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	<title>Benedict Wermter, Author at magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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	<title>Benedict Wermter, Author at magazin.hiv</title>
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	<item>
		<title>Zahnärztin wirft Patienten wegen HIV aus der Praxis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jul 2024 13:04:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung im Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-bezogene Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Zahnmedizin]]></category>
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					<description><![CDATA[Jahrelang hat E. Todaro ein gutes Verhältnis zu seiner Zahnärztin. Doch als diese von seiner HIV-Infektion erfährt, verweigert sie die Behandlung und schmeißt ihn raus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><strong>Jahrelang hat E. Todaro ein gutes Verhältnis zu seiner Zahnärztin. Doch als diese von seiner HIV-Infektion erfährt, verweigert sie die Behandlung und schmeißt ihn raus.</strong></p>

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<p>„Es war, als liefe ein Film vor mir ab“, sagt E. Todaro, Mitte dreißig, als er von jenem denkwürdigen Tag erzählt. Seit einigen Jahren schon war er bei dieser Zahnärztin in einer Gemeinde in Nordbayern in Behandlung, verstand sich gut mit ihr und ihren Angestellten.</p>

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<p>An jenem Tag im Frühjahr 2024 legt eine Zahnarzthelferin ihm erneut einen Anamnesebogen vor. Einen solchen Bogen hat Todaro schon einmal ausgefüllt, als er vor einigen Jahren in der Praxis aufgenommen wurde. Darauf steht auch die Frage nach HIV. Todaro lässt die Antwortkästchen „ja“ und „nein“ offen – wie damals schon. Der Grund: Er befürchtet Benachteiligungen, so wie viele andere HIV-positive Menschen auch.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">HIV-Outing bei offener Tür</h2>

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<p>Doch dann: „Als ich im Behandlungsraum war, kam meine Zahnärztin herein und sagte sinngemäß – bei offener Tür, sodass andere mithören konnten: ‚Sie müssen mir doch mitteilen, dass Sie HIV-positiv sind. Sie gefährden mich, mein Personal und andere Patienten.‘“ Das Vertrauensverhältnis sei nun kaputt, habe die Ärztin gesagt.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Ich war einfach nur wütend. Mir sind die Tränen gekommen. Außerdem musste ich doch behandelt werden.</p><cite>E. Todaro, dem seine Zahnärztin wegen seiner HIV-Infektion die Behandlung verweigerte</cite></blockquote>

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<p>Todaro ist konsterniert und ruft seinen Ehemann an – auch, damit der alles mitbekommt. Und E. Todaro wehrt sich: „Ich bin seit sieben Jahren positiv und unter der Nachweisgrenze“, sagt er. <em>(Anm. d. Red.: Das heißt, seine Medikamente unterdrücken die Vermehrung von HIV in seinem Körper so gut, dass die üblichen Nachweisverfahren nicht anschlagen.)</em></p>

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<p>Woher sie von seiner Infektion wisse, fragt er seine Zahnärztin. Todaros Zahnzusatzversicherung habe den Hinweis gegeben, habe sie geantwortet.</p>

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<p>Die Zahnärztin fühlt sich offenbar belogen und in Gefahr gebracht. Sie will, dass ihr Patient die Praxis verlässt, so schildert es Todaro. „Ich war einfach nur wütend“, sagt er. „Mir sind die Tränen gekommen. Außerdem musste ich doch behandelt werden.“</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wegen-hiv-erpresst">Wegen HIV erpresst</h2>

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<p>Heute fragt Todaro sich manchmal: Hätte er die Konfrontation durch die Ärztin vermeiden können? Vielleicht, indem er selbst das Gespräch gesucht hätte?</p>

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<p>Er erzählt, er sei einmal in den Sozialen Medien erpresst worden: Er solle sich auf der Arbeit outen oder er würde als HIV-positiv enttarnt. Auf diesen Erpressungsversuch hin sei er dann in seinem Bekannten- und Arbeitskreis offener mit seiner HIV-Infektion umgegangen, um dem Erpressungsversuch vorzugreifen. Er hat unter anderem an einem Podcast teilgenommen, in dem er über sein Leben mit HIV sprach. „In der Regel bringt ein Offenlegen aber eher Probleme mit sich, als dass es hilft“, so Todaro.</p>

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<p><a href="https://www.oralhealthgroup.com/features/good-news-dentists-not-risk-acquiring-hiv-aids-infected-patients-illusion-infection-control/">Wissenschaftlich ist</a> klar, dass seine Infektion für die Behandlung und das zahnärztliche Team oder andere Patient*innen irrelevant ist: Es besteht keine Ansteckungsgefahr, wenn die üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Handschuhe angewandt werden – und außerdem ist Todaro auch noch unter der Nachweisgrenze. „Deswegen habe ich mich dagegen entschieden, meine Infektion initiativ offenzulegen“, sagt Todaro.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Zahnärztekammer zieht keine Konsequenzen für die Ärztin</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Hätte ich damals alle Fragen beantwortet, dann wäre das alles nicht passiert“, sagt Todaro rückblickend. „Eigentlich mag ich meine Zahnärztin und vertraue ihr“, sagt er. „Wie gerne hätte ich ihr in Ruhe und unter vier Augen alles erzählt. Aber ich hatte nun einmal Angst in dieser Situation.“</p>

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<p>Wie also umgehen mit diesem Vorfall? Todaro fühlt sich ungerecht behandelt und will sich wehren. Auf einer Bewertungsplattform für Ärztinnen und Ärzte sowie in einem Internetportal berichtet er anonym vom Vorfall in der Praxis. Außerdem meldet er sich bei seiner Zusatzversicherung und der Landeszahnärztekammer. Mit erstaunlichen Ergebnissen:</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Zusatzversicherung antwortet Todaro, ihr lägen keine Kenntnisse über seinen HIV-Status vor. So steht es in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Von der Versicherung kann die Ärztin also nicht von seiner Infektion wissen.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Eigentlich mag ich meine Zahnärztin und vertraue ihr. Aber ich hatte nun einmal Angst in dieser Situation</p><cite>E. Todaro, dem seine Zahnärztin vorwarf, er gefährde sie, ihr Personal und ihre Patient*innen</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die zuständige Zahnärztekammer kontaktiert die Ärztin und findet heraus: Eine Mitarbeiterin der Praxis habe – angeblich aus Interesse an Todaros beruflichem Werdegang – im Internet nach ihm gesucht, sei dabei auf ebenjenen Podcast gestoßen und meldete dies offenbar ihrer Chefin. Konsequenzen für die Praxis zieht die Zahnärztekammer aus dem Vorfall nicht, sondern will zwischen Ärztin und Betroffenem vermitteln, wie aus einem Schreiben an Todaro hervorgeht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Zahnärztin haben wir damit konfrontiert. Wir wollten unter anderem wissen, welche Konsequenzen sie aus dem gesamten Vorfall gezogen hat, insbesondere aus der Tatsache, dass ihre Mitarbeiterin im Internet nach Informationen über einen Patienten der Praxis suchte. Die Ärztin wollte uns gegenüber aber nicht Stellung nehmen und verwies darauf, dass sie sich bereits ausführlich gegenüber der Landeszahnärztekammer geäußert habe.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Stigmatisierung, Indiskretion und Benachteiligungen bei der Behandlung für HIV-positive Menschen</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Da Menschen mit HIV in Deutschland selbst im Medizinsektor stigmatisiert werden und häufig schon negative Erfahrungen gemacht haben, sehen viele keine andere Wahl und berichten nicht von ihrer HIV-Infektion“, sagt der HIV-Mediziner Dr. Sebastian Noe vom Vorstand der Deutschen AIDS-Gesellschaft. Besonders in der Zahnmedizin bestehe ein großer Wissensrückstand zu HIV, so Noe.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Immer wieder erlebten Patient*innen Stigmatisierung und Benachteiligungen bei der Behandlung, so Noe weiter. „Es kann schon vorkommen, dass Akten in einer Praxis herumliegen, auf denen in Rot ‚HIV‘ steht, oder dass Behandlungen ans Ende des Tages verschoben werden“, erzählt Noe. Dem kommen Betroffene zuvor, indem sie einfach ihren Status offenlassen. Dabei mache gerade in der Zahnmedizin der Umstand, ob ein*e Patient*in HIV hat oder nicht, gar keinen Unterschied, so Noe.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Menschen mit HIV werden in Deutschland selbst im Medizinsektor stigmatisiert.</p><cite>Dr. Sebastian Noe, HIV-Mediziner und Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Gesellschaft</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Schließlich ist klar: Es gelten für alle Patient*innen – unabhängig von möglichen Infektionen – dieselben Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen. Zudem sind weltweit gar keine Fälle bekannt, bei denen HIV von Patient*innen auf Zahnmediziner*innen übertragen wurde (ebensowenig auf Mitarbeiter*innen oder andere Patient*innen). Und schließlich: Wer von seinem HIV-positiven Status weiß, nimmt in aller Regel HIV-Medikamente und ist unter der bereits erwähnten Nachweisgrenze, wodurch eine Übertragung praktisch ausgeschlossen werden kann. Schließlich hängt davon die Gesundheit von HIV-positiven Menschen ab.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und falls der HIV-Status doch einmal offenbart wurde? „Besser, man kommt mit seinem Patienten ins Gespräch, lässt erzählen und hört zu, wenn man nicht weiß, was es für einen Menschen bedeutet, HIV-positiv zu sein“, sagt HIV-Mediziner Sebastian Noe.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading">Ärztinnen und Ärzte dürfen zwar ein Behandlungsverhältnis auflösen – aber nicht wegen HIV <u>nicht</u> behandeln</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Patienten haben Obliegenheitspflichten, das heißt, sie müssen mitwirken, damit Ärzte ihren Job machen können“, sagt Rechtsanwalt Jacob Hösl, der schon viele Mandant*innen in Fällen von HIV-Diskriminierung vertreten hat. „Bei einer Störung des Vertrauensverhältnisses kann ein Behandlungsabbruch legitim sein“, sagt Hösl.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wann aber ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Ärztin*Arzt und Patient*in gestört? Der Virchowbund, in dem niedergelassene Ärzt*innen in Deutschland zusammengeschlossen sind, gibt dafür <a href="https://www.virchowbund.de/praxisaerzte-blog/diese-patienten-duerfen-sie-ablehnen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ziemlich klare Kriterien</a> an: „Das Vertrauensverhältnis kann zerrüttet sein, wenn der Patient sich nicht an Ihre ärztlichen Anordnungen hält, von Ihnen sittenwidrige oder standeswidrige Tätigkeiten verlangt (z.&nbsp;B. Falschabrechnung gegenüber der Krankenkasse) [oder] Sie drangsaliert durch dauernde nächtliche Anrufe, ungerechtfertigte&nbsp;<a href="https://www.virchowbund.de/praxis-knowhow/praxis-gruenden-und-ausbauen/beschwerdemanagement-in-der-arztpraxis" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Beschwerden</a>, unnötige Forderungen nach Hausbesuchen etc.“ – von all dem oder ähnlichen Vorwürfen war bei E. Todaro nie die Rede.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Außerdem verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Diskriminierung wegen einer Behinderung. Das umfasst neben körperlichen Beeinträchtigungen laut einem <a href="https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/6-azr-190-12/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2013</a> explizit auch HIV. Wenn Mediziner*innen ihre Patient*innen also wegen HIV nicht behandeln wollen, könne ein Fall von Diskriminierung vorliegen, sagt Rechtsanwalt Hösl.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.8#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>HIV-positive&nbsp;Patienten dürfen Sie nicht ablehnen, denn das Infektionsrisiko für Sie, Ihr Team und andere Patienten lässt sich durch Schutzvorkehrungen beherrschen</p><cite>Virchowbund, Vertretung niederlassungswilliger, niedergelassener und ambulant tätiger Ärzt*innen&nbsp;</cite></blockquote>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dazu noch einmal der Virchowbund: „HIV-positive&nbsp;Patienten dürfen Sie nicht ablehnen, denn das Infektionsrisiko für Sie, Ihr Team und andere Patienten lässt sich durch Schutzvorkehrungen beherrschen. Auch das Argument, Ihre Praxis könnte wirtschaftliche Nachteile haben, wenn andere Patienten aus Angst wegbleiben, zählt nicht.“</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In diesem Zusammenhang sei auch die Frage nach Infektionskrankheiten wie HIV im Anamnesebogen problematisch, so Rechtsanwalt Hösl: „Das sind hochirrationale, archaische Denkmuster bei Ärztinnen und Ärzten.“ Schließlich sei das Verschweigen von HIV niemals ursächlich für eine Infektion, sondern mangelnde Befolgung von Standardschutzmaßnahmen bei der Behandlung oder ein Unfall trotz Befolgung der Maßnahmen.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Das hat beides nichts damit zu tun, ob die HIV-Infektion bekannt ist oder nicht“, sagt Jacob Hösl. Die Frage nach Infektionskrankheiten wie HIV produziere nur eine Scheinsicherheit, von der man realistischerweise nicht ausgehen könne, so Hösl. Schließlich wüssten einige HIV-positive Menschen nicht von ihrer Infektion, während andere – eben aus Angst vor Diskriminierung – diese verschwiegen.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading">Regelmäßig Betroffene bei Antidiskriminierungsstelle des Bundes </h2>

              </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auch bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) melden sich regelmäßig Betroffene, die wegen HIV bei Arzt- oder Zahnarztbesuchen keine üblichen Termine bekommen, sondern nur in Randzeiten. „Besonders häufig werden Benachteiligungen gemeldet, bei denen es zur Verweigerung einer Behandlung kommt und somit der Zugang zur Gesundheitsversorgung beschränkt wird“, schreibt ein Sprecher der Stelle auf Anfrage.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Hürden, um gegen Diskriminierungen zu klagen, seien für Betroffene sehr hoch. „Sie tragen das Prozessrisiko im Fall einer Klage allein – und damit das Risiko, auf teuren Anwaltskosten sitzen zu bleiben“, so der Sprecher weiter.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und ein breites Bündnis aus der Zivilgesellschaft <a href="https://agg-reform.jetzt/">setzen sich daher für eine AGG-Reform ein</a>. Dazu gehört auch die Forderung nach dem Verbandsklagerecht, mit dem beispielsweise die Deutsche Aidshilfe als Dachverband zukünftig Musterklagen für Betroffene durchfechten könnte. Außerdem sind laut ADS unabhängige Schlichtungsstellen bei Landesärztekammern sowie verpflichtende Fortbildungen von medizinischem Personal bezüglich HIV nötig.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading">Wichtig sind: Gerechtigkeit und Prävention</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Ich bin nicht nur von meiner Zahnärztin als Person entsetzt, sondern sie ist auch medizinisch nicht auf dem neuesten Stand“, sagt E. Todaro über seine Zahnärztin. „Solche Ärztinnen und Ärzte brauchen Schulungen. Schließlich ist sie eine junge Zahnmedizinerin. Zudem ist sie in der Berufsschule aktiv.“ </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>E. Todaro war vor einigen Jahren berufsbedingt in einem Burn-out, war depressiv, wurde therapiert und schließlich stabilisiert. „Das Ereignis in der Zahnarztpraxis hat mich extrem zurückgeworfen. Ich habe mich wirklich schlimm behandelt gefühlt“, sagt er. Bis heute habe er keine Entschuldigung von der Ärztin bekommen. Damit rechnet Todaro auch nicht: „Die denkt, das ist ihr gutes Recht. Aber das ist es nicht.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>(Anmerkung der Redaktion: In Texten der Deutschen Aidshilfe wird gendersensibel mit dem Gendersternchen formuliert, wir haben den Beitag von Benedict Wermter dementsprechend bearbeitet.)</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Andere Beiträge zum Thema auf magazin.hiv (Auswahl):</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list"><li><strong><a href="https://magazin.hiv/magazin/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/">Skandal an der Uni Marburg: Studium wegen HIV gestoppt</a></strong> (März 2022): „Ich werde Zahnarzt!“ – dieser Kindheitstraum von Frank Martin* ist in Gefahr. Nicht, weil seine Leistungen schlecht wären. Sondern weil er mit HIV lebt.</li><li><strong><a href="https://magazin.hiv/magazin/menschen-mit-hiv-zahnmedizin/">Unwissenheit und Vorbehalte gegenüber Menschen mit HIV in der Zahnmedizin </a></strong>(März 2022): Beitrag zu einer Umfrage unter Fachschaften und Dekanaten der Medizin und Zahnmedizin zum Umgang mit Studierenden mit HIV</li></ul>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/neuigkeiten/stressfreier-umgang-mit-hiv-in-der-zahnarztpraxis/"><strong>Stressfreier Umgang mit HIV in der Zahnarztpraxis</strong></a> (Juli 2017): Fortbildungsmaterial der Bunderzahnärztekammer und der DAH bietet neuesten Wissensstand für die Versorgung von Menschen mit HIV in der Zahnarztpraxis</li><li><strong>Den Letzten beißt die Zahnfee? – HIV-bezogene Diskriminierung in Kliniken und Arztpraxen</strong> (Mai 2017): Ausgerechnet im Gesundheitswesen erleben viele Menschen mit HIV Diskriminierung – dort, wo sie am ehesten einen professionellen Umgang mit der Infektion erwarten. Wir haben mit Betroffenen gesprochen.</li><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/neuigkeiten/keine-angst-vor-hiv-in-der-zahnarztpraxis/"><strong>Keine Angst vor HIV in der Zahnarztpraxis!</strong></a> (Dezember 2016): Mit einer gemeinsamen Broschüre engagieren sich die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Deutsche&nbsp;<a href="https://www.aidshilfe.de/glossar/letter_a#AIDS">AIDS</a>-Hilfe (DAH) gemeinsam für einen diskriminierungsfreien und entspannten Umgang mit&nbsp;<a href="https://www.aidshilfe.de/glossar/letter_h#HIV">HIV</a>-Patient_innen in der Zahnarztpraxis.</li></ul>

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<ul class="wp-block-list"><li><strong><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/nur-nicht-alles-gefallen-lassen/">Nur nicht alles gefallen lassen!</a></strong> (Juni 2015): Diskriminierung wegen einer HIV-Infektion<a href="http://aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-veroeffentlicht-erstmals-daten-zu-diskriminierung-von-mensch">&nbsp;ist leider keine Seltenheit, gerade auch im Gesundheitswesen</a>. Doch man kann sich wehren. So wie Christian, der das Verhalten seiner Zahnärztin nicht hinnehmen wollte.</li></ul>

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			</item>
		<item>
		<title>Charité feuert erfahrenen Pfleger – wegen HIV?</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/charite-feuert-erfahrenen-pfleger-wegen-hiv/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/charite-feuert-erfahrenen-pfleger-wegen-hiv/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Aug 2023 09:46:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenhaus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1554886</guid>

					<description><![CDATA[Pflegekräfte, zumal auf der Intensivstation, werden händeringend gesucht. Die Charité aber entlässt einen erfahrenen Pfleger noch in der Probezeit. Hat sie ein Problem mit HIV?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Pflegekräfte, zumal auf der Intensivstation, werden händeringend gesucht. Die Charité aber entlässt einen erfahrenen Pfleger noch in der Probezeit. Hat sie ein Problem mit HIV?&nbsp;</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Während der arbeitsmedizinischen Untersuchung für eine neue Stelle an der Charité legt Carsten Müller (Name geändert) offen, dass er mit HIV lebt. Die Betriebsärztin verlangt daraufhin Nachweise, dass seine HIV-Therapie die Virenvermehrung erfolgreich unterdrückt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein solches Vorgehen wäre allerdings höchstens für „<a href="https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1471/23UOZT6sKnns.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y" target="_blank" rel="noreferrer noopener">besonders verletzungsträchtige Tätigkeiten</a>“ begründbar, das heißt zum Beispiel für Operateur*innen bei Eingriffen mit eingeschränktem Sichtfeld. Pflegekräfte aber operieren nicht, sie assistieren nur.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Carsten Müller fühlt sich von der Charité ungerecht behandelt. Weil er die Nachweise nicht vorlegen möchte, stellt ihm die Betriebsärztin keine Eignungsbescheinigung aus – die Charité entlässt ihn noch in der Probezeit.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein Fall von haarsträubender Unkenntnis oder doch ein klarer Fall von Diskriminierung?</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Carsten Müller erzählt uns seine Geschichte.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Von Benedict Wermter</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas in der Charité passiert ist. Das war mir schon damals extrem unangenehm. 2017 war das. Da fing ich in einem Krankenhaus der Charité auf einer Intensivstation als Krankenpfleger an. Ich wurde arbeitsmedizinisch untersucht und unter anderem gefragt, ob ich Medikamente nehme. So konnte die Betriebsärztin zuordnen, dass ich HIV-positiv bin. Da war ich schon lange in Behandlung, nehme regelmäßig antiretrovirale Medikamente. Auch war ich damals schon viele Jahre als Pfleger tätig. Nie gab es irgendwelche Probleme.</em></p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas in der Charité passiert ist.</p><cite>Carsten Müller (Name geändert), Pfleger, wurde wegen seiner – stabil behandelten – HIV-Infektion faktenwidrig als Sicherheitsrisiko dargestellt<br><em>&nbsp;</em></cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Die zuständige Betriebsärztin hielt mir einen Vortrag, wie heikel Tätigkeiten auf der Station in meinem Fall seien. Als müsste ich belehrt werden. Ich fand es furchtbar. Doch ich ließ all dies über mich ergehen. Ich wollte bloß meine neue Stelle antreten. Wenn du nicht kooperierst, bekommst du keine positive Bescheinigung, hieß es damals sinngemäß.&nbsp;</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Also wurde eine Blutentnahme angeordnet: 28 Kopien des HI-Virus hatte ich pro Milliliter im Blut – 50 Kopien ist die sogenannte Nachweisgrenze der üblichen Verfahren, alles darunter gilt als nicht nachweisbar, eine Übertragung ist dann praktisch unmöglich. Damals hat die Reaktion der Betriebsärztin ihre Unwissenheit gezeigt: Sie meinte, das HI-Virus sei sehr wohl nachweisbar. Ich fand krass, dass sie offenbar keine Ahnung hatte.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Ich sollte ein Dokument unterschreiben, eine Art Unterlassungserklärung, ich dürfe keine invasiven Tätigkeiten ausführen. Also im Ernstfall noch nicht einmal eine Spritze setzen, was in der Praxis als Krankenpfleger völlig unmöglich ist. Unterschrieben habe ich das nicht. Ich durfte trotzdem anfangen und bekam noch eine Art Merkzettel mit auf den Weg. Dann habe ich fünf Jahre in der Charité gearbeitet. Und nie wieder hat es jemanden interessiert, dass ich HIV-positiv bin.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-charite-lasst-anfrage-zu-konkretem-fall-offen">Charité lässt Anfrage zu konkretem Fall offen</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auf Anfrage dazu schreibt ein Sprecher der Charité, man könne zu dem konkreten Fall aus Gründen des Datenschutzes keine inhaltliche Stellungnahme abgeben. Auch lässt der Krankenhauskonzern offen, welche Auflagen es für Pflegende mit HIV in seinen Häusern gibt und welche Konsequenzen die Charité aus solchen Fällen zieht. Das betreffende Dokument legt die Charité nicht vor.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für die Charité stehe „die Gesundheit des Menschen im Mittelpunkt. Wann immer es geht, ermöglicht sie den Bewerber*innen den Zugang zur angestrebten Tätigkeit. Grundsätzliche Vorgaben müssen dabei allerdings eingehalten werden“, so der Sprecher des renommierten Krankenhauses.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Genau in solchen Vorgaben liegt die Krux an diesem Fall. Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruserkrankungen (DVV) und die Gesellschaft für Virologie (GfV) beschreiben in einer <a href="https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1471/23UOZT6sKnns.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Empfehlung zum Einsatz HIV-positiver Mitarbeitender im Gesundheitswesen</a> „verletzungsträchtige Tätigkeiten“, die eine regelmäßige Kontrolle der Viruslast erfordern würden. Dazu zählen chirurgische Eingriffe – die Carsten Müller aber innerhalb seiner Arbeit nicht durchführt. Daher ist seine Viruslast in diesem Fall unerheblich für den Einsatz bei seiner neuen Stelle als Pflegekraft.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und selbst wenn Müller verletzungsträchtige Tätigkeiten durchführen würde, die mit einem potenziellen Infektionsrisiko verbunden wären (erst hier käme die Kontrolle der HIV-Menge im Blut ins Spiel), könnte man dieses Risiko mit Schutzmaßnahmen faktisch ausschließen.</p>

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          <div class="l-content-column">
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    </a>

          </div>                              <figcaption class="media-image__caption">Flur im Krankenhaus mit zwei Betten und geschlossener Tür zur Ambulanz mit Arzt unscharf</figcaption>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kerstin Mörsch von der Deutschen Aidshilfe hat Carsten Müller unterstützt. Sie sagt: „Für mich ist es völlig unverständlich, wie so etwas in der Charité passieren kann. Ich wäre davon ausgegangen, dass man selbstverständlich in der Lage ist, Übertragungsrisiken realistisch einzuschätzen und die Empfehlungen zu den verletzungsträchtigen Tätigkeiten, bei denen die HIV-Menge im Blut unter der Nachweisgrenze sein sollte, richtig zu interpretieren: <a href="https://deutsch.medscape.com/artikel/4900914" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die beziehen sich auf Chirurg*innen, für Pflegekräfte gibt es solche Auflagen nicht</a>. Die Charité sollte den Fall dringend zum Anlass nehmen, ihre Vorgaben so schnell wie möglich zu verändern“, so Mörsch.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wichtig ist auch, die Datenlage hinter den Empfehlungen zu kennen: Weltweit ist seit Beginn der HIV- und Aids-Epidemie in den 1980er-Jahren nur eine Handvoll Fälle bekannt geworden, in denen HIV von medizinischem Personal auf Patient*innen übertragen wurde; der letzte wurde 2006 beschrieben. Dabei ging es ausnahmslos um Menschen, die nicht in antiretroviraler Behandlung waren. In Deutschland wurde kein einziger Fall dokumentiert.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading">Nach fünf Jahren dasselbe fragwürdige Vorgehen</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Carsten Müller: <em>Nach fünf Jahren auf der Intensivstation wollte ich bei der Charité eine Stelle in einem anderen Haus antreten. Anfang Dezember 2022 begann dort meine Probezeit und ich sollte wieder arbeitsmedizinisch untersucht werden – jetzt von einer anderen Betriebsärztin.</em></p>

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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Dieses Mal habe ich frei heraus gesagt, dass ich HIV-positiv bin.</em></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Ob das jemand bei der Charité wüsste, hat sie mich gefragt.</em></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>„Das geht niemanden etwas an“, habe ich geantwortet. Ich brauche es ja niemandem sagen.</em></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>„Sie haben meine alte Akte“, habe ich noch gesagt. „Da steht alles drin.“</em></p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Und dann begann alles von vorn: Wieder sollte ich diesen Wisch unterschreiben, keine invasiven Tätigkeiten durchzuführen. Doch jetzt wollte ich das Dokument mitnehmen und von der Ärztekammer prüfen lassen. Daraufhin hat die Betriebsärztin das Dokument zurückgezogen.</em></p>

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<p>Auch damit haben wir die Charité und die Betriebsärztin konfrontiert. Die Betriebsärztin wollte uns gegenüber ihre Sicht der Dinge nicht schildern. Stattdessen verwies sie auf die Pressestelle der Charité. Von dort heißt es, die Charité engagiere „sich gegen jegliche Form der Diskriminierung“ und setze sich „für Toleranz, Weltoffenheit und Diversität ein“.</p>

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<p>Müller: <em>Seit vielen Jahren schon bin ich HIV-positiv. Tatsächlich wurde es Mitte der 2000er entdeckt, als ich mich selbst auf der Arbeit – das war noch in einem Krankenhaus in einem anderen Bundesland – versehentlich mit einer Spritze gestochen habe. Ich habe den Vorfall ordnungsgemäß gemeldet, mir wurde Blut entnommen. So kam raus, dass ich HIV-positiv bin.</em></p>

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<p><em>Ich bin dann natürlich sofort in die Therapie, nehme seither meine Medikamente und bin unter der Nachweisgrenze. Ich bin seit diesem Zeitraum Krankenpfleger, habe später in mehreren verschiedenen Häusern und zwei Arztpraxen gearbeitet. Nie gab es solche Vorfälle wie in der Charité.</em></p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Für mich ist es völlig unverständlich, wie so etwas in der Charité passieren kann.</p><cite>Kerstin Mörsch, Leiterin der Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung der Deutschen Aidshilfe</cite></blockquote>

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<p><em>Ein wenig später, während ich weiter in Probezeit in dem neuen Haus arbeitete, bekam ich einen Brief von der Betriebsärztin: Ich sollte vier Befunde zu meiner Viruslast vorlegen. Das ging mir zu weit. Das hat nichts mit meiner Eignung für die Stelle zu tun, sondern hier geht es der Charité offenbar nur darum, sich gegen jede Regel abzusichern.&nbsp;&nbsp;</em></p>

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<p><em>Also schrieb ich per Mail, dass ich die Befunde nicht vorlegen werde, weil sie zur Beurteilung meiner Arbeitsfähigkeit nicht nötig sind.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Die Antwort der Betriebsärztin lautete in Kurzform: Wenn ich keine Befunde vorlege, stellt sie keine Eignung aus. Sie warf mir zuvor außerdem vor, mich zu verweigern.</em></p>

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<h2 class="wp-block-heading">Fristlos während der Probezeit rausgeschmissen</h2>

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<p><em>Als ich einige Wochen später nach kurzer Krankheit auf meiner Station anrief, wurde mir von der Stationsleitung gesagt, dass ich nicht mehr am Bett arbeiten dürfe. Stattdessen wurde geplant, dass ich nur noch Büroarbeiten mache. Ich wurde vorerst weiter krankgeschrieben.</em></p>

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<p><em>Der Betriebsärztin schrieb ich per E-Mail: „Die bei mir bestehende HIV-Infektion ist unabhängig von der jemals gemessenen Viruslast für meine Tätigkeit nicht relevant, da keine sogenannten risikoträchtigen Tätigkeiten von mir durchgeführt werden.“ Das Vorgehen sei arbeitsrechtlich unzulässig und stelle zudem einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz dar.</em></p>

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<p><em>Doch die Betriebsärztin bestand weiter darauf, dass ich die Befunde vorlege, weil der Zustand meiner Erkrankung „im Hinblick auf die Infektiosität und Arbeitsfähigkeit sowie die perspektivische Einschätzung zur Entwicklung der Arbeitsfähigkeit nicht beurteilbar“ seien, so der Wortlaut.</em></p>

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<p><em>Schließlich wurde ich während meiner Probezeit fristlos entlassen.</em></p>

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<p>Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Jacob Hösl zieht Carsten Müller vor das Arbeitsgericht, um gegen die Entlassung zu klagen. Zwar ist eine Entlassung währende der Probezeit ohne Grund möglich, doch Arbeitgeber*innen dürfen ihre neuen Angestellten nicht willkürlich oder sittenwidrig feuern.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Am Ende einigen sich Müller und die Charité im Rahmen eines Vergleichs auf eine Abfindung – die mit 3.000 Euro außergewöhnlich hoch ausfällt. „Arbeitsrechtlich wären hier etwa 500 Euro üblich gewesen“, sagt Rechtsanwalt Hösl. Er erklärt sich die sechs Mal höhere Abfindung damit, dass die Charité ein längeres und öffentlich sichtbares Verfahren nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verhindern wollte und sich deswegen mit Müller schnell auf diese hohe Summe einigte, obwohl oder gerade weil Müller auch ein Verfahren nach dem AGG hätte anstrengen können.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Vergleich mit ungewöhnlich hoher Abfindung</h2>

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<p>„Die Charité wollte dies um jeden Preis vermeiden, da sie sich als Universitätskrankenhaus des Landes Berlin natürlich nicht vorwerfen lassen will, sie habe jemanden entgegen den Vorschriften des AGG diskriminiert“, so Jacob Hösl. Wiedereinstellen – ein Vorschlag des Gerichts – möchte der renommierte Krankenhauskonzern den Pfleger dennoch nicht, trotz Fachkräftemangel in der Pflege.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Als Sicherheitsrisiko dargestellt zu werden, ist diskriminierend.</p><cite>Carsten Müller (Name geändert), Pflegekraft, lebt mit HIV</cite></blockquote>

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<p>Wir wollten von der Charité wissen, ob solche Vorfälle öfter vorkommen. Eine konkrete Antwort dazu gab uns der Krankenhauskonzern nicht. Allgemein heißt es, „dass weder die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses in der Probezeit noch die Zahlung einer Abfindung im Rahmen eines Kündigungsverfahrens Vorgänge darstellen, die Rückschlüsse auf eine vermeintliche Diskriminierung zulassen“, so der Konzernsprecher.</p>

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<p>„Der Fall ist – leider – gar nicht so ungewöhnlich“, sagt Jacob Hösl. „Zahlreiche Krankenhäuser verlangen von ihren Beschäftigten einen HIV-Test oder Nachweise, dass die Zahl der Viruskopien unter der Nachweisgrenze liegen. Und zwar auch für Tätigkeiten, wo die Infektion und erst recht die Nachweisgrenze keine Rolle spielen. Ungewöhnlich ist, dass sich hier jemand gewehrt hat“, so Rechtsanwalt Jacob Hösl.</p>

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<p>Carsten Müller: <em>Risiken wegen HIV kann man in der Pflege ausschließen. Dafür brauche ich keine Befunde vorzeigen. Zu sagen, ich sei eine Gefahr, zeugt von einem fragwürdigen Menschenbild. Als Sicherheitsrisiko dargestellt zu werden, ist diskriminierend. Denn meine Gleichberechtigung wurde verletzt. Sinnvoller wäre es gewesen, wenn die Charité mich weiterbeschäftigt hätte. Stattdessen fühle ich mich echt mies behandelt und bin arbeitssuchend.</em></p>

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<p>Wer eine Stelle für Carsten Müller hat, melde sich bitte bei der Deutschen Aidshilfe. Kontakt: <a href="mailto:redaktion@dah.aidshilfe.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">redaktion@dah.aidshilfe.de</a>.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Weitere Beiträge zum Thema auf magazin.hiv (Auswahl):</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/">Skandal an der Uni Marburg: Studium wegen HIV gestoppt</a></li><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/diskriminierung-medizinstudierende-hiv-schwarzkopf/">Betriebsärztliche Eignungsuntersuchungen haben im Gesundheitswesen nichts verloren!</a></li><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/menschen-mit-hiv-zahnmedizin/">Unwissenheit und Vorbehalte gegenüber Menschen mit HIV in der Zahnmedizin</a></li><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/keine-hiv-tests-im-job/">Keine HIV-Tests bei Bewerbungen und Einstellungen!</a></li><li><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/diskriminierung-hiv-positiver-im-gesundheitswesen/">Den Letzten beißt die Zahnfee? – HIV-bezogene Diskriminierung in Kliniken und Arztpraxen</a></li></ul>

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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="naYxgbKPcA"><a href="https://magazin.hiv/magazin/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/">Skandal an der Uni Marburg: Studium wegen HIV gestoppt</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Skandal an der Uni Marburg: Studium wegen HIV gestoppt&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/embed/#?secret=GaTxUF14UA#?secret=naYxgbKPcA" data-secret="naYxgbKPcA" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="iNKEGt8pLX"><a href="https://magazin.hiv/magazin/diskriminierung-medizinstudierende-hiv-schwarzkopf/">Betriebsärztliche Eignungsuntersuchungen haben im Gesundheitswesen nichts verloren!</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Betriebsärztliche Eignungsuntersuchungen haben im Gesundheitswesen nichts verloren!&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/diskriminierung-medizinstudierende-hiv-schwarzkopf/embed/#?secret=wGMqQOEJx3#?secret=iNKEGt8pLX" data-secret="iNKEGt8pLX" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Skandal an der Uni Marburg: Studium wegen HIV gestoppt</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Mar 2022 05:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-bezogene Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Zahnmedizin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1552806</guid>

					<description><![CDATA[An der Uni Marburg darf ein Studierender der Zahnmedizin, der mit HIV lebt, nicht an praktischen Kursen teilnehmen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>„Ich werde Zahnarzt!“ – dieser Kindheitstraum von Frank Martin* ist in Gefahr. Nicht, weil seine Leistungen schlecht wären. Sondern weil er mit HIV lebt.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>*Pseudonym; der Name ist der Redaktion bekannt.</em></p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im Januar 2020 sitzt Frank Martin, Student der Zahnmedizin an der Philipps Universität Marburg, im Behandlungszimmer seiner Betriebsärztin. Nach dem ersten Staatsexamen im Sommer will er endlich in die praktischen Kurse gehen, bei denen die Uni mit der nahen Uniklinik kooperiert. Auf dem Programm stehen Sachen wie Abdrücke vom Gebiss zu nehmen oder Zähne zu reinigen. Vorher steht noch eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung an.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Diese Vorsorge vor praktischen Kursen ist Pflicht. Und sie ist sinnvoll, denn sie hilft, Infektions- und Krankheitsrisiken für Studierende zu minimieren – zum Beispiel mit Blick auf Erreger, die bei Blut-Blut-Kontakten übertragen werden können, wie Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für Frank Martin minimiert die Untersuchung allerdings nicht seine Infektionsrisiken, sondern seine Chancen auf die Teilnahme am praktischen Studium. Weil der Fall mittlerweile beim höchsten hessischen Gericht liegt und Martins Studium in Gefahr ist, haben wir seinen Namen geändert, um ihn vor weiterer Diskriminierung zu schützen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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        <div class="quote">
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
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<p>Ich werde Zahnarzt!</p>

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    </div>
  </div>
<cite>Frank Martin</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Von der Betriebsärztin bekommt Frank Martin einen Bogen vorgelegt. Gefragt wird darin unter anderem, ob er HIV habe. Martin fühlt sich beklemmt, befürchtet Konsequenzen, wenn er seine HIV-Infektion offenlegt. Also kreuzt er „Nein“ an. Dann die Frage, ob er mit einem HIV-Test einverstanden ist? Martin lässt die Frage offen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Betriebsärztin habe nicht lockergelassen, ihn zum Test überredet. Martin lenkt ein. Dann kommt die Blutuntersuchung auf ihn zu.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-kindheitstraum-zahnarzt">Kindheitstraum Zahnarzt</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Frank Martin bedeutet sein Studium alles. Für ihn steht schon im Kindesalter fest: „Ich werde Zahnarzt.“</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im Jahr 2012 dann der Schock: Martin ist kerngesund und verliebt in seinen Freund. Doch plötzlich liegt er wochenlang im Bett, mit Fieber und Ausschlag. Auch im Krankenhaus gibt es keinen Befund, bis ein junger Arzt einen HIV-Test vorschlägt. Das Ergebnis: positiv.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nachdem Martin den ersten Schreck überwunden und seine Familie informiert hat, kreist ihm nur noch ein Gedanke im Kopf herum: „Was bedeutet das für meine berufliche Zukunft?“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="ubergriffiges-nachforschen-im-behandlungszimmer">Übergriffiges Nachforschen im Behandlungszimmer</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Einige Tage nach der ersten betriebsärztlichen Untersuchung an der Uni sitzt Frank Martin wieder im Behandlungszimmer. Die Laborergebnisse seiner Blutuntersuchung sind da. Jetzt weiß auch die Betriebsärztin, dass er HIV-positiv ist.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
  </div>


  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und Sie denken einfach, dass Sie Zahnmedizin studieren können?</p>

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    </div>
  </div>
<cite>Betriebsärztin zum HIV-positiven Studierenden Frank Martin</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Und Sie denken einfach, dass Sie Zahnmedizin studieren können?“, habe sie ihn gefragt und gefordert, alle drei Monate die Laborfunde zu seiner HIV-Behandlung einzureichen. Außerdem habe sie die Einberufung einer Expertenkommission angekündigt. Diese Kommission werde prüfen, ob und unter welchen Bedingungen er weiterstudieren dürfe.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es ist nicht das erste Mal, dass die Uni Marburg so mit Studierenden umgeht: Die Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung der Deutschen Aidshilfe kennt weitere Fälle. Gegenüber magazin.hiv ist die Betriebsärztin nicht zu einer Stellungnahme bereit – sie unterliege der ärztlichen Schweigepflicht. Auf das Angebot, sich durch Frank Martin davon entbinden zu lassen, geht sie nicht ein.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nach der betriebsärztlichen Untersuchung bittet die Ärztin den Studenten Martin noch weitere Male in ihr Behandlungszimmer. Sie habe ihn nach der medizinischen Begleitung seiner HIV-Infektion gefragt, aber auch nach seinem privaten Umfeld, seinem Lebensstil. „Das ging viel zu weit“, findet Frank Martin. Doch er kooperiert – weil er weiterstudieren will und dank seiner HIV-Therapie auch kein Risiko für andere darstellt.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="intransparente-kommission-und-verletzung-des-datenschutzes">Intransparente Kommission – und Verletzung des Datenschutzes?</h2>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Ärztin fordert auch Akten und Befunde von seinem HIV-Arzt an und bindet offenbar Kolleg*innen der Universität ein, um die angekündigte Expertenkommission zu bilden. „Erst als mein Anwalt viel später die Unterlagen anforderte, erfuhr ich, wer überhaupt alles in dieser Kommission saß“, sagt Martin, „aber meine Daten wurden wohl weitergegeben. Ich bin anscheinend vogelfrei.“</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ob Betriebsärztin und Expertenkommission den Datenschutz eingehalten haben und die Kommission tatsächlich nicht wusste, welchen ihrer Studenten mit HIV sie begutachtet, ist unklar. Die Universität erklärt auf Anfrage, man äußere sich nicht zu laufenden Verfahren.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für den Studenten Martin jedenfalls ist die Situation schwierig, da er sich in einem Abhängigkeitsverhältnis sieht. Seit der Begegnung im Behandlungszimmer laufe er Schleichwege, um seinen Kommiliton*innen nicht zu begegnen. Es rumore schon an der Fakultät, sagt Martin. Auch Kursbetreuer*innen hätten gefragt, ob er denn nun weitermachen dürfe.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="zusatzliche-hiv-kontrollen-auf-eigene-kosten-trotzdem-teilnahmeverbot">Zusätzliche HIV-Kontrollen auf eigene Kosten – trotzdem Teilnahmeverbot</h2>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Expertenkommission gebiert schließlich eine Auflage: Ein Jahr lang soll Frank Martin monatlich durch eine Laboruntersuchung nachweisen, dass die Virenmenge in seinem Blut unter der Nachweisgrenze der üblichen Verfahren liegt. Danach werde man entscheiden, wie es für ihn weitergehe. Da die Laboruntersuchungen im Rahmen der HIV-Therapie nur alle drei Monate vorgenommen werden, müsste er acht dieser Tests aus eigener Tasche bezahlen.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
  </div>


  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Meine Daten wurden wohl weitergegeben. Ich bin anscheinend vogelfrei.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Frank Martin, HIV-positiver Studierender der Zahnmedizin</cite></blockquote>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hintergrund dieser Auflage ist offenbar, dass Martin in der Vergangenheit zwei Phasen hatte, in denen er seine Medikamente nicht einnahm. Einmal, vor mehr als sechs Jahren, war er nach Auskunft seines behandelnden Arztes emotional durch private Konstellationen belastet. Die zweite Phase fällt ins Jahr 2019 – damals vertrug Martin nach eigenen Angaben aufgrund einer anderen Behandlung die HIV-Medikamente nicht und nahm sie erst nach Ende der anderen Therapie wieder ein. Damals stieg die Viruslast in seinem Blut kurzzeitig an, sodass eine Übertragung theoretisch möglich gewesen wäre. Martin sei „dazu informiert, wie wichtig eine hohe Adhärenz <em>[Anm. d. Red.: Therapietreue]</em> ist, wenn er seinem Beruf nachgehen möchte“, schreibt sein Arzt abschließend.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Martin hält die Auflage der Uni für ein „diskriminierendes Kontrollregime“. Schließlich habe er seit der Phase im Jahr 2019 konstant niedrige HIV-Werte. Doch um sein Studium nicht zu gefährden, lenkt er gegenüber der Uni zunächst ein, jobbt nebenbei als Verkäufer, um die jeweils 150 Euro teuren monatlichen PCR-Tests zu finanzieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="strafendes-regime-statt-gefahrenabwehr">Strafendes Regime statt Gefahrenabwehr</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Jacob Hösl ist Rechtsanwalt und vertritt Martin vor Gericht. Er sagt: „Die Auflagen hatten einen bestrafenden Charakter, weil die praktischen Kurse zu dem Zeitpunkt noch gar nicht angefangen hatten. Es geht aber darum, Gefahren abzuwenden und nicht Disziplin durchzusetzen.“</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dr. Hubertus von Schwarzkopf sitzt im Ausschuss für Arbeitsmedizin, der das Bundesministerium für Arbeit und Soziales berät. Er hat einen solchen Fall nur selten erlebt. Der Experte für Arbeitsmedizin findet das Vorgehen der Betriebsärztin der Uni Marburg aus mehreren Gründen bedenklich:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
  </div>


  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die arbeitsmedizinische Vorsorge dient allein dem Schutz des Beschäftigten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dr. Hubertus von Schwarzkopf, Mitglied des Ausschusses für Arbeitsmedizin beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales</cite></blockquote>

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      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Die arbeitsmedizinische Vorsorge dient – anders als die Uni denkt – allein dem Schutz des Beschäftigten.“ Die Vorsorge habe beratenden Charakter, nach der Beratung bekomme man eine Teilnahmebestätigung. Es gehe also nicht um einen Eignungstest. Die Uni Marburg habe dieses Prinzip umgedreht, um andere – vermeintlich – zu schützen, und zwar „ohne erkennbare rechtliche Grundlage.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Außerdem: „Eine Expertenkommission ist die Ultima Ratio und in ihrer Zusammensetzung und ihrem Ablauf klar definiert.“ Ihr sollten möglichst nebst Vertreter*innen des Arbeitgebers auch Vertreter*innen von Gesundheitsbehörde und Landesärztekammer, der*die behandelnde Ärzt*in sowie der*die Betroffene selbst angehören. Die Entscheidungen der Kommission hätten lediglich Empfehlungscharakter.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Diese Kommission hingegen sei unverhältnismäßig und zudem intransparent einberufen worden. Es sei völlig unklar gewesen, wer ihr angehört habe. „Es darf keine Wunschkommission sein, sondern es muss eine definierte Expertenkommission gebildet werden“, so von Schwarzkopf.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Als die praktischen Kurse im Sommer 2021 für Martin endlich in die Nähe rücken, stellt die Betriebsärztin ihm keine Eignungsbescheinigung aus, weil er sich ab Februar 2021 nicht mehr dem Kontrollregime der Uni unterwarf und monatlich seine Testergebnisse vorlegte. Die Uni entscheidet: er darf nicht teilnehmen. Für von Schwarzkopf ein klarer Verstoß gegen arbeitsmedizinische Vorschriften.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="wissenschaft-kennt-seit-jahren-keine-hiv-ubertragungen-zwischen-arzt-innen-und-patient-innen">Wissenschaft kennt seit Jahren keine HIV-Übertragungen zwischen Ärzt*innen und Patient*innen</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Wissenschaft ist sich einig, dass HIV in der zahnärztlichen Praxis faktisch nicht übertragen wird – weder von Patient*innen auf Ärzt*innen noch umgekehrt. Die <a href="https://www.bzaek.de/service/positionen-statements/einzelansicht/zahnaerztliche-behandlung-von-hiv-positiven-patienten.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundeszahnärztekammer stellte schon 2014 fest</a>, in der internationalen Literatur gebe es keine beschriebenen Fälle von HIV-Übertragung durch Patient*innen auf Zahnärzt*innen. Daher müssten auch keine besonderen Maßnahmen von Ärztinnen für Hygiene- und Arbeitsschutz getroffen werden. John Hardie, der sich über 30 Jahre wissenschaftlich mit dem Thema Infektionsvermeidung beschäftigt hat, formulierte 2018 ein ähnliches <a href="https://www.oralhealthgroup.com/features/good-news-dentists-not-risk-acquiring-hiv-aids-infected-patients-illusion-infection-control/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fazit</a>: „Bei der Ausübung ihres Berufs besteht für Zahnmediziner*innen und ihre Mitarbeiter*innen kein Risiko, sich bei infizierten Patient*innen mit HIV anzustecken“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.8#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
  </div>


  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Bei der Ausübung ihres Berufs besteht für Zahnmediziner*innen und ihre Mitarbeiter*innen kein Risiko, sich bei infizierten Patient*innen mit HIV anzustecken.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>John Hardie, Zahnarzt im Ruhestand und Experte für Infektionskontrolle</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auch umgekehrt kennt die Forschung seit 2010 keine Fälle, in denen jemand aus dem Gesundheitswesen Patient*innen infiziert hat, <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/infection-control-and-hospital-epidemiology/article/management-of-healthcare-personnel-living-with-hepatitis-b-hepatitis-c-or-human-immunodeficiency-virus-in-us-healthcare-institutions/71C331662FBEDDF7F62369E22A22E4F0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">so die „Amerikanische Gesellschaft für Epidemiologie im Gesundheitswesen“</a> (SHEA).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wie sollte es auch überhaupt zu einer HIV-Übertragung von einer behandelnden Person auf Patient*innen kommen? Mit dem Skalpell ausrutschen, sich selbst in den Finger schneiden? Und dann mehrere Milliliter Blut in den Mund der behandelten Person übertragen?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das sei nahezu ausgeschlossen, sagt Prof. Dr. Rainer Jordan, <a href="https://www.idz.institute/forschungsschwerpunkte/gesundheitsversorgungsforschung-und-epidemiologie.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte</a> (IDZ). Die Realität gibt ihm Recht: Seit den 1990er-Jahren gab es weltweit nur vier beschriebene Übertragungen von HIV-positivem medizinischem Personal auf Patientinnen. Dabei ging es nur einmal um einen Zahnarzt, der im Jahr 1990 sechs von ihm betreute Patientinnen mit HIV infizierte. Die Umstände der Übertragung – zum Beispiel Unfälle oder Absicht – konnten aber nie geklärt werden. Hinzu kommt, dass die Übertragungen zu einer Zeit passierten, als es noch keine wirksamen Kombinationstherapien gegen HIV gab – sie senken die Virenmenge im Blut so weit, dass nur ein minimales, theoretisches Übertragungsrisiko bleibt.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><a href="https://www.idz.institute/forschungsschwerpunkte/gesundheitsversorgungsforschung-und-epidemiologie.html"></a>Jordan findet das Vorgehen der Uni Marburg ungewöhnlich. Ein HIV-Status sei eine Sache zwischen Betriebsärzt*in und studierender Person und gehe sonst niemanden etwas an. Eine bestehende HIV-Infektion nach zwischenzeitlich erhöhter Viruslast engmaschig zu beobachten, mache zwar Sinn, sagt er – aber immer im Interesse des*der Studierenden.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Was aber ist mit dem Infektionsrisiko durch mögliche Verletzungen, das die Universität Marburg sieht? „Grundsätzlich kann man sich verletzen, wie man will. Was zählt, sind Barrieretechnik wie Handschuhe und Schutzkleidung sowie Standardempfehlungen.“</p>

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    </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="hiv-ubertragungsrisiko-lasst-sich-gegen-null-minimieren">HIV-Übertragungsrisiko lässt sich gegen Null minimieren</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zu den Standardmaßnahmen gehören zum Beispiel das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung aus Einmalhandschuhen, Mund-Nasen-Schutz und Schutzbrille/Schutzschild sowie die sachgerechte Reinigung, Desinfektion und Sterilisation aller bei der Behandlung benutzten Instrumente.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Der Hintergrund dieser Maßnahmen: Zahnärztinnen müssen immer damit rechnen, dass sie es mit Patient*innen mit ansteckenden Krankheiten zu tun haben – zum Beispiel mit Hepatitis B oder C, deren Erreger viel leichter übertragbar sind als HIV – und dass die Patient*innen nicht immer von diesen Krankheiten wissen.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Grundsätzlich kann man sich verletzen, wie man will. Was zählt, sind Barrieretechnik wie Handschuhe und Schutzkleidung sowie Standardempfehlungen.</p>

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<cite>Prof. Dr. Rainer Jordan, Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Während also einerseits HIV-Medikamente die HIV-Vermehrung im Körper unterdrücken und so die Übertragungsgefahr minimieren (beim Sex ist sogar überhaupt keine Übertragung mehr möglich), schützen andererseits auch die von Jordan angesprochene Barrieretechnik und Standardmaßnahmen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und diese schon minimierten Risiken lassen sich weiter minimieren: Zum Beispiel dadurch, dass HIV-positive Chirurg*innen bei genau beschriebenen, besonders verletzungsträchtigen Tätigkeiten – etwa bei Eingriffen mit schlechter Sicht – doppelte Handschuhe tragen. So empfehlen es die <a href="https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1471/23UOZT6sKnns.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y">Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) und die Gesellschaft für Virologie</a>.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und nicht zuletzt gibt es die <a href="https://www.aidshilfe.de/PEP">HIV-Post-Expositions-Prophylaxe, kurz PEP</a>, um HIV-Infektionen nach einem wahrscheinlichen Kontakt mit HIV zu verhindern, beispielsweise bei einer Verletzung mit einem Instrument mit einer ausreichend großen Menge HIV-haltigen Bluts.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="rechtsstreit-um-praktische-kurse">Rechtsstreit um praktische Kurse</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nachdem Frank Martin sein zweites Staatsexamen bestanden hat, sucht er Hilfe bei der Antidiskriminierungsstelle der DAH und bekommt rechtlichen Beistand von Jacob Hösl. Martin will, dass die Tests aufhören, die er selber bezahlen soll, und an den praktischen Kursen teilnehmen.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im November 2021 kommt es zu einer ersten Entscheidung. Das Verwaltungsgericht in Gießen stellt fest, es gebe aus infektiologischer Sicht keinen Grund für den Ausschluss von Martin von den praktischen Kursen. Dabei orientiert sich das Gericht auch am Stand der medizinischen Wissenschaft.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Doch die Universität drängt weiter auf ein Teilnahmeverbot für Frank Martin. Wohl in Eile erstellt sie ein „Gefahrenkataster“, das Verletzungsrisiken während der praktischen Kurse katalogisiert. Die beiden Professorinnen, die die praktischen Kurse geben, versichern zudem kurz vor Weihnachten 2021 eidesstattlich, es bestehe eine erhöhte Verletzungsgefahr in der Praxis.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir haben bei HIV jahrzehntelange Erfahrung in der Medizin. Es gibt null Vorkommnisse.</p>

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<cite>Rechtsanwalt Jacob Hösl</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auf die Bitte von magazin.hiv um eine Stellungnahme antwortet die Pressestelle der Universität Marburg, man äußere sich nicht zu laufenden Verfahren. Auch zur Anzahl von Schnitt- und Stichverletzungen bei Studierenden des Fachbereichs Medizin und zur Frage, wie oft eine HIV-PEP sowie andere Maßnahmen der Akut- und Nachsorge von Nadelstichverletzungen angeboten wurden, könne man keine Angaben machen, da eine zahlenmäßige Erfassung nicht erfolge.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Martins Rechtsanwalt Jacob Hösl hält gegen die Universität Marburg: Er argumentiert, man dürfe mit dem Gefahrenkataster und den eidesstattlichen Versicherungen Verletzungsrisiken nicht mit einem Infektionsrisiko gleichsetzen. Schließlich müssten Martin und sein Gegenüber gleichzeitig verletzt sein und eine ausreichende Menge Blut übertragen werden – was nicht plausibel sei. „Wir haben bei HIV jahrzehntelange Erfahrung in der Medizin. Es gibt null Vorkommnisse. Daran ist die Uni gebunden. Die Wissenschaft schränkt also die Maßnahmen der Verwaltung ein“, sagt Jacob Hösl.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="universitat-ignoriert-urteil-und-geht-an-hochstes-verwaltungsgericht">Universität ignoriert Urteil und geht an höchstes Verwaltungsgericht</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Trotz allem ignoriert die Präsidentin der Universität Marburg das Urteil des Verwaltungsgerichts Gießen und schließt vor Weihnachten 2021 Frank Martin erneut von den praktischen Kursen aus, um die „öffentliche Ordnung herzustellen und Gefahren für andere auszuschließen“, so steht es im Bescheid.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Anfang Januar 2022 gibt dann sogar der Hessische Verwaltungsgerichtshof in einem Eilverfahren der Universität Marburg recht – auf Grundlage des Hochschulrechts. Martin darf also nicht teilnehmen.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Grob fehlerhaft, findet sein Anwalt Jacob Hösl. Man könne nicht erst den Infektionsschutz heranziehen, an den die Uni gebunden sei, und sich dann auf das Hochschulrecht – also quasi Hausrecht – stützen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Da gucken Sie die Wände an“, sagt Frank Martin. „Für mich ist dann hier wohl Stopp. Meine Träume und Ziele sind kaputt. Zurzeit habe ich gar keinen Antrieb. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Denn selbst, wenn er weiter studieren dürfe, befürchtet er, nicht mehr objektiv bewertet zu werden. „Dabei ging es nur um ein paar verdammte Labortage in der Praxis. Hätte ich mir nur selber die Abdrücke vom Gebiss nehmen dürfen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/zahnmedizin-uni-marburg-studienstopp-wegen-hiv/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Unwissenheit und Vorbehalte gegenüber Menschen mit HIV in der Zahnmedizin</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/menschen-mit-hiv-zahnmedizin/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/menschen-mit-hiv-zahnmedizin/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2022 15:47:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsschutz]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-bezogene Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Zahnmedizin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1552821</guid>

					<description><![CDATA[Zahnmediziner*in mit HIV – geht das? Das Risiko einer Übertragung liegt nahe Null, dennoch gibt es Unsicherheit und Diskriminierung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Zahnmediziner*in mit HIV – geht das? Das Risiko einer HIV-Übertragung liegt dabei nahe Null, dennoch gibt es Unsicherheit und Diskriminierung.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Ich glaube, das muss quasi an der Praxis dran stehen, wenn man HIV-positiv ist. In medizinischen Berufen ist es ohnehin schwierig, wenn man HIV hat, weil die Gefahr groß ist, andere zu infizieren“, sagt ein junger Zahnarzt aus Ostdeutschland. Der allerdings auch gleich nachschiebt, dass er nicht weiß, ob das stimmt, was er da sagt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Ich glaube, das muss quasi an der Praxis stehen, wenn man HIV-positiv ist.</p><cite>Falsch informierter Zahnarzt</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Spoiler: Es stimmt nicht. Dennoch ist erschreckend, dass es diesen Mythos unter Zahnmediziner*innen überhaupt gibt – auch mit Blick auf das Studium: „Auch da muss man preisgeben, wenn man HIV hat, meine ich“, so der Zahnarzt.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wie weit verbreitet dieser Mythos unter Zahnmediziner*innen ist, lässt sich schwer sagen. Klar aber ist, dass er sich negativ auf das Leben von HIV-positiven Studierenden der Zahnmedizin und von Zahnärzt*innen auswirken kann.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein aktuelles Beispiel ist der Fall eines Studenten der Zahnmedizin, der aufgrund seiner HIV-Infektion vom praktischen Studium ausgeschlossen wurde, weil er angeblich als behandelnde Person oder als „Übungsperson“ für Mitstudierende eine Gefahr darstelle.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="unterschiedlicher-umgang-der-medizinischen-fakultaten-mit-hiv">Unterschiedlicher Umgang der medizinischen Fakultäten mit HIV</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Deutsche Aidshilfe hat deshalb Fachschaften und Dekanate der Medizin und Zahnmedizin gefragt, wie sie mit Studierenden mit HIV umgehen: ob sie den HIV-Status abfragen und falls ja, warum und mit welchen Konsequenzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Ergebnis: Einige Fakultäten fragen offenbar nicht nach, andere überlassen es ihren Studierenden, ihren Status anzugeben oder sich – im Sinne der betrieblichen Vorsorge – zum Beispiel auf Hepatitis C oder auch HIV testen zu lassen. Einige wenige Universitäten allerdings verpflichten angehende Human- und Zahnmedizinier*innen, ihren HIV-Status anzugeben oder sogar einen HIV-Test zu machen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eine rechtliche Grundlage dafür sieht Kerstin Mörsch von der Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung der Deutschen Aidshilfe nicht. „Im Arbeitskontext darf nur bei triftigen Gründen nach HIV gefragt werden, nämlich dann, wenn dies für die Tätigkeit eine Rolle spielt. Das ist in den allermeisten Fällen nicht so“, sagt Mörsch.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nur für „<a href="https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1471/23UOZT6sKnns.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y" target="_blank" rel="noreferrer noopener">besonders verletzungsträchtige Tätigkeiten</a>“, zum Beispiel Operationen mit eingeschränktem Sichtfeld, gelte, dass bei Operierenden mit HIV die Virenmenge im Blut „unter der Nachweisgrenze“ der gängigen Testverfahren liegen müsse und sie doppelte Handschuhe tragen müssten. „Unter der Nachweisgrenze“ aber sind so gut wie alle Menschen mit HIV, die regelmäßig ihre HIV-Medikamente nehmen – in ihrem ureigenen Interesse. Denn so haben sie beste Chancen auf ein weitgehend beschwerdefreies und langes Leben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="keine-verpflichtende-hiv-untersuchung-in-der-arbeitsmedizinischen-vorsorge">Keine verpflichtende HIV-Untersuchung in der arbeitsmedizinischen Vorsorge</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eine verpflichtende Untersuchung auf HIV ist in der <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung</a> ausdrücklich nicht vorgesehen (anders als bei den wesentlich leichter übertragbaren Erregern von Hepatitis B oder C). Jede verpflichtende Abfrage des HIV-Status oder eine Blutuntersuchung auf HIV stelle somit einen „aktiven Verstoß gegen arbeitsmedizinische Vorschriften dar“, sagt Dr. Hubertus von Schwarzkopf, Mitglied im <a href="https://www.baua.de/DE/Aufgaben/Geschaeftsfuehrung-von-Ausschuessen/AfAMed/Ausschuss-fuer-Arbeitsmedizin_node.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ausschuss für Arbeitsmedizin</a> beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Verpflichtende Abfragen des HIV-Status oder verpflichtende HIV-Tests könne man auch nicht mit dem Infektionsschutzgesetz begründen, sagt Kerstin Mörsch. Dort verpflichtet ein Paragraf unter anderem Leiter*innen von Krankenhäusern und Praxen, die „nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderlichen Maßnahmen“ zu treffen, um „die Weiterverbreitung von Krankheitserregern zu vermeiden“. Dies sei bei HIV durch die im medizinischen Bereich geltenden Maßnahmen zum sicheren Arbeiten und zur Basishygiene <a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/183054/Praeventions-und-Infektionsschutz-Zwischen-Persoenlichkeitsrecht-und-Patientenschutz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gewährleistet</a>.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-verpflichtende-hiv-tests-bieten-nur-eine-scheinsicherheit">Verpflichtende HIV-Tests bieten nur eine Scheinsicherheit</h2>

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<p>„Wer HIV-Positive mit Abfragen und Auflagen kontrollieren will, stellt nur eine Scheinsicherheit her“, sagt Rechtsanwalt Jacob Hösl. Er vertritt den wegen seiner HIV-Infektion vom praktischen Studium ausgeschlossenen Zahnmedizin-Studenten der Universität Marburg. Außerdem hatte er schon mehrere Mandant*innen, die wegen ihres HIV-Status von Zahnärzt*innen als Patient*innen abgelehnt wurden und weite Wege auf sich nehmen müssen, um behandelt zu werden.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Da wird der Teufel in Gestalt eines Menschen mit HIV an die Wand gemalt, damit man ihn vermeintlich bannen kann.</p><cite>Rechtsanwalt Jacob Hösl</cite></blockquote>

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<p>Hösl weiß: HIV-bezogene Diskriminierung im Alltag gibt es noch immer, gerade im Gesundheitswesen – gegenüber Patient*innen wie auch gegenüber Menschen „auf der anderen Seite“, also Beschäftigten im medizinischen Bereich.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Der Rechtsanwalt mit HIV-Schwerpunkt nennt ein Beispiel: „Nehmen Sie an, ein Student der Zahnmedizin hat einen negativen Test bei der betriebsärztlichen Vorsorge und infiziert sich dann mitten im Semester mit HIV, ohne es zu wissen. Dann geht die Virenmenge in seinem Blut in die Millionen – und in einer Situation, in der es zu einer HIV-Übertragung kommen könnte, wäre das Risiko hoch.“ Man könne also die angestrebte Sicherheit gar nicht durch verpflichtende Tests herstellen – wohl aber durch sicheres Arbeiten. „Da wird der Teufel in Gestalt eines Menschen mit HIV an die Wand gemalt, damit man ihn vermeintlich bannen kann“, sagt der Rechtsanwalt.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="zahnmedizin-experte-angste-sind-verstandlich-aber-unbegrundet">Zahnmedizin-Experte: Ängste sind verständlich, aber unbegründet</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Da bei den Zahnis als operatives Fach Nadeln, scharfes Werkzeug und Blut zum Alltag gehören, muss man verstehen, dass sie alarmiert sein können“, sagt Prof. Dr. Rainer Jordan, <a href="https://www.idz.institute/forschungsschwerpunkte/gesundheitsversorgungsforschung-und-epidemiologie.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wissenschaftlicher Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte</a> (IDZ), einer Forschungseinrichtung der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. „Aber wir leben jetzt seit 40 Jahren mit HIV. Und die Zahnmediziner weisen die niedrigsten Infektionszahlen von allen Berufen auf, haben aber die größte Abneigung.“ Das sei nicht plausibel.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Der internationale wissenschaftliche Tenor gibt ihm Recht. John Hardie, der sich über 30 Jahre wissenschaftlich mit dem Thema Infektionsvermeidung beschäftigt hat, formulierte 2018 folgendes Fazit: „<a href="https://www.oralhealthgroup.com/features/good-news-dentists-not-risk-acquiring-hiv-aids-infected-patients-illusion-infection-control/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bei der Ausübung ihres Berufs besteht für Zahnmediziner*innen und ihre Mitarbeiter*innen kein Risiko, sich bei infizierten Patient*innen mit HIV anzustecken</a>“.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Umgekehrt – also mit Blick auf das Risiko für Patient*innen von Zahnmediziner*innen mit HIV – stellt sich die Frage: Wie sollte es überhaupt zu einer HIV-Übertragung von einer behandelnden Person auf Patientinnen kommen? Mit dem Skalpell ausrutschen, sich selbst in den Finger schneiden? Und dann mehrere Milliliter Blut in den Mund der behandelnden Person übertragen?</p>

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          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.8#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Bei der Ausübung ihres Berufs besteht für Zahnmedizinerinnen und ihre Mitarbeiterinnen kein Risiko, sich bei infizierten Patient*innen mit HIV anzustecken</p><cite>John Hardie, Zahnarzt im Ruhestand und Experte für Infektionskontrolle</cite></blockquote>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das sei nahezu ausgeschlossen, sagt Jordan. Die Realität gibt ihm Recht: <a href="https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1471/23UOZT6sKnns.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Seit den 1990er-Jahren gab es weltweit nur vier beschriebene Übertragungen von HIV-positivem medizinischem Personal auf Patient*innen</a>. Dabei ging es nur einmal um einen Zahnarzt, der 1990 sechs von ihm betreute Patient*innen mit HIV infizierte. Die Umstände der Übertragung – zum Beispiel Unfälle oder Absicht – konnten aber nie geklärt werden. Hinzu kommt, dass die Übertragungen 1990 passierten, als es noch keine wirksamen Kombinationstherapien gegen HIV gab, welche die Virenmenge im Blut so weit senken, dass nur ein minimales, theoretisches Übertragungsrisiko bleibt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Darüber hinaus gibt es seit vielen Jahren die sogenannte <a href="https://www.aidshilfe.de/PEP" target="_blank" rel="noreferrer noopener">HIV-Post-Expositions-Prophylaxe, kurz PEP</a>, um HIV-Infektionen nach einem (wahrscheinlichen) Kontakt mit HIV, zum Beispiel bei einer Verletzung mit einem Instrument mit einer ausreichend großen Menge HIV-haltigen Blutes daran, zu vermeiden. Bei einer PEP werden über einen Zeitraum von vier Wochen HIV-Medikamente eingenommen. Sie verhindern, dass sich HIV im Körper festsetzt. Wird eine PEP rechtzeitig begonnen, das heißt möglichst innerhalb von 48 Stunden, geht das Risiko einer Infektion gegen Null.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="allgemeine-massnahmen-der-hygiene-reichen-aus">Allgemeine Maßnahmen der Hygiene reichen aus</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Eine Infektionsgefahr besteht also – wenn überhaupt – nur für denjenigen, der behandelt wird, und für niemanden sonst“, sagt Jordan. Hier Kommiliton*innen vermeintlich vor HIV schützen zu wollen, zeuge von einem mittelalterlichen Informationsstand. Zahnmediziner*innen seien im Bereich Infektiologie offensichtlich schlecht ausgebildet.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auch die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Deutsche Aidshilfe stellen in der gemeinsam herausgegebenen Broschüre „<a href="https://www.aidshilfe.de/shop/keine-angst-hiv-hbv-hcv" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Keine Angst vor HIV, HBV und HCV</a>“ klar: Bei Einhaltung der üblichen Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen besteht keine Infektionsgefahr, weder für das medizinische Team noch für Patient*innen. Unnötig sei deswegen, Patient*innen nach ihrem HIV-Status zu fragen, die Behandlung ans Ende der Sprechstunde zu verlegen oder sie gar zu verweigern.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="positiv-umgehen-mit-hiv-positiven">Positiv umgehen mit HIV-Positiven</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Es gibt immer ein Restrisiko“, sagt Rainer Jordan vom IDZ. Das könne man nicht eliminieren, aber minimieren – „so wie beim Anschnallgurt im Auto“.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Bei Studierenden nach HIV zu fragen, hält er für übertrieben. „Die Spirale kann man bis zum Ultimum drehen. Dann müsste man eben auch monatlich nach Hepatitis und allen anderen Viren fragen.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein positiver, auf den wissenschaftlichen Fakten basierender Umgang mit Infektionsrisiken sieht anders aus: </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Positiv ist, wenn Betriebsärzt*innen Studierenden allenfalls auf freiwilliger Basis Tests auf HIV anbieten &#8211; und sie im Falle einer HIV-Diagnose keinesfalls „sanktionieren“, sondern sie dabei unterstützen, die mit der Infektion verbundenen Herausforderungen möglichst gut zu bewältigen – im Studium wie im Beruf.</p>

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					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/menschen-mit-hiv-zahnmedizin/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Hamburger Straßensubstitution: voller Erfolg für Drogengebrauchende</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/hamburger-strassensubstitution/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/hamburger-strassensubstitution/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jun 2021 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Drogengebrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Schadensminimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Substitution]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1551116</guid>

					<description><![CDATA[In der Corona-Pandemie brachte die Stadt Hamburg hunderte Drogengebraucher*innen, sehr viele ohne Papiere oder Krankenversicherung, unbürokratisch in die Substitution. Das könnte Schule machen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Die Corona-Pandemie machte Menschen mit Opioidproblematik in den vergangenen Monaten ordentlich zu schaffen: Zwar riss die Versorgung mit Drogen nicht ab, doch viele hatten Schwierigkeiten, an Geld zu kommen, </strong><a href="https://magazin.hiv/2021/04/24/corona-drogenkonsumraeume/"><strong>und auch die Angebote von Kontaktläden und Konsumräumen waren eingeschränkt.</strong></a></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Der </strong><a href="http://www.jugendhilfe.de/drobinn.de/gz-3.html"><strong>Hamburger Kontaktladen „Drob Inn“</strong></a><strong> hat es in kürzester Zeit geschafft, hunderte Drogengebrauchende unkompliziert und direkt zu substituieren – eine Notfallmaßnahme mit positiven Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen, und eine neue Art der Substitution, die sich zu einem Modell für die Republik entwickeln könnte.</strong></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wer in den Tagen der Lockdown-Maßnahmen kein Geld für eine Kugel Heroin hat, vielleicht entzügig ist und dann auch noch weder Krankenversicherung noch einen festen Wohnsitz hat, ist ziemlich aufgeschmissen.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In Hamburg naht die Rettung im „Drob Inn“ der örtlichen Jugendhilfe: Deutschlands erste Substitutionsambulanz vergibt speziell an Menschen ohne Papiere, Krankenversicherung oder Obdach Drogenersatz wie Methadon und andere Substitutions-Medikamente.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nach Speicheltest auf Opioidkonsum und Speichern der Fingerabdrücke in einem Computer kommt unkompliziert das Substitut aus einem Behälter – „Methadonpumpe“ genannt. Fertig ist die direkte Substitution in der Hamburger Ambulanz.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für Einrichtungsleiter Peter Möller ist der unbürokratische Ablauf einer der Aspekte, die zum Erfolg des Projekts geführt haben, das erst Anfang des Jahres an den Start ging. „Ein anderer Aspekt ist die Nähe zur Szene. Wir haben etliche Personen, die täglich hier hinkommen. Von denen haben viele einfach zurzeit keine Alternative.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-drei-viertel-ohne-krankenversicherung">Drei Viertel ohne Krankenversicherung</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Tatsächlich wurden von Anfang 2021 bis Ende März 339 Personen über das „Drob Inn“ substituiert, drei Viertel davon ohne Krankenversicherung. Rund hundert Drogengebrauchende besuchen die Ambulanz täglich, viele der Klient*innen des Kontaktladens kommen aus dem Ausland, einige sind Geflüchtete. Für sie alle ist die niedrigschwellige Substitution eine rettende Maßnahme einerseits und zugleich ein Schritt der Integration.</p>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Kosten der Behandlung für Klient*innen ohne Krankenversicherung trägt die Hamburger Behörde für Gesundheit und Soziales, bei krankenversicherten Substituierten übernimmt natürlich die Kasse.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Bis Ende September 2021 ist das Projekt finanziert. Im Sommer wird das „Drob Inn“ der Gesundheitsbehörde berichten, dann hofft die Jugendhilfe Hamburg, dass die Finanzierung der Substitutionsambulanz jenseits der Pandemie verlängert wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-hamburger-stra-enprostitution-mehr-alltag-und-sicherheit">Hamburger Straßenprostitution: mehr Alltag und Sicherheit</h2>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Was sich jetzt schon abzeichnet: Die Straßensubstitution verhindert Straftaten und kann von Obdachlosigkeit zurück in einen geregelten Alltag und eine stationäre Therapie führen. Für andere, die unter problematischen Bedingungen auf der Straße leben, bleibt diese Substitution ohne Hürden eine sinnvolle Alternative zu den engen Strukturen in Arztpraxen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Klientin Sonja erzählt, warum das Projekt der Jugendhilfe Hamburg für Obdachlose so hilfreich ist:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>„Ich habe mich für die niedrigschwellige Substitution im Drob Inn entschieden aus einem einfachen Grund: Ich bin ohne festen Wohnsitz. Zuvor war ich lange nicht substituiert. Seit die Coronapandemie ausgebrochen ist, ist es besonders schwierig, Geld zu machen. So war ich zu Beginn der Pandemie häufig entzügig.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.8#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Substitution hier ist viel einfacher als bei niedergelassenen Ärzten“</p></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Deswegen ist die Substitution im Drob Inn und anderen Drogenkonsumräumen eine super Gelegenheit. Klasse, dass ihr das anbietet. Die Substitution hier ist viel einfacher als bei niedergelassenen Ärzten, viele Praxen sind doch überfüllt zurzeit, und dort müsste ich Rezeptgebühren bezahlen. Das Drob Inn hingegen ist direkt vor Ort. Wenn du obdachlos bist, ist das echt eine gute Chance, mal runterzufahren.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Endlich kein Stress mehr, Geld machen zu müssen, um nicht entzügig zu sein. Dadurch konsumiere ich auch viel weniger.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Hoffentlich geht es zukünftig so weiter. So kann ich mich endlich um andere Sachen kümmern. Zum Beispiel zum Wohnungsamt gehen, um aus der Obdachlosigkeit zu kommen. Ich will mich in Zukunft einfach noch mehr um mich selber kümmern, was vorher kaum möglich war. Was mit Substitution aber geht. Deswegen habe ich das Angebot auch anderen empfohlen.“</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kevin ist über die Substitution im „Drob Inn“ in einen geregelten Alltag und in Therapie gekommen:</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>„Ich habe mich für die niedrigschwellige Substitution im Drob Inn entschieden, weil ich nicht krankenversichert bin. Jetzt bin ich erst mal substituiert und kann danach alles andere erledigen. Seit ich in der Substitution bin, habe ich Hartz IV beantragt und einen strukturierten Tagesablauf. Läuft also.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Deswegen rate ich auch anderen zur Substitution, wo immer sie möglich ist. Danach kann man Hartz IV kriegen und kommt damit wieder in eine Krankenversicherung. Ohne Substitution begehen viele Leute weiter Straftaten und kommen so nicht von der Straße weg. Ich habe jetzt sogar eine Therapie begonnen und habe das Gefühl, dass ich sie auch bis zum Ende schaffe.“</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Jahrelang war die Substitutionsbehandlung ein ungeliebtes Stiefkind der deutschen Medizin. Immer wieder gab es Hausdurchsuchungen bei Ärzt*innen, Berufsverbote und Geldbußen. Immer wieder mussten Ärzt*innne und Patient*innen um Take-Home-Rezepte und die Behandlungsdauer streiten, häufig brachen Substituierte die Therapie ab – <a href="https://magazin.hiv/2020/05/14/trocknet-die-substitutionsbehandlung-aus/">und die Behandlungsmethode fand zuletzt kaum noch Nachwuchsmediziner*innen.</a></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-modellprojekt-mit-strahlkraft-ber-landesgrenzen-hinweg">Modellprojekt mit Strahlkraft über Landesgrenzen hinweg?</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und nun – Corona sei Dank – tun sich neue Möglichkeiten der Substitution auf, weil Behörden und Trägerorganisationen gemeinsam in der Not der Pandemie Hürden zu Behandlung und Versorgung abgebaut haben.</p>

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          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.8#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Unser Modell ist auf ganz Deutschland übertragbar“</p></blockquote>

        </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für Dirk Schäffer von der Deutschen Aidshilfe ist das Hamburger Modell eine wichtige neue Option der Schadenminimierung und Therapie: „Wenn sich allein in Hamburg in so kurzer Zeit hunderte Menschen für die Behandlung entschieden haben, kann man sich vorstellen, wie hoch bundesweit der Bedarf bei unversorgten Personen ist, die eigentlich gerne behandelt werden wollen.“</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kann die Hamburger Straßensubstitution Leitbild für eine direkte, unbürokratische, schadensminimierende Substitution werden?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Unser Modell ist auf ganz Deutschland übertragbar, es braucht einzig den Willen der sozial- und gesundheitspolitischen Verantwortlichen, die Überlebenshilfeangebote für Drogenabhängige bedarfsgerechter zu erweitern“, sagt Einrichtungsleiter Peter Möller.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>An Trägerorganisationen dafür mangelt es nicht.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Weitere Beiträge rund um die Substitution (Auswahl):</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="3Qrbknz9Mn"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/trocknet-die-substitutionsbehandlung-aus/">Trocknet die Substitutionsbehandlung aus?</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Trocknet die Substitutionsbehandlung aus?&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/trocknet-die-substitutionsbehandlung-aus/embed/#?secret=na3PaESDuf#?secret=3Qrbknz9Mn" data-secret="3Qrbknz9Mn" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="1OpZT6Olod"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hoffnung-fuer-die-substitutionsbehandlung-1/">Neue Hoffnung für die Substitutionsbehandlung – Teil 1</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Neue Hoffnung für die Substitutionsbehandlung – Teil 1&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hoffnung-fuer-die-substitutionsbehandlung-1/embed/#?secret=gLDmTVSLTW#?secret=1OpZT6Olod" data-secret="1OpZT6Olod" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="TfhHm8CajI"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hoffnung-fuer-die-substitutionsbehandlung-2/">Neue Hoffnung für die Substitutionsbehandlung – Teil 2</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Neue Hoffnung für die Substitutionsbehandlung – Teil 2&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hoffnung-fuer-die-substitutionsbehandlung-2/embed/#?secret=AIfSQ35rb6#?secret=TfhHm8CajI" data-secret="TfhHm8CajI" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="sY090TVbyD"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/neue-regeln-fuer-substitutionsbehandlung/">Endlich: Neue Regeln erleichtern die Substitutionsbehandlung</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Endlich: Neue Regeln erleichtern die Substitutionsbehandlung&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/neue-regeln-fuer-substitutionsbehandlung/embed/#?secret=qn9Y9POP2i#?secret=sY090TVbyD" data-secret="sY090TVbyD" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Cannabis-Start-up Bunte Blüte will staatliche Regulierung</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/cannabis-bunte-bluete-regulierung-2/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/cannabis-bunte-bluete-regulierung-2/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 May 2021 19:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Cannabis]]></category>
		<category><![CDATA[CBD]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Legalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1551101</guid>

					<description><![CDATA[Die Firma Bunte Blüte ist ein Pionier des Handels mit Cannabidiol-Produkten – und engagiert sich für eine breite gesellschaftliche Diskussion über die regulierte Abgabe von Drogen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Die Firma Bunte Blüte ist ein Pionier des Handels mit Cannabidiol-Blüten und CBD-Produkten. Das Team dahinter engagiert sich zugleich für eine breite gesellschaftliche Diskussion über die regulierte Abgabe von Drogen.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Mittlerweile kann man Cannabidiol-Blüten (CBD) und dessen Abkömmlinge wie Öl in Deutschland ganz legal kaufen, in Spätis, Trinkhallen und Fachmärkten quer durch die Republik. Der Gehalt der Blüten am psychoaktiven Wirkstoff THC ist so niedrig, dass sie nicht berauschend wirken und die Produkte zum Beispiel als Räucherware verkauft werden dürfen. Legales Marihuana – eigentlich.</em></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Doch immer wieder kommt es zu Sicherstellungen von CBD-Blüten durch die Polizei. Auch der Berliner Cannabishandel Bunte Blüte arbeitet daher im Verborgenen. Dabei steht das Start-up für eine transparente und professionelle Lieferkette – und ist damit vielleicht Pionier einer zukünftigen kontrollierten Cannabis-Abgabe.</em></p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Ein Hausbesuch von Benedict Wermter – mit Fotos von Tom Costello</em></p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Berliner Cannabis-Start-up <a href="https://buntebluete.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bunte Blüte</a> liegt mitten in einem Wohngebiet, doch seine vier Gründer und ein Dutzend Mitarbeitende würden Fremden nie verraten, wo genau sie arbeiten. Durch eine schwere Stahltür gelangt man zu einer Bar, links davon gehen mehrere helle und geräumige Büros ab, in denen Cannabis-Vertriebler*innen hinter kalifornischen Computern sitzen. Sie vermarkten die Produkte von „Bunte Blüte“ quer durch Deutschland, liefern an Spätis, Trinkhallen und Fachmärkte für Produkte aus Cannabidiol-Knospen, kurz: CBD-Produkte.</p>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es geht um Cannabis, das genauso aussieht, riecht und schmeckt wie die verbotene Variante. Einziger Unterschied: Der berauschende Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) wurde extrahiert und auf unter 0,2 Prozent pro Gramm gebracht. Nur noch der legale Wirkstoff CBD ist enthalten, der nicht <em>high</em> macht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-cbd-unter-anderem-f-r-klassische-kiffer-innen-die-aufh-ren-wollen">CBD: unter anderem für klassische Kiffer*innen, die aufhören wollen</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wenn die Vertreiber*innen hinter ihren Bildschirmen so etwas wie Großdealer*innen 2.0 sind, dann ist Vincent Klever hier der Drogenbaron. Der Mitbegründer der Bunten Blüte ist 27 Jahre alt, ein Typ wie ein Bär, mit Trainingsjacke in Tarnfarben. Bei unserem Hausbesuch im Graslager redet er schnell und druckreif.</p>

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			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>CBD: Fast perfektes „Gras“?</p></blockquote>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Wir richten uns an den klassischen Kiffer, der Cannabis konsumieren, aber nicht extrem berauscht sein will“, erklärt Klever sein Geschäftsmodell. Es gehe ihm und seinem Team darum, Konsumierende zu erreichen, die weniger kiffen und die CBD-Blüten ergänzend oder ersetzend verwenden wollen. Um Menschen, die „sich runterdosieren oder die sogar aufhören wollen“, sagt Klever, an der Bar des Empfangs lehnend.</p>

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          </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Was mit einer fixen Idee nach einem Junggesellenabschied in Prag begann, wurde schnell zu einem lohnenden Geschäft inmitten des CBD-Booms. Der Wirkstoff gilt als entzündungshemmend, entkrampfend, entspannend, seine Blüten und Öle sind legal im Internet und in Shops erhältlich, um die doch eher weniger wirksamen Blüten hat sich geradezu ein Hype entwickelt.</p>

              </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Man könnte fast meinen, eigentlich gehe es dabei um etwas anderes: hochwertige Cannabisprodukte in einer transparenten und professionellen Lieferkette. Fast perfektes „Gras“ – würde es nur etwas mehr wirken. Sind die Leute von Bunte Blüte also vielleicht so etwas wie die Vorhut einer zukünftigen kontrollierten Abgabe aller Hanfsorten?</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-bunte-bl-te-wehrt-sich-gegen-hausdurchsuchungen-und-beschlagnahmen">Bunte Blüte wehrt sich gegen Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen</h2>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Immer wieder kommt es zu Sicherstellungen des harmlosen Nutzhanfs. <a href="https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/cannabis-in-berliner-spaetis-polizei-beschlagnahmt-nutzhanf-bunte-bluete-von-kreuzberger-firma-li.21529">Ende 2018 zum Beispiel wurden die Produkte des Start-ups in einem Dutzend Berliner Spätis beschlagnahmt</a>. Auch Klever hat schon Erfahrungen mit der Polizei gemacht, erzählt er in den Büroräumen. Vor zwei Jahren fuhr er aus der Schweiz im Zug zurück nach Berlin, mit drei Kilo Blüten im Gepäck, die ihm die Bundespolizei hinter der deutschen Grenze abnahm. Kurz danach durchsuchte die Berliner Polizei die damaligen Geschäftsräume der Firma, auch Klevers Wohnung wurde gefilzt, während er in Gewahrsam saß.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Nachdem klar war, dass die Kilos Nutzhanf sind, wurde ich entlassen und bin genervt zurück nach Berlin gefahren“, sagt Klever. Seither sei die Zahl solcher Maßnahmen gegen Kund*innen und sie selbst zwar zurückgegangen, sagt Klever, aber man könne nie vorsichtig genug sein. „Insgesamt liegen bei verschiedenen Staatsanwaltschaften noch ein paar Dutzend Kilos von uns herum“, erzählt er.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-ist-cbd-rausch-oder-nutzhanf">Ist CBD Rausch- oder Nutzhanf?</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Vincent Klever führt nun ins Lager der Firma, wo große Umzugskartons an der Wand lehnen. Überall stehen schwarze Gläschen, Etikettenrollen und tausende Aufkleber herum. Mit Marken wie „Tropical Haze“, „Lemon Coco“ oder „Gorilla Glue“ haben die Macher*innen von Bunte Blüte den Nerv der Cannabisfans getroffen.</p>

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<p>Klever erzählt, wie an ihm in den vergangenen drei Jahren ein Jurist verloren gegangen ist. In fließendem Behördendeutsch erklärt er den rechtlichen Streitpunkt um die Produkte, nämlich die Frage, ob CBD-Blüten doch berauschen können. „Nach unserer gutachterlichen Ansicht können die Blüten wegen ihres niedrigen Wirkstoffgehalts nicht zum Rausch führen. Folglich vertreiben wir die Produkte nicht zum Rauschzweck.“</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Blüten sind eine klassische Grauzone. Gesetze sind schwammig formuliert“</p></blockquote>

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<p>Strittig ist auch, ob der Blütenverkauf <a href="https://www.bfarm.de/SharedDocs/FAQs/DE/BtmGrundstoffeAMVV/Cannabis/cannabis-faq14.html">unter die rechtliche Grundlage für Nutzhanf</a> fällt. „Die Blüten sind eine klassische Grauzone. Da gibt es Diskussionspotenzial, Gesetze sind schwammig formuliert, wobei die Blüten nach unserer Auffassung ganz klar legaler Nutzhanf sind.“</p>

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<p>Es gebe Staatsanwaltschaften, für die die bunten Blüten in Ordnung seien, sagt Klever, Behörden, die sie für zuvor beschlagnahmte Produkte entschädigen wollten, und solche, die nach wie vor behaupteten, die Produkte seien verboten. <a href="https://www.businessinsider.de/gruenderszene/health/startups-cbd-blueten-bgh-urteil-b/">Immerhin: Im März 2021 entschied der Bundesgerichtshof, der Verkauf von CBD-Produkten könne legal sein, aber nur, wenn sich niemand an ihnen berauscht.</a></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-bunte-bl-te-kauft-fast-100-kilo-cbd-bl-ten-pro-monat-ein">Bunte Blüte kauft fast 100 Kilo CBD-Blüten pro Monat ein</h2>

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<p>Dann steht Klever im Abfüllraum, dem Herzstück der kleinen Cannabisfabrik. Eine Mitarbeiterin und zwei Mitarbeiter arbeiten hier mit weißen Kitteln und Masken. Es fehlen nur noch Schutzbrillen, dann wäre der Raum einem Labor zum Verwechseln ähnlich. Auf der einen Seite wiegt die Mitarbeiterin Grammportionen ab und füllt sie in schwarze Gläschen. Auf der anderen Seite steht eine Abfüllstraße für Öle, die ein Mitarbeiter mit einer Pipette in kleine Behälter spritzt – später als Nektar zum Verdampfen verkauft. Extrem starker Cannabisgeruch dringt selbst durch die Maske in die Nase. Und durch das Fenster strahlt der blaue Himmel mitten in diesem Berliner Wohngebiet.</p>

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<p>„Wir kaufen in der Regel im hohen zweistelligen Kilogrammbereich pro Monat ein“, sagt Klever. Die Bunte Blüte ist ein Großhändler, der nicht nur eigene Marken betreibt, sondern auch Partner beliefert. Die Rohware kommt von Cannabis-Anbauer*innen <a href="https://bergblueten.ch/cbd-anbau-schweiz/">aus der Schweiz</a>, von denen es immer mehr gibt. Sie züchten Cannabis mit niedrigem Wirkstoffgehalt auf Feldern oder in Hallen und extrahieren nach der Ernte mit Flüssigkeit und Überdruck das berauschende THC, sodass nur noch das erlaubte CBD in der Blüte bleibt. „Wir packen die Rohware dann ab oder stellen Öle daraus her, bevor wir unsere Produkte in die über 800 Verkaufsstellen schicken“, so Klever.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-cbd-bl-ten-gefragt-ist-jetzt-der-gesetzgeber">CBD-Blüten: Gefragt ist jetzt der Gesetzgeber</h2>

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<p>Wie ein Weinkenner öffnet Vincent Klever weiße Eimer, die randvoll mit Blüten sind, sicher ein paar Kilogramm. „Das Amnesia ist von feiner Struktur, mit angenehmen Aroma, kompakte Buds“, sagt er. Und öffnet einen anderen Eimer: „Der Harlekin ist grober geraten, riecht strohig. Aber sehr beliebt.“</p>

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<p>Zurück am Empfang des Start-ups lehnt Vincent Klever wieder an der Bar, nimmt in sicherer Entfernung seine Maske ab. Dann blickt er in die Zukunft, wünscht sich, dass der Gesetzgeber den Nutzhanf-Paragraphen in den kommenden 12 Monaten um die Blüten erweitert. So könnte die Firma Investor*innengelder einsammeln und weitere Zahlungsmittel für Kund*innen zulassen, die derzeit noch gesperrt sind – etwa Onlinebezahldienste. Außerdem möchte Bunte Blüte in andere Länder expandieren.</p>

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<p>Doch es geht Vincent Klever um mehr: „Wenn wir unsere Produkte noch präsenter platzieren können, dann schafft das einen anderen Blick auf andere Cannabis-Produkte. Mit Blick auf die Diskussion um die Entkriminalisierung.“</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-bunte-bl-te-will-keine-bedingungslose-cannabislegalisierung">Bunte Blüte will keine bedingungslose Cannabislegalisierung</h2>

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<p>Dabei müsse man durchaus auch eine Diskussion um Grenzwerte von berauschendem Cannabis führen, so Klever. „Wir sind keine bedingungslosen Cannabislegalisierer. Wir müssen uns fragen, ob wir später so hoch konzentrierte und unkontrollierte Produkte wie in den USA haben wollen oder ob nicht fünf bis sieben Prozent THC für legalisiertes Cannabis ausreichen?“</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Kann man nicht durch Regulierung bessere Ergebnisse erzielen?“</p></blockquote>

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<p>Klever will, dass der THC-Verkauf später genauso kontrolliert wird wie der CBD-Verkauf. Das sei eigentlich dieselbe Sache.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Wir wollen wissen, wie sinnvoll der Weg ist, der mit der Kriminalisierung politisch eingeschlagen wurde. Oder kann man nicht durch Regulierung bessere Ergebnisse erzielen? Gehen wir in eine medizinische Richtung? Oder staatliche Abgabestellen? Wir fragen uns schon, was ist für Deutschland eine sinnvolle Herangehensweise?“</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-nutzhanf-als-substitut">Nutzhanf als Substitut</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Einige Menschen nutzen CBD tatsächlich als Substitut und konsumieren CBD genauso wie Cannabis. <a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/218224/Cannabisbasierte-Arzneimittel-Therapieoption-fuer-die-Psyche">Nutzhanf kann eine psychische Wirkung entfalten</a> – und ist daher auch für Opioidgebrauchende interessant, auch für Menschen mit HIV und anderen chronischen Erkrankungen. „Aber selbst dieser Gebrauch wird kriminalisiert, obwohl wir gar nicht von Drogengebrauch sprechen können“, sagt Dirk Schäffer, Drogenreferent der Deutschen Aidshilfe.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Grundsätzlich fordern Expert*innen und auch die <a href="https://www.aidshilfe.de/shop/pdf/9709">DAH die geregelte Abgabe von bestimmten Substanzen</a>, weil der Staat so Kontrolle zurückgewinnt, an der die Prohibition scheitert: Schwarzmärkte würden ausgetrocknet, frei werdende Mittel könnten sinnvoll für präventive Jugendarbeit und Schutz von Konsumierenden eingesetzt werden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nicht zuletzt mit dieser Perspektive sollte auch die Bunte Blüte nicht kriminalisiert, sondern eher als Partnerin einer Regulierung gesehen werden. Vincent Klever und seine Mitarbeiter*innen jedenfalls warten hinter der schweren Stahltür darauf, ihr Unternehmen in das Hellfeld der kontrollierten Cannabis-Abgabe zu führen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Weitere Beiträge auf magazin.hiv rund ums Thema Drogenpolitik (Auswahl)</strong></p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="V5tegMf0iK"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gedenktag21juli-2020/">„Wir sind für Entkriminalisierung der Konsumenten und verstärkten Jugendschutz“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Wir sind für Entkriminalisierung der Konsumenten und verstärkten Jugendschutz“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gedenktag21juli-2020/embed/#?secret=YoGuIV3ZVf#?secret=V5tegMf0iK" data-secret="V5tegMf0iK" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="mzzm4PSgVe"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ulmer-gedenktag-drogengebraucher_innen-2019/">Was muss passieren, damit es Menschen, die Drogen gebrauchen, viel besser geht?</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Was muss passieren, damit es Menschen, die Drogen gebrauchen, viel besser geht?&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ulmer-gedenktag-drogengebraucher_innen-2019/embed/#?secret=lnQFG7vdgP#?secret=mzzm4PSgVe" data-secret="mzzm4PSgVe" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="Hg2aPXhCQQ"><a href="https://magazin.hiv/magazin/global/internationale-leitlinien-zu-menschenrechten-und-drogenpolitik/">Internationale Leitlinien zu Menschenrechten und Drogenpolitik veröffentlicht</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Internationale Leitlinien zu Menschenrechten und Drogenpolitik veröffentlicht&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/global/internationale-leitlinien-zu-menschenrechten-und-drogenpolitik/embed/#?secret=TJalnDBBfT#?secret=Hg2aPXhCQQ" data-secret="Hg2aPXhCQQ" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="s42agTFEqS"><a href="https://magazin.hiv/magazin/global/portugal-15-jahre-humane-drogenpolitik/">Portugal: 15 Jahre humane Drogenpolitik</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Portugal: 15 Jahre humane Drogenpolitik&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/global/portugal-15-jahre-humane-drogenpolitik/embed/#?secret=woEYUVCmkp#?secret=s42agTFEqS" data-secret="s42agTFEqS" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="UYSJkiq57s"><a href="https://magazin.hiv/magazin/neuigkeiten/hochkaraetige-globale-kommission-fordert-neue-drogenpolitik/">Hochkarätige globale Kommission fordert neue Drogenpolitik</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Hochkarätige globale Kommission fordert neue Drogenpolitik&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/neuigkeiten/hochkaraetige-globale-kommission-fordert-neue-drogenpolitik/embed/#?secret=Rk2LBcfXB3#?secret=UYSJkiq57s" data-secret="UYSJkiq57s" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Corona-Pandemie: Druck auf Drogenkonsumräume und Kontaktläden</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/corona-drogenkonsumraeume/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/corona-drogenkonsumraeume/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Apr 2021 13:42:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenkonsumräume]]></category>
		<category><![CDATA[Harm Reduction]]></category>
		<category><![CDATA[Schadensminimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Substitution]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1550146</guid>

					<description><![CDATA[Drogenkonsumräume sind Knotenpunkte im sozialen Netz vieler Drogengebraucher*innen und Scharnierstellen zu Entgiftung und Substitution. In der Corona-Pandemie jedoch nehmen Angebote ab und Nutzer*innen leiden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>Drogenkonsumräume – Einrichtungen, die Platz für Konsum oder Aufenthalt bieten – sind zentrale Anlaufstellen für Drogennutzer*innen. Knotenpunkte in ihren sozialen Netzen, die Safer Use gewährleisten, in denen die Mitarbeiter*innen zuhören, beraten und über HIV und Hepatitis aufklären. Scharnierstellen, die von der Straße in Entgiftung und Substitution führen.</strong></p>
<p><strong>Doch die Corona-Pandemie hat diese niedrigschwelligen Angebote stark ausgedünnt und den Ablauf eingeschränkt – mit negativen Folgen für die Klient*innen. Eine Bestandsaufnahme</strong></p>
<h2>Münster: Gravierende Auswirkungen auf den Drogenkonsumraum</h2>
<p>„Besonders für den Konsumraum hatte und hat die Pandemie gravierende Auswirkungen“, sagt Ralf Gerlach vom <a href="https://indro-online.de/">niedrigschwelligen Drogenhilfezentrum des INDRO e.V. in Münster</a>. Schon bevor das Virus grassierte, konnte der Drogenkonsumraum (DKR) kaum den täglichen Bedarf an Konsumplätzen in der Stadt abdecken. Im April 2020 mussten dann die sechs Plätze auf je einen für den intravenösen und den inhalativen Gebrauch reduziert werden. „Das bedeutet, dass wir täglich weniger als die Hälfte der sonst üblichen Anzahl an Konsumvorgängen zu verzeichnen hatten und haben“, so Gerlach weiter – von bis zu 70 sicheren Konsumvorgängen unter hygienischen Bedingungen pro Tag runter auf 30.</p>
<blockquote><p>Lockdown-Maßnahmen bedeuten Stress für das Konsumraum-Team und die Nutzer*innen</p></blockquote>
<p>Die Folgen von Lockdown-Maßnahmen und reduzierten Plätzen für den DKR in Münster: Stress für das Konsumraum-Team, das den Einlass, Masken, Fieber, Hygiene und Abstand sowohl bei den Hilfesuchenden als auch teils bei sich selbst kontrollieren muss. Und gleichzeitig ein enormer Druck auf die drogengebrauchenden Besucher*innen, die trotz geringerer Auslastung länger warten müssen und „ungeduldig“ werden, so Ralf Gerlach. „Nicht mehr einfach die Einrichtung betreten zu können, sondern im Außenbereich warten zu müssen, bis man an der Reihe ist, bedeutet für viele Angebotsnutzende einen langfristigen Lernprozess.“</p>
<p>Letztlich hätten die Kontrollen und langen Wartezeiten viele Nutzer*innen gänzlich vom Konsum im Drogenkonsumraum des INDRO abgehalten. Das offene Konsumgeschehen in Münster nimmt wieder zu, sagt Ralf Gerlach, „was sich nicht nur an einem erhöhten Beschwerdeaufkommen seitens Münsteraner Bürger und Bürgerinnen zeigt, sondern auch daran, dass unser Team ‚Mobile Spritzenentsorgung‘ wesentlich mehr gebrauchte Spritzutensilien einsammelt“.</p>
<p>Münster ist kein Einzelfall: Von 41 im Sommer 2020 vom Robert-Koch-Institut angeschriebenen Konsumräumen und Kontaktläden antworteten 23 – und beschrieben gravierende Folgen durch vollständige Schließung oder reduzierte Angebote von Konsumplätzen im Notbetrieb. „Die Schließung von Kontaktläden hat in vielen Einrichtungen mangels ausreichender Privatsphäre zu einem starken Rückgang der allgemeinen Beratungen geführt, trotz eines hohen berichteten Bedarfs an Gesprächen“, <a href="https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/42_20.pdf?__blob=publicationFile">fasste das RKI zusammen</a>. Und auch dem RKI meldeten einige Einrichtungen, verstärkt Konsum im öffentlichen Raum zu beobachten, und damit einhergehende Bedenken, dass „Safer Use deshalb nur schwer möglich ist“, so das RKI weiter.</p>
<blockquote><p>Viele Nutzer*innen kämpfen ohnehin mit schwerwiegenden psycho-sozialen Problemen</p></blockquote>
<p>Darüber hinaus würden Angebote wie Naloxonschulungen und Hepatitis-C- oder HIV-Schnelltests deutlich seltener genutzt, sagt Ralf Gerlach aus Münster – mit potenziell verheerenden gesundheitlichen Folgen. Gerlach beschreibt die Lockdown-Maßnahmen als eine Bedrohungssituation für seine Klient*innen, von denen viele ohnehin mit schwerwiegenden psychischen und sozialen Problemen sowie vielfältigen existenziellen Lebenskrisen zu kämpfen hätten. Er beobachtet bei einigen „Hoffnungslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Leben und ein bisweilen äußerst riskantes Konsumverhalten im öffentlichen Raum“.</p>
<p>Eine positive Auswirkung von weniger Konsumplätzen immerhin könnte man sehen, wenn man wollte: Die wenigen, die kommen dürfen, können besser in Sachen Substitution, Safer Use und psychosoziale Intervention beraten und in Entgiftungen, Substitution und weiterführende medizinische Hilfsangebote vermittelt werden.</p>
<h2>Karlsruhe: Synergie von Drogenkonsumraum und Kontaktladen derzeit nicht möglich</h2>
<p>Auch die Anlaufstelle des <a href="https://www.awo-karlsruhe.de/leistungen/besondere-lebenslagen/suchthilfe/">„get IN“ der AWO in Karlsruhe</a> ist betroffen. Der Druckraum war erst im Dezember 2019, kurz vor der Pandemie, eröffnet worden. „Wir haben im Konsumraum vier Konsumplätze, die wir wegen des Abstandes auf zwei Plätze reduzieren mussten“, sagt Einrichtungsleiterin Petra Krauth. Generell laufe der Betrieb aber trotz der Reduzierung der Plätze reibungslos – nur der Aufenthalt im Kontaktladen sei derzeit nicht möglich.</p>
<p>Krauth und ihre Kolleg*innen versprachen sich Synergie-Effekte vom Drogenkonsumraum und Kontaktladen „unter einem Dach“, als der Drogenkonsumraum des get IN startete – will heißen: engere Betreuung und Bindung zwischen Mitarbeitenden und Konsumierenden. Da derzeit in Karlsruhe aber nur die Basisangebote bestehen und Drogengebrauchende nach dem Konsum gehen müssen, hoffen sie im get IN, dass sich die Lage bessert und der Kontaktladen wieder aufmachen darf.</p>
<h2>München: Condrobs endlich wieder mehr als ein „Supermarkt für Drogengebrauchende“</h2>
<p>In München sind Team und Drogengebrauchende froh, dass die Kontaktläden von „Condrobs“ wieder mehr sind als ein Supermarkt für Userinnen und User. „Zu Beginn der Pandemie hieß es ungefähr: Nimm dein Essen, deine Spritze, und geh“, sagt Einrichtungsleiter Olaf Ostermann. Schnell aber erkannten Stadt und Land den Bedarf, sicherten die fortlaufende Finanzierung zu und Condrobs durfte die Kontaktläden unter strengen Auflagen wieder öffnen.</p>
<p>„Natürlich binden die Regeln unsere Kräfte und strengen an, aber es klappt besser als gedacht. Unsere Leute sind sehr dankbar, dass wir geöffnet sind, auch wenn sie nach einer Stunde wieder gehen müssen. Das ist schon etwas Besonderes und das merken unsere Klientinnen und Klienten“, so Ostermann.</p>
<p>Seit dem Winterlockdown kommen sogar mehr Drogengebrauchende als zuvor. Hinzu kommen Nutzer*innen, die stabil substituiert sind und im Sommer 2020 ihre Arbeit in der Lagerlogistik, als Putzkräfte oder Securitypersonal verloren haben. In München scheint die Pandemie Drogengebrauchende und Mitarbeitende des Condrobs zusammenzuschweißen.</p>
<h2>Berlin: „Klopapierprobleme sind auf dem Drogenmarkt nicht festzustellen“</h2>
<p>Zu Beginn der Pandemie sei die Szene verunsichert und gestresst gewesen, die Straßen leergefegt, so Astrid Leicht von <a href="https://www.fixpunkt.org/">Fixpunkt in Berlin</a>. Konsumierende hätten sich Sorgen gemacht, sie bekämen kein Koks oder Heroin. Doch die Drogenzufuhr funktioniere, die Bunker der Hauptstadt seien gefüllt gewesen und seien es heute auch, so Leicht, die jahrzehntelange Erfahrung in der Drogenhilfe hat und Entwicklungen im ganzen Bundesgebiet beobachtet. „Die Klopapierprobleme unserer Gesellschaft sind auf dem Drogenmarkt nicht festzustellen.“</p>
<p>Trotz Pandemie seien die Öffnungszeiten beider Kontaktstellen von Fixpunkt dank dem Berliner Senat von etwa 30 auf bis zu 60 Stunden pro Woche ausgebaut worden. „Das war kein Lockdown, sondern ein Build-up“, sagt Leicht. Insgesamt habe das Angebot von Fixpunkt aber dennoch eingeschränkt werden müssen, so wie in den anderen Einrichtungen quer durch die Republik.</p>
<p>„Fast kein Kontaktladen in Deutschland lässt noch den freien Aufenthalt zu“, sagt Astrid Leicht. Man brauche jetzt ein Anliegen, um kommen zu dürfen, etwa Wäsche waschen zu wollen, Utensilien oder eine Beratung zu brauchen. „Einfach vorbeikommen geht nicht mehr. Stattdessen lautet das Motto, überspitzt gesagt: Geh mal bitte, damit du nicht so viel Aerosol ablässt“, erzählt sie. Auch der Konsumraum von Fixpunkt sei von sechs auf drei Plätze reduziert, so Leicht weiter, aus dem „Rauchraum“ müssten die Klient*innen schneller raus.</p>
<blockquote><p>Zugang zur Substitutionsversorgung weiter vereinfachen</p></blockquote>
<p>Dennoch sieht Leicht auch positive Tendenzen der vergangenen Monate: „Jenseits von Parteizugehörigkeit und ideologischer Grundlage waren alle Entscheidungsträgerinnen und -träger sensibel genug, um etwas für unsere Zielgruppe zu tun. Da haben wirklich alle geguckt, dass wir gemeinsam was gestrampelt kriegen.“</p>
<p>Ein Ergebnis: Die Regeln für die Substitution wurden bundesweit gelockert, die <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/verschreibung-abgabe-substitutionsmitteln-voruebergehend-erleichtert">Verschreibung und Abgabe von Substitutionsmitteln vorübergehend erleichtert</a>.</p>
<p>Nun gehe es darum, den „niedrigschwelligen Zugang zur Substitutionsversorgung weiter zu vereinfachen, damit Drogengebrauchende für eine gewisse Phase versorgt sind“, sagt Astrid Leicht. Das wäre sinnvoll, damit Nutzer*innen keine Kontakte auf der Straße mehr eingehen und sich dabei einem Ansteckungsrisiko aussetzen müssten, um sich Drogen zu beschaffen, so Leicht weiter. „Wie können wir noch mehr Leute in Behandlung schaffen, damit sie ruhiger werden?“, fragt sie sich.</p>
<blockquote><p>Selbstbewusst bleiben und für den Schutz vor Hepatitis, HIV und Covid-19 eintreten</p></blockquote>
<p>Leicht hält nicht viel davon, das Klientel irgendwelche Zettel über Kontakte ausfüllen zu lassen: „Wir wollen uns das Vertrauen nicht kaputtmachen“, sagt sie. „Besser, wir erklären den richtigen Umgang mit der Maske und, warum Impfungen sinnvoll sind.“ Astrid Leicht hofft außerdem, dass mobile Impfteams für die Fixpunkt-Klient*innen in die Einrichtungen kommen.</p>
<p>„Wir müssen selbst zur Bekämpfung des Virus beitragen und können uns nicht nur auf andere verlassen“, sagt sie mit Blick auf ihr Team und andere Helfende sowie auf Hilfesuchende. „Wir dürfen uns nicht vor schwierigen Situationen wegducken, müssen selbstbewusst bleiben. Unsere Mission ist weiterhin, vor Hepatitis und HIV zu schützen, und wir müssen diesen Schutz nun auch auf Covid-19 anwenden.“
      </p></div>
</p></div>
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		<title>Covid-19-Pandemie: Globale Solidarität statt Impfnationalismus</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/global/covid-19-pandemie-globale-solidaritaet-statt-impfnationalismus/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Feb 2021 11:11:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aids-Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19-Impfung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit für alle]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Patentrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[TRIPS-Waiver]]></category>
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					<description><![CDATA[Anfang 2021: Während in der EU über schleppend laufende Covid-19-Impfungen geklagt wird, können ärmere Länder von Impfungen nur träumen. Können wir etwas für globale Impfgerechtigkeit tun?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>Anfang 2021: Während in der EU über schleppend laufende Covid-19-Impfungen geklagt wird, können ärmere Länder von Impfungen nur träumen. Können wir etwas für globale Impfgerechtigkeit tun?</strong></p>
<p>„Die Pandemie ist nicht vorbei, bis sie für alle vorbei ist“, heißt es derzeit häufig in Artikeln und in Sozialen Medien. Die Access Campaign der Organisation Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) hat deshalb im Dezember 2020 zusammen mit zahlreichen anderen NGOs und Aktivist*innen aus der Zivilgesellschaft einen <a href="https://msfaccess.org/civil-society-letter-pharmaceutical-corporations-making-covid-19-vaccines" target="_blank" rel="noopener">offenen Brief an die Covid-19-Impfstoffhersteller</a> geschrieben.</p>
<p>Die Konzerne stünden vor der Wahl: Statt ihre Monopolstellungen zu verteidigen und hunderten Millionen Menschen den raschen Zugang zur Impfung zu verweigern, sollten sie Technologien, Knowhow und biologisches Material mit anderen Unternehmen teilen und auf Durchsetzung ihrer Patente verzichten, damit andere in die Impfstoffproduktion einsteigen und sie so massiv ausweiten können.</p>
<blockquote><p>„Die Welt steht am Rand eines katastrophalen moralischen Versagens“</p></blockquote>
<p>„Oberste Priorität muss jetzt sein, in allen Ländern einige Menschen zu impfen – statt in einigen Ländern alle Menschen“, <a href="https://twitter.com/wellcometrust/status/1350840308230221828" target="_blank" rel="noopener">sagte Tedros Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), im Januar 2021</a>. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Bis zum 18. Januar 2021 waren in den ärmsten Ländern der Welt gerade einmal 25 Menschen geimpft worden, <a href="https://www.who.int/director-general/speeches/detail/who-director-general-s-opening-remarks-at-148th-session-of-the-executive-board">so der WHO-Chef</a>, in 49 reichen Ländern hingegen schon 39 Millionen – am <a href="https://www.nbcnews.com/news/us-news/how-vaccine-nationalism-could-prolong-covid-19-pandemic-n1255417" target="_blank" rel="noopener">28. Januar sogar fast 60 Millionen</a>. Was für ein krasses Missverhältnis.</p>
<p>„Die Welt steht am Rand eines katastrophalen moralischen Versagens, und der Preis dieses Versagens wird mit Menschenleben und Existenzen in den ärmsten Ländern der Welt bezahlt werden“, <a href="https://www.who.int/director-general/speeches/detail/who-director-general-s-opening-remarks-at-148th-session-of-the-executive-board" target="_blank" rel="noopener">so Tedros Ghebrreyesus weiter</a>. Er fordert: Bis zum Weltgesundheitstag am 7. April 2021 soll in allen Ländern geimpft werden. In gut zwei Monaten also.</p>
<p>Aber wie soll das gelingen? Und was können wir als Einzelne gegen den Impfnationalismus tun?</p>
<h2>Die „COVAX Facility“ – eigentlich eine gute Idee</h2>
<p>Dass Impfstoffe gegen das Coronavirus ein globales öffentliches Gut sein sollen, wurde schon zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 bekräftigt. Der „<a href="https://www.who.int/initiatives/act-accelerator" target="_blank" rel="noopener">Access to COVID-19 Tools (ACT) Accelerator</a>“, eine im April 2020 gegründete Partnerschaft zwischen der WHO, der EU-Kommission und weiteren Organisationen, setzt sich seither für einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen ein.</p>
<p>Der zentrale Verteilungsmechanismus sollte die „<a href="https://www.gavi.org/covax-facility">COVAX Facility</a>“ sein, ein Pool, bei dem die 100 ärmsten Länder ihren Bedarf anmelden und Impfdosen bestellen können – auch wenn sie sich den Impfstoff nicht werden leisten können. Das klingt zunächst einmal fair. Doch was ist schiefgelaufen?</p>
<h2>Einer solidarischen, globalen Familie steht der Impfnationalismus reicher Länder entgegen</h2>
<p>Das Problem liegt einerseits in der Verteilung. Anstatt auf die COVAX Facility zuzugreifen, schließen reiche Länder direkt mit den Pharmakonzernen Verträge über Impfdosen – <a href="https://globalhealth.duke.edu/news/ensuring-everyone-world-gets-covid-vaccine" target="_blank" rel="noopener">so haben sich die reichsten 16 Prozent der Weltbevölkerung fast 60 Prozent der global verfügbaren Impfstoffe gesichert</a>.</p>
<p>Und schlimmer noch: Einige reiche Länder haben sich sehr viel mehr Impfdosen gesichert als nötig – <a href="https://www.nbcnews.com/news/us-news/how-vaccine-nationalism-could-prolong-covid-19-pandemic-n1255417" target="_blank" rel="noopener">Kanada und die USA zum Beispiel so viel, dass alle Einwohner*innen mehr als fünf Mal geimpft werden könnten</a>. Für die <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)00242-7/fulltext" target="_blank" rel="noopener">Covax-Facility dagegen sollen nach bisherigem Stand bis Ende 2021 nur zwei Milliarden Impfdosen zur Verfügung stehen – das reicht gerade für 20 Prozent der Menschen in den armen Ländern</a>. Die anderen 80 Prozent sind auf Spenden aus den reichen Ländern angewiesen.</p>
<p>„Die USA, das Vereinigte Königreich und andere wollen die COVAX-Initiative nur noch politisch unterstützen und kaufen für sich selber ein“, sagt Elisabeth Massute. Sie ist politische Referentin bei Ärzte ohne Grenzen und setzt sich dort für den gerechten Zugang zu Medikamenten ein. Ein Großteil der Impfstoffe sei schon seit Herbst 2020 reserviert: „Die reichen Länder haben den Armen alles weggekauft“, so Massute. Diese Länder überlegten jetzt, Reste abzugeben, die sie nicht brauchen. Elisabeth Massute hat zudem ins Kleingedruckte der Ankündigungen zur Verfügbarkeit der Impfdosen aus der COVAX Facility geschaut. Sie sagt: „Nur ganz wenig ist bisher vertraglich abgesichert. Das meiste sind Absichtserklärungen von Pharmafirmen.“</p>
<blockquote><p>„Momentan sind wir von den Entscheidungen der Pharmaunternehmen anhängig“</p></blockquote>
<p>Die Unternehmen wiederum behandeln die Impfstoffe als Geschäftsgeheimnisse und konkurrieren miteinander, anstatt das Wissen über die Entwicklung zu teilen, obwohl sie dafür auch noch hohe Zuschüsse von Ländern wie Deutschland kassiert haben – <a href="https://investors.biontech.de/de/news-releases/news-release-details/biontech-erhaelt-bmbf-foerderung-von-bis-zu-375-millionen-euro" target="_blank" rel="noopener">allein BioNTech bekam vom Bund bis zu 375 Millionen Euro</a> zugesagt.</p>
<p>Elisabeth Massute von Ärzten ohne Grenzen sagt dazu: „Wenn die öffentliche Hand solche Förderungen leistet, dann muss klar sein, dass die Bürgerinnen und Bürger davon auch profitieren. Momentan sind wir von den Entscheidungen der Pharmaunternehmen anhängig.“</p>
<p>Noch viel stärker sind die Bürgerinnen und Bürger des globalen Südens, also in den eher ärmeren Ländern, vom Wohlwollen der Industriestaaten und der Pharmakonzerne abhängig, obwohl dort viel mehr Menschen geimpft werden müssen als auf der nördlichen Halbkugel. Auch in afrikanischen Ländern steigen die Zahlen, es kommt zu Mutationen wie in Südafrika, es wird kaum getestet. Und fast gar nicht geimpft.</p>
<p>Das muss sich ändern. Sonst wird es keine globale Herdenimmunität geben und folglich auch kein Ende der internationalen Beschränkungen. Auch anderen globalen Impfprogrammen drohen Rückschläge, etwa den Bemühungen, die Kinderlähmung weltweit auszurotten. Und nicht zuletzt ist Impfnationalismus auch rein wirtschaftlich schädlich: <a href="https://www.rand.org/pubs/research_briefs/RBA769-1.html" target="_blank" rel="noopener">Laut dem RAND-Forschungsinstitut</a> würde das Bruttosozialprodukt in der EU um 311 Milliarden Dollar sinken, wenn nur die Menschen in den reichen Ländern geimpft werden – wenn auch die Menschen in allen Ländern mit mittleren Einkommen Impfstoffe bekommen, würde das Bruttosozialprodukt lediglich um 40 Milliarden sinken.</p>
<h2>Was ist die Lösung?</h2>
<p>Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen fordert zwei Dinge:</p>
<ol>
<li>Impfstoffe sollen schnell und verbindlich von jenen abgegeben werden, die sich zu viel gesichert haben: „Reiche Länder sollen nicht ihre Reste abgeben, sondern den Impfstoff global gerecht aufteilen.“</li>
<li>Produktionskapazitäten sollen ausgeweitet werden. Das heißt: „Auch Unternehmen, die bisher keinen Covid-Impfstoff herstellen, sollen, wo technisch möglich, zur Bedarfsdeckung beitragen.“ Dazu braucht es laut Massute einen internationalen Transfer von Techniken zur Impfstoffherstellung.</li>
</ol>
<p>Diskutiert wird auch über einen Wissens- und Patentpool, sodass arme Länder eigene Produktionsstätten für den Impfstoff aufbauen können. <a href="https://taz.de/Politikwissenschaftlerin-ueber-Patente/!5737846/" target="_blank" rel="noopener">Die WHO hat schon früh vorgeschlagen, den Technologie-Zugangs-Pool C-TAP einzurichten</a>. „Aber der läuft unter dem Radar“, sagt Massute.</p>
<p>Eine Maßnahme, die beim Wissensaustausch helfen soll, wäre das vorübergehende <a href="https://healthgap.org/south-africa-and-indias-proposal-to-waive-recognition-and-enforcement-of-intellectual-property-rights-for-covid-19-medical-technologies-deserves-universal-support-but-countries-also-have-to/" target="_blank" rel="noopener">Aussetzen des Patent</a>schutzes, „<a href="https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/faq/1927" target="_blank" rel="noopener">TRIPS Waiver</a>“ genannt, um Generika produzieren zu können. <a href="https://bukopharma.de/de/8-aktuelles/372-indien-covid-waiver" target="_blank" rel="noopener">Dieser Vorschlag wurde von Indien und Südafrika schon im Oktober 2020 eingebracht</a> und erhielt <a href="https://bukopharma.de/de/8-aktuelles/372-indien-covid-waiver" target="_blank" rel="noopener">breite Unterstützung aus der Zivilgesellschaft und auch aus Organisationen der Vereinten Nationen</a>.</p>
<blockquote><p>Aus den Fehlern beim Engagement gegen Aids lernen</p></blockquote>
<p>Die <a href="https://www.unaids.org/en/resources/presscentre/pressreleaseandstatementarchive/2020/october/20201015_waiver-obligations-trips-agreement-covid19" target="_blank" rel="noopener">UNAIDS-Chefin Winnie Byanyima</a> verwies dabei auch auf die Fehler beim Engagement gegen Aids: Es habe Jahre gebraucht, bis auch für ärmere Länder HIV-Medikamente zur Verfügung standen.<a href="https://www.unaids.org/en/resources/presscentre/featurestories/2020/december/treatment-for-children-living-with-hiv" target="_blank" rel="noopener"> Doch selbst Ende 2019, fast 40 Jahre nach Beginn der Aids-Pandemie, erhielten nur rund 68 Prozent der Erwachsenen und sogar nur 53 Prozent aller Kinder mit HIV eine antiretrovirale Therapie.</a></p>
<p>„Wir müssen Barrieren abbauen, um als Weltgemeinschaft alle Kapazitäten nutzen zu können“, sagt auch Elisabeth Massute.</p>
<p>Doch die Unterstützung für den TRIPS Waiver für Covid-Impfstoffe aus den reichen Ländern fehlt, die EU, die USA, Großbritannien, Kanada, Brasilien und andere sprachen sich dagegen aus. <a href="https://www.wto.org/english/news_e/news20_e/trip_10dec20_e.htm" target="_blank" rel="noopener">Bei der letzten Sitzung des TRIPS-Rates der Welthandelsorganisation im Dezember 2020 wurde beschlossen, weiter über das Thema zu diskutieren. Eine Entscheidung könnte im März 2021 fallen.</a></p>
<p>Es wird wohl ein enges Rennen bleiben, bis zum Weltgesundheitstag am 7. April weltweit mit dem Impfen zu beginnen.</p>
<h2>Was können wir tun?</h2>
<p>Kann ich meinen Impfstoff spenden? Auch solche Anfragen bekomme man gelegentlich bei Ärzte ohne Grenzen, sagt Massute, das sei aber natürlich nicht praktikabel.</p>
<p>Engagierte Bürger*innen können daher auch weiterhin nur Druck auf Politiker*innen und die Pharmaindustrie ausüben, etwa dadurch, den <a href="https://msfaccess.org/civil-society-letter-pharmaceutical-corporations-making-covid-19-vaccines" target="_blank" rel="noopener">offenen Brief</a> von Ärzte ohne Grenzen zu unterschreiben, der volle Transparenz von den Pharmafirmen einfordert. Auch Medico International und Partnerorganisationen rufen mit der „<a href="https://www.patents-kill.org/deutsch/" target="_blank" rel="noopener">Patents-Kill“-Kampagne</a> dazu auf, eine Petition für die Aufhebung der Patente für die Covid-19-Impfstoffe zu unterzeichnen, so wie es die Regierungen Indiens und Südafrikas fordern.</p>
<p>Für Elisabeth Massute aber geht es eigentlich um etwas viel Grundsätzlicheres, nämlich darum, wie wir die Debatte führen: „Wir diskutieren über Sonderrechte für Geimpfte, während in Afrika kaum jemand geimpft ist.“ Es gehe um Solidarität und Verantwortung dafür, zu schauen, was unser eigenes Verhalten in anderen Ländern auslöst. „Wir dürfen nicht diese Haltung einnehmen, dass wir anderen nur die Reste überlassen“, sagt sie.
      </p></div>
</p></div>
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		<title>Jeffrey, 35, trans* Mann auf Borneo: „Ich träume von denselben Rechten“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/global/trans-mann-borneo/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2020 08:21:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Borneo]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
		<category><![CDATA[Trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeffrey ist einer der wenigen trans* Männer auf Borneo. Wir haben mit ihm über die LGBTIQ*-Szene in Malaysia gesprochen und darüber, wie es ist, ganz allein auf die Suche nach der Identität zu gehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>In Nordborneo leben Malai_innen, ethnische Chines_innen und die indigene Bevölkerung eng beieinander, oft in streng religiös und autoritär geführten Communitys. In einigen anderen Teilen Malaysias steht gleichgeschlechtliche Liebe sogar unter Prügelstrafe. Trotzdem sieht man hier und dort trans* Frauen, trans* Männer hingegen so gut wie gar nicht. Wir haben mit einem von ihnen gesprochen: Jeffrey (35) erzählt uns von mangelnder Versorgung, latenter Bedrohung und fehlender Akzeptanz, aber auch von Unterstützung und Liebe.</strong></p>
<p><em>Von Benedict Wermter</em></p>
<p><strong>Jeffrey, wie geht es trans* Menschen in Malaysia?</strong></p>
<p>Trans* Personen haben es hier sehr schwer. Ganz einfach, weil die meisten Menschen sehr religiös sind und niemand weiß, dass wir existieren.</p>
<blockquote><p>„Trans* Menschen haben es schwer in Malaysia“</p></blockquote>
<p>Ich selbst wusste viele Jahre nicht, dass ich T bin. Ich hatte einen guten Job auf Borneo, habe als staatlich bezahlte Krankenpflegekraft gearbeitet. Erst vor sechs Jahren habe ich gekündigt und in Singapur in einem Krankenhaus angefangen zu arbeiten, unter anderem auch, um dort nebenher mit einer Therapie zu beginnen.</p>
<p><strong>Wie hast du herausgefunden, dass du T bist?</strong></p>
<p>Viele Jahre wusste ich nur, dass es die Begriffe schwul und lesbisch gibt. Ich dachte von mir selbst, ich sei lesbisch.</p>
<p>Erst mit Ende Zwanzig habe ich angefangen, mir intensiv Gedanken um meine Identität zu machen. Ich habe dann tatsächlich gegoogelt: „Gibt es einen Begriff für das, was ich fühle?“</p>
<p>Zur selben Zeit habe ich die Buchstaben LGBT erstmals wahrgenommen, aber noch nicht verstanden. Dann habe ich gegoogelt: „Kann man von einer Frau zum Mann werden?“ Das Ergebnis hat mich umgehauen: Das T steht für trans*. Ich dachte nur: „Was zur Hölle…“</p>
<p><strong>Warum bist du dann gerade nach Singapur gegangen, das ja auch nicht unbedingt für Offenheit und Toleranz steht?</strong></p>
<p>Ich war spät dran. Als ich schließlich erfahren habe, wofür das T steht, wollte ich sofort mit einer Hormontherapie beginnen.</p>
<p>In den Sozialen Medien fand ich heraus, dass es in Singapur Pride-Gruppen und Therapieformen für trans* Menschen gibt. Es war trotzdem schwierig, dort eine medizinische Spezialistin oder einen männlichen Kollegen zu finden, die oder der mir bestätigt, dass ich nicht nur eine „Phase“ durchlaufe. Denn das war es, was mir von den Ärztinnen und Ärzten entgegengehalten wurde.</p>
<p>Schließlich fand ich jemanden, der mich eine Weile lang begutachtete und das „Okay“ für die Behandlung gab. Es hat gedauert, bis ich die Hormone endlich bekam.</p>
<p><strong>Immerhin konntest du dich in Singapur medizinisch begleiten lassen.</strong></p>
<p>Dann kam das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_von_Orlando_am_12._Juni_2016">Massaker von Florida im Jahr 2016</a>. Da gab es diesen Amoklauf in der Gay-Bar Pulse in Orlando mit 49 Toten und über 50 Verletzten. Das hat sich direkt auf die Szene in Singapur ausgewirkt. Die Pride-Gruppen wie zum Beispiel „<a href="https://www.facebook.com/pinkdotsg/">Pink Dot SG</a>“ auf Facebook waren verunsichert, manche haben sich aus Angst sogar aufgelöst.</p>
<blockquote><p>„Niemand weiß, dass wir existieren“</p></blockquote>
<p>Und mein Doktor bekam Panik. Er hat zügig versucht, Hormone für alle Patientinnen und Patienten zu bekommen. Solche Menschen sind selten hier, ich bin ihm bis heute sehr dankbar dafür. Er war einer der ältesten Mediziner in Singapur.</p>
<p><figure id="attachment_1549455" aria-describedby="caption-attachment-1549455" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1549455" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey.jpg" alt="" width="300" height="439" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey.jpg 300w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey-205x300.jpg 205w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1549455" class="wp-caption-text">Jeffrey (Foto: Benedict Wermter)</figcaption></figure></p>
<p>Jedenfalls hatte die Regierung große Angst vor Attentaten in Singapur, zumindest war das mein Eindruck. Schließlich wurden die Medikamente spürbar teurer, nahezu unbezahlbar.</p>
<p><strong>Konntest du die Therapie auf Borneo fortsetzen?</strong></p>
<p>Nein, in ganz Borneo habe ich keinen Arzt und keine Ärztin gefunden, die mich therapieren konnten. Nur in Kuala Lumpur könnte ich Hormone bekommen und mein Testosteronlevel medizinisch überwachen lassen. Aber dort möchte ich nicht leben.</p>
<p><strong>Also hast du zurzeit keine Chance auf die Therapie?</strong></p>
<p>Na ja, ich habe alles über die Hormone gelernt. Ich injiziere alle zwei Wochen Testosteron in meinen Oberschenkel und bleibe immer bei 0,5 Milliliter. Da ich Krankenpflege studiert habe, bin ich zum Glück im Vorteil.</p>
<blockquote><p>„Ich habe keinen Zugang zu qualifizierten Medikamenten“</p></blockquote>
<p>Aber dass ich mein Level nicht überwachen kann, ist ein großes Problem. Ich weiß eigentlich nicht wirklich, ob das Testosteron ausreicht, und muss im wahrsten Sinne des Wortes auf meine Stimme hören, die sich mit abnehmendem Testosteronspiegel schnell ändert.</p>
<p><strong>Wo bekommst du die Medikamente her?</strong></p>
<p>Ich habe die Apotheke meines Vertrauens gefunden, die mir Hormone beschafft. Allerdings sind die Medikamente wohl eher Steroide, die für Bodybuilder gedacht sind. Ich habe keinen Zugang zu qualifizierten Medikamenten, die man normalerweise bei der Therapie bekommt.</p>
<p>Ich muss also nehmen, was ich kriegen kann. Und weil ich mich selbst therapiere, habe ich mir „Selfmade“ in den Nacken tätowieren lassen.</p>
<p><strong>Ich habe gelesen, <a href="https://www.malaymail.com/news/what-you-think/2020/05/17/time-for-malaysia-to-embrace-lgbt-community-bakhtiar-talhah/1866866">dass die LGBT-Szene in Malaysia verfolgt wird</a> und in einigen Landesteilen die Prügelstrafe für Homosexuelle gilt. Bekommst du etwas davon mit?</strong></p>
<p>Ja, erst kürzlich ist wieder ein schwules Paar in Haft ausgepeitscht worden. Und nicht allzu weit von hier entfernt liegt Brunei, wo die Todesstrafe für trans* Menschen gilt. Es erinnert mich an das Mittelalter, obwohl viele Menschen in Malaysia und Brunei moderne Autos fahren. Die Menschen leben eben in Widersprüchen.</p>
<p><strong>Hast du Angst?</strong></p>
<p>Nein. Ich habe keine Angst. Ich denke noch nicht einmal über die Verfolgung nach. Zumal die Regierung hier auf Borneo gemäßigt ist und LGBT nicht aktiv verfolgt.</p>
<p>Und selbst wenn: ich kann ja nun mal meine Gefühle nicht abstellen. Also wird die Verfolgung nichts an meiner Identität ändern. Warum sollte ich also Angst haben? Wenn mir jemand etwas antun will, muss ich das aushalten.</p>
<p>Ich mache nichts falsch, ich liebe eben nur Frauen.</p>
<p><strong>Als wir uns kennenlernten, hast du mir erzählt, dass es nur wenige trans* Männer auf Borneo gibt.</strong></p>
<p>Soweit ich weiß, gibt es nur vier auf Borneo – mich eingeschlossen. Einer ist ziemlich bekannt, er sieht toll aus, muskulös, die Brust entfernt. Er betreibt ein Fitnessstudio und hat mir schon Tipps gegeben, wie ich an Muskelmasse zunehme. Er nimmt Steroide und ist wohl auch schon in einem chinesischen Fitnessmagazin aufgetaucht, ohne dass sein trans* Hintergrund erzählt wurde. Das finde ich cool.</p>
<blockquote><p>„Ich kann nun mal meine Gefühle nicht abstellen“</p></blockquote>
<p>Der zweite wurde von seiner Familie verstoßen und lebt heute in Singapur, auch er ist bekannt. Und dann gibt es noch einen Dritten hier auf Borneo, mit dem ich mich über die Medikamente austausche.</p>
<p>Sie alle habe ich auf Facebook kennengelernt. Persönlich getroffen habe ich noch keinen anderen trans* Mann. Hier auf Borneo ist nichts los, ich kenne keine einzige LGBT-Gruppe, die sich offen zeigt. Es gibt hier und dort trans* Frauen, die in Cafés sitzen. Ich würde gern wissen, ob es noch mehr trans* Männer hier gibt. Aber auch ich bin ja nicht wirklich geoutet.</p>
<p><strong>Bist du zufrieden mit deinem Leben hier?</strong></p>
<p>Ich denke mittlerweile, ich bin hetero. Das fühlt sich richtig an.</p>
<p>Ich würde nur gerne meine Brust loswerden, damit auch ich mal oben ohne am Strand rumlaufen kann. Und ich hätte so gerne einen Bart. Obwohl ja nicht einmal mein Vater einen Bart hat.</p>
<p>Immerhin hat sich schon meine Stimme verändert, mein Vater dachte, es kommt vom starken Rauchen. Nur meine Familie will mich immer noch verheiraten, da denke ich mir nur: Oh Jesus.</p>
<p><strong>Ich stelle es mir als Herausforderung vor, als trans* Mensch in eine indigene Familie im Dschungel Borneos geboren zu werden. Wie geht deine Familie damit um?</strong></p>
<p>Wir gehören zu den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dusun">Dusun</a>, einem indigenen Stamm auf Borneo. Die Dusun wurden vor vielen Jahren christlich missioniert, viele leben heute als streng gläubige Bauern und Bäuerinnen in Nord-Ost-Borneo.</p>
<blockquote><p>„Mein Leben war eine verwirrende Reise, bis ich auf die Dreißig zuging“</p></blockquote>
<p>Auch mein Vater ist Bauer, meine Eltern haben sieben Kinder. Und ich bin der Älteste. Die wissen noch immer nicht, dass es die Buchstaben gibt: L.G.B.T. Aber meine älteren Geschwister wissen immerhin, dass ich homosexuell bin – nach deren Verständnis.</p>
<p><strong>Ich sehe ein LGBT-Tattoo auf dem Unterarm. Verstehen deine Eltern das nicht?</strong></p>
<p><figure id="attachment_1549456" aria-describedby="caption-attachment-1549456" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1549456" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey2.jpg" alt="" width="300" height="400" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey2.jpg 300w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Jeffrey2-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1549456" class="wp-caption-text">(Foto: Benedict Wermter)</figcaption></figure></p>
<p>Nein, meine Eltern lehnen insgesamt Tattoos ab. Da fragen die gar nicht erst nach. Obwohl mein Vater selbst einen Skorpion tätowiert hat. Aber für Frauen gehört es sich eben nicht.</p>
<p><strong>Wie war deine Jugend, wie hast du dich entdeckt?</strong></p>
<p>Es war eine verwirrende Reise, bis ich auf die Dreißig zuging. Noch mit 14 Jahren hatte ich Gefühle für Jungs, die mir in der Schule Briefe zugesteckt haben. Ich erwiderte es einfach gern, wenn mich jemand mochte.</p>
<p>Ein erster Einschnitt kam nach der Highschool: Ich verkaufte Klamotten in einem Laden im Stadtzentrum, zwei Stunden von meinem Dorf entfernt. Zu der Zeit schnitt ich mir die Haare ab. Einfach so, es war ein Impuls. Auf der Arbeit hatte ich eine Kollegin, wir mochten uns. Doch es war anders als mit den Jungs in der Schule. Nach einiger Zeit kehrte ich in mein Dorf zurück; wir schrieben noch zwei Monate, dann hatte mich das konservatives Umfeld eingeholt.</p>
<p>Jetzt ahnte ich, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle, was mir trotzdem falsch vorkam. Ich hatte ja noch keine Ahnung vom T.</p>
<blockquote><p>„Ich ahnte, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle, was mir trotzdem falsch vorkam“</p></blockquote>
<p>Erst viele Jahre später, als ich mit Mitte zwanzig Pflege studierte, traf ich im Praktikum auf eine Krankenschwester, mit der ich mich heimlich traf. Wir probierten ein paar Sachen aus, eine Beziehung haben wir leider nicht geführt. Sie machte mich aber eifersüchtig, wenn sie mit den Ärzten flirtete. Ein neues Gefühl für mich.</p>
<p>So lernte ich im Krankenhaus schließlich eine Ärztin kennen, wir verliebten uns, und sie verließ ihren Freund für mich. Dann sagten wir die drei magischen Wörter zueinander.</p>
<p><strong>Warum habt ihr euch getrennt?</strong></p>
<p>Wir haben uns ein Telefon geteilt, um darauf Musik zu hören. Sie hatte sich nicht aus ihrem Mailaccount abgemeldet und dort habe ich gesehen, dass sie schon seit einiger Zeit mit einem Typen schrieb. Wie schade. Aber es war die Zeit, in der ich mich intensiver mit meiner Geschlechtsidentität beschäftigte.</p>
<p>Und dann ging ich nach Singapur, blieb aber trotzdem vier Jahre lang Single. In Singapur wurde nicht nur die Therapie zu teuer, ich fühlte mich auch einsam und hatte Heimweh, nach meinem Dorf und vor allem nach den Bergen, aus denen ich komme. Heute bin ich Fremdenführer am höchsten Berg Malaysias, dem Kinabalu.</p>
<p><strong>Und die Liebe?</strong></p>
<p>Ich habe wieder eine Freundin. Sie kommt aus dem Süden der Philippinen, also gar nicht weit weg von mir, und wir haben uns beim Wandern hier am Berg kennengelernt. Sie war es, die mir danach schrieb. Lange wusste sie nicht, dass ich trans* bin. Das kam erst raus, als sie meinen Vornamen auf der Internetseite meines Veranstalters fand.</p>
<blockquote><p>„Ich träume von denselben Rechten“</p></blockquote>
<p>Für meine Freundin ist es okay, aber sie schämt sich vor ihren Freunden, habe ich das Gefühl. Wobei einige ihrer Freunde selbst gay sind. Das verstehe ich nicht.</p>
<p><strong>Was würdest du dir für dich und andere trans* Menschen auf Borneo wünschen?</strong></p>
<p>Ich wünsche mir Freiheit. Ich meine, ich würde gerne meinen Geschlechtseintrag im Pass ändern lassen. Oder irgendwann einmal heiraten. Oder zumindest eine Lebensgemeinschaft eintragen lassen. So, wie es bei euch im Westen möglich ist. Von denselben Rechten träume ich.</p>
<p><em>Update: Nach dem Interview haben sich Jeffrey und seine Freundin getrennt. „Sie hat beschlossen, dass unsere Beziehung für ihre Freunde und Familie ein Problem ist und wir deswegen keine Zukunft haben“, sagt er.</em>
      </div>
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		<title>„Wir sind für Entkriminalisierung der Konsumenten und verstärkten Jugendschutz“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gedenktag21juli-2020/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Benedict Wermter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2020 13:41:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Entkriminalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenktag 21. Juli]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher]]></category>
		<category><![CDATA[Legalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Prohibition]]></category>
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					<description><![CDATA[Drogenverbotspolitik führt zu Verelendung und Todesfällen, so Dirk Peglow vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Er fordert deshalb Entkriminalisierung nach dem Vorbild Portugals.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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        <strong>Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat mit liberalen Positionen in der Drogenpolitik schon durchaus für Aufsehen gesorgt – <a href="https://www.sueddeutsche.de/panorama/cannabis-legal-bdk-1.3854296">etwa mit der Forderung, das Cannabis-Verbot in Deutschland zu beenden</a>, weil es „weder intelligent noch zielführend“ sei. Auch der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Dirk Peglow bestätigt im Gespräch mit uns, dass die Strafverfolgung aus Sicht der Ermittelnden bisher wenig Positives erreicht hat. Peglow fordert deshalb, Konsumierende aller Drogen zu entkriminalisieren und Jugendliche besser zu schützen, die Händlerstruktur bis hin zur organisierten Kriminalität aber gleichzeitig strafrechtlich zu verfolgen.</strong></p>
<p><em>Interview: Benedict Wermter</em></p>
<p><strong>Herr Peglow, die Zahl der sogenannten Drogentoten ist seit Jahren konstant hoch und ist zuletzt um fast 10 Prozent gestiegen: 2019 starben fast 1.400 Drogengebrauchende. Was sind die Ursachen?</strong></p>
<p>Häufig sterben die Menschen an ihrem Mischkonsum. Durch den jahrelangen Missbrauch verschiedener Stoffe haben Abhängige einen körperlichen Zustand, der besorgniserregend ist. Hinzu kommt eine Problematik der Verelendung.</p>
<p><strong>Ist es nicht auch das Verbot, also die Prohibition, die tötet?</strong></p>
<p>Ja, natürlich, auch das Verbot hat damit zu tun. Menschen müssen sich Drogen illegal beschaffen. Es handelt sich nahezu immer um Substanzen, die gestreckt und in Teilen sogar mit Giften versetzt werden.</p>
<blockquote><p>Auch die Drogen-Prohibition tötet</p></blockquote>
<p>Hier in Frankfurt, wo ich herkomme, haben wir Heroin auf dem Markt, da ist alles Mögliche beigemengt. In Kombination mit einer schwierigen Lebenssituation hat das dramatische Folgen für die Gesundheit. Deswegen gehen wir seit vielen Jahren den „<a href="https://www.hessenschau.de/gesellschaft/25-jahre-frankfurter-weg-drogen-und-sucht-wird-es-immer-geben,druckraum-frankfurt-102.html">Frankfurter Weg</a>“ und leisten Beistand durch ärztliche Versorgung und niedrigschwellige Angebote.</p>
<p>Doch manchmal lassen sich selbst einfachste Dinge wie ein Duschangebot nur schwer vermitteln, weil zum Beispiel die Crackszene nur sehr schwierig zu erreichen ist. Für diese Szene gibt es auch kein Substitutionsangebot, was die Lebenssituation dieser Menschen natürlich noch schwieriger macht.</p>
<p><strong>Brauchen wir mehr Spielraum? Wäre Legalisierung eine Lösung?</strong></p>
<p>Ich denke, wir müssen vorne anfangen. Häufig werden verschiedene Begriffe durcheinandergebracht, wobei wir zwischen Legalisierung und Entkriminalisierung unterscheiden müssen. Da wurden wir als Verband teilweise falsch verstanden. Wir sind nicht für die Legalisierung – nicht jeder soll machen können, was er will.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">„Wir müssen zwischen Legalisierung und Entkriminalisierung unterscheiden“</p>
</blockquote>
<p>Wir sind für eine Entkriminalisierung der Konsumenten und wollen besonders den Jugendschutz verstärken. Da geht es um Cannabis, das sich stark verändert hat. Dann <a href="https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-f/fentanyl/https:/www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-f/fentanyl/">Fentanyl</a>, wo wir uns fragen müssen, wie wir damit umgehen. <a href="https://www.shz.de/regionales/polizeiticker/bdk-rauschgiftschwemme-bund-deutscher-kriminalbeamter-fordert-konsequenzen-id28361012.htmlhttps:/checkit.wien/substanzen/methamphetamin/">Und Crystal Meth, das gerade auf den Markt strömt</a>. Da gibt es eine Verstärkung der Aufgriffe, die Kilos fallen uns förmlich vor die Füße. Der Markt versucht, sich gerade auf Corona einzustellen. Und die Substanzen verändern sich.</p>
<p><strong>Und wie wollen Sie dem beikommen?</strong></p>
<p>Wir wollen eine ehrliche Diskussion darüber anregen, ob etwa das <a href="https://magazin.hiv/2016/07/01/portugal-15-jahre-humane-drogenpolitik/">portugiesische Modell</a> machbar ist. Wir müssen ernsthaft darüber reden, geringfügigen Besitz und Erwerb in Ordnungswidrigkeiten zu verlagern, und zwar auf alle Substanzen bezogen. Natürlich nicht, wenn jemand mit zwei Kilo Koks durch die Gegend fährt.</p>
<p>Bis jetzt müssen wir aufgrund des Strafverfolgungszwangs für jeden Fund Anzeigen schreiben – egal, ob bei 0,75 Gramm Marihuana oder zwei Kilo Koks. Wir können nicht entscheiden, es auf einen anderen Weg zu geben, sprich eine psychosoziale Unterstützung einzufordern.</p>
<p>Der Umgang mit den Konsumenten muss aber in den Mittelpunkt rücken. Wir müssen helfen, um auf eine Änderung des Konsumverhaltens hinzuwirken. Ich will gar nicht sagen, dass Konsumenten bestenfalls komplett aufhören. Es geht darum, Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Folgen das eigene Konsumverhalten haben könnte, ohne die Betroffenen anklagend in die Ecke zu drängen.</p>
<blockquote><p>„Der Umgang mit den Konsumenten muss in den Mittelpunkt rücken“</p></blockquote>
<p>Prävention ist aber nicht alleine Aufgabe der Polizei, wir benötigen hier eine stärkere Beteiligung aller Player, zum Beispiel der Schulen und Kommunen.</p>
<p><strong>Aber die Prävention ist auch Aufgabe der Polizei?</strong></p>
<p>Sicherlich. Wir sind eingebunden, machen Angebote und versuchen, zu vermitteln.</p>
<p><strong>Aufgriffe von kiloweise Koks, Crystal Meth, das auf den Markt drängt – was sagt das über die Drogenpolitik aus, ist sie gescheitert?</strong></p>
<p>Scheitern ist ein starkes Wort. Aber wir müssen feststellen, dass die polizeiliche Arbeit im Bereich der Rauschgiftbekämpfung bislang nicht zu einer nachhaltigen Veränderung der verfügbaren Mengen oder der Preisgestaltung von Betäubungsmitteln geführt hat. Es ist immer Nachschub da.</p>
<p>Abwasseruntersuchungen haben gezeigt, dass die Mengen, die insgesamt über die Jahre im Umlauf sind, immens steigen. Wir werden den Markt nicht zum Erliegen bringen, sondern müssen uns Alternativen überlegen. Wie gesagt, wir wollen den Konsumenten in den Mittelpunkt stellen und fordern den Umgang nach portugiesischem Modell.</p>
<p>Dabei dürfen wir die Verteilerstrukturen nicht außer Acht lassen. Oben, in der Händlerstruktur und der organisierten Kriminalität, werden riesige Gewinne gemacht. Gerade eine Legalisierung würde diesen Markt nur stärken. Wie also umgehen mit Organisationen, die Rauschgift herstellen und weltweit vertreiben?</p>
<blockquote><p>„Wir werden den Markt nicht zum Erliegen bringen“</p></blockquote>
<p>Ich weiß von Kollegen, dass sie bei Kontrollen etwa an der niederländischen Grenze haufenweise Drogen feststellen, obwohl kein aufwendiges Verfahren, keine monatelange Ermittlung und Telefonüberwachung erfolgt ist. Das ist auffällig in den letzten Jahren. Und ein Widerspruch unserer Arbeit: wir erzielen manchmal mit sehr großem Aufwand und manchmal mit sehr geringem Aufwand dasselbe Ergebnis. Gleichwohl: wir müssen es trotzdem tun!</p>
<p>Wir müssen Konsumenten entkriminalisieren und trotzdem die Händlerseite nachhaltig verfolgen.</p>
<p><strong>Also müssen wir das Betäubungsmittelgesetz anpassen?</strong></p>
<p>Richtig. Das ist das eine.</p>
<p><figure id="attachment_1549425" aria-describedby="caption-attachment-1549425" style="width: 133px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Peglow.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1549425" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2020/07/Peglow.png" alt="Dirk Peglow, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter" width="133" height="200"></a><figcaption id="caption-attachment-1549425" class="wp-caption-text">Dirk Peglow (Foto: privat)</figcaption></figure></p>
<p>Aber wir wollen die Lehrerinnen und Lehrer stärken und wollen, dass Freiräume im Unterricht für Prävention geschaffen werden. Wobei noch nicht klar ist, wer welche Aufgabe übernimmt. Oft wollen die Schulen ja, dass die Polizei die Präventionsarbeit macht.</p>
<p>Jedenfalls ist klar, dass es ein sehr junges Einstiegsalter bei Cannabiskonsumenten gibt. Und es ist belegt, dass eine hohe Konzentration von Cannabis nachhaltige Störungen in der Adoleszenz hervorruft. Da ist eine flächendeckende und verlässliche Prävention notwendig: Die Jugendlichen haben keine Möglichkeit, festzustellen, was sie konsumieren. Die haben keinen Beipackzettel.</p>
<p><strong>Welche Strategie verfolgt der BDK, um die Entkriminalisierung zu erreichen?</strong></p>
<p><a href="https://www.kripo-akademie.de/lv/nordrhein-westfalen/was-wir-tun/kriminalpolitik/bdk-landesverband-nordrhein-westfalen-lehnt-legalisierung-von-cannabis-entschieden-ab">Innerhalb der Polizei haben wir sehr unterschiedliche Positionen</a>. Wir sind lange nicht einer Meinung, haben aber im BDK eine Mehrheit für eine Richtung bekommen. Zu unserer Strategie gehört, dass wir Gespräche führen, so wie Sie und ich es gerade tun. Aber auch, mit der <a href="https://www.drogenbeauftragte.de/themen/drogenpolitik.html">Bundesdrogenbeauftragten über Drogenpolitik</a> zu sprechen, die uns jüngst in Sachen Drogen und Führerschein zitiert hat.</p>
<p>Mein Wunsch wäre, über unsere Beschlusslage zum portugiesischen Modell Gespräche zu führen, losgelöst von der Farbenlehre des Parteispektrums.</p>
<p>Und ich befürworte eine <a href="https://www.bundestag.de/presse/hib/2014_11/339112-339112">Enquete-Kommission</a> aus Fachleuten verschiedener Richtungen. Ich sehe da Psychologen, Staatsanwaltschaft und Polizeibeamte, aber auch die Wissenschaft. Wir müssen uns zusammensetzen und resümieren – besonders, wenn eine Welle auf uns zukommt, wie etwa Fentanyl.</p>
<blockquote><p>„Ich befürworte eine Enquete-Kommission aus Fachleuten verschiedener Richtungen“</p></blockquote>
<p>Kriminelle werden immer versuchen, den Markt zu bedienen. Sie werden nicht hergehen und sagen, sie haben es verstanden und wollen nun Rinder züchten. Sie werden eher neue Substanzen entwickeln. Gerade im chemischen Bereich gibt es einen viel größeren Spielraum, als etwa bei einer Kokaplantage. Darauf müssen wir endlich angemessen reagieren, um Konsumentinnen und Konsumenten zu schützen.</p>
<p><strong>Die Drogenbeauftragte war schon in einem Berliner Konsumraum und beim „Drug-Checking“ in der Schweiz. Sie gibt sich szenenah. Ist sie Hoffnungsträgerin für eine neue Drogenpolitik?</strong></p>
<p>Naja, zumindest ihre <a href="https://www.youtube.com/watch?v=L27ffKWOBBE">Verlautbarungen zur Führerscheinfrage in der Bundespressekonferenz am 1. Juli 2020</a> lassen hoffen. Ich habe das Gefühl, eine Diskussion wäre möglich. Die Arbeit selbst kann ich nicht bewerten, das muss ich offen so sagen.</p>
<p><strong>Woran scheitert die Entkriminalisierung Ihrer Meinung nach bisher? </strong></p>
<p>Die Gestaltung der Entkriminalisierung ist seit Jahren schwierig, obwohl wir sie de facto schon haben, denn es gibt reihenweise eingestellte Verfahren. Aber im Betäubungsmittelgesetz steht eben drin, dass wir bei jedem Fund eine Anzeige schreiben müssen. Die Entkriminalisierung muss sich in der Gesetzgebung niederlegen.</p>
<p><strong>Haben sich die Befürworter einer toleranten Drogenpolitik nicht genug eingesetzt?</strong></p>
<p>An denen liegt es ja nicht, dass die Entkriminalisierung noch nicht gesetzlich verankert ist. Allerdings stört mich manchmal, wie wir um den heißen Brei herumtanzen. Was für Konsequenzen hätte Legalisierung, also wenn ich Drogen überall kaufen könnte? Klar ist, wir müssten dann mit mehr Menschen rechnen, die sich mit Drogen versorgen. Und wir haben ja keine Konsumbegleitung. Wenn sauberes Zeug jederzeit verfügbar ist, wird es trotzdem Probleme geben.</p>
<p>Gleichzeitig brauchen wir Offenheit auf der anderen Seite: Über jemanden, der mal am Wochenende einen Joint raucht, brauchen wir nicht zu sprechen.</p>
<blockquote><p>„Wir fordern ein substanzunabhängiges Modell der Entkriminalisierung wie in Portugal“</p></blockquote>
<p>Es wird auch häufig nur über Marihuana gesprochen, die Cannabisdebatte. Aber was machen wir mit Heroin und Crack? Deswegen nochmal: Wir fordern ein substanzunabhängiges Modell der Entkriminalisierung wie in Portugal, wo es um die Konsumenten geht.</p>
<p><strong>Braucht es insgesamt einen offeneren Umgang mit Drogen in der Gesellschaft – eine neue Drogenkultur?</strong></p>
<p><em>(Stöhnt)</em> Wir müssen alle Seiten, die verschiedenen Spieler zusammenführen. Und ich glaube, wir müssen vor allem wegkommen von der emotionalen Debatte und hin zu einer fachlichen Debatte. Wir diskutieren zu sehr entlang der Themen Strafrecht und Verbot und sollten stattdessen die Prävention in den Vordergrund stellen. Ob wir da eine neue Kultur brauchen, das kann ich nicht beantworten.</p>
<p><strong>Aber die Verbotskultur hat über die Jahrzehnte zu einer verzerrten Wahrnehmung von Drogen geführt.</strong></p>
<p>Ja gut, aber wir haben auch die Konflikte mit Drogen. Und wir haben immer das Problem, dass wir Drogenkonsum irgendwann nicht mehr in den Griff bekommen – das ist meine Sorge. Egal, ob nun Alkohol, Cannabis oder andere Substanzen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Weitere Beiträge zum Thema</span></p>
<p><strong>Virtuelles Gedenkbuch zur Erinnerung an verstorbene Drogengebraucherinnen:</strong> <a href="https://www.aidshilfe.de/gedenktag" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.aidshilfe.de/gedenktag&nbsp;</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/styles/desktop_dah_4x_news_teaser_single/public/images/gedenktag.jpg?itok=QavcQ7yf&amp;timestamp=1594199523" width="575" height="268"></p>
<p><strong>Beiträge auf magazin.hiv</strong></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="nN2fULeQfB"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/drogen-sucht-substitution-dann-hoer-doch-auf-das-zeug-zu-nehmen/">„Es sagt sich eben so leicht: ,Dann hör doch auf, das Zeug zu nehmen‘“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Es sagt sich eben so leicht: ,Dann hör doch auf, das Zeug zu nehmen‘“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/drogen-sucht-substitution-dann-hoer-doch-auf-das-zeug-zu-nehmen/embed/#?secret=DWrL5wUx7E#?secret=nN2fULeQfB" data-secret="nN2fULeQfB" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="aobcjFuWkF"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ulmer-gedenktag-drogengebraucher_innen-2019/">Was muss passieren, damit es Menschen, die Drogen gebrauchen, viel besser geht?</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Was muss passieren, damit es Menschen, die Drogen gebrauchen, viel besser geht?&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ulmer-gedenktag-drogengebraucher_innen-2019/embed/#?secret=ot0aWupxWb#?secret=aobcjFuWkF" data-secret="aobcjFuWkF" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="0cHn6FmSDl"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/global/internationale-leitlinien-zu-menschenrechten-und-drogenpolitik/">Internationale Leitlinien zu Menschenrechten und Drogenpolitik veröffentlicht</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Internationale Leitlinien zu Menschenrechten und Drogenpolitik veröffentlicht&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/global/internationale-leitlinien-zu-menschenrechten-und-drogenpolitik/embed/#?secret=cU5NBx9RwB#?secret=0cHn6FmSDl" data-secret="0cHn6FmSDl" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="YmQqiWgLlj"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/global/portugal-15-jahre-humane-drogenpolitik/">Portugal: 15 Jahre humane Drogenpolitik</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Portugal: 15 Jahre humane Drogenpolitik&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/global/portugal-15-jahre-humane-drogenpolitik/embed/#?secret=pNpK6OclU2#?secret=YmQqiWgLlj" data-secret="YmQqiWgLlj" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="bNbkw8kjIW"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/eine-an-menschen-orientierte-drogenpolitik-statt-mehr-verbote/">Eine an Menschen orientierte Drogenpolitik statt mehr Verbote</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Eine an Menschen orientierte Drogenpolitik statt mehr Verbote&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/eine-an-menschen-orientierte-drogenpolitik-statt-mehr-verbote/embed/#?secret=GbwTTMe2i6#?secret=bNbkw8kjIW" data-secret="bNbkw8kjIW" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="7OPdoAZOB1"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ich-glaube-an-den-muendigen-buerger/">„Ich glaube an den mündigen Bürger“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Ich glaube an den mündigen Bürger“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/ich-glaube-an-den-muendigen-buerger/embed/#?secret=1bLEkW2bDW#?secret=7OPdoAZOB1" data-secret="7OPdoAZOB1" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
      </div>
</p></div>
</p></div>
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