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	<title>Inga Dreyer, Author at magazin.hiv</title>
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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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	<item>
		<title>Tests für alle! Initiativen gegen den „Gender Gap“ in sexueller Gesundheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 15:25:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Feministischer Kampftag]]></category>
		<category><![CDATA[FLINTA]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-PrEP für Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Tests]]></category>
		<category><![CDATA[STI-Tests]]></category>
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					<description><![CDATA[In Deutschland sind HIV- und STI-Tests für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen keine Selbstverständlichkeit. Zwei Initiativen berichten, woran es hakt und wo sich FLINTA* bereits testen lassen können.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><em>Zu freier, selbstbestimmter und unbeschwerter Sexualität gehört, für die eigene sexuelle Gesundheit sorgen zu können. Aber was, wenn das verwehrt wird? In Deutschland sind Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STIs) für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen keine Selbstverständlichkeit. Eine Initiative aus Berlin und die AIDS-Hilfe Frankfurt berichten, woran es hakt, wie sie das ändern wollen und wo sich FLINTA* testen lassen können.</em></p>

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<p>Es begann mit der Idee, im Berliner Freund*innenkreis sexpositive Partys zu organisieren – und dem Wunsch, diese Erlebnisse entspannt und sicher zu gestalten. Wie das geht? Unter anderem mit Tests auf HIV und andere STIs, könnte die leichtfertige Antwort lauten. Dass das – zumindest für FLINTA* – nicht so einfach ist, stellte Jenna Krumminga vor ein paar Jahren fest. Sie telefonierte Ärzt*innen und Einrichtungen ab. „Einmal wurde mir sehr nett am Telefon gesagt, es täte ihnen wirklich leid, aber Leute mit Vulva könnten sie nicht testen. Auch bei meiner Gynäkologin ging es nicht. Das war für mich ein großer Schock.“ Sie sprach mit anderen FLINTA*, die sagten: „Ja, ey, das ist katastrophal!“ Oder: „Man kann&nbsp;dort hingehen, aber man muss den ganzen Tag warten.“ Oder: „Du musst sagen, dass du&nbsp;Sexworker&nbsp;bist.&#8220;</p>

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<p>Sie erfuhr, dass Testmöglichkeiten auf sexuell übertragbare Krankheiten in Deutschland auf bestimmte Gruppen ausgerichtet sind – beispielsweise cis Männer, die Sex mit Männern haben. Wer keine Symptome hat und nicht zu einer solchen Gruppe – wie Sexarbeiter*innen –&nbsp;gehört, muss teilweise zahlen oder sogar ungetestet wieder nach Hause gehen. Frauen* seien häufig in der Situation, Ärzt*innen davon überzeugen zu müssen, dass sie eine „Hochrisiko-Begegnung“ hatten, erzählt Jenna. Gerade Frauen in Beziehungen werde oft ein Test verwehrt, obwohl möglich ist, dass Partner*innen ungeschützten Geschlechtsverkehr außerhalb einer Beziehung haben. In eine unangenehme Situation kann auch geraten, wer ärztliche Bescheinigungen über Diagnosen bei Sexualpartner*innen mitbringen muss, um sich selbst testen lassen zu können. <a href="https://www.safersexberlin.com/en/reallifestories">Erfahrungsberichte</a> hat Safer Sex Berlin auf der Webseite gesammelt.</p>

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<p id="h-wer-keine-symptome-hat-keine-risiko-kontakte-hatte-und-nicht-zu-einer-solchen-gruppe-wie-sexarbeiter-innen-gehort-muss-teilweise-zahlen-oder-sogar-ungetestet-wieder-nach-hause-gehen">Wer keine Symptome hat und nicht zu einer bestimmten Gruppe – wie Sexarbeiter*innen –&nbsp;gehört, muss teilweise zahlen oder sogar ungetestet wieder nach Hause gehen.</p>

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</blockquote>

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<p>In Gesprächen im Freund*innen-Kreis zeigte sich, dass unter schwulen cis Männern ein stärkeres Bewusstsein für HIV und andere STIs vorhanden war, erzählt Nici Wertecki. „Bei ihnen war es üblicher, sich über das Thema auszutauschen und sich regelmäßig testen zu lassen.“ Zusammen mit Jenna, ihrer Schwester Sara Krumminga und zwei anderen Freund*innen gründete Nici 2020 die Initiative Safer Sex Berlin, um etwas gegen den Gender Gap, die geschlechtsspezifische Diskriminierung beim Zugang zur Versorgung in der sexuellen Gesundheit, zu unternehmen. „Das war richtiger Klischee-Aktivismus: Wir waren betroffen und dachten, wir müssen da unbedingt etwas tun“, erzählt Nici.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-aufmerksamkeit-fur-sexuelle-gesundheit-von-flinta-schaffen"><strong>Aufmerksamkeit für sexuelle Gesundheit von FLINTA* schaffen</strong></h2>

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<p>Inzwischen ist Safer Sex Berlin ein Verein in Gründung. Gefördert wurde das Projekt 2025 über ein Stipendium des Gründerinnen-Programms&nbsp;Grace Berlin Accelerator, finanziert vom Land Berlin und der Europäischen Union. Momentan arbeiten die Safer-Sex-Aktivist*innen ehrenamtlich. Sobald die Gemeinnützigkeit bestätigt ist, werde aber die Guerrilla Foundation mit einer einmaligen Unterstützung einspringen, berichtet Nici Wertecki.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Aktivist*innen wollen Aufmerksamkeit für sexuelle Gesundheit von FLINTA* schaffen – auch mit ihrer Anwesenheit in Räumen, in denen das Thema bisher wenig präsent war, etwa bei internationalen Konferenzen zu sexueller Gesundheit. Außerdem sind sie Teil der EU-weiten <a href="https://hivpreventionalliance.eu/">HIV Prevention Alliance</a>.</p>

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<p>„Die Sexualität von cis Frauen wurde lange auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit reduziert, die Sexualität von trans und genderqueeren Menschen lange kriminalisiert. Diesen Gruppen öffentliche Ressourcen für ihre sexuelle Gesundheit – geschweige denn für ihre sexuelles Wohlbefinden oder ihre Lust – bereitzustellen, hatte deshalb nie Priorität“, sagt Jenna Krumminga. Die Kontrolle über die Sexualität von Frauen und genderqueeren Menschen habe Machtinteressen gedient – etwa indem weibliche Keuschheit erzwungen wurde, um „legitime“ Eigentumsübertragungen vom Vater auf das Kind sicherzustellen. Der weibliche Körper sei als Ort männlicher Befriedigung vermarktet worden, während die sexuelle Handlungsmacht und Lust aller, die nicht dem patriarchalen Ideal entsprechen, pathologisiert oder unsichtbar gemacht wurden. „Die Regulierung von Sexualität ist das Herzstück des Patriarchats“, fasst Nici zusammen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-prep-als-heiliger-gral-fur-flinta"><strong>PrEP als heiliger Gral für FLINTA*</strong></h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Teil einer freien und selbstbestimmten Sexualität ist auch, sich um die eigene Gesundheit kümmern zu können. Safer Sex Berlin fordert deshalb einen besseren Zugang zu STI-Testmöglichkeiten für Frauen und genderqueere Menschen. Bisher gäbe es gerade in Bezug auf Frauen und STIs zu wenige Informationen, kritisiert Nici Wertecki. „Wenn man nicht testet, dann bekommt man auch keine Zahlen.“ Auf diese Weise gerate man in einen Teufelskreis des Nichtwissens. „Wir wollen von diesem Risiko-Paradigma wegkommen“, fordert Jenna deshalb. Das würde Ärzt*innen die Möglichkeit geben, auch ohne Symptome und Risikokontakte zu testen und Leistungen leichter über die Krankenkassen abrechnen zu können. Denn gerade bei cis Frauen verlaufen viele Infektionen asymptomatisch und einige STIs können bei allen Geschlechtern zu Unfruchtbarkeit führen.</p>

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<p>HIV werde bei Frauen häufig erst sehr spät entdeckt – auch, weil zu wenig getestet werde, sagt Jenna. Zudem sei der Zugang zur <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep">PrEP</a> schwierig. In nur wenigen Praxen sei es für FLINTA* möglich, sich die HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe verschreiben zu lassen. In Berlin könne man dafür online Beratungstermine buchen. Trotzdem sei es als FLINTA* schwierig, an das Medikament zu kommen. „PrEP&nbsp;ist&nbsp;so ein bisschen wie der heilige Gral. Wenn man drankommt, ist man froh, dass man&nbsp;das geschafft hat“, erzählt Nici Wertecki. Nach eigenen Erfahrungen sei das Wissen über PrEP in FLINTA*-Kreisen noch nicht besonders groß. „Aber Leute, die davon wissen, haben sehr, sehr großes Interesse daran.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Um Orientierung bei der Suche nach Testmöglichkeiten zu geben, verzeichnet das Team von Safer Sex Berlin auf einer <a href="https://www.safersexberlin.com/en/get-tested">Online-Karte</a> Kliniken und Organisationen, die günstige oder kostenlose Tests auf HIV und andere STIs für Frauen und genderqueere Menschen in Berlin anbieten. „Das basiert auf einer Mischung aus Community-Wissen und eigener Recherche“, erzählt Nici Wertecki. Es brauche mehr Orte, zu denen man gehen könne, ohne einen halben Tag im Wartezimmer zu sitzen und ohne eine Moralpredigt zu bekommen, dass man doch bitte verhüten solle. „Es gibt Anlaufstellen, die versuchen, es besser zu machen, vor allem auch die Gesundheitsämter. Aber da gibt es oft ungünstige und zu wenige Sprechzeiten.“</p>

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<p>Es braucht mehr Orte, zu denen Frauen und genderqueere Menschen gehen können, ohne einen halben Tag im Wartezimmer zu sitzen und ohne eine Moralpredigt zu bekommen, dass man doch bitte verhüten solle.</p>

              </div>
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<cite>Nici Wertecki, Safer Sex Berlin</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In gynäkologischen Praxen gibt es häufig Möglichkeiten, sich kostenpflichtig auf STIs testen zu lassen. Anonyme – und deutlich günstigere – Angebote bieten lokale Aidshilfen. In Berlin beispielsweise lassen sich <a href="https://www.berlin-aidshilfe.de/angebote/test-angebote/">Termine auf der Webseite der Aidshilfe</a>, über ein Onlineportal oder per Telefon buchen. Ein HIV-Labortest kostet hier beispielsweise zehn Euro. Online können über das Projekt s.a.m health der Deutschen Aidshilfe <a href="https://www.samhealth.de/">STI-Tests für zu Hause</a> bestellt werden. Ein Set mit Tests auf HIV, Chlamydien, Syphilis und Tripper (Gonorrhö) kostet 75 Euro.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Regelmäßige Testabende bietet beispielsweise das <a href="https://maincheck.de/">Projekt „maincheck“</a> der AIDS-Hilfe Frankfurt an. Inzwischen werden auch regelmäßig FLINTA*-Termine für alle organisiert, die sich als Frauen identifizieren und/oder weiblich gelesen werden, sowie TIN-Testabende für trans Personen, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen. „Das fing vor zwei Jahren mit einem einmaligen Angebot zum Weltfrauentag an. Da haben wir gemerkt: Das wird ziemlich gut angenommen“, erzählt Anne Lind, Leiterin des Bereichs Prävention und Gesundheit der AIDS-Hilfe Frankfurt. Einige Frauen meldeten zurück, dass sie sich bei den regulären Testabenden nicht so wohl fühlen. „Da erkannten wir den Bedarf, die Gesundheit von Frauen mehr in den Fokus zu rücken und haben 2025 angefangen, das einmal im Quartal anzubieten.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Gleichzeitig zeigte die Statistik, dass trans, inter und nicht-binäre Personen mit den Test-Angeboten der AIDS-Hilfe vergleichsweise schlecht erreicht werden. „Deswegen haben wir beschlossen, dass wir für sie noch mal einen separaten Testabend anbieten, um zu zeigen: Da sind wir sensibilisiert.“ Trotzdem habe sie den Eindruck, dass es für trans, inter und nicht-binäre Personen besonders herausfordernd sei, sich zu trauen, solche Angebote anzunehmen, sagt Anne Lind. Die Gewalt gegen tin Personen nehme zu. „Sie&nbsp;machen in ihrem Leben viele Diskriminierungserfahrungen, weswegen sie teilweise das Vertrauen in bestimmte Gesundheitsangebote verloren haben. Es ist für unsere Arbeit deswegen so wichtig zu zeigen, dass wir sensibilisiert mit der Thematik umgehen.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Statistik zeigt, dass trans, inter und nicht-binäre Personen mit den Test-Angeboten der Aidshilfe vergleichsweise schlecht erreicht werden. Ein separater Testabend soll zeigen: &#8222;Da sind wir sensibilisiert.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Anne Lind, AIDS-Hilfe Frankfurt</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Bei den Frauen-Abenden ist nur weiblich gelesenes Personal vor Ort. Das könne die AIDS-Hilfe Frankfurt (AHF) für die TIN-Abende bisher nicht entsprechend gewährleisten. Aber die Menschen, die dort arbeiten, seien –&nbsp;auch bei den regulären Testabenden – sensibilisiert.&nbsp; Beworben werden die „maincheck“-Angebote über die Webseite, auf Social Media, mit Flyern und direkt bei Institutionen, mit denen die Aidshilfe eng zusammenarbeitet – etwa das queere Jugendzentrum der AHF, KUSS41. Inzwischen habe sich der Anteil von trans, inter und nicht-binären Personen auch unter den Besucher*innen der regulären Testabende erhöht. „Darüber freuen wir uns. Es ist für uns wichtig, Sichtbarkeit zu schaffen und zu zeigen: Ihr könnt hierherkommen und wir kennen uns mit dem Thema aus.“&nbsp;</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Unterstützt wird „maincheck“ vom Gesundheitsamt Frankfurt und vom Land Hessen. „Im Moment gucken wir, ob es noch Möglichkeiten gibt, um die spezifischen Testabende separat zu fördern“, erzählt Anne Lind. Anderen Aidshilfen, die solche Angebote planen, empfiehlt sie zu überlegen, wie diese ins Standardprogramm integriert werden können. „Wir haben uns für einen separaten Tag entschieden, damit sich Leute nicht versehentlich in den Safer Space verirren.“ Außerdem rät sie zu Geduld: „Neue Angebote&nbsp;brauchen ihre Zeit, bis sie sich herumgesprochen haben und etabliert sind.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein Grund, weshalb Menschen zu den Frauen- sowie zu den TIN-Testabenden in Frankfurt kommen, sei die Anonymität. „Wir bekommen auch häufig die Rückmeldung,&nbsp;dass sie das bei uns sehr angenehm finden und sich gut aufgehoben fühlen. Klar, das Gesundheitsamt macht auch einen ziemlich guten Job. Aber ich glaube, manche haben das Vorurteil, ein Amt sei sehr streng – auch wenn das in vielen Fällen gar nicht so ist.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir haben uns für einen separaten Tag entschieden, damit sich Leute nicht versehentlich in den Safer Space verirren. &#8230; Neue Angebote brauchen aber ihre Zeit, bis sie sich herumgesprochen haben und etabliert sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Anne Lind, AIDS-Hilfe Frankfurt</cite></blockquote>

        </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein Testabend bei der AIDS-Hilfe Frankfurt hat drei Stationen. Zuerst bekommen alle Besucher*innen einen Fragebogen und eine Nummer. Bei der zweiten Station, der Beratung, wird über die Gründe des Besuchs besprochen: Gab es Risikosituationen oder vielleicht eine neue Beziehung oder den allgemeinen Wunsch, sich durchchecken zu lassen, damit alles sicher läuft? „Viele kommen erst mal mit dem Ziel her, einen HIV-Test zu machen. Wenn wir uns die Situation genauer angucken, merken wir, dass auch andere STI-Tests sinnvoll wären“, erzählt Anne Lind. Möglich ist, auf HIV, Syphilis, Chlamydien, Gonokokken, Hepatitis B und C zu testen – jeweils gegen eine Gebühr von um die 20 Euro. In Kombination werden die Tests günstiger. „Wir versuchen, die Preise so niedrig wie möglich zu halten. Wenn eine Person gar kein Geld hat, gibt es immer noch Wege zu schauen, was geht.“</p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>An der dritten Station führt eine Ärztin den Test durch – entweder als Schnelltest oder mit Blutabnahme fürs Labor. In der Regel können die Ergebnisse zwei Tage später telefonisch abgefragt werden. Die Ergebnisse von Schnelltests bekomme man nach einer kurzen Wartezeit noch vor Ort. </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wie die Aktivist*innen von Safer Sex Berlin erleben auch die Mitarbeiter*innen der AIDS-Hilfe Frankfurt, dass Die HIV-PrEP vor allem unter Männern, die Sex mit Männern haben, bekannt ist, hauptsächlich in dieser Community verschrieben und dort auch immer stärker angenommen werde. Außerhalb dieser Community fehle es bisher ihrer Erfahrung nach an Wissen um diese Möglichkeit, berichtet Anne Lind.&nbsp; &nbsp;</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sie kritisiert, dass das Gesundheitssystem in Deutschland zu wenig auf Frauen, Lesben, trans, inter und nicht-binäre Personen ausgerichtet ist. „Es orientiert sich&nbsp;immer noch eher am cis-männlichen Geschlecht.“ Ein Beispiel: Herzinfarkte werden&nbsp;bei Frauen im Schnitt später diagnostiziert und behandelt, da sie andere Symptome zeigen als Männer.&nbsp;Selbst die Gynäkologie ist in Deutschland ein Fach, das immer noch von männlichen und patriarchalen Strukturen geprägt ist – wie sich beispielsweise daran zeigt, <a href="https://magazin.hiv/magazin/der-zyklus-ist-die-basis-unserer-gesellschaft/">wie lange die Klitoris und ihre Bedeutung ignoriert wurden.</a></p>

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<p>„Frauen, die sich sexuell ausleben, werden immer noch stigmatisiert. Deshalb ist es für sie vielleicht auch schwieriger, Testangebote anzunehmen“, sagt Anne Lind. STI-Tests seien immer noch ein schambehaftetes Thema. Wenn sich Frauen trotzdem überwinden, nach Tests fragen und dann abgewiesen werden, sei dies ein schlechtes Signal. Bei trans, inter und nicht-binären Personen sei ein Problem, dass sie sich in medizinischen Kontexten erklären müssten oder gegebenenfalls eine falsche Beratung und Behandlung bekommen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-raume-schaffen-um-offen-uber-sexualitat-zu-sprechen"><strong>Räume schaffen, um offen über Sexualität zu sprechen</strong></h2>

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<p>Vielen Menschen fehle ein Ort, an dem sie sich offen über Sexualität und sexuelle Gesundheit austauschen können, sagt Nici Wertecki von Safer Sex Berlin. „Die Gynäkologie in Deutschland ist vor allem auf Geburtshilfe und Krebsvorsorge ausgerichtet.“ Arztpraxen seien für viele Menschen deshalb nicht unbedingt ein Ort, an dem sie offen über ihre Sexualität sprechen. Safer Sex Berlin fordert auch einen kulturellen Wandel, was sexuelle Gesundheit angeht. Die Aktivist*innen stehen für einen offenen und positiven Umgang mit Sexualität, um Angst und Scham keinen Raum zu lassen. Dazu gehöre, Vergnügen und Lust als integrale Aspekte sexueller Gesundheit zu begreifen. „So entspricht es auch der Definition der WHO“, sagt Jenna.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Gynäkologie in Deutschland ist vor allem auf Geburtshilfe und Krebsvorsorge ausgerichtet. Dabei ist Lust integraler Aspelt sexueller Gesundheit. So entspricht es auch der Definition der WHO.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Nici Wertecki, Safer Sex Berlin</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>An Q&amp;A-Stationen, durch Auftritte wie beim Smut Slam, einem „dirty storytelling open mic“ in Berlin, oder mit offenen Diskussionsrunden wie im <a href="https://www.berlinerfestspiele.de/en/gropius-bau/programm/2024/ausstellungen/rirkrit-tiravanija/demo-station/demo-station-infopunkt-sexuelle-gesundheit">Gropius Bau</a>, versucht Safer Sex Berlin zur Normalisierung von Gesprächen über weibliche und genderqueere Sexualität beizutragen. So sollen auch in der Öffentlichkeit Räume geschaffen werden, in denen Frauen, trans, inter und nicht-binäre Personen ohne Scham über Lust und Bedürfnisse sprechen können. „Berlin ist eine Stadt, die weltberühmt für sexuelle Freiheit und auch für Queerness ist“, sagt Jenna. Da sei es keine Überraschung, dass verschiedene Menschen miteinander Sex hätten. Und alle diese Menschen könnten sich dabei mit STIs infizieren und sollten deshalb Möglichkeiten bekommen, für ihre eigene und die Gesundheit anderer Menschen zu sorgen. Denn, wie Nici Wertecki sagt: „Krankheiten verbreiten sich unter allen Menschen und nicht aufgrund einer sexuellen Orientierung.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-links-zu-hiv-sti-tests-fur-frauen-flinta"><strong>Links zu HIV-/STI-Tests für Frauen/FLINTA*</strong></h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Safer Sex Berlin:<a href="https://www.safersexberlin.com/en/get-tested"> Testorte in Berlin</a></li>

</ul>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><a href="https://www.berlin-aidshilfe.de/angebote/test-angebote/">Berliner Aidshilfe</a></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>s.a.m. health: <a href="https://www.samhealth.de/">https://www.samhealth.de/</a></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><strong>Testabend in der AIDS-Hilfe Frankfurt</strong>   <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>für Frauen*: nächste Termine am 11.06., 03.09. und 03.12.2026.</li>



    
<li>für trans, inter und nicht-binäre Person: nächsten Termine am 10.06., 02.09. und 02.12. 2026</li>



    
<li>jeweils zwischen 17 und 19 Uhr und ohne Termin</li>



    
<li>Weitere Testabende werden von der <a href="https://maincheck.de/news/">AHF unter News</a> angekündigt.<br></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
</li>



    
<li><strong>Testabend von ZeSIA Karlsruhe</strong>  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>kostenlose HIV- und STI-Tests für Frauen* (= alle Menschen, die sich als Frauen identifizieren oder sich als Frauen fühlen)</li>



    
<li>am <strong>12. März von 18:30 &#8211; 19:30 Uhr</strong></li>



    
<li><a href="https://www.zesia-ka.de/de/nachricht/kostenlose-testaktion-fuer-frauen">Infos und Anmeldung</a></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
</li>

</ul>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zum-feministischen-kampftag"><strong>Mehr zum feministischen Kampftag</strong></h2>

              </div>
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  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="cj4kwGy1FV"><a href="https://magazin.hiv/magazin/der-zyklus-ist-die-basis-unserer-gesellschaft/">„Der Zyklus ist die Basis unserer Gesellschaft“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Der Zyklus ist die Basis unserer Gesellschaft“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/der-zyklus-ist-die-basis-unserer-gesellschaft/embed/#?secret=SdKUbs9Vzq#?secret=cj4kwGy1FV" data-secret="cj4kwGy1FV" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="DLly36mQ7m"><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/prep/frauen-haben-kaum-zugang-zur-prep/">Frauen haben kaum Zugang zur PrEP: Ein Gespräch zum feministischen Kampftag</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Frauen haben kaum Zugang zur PrEP: Ein Gespräch zum feministischen Kampftag&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/prep/frauen-haben-kaum-zugang-zur-prep/embed/#?secret=WM6zZk6gmE#?secret=DLly36mQ7m" data-secret="DLly36mQ7m" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="9kaI1bYine"><a href="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/">„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/embed/#?secret=TMUcvyrfGs#?secret=9kaI1bYine" data-secret="9kaI1bYine" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>„Der Zyklus ist die Basis unserer Gesellschaft“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/der-zyklus-ist-die-basis-unserer-gesellschaft/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/der-zyklus-ist-die-basis-unserer-gesellschaft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 09:22:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Gynäkologie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559009</guid>

					<description><![CDATA[Mit ihrem Podcast und dem „Gynbuch“ klärt Mandy Mangler über Tabus und Mythen rund um Frauengesundheit und Sexualität auf. Im Interview fordert sie eine geschlechtergerechte Medizin.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Die Gesellschaft zeigt auf Frauen, die vermeintlich schlecht gelaunt seien, weil sie PMS haben. „Absurd“ findet das Mandy Mangler – wie so viele Vorurteile und falsche Vorstellungen, die mit Frauengesundheit und Sexualität zu tun haben. Als Jugendliche arbeitete sie ehrenamtlich für die Aidshilfe, heute leitet die Gynäkologin zwei Kliniken in Berlin und ist Professorin für Frauengesundheit und Geburtshilfe an der Evangelischen Hochschule. Mit dem <a href="https://www.tagesspiegel.de/podcasts/gyncast/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Podcast „Gyncast“</a> und <a href="https://www.suhrkamp.de/das-grosse-gynbuch-von-prof-dr-mandy-mangler-s-1520?utm_source=google.com&amp;utm_medium=ad&amp;utm_campaign=9783458643531&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=21965701591&amp;gbraid=0AAAAACrTPaLYi4e8f9vtSZEIay3gELZa6&amp;gclid=EAIaIQobChMIjOX4lNjakAMVO5iDBx0Uvh-cEAAYASAAEgIFePD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Das große Gynbuch“</a> klärt sie über tabuisierte Themen auf und will Menschen dabei unterstützen, ihren Körper besser kennen- und lieben zu lernen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Im Interview fordert sie eine geschlechtergerechte Medizin sowie die Abkehr von patriarchalen Strukturen und den kulturell verankerten Vorstellungen, dass Frauen nicht nur immer sexuell verfügbar, sondern auch stets „happy und nett“ sein sollen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Klitoris wurde in der Medizin regelrecht „geghostet“. (&#8230;)&nbsp;Es gibt Menschen, die an der Vulva operieren, aber die Anatomie der Klitoris nicht kennen. Das wird nicht gelehrt, weder im Studium noch in der Fachärzt*innen-Weiterbildung. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Mandy Mangler</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Eine Ihrer Podcast-Folgen heißt „Wann gibt es Gynäkologie endlich auch für Frauen?&#8220;. Was meinen Sie damit?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Medizin war lange Zeit ein Männerclub. Erst seit 100 Jahren dürfen auch Frauen Medizin studieren. Das hinterlässt Spuren, weil wir immer noch oft von männlichen Patienten ausgehen und einen männlichen Blick auf Medizin haben. Führungspositionen in der deutschen Universitätsmedizin sind nach einer Erhebung des Deutschen Ärztinnenbundes zu 87 Prozent von Männern besetzt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Perspektive von Frauen, besonders auf Frauenerkrankungen und alles, was mit Zyklus und Unterschiedlichkeit zwischen Männern und Frauen zu tun hat, haben wir noch nicht verinnerlicht. Männliche Ärzte haben oft gesagt: Frauen sind wie Männer, nur körperlich kleiner. Das stimmt nicht. Männer und Frauen sind medizinisch grundsätzlich verschieden – in Bezug auf das Immunsystem, in Bezug auf den gesamten Körper, zum Beispiel Genetik und Hormone. Deswegen ist es so wichtig, die Gender-Medizin zu haben, was eigentlich nur ein anderer Begriff für individualisierte Medizin ist. Das wird an den meisten Universitäten noch gar nicht gelehrt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Nun könnte man entgegnen: Gerade die Gynäkologie ist doch auf den weiblichen Körper spezialisiert. Inwiefern finden sich auch dort patriarchale Strukturen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Leider ist auch die Gynäkologie lange Zeit von Männern geprägt gewesen. Im Berufsverband sind fünf Männer und eine Frau im Vorstand. Da muss man sich besorgt fragen, warum das so ist. Wir haben eine Fachrichtung, in der 77 Prozent der Ärzt*innen Frauen sind, aber die diejenigen, die die Spielregeln machen, sind Männer. Das beeinflusst die Gynäkologie – bei Endometriose, bei Schwangerschaftsabbrüchen, beim Thema Sexualität und so weiter.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das hat zum Beispiel früher zu einer Phase<strong> </strong>in der Geburtshilfe geführt, die sehr mechanistisch und zum Teil entmenschlicht war. Eine weitere Folge ist, dass wir Frauenerkrankungen zwar kennen, aber zum großen Teil nicht so ernst genommen haben. Wir haben immer noch keine Diagnosemöglichkeit für Endometriose. Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) kennen die meisten Menschen überhaupt nicht, obwohl es wie Endometriose etwa zehn Prozent der Frauen betrifft. Die Gynäkologie ist ein Gebiet, in die wenig Forschungsgelder geflossen sind. Der weibliche Blick auf Erkrankungen, Sexualität oder sogar Anatomie spielte kaum eine Rolle. Die Klitoris wurde in der Medizin regelrecht „geghostet“. Das wäre eher nicht passiert, wenn Frauen die Spielregeln in der Gynäkologie mitbestimmt hätten.&nbsp;</p>

              </div>
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<p><strong>In Ihrem Buch schreiben Sie, dass es in Aufklärungsbögen für OPs bis vor Kurzem die Klitoris gar nicht verzeichnet war?</strong></p>

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<p>Ja. Als wir uns für den Podcast mit dem Thema Klitoris beschäftigt haben, waren wir richtig geschockt. Man kann Ärzt*in oder Gynäkolog*in sein, ohne dass man die Klitoris verstanden hat.&nbsp;Es gibt Menschen, die an der Vulva operieren, aber die Anatomie der Klitoris nicht kennen. Das wird nicht gelehrt, weder im Studium noch in der Fachärzt*innen-Weiterbildung. Man muss es sich selbst beibringen.</p>

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<p>Es gab Aufklärungsbögen für gynäkologische Operationen in deutschen Krankenhäusern, auf denen das weibliche Becken ohne Klitoris abgebildet war. Ich habe dann dafür gekämpft, dass sich das ändert. Inzwischen werden OP-Aufklärungsbögen benutzt, in denen die Klitoris eingezeichnet ist. Das ist wichtig für die Patient*innen.&nbsp;Nur Patient*innen und Operateur*innen, die die Klitoris klar verstanden haben, können an der Vulva und im Becken sensibel operieren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eigentlich dürften Forschungsprojekte nur dann unterstützt werden, wenn sie Gender-Aspekte berücksichtigen. Das würde Männern wie Frauen zugutekommen, weil eine individualisierte Medizin besser als eine generalisierte ist.</p>

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<cite>Mandy Mangler</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Frauen sind in medizinische Studien nach wie vor häufig unterrepräsentiert – auch in der Forschung zu HIV-Medikamenten. Warum ist das so? </strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es gibt keine Verpflichtung, zu gleichen Teilen Männer und Frauen als Proband*innen zu einzubinden. Man kann heute immer noch Studien zu Herzinfarkten mit 70 Prozent männlichen Probanden machen. Das ist dann halt so und es wird gesagt: „Das mit dem Zyklus, das ist ja alles kompliziert, das können wir gar nicht berücksichtigen, da müssten wir viel zu viel Daten erheben.“ Ich finde: Eigentlich dürften Forschungsprojekte nur dann unterstützt werden, wenn sie Gender-Aspekte berücksichtigen. Das würde Männern wie Frauen zugutekommen, weil eine individualisierte Medizin besser als eine generalisierte ist.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welche Folgen kann es haben, wenn Frauen als Studienteilnehmende unterrepräsentiert sind?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das führt zum Beispiel dazu, dass Frauen und Männer die gleiche Dosierung von Medikamenten bekommen, was häufig falsch ist. Bei vielen Themen gibt es zu wenig Wissen in Bezug auf Frauen. Sie bekommen weniger Schmerzmittel als Männer, sie sterben häufiger an Herzinfarkt, sie werden weniger oft wiederbelebt. Es wird weniger oft erkannt, wenn Frauen eine Sepsis, also eine Blutvergiftung haben. Die Medikamente, die man dann gibt, wirken bei Frauen oft anders. Deswegen sterben Frauen häufiger daran.&nbsp;Neulich wurde eine Studie veröffentlicht, die gezeigt hat, dass Chemotherapie in den verschiedenen Phasen des Zyklus‘ unterschiedlich wirkt. Das ist logisch, aber man wusste es bisher nicht, weil man es nicht untersucht hat.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Sie sagen, selbst Gynäkolog*innen wissen oft zu wenig – beispielsweise über die Klitoris. Wie sollen dann Nichtmediziner*innen über den eigenen Körper Bescheid wissen? In welchen Bereichen mangelt es an Wissen?</strong><strong></strong></p>

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<p>Das geht in den Schulen mit Biologiebüchern los, in denen ein kleiner weiblicher und ein kleiner männlicher Mensch abgebildet sind – und da steht dann „Penis“ und „Scheide“ daneben. Uns wird vermittelt, dass die Vagina unser Sexualorgan ist. Unser Sexualorgan ist aber die Klitoris. Die Scheide ist nur das, wo der Penis reingesteckt wird. Das hat aber nichts mit weiblicher Lust zu tun. Es ist schwer, so etwas wieder zu verlernen, wenn man es schon in der Schule so vermittelt bekommt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Ihr Gynbuch ist eine Einladung, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Wo sehen Sie – abgesehen von der Rolle der Klitoris – Informationsdefizite? </strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Neben der Informationslücke zur weiblichen Anatomie gibt es zu wenig Wissen zu allem, was den Zyklus betrifft. Es wird uns Frauen vermittelt, dass die Menstruation und alles, was dazu gehört, etwas Privates sei. Das ist aber nichts Privates, der Zyklus ist die Basis unserer Gesellschaft. Ohne ihn wären wir alle nicht geboren worden. Deswegen müssen wir uns als Gesellschaft damit beschäftigen. Wir fürchten uns vor starken Frauen, weil sie eine existenzielle Bedrohung für Männer sind, die lange Zeit die Stärkeren waren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Zum Thema Zyklus gehört auch das Prämenstruelle Syndrom (PMS), das oft als etwas Negatives und Störendes betrachtet wird. Welche Herangehensweise wählen Sie? </strong><strong>&nbsp;</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Manche Menschen haben schweres PMS, das nennt man dann PMDS, also Prämenstruelle dysphorische Störung, weil es eine richtige Störung des Hormonhaushaltes ist. Das betrifft nur wenige Frauen, weniger als fünf Prozent. Es gibt aber viele, denen suggeriert wird, sie hätten PMS und das vielleicht auch selbst über sich sagen würden. Das ist stark kulturell gefärbt. PMS heißt ja, dass man in der zweiten Zyklusphase körperlich und auch mental schlechter aufgestellt ist. Körperlich sollte man in dieser zweiten Zyklusphase ein stetes Leben führen, dann geht es besser.<br>Als Referenz setzen wir die erste Zyklusphase an, die suggeriert, dass die Frau immer happy und nett ist und dass es nicht richtig ist, wenn sie schlecht drauf ist. Dabei fragt man sich: Sollten wir uns das als Frauen gefallen lassen? Oder können wir einen anderen Blick auf das Thema werfen?</p>

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<p><strong>Wir sollten uns von der Idee emanzipieren, Fröhlichkeit und Gefälligkeit als Normalzustand zu sehen? </strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Genau. Ich finde diese ganze Debatte krass, denn die ganzen Gefängnisse sind voller Männer. Und die Gesellschaft zeigt auf die Frauen und ihren Zyklus und sagt: „Puh, du nervst, du hast deine Tage oder PMS.“ Das ist so absurd, weil es überhaupt gar kein reales Problem ist.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie sieht es mit den Wechseljahren aus? Herrscht eine realistische Vorstellung davon, was diese Lebensphase bedeutet?</strong><strong>&nbsp;</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eher nicht. Wechseljahre werden entweder ausgeblendet oder sie sind mit Schrecken behaftet. Dieser Schrecken lässt sich nehmen, indem man viel darüber spricht und sich auf die Fakten konzentriert. Ist es wirklich so, dass sich da etwas an der Lebensqualität ändert – oder nicht? Je weniger stigmatisierend wir mit Frauenthemen umgehen, desto mehr merken wir, dass wir damit nicht alleine sind. Deshalb hatte ich auch das Gefühl, es wäre meine Pflicht, das Gynbuch zu schreiben. Ich wollte, dass es Frauen stärkt und ihnen Kraft gibt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Je weniger stigmatisierend wir mit Frauenthemen umgehen, desto mehr merken wir, dass wir damit nicht alleine sind. Deshalb hatte ich auch das Gefühl, es wäre meine Pflicht, das Gynbuch zu schreiben.</p>

              </div>
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<cite>Mandy Mangler</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Mit Ihrem Buch und dem Podcast laden Sie dazu ein, sich mit weiblicher Sexualität auseinanderzusetzen.</strong><strong> Warum ist das Thema in unserer Gesellschaft immer noch so schambehaftet?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich glaube, das hat verschiedene Gründe. Die sexuell selbstbestimmte Frau ist eine massive Bedrohung für patriarchale Strukturen, weil sie „ja“ oder „nein“ sagt zu Sexualität, Sexualpartner*innen und Fortpflanzung. Das will man eigentlich nicht. Man will eine sexuell verfügbare Frau. Deswegen gibt es schon seit Jahrhunderten Strukturen, die die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen unterbinden. Heute noch werden Frauen in weiten Teilen der Welt abgewertet, wenn sie Sex haben. Je mehr Sexualpartner*innen, desto weniger wert ist eine Frau – bei Männern ist es umgekehrt. Das ist nicht gerecht.&nbsp;Wir tun gut daran, Frauen zuzugestehen, dass sie selbstbestimmt mit ihrem Leben und ihrer Sexualität umgehen können.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Auch für Frauen mit HIV sind Sexualität und Reproduktion wichtige Themen. Kürzlich etwa </strong><strong>wurden die Leitlinien zu Schwangerschaft und HIV überarbeitet. In welchen Bereichen sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Frauen und HIV sowie andere sexuelle übertragbare Erkrankungen ist ein Thema, auf das man die Aufmerksamkeit stärker lenken sollte. <a href="https://magazin.hiv/magazin/hiv_schwangerschaft_neue_leitlinie/">Frauen mit HIV </a>werden oft stigmatisiert. Es gibt Studien dazu, dass sie sogar von medizinischem Personal seltener angefasst werden. Da können wir noch viel tun.&nbsp;Es wird nicht genug daran gedacht, dass HIV bei Frauen auftritt, wie sie damit umgehen und wie man sie mit dieser Veränderung stärken kann.&nbsp;</p>

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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich denke, wir müssen auch mehr über das Thema Verhütungsmittel für Frauen sprechen. Denn ein Problem ist die mangelnde Verwendung von Kondomen, was auch mit dieser Idee von der sexuell verfügbaren Frau zusammenhängt. <a href="https://www.aidshilfe.de/de/femidome-schuetzen">Frauenkondome [Femidome] </a>werden in Europa noch gar nicht so oft genutzt, aber sie sind eine interessante Möglichkeit, zu verhüten und sich vor der Übertragung von Krankheiten zu schützen. Außerdem wird dadurch das weibliche Mikrobiom in der Vagina und Vulva nicht gestört, das ist eine gute Sache.&nbsp;</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Sie sagen, weibliche Selbstbestimmung werde als Bedrohung für patriarchale Strukturen wahrgenommen. Nun haben „starke Männer“ international gerade sehr viel Einfluss. In vielen Ländern und gesellschaftlichen Bereichen zeigt sich ein konservativer Backlash. Beobachten Sie das auch in der Medizin?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Leider ja, zum Beispiel bei der Besetzung von Kongressen. Noch vor drei Jahren hat man sich ein bisschen geschämt, wenn fast nur Männer als Sprecher eingeladen wurden. Das ist alles viel schamloser geworden. Man wird sogar angefeindet, wenn man einen geschlechtergerechten Blick auf die Gynäkologie einfordert.&nbsp;</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es herrscht wieder dieses Bild von Frauen, die ein bisschen stark, aber dabei schön unterwürfig und lenkbar sind. Hinzu kommen diese bizarre Abwertung von Gender-Medizin und von Menschen, die nicht binär sind, sowie dieses starre Festhalten an den Polen „Mann“ und „Frau“. Dabei ist es doch völlig egal, welches Organ du zwischen deinen Beinen hast. Du bist halt ein Mensch und wir sollten uns als Menschen betrachten und gerecht miteinander umgehen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hinzu kommen diese bizarre Abwertung von Gender-Medizin und von Menschen, die nicht binär sind, sowie dieses starre Festhalten an den Polen „Mann“ und „Frau“. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Mandy Mangler</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Trans und nicht-binäre Personen berichten immer wieder von schlechten Erfahrungen im Gesundheitswesen. Inwiefern werden inzwischen in der Gynäkologie Bedarfe von Menschen berücksichtigt, die keine weibliche Geschlechtsidentität haben?</strong></p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das kommt drauf an. Es gibt gynäkologische Praxen, die sich darauf spezialisiert haben und wissen: Wenn man jemanden im Wartezimmer mit „Frau Müller“ aufruft, hat man damit eine nicht-binäre Person nicht gesehen. Das kann man lösen, indem man den Vor- und Nachnamen nutzt oder fragt: „Wie möchten Sie angesprochen werden?“. Ich empfinde es so, dass die Mehrzahl der Gynäkolog*innen progressiv, geschlechtergerecht und feministisch eingestellt ist und Debatten um Schwangerschaftsabbrüche und Transidentität gut durchdrungen hat. Ich habe aber den Eindruck, dass die Menschen, die in Entscheidungspositionen sitzen, zum Beispiel im Berufsverband, das noch nicht verinnerlicht haben oder ablehnen. Wörter wie „Frauenarzt“ werden dort als gerecht empfunden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welche Möglichkeiten gibt es, sich in dieser Situation für eine feministischere Gynäkologie einzusetzen?&nbsp;</strong></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es gibt tolle und starke Netzwerke wie den <a href="https://www.aerztinnenbund.de/">Deutschen Ärztinnenbund</a>, den <a href="https://www.arbeitskreis-frauengesundheit.de/">Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF)</a>, <a href="https://chirurginnen.com/">Die Chirurginnen</a>, die <a href="https://spitzenfrauengesundheit.de/">Spitzenfrauen Gesundheit</a> und <a href="https://www.healthcare-frauen.de/">Healthcare Frauen</a>. Diese Vereinigungen kümmern sich darum, dass in der Medizin Geschlechtergerechtigkeit einzieht. Aber es gibt auch ganz viele Strukturen, die noch sehr rückwärtsgewandt sind.&nbsp;Wir werden ganz oft von radikalisierten Minderheiten bestimmt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zu-frauengesundheit">Mehr zu Frauengesundheit</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="iTfqInMRoz"><a href="https://magazin.hiv/magazin/hiv_schwangerschaft_neue_leitlinie/">„Die neue Leitlinie stärkt die Autonomie von Schwangeren mit HIV“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Die neue Leitlinie stärkt die Autonomie von Schwangeren mit HIV“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/hiv_schwangerschaft_neue_leitlinie/embed/#?secret=F0car608xj#?secret=iTfqInMRoz" data-secret="iTfqInMRoz" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="L9jf3khKHB"><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/prep/frauen-haben-kaum-zugang-zur-prep/">Frauen haben kaum Zugang zur PrEP: Ein Gespräch zum feministischen Kampftag</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Frauen haben kaum Zugang zur PrEP: Ein Gespräch zum feministischen Kampftag&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/prep/frauen-haben-kaum-zugang-zur-prep/embed/#?secret=8rPANCgxdi#?secret=L9jf3khKHB" data-secret="L9jf3khKHB" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Angst vor Abschiebung: „Ein Gefühl, mit dem ich leben muss“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 14:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Global]]></category>
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					<description><![CDATA[Mary kam vor vier Jahren aus Kenia, um Asyl zu beantragen. Ständig fürchtet sie, abgeschoben zu werden. Kraft gibt ihr das Engagement für Women in Exile, einer Peer-to-Peer-Initiative, bei der Geflüchtete andere unterstützen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><strong>Mary kam vor vier Jahren aus Kenia nach Deutschland, um Asyl zu beantragen. Zurück ließ sie ihre Zwillinge, die inzwischen zwölf sind. Sie ist geduldet und fürchtet, jederzeit abgeschoben werden zu können. Kraft gibt ihr in dieser unsicheren Situation ihr Engagement für W<a href="https://magazin.hiv/magazin/gefluechtete-frauen-women-in-exile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">omen in Exile</a>, einer Peer-to-Peer-Initiative, bei der Geflüchtete andere unterstützen. In Unterkünften haben Frauen mit Problemen wie sexualisierter Gewalt, fehlender Privatsphäre und mangelnder Hygiene zu kämpfen.</strong></p>

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<h2 class="wp-block-heading">Kein Termin, kein Geld</h2>

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<p>Einmal im Monat muss Mary zur Ausländerbehörde, um ihre Duldungsbescheinigung zu verlängern. Jedes Mal hat sie Angst. Geduldet zu sein heißt, dass die Abschiebung temporär ausgesetzt ist – für einen Zeitraum, den noch niemand kennt. Für die 40-Jährige bedeutet das, in einem Zustand ständiger Unsicherheit zu leben. „Vielleicht ist das nächste, was andere Leute von mir hören werden, dass ich in Kenia bin“, sagt Mary, die eigentlich anders heißt. Ihren echten Namen möchte sie nicht öffentlich nennen, solange ihr Asylverfahren noch in der Schwebe ist. Bis dahin verfolge sie die Angst, abgeschoben werden zu können. „Das ist ein Gefühl, mit dem ich leben muss.“</p>

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<p>Als sie das letzte Mal die Räume der Behörde in der kleinen brandenburgischen Stadt betrat, beobachtete sie, wie eine Frau in Tränen ausbrach. „Sie sagte, dass sie Medikamente kaufen müsse.“ Allerdings bekam sie ihre Sozialleistungen nicht ausgezahlt, weil sie ihren Aufenthalt nicht rechtzeitig verlängert hatte. „Aber es ist ein Albtraum, online einen Termin zu vereinbaren. Es heißt dauernd, dass alles ausgebucht ist.“ Ein Dilemma. Denn ohne Verlängerung gibt es kein Geld.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Immer wieder haben sie mich zur kenianischen Botschaft geschickt, aber die stellen keine Dokumente aus. Zur Strafe wurde mir das Geld gekürzt.</p></blockquote>

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<p>Mary hat kein Verständnis für diese Situation. „Es ist nicht unsere Schuld, dass es keine Termine gibt. Ich weiß nicht, was die glauben, wovon wir leben.“ Sie selbst bekomme 200 Euro im Monat. Davon muss sie Essen kaufen, Kleidung, Fahrkarten – alles, was sie zum Leben braucht. Eigentlich würde sie das Doppelte bekommen. Aber ihre Leistungen seien gekürzt worden, weil sie keinen Pass vorweisen könne. „Immer wieder haben sie mich zur kenianischen Botschaft geschickt, aber die stellen keine Dokumente aus. Zur Strafe wurde mir das Geld gekürzt.“</p>

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<p>Vor vier Jahren ist Mary nach Deutschland gekommen. „Es gibt in Kenia Dinge, die nicht erlaubt sind“, sagt Mary – ohne ins Detail zu gehen. Sie sei damals in Gefahr gewesen. Eine Deutsche habe ihr erzählt, dass sie in Deutschland sicher sein würde. So entschied Mary, herzukommen. Doch die Sicherheit, die sie sich dringend wünscht, hat sie bisher nicht gefunden.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Women in Exile: Geflüchtete stärken sich gegenseitig</h2>

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<p>Mary nippt an einem Becher mit Kakao. Sie sitzt in einem Café an der Hermannstraße in Berlin-Neukölln, nahe des Berliner Büros von <a href="https://www.women-in-exile.net/">Women in Exile</a>. Seit drei Jahren engagiert sie sich für die 2002 von geflüchteten Frauen gegründete Initiative, die ihren Hauptsitz in Potsdam hat. Women in Exile verfolgt dabei einen Peer-to-Peer-Ansatz: Geflüchtete Frauen, die schon länger in Deutschland leben, unterstützen andere. Sie organisieren Workshops und Treffen, bei denen sie mehr über Rechte erfahren und sich gegenseitig stärken können.&nbsp;</p>

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<p>Regelmäßig besuchen Mitglieder von Women in Exile Unterkünfte für Asylbewerber*innen, machen sich ein Bild von der Unterbringung und den hygienischen Verhältnisse, berichten dort lebenden Frauen von ihren Angeboten. So kam auch Mary, die in einer Unterkunft im Landkreis Dahme-Spreewald wohnt, zu Women in Exile.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Familienzusammenführung abgelehnt</h2>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Vor einigen Monaten hätte ich nicht so hier sitzen und so sprechen können, wie ich es gerade tue.</p></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In Kenia hat Mary eine Schule für Kommunikation besucht und danach in einer Apotheke als Verkäuferin gearbeitet. Später hat sie Kuchen gebacken und auf der Straße verkauft. „Dort muss man irgendwie überleben. Man probiert eine Menge aus. Wenn das eine nicht funktioniert, macht man etwas anderes.“ Gerne würde sie das auch in Deutschland tun: lernen, arbeiten, sich selbst finanzieren. „Dann könnten wir ganz normal unsere Rechnungen zahlen. Aber stattdessen sind wir an einem Ort eingesperrt, dürfen nicht produktiv sein und können nichts tun“, sagt sie. Denn ohne besondere Erlaubnis dürfen Geduldete in Deutschland nicht arbeiten. Auch ihren Landkreis dürfte Mary ohne Genehmigung nicht verlassen. Trotzdem fährt sie regelmäßig nach Berlin, um an den Treffen von Women in Exile teilzunehmen. Sie brauche etwas zu tun, sagt sie. Ihr Engagement gebe ihr Kraft. „Vor einigen Monaten hätte ich nicht so hier sitzen und so sprechen können, wie ich es gerade tue.“</p>

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<p>Was es für sie bedeuten würde, zurück nach Kenia zu gehen? „Ich weiß, dass ich dort nicht sicher bin. Keine Ahnung, was die Leute tun werden, die mir das Leben schwergemacht haben und mich bestrafen wollten.“ Was genau passiert ist, erzählt Mary nicht. Aber es führte dazu, dass sie für eine ungewisse Zukunft flüchtete und ihre beiden Töchter in Kenia zurückließ. Die Zwillinge waren damals neun Jahre alt. Zu jung, um zu verstehen, was vor sich ging. „Die Situation ist sehr schwierig“, sagt Mary. Irgendwann, wenn sie älter sind, wolle sie den beiden alles erklären. Häufig telefoniert Mary mit ihren Töchtern, die bei der Großmutter leben. Dann stellen die beiden Fragen: „Wann kommst du zurück? Wann können wir zu dir?“ Eine Antwort auf diese Fragen hat Mary nicht. Ihre Anträge auf Familienzusammenführung wurden abgelehnt.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Geschlechtsspezifische Verfolgung selten anerkannt</h2>

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<p>Frauen suchen aus verschiedenen Gründen Asyl in Deutschland. Neben Kriegen, Vertreibungen und Umweltkatastrophen gibt es auch geschlechtsspezifische wie patriarchale Unterdrückung. „Viele Frauen kommen, weil in einigen afrikanischen Ländern homosexuelle Beziehungen verboten sind“, sagt Mary. Selbst, wenn Beziehungen zwischen Frauen offiziell legal seien, sei es mitunter schwer – oder sogar lebensgefährlich. „Gesellschaftlich wirst du deshalb noch nicht unbedingt akzeptiert. Es kann passieren, dass man deshalb ermordet wird.“</p>

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<p>Ein anderer Grund sind weibliche Beschneidungen und Genitalverstümmlungen, die beispielsweise in Somalia, Guinea und Djibouti, aber auch in anderen Ländern praktiziert werden. „Das hat schlimme Auswirkungen auf den Körper und die Psyche“, sagt Mary.</p>

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<p>2023 haben in Deutschland laut Pro Asyl knapp 94.000 Frauen und Mädchen um Asyl gebeten. Mehr als 22.000 von ihnen kamen aus Syrien, rund 20.000 aus der Türkei und mehr als 9.000 aus Afghanistan. „Sie flüchten aus Herkunftsländern, in denen oft seit langer Zeit Gewalt und Willkür herrschen, und aus Staaten, die sie nicht vor frauenverachtenden Übergriffen und Attacken schützen“, teilte die Organisation in einer Mitteilung zum Internationalen Frauentag mit. Darin forderte sie Bund und Länder auf, geflüchtete Frauen besser zu schützen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading">Sammelunterkünfte ohne Gewaltschutzkonzepte</h2>

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<p>Denn Frauen, die im Heimatland und auf der Flucht bereits sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, sind auch am vermeintlichen Ziel der Reise nicht unbedingt sicher. In Gemeinschaftsunterkünften würden Frauen nicht ausreichend vor Gewalt geschützt – und die Asyl-Anerkennungspraxis des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge erkenne geschlechtsspezifische Verfolgung in den Herkunftsländern zu wenig an, kritisiert Pro Asyl.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Sogar die Badezimmer waren gemischt. Die Männer hatten Zugang zu unseren Zimmern, wir konnten nicht abschließen. Das war sehr beängstigend.</p></blockquote>

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<p>In den Unterkünften träfen Frauen, die Gewalterfahrung gemacht haben, auf Männer, die sie als Bedrohung empfinden könnten. In vielen Sammelunterkünften fehlten Gewaltschutzkonzepte. „Noch immer ist es keine Seltenheit, dass Toiletten, Duschen oder Schlafräume in Flüchtlingsunterkünften nicht abschließbar sind. Frauen, die bereits an Körper und Seele schwere Verletzungen erlitten haben, werden so zusätzlich geängstigt und strukturell der Gefahr weiterer Gewalt ausgesetzt“, kritisiert Pro Asyl.</p>

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<p>Das entspricht auch Marys Erfahrungen. Ihre erste Station in Deutschland war die Erstaufnahmeeinrichtung im Brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Nur die Schlafräume seien für Frauen und Männer getrennt gewesen. „Sogar die Badezimmer waren gemischt. Die Männer hatten Zugang zu unseren Zimmern, wir konnten nicht abschließen. Das war für uns sehr beängstigend“, erzählt Mary. Auch die hygienische Situation sei damals –&nbsp;mitten in der Coronapandemie –&nbsp;schlecht gewesen. „Man hat uns dermaßen vernachlässigt hat, dass wir irgendwann keine Hygieneprodukte mehr hatten und Stoffstücke aus unserer Kleidung schneiden mussten, um sie als Binden zu verwenden.“</p>

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<p>Sechs bis acht Frauen aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen, Religionen, Kulturen und politischen Ansichten zusammen in einem Zimmer. „Aufenthaltsräume gab es keine, deswegen sind wir meistens draußen rumgelaufen, um miteinander zu reden“, erzählt Mary. Während der Pandemie habe sie sich gefühlt wie in einem Gefängnis.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Viele geflüchtete Frauen seien in einem schlechten psychischen Zustand, einige auch suizidgefährdet. Die gesundheitliche und psychosoziale Versorgung aber reiche nicht aus. Erst kürzlich wurde der Zeitraum, in dem Asylsuchende einen eingeschränkten Zugang zum regulären Gesundheitssystem haben, von 18 auf 36 Monate verlängert. Behandelt werden unter anderem akute Schmerzzustände. Auch die Versorgung bei Schwangerschaft und Geburt sowie Impfungen sollen gewährleistet sein. Ein großes Problem aber seien sprachliche Hürden, berichtet Mary.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Manche Leute sagen auf der Straße zu uns: Geh zurück in dein Land.</p></blockquote>

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<p>Inzwischen lebt sie in einer Unterkunft im Landkreis Dahme-Spreewald. „Es ist ein altes Gebäude irgendwo mitten im Wald. Vor allem für Frauen und Kinder ist das ein schlechter Ort, weil er so vernachlässigt ist.“ Manchmal bringe tagelang niemand den Müll aus der Küche, obwohl es dafür zuständiges Personal gebe. „Der Gestank ist fürchterlich.“ Der Bus, den fast ausschließlich Geflüchtete nutzen, fahre nur selten und biete wenig Platz für Kinderwagen. Manchmal können deshalb nicht alle mitfahren und müssen warten, bis der nächste Bus kommt. Eine unangenehme Situation, sagt Mary. „Wenn du den Bus verpasst, hast du Angst, weil du dich nicht sicher fühlst. Manche Leute sagen auf der Straße zu uns: Geh zurück in dein Land.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ginge es nach Women in Exile, würden geflüchtete Frauen nicht mehr an solchen abgelegenen Orten untergebracht. Es gäbe für sie überhaupt keine Unterkünfte mehr. Denn die Initiative fordert die „Abschaffung aller Lager für Frauen und Kinder“. Stattdessen solle angemessener Wohnraum vermittelt werden, sagt Mary. Ob die Demonstrationen von Women in Exile, die politische und Medienarbeit etwas bringen wird, weiß Mary nicht. Aber sie macht weiter – und arbeitet dafür, dass sich ihre eigene und die Situation anderer geflüchteter Frauen verbessern wird. „Ich kenne mein Schicksal nicht. Aber ich hoffe auf ein besseres Morgen.“</p>

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    </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-uber-women-in-exile">Mehr über Women in Exile</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="lPRcw3otgI"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gefluechtete-frauen-women-in-exile/">„Wir helfen anderen Frauen, damit sie nicht das Gleiche durchmachen müssen“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Wir helfen anderen Frauen, damit sie nicht das Gleiche durchmachen müssen“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gefluechtete-frauen-women-in-exile/embed/#?secret=jPF4Ppe3GC#?secret=lPRcw3otgI" data-secret="lPRcw3otgI" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>„Wir helfen anderen Frauen, damit sie nicht das Gleiche durchmachen müssen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 18:12:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauentag]]></category>
		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Frauentag]]></category>
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					<description><![CDATA[Geflüchtete Frauen werden mehrfach diskriminiert, sagt Madeleine Mawamba. Seit neun Jahren engagiert sie sich für „Women in Exile“. In der Organisation unterstützen sich Frauen mit Fluchterfahrung gegenseitig.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><strong>Geflüchtete Frauen werden mehrfach diskriminiert, sagt Madeleine Mawamba. Seit neun Jahren engagiert sie sich für „Women in Exile“. In der Organisation unterstützen sich Frauen mit Fluchterfahrung gegenseitig. Zum Feministischen Kampftag planen sie eine Demonstration in Potsdam.</strong></p>

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<p><strong>Für den 8. März hat Women in Exile zu einer Demonstration in Potsdam aufgerufen. Worum geht es?</strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für mich ist der Internationale Frauentag ein Tag, an dem wir für unsere Rechte demonstrieren und gegen Diskriminierung kämpfen. <a href="https://www.women-in-exile.net/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Women in Exile </a>organisiert an diesem Tag eine Demonstration in Potsdam, bei der es um den zunehmenden Rassismus in Deutschland und die Bedrohung des Asylrechts geht. Außerdem fordern wir Gerechtigkeit für <a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-12/fluechtlingsheim-hohenleipisch-kenianerin-rita-ojunge-mord-rassismus-asylpolitik" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rita, eine geflüchtete Frau aus Kenia, die in einem Heim im brandenburgischen Hohenleipisch lebte und 2019 kaltblütig ermordet wurde.</a> Sie lebte dort mit ihren beiden Kindern. Eines schönen Morgens wurde sie vermisst. Erst Monate später fand man ihren verbrannten Körper. Das ist erbärmlich: Bald sind fünf Jahre vergangen und der Fall ist immer noch nicht aufgeklärt. Die Justiz hat zuerst sogar gesagt, dass sie gar nicht getötet wurde. Wir fordern bis heute Gerechtigkeit für Rita und planen auch für den 7. April noch eine Demonstration.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was sagt das Schicksal von Rita über die Situation von Geflüchteten in Deutschland aus?</strong><strong></strong></p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wenn es eine deutsche, weiße oder europäische Person gewesen wäre, die getötet wurde, würde man den Fall besser untersuchen. Weil sie eine Geflüchtete war, interessiert es die Leute merkwürdigerweise nicht. Das ist Diskriminierung.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im Allgemeinen ist die Lage von Geflüchteten in Deutschland prekär. Sie sind nicht sicher und leben in Angst – auch wegen all der diskriminierenden Gesetze und der Politik der AfD. Alle Menschen in ihre Heimat zurückzuschicken, ist keine Lösung. Wenn die Politik scheitert, soll sie das nicht auf die Geflüchteten schieben.&nbsp;</p>

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			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Wir setzen uns speziell für Frauen ein, weil wir erleben, dass sie einsam, isoliert und in die Enge getrieben sind. Sie werden in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität, ihre Herkunft und ihre Religion diskriminiert. Häufig haben sie Kinder, um die sie sich kümmern müssen.</p><cite>Madeleine Mawamba, Women in Exile</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Women in Exile gibt geflüchteten Frauen in Deutschland eine Stimme. Warum ist das wichtig? Was macht die Situation von weiblichen Geflüchteten besonders?</strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir setzen uns speziell für Frauen ein, weil wir erleben, dass sie einsam, isoliert und in die Enge getrieben sind. Sie werden in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität, ihre Herkunft und ihre Religion diskriminiert. Häufig haben sie Kinder, um die sie sich kümmern müssen. Das ist in der Situation, in der sie sich befinden, nicht einfach. Sie brauchen Unterstützung. Man muss bei ihnen sein und ihnen ermöglichen, ihre Rechte zu verstehen. Wir helfen dabei, gute Rechtsanwält*innen und Berater*innen zu finden. Denn die geflüchteten Frauen sind in Deutschland mit Erfahrungen von Rassismus, Gewalt und Diskriminierung konfrontiert. Wir setzen uns für sie ein, weil wir das alles selbst durchgemacht haben. Wir haben die Erfahrung gesammelt, wie es ist, hier anzukommen und uns in die Gesellschaft zu integrieren. Wir wollen ein Safe Space sein und den Frauen dabei helfen, sich auszudrücken.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welche Erfahrungen haben Sie selbst als geflüchtete Frau in Deutschland gemacht?</strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich kann sagen, dass Integration sehr wichtig ist. Das bedeutet vor allem, die Sprache zu lernen. Denn wenn man hier ankommt, kennt man niemanden. Die Sprache ist eine Barriere, die man durchbrechen muss. Dafür braucht es Unterricht. Aber in Deutschland gibt es zwei Arten von Geflüchteten. Die einen sind privilegiert, das sind die „guten Geflüchteten“. Sie können zur Schule gehen, sich weiterbilden, arbeiten. „Schlechte Geflüchtete“ dürfen nicht zur Schule gehen. Es hat keinen Sinn, sie fortzubilden, weil sie auf die Abschiebung warten. Wir hatten damals das Glück, dass Women in Exile Adressen von kostenlosen Schulen hatte, zu denen wir gegangen sind, um Deutsch zu lernen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie sind Sie Aktivistin geworden?</strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Mitglieder von Women in Exile sind damals in das Lager gekommen, in dem ich lebte. Wir besuchen Heime und gucken uns zum Beispiel die Küchen und Toiletten an – um zu sehen, wie die Frauen behandelt werden. Wir sammeln Informationen und Kontakte von Frauen, erklären ihnen, wie wir arbeiten, und laden sie zu unseren Treffen ein. Auf diese Weise bin auch ich zu einem Workshop gegangen, bei dem jede Teilnehmerin über ihre Probleme gesprochen hat. Women in Exile hat mir einen guten Anwalt für Asylrecht empfohlen. Damals habe ich gesagt: Ich will selbst etwas tun und meine Erfahrungen weitergeben. Seitdem bin ich Teil der Gruppe. Das war vor neun Jahren.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie genau arbeitet Women in Exile? </strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Seit 2002 kämpfen wir gemeinsam für unsere Rechte. Wir sind eine ziemlich große Gruppe, die nicht nur aus Geflüchteten besteht. Wir haben auch europäische Freundinnen, die mit uns arbeiten und solidarisch sind. Ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen in verschiedenen Lagern und der Behandlung, die wir erlitten haben, wollen wir anderen Frauen helfen, damit sie nicht das Gleiche durchmachen müssen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir haben unseren Sitz in Potsdam und haben auch in Berlin ein Büro. Sechs Personen arbeiten an Projekten, die wir entwickeln, um geflüchtete Frauen zu unterstützen. Ihre Arbeit wird von Spenden und mithilfe von Stiftungen finanziert. Zweimal pro Monat treffen wir uns in einem Kreis von mehr als 30 Aktivistinnen. Es gibt auch viele Ehrenamtliche. In unserer WhatsApp-Gruppe sind über 200 Frauen. Dort teilen wir Informationen über Seminare, Workshops und auch zu Gesundheitsthemen. Jeden ersten Samstag im Monat haben wir ein großes Treffen, zu dem Frauen aus Berlin und Brandenburg kommen. Wir bezahlen ihre Anreise und kümmern und um die Kinderbetreuung während der Treffen.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Was in Afrika heute passiert, hat seinen Ursprung in der Kolonialzeit. Europäer*innen sind zu uns gekommen und haben uns unsere Reichtümer genommen. Und heute sagen sie uns, dass wir nach Hause zurückkehren sollen?</p><cite>Madeleine Mawamba, Women in Exile</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was fordern Sie von der deutschen Politik? </strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir fordern ein Ende der Diskriminierung. Warum gibt es „gute“ und „schlechte“ Geflüchtete? Alle sind gleich, sie alle haben Probleme. Einige fliehen vor Kriegen, andere vor Hunger oder Naturkatastrophen. Warum haben Kriegsflüchtlinge einen privilegierten Status? Sie bekommen sofort Papiere, können arbeiten. Man sollte aufhören, zu unterscheiden. Was in Afrika heute passiert, hat seinen Ursprung in der Kolonialzeit. Europäer*innen sind zu uns gekommen und haben uns unsere Reichtümer genommen. Und heute sagen sie uns, dass wir nach Hause zurückkehren sollen? Diese ganzen diskriminierenden Gesetze bringen nichts. Auch wenn sie uns abschieben, werden die Geflüchteten immer wiederkommen.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie steht es um die gesundheitliche Versorgung? </strong></p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das ist ein großes Problem. Die Situation ist schlimm. Es ist für Geflüchtete sehr schwierig, einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, der oder die sie vernünftig behandelt. Die Mehrheit der Geflüchteten bekommt einfach Paracetamol – egal, welche Beschwerden sie haben. Man wird nicht richtig untersucht. Weil wir so schlecht behandelt werden, haben wir manchmal sogar Angst, ins Krankenhaus zu gehen, wenn wir krank sind. Zum Glück hat Women in Exile Kontakte zu Organisationen wie dem<a href="https://medibueros.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> Medibüro</a> und zur Clearingstelle bei der Stadtmission. Dort wird uns geholfen, Ärzte und Ärztinnen zu finden, die nicht rassistisch sind.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein anderes großes Problem ist, Wohnraum zu finden. Ich habe das selbst erlebt. Wegen deiner Hautfarbe oder deines Namens bekommst du keinen Mietvertrag. Das ist Rassismus. Es gibt auch diese Mafia, bei der man Tausende von Euro zahlen muss, um eine Wohnung zu finden. Wir fordern deshalb, dass es ein Netzwerk für Menschen mit Migrationshintergrund geben sollte, um Wohnungen zu finden – zum Beispiel ein Wohnungsunternehmen, bei dem wir Anträge stellen können.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welche Unterschiede gibt es für Geflüchtete in Städten und auf dem Land? </strong><strong></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es ist ein großer Unterschied. Berlin ist eine sehr große Stadt, in der es viele Ausländer*innen und weniger Rassismus gibt. In kleineren Orten ist es viel schwieriger. Oft gibt es dort Nazis, und auch in den Ausländerbüros ist es anders. Manche sind sehr rassistisch. In einigen Landkreisen darf man nicht einfach nach Berlin fahren, sondern muss sich zuerst eine Erlaubnis holen. Dadurch werden die Geflüchteten kontrolliert, als seien sie Gefangene. Das müssen wir ändern.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>In Deutschland sollen Asylbewerber*innen in Zukunft einen Teil der staatlichen Unterstützung über Bezahlkarten bekommen. Was halten Sie davon? </strong><strong></strong></p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, jetzt gibt es diese Geschichte mit der Bezahlkarte, die eingeführt werden soll. Früher gab es Gutscheine. Dagegen haben wir gekämpft. Und jetzt kommen sie auf diese Weise wieder zurück. Das ist keine Lösung, sondern ein Scheinproblem. Die Schwierigkeiten liegen nicht bei den Sozialleistungen. Geflüchtete wollen Arbeit, sie wollen sich integrieren.</p>

              </div>
    </div>
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			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Das ‚Rückführungsverbesserungsgesetz‘ ist von Grund auf rassistisch und diskriminiert Geflüchtete.</p><cite>Madeleine Mawamba, Women in Exile</cite></blockquote>

        </div>
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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was sagen Sie zu dem „Rückführungsverbesserungsgesetz“ für Geflüchtete, das im Januar beschlossen wurde? Damit werden unter anderem erweiterte Durchsuchungsm</strong><strong>ö</strong><strong>glichkeiten und eine Ausdehnung des Ausreisegewahrsams eingeführt.</strong><strong></strong></p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dieses Gesetz ist von Grund auf rassistisch und diskriminiert Geflüchtete. Es wird dann leichter sein, Geflüchtete in ihre Heimatländer zu schicken. Aber es werden immer wieder andere kommen. Das ist ein Zyklus. Was wird das also ändern? Besser wäre zu überlegen, wie man die Geflüchteten empfangen und integrieren kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Auch das europäische Asylrecht wird reformiert. Wer nur geringe Aussicht auf Schutz in der EU hat, wird direkt ein Asylverfahren durchlaufen und im Fall einer Ablehnung direkt zurückkehren müssen. Was bedeutet das für Geflüchtete? </strong><strong></strong></p>

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    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Diese Reform richtet sich gegen Geflüchtete. Es ist kein Gesetz, das Gutes bewirken könnte. Es geht darum, Ausländer*innen zu kriminalisieren. Auf der ganzen Welt gibt es Flüchtlinge, man muss sie gut behandeln. Und das funktioniert nicht, indem man diskriminierende Gesetze schafft. Menschen sollen direkt abgeschoben werden, während sie ankommen? Das hilft niemandem.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was muss sich ändern? </strong> </p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Grenzen sollten geöffnet werden. Es werden dauernd Gesetze geschaffen, um sie zu schließen.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Außerdem fordern wir die Schließung der Lager, weil die Frauen und ihre Kinder in Angst leben und nicht sicher sind. Sie sind isoliert und traumatisiert und haben kein Privatleben, und jeder Mensch hat ein Recht auf ein Privatleben. Sie sind mit Gewalt konfrontiert und einige werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung angegriffen. Konflikte zwischen Frauen und Männern sind an der Tagesordnung. Die Flüchtlinge sind in den verschiedenen Zimmern überbelegt. Manchmal sind fünf oder sechs Flüchtlinge pro Zimmer untergebracht, die verschiedene Nationalitäten und Religionen haben. Die Flüchtlinge leben auf engstem Raum und die Hygiene ist nicht mehr gegeben. Deshalb kämpfen wir dafür, dass alle Lager geschlossen werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.30.7#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p></p><p>Wir sehen viele Menschen, die gegen die AfD auf die Straße gehen, und wir hoffen, dass sich an den Wahlurnen ein ähnliches Bild zeigen wird.</p><cite>Madeleine Mawamba, Women in Exile</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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<p><strong>Women in Exile sitzt in Potsdam, wo im November ein Geheimtreffen stattfand, <a href="https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/10/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bei dem über „Remigration“ debattiert wurde</a>. Driftet Deutschland nach rechts?</strong><strong></strong></p>

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<p>Ich war damals überrascht, davon zu hören. Es ist wirklich traurig, dass die deutsche Politik dabei ist, nach rechts zu driften. Die AfD kämpft eine Schlacht, die sehr rassistisch ist. Das ist schlimm. Ausländer*innen wird immer die Schuld gegeben. Dabei haben wir mit der wirtschaftlichen oder politischen Lage im Land nichts zu tun. Wir fordern, dass der AfD bei den Wahlen Einhalt geboten wird.</p>

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<p>Ich denke, man muss auf die Menschen zugehen und explizit erklären, was da passiert. Dazu braucht es eine fortgeschrittene Kampagne mit einem guten Programm. Man muss Ausländer*innen und viele Organisationen einbinden. Gemeinsam müssen wir eine Barriere gegen rechts bilden. Die Demonstrationen sind ein Zeichen der Hoffnung. Wir sehen viele Menschen, die gegen die AfD auf die Straße gehen, und wir hoffen, dass sich an den Wahlurnen ein ähnliches Bild zeigen wird.</p>

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<p>Die <a href="https://www.women-in-exile.net/allgemein/einladung-zur-8-maerz-demonstration-in-potsdam-von-11-14uhr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Demonstration von „Women in Exile“</a> beginnt am 8. März 2024 um 11 Uhr am Potsdamer Innenministerium, Henning-von-Tresckow-Straße 9–13, und endet gegen 14 Uhr am Potsdamer Landtag.</p>

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<p><strong>Beitrag zum Thema auf magazin.hiv aus dem Jahr 2011:</strong></p>

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<p><a href="https://magazin.hiv/magazin/neuigkeiten/keine-lager-fur-fluchtlingsfrauen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Keine Lager für Flüchtlingsfrauen!“</a></p>

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		<title>Guten Mutes in die Praxis</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/diskriminierung-gesundheitswesen-guten-mutes-in-die-praxis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Mar 2021 10:17:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung im Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Gynformation]]></category>
		<category><![CDATA[medizinische Versorgung]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Roter Stöckelschuh]]></category>
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					<description><![CDATA[Medizinische Untersuchungen sind oft intim und erfordern Vertrauen. Das Portal „Gynformation“, das Label „Roter Stöckelschuh“ und das Gütesiegel „Praxis Vielfalt“ helfen bei der Suche nach sensiblen Ärzt*innen.]]></description>
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        <strong>Medizinische Untersuchungen sind oft intim und erfordern Vertrauen. Das Portal „Gynformation“, das Label „Roter Stöckelschuh“ und das Gütesiegel „Praxis Vielfalt“ helfen bei der Suche nach sensiblen Ärzt*innen.</strong></p>
<p>Als Alicja während ihrer Schwangerschaft plötzlich Blutungen bekam, ging sie sofort in die Frauenklinik. Obwohl es ihr schlecht ging, wurde sie bald wieder nach Hause geschickt. „Ich hätte eigentlich dort bleiben müssen“, sagt sie heute. Der Arzt aber habe damals gesagt: „Das ist für uns zu gefährlich.“ Der Grund: Alicjas HIV-Infektion, von der sie während ihrer Schwangerschaft erfahren hatte.</p>
<h2><strong>Abgewiesen wegen HIV</strong></h2>
<p>In diesem Moment kam einiges zusammen: die Unsicherheit wegen der Diagnose und die Sorge wegen der Blutungen. „Ich hatte Angst, dass ich mein Baby verliere“, erzählt Alicja. Von den Ärzt*innen habe sie sich nicht gut betreut und beraten gefühlt. Im Gegenteil: Sie hatte den Eindruck, dass sie wegen ihrer HIV-Infektion abgelehnt wurde.</p>
<blockquote><p>„Ich habe mich nicht gut aufgehoben gefühlt“</p></blockquote>
<p>Gerade für Personen, die im Alltag häufig Diskriminierungen ausgesetzt sind, kann ein Besuch bei Ärzt*innen ein sensibles und angstbesetztes Thema sein. Auch Linus Giese hat Situationen erlebt, in denen er sich nicht wohlfühlte. Bei einer Berliner Gynäkologin wurde er als „Frau Giese“ aufgerufen – obwohl er an der Rezeption erklärt hatte, dass er Linus heißt und ein trans Mann ist.</p>
<p>„Auf meiner Krankenkassenkarte stand noch mein alter Name“, erzählt er. Die Ärztin habe ihn nicht als Mann wahrgenommen, sondern von einer „Neigung“ gesprochen und direkt nach geplanten Operationen gefragt. „Ich habe mich da nicht gut aufgehoben gefühlt“, erzählt Giese.</p>
<h2><strong>Unterstützung bei der Ärzt*innen-Suche</strong></h2>
<p>Auch Frauen mit Kopftuch, queere Menschen, Drogengebraucher*innen oder Sexarbeiter*innen berichten von unangenehmen Erfahrungen mit medizinischem Personal. Verschiedene Initiativen möchten Menschen deshalb dabei helfen, Ärzt*innen zu finden, bei denen sie sich angenommen und gut beraten fühlen.</p>
<p>Die <a href="https://www.gynformation.de/">Plattform „Gynformation“</a> bietet seit Anfang 2020 die Möglichkeit, nach Gynäkolog*innen, Endokrinolg*innen, Allgemeinmediziner*innen oder Geburtsbegleiter*innen zu suchen – basierend auf persönlichen Empfehlungen. Wer gute Erfahrungen gemacht hat, kann einen Fragebogen ausfüllen, der vom Gynformation-Team, dem Kollektiv für gynäkologische Selbstbestimmung, ausgewertet wird.</p>
<p>Vorbild ist die französische Initiative „Gyn &amp; Co“. „Die kannten einige von uns“, erzählt Nina, die sich in dem Hamburger Kollektiv engagiert. „Als wir darüber sprachen, hat sich relativ schnell herausgestellt, dass es auch hier großen Bedarf gibt“, sagt sie.</p>
<p>Ein ausschlaggebender Punkt war die Debatte in Deutschland um Schwangerschaftsabbrüche und den Paragrafen 219a des Strafgesetzbuchs: Dieser verbietet „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ und führt dazu, dass immer wieder <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/berliner-gynaekologinnen-paragraf-219a-verurteilt">Gynäkolog*innen, die auf ihrer Website über Methoden zum Schwangerschaftsabbruch informieren, angeklagt und verurteilt werden.</a> „Es ist schwierig, gute und übersichtliche Informationen dazu zu finden, wer mit welchen Methoden Abbrüche anbietet“, sagt Nina.</p>
<h2><strong>Diskriminierung im Gesundheitswesen: Es fehlt an Sensibilisierung</strong></h2>
<p>Schwangerschaftsabbrüche sind ein wichtiges Thema des Kollektivs. „Es kann aber auch sein, dass ich mir als Person, die ein Kopftuch trägt, wertende Kommentare anhören muss. Es kann sein, dass ich mich auf sexuell übertragbare Krankheiten untersuchen lasse und mir Kommentare zu meinem Sexualleben anhören muss“, erzählt die Aktivistin.</p>
<blockquote><p>„Jede Person hat einen respektvollen Umgang verdient“</p></blockquote>
<p>„Uns hat angetrieben, dass jede Person – egal welcher Herkunft und welchen Geschlechts – einen respektvollen und unvoreingenommenen Umgang verdient hat, wenn sie in eine gynäkologische Praxis geht.“ In der Ausbildung von Mediziner*innen fehle es häufig an der Sensibilisierung für bestimmte Themen, was jedoch kein spezifisches Problem der Medizin sei. „Natürlich ist das ein Abbild von der Gesellschaft und von gesellschaftlichen Problemen“, sagt Nina.</p>
<h2><strong>Die positiven Erfahrungen weitergeben</strong></h2>
<p>Gleichzeitig machen viele Patient*innen positive Erfahrungen mit einfühlsamen und spezialisierten Ärzt*innen – und genau darum geht es bei Gynformation. „Ziel ist, dass Menschen sich nicht erst durch Zehntausend schreckliche Geschichten klicken müssen, wie das bei Bewertungsplattformen oft der Fall ist“, sagt Nina. Stattdessen kann man nach Suchkriterien filtern und bekommt eine Liste mit Adressen. Darunter stehen Kommentare wie: „Keine Verurteilung bei nicht ,normaler’ Lebensführung und Promiskuitivität. Die Ärztin ist sehr professionell, interessiert und rücksichtsvoll. Kündigt jede Handlung an und erklärt geduldig.“</p>
<p>Die Seite sei derzeit noch in der Beta-Phase, erzählt Nina. Mittlerweile seien etwa 460 Fragebögen ausgefüllt und ausgewertet worden. Da das aktivistische Projekt ehrenamtlich gestemmt wird, seien neue Unterstützer*innen immer willkommen.</p>
<h2><strong>Orientierung für Sexarbeiter*innen</strong></h2>
<p>Auch das Modellprojekt <a href="https://roterstoeckelschuh.de/">„Roter Stöckelschuh“</a> vom Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) möchte mithilfe einer Adressdatenbank Orientierung bieten und Sexarbeitende vor allem dabei unterstützen, respektvolle Ärzt*innen zu finden.</p>
<p><figure id="attachment_1549974" aria-describedby="caption-attachment-1549974" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1549974 size-medium" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg-300x300.jpg 300w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg-150x150.jpg 150w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg-60x60.jpg 60w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg-230x230.jpg 230w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg-200x200.jpg 200w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2021/03/Logo-roterstoeckelschuh_jpeg.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-1549974" class="wp-caption-text">Roter Stöckelschuh (BesD)</figcaption></figure></p>
<p>Schwerpunkt ist derzeit die Stadt Berlin, für die die Suchfunktion die meisten Treffer ergibt. Das Projekt bekommt eine Fehlbedarfsfinanzierung durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in Berlin und eine Förderung vom Verein „Frauen fördern die Gesundheit“ des Deutschen Ärztinnenbundes. Hinzu kommen Spenden und für das Jahr 2021 auch ein Sponsoring eines Online-Shops für Sexarbeiter*innen-Bedarf.</p>
<p>Darüber hinaus ist der Rote Stöckelschuh eine Art Antidiskriminierungs-Label, mit dem ärztliche Praxen gekennzeichnet werden, die Sexarbeiter*innen vorurteilsfrei untersuchen und beraten. Entwickelt wurde es von der Ärztin Dorothee Kimmich-Laux, die bei Ragazza, einer Beratungsstelle für Drogenkonsumentinnen und Sexarbeiterinnen in Hamburg, gynäkologische Sprechstunden anbietet.</p>
<p>Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) im Jahr 2017 stellte sie die Idee vor, bald darauf trugen erste Praxen und Beratungsstellen einen Aufkleber mit einem Roten Stöckelschuh an ihrer Tür.</p>
<blockquote><p>„Viele outen sich nicht, weil sie nicht wissen, wie ihnen begegnet wird“</p></blockquote>
<p>Der Schwerpunkt des Modellprojekts liege vorerst im gynäkologischen Bereich, sagt Maia Ceres, Gesundheitsbeirätin beim BesD und selbst auch Sexarbeiterin. Ziel sei, es aber auch auf andere medizinische Bereiche auszuweiten. Auch sollen Sexarbeitende befragt werden, was sie sich von gynäkologischen Praxen wünschen.</p>
<p>„Viele outen sich bei der Behandlung nicht als Sexarbeitende – weil sie nicht wissen, wie ihnen auf persönlicher Ebene begegnet wird“, erzählt Maia Ceres. Sie selbst habe noch keine negativen Erfahrungen gesammelt – aber auch keine besonders positiven. „Ich habe mich einmal geoutet und gehofft, dass die Ärztin genauer hinschaut. Sie war erst einmal verblüfft, dass so jemand wie ich in der Sexarbeit aktiv ist.“ Eine junge, weiße Studentin, die als Escort arbeitet: Das passt nicht ins Bild, sagt Maia Ceres. „Auch Gynäkolog*innen sind von unterschiedlichen Stereotypen und Vorurteilen geprägt.“</p>
<blockquote><p>„Die Ärztin war verblüfft, dass jemand wie ich in der Sexarbeit aktiv ist“</p></blockquote>
<p>Sie habe das Gefühl, dass in gynäkologischen Praxen teilweise das spezifische Wissen zur Beratung ihrer Berufsgruppe fehlt. Sexuell übertragbare Krankheiten seien oft kein zentrales Thema. Häufig fehlten auch Informationen dazu, wie sich verschiedene Verhütungsmittel auf die Sexarbeit auswirken können. „Wenn beispielsweise die Spirale zu einer stärkeren und längeren Menstruation führt, dann verkürzt sich das Zeitfenster, in dem gearbeitet werden kann. Das hat eine ganz praktische Dimension – vor allem für Sexarbeiter*innen, die sich nicht im Internet einen 100er-Pack Menstruationsschwämme bestellen können.“</p>
<p>Der Rote Stöckelschuh möchte außerdem aktiv mit Ärzt*innen zusammenarbeiten. „Wir wollen Fortbildungen für Mediziner*innen anbieten, die den Wunsch haben, Sexarbeitende akzeptierend zu beraten und zu behandeln“, erzählt Maia Ceres weiter. Eine Vernetzung zwischen Sexarbeitenden und Mediziner*innen sei wichtig, betont sie. „Denn Vorbehalte gibt es auf beiden Seiten.“</p>
<h2><strong>Ein Gütesiegel für Akzeptanz und Sensibilität</strong></h2>
<p>Ähnlich wie das Modellprojekt „Roter Stöckelschuh“ will auch das <a href="https://www.praxis-vielfalt.de/">Gütesiegel „Praxis Vielfalt“</a> der Deutschen Aidshilfe zum Abbau von Vorurteilen und zu mehr Akzeptanz und Sensibilität bei medizinischen Behandlungen beitragen. Im Blick hat das Gütesiegel dabei vor allem den Umgang von Menschen mit HIV sowie LSBTIQ-Personen verschiedener kultureller und sprachlicher Hintergründe.</p>
<blockquote><p>„Man kann sich unangenehme Erfahrungen sparen, wenn es eine Plattform gibt, die vorselektiert“</p></blockquote>
<p>Innerhalb des kostenfreien Zertifizierungsprozesses nehmen Mitarbeiter*innen von Praxen unter anderem an Fortbildungen teil, bei denen sie ihre Diversity-Kompetenzen stärken können. Wenn das Team die Zertifizierung durchlaufen hat, wird das Gütesiegel verliehen. Es bescheinigt die Kompetenz, Menschen mit HIV und LSBTIQ-Personen eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung anzubieten. Wie bei Gynformation und beim Roten Stöckelschuh können Adressen der Praxen auf der Webseite des Projekts abgerufen werden.</p>
<p>Linus Giese, der im Sommer 2020 ein Buch über seine Transition veröffentlicht hat, begrüßt, dass es solche Projekte gibt. „Ich finde das super wertvoll. Es hilft Menschen, die auf der Suche nach sensibilisierten und aufgeklärten Ärzt*innen sind. Man kann sich unangenehme Erfahrungen sparen, wenn es eine Plattform gibt, die ein bisschen vorselektiert.“</p>
<h2><strong>Angst vor unangenehmen Erfahrungen hält vom Besuch bei Ärzt*innen ab</strong></h2>
<p>Dabei geht es nicht nur darum, sich wohlzufühlen – sondern auch darum, ob Menschen überhaupt zum*r Ärzt*in gehen. Ängste und unangenehme Erfahrungen können dazu führen, dass Menschen Arztpraxen fernbleiben. „Mein Endokrinologe hat erzählt, dass viele trans Männer aus Angst, dass sie als Frau angesprochen werden oder dass ihnen übergriffige Fragen gestellt werden, erst gar nicht hingehen“, erzählt Linus Giese.</p>
<p>Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass auch trans Männer zu Frauenärzt*innen gehen. Als Linus Giese einmal auf Twitter über eine schlechte Erfahrung bei einer Gynäkologin berichtete, seien viele Leser*innen erstaunt gewesen. „Selbst, wenn sich trans Männer die Brüste entfernen lassen, haben sie ja oft noch Eierstöcke und Gebärmutter“, erklärt er.</p>
<blockquote><p>„Wichtig ist die Sensibilität dafür, welche Untersuchungen mit Unwohlsein verbunden sind“</p></blockquote>
<p>Wichtig sei bei Praxisbesuchen „die Sensibilität dafür, dass der zu untersuchende Bereich schwierig ist. Und dass es für viele trans Männer mit Unwohlsein verbunden ist, sich zum Beispiel die Brüste anfassen zu lassen“, sagt er. Inzwischen hat er sich eine andere Praxis gesucht, wo er sich besser aufgehoben fühlt.</p>
<p>Auch Alicja hatte nach ihrer Erfahrung während ihrer Schwangerschaft viele positive Erlebnisse mit Ärzt*innen. Wie die Einträge auf Gynformation zeigen, gibt es zahlreiche Mediziner*innen, die sich um einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang bemühen. Die Plattform hilft dabei, sie auch zu finden.
      </p></div>
</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Das „Ja“ als „Ja“ akzeptieren</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/das-ja-als-ja-akzeptieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2020 07:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmte Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<div>
<p class="Text">Für Menschen mit Behinderungen sind die Chancen, Sex und Partnerschaften zu leben, häufig eingeschränkt. Ein Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Themenfeld und versucht, Zugänge zu selbstbestimmter Sexualität zu schaffen.</p>

</div>]]></description>
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        <strong>Der Wunsch nach Zuneigung und Berührungen ist etwas zutiefst Menschliches. Aber nicht jede_r hat dieselben Möglichkeiten, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Für Menschen mit Behinderungen sind die Chancen, Sex und Partnerschaften zu leben, häufig eingeschränkt. Das Forschungsprojekt „Reflexion, Wissen, K</strong><strong>ö</strong><strong>nnen“ (ReWiKs) beschäftigt sich mit dem Themenfeld und versucht, Zugänge zu selbstbestimmter Sexualität zu schaffen. </strong></p>
<p>Erotik und Pornografie scheinen so leicht erreichbar wie nie – spätestens durch die Möglichkeiten des Internets. Nicht für alle Erwachsenen gilt das jedoch in gleichem Maße, wie Christian Franke berichtet. Der Teamleiter der Stiftung Haus Hall in der Stadt Gescher in Nordrhein-Westfalen erzählt von einem Ausflug von Menschen mit geistigen Behinderungen auf die Reeperbahn in Hamburg. In einem Sexshop entschied sich ein Bewohner des Hauses, eine DVD zu kaufen – aber sagte: „Das darf mein Bezugsbetreuer nicht mitbekommen.“</p>
<p>Für Franke ist diese Episode ein typisches Beispiel dafür, wie in vielen Wohneinrichtungen mit dem Thema Sexualität umgegangen wird. Menschen mit Beeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten haben die gleichen Bedürfnisse wie andere auch, tatsächlich aber sind ihre Chancen, Partnerschaften und körperliche Lust zu erleben, häufig eingeschränkt.</p>
<h2>Vorurteile durch Forschung und Aufklärung abbauen</h2>
<p>Ein Grund dafür seien die Mythen, die sich um ihre Sexualität ranken, sagt Sven Jennessen, Professor am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin. Es herrsche etwa die Vorstellung, dass Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen „übersexualisiert“ seien und sich nicht unter Kontrolle hätten.</p>
<p>Die andere, gegenläufige Erzählung besage, dass sie nicht zu Liebe und Partnerschaft fähig seien und keine Eltern werden sollten. „Beide Stränge haben dazu geführt, dass Menschen mit geistiger Behinderung Sexualität abgesprochen wurde“, erklärt Jennessen. Wenn früher körperliche oder sexuelle Beziehungen zum Thema wurden, dann eher unter ihren negativen Aspekten: sexueller Missbrauch oder ungewollte Schwangerschaften.</p>
<blockquote><p>Selbstbestimmt und ohne Kontrolle durch Dritte</p></blockquote>
<p>Mit dieser Problematik beschäftigt sich das <a href="https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/rewiks/">Forschungsprojekt „Reflexion, Wissen, Können“</a> (ReWiKs), an dem Jennessen mitarbeitet. Seit 2014 fördert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) das gemeinsame Projekt der HU Berlin, der Katholischen Hochschule NRW und der Evangelischen Hochschule RWL Bochum, das 2019 in die zweite Runde ging und nun vom Forscherteam der HU Berlin geleitet wird.</p>
<p>Ein Baustein von ReWiKs ist die Erarbeitung eines Medienpaketes für Wohneinrichtungen und Bewohner_innen rund um das Themenfeld Sexualität. Ein weiterer Baustein ist eine Fortbildungsreihe, in der Mitarbeiter_innen zu Lots_innen ausgebildet werden. Der dritte Bestandteil sind sogenannte „Freiräume: Sexualität und ICH“, in denen Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt und ohne Kontrolle durch Dritte über Liebe und Sex sprechen können.</p>
<h2>Wenig Wahlmöglichkeiten durch kleinen Kontaktradius</h2>
<p>Zum ReWiKs-Lotsen hat sich auch Christian Franke ausbilden lassen. Seit 25 Jahren arbeitet er mit Menschen mit Behinderungen in der Eingliederungshilfe – momentan in einer großen Einrichtung, in der von der Kita bis zu Wohngruppen für Erwachsene etwa 2.000 Menschen betreut werden. Er ist zuständig für ein Haus, in dem knapp 30 Menschen zwischen Mitte 30 und Mitte 60 leben – darunter auch zwei Paare.</p>
<blockquote><p>Verbesserungen vollziehen sich nur langsam</p></blockquote>
<p>Die Frage, wie Bewohner_innen eine erfüllte und selbstbestimmte Sexualität ermöglicht werden könne, begleite ihn während seines gesamten Berufslebens, erzählt Franke. „Ich stelle einen großen Unterschied zwischen Menschen fest, die in Betreuung leben, und der ,Normalität‘.“ Denn abseits der Einrichtungen hätten die Bewohner_innen kaum Kontakte. „Wahlmöglichkeiten sind sehr reduziert oder gar nicht vorhanden“, sagt Franke.</p>
<p>Hinzu kämen Einschränkungen seitens der Einrichtungen. Seine Erfahrung: Je größer die kognitiven Beeinträchtigungen und der damit verbundene Hilfsbedarf, desto weniger werde das Bedürfnis nach partnerschaftlicher Sexualität gebilligt. „Es gibt auch Verbesserungen, aber die vollziehen sich sehr langsam“, erzählt der ReWiKs-Lotse. So sei es inzwischen üblich, dass Bewohner_innen Einzelzimmer haben und Männer mit Frauen gemeinsam in Wohngruppen leben. Allerdings sei der Zugang zu DVDs und zum Internet in den meisten Einrichtungen nur eingeschränkt möglich.</p>
<h2>Offenheit von Mitarbeiter_innen besonders wichtig</h2>
<p>Wie offen Bewohner_innen mit ihren Wünschen und der Lust am eigenen Körper umgehen und umgehen dürfen, hänge auch von der Offenheit der Mitarbeiter_innen ab, betont Franke. „Viele haben in den Einrichtungen einen verklemmten Umgang erfahren.“</p>
<p>Das gelte auch für das Thema Selbstbefriedigung, das früher stärker tabuisiert gewesen sei. Doch ebenso wie partnerschaftliche Liebe müsse auch Solo-Sex ermöglicht werden. „Es gibt Bewohner_innen, die das gut mit sich ausmachen können, aber froh über Hilfsmittel sind, die es angenehmer oder leichter machen können.“</p>
<blockquote><p>Hilfsmittel und Unterstützung gewinnen an Bedeutung</p></blockquote>
<p>Auch assistierte Sexualität mit der Unterstützung von Sexualbegleiter_innen sei ein Thema, das in Zukunft an Bedeutung gewinnen werde, berichtet Heike Hinderks, die im Caritas-Wohnhaus im südlich von Münster gelegenen Ascheberg arbeitet. Dort leben 63 Menschen mit geistiger Behinderung und zum Teil zusätzlicher psychischer Beeinträchtigung. Die Heilpädagogin ist Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Sexuelle Bildung“ des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld und hat sich wie Christian Franke zur ReWiKs-Lotsin ausbilden lassen.</p>
<h2>Die eigene Äußerung als Maßstab</h2>
<p>Was Sex mit anderen angeht, sei das wichtigste Kriterium die Einvernehmlichkeit, betont sie. Ein Beispiel, das sie in der Arbeitsgemeinschaft besprochen hat, war, dass zwei Frauen einer Wohngruppe sich gerne treffen und Zärtlichkeiten austauschen. Wenn beide einverstanden sind, sei alles gut, sagt Hinderks. „Solange jemand Zustimmung und Ablehnung äußern kann, sollte man das als Maßstab nehmen.“ Es gelte: „Nein heißt nein“. Genauso aber sei es wichtig vorauszusetzen, dass „Ja“ auch „Ja“ bedeute.</p>
<blockquote><p>Wichtig sind sexualpädagogische Aufklärung und sexuelle Bildung</p></blockquote>
<p>Sexuelle Bildung bedeute auch, die Intim- und Privatsphäre anderer respektieren zu lernen, sagt Heike Hinderks. „Man geht beispielsweise nicht unbekleidet über den Flur und klopft an, wenn man ein fremdes Zimmer betritt.“ Menschen, die seit langem in Wohneinrichtungen lebten, hätten oft eine geringe Hemmschwelle, weil sie selbst kaum Zugang zu sexualpädagogischer Aufklärung hatten, sagt die Heilpädagogin. Auch hätten Bewohner_innen in ihrer Pubertät wenig Chancen, sich mit Gleichaltrigen auszuprobieren.</p>
<h2>Recht auf negative Beziehungserfahrungen</h2>
<p>Sven Jennessen betont, dass jeder Mensch das Recht habe, Beziehungserfahrungen zu machen – auch negative. In dieser Hinsicht seien die Einrichtungen sehr unterschiedlich. Einige seien sehr offen, in anderen würden immer noch Übernachtungen von Partner_innen untersagt oder Partnerschaften verhindert. „Uns hat aber an vielen Stellen erschreckt, wie groß die Fremdbestimmung in den Wohneinrichtungen immer noch ist“, berichtet der Professor.</p>
<p>Die Vorsicht vieler Mitarbeiter_innen entspringe dem Wunsch, Bewohner_innen zu schützen – aus guten Gründen. „Gerade Menschen mit geistiger oder mit komplexer Behinderung sind eine hoch vulnerable Gruppe“, sagt Jennessen. Frauen mit Behinderungen würden viermal häufiger sexuell missbraucht als Frauen ohne Behinderung, berichtet der Pädagogik-Professor. Dabei könne man von einer noch höheren Dunkelziffer ausgehen.</p>
<p>Ein Risikofaktor sei, dass Menschen mit fehlender Lautsprache nicht so über Erlebnisse berichten können, dass es andere verstehen. Gerade wegen dieser Gefahren sei Aufklärung wichtig, betont Jennessen: „Der größte Schutz vor sexualisierter Gewalt ist sexuelle Bildung.“</p>
<h2>Menschen, um die es geht, aktiv einbeziehen</h2>
<p>Neben der Sorge um Bewohner_innen treiben die Mitarbeiter_innen auch rechtliche Unsicherheiten um, berichtet er. Was dürfen sie verbieten? Wofür dürfen sie belangt werden? Was sagen die Angehörigen? Was passiert, wenn zwei Menschen sich ein Kind wünschen? Bei den ReWiKs-Treffen werden solche Belange besprochen.</p>
<p>Ein Kerngedanke des Projektes ist, die Menschen, um die es geht, aktiv einzubeziehen. Die erarbeiteten Materialen sind nicht nur für Mitarbeiter_innen, sondern auch für Bewohner_innen bestimmt. In der Südpfalz wurden außerdem als Pilotprojekt drei „Freiräume: Sexualität und ICH“ eingerichtet. Die Idee ist, dass sich Menschen mit Behinderungen in diesem Rahmen über Liebe, Sexualität und Partnerschaft austauschen können – ohne Beeinflussung und Kontrolle von außen.</p>
<h2>Bewohner_innen treten für eigene Rechte ein</h2>
<p>Die „Freiräume“ zeigen bereits Auswirkungen. Es passiere beispielsweise, dass Bewohner_innen einfordern, über Nacht Besuch empfangen zu dürfen, erzählt Jennessen. „Wir erkennen, was alles in Bewegung gerät. Aber das geht nicht ohne Widerstände“, sagt er. Denn die eigenen Wünsche und Rechte müssen in den Einrichtungen erst einmal durchgesetzt werden.</p>
<blockquote><p>Freiräume für eigene Wünsche und Rechte</p></blockquote>
<p>Auch in Stuttgart, Regensburg, Kassel und Berlin-Brandenburg sollen „Freiräume“ entstehen. Die Vorbereitungen laufen, wegen der Corona-Pandemie werden persönliche Treffen wahrscheinlich erst 2021 möglich sein, berichtet Sven Jennessen.</p>
<p>Was die Lots_innen-Fortbildungen angeht, arbeitet ReWiKs gerade an digitalen Fortbildungsangeboten sowie Erklärvideos und Podcasts. Ab 2021 sollen auch wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden.</p>
<h2>Pandemie wirft Einrichtungen hinter eigene Ansprüche zurück</h2>
<p>Die ausgebildeten Lots_innen treffen sich regelmäßig zu Netzwerktreffen. Sie bringen das Thema sexuelle Selbstbestimmung in die Einrichtungen zurück und sorgen dafür, dass es nicht in Vergessenheit gerät. Leider werfe die Corona-Pandemie die Einrichtungen wieder hinter ihre eigenen Ansprüche zurück, erzählt Heike Hinderks. Aufgrund der Schutzmaßnahmen dürften sich momentan Paare nicht in den Zimmern treffen. Das führe zu Unzufriedenheit – und widerspreche den eigenen Zielen.</p>
<p>Auch sind die Kontaktmöglichkeiten außerhalb der Wohngruppen noch beschränkter als sonst. „Die Corona-Zeit ist schwierig“, sagt Hinderks.</p>
<p>Vom Corona-Rückschlag abgesehen aber gebe es Fortschritte, sagt Christian Franke. Er habe den Eindruck, dass das Thema selbstbestimmte Sexualität in den Einrichtungen immer mehr Beachtung finde und mit größerer Selbstverständlichkeit behandelt werde. „Da ist etwas in Bewegung“, sagt er.</p>
<p><em>Termine der Fortbildungen unter: <a href="https://www.reha.hu-berlin.de/de/lehrgebiete/kbp/forschung/rewiks-1/fortbildungen/fortbildungstermine">www.reha.hu-berlin.de/forschung/rewiks/fortbildungen</a></em>
      </div>
</p></div>
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		<title>Sister Fa: „Ich nutze meine Musik, um Tabus zu brechen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Feb 2020 13:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[FGM/C]]></category>
		<category><![CDATA[Genitalbeschneidung]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Genitalbeschneidung]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Rapperin und Musikerin Fatou Mandiang Diatta alias Sister Fa setzt sich gegen die weibliche Genitalbeschneidung ein, die bis heute nicht nur in ihrer Heimat Senegal weit verbreitet ist.]]></description>
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        <strong>Fatou Mandiang Diatta alias Sister Fa ist eine in Berlin lebende Musikerin und Rapperin. 1982 wurde sie im Senegal geboren. Mit ihrer Musik setzt sie sich gegen die weibliche Genitalbeschneidung ein, die bis heute nicht nur in ihrer Heimat weit verbreitet ist. Regelmäßig organisiert sie Projekte in afrikanischen Communities, um über die Folgen dieser Praxis aufzuklären.</strong></p>
<p><strong>Sie setzen sich gegen Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C) ein. Auf Deutsch wird von weiblicher Genitalbeschneidung oder auch von Genitalverstümmelung gesprochen. Welchen Begriff verwenden Sie? </strong></p>
<p>Ich denke, Beschneidung ist das bessere Wort. Verstümmelung hat eine so negative Bedeutung. Man verstümmelt Menschen, die zum Beispiel in Gefangenschaft sind – Leute, die man nicht liebt. Aber nicht die eigene Tochter. Deshalb passt für mich Beschneidung besser.</p>
<p><strong>Was passiert dabei genau? </strong></p>
<p>Bei mir war es Typ II (Anm. der Red.: Von Typ II spricht man, wenn die äußeren Teile der Klitoris ganz oder teilweise entfernt werden. Auch die inneren und äußeren Schamlippen werden in einigen Fällen abgeschnitten). Wo ich herkomme, ist dieser Typ sehr verbreitet. In Kolda im Süden Senegals ist der Typ III verbreiteter (Anm. der Red.: Entfernung von Klitoris, kleinen und großen Schamlippen und Verengung der Vaginalöffnung durch Zusammennähen).</p>
<blockquote><p>„Die Beschneidung von Frauen ist eine gesellschaftliche Norm – das hat nichts mit Religion zu tun“</p></blockquote>
<p>Wir Mädchen damals waren sehr klein, da waren auch unsere Genitalien noch entsprechend klein. Wenn wir erwachsen werden, werden auch unsere Klitoris und die anderen Organe größer. Als Erwachsene können wird deswegen besser erkennen, was damals passiert ist.</p>
<p><strong>Wie alt waren Sie, als Sie beschnitten wurden?</strong></p>
<p>Ich muss zwischen vier und sechs Jahren alt gewesen sein. Meine Mutter hat das auch mit meiner großen und kleinen Schwester machen lassen. Bei uns ist das ganz normal: Jedes Mädchen muss beschnitten sein. Mir ist es heute nicht mehr peinlich zu sagen, dass ich eine Überlebende bin. Ich sage bewusst nicht, dass ich ein Opfer bin. Wenn ich das sagen würde, würde ich mich klein fühlen. Ich bin eine starke Frau und versuche, mich aus meiner Situation heraus zu engagieren und in meinem Heimatland eine Veränderung herbeizuführen.</p>
<blockquote><p>„Niemand redet darüber – es ist ein Tabu“</p></blockquote>
<p>Ich konnte damals nicht wissen, was meine Mutter genau mit meinem Körper hat machen lassen. Erst als ich im Collège war, habe ich gelernt, wie das eigentlich aussehen müsste. Erst da habe ich verstanden, was die Frauen mit meinem Körper gemacht haben. Niemand redet darüber. Es ist ein Tabu.</p>
<p><strong>Es wird oft gesagt, dass Frauen nach einer Genitalbeschneidung keine sexuelle Lust mehr empfinden können. Ist das wirklich so? </strong></p>
<p>Das kommt auf die Art der Beschneidung an. Bei Typ I ist etwas ganz anderes als bei einer Frau, die nach Typ III beschnitten wurde. Aber Sex genießen zu können und Lust zu empfinden ist ja auch etwas, das im Kopf passiert. Das ist mehr etwas Psychisches als etwas rein Körperliches. Ich war vor der Beschneidung noch ein Kind. Ich weiß deswegen nicht, wie sich Sex eigentlich anfühlen müsste.</p>
<p><strong>Welche Folgen hat die Genitalbeschneidung für Frauen? </strong></p>
<blockquote><p>„Ich habe meiner Mutter danach nicht mehr vertrauen können“</p></blockquote>
<p>Ich erinnere mich an den berührenden Film „<a href="https://www.deutschlandfunk.de/moolaade-bann-der-hoffnung.691.de.html?dram:article_id=49652">Moolaadé – Bann der Hoffnung</a>“ von Ousmane Sembène. Darin geht es um die Angst und die Traumata der Frauen. Wir dürfen nicht vergessen, dass das alles ohne Anästhesie passiert. Das heißt: Es tut sehr weh. Die Frauen, die Beschneidungen durchführen, sind keine Ärztinnen, aber was sie tun, ist Chirurgie.</p>
<p>Für uns ist die Erinnerung an diese Prozedur etwas, was wir in unserem Kopf und in unserem Körper tragen. Ich habe meiner Mutter danach nicht mehr vertrauen können, weil sie mich angelogen hat.</p>
<p><strong>Verfolgt diese schlimme Erinnerung Frauen bis ins Erwachsenenalter?</strong></p>
<p>Ja, das ist meine Erfahrung. Ich habe mit vielen Kindern und Erwachsenen geredet. Es ist immer ziemlich ähnlich. Der Schmerz bleibt in unserem Herzen, weil wir nicht darüber reden können. Es ist ein Tabu. Man versucht sich vorzustellen, wie es eigentlich sein sollte. Aber das werde ich niemals in meinem Leben wissen. Das tut weh.</p>
<p><strong>Wann haben Sie angefangen, sich zu engagieren?</strong></p>
<blockquote><p>„Wir müssen auch gegen unsere eigenen Traditionen arbeiten“</p></blockquote>
<p>Das war 2005, ich war noch ganz jung. Ich denke, ich bin jemand, der sich selbst nicht als Opfer begreift. Jede Frau muss lernen, aus ihrer Vergangenheit heraus für eine bessere Zukunft zu kämpfen – für uns und für unsere Kinder. Wir, die nicht mehr im Senegal wohnen, müssen etwas tun. Es geht darum, nicht nur Geld zu schicken, sondern auch Informationen über Gesundheitsthemen zu vermitteln. Wir müssen dabei auch gegen unsere eigenen Traditionen arbeiten.</p>
<p><strong>Im Frühjahr 2019 waren Sie wieder im Senegal. Was haben Sie dort gemacht?</strong></p>
<p>Seit 2005 organisieren wir im Senegal Projekte. Zuerst haben wir mit „World Vision“ gearbeitet, letztes Jahr mit einer Organisation aus der Schweiz. Zuerst haben wir in Dörfern Jugendclubs gegründet, bei denen jeweils 20 bis 25 Jungen und Mädchen mitmachen. Die Jugendlichen haben Patenschaften für Kinder aus ihren Dörfern übernommen. Als Patinnen und Paten sollen sie die Kinder ins Krankenhaus begleiten, dafür Sorge tragen, dass sie Impfungen bekommen und dass die Mädchen nicht beschnitten werden.</p>
<p>Insgesamt haben wir mehr als 100 Jugendliche gewonnen, die Patenschaften für mehr als 200 Babys übernommen haben. Außerdem haben wir einen Frauenverein gegründet und auch mit religiösen Autoritäten und Sportlern gearbeitet. Wir haben Aktivitäten an Schulen angeboten und ein Forum für Menschen verschiedener Generationen gegründet.</p>
<p><strong>Was hat sich dadurch verändert? </strong></p>
<p>Bei den Jugendlichen ist es leichter als bei den Älteren. Sie verstehen oft besser, worum es geht. Sie haben Internet, reden mit Leuten und gehen in die Schule, wo sie etwas über die menschlichen Organe lernen. Die älteren Leute sind oft radikaler.</p>
<blockquote><p>„Der Schmerz bleibt in unserem Herzen“</p></blockquote>
<p>Wir haben gemerkt, dass es mit der Zeit leichter wurde, über die Beschneidung von Frauen zu reden. Die Leute hatten keine Angst mehr und es war ihnen nicht mehr peinlich. Es war auch möglich, über Schwangerschaften von Mädchen zu sprechen, die noch zur Schule gehen. Das ist ein großes Thema in den Dörfern. Wir haben mit unterschiedlichen Communities gearbeitet und am Ende immer eine Vereinbarung getroffen. Darin haben die Communities selbst festgelegt, dass bei ihnen keine Frauen mehr beschnitten werden.</p>
<p><strong>Wie ist die aktuelle Situation im Senegal? Wie viele Mädchen werden beschnitten?</strong></p>
<p>Statistisch gesehen sind im Senegal 27 Prozent der Mädchen betroffen, aber diese Zahl vermittelt ein falsches Bild. Denn in jeder Region ist es anders. In Kolda zum Beispiel werden 94 Prozent der Mädchen beschnitten. In Dakar stellen die Wolof die größte ethnische Gruppe dar, die keine Beschneidungen durchführen. Das heißt: Wenn wir in eine Statistik Gruppen einbeziehen, bei denen es keine Beschneidungen gibt, drückt das den Schnitt.</p>
<p>Ich muss aber sagen, dass es Schritt für Schritt vorangeht. Mehr als tausend Communities haben inzwischen so eine Vereinbarung getroffen. Das heißt: Die Kommunikation funktioniert gut. Es ist kein so großes Tabu mehr. Inzwischen ist es möglich, in der Schule oder in religiösen Gebäuden über die Beschneidung von Frauen zu reden.</p>
<p><strong>Wie sieht die Situation in anderen Ländern aus?</strong></p>
<blockquote><p>„Die Opfer leben auch hier in Deutschland“</p></blockquote>
<p>Im Sudan, in Guinea oder in Indonesien ist es ein großes Problem. Auch in Deutschland werden Mädchen beschnitten. Geflüchtete, die nach Europa kommen, stammen nicht nur aus Syrien, sondern auch aus Ländern wie Eritrea und dem Sudan. Im Sudan sind 99 Prozent der Frauen beschnitten. Das ist ein Gepäckstück, das direkt aus den Herkunftsländern mit nach Deutschland kommt. Es gibt auch Mädchen, die in Deutschland geboren wurden, aber trotzdem beschnitten sind.</p>
<p><strong>Was kann man dagegen tun? </strong></p>
<p>Es ist gut, Organisationen wie „Terre des Femmes“ zu unterstützen. Wir brauchen mehr Support! Wichtig ist, mit den Communities ins Gespräch zu kommen. Viele lesen keine Nachrichten und gucken kein Fernsehen, weil ihre Sprachkenntnisse nicht ausreichen.</p>
<p>In Deutschland bräuchten wir mehr Kapazitäten, um Flyer mit Informationen an Orten auszulegen, wo sich Afrikanerinnen und Afrikaner treffen – zum Beispiel beim Kinderarzt oder im Afro-Shop. Ich denke, das hilft mehr als die Änderung von Gesetzen. Denn die meisten haben sowieso keine Ahnung, was in den Gesetzen steht. Wir organisieren Projekte im Senegal und in Guinea, aber wir müssen auch hier etwas tun. Die Opfer leben auch hier.</p>
<p><strong>Aus welchen Gründen werden Frauen beschnitten?</strong></p>
<p>Viele der Frauen auf den Dörfern denken, ohne Klitoris hätten die Mädchen kein Interesse an Männern. Auf manchen Dörfern glaubt man auch, eine Frau mit Klitoris sei nicht sauber. Es heißt, dass sie zum Beispiel nicht beten könne. In anderen Communities wiederum geht es um die Kontrolle von Frauen. Man näht sie zu, damit sie vor der Heirat keinen Sex haben können. Jede Community hat ihre eigenen Gründe.</p>
<p><strong>Und wie argumentieren Sie dagegen? </strong></p>
<p>In jeder Community muss ich andere Argumente bringen. Wenn die Menschen denken, dass die Beschneidung von Frauen etwas mit Religion zu tun hat, ist es am einfachsten. Dann erklären wir, dass der Prophet Mohammed seine Töchter nicht beschnitten hat. In Saudi-Arabien beispielsweise ist der Anteil der beschnittenen Frauen ganz niedrig – nicht wie Indonesien oder in Guinea.</p>
<blockquote><p>„Als Erwachsene können wird besser erkennen, was damals passiert ist“</p></blockquote>
<p>Wir müssen ganz klar feststellen: Die Beschneidung von Frauen ist eine gesellschaftliche Norm. Das hat überhaupt nichts mit Religion zu tun. Wir versuchen, das deutlich zu erklären. Manchmal laden wir dafür eine Frauenärztin ein – oder einen Imam, der erklären kann, was die Religion dazu sagt.</p>
<p><strong>Wie hängt Ihr Engagement mit Ihrer Musik zusammen?</strong></p>
<p>Ich nutze meine Musik, um Tabus zu brechen. Die Leute haben immer Angst, über die Beschneidung von Frauen zu reden. Ich nehme Informationen und verpacke sie in eine schöne Melodie. Jeder kann sich das anhören und muss sich dabei nicht peinlich berührt fühlen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Weitere Beiträge zum Thema weibliche Sexualität und sexuelle/reproduktive Selbstbestimmung (Auswahl)</strong></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="GYUUCRXIDR"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sprechen-ueber-sexualitaet-vulva-warum-sagen-wir-nicht-solo-sex/">„Warum sagen wir nicht Solo-Sex?“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Warum sagen wir nicht Solo-Sex?“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sprechen-ueber-sexualitaet-vulva-warum-sagen-wir-nicht-solo-sex/embed/#?secret=Iel2Hhzmqb#?secret=GYUUCRXIDR" data-secret="GYUUCRXIDR" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="ahVnzitvFL"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/abtreibung-der-staat-im-uterus/">Der Staat im Uterus</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Der Staat im Uterus&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/abtreibung-der-staat-im-uterus/embed/#?secret=K6a3A1hFKX#?secret=ahVnzitvFL" data-secret="ahVnzitvFL" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="sMsUtN0lLt"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sexuelle-rechte/">„Die Perspektiven von Schwarzen Menschen und People of Color sichtbar machen”</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Die Perspektiven von Schwarzen Menschen und People of Color sichtbar machen”&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/sexuelle-rechte/embed/#?secret=DA5LTuysOR#?secret=sMsUtN0lLt" data-secret="sMsUtN0lLt" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="gvDXByPwOF"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hiv-prep-fuer-frauen/">„Es sollte selbstverständlich sein, offen über Schutz beim Sex zu kommunizieren“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Es sollte selbstverständlich sein, offen über Schutz beim Sex zu kommunizieren“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hiv-prep-fuer-frauen/embed/#?secret=dILAicnOVE#?secret=gvDXByPwOF" data-secret="gvDXByPwOF" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
      </div>
</p></div>
</p></div>
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		<title>„Menschen ohne Papiere werden wieder alleingelassen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2019 06:43:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[anonymer Krankenschein]]></category>
		<category><![CDATA[Clearingstellen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsversorgung]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen ohne Papiere]]></category>
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					<description><![CDATA[Niedersachsen hatte 2015 als erstes Bundesland den anonymen Krankenschein eingeführt, der Menschen ohne Aufenthaltspapiere eine Gesundheitsversorgung ermöglichte. Nach drei Jahren lief das Modellprojekt einfach aus.]]></description>
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        <strong>Niedersachsen hatte 2015 als erstes Bundesland den anonymen Krankenschein eingeführt, der Menschen ohne Aufenthaltspapiere eine Gesundheitsversorgung ermöglichte. Nach drei Jahren lief das Modellprojekt einfach aus. </strong></p>
<p>Die kleine, unscheinbare Chipkarte, die beim Ärzt_innenbesuch eingelesen wird, ist keine Selbstverständlichkeit. So gibt es in Deutschland Menschen, die nicht krankenversichert sind – beispielsweise, weil sie über keinen geregelten Aufenthaltsstatus verfügen.</p>
<p>Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben sie trotzdem Anspruch auf medizinische Versorgung. Allerdings werden die ärztlichen Honorare über das Sozialamt erstattet, das verpflichtet ist, die Daten an die Ausländerbehörde weiterzugeben. Angst, entdeckt und abgeschoben zu werden, führt deshalb dazu, dass Menschen nicht oder zu spät zum Arzt / zur Ärztin gehen.</p>
<h2><strong>Ohne Angst zu Ärzt_innen</strong></h2>
<p>Eine Möglichkeit, die Hürde zu senken, ist der anonyme Krankenschein. Mit ihm können Menschen ohne Papiere ohne Preisgabe ihrer Identität zu Ärzt_innen gehen.</p>
<p>Ende 2015 hatte Niedersachsen als erstes Bundesland ein dreijähriges Modellprojekt dazu gestartet, das jedoch Ende 2018 ausgelaufen ist und nicht verlängert wurde – obwohl die Erfahrungen positiv waren, wie Maren Mylius berichtet. „Menschen, die sonst keine Möglichkeit hatten, medizinische Versorgung zu erhalten, konnten zeitnah ärztliche Hilfe bekommen“, sagt die Ärztin, Gesundheitswissenschaftlerin und Epidemiologin, die ehrenamtlich die Vergabestelle des anonymen Krankenscheins in Hannover betreut hatte.</p>
<p>Betrieben wurden die Hannoveraner und die Göttinger Vergabestelle vom Verein Gesundheitsversorgung für Papierlose, einem Zusammenschluss der örtlichen Medinetze. Diese Nichtregierungsorganisationen, die manchmal auch MediBüros heißen und auch in vielen anderen Städten in Deutschland zu finden sind, engagieren sich auf ehrenamtlicher Basis für die Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere.</p>
<blockquote><p>„Die meisten Menschen kamen aufgrund eines akuten Krankheitszustandes“</p></blockquote>
<p>In den niedersächsischen Vergabestellen bekamen Geflüchtete mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus, die akute gesundheitliche Beschwerden hatten, einen Schein, mit dem sie zu Ärzt_innen ihrer Wahl gehen konnten. Finanziert wurde das Projekt vom Land Niedersachsen. Abgerechnet wurde über einen vom Sozialministerium eingerichteten Fonds. 500.000 Euro standen pro Jahr zur Verfügung – für die ärztlichen Honorare, die Kosten für Laboruntersuchungen und Computertomografien, Operationen und Medikamente sowie die Verwaltung des Projekts.</p>
<p>Die Zahl der Menschen, die die Vergabestellen aufsuchten, sei kontinuierlich gestiegen, berichtet Maren Mylius. „Die meisten Menschen kamen aufgrund eines akuten Krankheitszustandes, zum Beispiel wegen Atemnot, Fieber, Gelenkschwellungen oder starken Bauchschmerzen.“ Auch vielen Schwangeren habe der anonyme Krankenschein geholfen, weil sie darüber Vorsorgeuntersuchungen haben in Anspruch nehmen können.</p>
<blockquote><p>„Bei chronischen Erkrankungen ist die Gesetzeslage unklar“</p></blockquote>
<p>Die Leistungen über den anonymen Krankenschein richten sich nach den Vorgaben des Asylbewerberleistungsgesetzes. Laut Paragraf 4 hat man Anspruch auf Behandlung bei akuten Krankheiten und Schmerzzuständen sowie auf Untersuchungen und Behandlungen rund um Schwangerschaft und Geburt. Auch einige Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen werden übernommen.</p>
<p>„Ein großes Problem sind jedoch chronische Erkrankungen, wenn sie nicht mit einem akuten Erkrankungs- und Schmerzzustand einhergehen“, sagt Maren Mylius. In solchen Fällen sei die Gesetzeslage unklar. In dem niedersächsischen Modellprojekt sei aber letztlich die Einschätzung des Arztes oder der Ärztin ausschlaggebend gewesen. In Zweifelsfällen habe ein Beirat entschieden.</p>
<p>Auch Menschen mit HIV nutzten das Angebot in Göttingen und Hannover. Da die Betroffenen mit Schmerzen oder Erkrankungen gekommen seien, habe es keinen Zweifel darüber gegeben, ob sie einen Krankenschein bekommen. „Für einige Monate konnte in diesen Fällen eine Medikation finanziert werden“, erzählt Mylius.</p>
<h2><strong>Überraschendes Ende</strong></h2>
<p>Der Verein war davon ausgegangen, das Modellprojekt werde fortgeführt, berichtet sie. „Es war für uns eine große Überraschung, dass es nicht weiterläuft. Denn das, was der Landtag beschlossen hat, wurde erreicht – nämlich: einen niedrigschwelligen Zugang zu schaffen.“</p>
<p>Allerdings hatten sich in der Laufzeit des Projekts die politischen Machtverhältnisse geändert. Die rot-grüne Regierungskoalition im niedersächsischen Landtag, unter der der anonyme Krankenschein eingeführt worden war, wurde von einer rot-schwarzen abgelöst.</p>
<blockquote><p>„Die Situation ist wieder so, als hätte es das Modellprojekt nie gegeben“</p></blockquote>
<p>Derzeit hieße es, die Gesamtbewertung des Modellprojekts müsse abgewartet werden, sagt Maren Mylius. In der Zwischenzeit aber hätten die Betroffenen keine Anlaufstelle. „Sie werden alleingelassen. Die Situation ist wieder so, als hätte es das Modellprojekt nie gegeben. Das ist für alle Seiten schwer verständlich.“ Hilfebedürftige seien wieder auf ehrenamtliche Angebote angewiesen.</p>
<h2><strong>Thüringen übernimmt niedersächsisches Modell</strong></h2>
<p>Während der anonyme Krankenschein in Niedersachsen wieder auf Eis liegt, wurde er in Thüringen eingeführt. Seit Anfang 2017 können dort nicht nur Geflüchtete mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus, sondern auch unversicherte EU-Bürger_innen und Deutsche einen anonymen Krankenschein bekommen.</p>
<p>Die Patient_innen wenden sich entweder an die zentrale Versorgungs- und Vermittlungsstelle in Jena oder an „Vertrauensärzt_innen“, die in fast allen Thüringer Landkreisen vertreten sind. Dort wird der anonyme Krankenschein ausgestellt, mit dem sie dann Ärzt_innen ihrer Wahl aufsuchen können.</p>
<p>Wie in Niedersachsen ist das Thüringer Modellprojekt aus den Erfahrungen und dem hartnäckigen Kampf von Aktivist_innen hervorgegangen; es wird vom gemeinnützigen Verein „Anonymer Krankenschein in Thüringen“ durchgeführt und von der Thüringer Landesregierung gefördert. Wie das niedersächsische Projekt ist es zunächst auf drei Jahre ausgelegt.</p>
<h2><strong>Clearingstellen ermöglichen Integration ins Regelsystem</strong></h2>
<p>Neben dem anonymen Krankenschein sind Clearingstellen ein weiteres Modell, um Menschen zu helfen, die nur einen sehr eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben oder faktisch davon ausgeschlossen sind.</p>
<p>Wenden sich Betroffene an diese Einrichtungen, wird zunächst geklärt, ob eine Vermittlung in das reguläre Gesundheitssystem möglich ist. Ist das nicht der Fall, kommt ein Notfallfonds zum Tragen, über den gegebenenfalls notwendige medizinische Behandlungen finanziert werden können.</p>
<p>Im Falle der Clearingstellen kooperieren der Öffentliche Gesundheitsdienst und freie Träger. Sie dürfen die Daten der Klient_innen nicht weitergeben, sodass auch Menschen ohne Papiere keine Meldung an öffentliche Stellen fürchten müssen. Der Leistungsumfang bezieht sich in der Regel auf das Asylbewerberleistungsgesetz.</p>
<h2><strong>„Work in progress</strong><strong>“-Zustand beim Berliner Krankenschein</strong></h2>
<p><a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/neuer-doppelhaushalt-berlin-setzt-starke-akzente-hivaids-praevention">In Berlin hatte die rot-rot-grüne Regierung die Einführung eines anonymen Krankenscheins im Koalitionsvertrag vereinbart.</a> Seit Herbst 2018 können sich Betroffene <a href="https://magazin.hiv/2018/11/07/notloesung-clearingstellen-hilfreich-aber-nicht-ausreichend/">in einer Clearingstelle, die an die Berliner Stadtmission angegliedert ist</a>, beraten lassen. Seit Anfang Juni 2019 gibt die Stelle auch Behandlungsscheine aus.</p>
<p>„Wir sind dabei, die ersten Erfahrungen zu sammeln“, erzählt Jessica Groß vom Medibüro Berlin, dessen ehrenamtliche Mitarbeiter_innen Betroffenen die Clearingstelle empfehlen oder sie dorthin begleiten. Bisher sei dort aber noch vieles „Work in progress“. „Eigentlich ist uns versichert worden, dass es bei Situationen mit dringlicherem Behandlungsbedarf sofort eine Kostenübernahme geben wird. Den Eindruck haben wir noch nicht so ganz“, sagt die Ärztin. Mit dem Behandlungsschein können Betroffene zu ausgewählten Ärzt_innen gehen. Doch gebe es ihrer Einschätzung nach noch nicht genügend Mediziner_innen, die über die Clearingstelle vermittelte Behandlungen anbieten.</p>
<p>Bei dem sogenannten Clearing wird der aufenthaltsrechtliche und sozialrechtliche Status der Klient_innen geklärt. „Das dauert seine Zeit. Das liegt in der Natur der Sache“, sagt Jessica Groß. Im Rahmen eines Asylantrags könne eine Gesundheitsversorgung ermöglicht werden, führt sie fort. Allerdings sei wichtig, dass man beim Clearing ergebnisoffen bleibe. Es müsse auch die Möglichkeit geben, dass sich Klient_innen gegen einen Asylantrag entschieden. Für Menschen mit einer geringen Chance auf ein Bleiberecht sei es schließlich ein Risiko, persönliche Daten an die Ausländerbehörde zu geben. Das Medibüro fordert daher, dass auch unabhängig von der Entscheidung des_r Klient_in eine medizinische Behandlung ermöglicht werde.</p>
<h2><strong>Seit 2012 hat Hamburg eine Clearingstelle</strong></h2>
<p>Clearingstellen gibt es auch in anderen Städten: in Nordrhein-Westfalen beispielsweise in Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Köln und Münster. In Hamburg wurde eine solche Stelle zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltstitel bereits 2012 ins Leben gerufen. Seit 2015 wird außerdem an verschiedenen medizinischen Anlaufstellen eine mobile Beratung angeboten. Die Stadt stellt pro Jahr 250.000 Euro für medizinische Behandlungen und Rezeptkosten zur Verfügung.</p>
<p>Falls Klient_innen nicht ins Regelversorgungssystem integriert werden können, verweisen die Mitarbeiter_innen an Ärzt_innen, deren Behandlungskosten aus dem Notfallfonds honoriert werden.</p>
<p>Andrea Niethammer, Koordinatorin der am Hamburger Flüchtlingszentrum angesiedelten Clearingstelle, kann allerdings nicht einschätzen, ob die Betroffenen schnell genug einen Behandlungstermin bekämen. Manchmal gehe das ganz schnell, manchmal dauere es länger, sagt sie. Engpässe bei Fachärzt_innen gebe es schließlich auch in der Regelversorgung.</p>
<h2><strong>1.600 Beratungsgespräche mit 460 Klient_innen</strong></h2>
<p>Von Jahr zu Jahr stiegen die Zahlen der Menschen, die bei der Hamburger Clearingstelle Hilfe suchten, so Andrea Niethammer weiter. 2017 habe man rund 1.600 Beratungsgespräche mit 460 Klient_innen geführt. Wie in Niedersachsen kämen auch in Hamburg viele, um Untersuchungen im Rahmen einer Schwangerschaft in Anspruch zu nehmen. Die meisten gesundheitlichen Probleme könne man über den Notfallfonds abrechnen. Vereinzelte Ausnahmen gebe es beispielsweise bei Zahnersatz.</p>
<blockquote><p>„Clearingstellen sind ein Schritt in die richtige Richtung“</p></blockquote>
<p>„Clearingstellen sind ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Jessica Groß vom MediBüro Berlin. Wichtig sei, dass die Behandlung von Menschen ohne Papiere nicht durch ein Fondsmodell gedeckelt werde. „Wir haben von Anfang an eine Abrechnung über die Kassenärztliche Vereinigung angestrebt“, erklärt sie. Außerdem plädiert das Berliner Medibüro für eine freie Ärzt_innenwahl. Die beste Lösung wäre, „dass es einen echten anonymen Krankenschein gäbe, der es den Menschen erlauben würde, in jedes Krankenhaus und in jede Praxis zu gehen“.</p>
<p>Mehr zum Thema:</p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="pdpsxiNgO5"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/ohne-angst-zum-arzt/">Ohne Angst zum Arzt </a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Ohne Angst zum Arzt &#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/ohne-angst-zum-arzt/embed/#?secret=QaMBC8s0uT#?secret=pdpsxiNgO5" data-secret="pdpsxiNgO5" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="vGvFrLO2jw"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/notloesung-clearingstellen-hilfreich-aber-nicht-ausreichend/">Notlösung Clearingstelle: Hilfreich, aber nicht ausreichend</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Notlösung Clearingstelle: Hilfreich, aber nicht ausreichend&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/notloesung-clearingstellen-hilfreich-aber-nicht-ausreichend/embed/#?secret=GwjaAL7r3f#?secret=vGvFrLO2jw" data-secret="vGvFrLO2jw" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="PxdopnoNDP"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/wir-wollen-dass-menschen-ohne-papiere-behandelt-werden-koennen/">„Wir wollen, dass alle Leute behandelt werden können“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Wir wollen, dass alle Leute behandelt werden können“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/wir-wollen-dass-menschen-ohne-papiere-behandelt-werden-koennen/embed/#?secret=4d8Jvuhf05#?secret=PxdopnoNDP" data-secret="PxdopnoNDP" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
      </div>
</p></div>
</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>„Warum sagen wir nicht Solo-Sex?“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2019 14:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Agi Malach]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität und Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualpädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Vulva]]></category>
		<category><![CDATA[Vulvinchen]]></category>
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					<description><![CDATA[Agi Malach ist Sexualpädagogin und sexpositive Feministin. Über ihr Label „Vulvinchen“ vertreibt sie Schmuck und Sticker in Vulva-Form und regt damit zum Nachdenken über Sexualität, Sprache und die Vulva an.]]></description>
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        <strong>Agi Malach ist Sexualpädagogin und sexpositive Feministin. Über ihr Label „Vulvinchen“ vertreibt sie Schmuck und Sticker in Vulva-Form und regt damit zum Nachdenken über Sexualität, Sprache und die Vulva an.</strong></p>
<p><strong>Sie besuchen als Sexualpädagogin häufig Schulen. Wie ist es für Kinder und Jugendliche, über Sexualität zu sprechen? </strong></p>
<p>Ich habe oft das Gefühl, es ist mit Angst verbunden, wenn die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass ich und mein Kollege kommen. Oft heißt es „ihh“ und „eklig“. Wir schaffen dann eine Atmosphäre, in der klar ist: Alle dürfen, aber niemand muss mitmachen. Dann merkt man, dass sie entspannter werden.</p>
<p>Aber Dinge zu benennen, fällt ihnen sehr schwer. Es fängt mit dem Wort Sex an, das nicht ausgesprochen wird. Dann sagen sie S-E-X oder machen Geräusche. Das finde ich krass. Manchmal arbeiten wir mit einer anonymen Fragebox. Dabei kommt es vor, dass manche Wörter nicht ausgeschrieben werden – da steht dann zum Beispiel „P…“. Ich muss dann erraten, dass es wahrscheinlich „Penis“ heißt. Da gibt es eine große Scham.</p>
<p><strong>Woran liegt das?</strong></p>
<p>Ich finde es erst mal ganz wichtig, Grenzen und Scham zu akzeptieren. Ich will nicht schamfrei arbeiten, sondern schamsensibel. Es ist ein wichtiger Schritt für Kinder und Jugendliche, eine Grenze zu setzen und zu sagen: Nee, das möchte ich jetzt nicht sagen.</p>
<blockquote><p>„Auch bei Erwachsenen herrscht Sprachlosigkeit“</p></blockquote>
<p>Aber auch Sprachfähigkeit ist enorm wichtig, um Sexualität zu verhandeln oder um mitzuteilen, wenn mir etwas passiert ist. Wenn ich keine Wörter für meine Genitalien habe, kann ich auch nicht zu Ärzt_innen gehen und sagen: Da tut mir etwas weh oder da brennt es. Ich glaube, ein Problem ist, dass das Umfeld keine Worte dafür hat. Auch bei den Erwachsenen herrscht Sprachlosigkeit.</p>
<p><strong>Was tun Sie, um Scham und Sprachlosigkeit zu überwinden?</strong></p>
<p>Wir versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der klar ist: In diesem Raum ist alles in Ordnung. Wir fangen mit Wortsammlungen an und fragen ganz offen: Welche Wörter kennt ihr für Genitalien? Wir gucken dann, in welcher Situation die Wörter passen. Verwende ich sie mit meinem Partner oder meiner Partnerin oder mit meinen Ärzt_innen?</p>
<p>Alles sagen zu können schafft Erleichterung. Denn oft erfahren Kinder und Jugendliche sofort eine Bewertung – und das ohne Erklärung. Es heißt: Das Wort ist verboten! Aber sie wissen gar nicht, warum. Viele von ihnen benutzen zum Beispiel das Wort „Transe“. Dann versuchen wir zu erklären: Pass auf, das kann ein diskriminierender Begriff sein. Es ist ok, wenn Menschen das als Selbstbezeichnung verwenden. Aber wenn du das zu jemandem sagst, dann ist es wahrscheinlich als Beleidigung gemeint.</p>
<p><strong>Es gibt im Deutschen viele Begriffe, die die „Scham“ schon in sich tragen: „Schamlippen“ oder „Schambehaarung“ etwa. Wie gehen Sie damit um?</strong></p>
<p>Ich baue alternative Begriffe ganz selbstverständlich in meinen Sprachgebrauch ein. Ich mag zum Beispiel persönlich das Wort Schamlippen nicht, weil ich finde, da schwingt gleich so eine Konnotation von etwas Schlechtem und von „Verstecken-Müssen“ mit. Ich sage immer Vulvalippen. Manchmal irritiert das. Dann erkläre ich: Manche Menschen nennen das so, manche nennen das anders.</p>
<blockquote><p>„Die meisten kennen den Unterschied zwischen Vagina und Vulva nicht“</p></blockquote>
<p>Ich möchte Menschen nichts verbieten und finde es ganz wichtig, Wörter zu finden, mit denen man sich wohlfühlt. Aber ich glaube, dass es auch wichtig ist zu sagen: Ich kann dir Alternativen anbieten und du kannst aufgrund der Information, die ich dir mitgebe, entscheiden, welches Wort du benutzt. Auch bei der Erwachsenengeneration fehlen ja Wörter. Die meisten kennen den Unterschied zwischen Vagina und Vulva nicht. Das sind zwei unterschiedliche Körperteile! Ich bete das einfach immer wieder runter.</p>
<p><strong>Inwiefern ist diese Sprachfähigkeit auch für sexuelle Gesundheit wichtig? </strong></p>
<p>Sprachfähigkeit ist generell für Sexualität wichtig – aber auch für sexuelle Gesundheit. Dann erst kann ich mit meinen Partner_innen über bestimmte Sachen sprechen: Sind wir beide getestet? Wie möchten wir verhüten? Gibt es bestimmte Krankheiten, die wir bedenken müssen? Ich glaube, wenn Klarheit herrscht, kann ich mich viel mehr fallenlassen. Dann erst habe ich alle Infos, die ich brauche, um mich hingeben zu können.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielt die Sprachfähigkeit in Bezug auf sexuelle Selbstbestimmung?</strong></p>
<p>Für sexuelle Selbstbestimmung ist es wichtig, Informationen zu haben, um Handlungsspielräume aufzuzeigen und Entscheidungen zu treffen. Außerdem ist es wichtig, das sprachlich zu artikulieren. Sexuelle Selbstbestimmung fängt schon bei Verhütung an. Wenn ich zum_zur Gynäkolog_in gehe und er_sie mir nur zwei Verhütungsmittel vorstellt, kann ich sagen: Ich habe gehört, es gibt noch mehr. Können Sie mir noch mehr zeigen?</p>
<p>Es geht bei sexueller Selbstbestimmung auch darum, Grenzen zu setzen und zu sagen: Das ist etwas, das mir guttut, und das ist etwas, das mir nicht guttut. Vieles kann auch nonverbal stattfinden, beispielsweise, indem ich eine Hand wegschiebe. Aber zu wissen, ich darf diese Entscheidung treffen und ich darf sie auch verbal kommunizieren – das ist sehr herausfordernd.</p>
<p><strong>Wie lernt man, über Sexualität zu sprechen?</strong></p>
<p>Ganz viel läuft über Vorbilder. Vielleicht muss ich nicht direkt mit demjenigen sprechen, mit dem ich Sex habe. Ich kann ja auch erst mal zu Freund_innen gehen, denen ich vertraue, und fragen: Wie machst du das denn? Dabei geht es auch darum, sich mit Unsicherheiten zu zeigen. Wir müssen nicht alles immer sofort richtig gut können. Es ist schwer, aber es ist wichtig, dass wir darüber sprechen.</p>
<blockquote><p>„Wir müssen nicht alles sofort richtig gut können“</p></blockquote>
<p>Es ist auch ok, wenn wir es mal nicht schaffen, unsere Grenze zu vertreten oder zu sagen, was wir gerne wollen. Das kann man auf unterschiedliche Arten lernen. Vielleicht tut es einem gut, mit anderen darüber zu sprechen. Manche Menschen lesen lieber Bücher, Interviews und Artikel. Es kann auch sein, dass man erst mal mit sich selbst übt und bestimmte Wörter laut ausspricht.</p>
<p><strong>Haben Sie Beispiele für Begriffe, die Sie gut finden?</strong></p>
<p>Da gibt es eine ganze Menge. Ich finde zum Beispiel das Wort Scheide nicht so gut. Das ist die direkte Übersetzung von Vagina, aber mit dem deutschen Begriff Scheide verbinde ich die Scheide, in die das Schwert gesteckt wird. Sie hat nur mit einem Gegenüber eine Funktion. Das finde ich sehr gewaltvoll.</p>
<p>Schwierig finde ich auch das Wort Jungfernhäutchen, weil es sofort den Mythos „Jungfrau“ transportiert. Ganz oft denken Leute, dass da eine Haut ist, die reißt und schmerzt. Dann versuche ich zu erklären: Das sind Schleimhautfalten, die sich dehnen können und bei denen es manchmal keine Verletzung gibt. Ich benutze die Worte Hymen oder Häutchen, weil ich sie angenehmer finde.</p>
<p>Auch für Masturbation und Onanieren gibt es schönere Begriffe. Warum sagen wir denn nicht Solo-Sex? Oft hat Selbstbefriedigung so einen niedrigen Stellenwert. Da wird dann gesagt: Das ist gar kein Sex. Ich sage: Doch, das ist Sex mit dir selbst. Das darf doch auch wertgeschätzt werden.</p>
<p><strong>Einerseits sind wir in unserer Gesellschaft von sexualisierten Bildern umgeben. Andererseits ist es schwierig, über Sex zu sprechen. Wie passt das zusammen?</strong></p>
<p>Oftmals wirkt es nur so, als sei unsere Kultur offen. Ich finde, dass vieles an der Oberfläche bleibt. Entweder ist etwas super sexualisiert – und dann wirkt es auf ganz viele Menschen abschreckend. Oder es ist tabuisiert – und dann macht es stumm. Es fehlt dieses Mittelfeld, in der die Kommunikation über Sexualität in die Tiefe geht.</p>
<blockquote><p>„Es ist wichtig, sanft und freundlich zu sich selbst zu sein“</p></blockquote>
<p>Auf vielen Menschen lastet der Druck, den perfekten Sex haben zu müssen, die perfekten Partner_innen, die beste Kommunikation, den besten Körper. Wir können dem nicht gerecht werden. Oft wird auch von den Medien ein unrealistisches Bild vermittelt.</p>
<p>Es ist wichtig, sanft und freundlich zu sich selbst zu sein. Ich fände es toll, wenn es auch Qualitäten von Unsicherheit, von Verletzlichkeit und „Misserfolgen“ gäbe. Sexualität ist nicht immer erfüllend und blühend und lustvoll. Sie hat auch Schattenseiten – etwa sexualisierte Gewalt, unerfüllter Kinderwunsch oder lange Zeiten von Lustlosigkeit in Partnerschaften.</p>
<p><strong>Wie lernt man, über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen?</strong></p>
<p>Ich glaube, da muss man erst einen Schritt zurückgehen und fragen: Kenne ich die denn selber? Wir gehen immer davon aus, dass Menschen ganz genau wissen, was sie wollen. Für alle, die das wissen: megatoll! Aber manchmal lernen wir unsere Bedürfnisse erst in dem Moment kennen, in dem wir etwas erleben. Oder auch erst einige Zeit danach, wenn wir merken: Das hat sich ganz gut angefühlt.</p>
<p>Wenn man seine Bedürfnisse kennt, kann man mit Freund_innen sprechen und sagen: Ich denke öfter mal daran und würde das gerne mal ausprobieren. Wie ist das eigentlich bei euch? Es geht ja nicht darum zu fragen: „Ist das okay?“ oder „Bin ich normal?“ Es geht darum zu erfahren, wie bunt die Welt ist – auch die Welt der Bedürfnisse.</p>
<p><strong>Viele Eltern fragen sich: Wie bringe ich den Kindern bei, über ihren Körper und ihre Sexualität zu sprechen? </strong></p>
<p>Es ist es ganz wichtig, nicht mit unserer Erwachsenenbrille auf kindliche Sexualität zu schauen. Wir müssen uns bewusst sein: Kinder haben eine andere Sexualität. Ich bin der Meinung, dass Sexualität mit der Geburt beginnt und mit dem Tod endet. Sie zeigt sich nur in unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich.</p>
<p>Wenn Kinder sich an den Genitalien berühren, sagen wir mit unserer Erwachsenenbrille: Oh Gott, oh Gott! Wie können die sich denn schon selbst befriedigen? Für Kinder ist das erst mal nur Neugier. Das fühlt sich gut an und bringt Wohlbefinden. Aber für sie ist das noch keine Sexualität im erwachsenen Sinne. Ich glaube, eine Grundentspannung hilft da erst mal.</p>
<blockquote><p>„Sexuelle Bildung läuft immer auch nebenher“</p></blockquote>
<p>Es gibt auch tolle Aufklärungsbücher. Niemand muss das alleine hinkriegen. Vielleicht gibt es andere erwachsene Personen im Umfeld, die das besser können. Oder vielleicht stelle ich auch nur ein paar Bücher ins Regal und sage: Wenn du Fragen hast, dann bin ich für dich da. Es braucht ja nicht unbedingt dieses „Komm, wir setzen uns mal an den Tisch“. Sexuelle Bildung läuft immer auch nebenher. Kinder nehmen wahr, wie Erwachsene miteinander umgehen, wie sie Zärtlichkeiten austauschen, wie sie streiten, wie sie über Rollen im Haushalt verhandeln. Das ist auch sexuelle Bildung.</p>
<p><strong>Entfachen Ihr Schmuck und Ihre Vulva-Sticker Diskussionen über Sexualität?</strong></p>
<p>Ja, es ist das Hauptziel, dass Menschen sich Gedanken machen und ins Gespräch kommen. Dabei ist es ziemlich egal, ob Leute die Sachen gut oder blöd finden. Es bewegt etwas in den Menschen. Das finde ich schön.</p>
<blockquote><p>„Mit ‚Vulvinchen‘ habe ich die Leute auf meine Reise mitgenommen“</p></blockquote>
<p>Ich glaube, mit „Vulvinchen“ habe ich die Leute auf meine Reise mitgenommen. Ich habe irgendwann angefangen, darüber nachzudenken, warum wir eigentlich diese Wörter benutzen und warum die Vulva so unsichtbar ist. Ich glaube, die Sticker im öffentlichen Raum bringen Menschen dazu, innezuhalten und zu fragen: Was ist denn das? Irritation kann etwas ganz Tolles sein. Meist sortieren sich dann Dinge neu.
      </p></div>
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		<title>Aids beenden – ein realistisches Ziel für alle?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Dreyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Oct 2019 09:38:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[90-90-90-Ziele]]></category>
		<category><![CDATA[Aids beenden]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfen]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Bis 2030 wollen die Vereinten Nationen Aids beenden. Diskriminierung und Hürden für Migrant_innen und andere strukturell benachteiligte Communities gefährden die Erreichung dieses Ziels.]]></description>
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        <a href="https://www.unaids.org/en/resources/documents/2017/90-90-90"><strong>Bis 2020 wollen die Vereinten Nationen die 90-90-90-Ziele erreichen</strong></a><strong>, damit bis 2030 niemand mehr an Aids erkranken muss. Das heißt: 90 Prozent aller Menschen mit HIV sollen eine HIV-Diagnose bekommen haben. 90 Prozent der Menschen mit einer HIV-Diagnose sollen eine lebensrettende antiretrovirale Therapie machen. <a href="https://www.aidshilfe.de/schutz-therapie">Und 90 Prozent der Menschen unter einer HIV-Therapie sollen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben – HIV kann dann auch beim Sex nicht mehr übertragen werden</a>.</strong></p>
<p>Dafür ist unter anderem ein einfacher Zugang zu HIV-Tests und zu medikamentöser Therapie nötig – und der Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung, denn viele Menschen lassen sich aus Angst vor Ausgrenzung nicht auf HIV testen. Häufig wird darum mittlerweile von den 90-90-90-0-Zielen gesprochen: 0 steht dabei für null Diskriminierung.</p>
<blockquote><p>Um Aids zu beenden, brauchen wir null Diskriminierung</p></blockquote>
<p>Doch sind diese Ziele erreichbar? Auf dem Fachtag „90-90-90-0 – ein realistisches Ziel für alle!?“ der Deutschen Aidshilfe diskutierten am 11. Oktober rund 70 Teilnehmer_innen – Vertreter_innen von Mitgrantenselbstorganisationen, Aktivist_innen aus den Bereichen Flucht, Migration, Asyl und antirassistische Bildung, Mitarbeiter_innen von Aidshilfen und von Projekten im Feld Sexarbeit – über Diskriminierung und Zugangsbeschränkungen zum deutschen Gesundheitssystem.</p>
<h2>Aids beenden: Wo steht Deutschland bei den 90-90-90-0-Zielen?</h2>
<p>Was die 90-90-90-Ziele betrifft, scheint Deutschland relativ weit zu sein. Ende 2017 lagen die Zahlen <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Eckdaten/EckdatenDeutschland.pdf?__blob=publicationFile">laut Robert Koch-Institut bei 87–92-95</a>.</p>
<p>Doch Tanja Gangarova, Referentin für Migration der Deutschen Aidshilfe, fragt in ihrem Eröffnungsvortrag: „Wie sollen wir die 90-90-90-Ziele erreichen, wenn ein nicht zu unterschätzender Anteil der Migrant_innen keine Krankenversicherung hat – alleine bei der <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Studien/MiSSA/MiSSA_node.html">MiSSSA-Studie des Robert Koch-Instituts</a> waren dies 20 % der Befragten – und daher gar keinen oder eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung?“ Die existierenden Parallelstrukturen der medizinischen Versorgung für Menschen ohne Papiere und/oder Krankenversicherung könnten HIV-Fälle nur in den seltensten Fällen und dann auch nur zeitlich begrenzt abdecken.</p>
<blockquote><p>Wichtig ist, die intersektionale Perspektive in den Blick zu nehmen</p></blockquote>
<p>„Besonders beunruhigend ist die Situation der Migrant_innen in Bezug auf null Diskriminierung, so Gangarova weiter. Die DAH-Studie <a href="https://www.aidshilfe.de/shop/archiv/positive-stimmen-verschaffen-gehor">„positive stimmen“</a> habe bereits 2012 gezeigt, dass bei gleichen HIV-Status vor allem drei Gruppen im deutschen Gesundheitssystem und in ihrem Umfeld benachteiligt werden: Migrant_innen, Drogengebraucher_innen und Sexarbeiter_innen.</p>
<p>Es sei daher wichtig, auch die <a href="https://www.ewdv-diversity.de/diversity/intersektionalitaet/">intersektionale Perspektive</a> in den Blick zu nehmen. „Wie es einer Person mit HIV geht, hängt unter anderem davon ab, ob sie einen deutschen Pass hat, ob sie krankenversichert ist, welche Hautfarbe oder welche Geschlechtsidentität sie hat, wie ihr Bildungsstand ist oder ihre Herkunft. Das bedeutet: Menschen werden oft nicht nur aufgrund eines einzelnen Merkmals benachteiligt, sondern aufgrund unterschiedlicher, zum Teil miteinander verbundener Aspekte“, so Gangarova.</p>
<p>In Zeiten der „Dämonisierung der Anderen“, insbesondere von Migrant_innen – einer Dämonisierung, die nicht nur in den Massenmedien, sondern auch im medizinischen Bereich sowie in der queeren Community weit verbreitet sei –, müssten die verschiedenen Communities daher untereinander solidarisch und zur Selbstkritik bereit sein: „Wer sich gegen Diskriminierungen einsetzt, muss auch bei sich selbst ansetzen – und sich mit der eigenen Kultur, den eigenen Privilegien und mit ausgrenzenden Strukturen auseinandersetzen.“</p>
<h2>Rassismus und Diskriminierung sind Alltag im Gesundheitssystem</h2>
<p>Eine Schwarze Teilnehmerin erzählt, wie sie immer wieder wurde getriezt wurde und sich als Mensch zweiter Klasse behandelt fühlte. Eine Frau habe ihr gesagt, sie rieche nach Schweiß und solle doch ein Deo benutzen. Einmal sei es sogar so schlimm gewesen, dass sie es nicht mehr ausgehalten und sich in der Toilette eingeschlossen habe.</p>
<blockquote><p>„Wer sich gegen Diskriminierungen einsetzt, muss auch bei sich selbst ansetzen“</p></blockquote>
<p>All dies trug sich nicht auf einem Schulhof, sondern in einem deutschen Krankenhaus zu. Sie habe damals beschlossen, die Zähne zusammenzubeißen und die Ausbildung zur Krankenschwester zu beenden, erzählt sie weiter. „Aber ich hatte keine Lust mehr, in diesem Beruf zu arbeiten.“</p>
<p>Eine andere Workshopteilnehmerin erzählt, dass das Personal medizinischer Einrichtungen bei nichteuropäischen Akzenten der Patient_innen häufig genervt reagiere. „Wir sind hier sehr auf Sprache fixiert“, sagt sie und betont: „Viele Afrikaner_innen gehen nicht gerne zum Arzt oder zur Ärztin. Sie warten, bis es richtig schlimm ist.“</p>
<p>Auch viele andere Teilnehmer_innen berichten über Diskriminierungserfahrungen. Sie alle zeigen: Diskriminierung und Rassismus gibt es auch im deutschen Gesundheitssystem.</p>
<h2>Hürden für Migrant_innen – mit und ohne Papiere oder Krankenversicherung</h2>
<p>Schwierigkeiten beim Zugang zu Testangeboten und medizinischer Versorgung haben beispielsweise auch Menschen ohne Papiere oder EU-Bürger_innen ohne Krankenversicherung. Und auch für Migrant_innen mit Aufenthaltstitel und Krankenversicherung kann sich der Zugang aus verschiedenen Gründen schwierig gestalten.</p>
<blockquote><p>Migrant_innen sind überproportional durch HIV und Aids bedroht</p></blockquote>
<p>Dabei sind Migrant_innen laut Robert Koch-Institut eine epidemiologisch relevante Zielgruppe, die überproportional durch HIV und Aids bedroht ist.</p>
<p>2016 zum Beispiel wurden etwa mehr als ein Drittel der HIV-Neudiagnosen bei Migrant_innen gestellt, und unter ihnen ist auch die Zahl der sogenannten <em>late presenters</em> – Menschen, die erst bei fortgeschrittenem Immundefekt von ihrer HIV-Infektion erfahren – sehr hoch.</p>
<h2>Diskriminierungsfreie Ansprache von Zielgruppen</h2>
<p>Doch wie kann diese Zielgruppe erreicht werden, ohne der einzelnen Person ein erhöhtes Infektionsrisiko zu unterstellen? Tanja Gangarova berichtet, dass in einigen Arztpraxen Schwarze Frauen oft ohne Grund gefragt werden, ob sie einen HIV-Test gemacht haben oder ob sie HIV-positiv sind – weiße Frauen aber nicht. Ein Thema des Fachtags ist deshalb die Herausforderung, Zielgruppen diskriminierungsfrei anzusprechen und strukturelle Barrieren abzubauen.</p>
<p>Ein Weg ist der Zugang über Menschen, die in den jeweiligen Communities geachtet und respektiert werden.</p>
<p>Francesca Merico, HIV-Kampagnen-Koordinatorin vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kumenischer_Rat_der_Kirchen">Ökumenischen Rat der Kirchen</a> (World Council of Churches), berichtet von der internationalen Zusammenarbeit mit religiösen Respektspersonen. Um das Verständnis für die Probleme und Stigmatisierungserfahrungen von Menschen mit HIV zu erhöhen, bringt der Verband unterschiedliche Akteur_innen zusammen: Vertreter_innen religiöser Gemeinschaften, staatlicher Ministerien und Gesundheitseinrichtungen sowie Betroffene. Solche Beispiele zeigen: HIV-Prävention muss Menschen in ihren Lebenswelten abholen.</p>
<h2>Zugang zum Gesundheitssystem für alle schaffen – aber wie?</h2>
<p>Neben der Frage nach den Angeboten werden auf dem Fachtag auch institutionelle Beschränkungen des Gesundheitssystems diskutiert. Teilnehmer_innen fordern, dass eine medizinische Versorgung aller Menschen garantiert werden müsse – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.</p>
<p>„Als ich bei der DAH anfing, dachte ich, es gäbe in Deutschland keine Menschen ohne Krankenversicherung“, erzählt Alphonsine Bakambamba, Mitarbeiterin im Bereich Migration der Deutschen Aidshilfe. Schnell aber erfuhr sie, dass das nicht stimmt. In dem Workshop, den sie mit Lillian Petry und der Professorin Hella von Unger leitet, berichten Teilnehmer_innen von ihren Erfahrungen bei der Behandlung von Menschen ohne Papiere.</p>
<blockquote><p>Medizinische Versorgung darf nicht vom Aufenthaltsstatus abhängen</p></blockquote>
<p>Ein Mitarbeiter einer Aidshilfe in Baden-Württemberg zum Beispiel erzählt, er berufe sich gegenüber dem Gesundheitsamt auf den <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__19.html">Paragrafen 19 des Infektionsschutzgesetzes</a>. Auf diese Weise habe er Zusagen für eine medikamentöse HIV-Behandlung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus bewirkt. In anderen Regionen jedoch scheint das schwieriger zu sein, wie Teilnehmer_innen berichten.</p>
<p>In Berlin wurde Ende 2018 eine <a href="https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/berlin-hat-jetzt-eine-clearingstelle-fuer-menschen-ohne-krankenversicherung-12776/">Clearingstelle für Menschen ohne (ausreichende) Krankenversicherung</a> eingerichtet. Workshopteilnehmer_innen beurteilen diese Entwicklung einerseits als positiv, kritisieren aber andererseits, dass es dort in erster Linie um eine Legalisierung gehe, etwa durch einen Asylantrag. Häufig sei dies aber nicht möglich, weil für viele Betroffene im Rahmen des Dublin-Systems andere Länder zuständig seien, erklärt eine Mitarbeiterin des Berliner Projekts Fixpunkt. Wie auch diesen Menschen eine HIV-Behandlung ermöglicht werden kann, ist eine der zentralen Fragen des Workshops.</p>
<h2>Diskriminierung findet auch in der Wissenschaft statt</h2>
<p>„90-90-90 ist ein schönes Ziel“, urteilt Professorin Ciann Wilson von der Wilfrid Laurier University in Kanada. Um es zu erreichen, müssten aber auch die soziokulturellen Faktoren und Mehrfachdiskriminierungen Beachtung finden. „Menschen sind nicht von selbst gefährdet. Sie werden durch bestimmte Strukturen einem größeren Risiko ausgesetzt“, betont sie.</p>
<p>Ciann Wilson forscht zum Thema HIV und nimmt dabei auch den Wissenschaftsbetrieb selbst in den Blick. Auffällig sei, dass aus ihrer Altersgruppe nur noch eine Schwarze Person in diesem Forschungsfeld aktiv sei: sie selbst. Auf einer anderen Ebene hingegen spielten Schwarze Menschen in der Wissenschaft eine große Rolle: als Forschungsobjekte.</p>
<p>Die Professorin berichtet, dass in Kanada Teilnehmer_innen für Studien zum Thema HIV und Aids über Menschenrechts- oder Frauengesundheitsorganisation sowie migrantische Vereine rekrutiert werden. Dabei handele es sich vorwiegend um Menschen aus schwächeren sozialen Verhältnissen. Wilson kritisiert, viele von ihnen wüssten nicht, dass die Teilnahme an den Studien freiwillig sei. Was sie beobachtet, bewertet die Professorin als Ausbeutung verletzlicher Menschen für eine vorwiegend weiße Wissenschaft. „Daten-Sammlung ist neuer Sklavenhandel“, betont sie.</p>
<h2>Auseinandersetzung mit ausgrenzenden Strukturen</h2>
<p>Ein weiteres Thema des Fachtags ist die Auseinandersetzung mit weißen Privilegien. Als Lösungsansatz wählen mittlerweile viele Organisationen Trainings zur Intersektionalität, denn die gängigen interkulturellen Trainings sehen viele kritisch: sie seien meist zu sehr auf die „Kultur der Anderen“ ausgerichtet und würden oft Stigmatisierung bereits stigmatisierter Communities reproduzieren. Viele Probleme hätten aber nichts mit „Kultur“, sondern mit ausgrenzenden und rassistischen Strukturen zu tun.</p>
<blockquote><p>Manchmal kann schon ein neues Layout ein Schritt in die richtige Richtung sein</p></blockquote>
<p>Die zeigen sich häufig schon am äußeren Erscheinungsbild: Selbstkritisch bemerken einige Teilnehmer_innen, dass die Eingangsbereiche zu ihren Beratungsstellen ein einseitiges Bild vermitteln. Viele Flyer und Broschüren richteten sich vorwiegend an homosexuelle, weiße, deutsche Männer. Als Frau oder Migrant_in fühle man sich davon nicht angesprochen, bemerkt eine Teilnehmerin.</p>
<p>Ein Teilnehmer aus Dortmund präsentiert als Gegenbeispiel einen Flyer, der sich vor allem an afrikanische Communities richtet. „So ein Öffnungsprozess ist in unserer Arbeit sehr wichtig “, betont er. Und so zeigt sich: Manchmal kann schon ein neues Layout ein Schritt in die richtige Richtung sein.</p>
<p><em>Redaktion: Holger Sweers</em></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="u0ZgG5NDp2"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/global/90-90-90-ziele-fortschritte-probleme/">Fortschritte, aber auch Probleme auf dem Weg zu einer Welt ohne Aids</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Fortschritte, aber auch Probleme auf dem Weg zu einer Welt ohne Aids&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/global/90-90-90-ziele-fortschritte-probleme/embed/#?secret=KVwa5JfH7U#?secret=u0ZgG5NDp2" data-secret="u0ZgG5NDp2" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="SBGdRsW8wy"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/interview-pum-kommattam-rassismus/">„Antirassistische Arbeit muss 365 Tage im Jahr passieren“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Antirassistische Arbeit muss 365 Tage im Jahr passieren“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/interview-pum-kommattam-rassismus/embed/#?secret=gzfHSBjgEB#?secret=SBGdRsW8wy" data-secret="SBGdRsW8wy" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="ABKWkz5ISP"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/notloesung-clearingstellen-hilfreich-aber-nicht-ausreichend/">Notlösung Clearingstelle: Hilfreich, aber nicht ausreichend</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Notlösung Clearingstelle: Hilfreich, aber nicht ausreichend&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/notloesung-clearingstellen-hilfreich-aber-nicht-ausreichend/embed/#?secret=A71MH3wMh5#?secret=ABKWkz5ISP" data-secret="ABKWkz5ISP" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="AEYlZkIueK"><p><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/wir-wollen-dass-menschen-ohne-papiere-behandelt-werden-koennen/">„Wir wollen, dass alle Leute behandelt werden können“</a></p></blockquote>
<p><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Wir wollen, dass alle Leute behandelt werden können“&#8220; &#8212; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/wir-wollen-dass-menschen-ohne-papiere-behandelt-werden-koennen/embed/#?secret=wA2Qtn4j37#?secret=AEYlZkIueK" data-secret="AEYlZkIueK" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
      </div>
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