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	Kommentare zu: Lob des Anstands eines Unanständigen	</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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		Von: Jacob Hösl		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jacob Hösl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Dec 2018 12:29:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Eine ganze Weile fehlten mir die Worte, nachdem ich von Bernds Tod gehört habe. Gestern haben wir ihn zu Grabe getragen nach einer Trauerfeier, die Bernd, so die Worte von Hans, sorgfältig und gewissenhaft geplant hat. Erneut und ein letztes Mal zeigte sich Bernds Wille zu einem selbstbestimmten Leben und auch seine Lebensklugheit. Er wusste, dass man eine Trauerfeier selbst sorgfältig vorbereiten muss um sicher zu gehen, dass das, was dann passiert auch damit zu tun hat, wie man es wollte. Ich danke Hans, Björn und Martin und dem Gitarristen, dessen Name ich leider nicht kenne, für eine wirklich gelungene Feier mit wunderbarer Musik. Er hat es mir und wohl auch den anderen, die da waren, ermöglicht, Bernd noch einmal gegenwärtig und wirklich nah zu spüren. Ich will zum Abschied ein paar persönliche Erinnerungen und Gedanken loswerden.
Auch nach der Trauerfeier kann ich nicht wirklich sagen, dass ich Bernd „gut kannte“, wie man so sagt. Einerseits ja und andererseits gar nicht. Vieles von ihm wusste und kannte ich nicht. Und trotzdem ist Bernd ab dem Zeitpunkt, ab dem ich wusste wer er war und seinen Namen kannte immer in meinem Leben gewesen. Er trat in mein Leben lange bevor ich ihn persönlich kennengelernt hatte, ich will sagen Jahre bevor ich ihn das erste Mal traf. Mitte der achtziger Jahre, als ich begonnen hatte Jura zu studieren trat gleichzeitig HIV in mein Leben und in das Leben aller in meinem Umfeld. Mir – und auch anderen – und auch Bernd war sofort klar, HIV und Aids ist nicht nur eine Krankheit, sondern wird auch mit „Recht und Gesetz“ zu tun haben. Wir wussten sofort, dass es Menschen und Stimmen brauchen wird, die sich schützend vor Menschen mit HIV stellen müssen. Als wir in Köln 1988 den Arbeitskreis AIDS und Recht in der Aidshilfe Köln gegründet haben, warst du schon längst aktiv. Dein Name war mir von Anfang an ein Begriff und ich wusste wofür er – wofür Bernd Aretz – im Kampf gegen Diskriminierung für den Schutz von Menschen mit HIV und Aids stand. Bevor ich sein Gesicht gesehen oder seine Stimme gehört habe, war er schon damals ständig präsent in meinem Leben. Vielleicht hat auch er damals von mir gehört, als sich langsam über die Grenzen von Köln hinaus herum sprach, was ich so in meinem fachlichen Bereich mache, den wir bekanntlich teilten.
Erst viele Jahre später haben wir uns dann das erste Mal persönlich getroffen, nachdem wir uns jahrelang – für mein Gefühl – irgendwie umkreist hatten. Ich wusste, wir würden uns dann treffen; ich glaube es war anlässlich eines „Positiventreffens“ im Waldschlösschen, wo wir gemeinsam referieren sollten. Ich empfand für ihn bis dahin eine Art Bewunderung aus der Ferne und ich erinnere mich deutlich, dass ich vor unserem ersten Treffen nervös war. Offen gestanden hatte ich auch etwas Angst, er würde mich vielleicht als Konkurrenten empfinden. Wir Anwälte sind ein bisschen komische Wesen gelegentlich. Und dann standen wir uns gegenüber und sprachen miteinander. Er lächelte, wir lachten. Jedenfalls hatten wir Spaß und es wurde eine wunderbare Veranstaltung. Ich glaube alle hatten Spaß, obwohl die Themen alles andere als erfreulich waren. Ab diesem Treffen trat an stelle der Bewunderung aus der Ferne sofort – ja ich glaube ich kann das sagen – Freundschaft und Nähe. Er war ganz anders, als ich mir das in meinen Besorgnissen vorgestellt habe. Er nahm mir sofort mit seiner Offenheit und zu Genauigkeit alle meine Ängste und diffusen Fantasien zu seiner Person. Binnen Minuten brachte er mich auf die Erde zu ihm mit edelstem Lakonismus - Martin ich danke dir, dass du mir die Worte gewiesen hast. Wir verstanden uns sofort, wobei ich manchmal etwas langsam war, wenn er seine immer geistvollen und geistreichen, aber manchmal doch recht quer gedachten Interventionen vorbrachte und manchmal erschlossen sich mir Gedanken, die er äußerte erst nach einer Weile, aber dann immer sehr nachhaltig. 
Wir haben uns all die Jahre danach nur selten getroffen. Es waren immer irgendwelche „offiziellen Anlässe“, Tagungen und ähnliches. Ich war nie bei ihm zu Besuch, ihr nie bei mir. Doch jedes Mal, wenn wir uns trafen war es voller wechselseitiger Hochachtung, Warmherzigkeit und Humor.
Bernd hat mein ganzes bisheriges berufliches Leben, und natürlich nicht nur das, aber das besonders, maßgeblich – und dieses Wort ist ganz bewusst gewählt – beeinflusst. Ich denke, wir haben für unseren Fachbereich, was es bei HIV und Aids zu tun gab, fiel erreicht. Ich traue mich zu sagen, wir haben fast alles erreicht. Es fehlt nicht mehr viel und das schaffen wir auch noch, wenn nicht die (kommende) gesellschaftliche Krise, die Bernd mit Fug und Recht nicht mehr mitmachen wollte, einen Strich durch die Rechnung macht.
Dafür möchte ich dir, lieber Bernd, zutiefst danken. Mit deinem Tod ging nicht nur dein Leben zu Ende, sondern einiges mehr. Und auch jetzt markierst du wieder auch Schritte meines Lebens. Du wirst verstehen, dass du mir so immer in Erinnerung bleiben wirst. Vielen Dank dass du all die Jahre bei mir warst. Ich trauere sehr! Jacob]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine ganze Weile fehlten mir die Worte, nachdem ich von Bernds Tod gehört habe. Gestern haben wir ihn zu Grabe getragen nach einer Trauerfeier, die Bernd, so die Worte von Hans, sorgfältig und gewissenhaft geplant hat. Erneut und ein letztes Mal zeigte sich Bernds Wille zu einem selbstbestimmten Leben und auch seine Lebensklugheit. Er wusste, dass man eine Trauerfeier selbst sorgfältig vorbereiten muss um sicher zu gehen, dass das, was dann passiert auch damit zu tun hat, wie man es wollte. Ich danke Hans, Björn und Martin und dem Gitarristen, dessen Name ich leider nicht kenne, für eine wirklich gelungene Feier mit wunderbarer Musik. Er hat es mir und wohl auch den anderen, die da waren, ermöglicht, Bernd noch einmal gegenwärtig und wirklich nah zu spüren. Ich will zum Abschied ein paar persönliche Erinnerungen und Gedanken loswerden.<br />
Auch nach der Trauerfeier kann ich nicht wirklich sagen, dass ich Bernd „gut kannte“, wie man so sagt. Einerseits ja und andererseits gar nicht. Vieles von ihm wusste und kannte ich nicht. Und trotzdem ist Bernd ab dem Zeitpunkt, ab dem ich wusste wer er war und seinen Namen kannte immer in meinem Leben gewesen. Er trat in mein Leben lange bevor ich ihn persönlich kennengelernt hatte, ich will sagen Jahre bevor ich ihn das erste Mal traf. Mitte der achtziger Jahre, als ich begonnen hatte Jura zu studieren trat gleichzeitig HIV in mein Leben und in das Leben aller in meinem Umfeld. Mir – und auch anderen – und auch Bernd war sofort klar, HIV und Aids ist nicht nur eine Krankheit, sondern wird auch mit „Recht und Gesetz“ zu tun haben. Wir wussten sofort, dass es Menschen und Stimmen brauchen wird, die sich schützend vor Menschen mit HIV stellen müssen. Als wir in Köln 1988 den Arbeitskreis AIDS und Recht in der Aidshilfe Köln gegründet haben, warst du schon längst aktiv. Dein Name war mir von Anfang an ein Begriff und ich wusste wofür er – wofür Bernd Aretz – im Kampf gegen Diskriminierung für den Schutz von Menschen mit HIV und Aids stand. Bevor ich sein Gesicht gesehen oder seine Stimme gehört habe, war er schon damals ständig präsent in meinem Leben. Vielleicht hat auch er damals von mir gehört, als sich langsam über die Grenzen von Köln hinaus herum sprach, was ich so in meinem fachlichen Bereich mache, den wir bekanntlich teilten.<br />
Erst viele Jahre später haben wir uns dann das erste Mal persönlich getroffen, nachdem wir uns jahrelang – für mein Gefühl – irgendwie umkreist hatten. Ich wusste, wir würden uns dann treffen; ich glaube es war anlässlich eines „Positiventreffens“ im Waldschlösschen, wo wir gemeinsam referieren sollten. Ich empfand für ihn bis dahin eine Art Bewunderung aus der Ferne und ich erinnere mich deutlich, dass ich vor unserem ersten Treffen nervös war. Offen gestanden hatte ich auch etwas Angst, er würde mich vielleicht als Konkurrenten empfinden. Wir Anwälte sind ein bisschen komische Wesen gelegentlich. Und dann standen wir uns gegenüber und sprachen miteinander. Er lächelte, wir lachten. Jedenfalls hatten wir Spaß und es wurde eine wunderbare Veranstaltung. Ich glaube alle hatten Spaß, obwohl die Themen alles andere als erfreulich waren. Ab diesem Treffen trat an stelle der Bewunderung aus der Ferne sofort – ja ich glaube ich kann das sagen – Freundschaft und Nähe. Er war ganz anders, als ich mir das in meinen Besorgnissen vorgestellt habe. Er nahm mir sofort mit seiner Offenheit und zu Genauigkeit alle meine Ängste und diffusen Fantasien zu seiner Person. Binnen Minuten brachte er mich auf die Erde zu ihm mit edelstem Lakonismus &#8211; Martin ich danke dir, dass du mir die Worte gewiesen hast. Wir verstanden uns sofort, wobei ich manchmal etwas langsam war, wenn er seine immer geistvollen und geistreichen, aber manchmal doch recht quer gedachten Interventionen vorbrachte und manchmal erschlossen sich mir Gedanken, die er äußerte erst nach einer Weile, aber dann immer sehr nachhaltig.<br />
Wir haben uns all die Jahre danach nur selten getroffen. Es waren immer irgendwelche „offiziellen Anlässe“, Tagungen und ähnliches. Ich war nie bei ihm zu Besuch, ihr nie bei mir. Doch jedes Mal, wenn wir uns trafen war es voller wechselseitiger Hochachtung, Warmherzigkeit und Humor.<br />
Bernd hat mein ganzes bisheriges berufliches Leben, und natürlich nicht nur das, aber das besonders, maßgeblich – und dieses Wort ist ganz bewusst gewählt – beeinflusst. Ich denke, wir haben für unseren Fachbereich, was es bei HIV und Aids zu tun gab, fiel erreicht. Ich traue mich zu sagen, wir haben fast alles erreicht. Es fehlt nicht mehr viel und das schaffen wir auch noch, wenn nicht die (kommende) gesellschaftliche Krise, die Bernd mit Fug und Recht nicht mehr mitmachen wollte, einen Strich durch die Rechnung macht.<br />
Dafür möchte ich dir, lieber Bernd, zutiefst danken. Mit deinem Tod ging nicht nur dein Leben zu Ende, sondern einiges mehr. Und auch jetzt markierst du wieder auch Schritte meines Lebens. Du wirst verstehen, dass du mir so immer in Erinnerung bleiben wirst. Vielen Dank dass du all die Jahre bei mir warst. Ich trauere sehr! Jacob</p>
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