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	<title>Mine Pleasure Bouvar, Author at magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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		<title>Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mine Pleasure Bouvar]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 09:59:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[Die "Society for Evidence based Gender Medicine" veranstaltete in Berlin eine Konferenz mit Akteur*innen der internationalen Anti-trans-Bewegung. Das Bündnis "Transfeinde stressen" mobilisierte Gegenprotest.]]></description>
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<p><strong>Die <strong>„</strong>Society for Evidence based Gender Medicine&#8220; veranstaltete im September in Berlin eine Konferenz mit Akteur*innen der internationalen Anti-trans-Bewegung. Aktuelle Standards der Transgesundheit wurden dort unter dem Gesichtspunkt „ethischer Bedenken” besprochen</strong>. <strong>Das Bündnis <strong>„</strong>Transfeinde stressen&#8220; mobilisierte Protest. Aber auch große Medien übernahmen transfeindliche Positionen</strong> <strong>und der Präsident der Bundesärztekammer hielt eine Rede zur Eröffnung.</strong></p>

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<p>Keine Verschnaufpause für trans und nicht-binäre Menschen in Deutschland. Während im Parlament die <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=55020">Rücknahme des sogenannten Selbstbestimmungsgesetzes</a> in den Raum gestellt wird und die Angst vor „Rosa Listen“ durch die Debatte um Einrichtung eines <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=54480">Sonderregisters</a> für trans, inter* und nicht-binäre Personen ein Revival erlebt, stattete die Society for Evidence based Gender Medicine (SEGM) Berlin einen Besuch ab. Vom 11. bis 14. September veranstaltete sie eine Konferenz in den Räumen des Radisson Collection Hotel in der Karl-Liebknecht-Straße.</p>

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<p>Die Prämisse der Konferenz folgte der pathologisierenden Annahme von Transgeschlechtlichkeit als psychischer Störung.</p>

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<p>Hinter dem unverfänglichen Namen SEGM verbirgt sich in der Tat ein tendenziöser Thinktank mit weitreichenden Verbindungen in die Anti-trans-Bewegung. Übertitelt wurde die Konferenz mit „Youth Gender Distress” – zu Deutsch „Geschlechtsidentitätsstörung bei Jugendlichen”. Die Prämisse der Konferenz folgte also der pathologisierenden Annahme von Transgeschlechtlichkeit als psychischer Störung. Welchen Umgang SEGM mit dieser angenommenen Störung vorschlägt, verrät ein Blick in das Programm der Konferenz. Mehrere Sprecher*innen thematisierten Studien, deren Methodik und Wissenschaftlichkeit gemeinhin als fraglich angesehen werden, als wären sie der allgemeine Forschungsstand in Sachen Transgesundheit. Als „Ursachenforschung” wurden Vorträge angekündigt, die Trans- und Nichtbinärsein als Trend und soziale Ansteckung ansehen. Aktuelle Standards der Transgesundheit wurden unter dem Gesichtspunkt „ethischer Bedenken” besprochen und über alternative Behandlungsoptionen referierten beispielsweise ein Verfechter der sogenannten „<a href="https://www.erininthemorning.com/p/gender-exploratory-therapy-a-new">Gender Exploratory Therapy</a>” – ein Euphemismus für Konversionstherapie –, mit der Kinder und Jugendliche cis werden sollen, um die „Störung” ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-transfeindliches-who-is-who"><strong>Transfeindliches Who is Who</strong></h2>

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<p>Als Sprecher*innen geladen war ein internationales &#8222;genderkritisches&#8220; Who‘s Who. Vertreten war beispielsweise die Philosophin Kathleen Stock, die ihren Lehrstuhl an der University of Sussex aufgab, nachdem ihre transfeindlichen Veröffentlichungen sowie ihr erklärter Unwillen, trans Frauen anzuerkennen, massive Proteste der Studierendenschaft sowie den Widerspruch von <a href="https://sites.google.com/view/trans-phil-letter/">600 Kolleg*innen ausgelöst</a> hatte. Über die Verbreitung von Transgeschlechtlichkeit als soziale Ansteckung und Trend referierte Riitakerttu Kaltiala, eine finnische Psychiaterin und eines der SEGM-Mitglieder, die die sogenannte <a href="https://schwulissimo.de/neuigkeiten/cass-report-england-jugendliche-wurden-im-stich-gelassen">Cass Studie</a> beeinflussten. Diese fragwürdige Studie wurde bereits in Großbritannien zur Grundlage für die Einstellung der Transitionsversorgung für Jugendliche durch den britischen Nationalen Gesundheitsdienst (NHS).</p>

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<p>Ebenfalls zur Konferenz geladen war der kanadischer Psychologe Kenneth Zucker, dessen Klinik für trans Kinder und Jugendliche in Toronto nach Einführung eines Gesetzes zum Schutz vor Konversionstherapien geschlossen werden musste. Unter dem Model „Living in Your Own Skin” propagiert Zucker eine Aussöhnung transgeschlechtlicher und nicht-binärer Jugendlicher mit ihrer „eigenen Haut”, um sie vom Transitionieren abzuhalten. Zuspruch bekam Zucker während der Konferenz sicher durch den ebenfalls anwesenden Anastassis Spiliadis, dem Urheber des „Gender Exploratory Therapy“-Modells. </p>

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<p>Als bekannter deutscher Vertreter des transfeindlichen Unfugs im weißen Kittel war zum einen Tobias Banaschewski geladen, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Mannheim, der die adäquate Versorgung junger trans und nicht-binärer Personen für einen der <a href="https://www.welt.de/gesundheit/plus250693618/Jugendmedizin-Umstrittene-Leitlinie-fuer-Trans-Kinder-Kritiker-fuerchten-Medizinskandal.html">größten Medizinskandale unserer Zeit</a> hält. Außerdem zu Gast war Alexander Korte, der bereits den <a href="https://www.siegessaeule.de/magazin/4606-trans-identit%C3%A4t-bei-kindern-und-jugendlichen/">Ethikrat</a> davon zu überreden versuchte, die Hürden für die Gesundheitsversorgung für junge trans Personen zu erhöhen. <a>Grund zur Sorge schließlich gab die Anwesenheit eines bestimmten Gastes bei der Konferenz: </a><a href="https://dgti.org/2025/09/17/kritik-auftritt-reinhardt-segm-konferenz/">Dr. Klaus Reinhardt</a>, Präsident der Bundesärztekammer, hielt eine Rede zur Eröffnung des Programms am Donnerstag.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-anti-gender-lobby-vernetzt-sich"><strong>Anti-Gender-Lobby vernetzt sich</strong></h2>

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<p>Queere Verbände wie die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) <a href="https://dgti.org/2025/06/10/pressemitteilung-transfeindliche-konferenz/">warnten vorab vor einer Teilnahme</a> an der Konferenz. Die dgti stellte heraus, dass die Konferenz in Berlin nur die jüngste in einer Reihe von Konferenzen der SEGM sei, die in den USA und Großbritannien bereits erprobte &#8222;genderkritische&#8220; politische Strategien in Europa zu etablieren versuchten, wie auch z. B. 2024 in Athen. Die Psychotherapeutin und dgti-Vorständin <a href="https://taz.de/Transfeindliche-Tagung/!6105449/">Cornelia Kost</a> gibt sich daher zufrieden, dass bereits frühzeitig ein entschiedener Gegenwind auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht und ihre Inhalte problematisiert hatte, da vergleichbare Veranstaltungen in der Vergangenheit unkritisch im Verborgenen hätten stattfinden können.</p>

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<p><a href="https://fundiwatch.org/">Fundiwatch</a>, ein Rechercheprojekt zu den Netzwerken von Anti-Gender-Akteur*innen und christlichen Fundamentalist*innen, zeigte sich auf Anfrage besorgt angesichts der Verbindungen zwischen SEGMs Bestrebungen und anderen Vorstößen gegen die Gesundheitsversorgung junger trans Menschen in Deutschland, wie auf dem <a href="https://www.dgfs.info/stellungnahme-zu-den-beschluessen-des-128-deutschen-aerztetags.html">128. Deutschen Ärztetag</a> im letzten Jahr. Diese Ereignisse seien laut Fundiwatch Hinweise, dass sich gezielte Vorhaben ähnlich dem britischen Verschreibungsverbot für Pubertätsblocker in der Vorbereitung befinden. Hierfür würde versucht, im wissenschaftlichen Diskurs zu Recht marginalisierte transfeindliche und andere konservative Positionen unter dem Label der Wissenschaftsfreiheit zu legitimieren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In Deutschland fällt in diesem Zusammenhang das 2020 gegründete <a href="https://bkramer.noblogs.org/?s=Netzwerk+Wissenschaftsfreiheit&amp;submit=Suchen">Netzwerk Wissenschaftsfreiheit</a> ins Auge, zu dessen Mitgliedern unter anderem der zur Konferenz in Berlin geladene Alexander Korte zählt. International gehört die Alliance Defending Freedom (ADF) zu den Knotenpunkten für diese tendenziöse Form der wissenschaftlichen Freiheit. Die christlich-fundamentalistisch geprägte Lobbygruppe und Anwaltsfirma ist einflussreich in queerfeindlichen und Anti-Abtreibungskampagnen, und baut <a href="https://correctiv.org/aktuelles/europa-aktuelles/2024/05/14/die-geldstroeme-der-christlichen-hardliner-aus-den-usa/">auch in der deutschen Politik Brücken</a> bis weit ins konservative Lager. <a href="https://www.splcenter.org/resources/reports/defining-pseudoscience-network/">Recherchen des Southern Poverty Law Centers</a> enthüllen finanzielle Verbindungen zwischen SEGM und der ADF. Weltweit ist die Lage der Transgesundheitsversorgung angespannt, weswegen sich zuletzt der Weltärztebund zu Wort meldete, mit einer Aktualisierung seines 2015 <a href="https://www.wma.net/policies-post/wma-statement-on-transgender-people/">veröffentlichten „Statement on Trans People“</a>, das die Wichtigkeit betont, gegen konversionstherapeutische Ansätze, wie sie von SEGM vertreten werden, vorzugehen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-nicht-ohne-gegenwind"><strong>Nicht ohne Gegenwind</strong></h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Gegen all das formierte sich aber auch Protest. Seit dem ersten Konferenztag machten Banner und auf Gehwegen mit Kreide hinterlassenen Nachrichten in der direkten Umgebung des Veranstaltungsortes klar, dass die Konferenz nicht widerspruchsfrei stattfinden würde. Zur Demonstration gegen die Konferenz rief <a href="https://www.instagram.com/transfeinde_stressen/">Transfeinde stressen</a> auf, ein Bündnis linker, queerer und feministischer Gruppen. Am 13. September versammelten sich dem Aufruf folgend mehrere hundert insbesondere junge trans und queere Menschen für eine Demonstration, die durch die Innenstadt und vorbei am Veranstaltungsort der Konferenz störungsfrei verlief. Nicht nur die Konferenz wartete mit internationaler Beteiligung auf, auch die Gegendemonstration unterstrich die internationale Tragweite transfeindlicher Politik, zum Beispiel mit einem Redebeitrag von Aktivist*innen der britischen Gruppe <a href="https://www.akweb.de/bewegung/revolting-children-grossbritannien-wie-das-netzwerk-trans-kids-deserve-better-transfeindlichkeit-bekaempft/">Trans Kids Deserve Better</a>. Gleich mehrere Beiträge ordneten die Angriffe auf queere Lebensentwürfe ein in den Kontext aus Sozialabbau, Militarisierung und autoritärem Gesellschaftsumbau, in deren Fahrwasser queere Zentren, Gesundheitsversorgung wie <a href="https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/hiv-und-aids-alarmierendes-signal-die-weltgemeinschaft">HIV-Prävention</a> und Angeboten für trans und nicht-binäre Jugendliche die Mittel entzogen werden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Reichweitenstarke Blätter wie FAZ und Welt fantasierten ein von „Transaktivisten” ausgehendes Bedrohungsszenario herbei und übernahmen das tendenziöse Framing der „Wissenschaftsfreiheit”.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Echo auf den Gegenprotest fiel&nbsp;erschütternd aus. Wenig überraschend hatte die EMMA als Sprachrohr der deutschen TERF-Szene wenig Gutes über Transfeinde stressen zu sagen. Bedeutsamer ist jedoch, dass auch reichweitenstarke Blätter wie <a href="https://archive.ph/kmI6a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FAZ </a>und <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article68dbc050a429f108c562238b/von-trans-aktivisten-zur-fahndung-ausgeschrieben-aerztekammer-verurteilt-anfeindung-von-wissenschaftlern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welt </a>ein von „Transaktivisten” ausgehendes Bedrohungsszenario für „renommierte Wissenschaftler” herbei fantasierten. Dabei wurde das oben genannte tendenziöse Framing der „Wissenschaftsfreiheit” unkritisch übernommen und somit zur Legitimation wissenschaftlich randständiger, menschenfeindlicher Positionen beigetragen. Vergleichbar mit der medialen Hetze, die dem systematischen Angriff auf Transrechte in den USA oder dem Verschreibungsverbot von Pubertätsblockern in Großbritannien voranging, beteiligten sich so auch deutsche Medien daran, einen Kulturkampf gegen trans und queere Menschen auszuweiten. Die <a href="https://archive.ph/kmI6a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FAZ </a>ging dabei so weit, einen Zusammenhang zwischen dem Attentat auf den US-amerikanischen Rechtsradikalen Charlie Kirk und dem Bündnis Transfeinde stressen anzunehmen. Damit griff sie eine mittlerweile <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/einfluss-von-internetkulturen-groypers-und-das-versagen-des-journalismus-100.html">widerlegte Fehlinformation</a> auf, nach der der Attentäter queer und links gewesen sei.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im umkämpften Diskurs um körperliche Selbstbestimmung und Gesundheitsversorgung trans und queerer Menschen rüsten konservative Kräfte auch in Deutschland mit medialer Rückendeckung auf. Passenderweise setzte sich eine Gruppe Aktivist*innen, von der Demonstration am 13. September ab, um den Eingangsbereich der Konferenz mit einem Die-In zu blockieren: eine gezielte Referenz auf den <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/die-manner-konnten-froh-sein-dass-wir-lesben-dabei-waren-4515601.html">Widerstand von ACT UP</a> gegen die politisch gewollte Aidskrise, die deutlich macht, dass wissenschaftliche Evidenz nie unumkämpft ist – besonders wenn es um queere Leben geht.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zum-thema">Mehr zum Thema</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="3DIWfNsuTb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/">Transhass als Motor des Rechtsrucks</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Transhass als Motor des Rechtsrucks&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/embed/#?secret=fJ7louqrtV#?secret=3DIWfNsuTb" data-secret="3DIWfNsuTb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="RfsrVsm2Z6"><a href="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/">„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/embed/#?secret=VSELayb1Sr#?secret=RfsrVsm2Z6" data-secret="RfsrVsm2Z6" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Die Fiktion der fetten Jahre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mine Pleasure Bouvar]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 15:46:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfen gegen Rassismus]]></category>
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		<category><![CDATA[VielfaltWählen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie soll es nach der Bundestagswahl queerpolitisch weitergehen? Ein Rückblick, um anstehende Herausforderungen und die aktuelle Position von LGBTIQ+-Rechten zu bestimmen, und eine Kursbestimmung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><em>Ein  Gastbeitrag von Mine Pleasure Bouvar</em></p>

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<p>Die Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Schattierungen neoliberaler Politik steht einmal mehr vor der Tür. Im Bangen darum, was der 23. Februar bringen wird, stellt sich auch die Frage, wie es queerpolitisch mit neu verteilten Karten weitergehen soll. Es lohnt ein Rückblick, um anstehende Herausforderungen und die aktuelle Position von LGBTIQ+-Rechten zu bestimmen und einen sinnvollen Kurs abzustecken.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-politische-bestandsaufnahme-zu-lgbtiq-rechten">Politische Bestandsaufnahme zu LGBTIQ+-Rechten</h2>

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<p>Der wesentliche queerpolitische Outcome nach etwa drei Jahren Fortschrittskoalition ist wohl das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz. Das Ringen um die Reform, die es zwar vermochte, das diskriminierende <a href="https://magazin.hiv/schlagwort/transsexuellengesetz/">TSG </a>abzulösen und die Pathologisierung intergeschlechtlicher Menschen zu verringern, mündete in einer Lösung mit der am Ende niemand so richtig glücklich war – außer genderkritischen Akteur*innen, die den Gesetzgebungsprozess erfolgreich für ihre Agitation nutzten. Die zahlreichen <a href="https://www.akweb.de/politik/kleine-freiheiten-mit-vielen-wenns-und-abers-das-sogenannte-selbstbestimmungsgesetz-ist-da/">diskriminierenden Ausnahmen</a>, die besonders entlang rassistischer, ableistischer und transmisogyner Linien verlaufen, strafen das Vorhaben, diskriminierungsfreie Änderungen des Geschlechtseintrags umzusetzen, Lügen. Trotz sehr breiter Beteiligung der queeren Zivilgesellschaft und darüber hinaus auch des Großteils der deutschen Frauenverbände, die Position gegen die Normalisierung transmisogyner Hetze bezogen, vermochte man es nicht, den reaktionären Einlassungen des <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=48352" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sauna-Zugang-Bestimmungsgesetzes</a> zu begegnen. </p>

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<p>Augenfällig ist zudem, welcher Inhalt aus dem Gesetz von Beginn an ausgeklammert wurde. Während in den damals noch oppositionellen Entwürfen eines Selbstbestimmungsgesetzes von FDP und Grünen die affirmative Gesundheitsversorgung von trans* und inter*geschlechtlichen Menschen zentral war, machte das 2022 veröffentlichte Eckpunktepapier zum Inhalt des angestrebten Gesetzes zuallererst klar, dass eben diese nicht mehr zur Debatte steht. Körperliche Selbstbestimmung – wohlgemerkt unter grundgesetzlichen Gesichtspunkten argumentiert, statt unter diagnostischen – als Teil der versprochenen geschlechtlichen Selbstbestimmung wäre ein feministischer Meilenstein deutscher Rechtsgeschichte gewesen. Doch eine solche historische Chance zu nutzen, war offenbar zu viel verlangt.&nbsp;</p>

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<p>Transgesundheit gemeinsam mit den gesundheitlichen Bedarfen intergeschlechtlicher Menschen als Recht auf körperliche Selbstbestimmung im SBGG zu verankern und so zu stärken, ist eine verpasste Chance.</p>

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<p>Das wiegt umso schwerer, da Transgesundheit seit einem unglücklichen <a href="https://www.akweb.de/politik/schockwellen-aus-kassel-bundessozialgericht-greift-iin-medizinische-versorgung-von-trans-personen-ein/">Beschluss des Bundessozialgerichts</a> im Oktober 2023 in der Schwebe hängt. Eigentlich stand die Absicherung der Gesundheitsversorgung für die Ampel auf der To-Do-Liste, eine Umsetzung erfolgte jedoch nicht. Nicht nur steht zu erwarten, dass ein Wiederaufgreifen davon unter einer (noch) konservativen Regierung wenn überhaupt suboptimal verlaufen dürfte. Auch steht eine weitere Intensivierung des genderkritischen Angriffs auf Transgesundheit ins Haus. Zuletzt schlug ein transfeindliches Papier vom <a href="https://www.bundesverband-trans.de/stellungnahme-zum-beschluss-des-128-deutschen-aerztetags/">128. Ärztetag</a> Wellen. Mit Blick auf die <a href="https://www.them.us/story/trump-administration-federal-websites-lgbtq-content-deleted-cdc-doe-usaid">USA</a> und <a href="https://www.euronews.com/health/2024/12/13/the-uk-is-the-latest-country-to-ban-puberty-blockers-for-trans-kids-why-is-europe-restrict" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Großbritannien</a>, wo Anti-trans*-Politiken, die auf denselben Narrativen aufbauen, bereits weiter entwickelt sind, lässt sich erahnen, welche Ausmaße diese Interventionen erreichen können. Über die Delegitimierung von langjähriger medizinischer Praxis werden Versorgungsstrukturen eingeschränkt, Behandler*innen eingeschüchtert und die Situation besonders für junge und arme trans Menschen verschärft. Regelmäßig geht es hier auch um die Schaffung eines Vorwandes, um reproduktive und körperliche Selbstbestimmung generell einzuschränken. Transgesundheit gemeinsam mit den gesundheitlichen Bedarfen intergeschlechtlicher Menschen als Recht auf körperliche Selbstbestimmung im SBGG zu verankern und so zu stärken, ist eine verpasste Chance.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-was-und-wer-auf-der-strecke-bleibt">Was und wer auf der Strecke bleibt</h2>

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<p>Gegen die Beanstandung dieser Punkte wurde in den letzten beiden Jahren oft vorgebracht, dass zu scharfe Kritik unproduktiv sei und die Durchsetzung weiterer queerpolitischer Vorhaben, wie die Reform des <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/staat-gibt-das-gefuhl-diese-familien-sind-unwichtig-was-wird-aus-der-gleichstellung-lesbischer-elternpaare-12794372.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abstammungsrechts</a>, gefährden könnte. Ganz zu Schweigen von dem Umstand, dass diese Reform trans*, nichtbinäre und inter* (tin*) Personen zugunsten cis queerer Interessen sämtlich <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=48203" target="_blank" rel="noreferrer noopener">unter den Bus geworfen</a> hätte, kam sie sowieso nie zur Verwirklichung. Trotzdem wiederholt sich die Dynamik, dass bestimmte Positionen für bürgerlich-queere Anerkennungspolitiken marginalisiert werden – eine Lektion, die augenscheinlich noch immer gelernt werden muss, wenn Solidarität nicht nur eine Phrase bleiben soll. Dass es dieser künftig dringend bedarf, zeigt das im Januar abgestimmte <a href="https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/rechtsanspruch-auf-schutz/gewalthilfegesetz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gewalthilfegesetz</a>. Dessen Durchsetzung ist für die prekäre Finanzierung deutscher Gewaltschutzeinrichtungen lange überfällig. Dass die explizite Inklusion von tin* Perspektiven dabei nicht gegen die <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1188669.haeusliche-gewalt-gewalthilfegesetz-kompromiss-transrechte-sind-nicht-verhandelbar.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">anti-queeren Versteigungen</a> der Union verteidigt werden konnte, zeigt, auf wie schwachen Füßen LGBTIQ+-Interessenvertretung derzeit steht. Lichtblick bleibt hier, dass das Gesetz die besagte Finanzierung sichert und die Praxis in Gewaltschutzeinrichtungen wesentlich trans*inklusiver aussieht, als christdemokratische Hetzer es sich wünschen. Dennoch zeigt die <a href="https://taz.de/Nach-Abschiebung-aus-Frauenhaus/!6054900/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abschiebung einer Frau</a> und ihrer beiden Kinder aus einem Hamburger Frauenhaus, wie selektiv deutsche Menschenrechtspolitik gemacht wird. Fälle wie dieser aus dem vergangenen November bleiben bittere Realität, ob der beibehaltenen behördlichen Meldepflicht, im Gewalthilfegesetz.</p>

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<p>Die menschenrechtliche Liberalisierung für manche Gruppen geht einher mit immer weiter angezogenen autoritären Daumenschrauben für andere Gruppen</p>

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<p>Die überschaubaren queerpolitischen Fortschritte der letzten Zeit geschahen allesamt simultan zur Verschärfung der rassistischen und migrationsfeindlichen sowie gegen linke Selbstorganisierung gerichteten Politiken. Die*r Autor*in und Politikwissenschaftler*in Tarek Shukrallah <a href="https://www.akweb.de/gesellschaft/tarek-shukrallah-ueber-die-bewegungsgeschichte-von-queers-of-color-in-deutschland/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">weist nach</a>, dass diese Gleichzeitigkeit System hat. Von der erfolgreichen Abschaffung des<a href="https://magazin.hiv/schlagwort/%c2%a7175/"> § 175 </a>mitten in den Baseballschlägerjahren bis zur Verabschiedung des Teilweise-Selbstbestimmungsgesetzes in derselben Sitzung, in der die Bezahlkarte beschlossen und eine vor allem gegen linken Dissens gerichtete fadenscheinige Antisemitismus-Resolution besprochen wird, zieht sich ein roter Faden. Die menschenrechtliche Liberalisierung für manche Gruppen geht einher mit immer weiter angezogenen autoritären Daumenschrauben für andere Gruppen – wobei die Differenz von “Gruppen” hier oft weniger eine reale, sondern eine durch Verwaltung und Politik künstlich hergestellte ist. Zudem ist im absehbaren Rechtstaumel fraglich, wie lange opportunistisches Interesse für <em>weiße</em>, deutsche Queers noch vorhält. Die Luft für meist vor allem symbolische Anerkennungskämpfe wird dünner.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-viel-peitsche-wenig-zuckerbrot">Viel Peitsche, wenig Zuckerbrot</h2>

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<p>Zu spüren bekommen das zivilgesellschaftliche Strukturen gerade immer mehr. Während Bundeswehrsondervermögen gemeinsam mit der Kriminalisierung linker Gegenstimmen auf der Tagesordnung stehen, werden bei Mitteln für Demokratieförderung inklusive queerer Strukturen die <a href="https://mannschaft.com/a/ein-fatales-signal-was-queere-organisationen-2025-erwartet" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rotstifte</a> angesetzt. Die zynische Selbstinszenierung der politischen Verantwortungsträger*innen als Demokratieverteidiger*innen auf Demos gegen Rechts, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, welche schweren Auswirkungen das auf Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Selbstorganisation in unserem Alltag hat. Dass dies einen befürchteten faschistischen Kipppunkt darstellt, ist jedoch fraglich. Denn diese <a href="https://jacobin.com/2023/01/poulantzas-capitalism-fascism-democracy-state-socialism" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Autoritärentwicklung</a> innerhalb bürgerlich-demokratischer Gesellschaften ist nichts außergewöhnliches, sondern ein Trend den Politikwissenschaftler*innen seit Jahrzehnten erkennen. Ein Klima, in dem sich Rechtspopulist*innen bereits pudelwohl fühlen – kein Kippen nötig, wenn&#8217;s der Normalzustand auch tut. Die damit einhergehende Austeritätspolitiken bedeuten einen sozialen und kulturellen Kahlschlag und eine existenzielle Bedrohung nicht nur für queere Strukturen, sondern für Queers als Menschen, die mehrheitlich zur Miete wohnen, überdurchschnittlich armutsbetroffen sind und in prekären Arbeitsverhältnissen ihr Überleben sichern – insbesondere wenn sie trans* und/oder migrantisiert sind.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-und-wie-weitermachen">Und wie weitermachen?</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Daraus ergibt sich, wo die queerpolitischen Prioritäten der nächsten Jahre liegen müssen. In bundespolitischen Anerkennungskämpfen ist aktuell kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Es gilt vielmehr Bestände zu sichern, und zwar dort, wo queere Politik konkret wird: vor Ort, in bestehenden Strukturen, in der Beratung und Versorgung. Erhalten und gleichzeitig die eigene Resilienz und Unabhängigkeit im neoliberal-autoritären Kurzungswahn zu steigern ist zwingend geboten. Beispielhaft hierfür ist etwa das <a href="https://seminare.waldschloesschen.org/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Waldschlößchen</a>, dessen Finanzierungsmodell zwar nicht ganz ohne staatliche Gelder auskommt, dessen Gründer sich aber immer darüber im Klaren waren, von diesen nie komplett abzuhängen. </p>

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<p>Weiterhin lohnt sich ein Blick in die eigene Bewegungsgeschichte. Zwar befinden wir uns in einer institutionalisierten Verbändelandschaft, gleichzeitig geht diese Errungenschaft zurück auf den Einfallsreichtum sich selbst ermächtigender, oft nicht sonderlich systemkonformer Queers, die diese eigenen Räume erst erkämpfen mussten. Gerade wenn es um praktische Solidarität in unseren Gemeinschaften geht, um die Anliegen geflüchteter, sexarbeitender, wohnungsloser, transgeschlechtlicher queerer Geschwister, ist es schon lange notwendig auch außerhalb verwalteter, formalisierter und legalisierter Boxen zu denken. Klasse und Subversivität sind Vokabeln, die wir in den kommenden Jahren unbedingt lernen sollten. Dazu zählt auch, die mittlerweile gut entwickelte Expertise <a href="https://tinrechtshilfe.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">queerer</a>, <a href="https://rote-hilfe.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">linker</a> und <a href="https://www.djb.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">feministischer Jurist*innen</a> produktiv zu machen. Nicht so sehr in der Erkämpfung rechtlicher Fortschritte, sondern vor allem als Verteidigungslinie gegen zunehmende Kriminalisierung und rechtlichen Angriffe, die linke Queers, trans* Personen und Sexarbeitende bereits jetzt erleben.&nbsp;</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die fetten Jahre, die es sowieso eigentlich immer nur für sehr partielle queerpolitische Anliegen im Interesse eindimensionaler, bürgerlicher Fiktionen von respektabler Queerness gab, sind vorbei. Allerhöchste Zeit, sich dementsprechend aufzustellen für den Erhalt und die Verteidigung von queeren Leben. Ob flamboyant oder militant, queere Praxis heißt Widerstand.</p>

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<p></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zur-wahl-und-lgbtiq-rechten">Mehr zur Wahl und LGBTIQ+-Rechten</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="Pjh8isqRDd"><a href="https://magazin.hiv/magazin/vielfaltwahlen/">Setz dein Zeichen: Ja zu Vielfalt und Solidarität!</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Setz dein Zeichen: Ja zu Vielfalt und Solidarität!&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/vielfaltwahlen/embed/#?secret=gJAHvMSjFU#?secret=Pjh8isqRDd" data-secret="Pjh8isqRDd" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="xcGFUQuHWw"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/">Transhass als Motor des Rechtsrucks</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Transhass als Motor des Rechtsrucks&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/embed/#?secret=xkWovLZ9TF#?secret=xcGFUQuHWw" data-secret="xcGFUQuHWw" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Transhass als Motor des Rechtsrucks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mine Pleasure Bouvar]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Aug 2024 14:18:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[Trans Menschen sind die Zielscheibe eines rechten Populismus, von BSW über Trump bis Putin. Mine Pleasure Bouvar analysiert die Strategien der internationalen Anti-Gender-Bewegung zur Verbreitung von Transhass, Transmisogynie und antisemitischen Verschwörungsnarrativen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
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<p><strong>Trans Menschen werden immer mehr zur Zielscheibe eines rechten Populismus, von BSW über Trump bis Putin. Mine Pleasure Bouvar analysiert in diesem Gastbeitrag die Strategien der internationalen Anti-Gender-Bewegung zur Verbreitung von Transhass, Transmisogynie und antisemitischen Verschwörungsnarrativen.</strong></p>

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<p>Als „gefährlichen Irrsinn“ und Erfolg einer profitgierigen Pharmalobby bewertete Sahra Wagenknecht das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz, das am 12. April 2024 verabschiedet wurde. Dass sich die Vorsitzende des jungen BSW selbst die Ehre zur <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=49110#:~:text=Die%20Bundestagsabgeordnete%20und%20BSW%2DParteivorsitzende,Nachrichtenportal%20%22T%2DOnline%22%20.">Debatte um das SBGG</a> gab, die von realpolitisch eher geringer Bedeutung für ihre Partei ist, scheint zumindest bemerkenswert. Mit ihrer übermäßigen, feindseligen Aufmerksamkeit insbesondere für die Geschicke transgeschlechtlicher Menschen ist Wagenknecht jedoch nicht allein auf dem weltpolitischen Parkett. So stoßen namhafte konservative Akteur*innen in den USA aus dem Lager Donald Trump <a href="https://www.washingtonexaminer.com/news/2874721/cpac-2024-megyn-kelly-child-gender-transitions/">ins selbe Horn</a>, während Wladimir Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine u. a. mit der <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/angriffskrieg-auf-die-ukraine-gender-als-rechtfertigung-fuer-krieg">Abwehr einer „westlichen Genderideologie”</a> begründete; sogar der frisch gewählte britische Premier Keir Starmer schenkt trans Menschen wiederholt seine besondere Aufmerksamkeit – jüngst indem er sich für einen <a href="https://www.thenational.scot/news/24424943.keir-starmer-trans-women-dont-right-use-women-only-spaces/">expliziten Ausschluss von trans Frauen</a> aus Frauenschutzräumen aussprach. Transgeschlechtliche Menschen sind in aller Munde – selten jedoch im Sinne der vielbeschworenen, positiv konnotierten queeren Sichtbarkeit, sondern vor allem als Zielscheibe eines globalen Kulturkampfes, in dem sich rechter Populismus, von BSW über Trump bis Putin, an fiktiven Schreckenserzählungen über trans und nicht-binäre Menschen abarbeitet und alle Akteur*innen des politischen Spektrums dazu zwingt, sich zu dem Thema zu verhalten.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Feindbild trans Frau</h2>

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<p>Die Argumentation des Debattenbeitrags zum sogenannten Selbstbestimmungsgesetz von Sahra Wagenknechts ist auffallend unkreativ. Sie folgt im Wesentlichen einer rhetorischen Schablone transfeindlicher, radikalfeministischer Strömungen, die seit den späten 1970er Jahren wiedergekäut wird. Als argumentatorischer Dreh- und Angelpunkt dient die Erzählung, dass von trans Menschen eine Bedrohung für Frauen und Mädchen ausginge. So sprach sich die radikalfeministische US-amerikanische Vordenkerin Janice Raymond 1979 dafür aus, <a href="https://hjosephinegiles.medium.com/out-of-existence-c0b084aa9b2">„Transsexualismus moralisch zu verbieten”</a>, weil jede transfeminine Transition ein „Akt der Vergewaltigung“ sei, und die australische lesbische Feministin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bpSTMfn-YaU&amp;t=2329s">Sheila Jeffreys postuliert</a>, Queer Theory und trans-inklusiver Aktivismus seien politische Instrumente einer männlichen Elite. Deren Ziel sei es, schwul-lesbischen und feministischen Aktivismus zu entzahnen und besagter Elite mittels einer Ideologie der sexuellen Freiheit zu ermöglichen, sich nach Gutdünken an Frauen und Kindern vergreifen zu können. Der rote Faden dieser Anti-trans-Ideologie ist die Dämonisierung von trans Frauen und &nbsp;transfemininen Personen, denen anhand ihrer angenommenen, „eigentlichen” Männlichkeit Aggression und sexualisierte Gier zugeschrieben wird. Gleichzeitig erfolgt die Ridikülisierung und Psychopathologisierung von Transfemininität als Paraphilie oder schlimmer Leidenszustand, dem mittels psychiatrischer Maßnahmen abgeholfen werden muss. Das popkulturelle Echo dieser Erzählungen ist offenkundig. Von „Silence of the Lambs” über „Ace Ventura” bis zu „The World According to Garb” zeigen zahlreiche Spielfilme ab den 1980ern transfeminine Personen entweder als gefährliche Psychopathen, gesuchte Verbrecher, Witzfiguren oder bemitleidenswerte Trottel. Diese diskursive Strategie der gleichzeitigen Dämonisierung und Verächtlichmachung ist integraler Bestandteil von Transmisogynie – der gezielten Abwertung und Unterdrückung von trans Frauen und Transfemininität.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im Gewand transmisogyner Schreckensszenarien werden antisemitische Bilder popularisiert. Eine „Genderindustrie“ wird als globaler Akteur imaginiert.</p>

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<p>Die sich heute prominent zeigenden Verbindungen zwischen verschrobenen Radikalfeministinnen und politischen Konservativen sind indes nichts Neues. Schon 1981 wurde dieses Phänomen präfiguriert, als sich die US-Regierung unter Ronald Reagan<a href="https://www.transadvocate.com/fact-checking-janice-raymond-the-nchct-report_n_14554.htm"> auf die Standpunkte Janice Raymonds bezog</a>, um Gesundheitsversorgung für transgeschlechtliche Menschen einzuschränken. Darüber hinaus stellt die britisch-jüdische trans* Autorin und Aktivistin Joni Elizah Cohen fest, dass es eine Kontinuität des <a href="https://www.versobooks.com/blogs/news/4188-the-eradication-of-talmudic-abstractions-anti-semitism-transmisogyny-and-the-national-socialist-project?srsltid=AfmBOoqwVTNgl14nWkSaSkcco9pRhWVmgVqke8DHinMfL6fw3Hulkdc0">transmisogynen Hasses in neonazistischen Kreisen</a> gebe, als Teil der militanten Idealisierung von Maskulinität. Sie beschreibt, wie die Überhöhung von Männlichkeit in der Angst vor deren Infragestellung mündet, sodass Faschisten sich in einem konstanten Kampf gegen die Auflösung geschlechtlicher Grenzen und gegen die queere Effeminierung befinden.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Genderkritische Verschwörungsnarrative</h2>

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<p>Der konspirative Charakter dieses Anti-trans-Feindbildes liegt auf der Hand. Wer nur etwas an der Oberfläche der Twitter-Threads prominenter Transhasserinnen wie J. K. Rowling kratzt, findet schnell haarsträubende Theorien einer „<a href="https://www.zeitschrift.frauensolidaritaet.org/artikel/a-dominant-strain-of-fascism-in-our-times/">schattenhaften Kabale</a>“, die die „Transideologie“ weltweit verbreite. Und wer tiefer gräbt, stößt auf die deutliche Ausformulierung dieser Dogwhistles. Man müsse nur dem Geld folgen, um zu sehen, wer hinter der „Genderindustrie” stünde, schreibt die<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Lf6yKryN3E4&amp;list=PL0hKGGkFJFurxqFx1CXBGY_ilKnSbL41h&amp;index=4"> transfeindliche Bloggerin Jennifer Bilek</a> 2017/18 und verweist unter anderem auf George Soros und die wohlhabende jüdische trans Frau Martine Rothblatt als „Founding Fathers of the Transsexual Empire”. Dass sie von Whitepower-Medien und christlich fundamentalistischen Websites zum Beleg einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung zitiert wird – daran nimmt Bilek bis heute keinen Anstoß. Im Gewand transmisogyner Schreckensszenarien werden bekannte antisemitische Bilder popularisiert. Eine „Genderindustrie“ wird als globaler Akteur imaginiert, der zur hormontherapeutischen Sterilisation westlicher Gesellschaften beitragen würde, um den „Großen Austausch“ herbeizuführen – eine imaginierte, jüdisch gesteuerte Migrationsbewegung zur Unterwanderung westlicher Nationen. Das antisemitische Bild des jüdischen Kindsentführers und Triebtäters wird übersetzt in einen existenziellen Krieg mit dem „Transgenderwahn“, der das Kindeswohl und die Sicherheit von Frauen gefährde.</p>

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<p></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Europäische Forum für Sexuelle und Reproduktive Rechte ermittelte, dass über 700 Mio. US-Dollar von <a href="https://www.epfweb.org/sites/default/files/2022-02/EPF_EN_TOTI_9SEP%20DEF_%20DEU_FINAL.pdf">2008-2018 in Anti-Genderkampagnen</a> geflossen sind.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Der Fokus auf transgeschlechtliche Menschen dient bei all dem einem strategischen Zweck. Weltweit gibt es aktuell nennenswerte Fortschritte für die rechtliche Situation trans- und nicht-binärgeschlechtlicher Menschen, an die die Verschwörungserzählungen der „Transgenderlobby“ anknüpfen: Themen wie Trans-Rechte, Trans-Gesundheit oder nicht-binäre Inklusion sind präsente Angriffspunkte für populistische Politik, um in einem breiten gesellschaftlichen Spektrum zu mobilisieren. Anti-trans-Narrative bewegen verunsicherte Eltern, pharmakritische Impfgegner*innen, radikalfeministisch geprägte Lesben, Nazis, Konservative und religiöse Fundamentalist*innen. Die Angst vorm „Gendergaga“ ist aktuell ein erfolgreicher ideologischer Kitt für den <a href="https://zeitschrift-luxemburg.de/autorinnen/mine-pleasure-bouvar/">Aufbau rechter Querfronten</a>. Gleichzeitig ist die tatsächliche politische Lobby für transgeschlechtliche Menschen meist schwach und Queerpolitik bleibt ein Nischenthema auch für Politiker*innen, die sich auf Interessengruppen spezialisieren. Das deutsche Beispiel des sogenannten Selbstbestimmungsgesetzes führt das deutlich vor Augen. Zwar ist das diskriminierende TSG vom Tisch, den progressiven Reformer*innen gelang es jedoch nicht, das SBGG vor den <a href="https://www.akweb.de/politik/kleine-freiheiten-mit-vielen-wenns-und-abers-das-sogenannte-selbstbestimmungsgesetz-ist-da/">massiven Einwirkungen transfeindlicher Argumentationslinien</a> zu bewahren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zeitgleich mit dem Pyrrhussieg des SBGG spitzen sich international die Entwicklungen zu: Genderkritische Argumentationen zeigen sich in der <a href="https://www.dw.com/en/how-ghanas-anti-gay-bill-impacts-the-lgbtq-community/a-69562116">Anti-LGBT Bill in Ghana</a>, als Begründung für den <a href="https://www.hrw.org/news/2024/05/20/iraq-repeal-anti-lgbt-law">Ausbau der Anti-Prostitutionsgesetze im Irak</a> und werden für die <a href="https://blogs.lse.ac.uk/southasia/2022/12/19/gender-discourse-and-transphobia-in-pakistans-digital-sphere/">Stigmatisierung der pakistanischen Khawajasira/Trans-Rechtsbewegung</a> genutzt. Die Angst vor bzw. der Hass gegen trans* Menschen ist ein politisches Erfolgsrezept des globalen Rechtsrucks, dem liberale Politiker*innen aktuell wenig entgegenzusetzen haben. Dem zugrunde liegt auch, dass Anti-Gender-Bewegungen und Desinformationskampagnen wie die deutsche Gruppe „Lasst Frauen Sprechen” gut finanziert und vernetzt sind. Das Europäische Forum für Sexuelle und Reproduktive Rechte ermittelte, dass über 700 Mio. US-Dollar von <a href="https://www.epfweb.org/sites/default/files/2022-02/EPF_EN_TOTI_9SEP%20DEF_%20DEU_FINAL.pdf">2008-2018 in Anti-Genderkampagnen</a> geflossen sind. Geldgeber*innen sind dabei christlich fundamentalistische Institutionen wie die Heritage Foundation – die beispielsweise auch als einflussnehmender Faktor für die Anti-LGBT Bill in Ghana zitiert werden – oder Vertreter*innen fossiler Kapitalfraktionen mit Teilen der russischen Oligarchie.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-gefahr-ernst-nehmen">Die Gefahr ernst nehmen</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Entwicklungen in Deutschland – von den gemischten Gefühlen, die das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz hinterlässt, bis zu den jüngsten Geschehnissen um den <a href="https://taz.de/CSD-in-Bautzen/!6029166/">Bautzener CSD</a> – sind Beispiele dafür, dass der Motor des globalen Rechtsrucks mit Transhass betrieben wird. Dieser instrumentalisierte Hass hat dabei mehrere Ebenen. Zunächst wird er als politischer Keil genutzt, um Unsicherheit zu säen, parlamentarische Debatten zu entgleisen und demokratische Prozesse zu schwächen. Die Wirkung zeigt sich auch auf der Straße, wenn zum Beispiel letztes Jahr fast jeder CSD angegriffen wurde. Oft sind trans Menschen erstes Ziel dieser Angriffe. Die reflexhafte Reaktion darauf ist oft der Ruf nach mehr Schutz und härterem staatlichen Durchgreifen, also nach der Normalisierung autoritärer Maßnahmen. Mehr Geld und Befugnisse für „Sicherheitskräfte“ sind ein Spiel mit dem Feuer in Zeiten der wachsenden rechten Einflussnahme. Mehr Polizei hat LGBTQIA+ noch nie geschützt, zumal wenn Queers überdurchschnittlich von Armut betroffen, in prekären, oft informellen Verhältnissen wie Sexarbeit beschäftigt oder als Geflüchtete tendenziell durch die Intervention der Exekutivorgane aktiv gefährdet sind. Weiterhin kann von einer klaren Kante des Staates gegen rechts schwerlich die Rede sein. Wenn eine faschistische Partei in fast allen Länderparlamenten sitzt und der rechte Mob (nicht nur) in Bautzen als angemeldete Gegendemonstration läuft, wenn sich ein Münchner Bürgermeister gemeinsam mit der CSU an transmisogynen US-amerikanischen <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=45476">Drag-Verboten</a> ein Vorbild nimmt und Institutionen wie Polizei und Verfassungsschutz nachweislich von rechten Netzwerken durchsetzt sind, ist das staatliche Getriebe Teil des rechten Normalzustands. Wo in der CSD-Saison 2023 noch ein Anti-Antifa-Primat, zum Beispiel <a href="https://freiburg-pride.de/2023/06/23/stellungnahme-zu-den-behauptungen-des-lsvd-und-ig-csd-stuttgart/">seitens des LSVD Baden-Württemberg</a>, herrschte, braucht es längst mehr Haltung und ein Bekenntnis zu solidarischen, queeren Widerstandspraxen das ganze Jahr über. Gegen Hass gemeinsam da, wir brauchen queere Antifa!</p>

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<p></p>

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<p>Es braucht längst mehr Haltung und ein Bekenntnis zu solidarischen, queeren Widerstandspraxen das ganze Jahr über.</p>

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<p><br><br>Mehr zum Thema Transrechte</p>

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<p><a id="_msocom_1"></a></p>

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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="hsM88zddb5"><a href="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/">„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/embed/#?secret=kYREIoncWw#?secret=hsM88zddb5" data-secret="hsM88zddb5" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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