfebewegung verbunden. Nun wird er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Im Interview blickt er zurück, aber auch nach vorn mit dem Wunsch, dass sich die Generationen im Aktivismus verbünden.</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung, Wolfgang! Du hast nicht nur als pädagogischer Mitarbeiter der Akademie Waldschlösschen deren Programm maßgeblich mitgeprägt, sondern dort auch die bundesweiten Positiventreffen verantwortet. Es gibt jedoch noch viele weitere Anlässe, dich für dein Engagement zu ehren, wie die Gründung der </strong><a href="https://schwuleundalter.de/"><strong>Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS)</strong></a><strong>. Was bedeutet denn die Auszeichnung für dich persönlich?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich gab es kurz den Gedanken, ob denn eine staatliche Anerkennung auch bedeuten könnte, sich in gewisser Weise vereinnahmen zu lassen. Andererseits habe ich in den vergangenen Jahrzehnten auf verschiedenen Ebenen immer wieder mit staatlichen Institutionen zusammengearbeitet und gute Erfahrungen gemacht, etwa bei der Finanzierung von Veranstaltungen im HIV-Bereich oder bei der Gründung von BISS. Wenn ich nun also auf mein Leben zurückblicke – sowohl auf die Tätigkeit im Waldschlösschen, die zum Teil ehrenamtlich geleistet wurde, als auch bei BISS und im Kontext von HIV, etwa in Gremien der Deutschen Aidshilfe und bei Positiv e.V. – dann freue ich mich über die Anerkennung dieses Engagements. Die Ehrung ist damit ein schöner Schlussstrich nach nunmehr dreieinhalb Jahrzehnten Ehrenamt und Hauptamt in diesen verschiedenen Bereichen.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es nach all dieser Zeit noch Themen und Aufgaben, bei denen du dich gefordert fühlst, dich weiterhin zu engagieren?</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich 2019 in den Ruhestand ging, habe ich mir tatsächlich vorgenommen, nun nur noch das zu machen, wozu ich Lust habe. Deshalb tummle ich mich in einem Bereich, der mit einer ganz persönlichen Leidenschaft zu tun hat, nämlich der Musik. Ich bin seit fast fünf Jahren im Ehrenamtsteam des Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin engagiert.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wir müssen uns immer wieder einen Ort in dieser Gesellschaft erkämpfen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du hast also viele Kapitel deiner bisherigen Arbeitsfelder geschlossen, zur Ruhe hast du dich aber nicht gesetzt. Was treibt dich heute um?</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im September vergangenen Jahres habe ich auch meine Vorstandstätigkeit bei BISS beendet, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mich genug engagiert habe und die Lebenszeit langsam überschaubar wird, in denen ich noch schöne Dinge tun kann.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich nehme dennoch an den aktuellen Diskussionen teil, sei es im HIV-Bereich oder auch im Kontext älterer schwuler und queerer Männer, für die ich in der Akademie Waldschlösschen nach wie vor zwei Seminare organisiere und durchführe. Diese Arbeit finde ich besonders wichtig, weil es um meine eigene Generation geht, die zum Teil das Trauma Aids durchlebt sowie die Schwulenbewegung mitgetragen hat. Lediglich die Themen haben sich verändert. Jetzt geht es nicht nur um die Diskriminierung von Schwulen, sondern auch von älteren Menschen. Wir müssen uns immer wieder einen Ort in dieser Gesellschaft erkämpfen. Da kann ich immer noch Dinge bewegen.</p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du hast eben erwähnt, dass sich für schwule Männer deiner Generation nicht zuletzt auch altersbedingt die Themen und Problemfelder verändert haben. Wie blickst du auf die aktuellen Debatten der nachgewachsenen queeren Menschen?</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin an diesen Diskursen nicht mehr aktiv beteiligt, weil ich merke, dass sie mich nicht mehr wirklich betreffen. Aber ich verfolge sie durchaus mit Interesse. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich – insbesondere im queerpolitischen bzw. im queer-feministischen Kontext – wirklich alles nachvollziehen und auch teilen kann. Ich begleite einen Teil dieser Diskussionen dennoch mit einer gewissen Sympathie. Sie erinnert mich an meine eigenen Anfänge in der Schwulenbewegung in Aachen Ende der Siebzigerjahre. Wir bezeichneten uns als schwul – nicht als queer – und haben Diskussionen geführt, mit denen viele der damals älteren Männer, die sich zum Teil eher als homophil denn als schwul verstanden, mit Sicherheit nicht viel anzufangen wussten. </p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nun bin ich selbst ein älterer schwuler Mann und denke, dass ich heute auch nicht mehr alles begreifen oder gar gut finden muss, was da diskutiert wird. Aber, und das ist für mich entscheidend: Es ist gibt immer noch eine Bewegung, auch wenn sie sich heute ganz anders aufstellt. Ich finde es nach wie vor wichtig, dass Menschen, ob nun homosexuell, schwul, lesbisch, bi oder queer, sich für ihre Belange einsetzen.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es ist wichtig, dass wir uns wieder als gemeinsame Bewegung verstehen und auch nach außen hin gesellschaftspolitisch agieren.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auch wenn die heutige Bewegung eine andere Agenda verfolgt bzw. andere Dinge diskutiert: Viele der grundlegenden gesellschaftlichen Probleme und Themen sind die gleichen wie vor 20 oder 30 Jahren. Was wünschst du dir von den jüngeren Aktivist*innen? Woran sollten sie weiterarbeiten, woran vielleicht anknüpfen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zunächst wünsche ich mir, dass die derzeitigen Diskurse, die zunehmend auseinanderdriften – hier queerfeministisch, dort „alter, schwuler, weißer, cis Mann“ und so weiter – wieder mehr zusammenkommen. Und dass auf beiden Seiten mehr über den eigenen Tellerrand hinausgeschaut wird, unvoreingenommen die Diskussionen der anderen verfolgt werden und zu verstehen versucht wird, worum es da vor den unterschiedlichen biografischen Hintergründen geht. Ich finde es problematisch, wenn wir uns gerade in dieser schwierigen politischen Situation weiter auseinanderdividieren. Es ist wichtig, dass wir uns wieder als gemeinsame Bewegung verstehen und auch nach außen hin gesellschaftspolitisch agieren. Das wird in Zukunft notwendig sein, wenn aus dem Wind, der uns entgegenbläst, dann vermutlich ein Sturm geworden ist. Reflexartige Empörung oder dergleichen können wir uns einfach nicht mehr leisten. Das erhoffe ich mir übrigens nicht nur von den jüngeren, sondern auch von den älteren queeren oder schwulen Menschen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Woran machst du das fest?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich merke etwa bei älteren Schwulen, dass sie oftmals nur ein von Klischees strotzendes Bild von queeren Menschen haben, die sie dann leichtfertig als bunte Vögel abqualifizieren. Ich finde es sehr bedauerlich, dass viele offenbar kein Interesse daran haben, welche neuen Lebensstile und Lebensmodelle, aber auch welche Gemeinsamkeiten es gibt. Die Diskriminierungen haben keineswegs ein Ende gefunden, sie finden nur zum Teil in anderen Formen statt, aber wir erfahren sie dennoch alltäglich. Und dies sind Erfahrungen, die uns über die Generationen hinweg verbinden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es ist auch heute noch längst nicht selbstverständlich, positiv zu sein – sei es im Berufsleben oder im Gesundheitswesen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Siehst du einen ähnlichen Bruch auch innerhalb der HIV-Community? Oder hat sich der Aktivismus dort fließender weiterentwickelt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auch der HIV-Aktivismus hat sich bereits seit längerer Zeit verändert und er wird es auch weiterhin tun. Schlicht, weil sich die Voraussetzungen und damit die Themen verändert haben. Die Herausforderungen, mit denen sich meine Generation gesellschaftlich, aber auch ganz persönlich auseinandersetzen musste, waren zutiefst existenziell, denn es ging hier um Überleben, Sterben, Tod und gesellschaftlichen und politischen Diskriminierungen und drohenden Repressalien. Dennoch ist es auch heute noch längst nicht selbstverständlich, positiv zu sein – sei es im Berufsleben oder im Gesundheitswesen. Weite Teile der Gesellschaft haben die medizinischen Entwicklungen bei der HIV-Therapie nicht mitbekommen, und ich schließe da die schwule Community nicht aus.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was meinst du damit konkret?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich frage mich, wie es passieren kann, dass trotz der großen Informationskampagnen selbst viele Schwule noch nicht wissen, dass Menschen mit einer erfolgreichen HIV-Therapie das Virus nicht mehr übertragen können, so dass es für nicht wenige immer noch ein Problem zu sein scheint, mit einem HIV-positiven Menschen Sex zu haben – selbst mit Kondom. Es ist erstaunlich, wie viel Diskriminierung von HIV-Positiven noch immer auf Dating-Plattformen wie PlanetRomeo stattfindet. Auch an dieser Stelle gibt es für die HIV-Community und HIV-Aktivist*innen noch viel zu tun.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zu-wolfgang-vorhagen">Mehr zu Wolfgang Vorhagen</h2>

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<ul class="wp-block-list">    
<li><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/ein-grosser-verlaesst-das-schloesschen/">„Ein Großer verlässt das Schlösschen. Wolfgang Vorhagens Abschied vom Bildungs- und Tagungshaus in Reinhausen“</a> (magazin.hiv, 2. 10. 2019)</li>



    
<li><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/eine-ode-an-die-freundschaft-wolfgang-vorhagen-zum-sechzigsten/">„Eine Ode an die Freundschaft – Wolfgang Vorhagen zum Sechzigsten“</a> (magazin.hiv, 31. 10. 2014)</li>



    
<li><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/das-etwas-andere-familientreffen/">„Das etwas andere Familientreffen. Das 200. bundesweite Positiventreffen“</a> (magazin.hiv, 20. 11. 2019)</li>



    
<li><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/so-etwas-wie-mein-lebenswerk/">„‚So etwas wie mein Lebenswerk‘. Wolfgang Vorhagen über 175 bundesweite Positiventreffen und drei Jahrzehnte Arbeit mit und für die Bewegung“</a> (magazin.hiv. 12. 11. 2015)</li>

</ul>

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			</item>
		<item>
		<title>„Wenn wir Veränderungen erreichen wollen, müssen wir Daten liefern“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/emis-2024-wenn-wir-veranderungen-erreichen-wollen-mussen-wir-daten-liefern/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/emis-2024-wenn-wir-veranderungen-erreichen-wollen-mussen-wir-daten-liefern/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Feb 2024 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[EMIS 2024]]></category>
		<category><![CDATA[EMIS-Studie]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie leben und lieben queere Männer und trans Menschen in Europa? Wie steht es um ihre Lust, ihren Sex, ihren Frust? Diesen Fragen geht die heute startende Onlinebefragung EMIS 2024 nach.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie leben und lieben queere Männer und trans Menschen in Europa? Wie steht es um ihre Lust, ihren Sex, ihren Frust? Diesen Fragen geht die heute startende Onlinebefragung EMIS 2024 nach.</strong></p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 130.000 Menschen aus 50 europäischen Ländern hatten sich an der <a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/emis-2017-2/">letzten EMIS-Befragung im Jahr 2017 </a>beteiligt. Ein immenser Datenschatz wurde damals für die Wissenschaft gewonnen, der es ermöglichte, ein genaues Bild vom Sexualverhalten, der Gesundheit und den Bedürfnissen von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), zu bekommen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch seither ist viel passiert. So hat etwa die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen, in vielen Ländern hat sich die gesellschaftliche Situation für LGBTIQ* verändert und immer mehr Menschen nutzen die HIV-Prophylaxe PrEP. Es ist also Zeit für eine neue Ausgabe der EMIS-Studie (European Men-who-have-sex-with-men and Trans People Internet Survey). Federführend sind die Deutsche Aidshilfe (DAH), das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Maastricht University (Niederlande).</p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Welche Erkenntnisse diese europaweit einzigartige Onlinebefragung liefern soll, erläutern Tamás Bereczky und Axel J. Schmidt von der Deutschen Aidshilfe im Interview.</p>

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			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Im Vordergrund stehen die Bedürfnisse der Befragten</p></blockquote>

        </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Ziele verfolgt EMIS 2024? Was soll mit dieser Studie erreicht werden?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Tamás Bereczky:</em> Es geht ganz zentral darum, die Prävention von HIV und Geschlechtskrankheiten für Männer und trans Personen, die Sex mit Männern haben, zu verbessern. Im Vordergrund stehen dabei die Bedürfnisse der Befragten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wozu dient das gewonnene Datenmaterial?</strong></p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Axel J. Schmidt:</em> Anhand der Daten können wir zum Beispiel ermitteln, wie gut die Menschen bereits informiert sind, etwa über die PrEP oder über Schutz durch Therapie. Wir möchten aber auch erfahren, wie zufrieden sie mit sich selbst sind, mit ihrer Sexualität. Ob sie beispielsweise Diskriminierung und Ausgrenzung erleben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Tamás Bereczky:</em> Mit den Erkenntnissen, die wir in der Auswertung gewinnen, können beispielsweise Nichtregierungsorganisationen wie die Deutsche Aidshilfe ihre Präventionsprogramme zielgerichteter gestalten oder von der Politik Veränderungen bei bestimmten Gesundheitsangeboten einfordern.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Bedarfslücken konnten durch die Vorgängerstudien EMIS-2010 und -2017 ermittelt werden?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Axel J. Schmidt:</em> Wir haben beispielsweise festgestellt, dass schwule Männer europaweit zu einem großen Teil nicht gegen Hepatitis B geimpft waren und auch kein Impfangebot erhielten, obwohl sie eine wichtige Zielgruppe darstellen. In vielen Ländern sind inzwischen die Regelungen angepasst worden. In Deutschland ist eine Hepatitis-B-Impfung für MSM empfohlen und wird von den Krankenkassen übernommen. Zudem zeigten die Daten, dass es mehr Bewusstsein für die Risiken einer Hepatitis-B-Infektion und entsprechender Informations- und Impfkampagnen bedarf.</p>

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			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Auf Basis von EMIS können europaübergreifend gesundheitspolitische Ziele gesetzt und Entscheidungen getroffen werden</p></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie viele Länder beteiligen sich an der Studie?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph"><em>Axel J. Schmidt:</em> Die neue EMIS-Studie deckt erneut den gesamten europäischen Raum ab, inklusive Türkei, Russland, Ukraine und Moldawien. Die Staaten des Südkaukasus hatten bei der letzten Erhebung gefehlt, jetzt sind sie dabei. Insgesamt sind 50 Staaten – von Norwegen bis Israel und von Portugal bis Kasachstan – an der Studie beteiligt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Tamás Bereczky:</em> Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), mit dem wir bei der Studie eng zusammenarbeiten, ist ebenfalls sehr daran gelegen, nicht nur länderspezifische Daten zu erheben, sondern tatsächlich ganz Europa abzubilden. Auf der Basis können dann auch europaübergreifend gesundheitspolitische Ziele gesetzt und Entscheidungen getroffen werden, die diese Communitys betreffen. Denn die nationalen Grenzen sind in diesem Zusammenhang unwichtig. Bedingungen für mögliche Erkrankungen, Infektionen und auch die Herausforderungen reisen mit. Deshalb ist es wichtig, Europa bei diesen Fragen immer auch als eine Einheit zu betrachten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwieweit sind auch trans Personen bei dieser Befragung angesprochen?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Axel J. Schmidt:</em> Auch bei den vorangegangenen Studien 2010 und 2017 war unser Standpunkt, dass trans Männer selbstverständlich Männer sind und, wenn sie Sex mit Männern haben, auch in diese Erhebung einbezogen sein müssen. Inzwischen hat sich der Diskurs entscheidend weiterentwickelt, daher haben wir den Fragebogen an vielen Stellen noch einmal mehr sprachlich angepasst. 2010 hatten sich auch viele trans Frauen beteiligt. Auch diese sind uns wichtig. Nicht unbedingt jene, die vielleicht in einer heterosexuellen Paarbeziehung leben, sondern insbesondere jene, die sich in der Szene bewegen oder auf Dating-Portalen aktiv sind. Wir haben für die Neuauflage der Studie den Fragebogen unter diesem Aspekt neugestaltet und durchgehend geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet.</p>

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          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.8#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Wir müssen die Forderungen mit wissenschaftlich belastbarer Evidenz untermauern</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele schwule und bisexuelle Männer sowie trans Personen an der Befragung beteiligen?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Tamás Bereczky:</em> Wir haben gerade während und nach der Pandemie gemerkt, dass sich die Lage für diese Communitys zum Teil wesentlich verschlechtert hat, doch die Gesundheit dieser Gruppen hat nicht unbedingt Priorität. Wenn wir hier also eine Veränderung erreichen wollen, dann müssen wir dazu Daten liefern können. Es reicht eben nicht, nur zu jammern und zu fordern, sondern wir müssen diese Forderungen mit wissenschaftlich belastbarer Evidenz untermauen. Und die EMIS-Studie liefert diese Evidenz. Wir können dann anhand dieser Zahlen belegen, welche Dinge nicht so gut laufen, oder sehen, wo es vielleicht doch besser läuft als vermutet und unsere Sorgen unbegründet sind. Um belastbare Zahlen und eine größtmögliche Repräsentativität zu erzielen, benötigen wir eine große Beteilung an dieser Studie. Deshalb haben wir den Slogan gewählt „Deine Stimme, unsere Stärke“. Damit wollen wir zeigen: Deine Stimme und deine Meinung zählen.&nbsp;</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie lange wird der Fragebogen online sein und ausgefüllt werden können?<br></strong><em>Axel J. Schmidt:</em> EMIS wird so lange online sein, bis auch kleinere Länder eine ausreichende Zahl von Antworten haben; der Fragebogen wird bis mindestens Ende April 2024 geschaltet sein.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und wann werden die ersten Ergebnisse der Auswertung vorliegen?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Axel J. Schmidt:</em> Ich gehe davon aus, dass wir Ende dieses Jahres erste Ergebnisse präsentieren können. Der europäische Bericht ist für 2025 geplant.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong> </p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der Fragebogen zur EMIS-Studie ist ab sofort <a href="https://maastrichtuniversity.eu.qualtrics.com/jfe/form/SV_02Gao89vz1ofHam" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier online</a>.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Weitere Informationen: <a href="https://www.emis-project.eu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">www.emis-project.eu</a> </p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-zusammenfassung-der-ergebnisse-von-emis-2017-auf-magazin-hiv">Zusammenfassung der Ergebnisse von EMIS-2017 auf magazin.hiv: </h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="odNWgxSvco"><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/emis-2017-2/">EMIS-2017: Schwuler Sex und schwule Gesundheit in Zahlen</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;EMIS-2017: Schwuler Sex und schwule Gesundheit in Zahlen&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/emis-2017-2/embed/#?secret=jGmSdnWFZY#?secret=odNWgxSvco" data-secret="odNWgxSvco" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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			</item>
		<item>
		<title>„Auch Aidshilfe lebt von der Vielfalt“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/omer-idrissa-ouedraogo-interview-vielfalt/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/omer-idrissa-ouedraogo-interview-vielfalt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Feb 2024 12:25:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[AGHNiD]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Omer Idrissa Ouedraogo]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1555863</guid>

					<description><![CDATA[Omer Idrissa Ouedraogo war zwei Jahre lang DAH-Referent für Migration und ist jetzt Geschäftsführer der Aidshilfe Hamburg. Ein Gespräch über Vielfalt, Antirassismus und Partizipation in Aidshilfe.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von der Spree an die Alster: Mit dem neuen Jahr ist der bisherige DAH-Fachreferent für Migration Omer Idrissa Ouedraogo zur Aidshilfe Hamburg gewechselt, um dort die Geschäftsführung zu übernehmen. Im Gespräch erläutert er, welche Bedeutung Vielfalt, Antirassismus und Partizipation für die Aidshilfearbeit haben.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Es waren zwar lediglich zwei Jahre, die Omer Idrissa Ouedraogo als Fachreferent für Migration und als Teamleiter für die Bereiche Migration, Sexarbeit, Drogen und Haft in der DAH-Bundesgeschäftsstelle in Berlin beschäftigt war. Doch in dieser vergleichsweise kurzen Zeit hat Omer Idrissa Ouedraogo nicht nur in seinem Fachbereich Entscheidendes auf den Weg gebracht, sondern auch der DAH und ihren Mitgliedsorganisationen wichtige Impulse geschenkt. Seit Jahresbeginn ist der aus Burkina Faso stammende Ouedraogo wieder zurück in seiner Wahlheimat Hamburg und hat dort die Geschäftsführung der dortigen Aidshilfe übernommen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ein Gespräch über die Erfahrungen aus seiner Zeit in der Bundesgeschäftsstelle, über Kontinuitäten und gelebte Partizipation.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jörg Korell hat die Aidshilfe Hamburg 23 Jahre als Geschäftsführer mit aufgebaut und dementsprechend auch geprägt. Fällt es dir schwer, nun in solche Fußstapfen zu treten?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Position des Geschäftsführers ist zwar neu für mich, die Aufgaben und Themen, die mich erwarten, hingegen sind es weniger. Eine Premiere für mich sind vor allem die große Verantwortung, die ich nun habe, und die Größe des Teams, das ich leite.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Hamburger Aidshilfe wurde von Jörg Korell sehr gut aufgestellt. Das erleichtert mir die Arbeit natürlich sehr, bringt aber auch eine große Herausforderung mit sich. Ich weiß, dass ich ihn nicht einfach so ersetzen kann, aber ich werde die Arbeit in seinem Sinne fortführen können. Ich stehe dazu bereits intensiv mit dem Team im Austausch: Was lief gut und was können wir gemeinsam noch verbessern? Wo gilt es neue Prioritäten zu setzen?</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich muss also, um im Bild zu bleiben, keine Angst vor Jörgs Fußstapfen haben, aber ich werde den Weg mit eigenen Schritten fortsetzten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwieweit möchtest du in der Arbeit der Hamburger Aidshilfe eigene Schwerpunkte setzen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Frage nach meinen Plänen und Visionen wird mir häufig gestellt. Die Strukturen sind zwar andere, aber fachlich und inhaltlich mache ich dort weiter, wo ich in der Bundesgeschäftsstelle aufgehört habe. Natürlich habe ich eigene Vorstellungen, aber mir ist es wichtig, erst einmal mit dem Team Ideen zusammenzutragen und gemeinsam zu schauen, wohin die Reise gehen soll. Es dürfte Konsens sein, dass wir die Präventionsarbeit ausbauen und gemeinsam mit den anderen Akteur*innen in Hamburg die Versorgungslücken schließen möchten. Das gilt auch für den Kampf gegen Diskriminierung und die Auseinandersetzung mit Rassismus. Wir sehen ja alle, wie die Lage derzeit in Deutschland ist. Es geht also darum, wie wir unser Deutschland gemeinsam neu und vielfältig gestalten. Denn auch Aidshilfe lebt von der Vielfalt. Für mich als Leiter der Aidshilfe Hamburg hat aber auch die ehrenamtliche Arbeit einen besonderen Stellenwert. Denn wir sollten nie vergessen: Die Aidshilfe hat ihre Wurzeln in der der Selbsthilfe. Wir möchte daher die Selbsthilfe unterstützen und auch das Ehrenamt fördern.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><br>Wir haben es geschafft, dass sich die DAH im Bereich der Antidiskriminierung und der Antirassismusarbeit ganz offiziell sehr deutlich positioniert.</p></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dem Team der DAH-Geschäftsstelle hast du nur wenig mehr als zwei Jahre angehört, aber sehr viel bewirken können.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im Rückblick bin ich selbst überrascht, was ich mit meinem Team und meinen Kolleg*innen in dieser vergleichsweise kurzen Zeit in der DAH erreicht habe – gerade auch im Bereich der Antidiskriminierung und der Antirassismusarbeit. Das sage ich durchaus mit Stolz. Wir haben es geschafft, dass sich die DAH hier ganz offiziell sehr deutlich positioniert hat.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du hattest nicht nur durch deine Arbeit, sondern auch durch deine Persönlichkeit große Wirkung auf deine Kolleg*innen in der Bundesgeschäftsstelle. War dir das eigentlich bewusst?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das tatsächlich erst bei der Verabschiedung realisiert. Und da sind manche Tränen geflossen (lacht). Die Entscheidung, von der DAH wegzugehen und die Stelle in Hamburg anzunehmen, war von gemischten Gefühlen begleitet. Ich habe einfach gemacht, was ich machen konnte, und habe mich als der Mensch eingebracht, der ich bin. Ich bin offen gegenüber jeder*m und versuche, von anderen zu lernen. Denn wir sind zwar alle verschieden und haben unterschiedliche Fähigkeiten, aber gemeinsam können wir etwas schaffen. Dabei spielt auch das positive Miteinander jenseits der fachlichen Qualitäten eine wichtige Rolle. Aidshilfen verfügen über eine Vielfalt an Ressourcen, auf die wir zurückgreifen und mit denen wir unsere Arbeit voranbringen können.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während deiner Zeit als Referent für Migration ist es dir unter anderem gelungen, die afrikanische Community mehr denn je für die Mitarbeit in der Selbsthilfe zu motivieren und einzubinden.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich bin bereits seit 2007 in den verschiedensten Kontexten in diesen Communitys unterwegs und deshalb auch sehr eng vernetzt und eingebunden. Die Communitybeteiligung spielt eine ganz wichtige Rolle. Wenn wir mitreden und mitwirken können, zum Beispiel beim Aufbau und Ausbau von Präventionsangeboten, können wir auch etwas erreichen. Diese Erfahrung hatte ich bereits als Praktikant in der Aidshilfe Hamburg gemacht. Später hatte ich dort dann eine Stelle als Sozialpädagoge angenommen und in diesem Rahmen bis 2017 unter anderem Gesundheitsbotschafter*innen der Migrant*innen-Community fachlich begleitet.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Danach bin ich zur AWO gewechselt, aber war weiterhin als ehrenamtlicher Helfer mit dem von mir mitgegründeten Café Afrika mit der Aidshilfe Hamburg verbunden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte also rund 15 Jahre Erfahrung mit Communitybeteiligung als ich von Hamburg zur DAH nach Berlin wechselte und konnte direkt daran anknüpften. Ich hatte zudem auch schon 2011 mit <a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/zwei-von-vielen/">AGHNiD (Afrikanisches Gesundheits- &amp; HIV Netzwerk in Deutschland) </a>ein nationales Netzwerk gegründet und viele Jahre ehrenamtlich begleitet.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bei den Positiven Begegnungen in Duisburg 2023 etwa waren so viele Menschen aus dieser Community dabei wie nie zu vor. Wie hast du das geschafft?</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auch dort spielte die Beteiligung eine entscheidende Rolle. Und auch, dass wir im Vorfeld offen über Mehrfachdiskriminierung von nicht-weißen Menschen mit HIV gesprochen haben. Oder anders formuliert: über Rassismus innerhalb der Aidshilfen und der HIV-Communitys. Die PoBe-Vorbereitungsgruppe hatte diese Themen von Anbeginn an im Blick. Ich hoffe, dass diese Haltung wie auch die Partizipation weiterentwickelt werden – und so auch künftig Menschen anderer Hautfarbe und anderer Religion ihre Stimme erheben und sich beteiligen können.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was möchtest du deinen DAH-Kolleg*innen auf den Weg geben? Was sollten sie unbedingt weiterführen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zum einen wünsche ich mir, dass sie das persönliche Miteinander weiter fördern und als wichtige Ressourcen sehen. Denn eine gute Stimmung führt auch zu einer guten Arbeit. Im Bereich der Migrationsarbeit wünsche ich mir, dass tatsächlich auch umgesetzt wird, was wir im <a href="https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/documents/dah_231101_positionspapier_anti-rassismus.pdf">Positionspapier „Aidshilfen gegen Rassismus“</a> festgeschrieben haben. Das bedeutet zum Beispiel, dass dieses Thema bei allen Seminaren, Fortbildungen und Veranstaltungen der DAH selbstverständlicher Teil ist. Ich werde das Positionspapier auch für meine Arbeit in Hamburg nutzen.</p>

              </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><br>Die positiven Rückmeldungen in Berlin haben mich darin bestärkt, auch in Hamburg die gleiche Offenheit im Umgang miteinander zu pflegen.</p></blockquote>

        </div>
      </div>
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  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es etwas, das du in diesen zwei Jahren in der Geschäftsstelle gelernt hast, ganz persönlich oder auch fachlich, das dir nun in deiner neuen Aufgabe hilfreich sein könnte?</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die positiven Rückmeldungen in Berlin haben mich darin bestärkt, auch in Hamburg die gleiche Offenheit im Umgang miteinander zu pflegen. Fachlich habe ich gelernt, Jahresplanungen partizipativ umzusetzen und einen größeren Haushalt zu verantworten. Dazu gehören auch das Schreiben von Förderanträgen und der Umgang mit Zuwendungsgeber*innen. Alle, die damit schon zu tun hatten, wissen, dass dies manchmal eine Wissenschaft für sich sein kann. Dafür war die Zeit in der DAH eine gute Schule (lacht). Und nicht zuletzt werde ich vom Netzwerk profitieren, das ich über die Zeit weiter ausbauen konnte.</p>

              </div>
    </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-von-omer-idrissa-ouedraogo-auf-magazin-hiv">Mehr von Omer Idrissa Ouedraogo auf magazin.hiv</h2>

              </div>
    </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="bQnM5k2cPc"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/black-or-white-rassismus-im-gesundheitswesen/">Black or White &#8211; Rassismus im Gesundheitswesen</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Black or White &#8211; Rassismus im Gesundheitswesen&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/black-or-white-rassismus-im-gesundheitswesen/embed/#?secret=tJ0V0KUgLz#?secret=bQnM5k2cPc" data-secret="bQnM5k2cPc" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Mutmacher und Motor: Manny Müller</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/manfred-manny-mueller/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/manfred-manny-mueller/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jan 2024 13:23:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1555755</guid>

					<description><![CDATA[Sein Aktivismus prägte drei Jahrzehnte HIV-Selbsthilfe. Die Aktivistin Alex Frings erinnert sich an ihren Mitstreiter und Freund Manfred „Manny“ Müller“ .]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sein aktivistisches Leben prägte drei Jahrzehnte HIV-Selbsthilfe. Die Aktivistin Alex Frings erinnert sich an ihren 2021 verstorbenen Mitstreiter Manny Müller.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Man lebt zweimal“, schrieb Honoré de Balzac: „Das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung“. Wie also erinnern wir uns an Menschen, die in der Aids- und Selbsthilfe oder in deren Umfeld etwas bewegt haben? Was bleibt von ihnen, wie bleiben sie in unserem Gedächtnis? Mit diesen und anderen Fragen zum Gedenken beschäftigt sich unsere Reihe „Erinnern und Gedenken“ in loser Folge.</em></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie viel ehrenamtliches Engagement ist in drei Jahrzehnten und in einem viel zu kurzen Leben möglich? Die Wirkungsbereiche, in denen Manfred „Manny“ Müller tätig war, seit er 1991 in der <a href="https://aidshilfe-bochum.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aidshilfe Bochum </a>sein aktivistisches Leben begonnen hat, sind so umfangreich, dass es schwerfällt sie alle aufzuzählen. So war er unter anderem Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft<a href="https://www.posithiv-handeln.de/PosithivHandeln/front_content.php?idcat=2164&amp;lang=58" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> POSITHIV HANDELN NRW</a> und Vorstandsmitglied der Aidshilfe Bochum. Der Altenpfleger ging als positives Gesicht an die Öffentlichkeit – nicht nur in vielen Medienauftritten, sondern auch als IWWIT-Rollenmodell und als Botschafter im Rahmen der bundesweiten<a href="https://www.welt-aids-tag.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> Welt-Aidstag-Kampagne </a>2012.<br>In der Silvesternacht 2021 ist Manny 52-jährig gestorben.<br>Alex Frings, HIV-Aktivistin und Mitarbeiterin der <a href="https://duesseldorf.aidshilfe.de/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aidshilfe Düsseldorf</a>, erinnert sich im Interview an ihren langjährigen Mitstreiter und Freund.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>An was erinnerst du </strong><strong>dich s</strong><strong>pontan als Erstes, wenn du an</strong><strong> Manny </strong><strong>denkst?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">An sein Lächeln. Ich glaube, das verbinde ich deshalb so sehr mit ihm, weil ich noch nie in meinem Leben einen solchen gutmütigen, unfassbar liebenswürdigen und&nbsp;bescheidenen Menschen kennengelernt habe über dessen Lippen nie ein böses Wort gekommen ist. Jeder lästert schon mal, aber das habe ich bei Manny nie erlebt.&nbsp;</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie zeigte sich seine Bescheidenheit?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Er hat eine solche Präsenz an den Tag gelegt, allein schon dadurch, dass er sich als positiver Mensch im Gesundheitswesen geoutet hatte.&nbsp;Für ihn war das nie etwas Besonderes – anders als für die&nbsp;meisten Menschen, die mit HIV leben und ihre nicht immer guten Erfahrungen im Gesundheitswesen machen oder die sogar in diesem Bereich tätig sind. Für ihn war das immer eine Selbstverständlichkeit und auch etwas, das man einfach machen muss.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sich </strong><strong>öffentlich</strong><strong> als Mensch mit HIV zu z</strong><strong>ei</strong><strong>gen.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich würde es etwas anders formulieren. Wenn man sich Veränderung wünscht, man die Gesellschaft anders haben möchte, dann war es für Manny die logische Konsequenz selbst etwas dafür zu tun. Und das hat er gemacht. Dafür wurde er&nbsp;im Laufe der Jahre dann auch mehrfach geehrt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und anderem v</strong><strong>on der Aidshilfe Bochum, der Aidshilfe NRW</strong><strong> und</strong><strong> vom WDR.</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aber er konnte mit diesen Preisen nur schlecht umgehen. Es war wirklich schwierig für ihn, diese Auszeichnungen anzunehmen, denn für ihn war ja selbstverständlich, was er da alles tat.</p>

              </div>
    </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-manny-muller-galt-als-kugelblitz-der-selbsthilfe">Manny Müller galt als „Kugelblitz der Selbsthilfe“</h2>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Manny hat </strong><strong>sich</strong><strong> auf den </strong><strong>verschiedensten</strong><strong> Ebenen engagiert. </strong><strong>Man wundert sich, wie er das alles schon rein zeitlich schaffen konnte. </strong><strong>Hat er sich irg</strong><strong>e</strong><strong>ndwann als Vollzeitaktivi</strong><strong>s</strong><strong>t </strong><strong>verstanden</strong><strong>?</strong></p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube schon. Holger Wicht hat ihn bei&nbsp;den Positiven Begegnungen in Kassel „Kugelblitz der Selbsthilfe“ genannt. Manny war in der Tat unfassbar aktiv, obwohl er nebenbei noch einen Vollzeitjob und eine Beziehung&nbsp;und in den letzten Jahren zudem mit seiner Herzerkrankung zu kämpfen hatte.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Er hat sich voll damit identifiziert und das Engagement hat ihm auch viel gegeben.</p>

              </div>
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  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In welchen Kontext ha</strong><strong>b</strong><strong>t ihr euch kennengelernt?</strong></p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Durch den Aktivismus. Irgendwann ist er ist dann auch mein bester Freund geworden. Wir hatten ein geradezu symbiotisches Verhältnis. Wir waren eins – im Denken, im Handeln und in unserer Haltung zum Aktivismus: Wir wussten, wie wichtig es ist, dass Menschen mit HIV sichtbar werden, und dass dies nur geschieht, wenn es Menschen gibt, die an die Öffentlichkeit gehen, aber auch, welchen Preis das manchmal hat.</p>

              </div>
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  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Da ist zum einen die Zeit, die man dafür aufbringt. Dazu kommen die Erfahrungen, die man etwa mit Medien macht. Selbsthilfe und Aktivismus sind&nbsp;nicht immer einfach, und es gibt natürlich auch Menschen in der eigenen Community, die über einen reden, wenn man als öffentliche&nbsp;Person und Aktivist*in&nbsp;omnipräsent ist. Diese Erfahrungen habe ich mit ihm geteilt und Manny hat mich deshalb bei diesen Dingen auch so gut verstanden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe zwar viele Freund*innen im Aktivismus, aber mit niemand anderem konnte ich mich so gut austauschen und Erfahrungen&nbsp;teilen wie mit ihm. Durch seinen Tod ist für mich persönlich eine riesige Lücke entstanden.</p>

              </div>
    </div>
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              © Johannes Berger | DAH
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-sein-positiv-im-pott-lebt-weiter">Sein „Positiv im Pott“ lebt weiter</h2>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es Projekte oder </strong><strong>Initiativen</strong><strong>, die direkt auf Manny zurückgehen und in denen er </strong><strong>gewissermaßen </strong><strong>weiterle</strong><strong>b</strong><strong>t?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Manny war es immer auch wichtig, dass Menschen mit HIV einen Platz in Aidshilfearbeit haben müssen, auch und trotz all der Professionalisierung und der sich verändernden&nbsp;Themen. Dafür hat er sich vor Ort stets&nbsp;eingesetzt. Zuletzt hatte er in Bochum noch ein Projekt angeschoben, mit dem&nbsp;die Selbsthilfe wieder mehr aktiviert werden sollte. Dazu hatte er auch mich und einen anderen Freund motiviert, mit einzusteigen. Dieses Angebot,&nbsp;„Positiv im Pott“,&nbsp;besteht bis heute und richtet sich unter anderem an Menschen, die gerade erst ihre Diagnose erhalten haben, oder auch an solche, die sonst keinen Kontakt zu anderen HIV-Positiven beziehungsweise Probleme mit ihrem verinnerlichten Stigma haben.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Manny hatte Anfang der 1990er Jahre, die – wenn ich es richtig weiß – allererste Selbsthilfegruppe in Bochum überhaupt geleitet. Diese hatte sich dann irgendwann aufgelöst. Ihm war es wichtig, hier wieder ein neues Angebot zu schaffen.</p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie hat Manny auf andere Menschen gewirkt? Solch ein Kugelblitz kann auch einschüchternd wirken oder andere im übertragenen Sinne auch mit seiner Energie überrollen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Er war zwar omnipräsent, aber nie einer von den Lauten. Im Gegenteil, er gehörte zu den Ruhigen, der sich Anderen auf einer empathischen&nbsp;Ebene angenommen hat.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wo hat er </strong><strong>die</strong><strong> Kraft </strong><strong>für seine vielseitigen Aktivitäten</strong><strong>her</strong><strong>genommen?</strong><strong><br>&nbsp;</strong>Manny hat sehr viel Energie aus dem Aktivismus selbst wieder gezogen. Seine andere große Leidenschaft war Musik; er ist unglaublich gerne auf Konzerte von Dark-Wave- und EBM-Bands gegangen.&nbsp;Er reiste auch gerne mal abseits des Aktivismus, am liebsten in die Berge und manchmal auch an die Küste. Und er wusste immer seinen Ehemann Ludger an seiner Seite.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwieweit</strong><strong> ist Manny in den </strong><strong>HIV-Initiativen und Aidshilfen, in denen er gewirkt hat, weiterhin </strong><strong>präsent?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für viele, die ihn kannten, ist Manny ganz sicher immer noch eine Antriebsfeder und ein Motor. Allein schon, weil er durch sein vielseitiges Engagement auf so viele Menschen gewirkt hat.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><br>Es war ungemein wichtig, dass Manny Müller als HIV-positiver Mann im Gesundheitswesen an die Öffentlichkeit gegangen ist – das gibt es bis heute kaum.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es kommt immer wieder vor, dass in den unterschiedlichsten Arbeitskreisen plötzlich sein Name fällt, dass man sich an ein Video von ihm erinnert, an eine bestimmte Botschaft, die er darin vermittelt hat. Manny, dem Botschafter, begegne ich in meiner Arbeit auch selbst immer wieder. Es war ungemein wichtig, dass Manny, ein HIV-positiver Mann im Gesundheitswesen, an die Öffentlichkeit gegangen ist und zeigte, wie er damit umgegangen ist. Das nutzen auch heute noch viele Menschen im Selbsthilfe- und Aidshilfekontext in ihrer Arbeit.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das </strong><strong>heißt,</strong><strong> seine </strong><strong>einstige</strong><strong> Präsenz in </strong><strong>Kampagnen</strong><strong> und Medien</strong><strong> ist auch heute noch wertvoll.</strong><strong> Ist durch seinen Tod </strong><strong>dadurch </strong><strong>auch eine Lücke </strong><strong>entstanden</strong><strong>?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gibt in der Tat kaum Menschen, die beruflich im Gesundheitsbereich tätig sind und die mit ihrer HIV-Infektion an die Öffentlichkeit gehen, zumindest fällt mir auf Anhieb niemand ein. Es gibt unter Menschen mit HIV, die im Gesundheitswesen arbeiten, immer noch eine riesige Angst, dass Arbeitgebende dies erfahren könnten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das weiß ich&nbsp;aus eigener Erfahrung, etwa wenn solche Personen die Online-Beratung kontaktieren oder sich an das Buddy-Projekt wenden. Daher war Manny etwas Besonderes, hat vielen Menschen Mut gemacht und die Angst genommen. Davon haben mir etwa im Rahmen meiner Arbeit in der Aidshilfe Aachen Menschen berichtet, die in Kliniken arbeiten. Mannys Erfahrungen haben ihnen gezeigt, dass es Menschen gibt, die ihre HIV-Infektion nicht verheimlichen und dass es Arbeitgebende und Kolleg*innen auch im Gesundheitswesen gibt, die damit gut umgehen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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