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Amsterdam bezahlt medizinische Begleitung der informellen HIV-PrEP

Der Rat der Stadt Amsterdam hat 375.000 Euro für die medizinische Begleitung von Menschen bewilligt, die eine informelle HIV-PrEP machen.

Eine Mehrheit stimmte heute für einen entsprechenden Antrag der Parteien D66 und GroenLinks.

Das heißt: Wer sich „informell“, also auf eigene Faust die Medikamente für diese Methode zum Schutz vor HIV besorgt, soll die dafür nötigen regelmäßigen Untersuchungen finanziert bekommen.

Vorreiterrolle gegen die Angst

„Im Kampf gegen HIV hat Amsterdam schon immer eine Vorreiterrolle gespielt, und es ist wichtig, dass wir das jetzt wieder tun“, sagte Femke Roosma von GroenLinks laut Het Parool.

Lieben können, wie man will – ohne Angst

Jan-Bert Vroege von D66 ergänzte: „Es geht vor allem um die Angst, die bei vielen Männern herrscht und die sie immer im Hinterkopf haben. Amsterdam ist eine Stadt, in der man lieben können muss, wie man will – ohne Angst.“

Stadtrat Eric van der Burg hofft, dass das Amsterdamer Modell im Rest der Niederlande Schule macht. Zugleich wies er darauf hin, dass die PrEP keinen Schutz vor anderen Geschlechtskrankheiten bietet, und riet zum Kondomgebrauch.

Was ist die PrEP?

Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen Medikamente gegen HIV, um eine HIV-Infektion zu vermeiden. Die Abkürzung steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und bedeutet etwa „Vorsorge, bevor man sich HIV aussetzt“. Das unterscheidet sie von der Post-Expositions-Prophylaxe (PEP), die man nach einem wahrscheinlichen Kontakt mit HIV anwendet.

Die PrEP schützt wirksam

Die PrEP schützt wirksam: Weltweit sind nur einzelne Fälle beschrieben worden, in denen es trotzdem zu einer HIV-Infektion kam (aidshilfe.de berichtete).

Meist ist nur die informelle HIV-PrEP erschwinglich

Das Mittel für die PrEP, das HIV-Medikament Truvada, ist seit 2016 in Europa zugelassen, wird aber in der Regel nicht von den Krankenkassen oder dem staatlichen Gesundheitssystem finanziert. Zu den Ausnahmen gehören Frankreich, Norwegen und Schottland.

Truvada ist teuer. In Deutschland kostet eine Monatsration bei täglicher Einnahme einer Pille über 800 Euro, in den Niederlanden 560 Euro. Viele Menschen, die sich mit der PrEP vor HIV schützen wollen, besorgen sich deswegen preisgünstige Nachahmermedikamente (Generika) über das Ausland. Der Preis für eine Monatsration liegt dann bei etwa 50 Euro oder darunter.

Truvada gilt als gut verträglich. Eine seltene, aber schwerwiegende Langzeitnebenwirkung ist eine Schädigung der Nieren.

Zur PrEP gehört eine gute medizinische Begleitung

Zu einer PrEP gehören aber nicht nur die Medikamente, sondern auch Untersuchungen vor dem Beginn und während der PrEP:

  • Vor dem Start und anschließend alle drei Monate muss man einen HIV-Test machen: Wenn man schon HIV-infiziert ist oder sich trotz PrEP ansteckt (z. B., weil man die Medikamente nicht regelmäßig nimmt), reichen die PrEP-Tabletten nicht zur Behandlung der HIV-Infektion aus, und die Viren können unempfindlich gegen dieses wichtige Medikament werden.
  • Des Weiteren sollte vor Beginn einer PrEP ein Hepatitis-B-Test gemacht bzw. der Impfschutz überprüft werden.
  • Außerdem muss die Nierenfunktion regelmäßig untersucht werden, denn die PrEP-Wirkstoffe können die Nierenleistung leicht vermindern.
  • Nicht zuletzt gehört zur PrEP, sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten und Hepatitis C untersuchen zu lassen.

(hs)

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Holger Sweers

Holger Sweers

Holger Sweers, seit 1999 als Lektor, Autor und Redakteur bei der Deutschen AIDS-Hilfe, kümmert sich um die Redaktionsplanung des Magazins.

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