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HIV & DEPRESSION (4)

Was hilft bei Depressionen? Zehn Anregungen

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(Bild: o-zero / photocase.com)

Im Umgang mit einer Depression gibt es keine „goldenen Regeln“, die für alle gelten. Das macht die Behandlung so schwierig. Aber es gibt Mittel und Wege, um depressiven Schüben Herr zu werden. Zehn Anregungen, die bei einer Depression helfen könnten.

1 Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Das Gute an einer Depression: Die Heilungschancen sind hoch. Meistens klingt sie nach einigen Monaten von alleine ab. Nimmt sie jedoch zu, kommt man nicht mehr ohne fremde Hilfe aus der Abwärtsspirale heraus. Man sollte daher professionelle Unterstützung suchen, auch wenn es sehr schwer fällt. Ein Arzt des Vertrauens kann weiterhelfen. Erste Hilfe kann auch die Telefonseelsorge leisten: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr, kostenlos aus dem Festnetz).

2 Eine Psychotherapie erwägen

Für die Behandlung einer Depression ist das Gespräch von großer Bedeutung. Vielen hilft es, wenn sie über ihre Sorgen sprechen können. Eine Psychotherapie ist dafür ein professioneller Rahmen. Sie ist mühsam, kann aber langfristig einen Ausweg aus der Depression weisen. Für die Wahl des richtigen Psychotherapeuten gibt es keine Faustregel. Aber: Die „Chemie“ muss stimmen. Im Laufe einer Psychotherapie kommt es auch zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten. Vertrauen in den Therapeuten ist daher Grundvoraussetzung.

3 Antidepressiva in Betracht ziehen

Medikamente können bei einer Depression hilfreich sein. Gerade in Hochphasen wirken sie erleichternd und ermöglichen zum Beispiel die Teilnahme an einer Gesprächstherapie. Man muss sie ja nicht ein Leben lang einnehmen.

4 Medikamente nicht selbst verordnen

Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel sollte man nie ohne Rücksprache mit Arzt oder Therapeut einnehmen. Das gilt besonders bei einer Depression. Die Gefahr gesundheitlicher Schäden ist hoch. Bei einer HIV-Therapie gilt außerdem: Vorsicht bei Johanniskraut. Dieses Hausmittel gegen Verstimmungen beschleunigt den Abbau von HIV-Medikamenten und verändert so deren Wirkung. Der HIV-Schwerpunktarzt kann Alternativen empfehlen.

5 Den Tag strukturieren

So wie eine Depression das seelische Gleichgewicht aus dem Lot bringen kann, kann sie auch den Tagesrhythmus beeinträchtigen. Vielen Betroffenen hilft es, wenn sie ihrem Tag eine feste Struktur geben: Aufstehen. Duschen. Frühstück. Mittagessen. Kaffeepause – alles zu einer festen Uhrzeit. Auch regelmäßige Unternehmungen können den Tag überbrücken. Zum Beispiel ein Treffen mit einem guten Freund. Wichtig: Die Tagespunkte sollten nicht zu dicht gesetzt werden. Sonst können sie leicht überfordern.

6 In Bewegung bleiben

Bewegung wirkt wie ein Antidepressivum: mäßiger Dauerlauf, Spaziergänge oder Ausflüge mit dem Rad. Die körperliche Aktivität stärkt das Wohlbefinden und beugt einer Depression vor. Wichtig dabei ist, dass man sich realistische Ziele setzt. Wer sich zu viel zumutet, geht das Risiko einer Enttäuschung oder Erschöpfung ein. Das kann die Depression verstärken.

7 Bei Alkohol und Drogen zurückhalten

Alkohol und andere Drogen machen einen depressiven Schub vielleicht erträglicher. Langfristig aber können sie die Depression verstärken und zu einer Verfestigung der Krankheit führen.

8 Gefühle ernst nehmen

Empfindungen sollte man weder dramatisieren noch bagatellisieren. Jeder Mensch hat depressive Phasen, sie gehören zum Leben dazu. Gerade eine HIV-Diagnose kann sehr belasten, gleiches gilt für den Beginn einer HIV-Therapie.  Jeder zweifelt ab und zu an sich selbst. Entscheidend ist, mögliche Warnsignale einer dauerhaften Depression zu erkennen. Ein erster Hinweis sind regelmäßige Schlafstörungen, ein sehr deutliches Signal sind Selbstmordgedanken.

9 Kontakt zu Angehörigen halten

Freundschaften und Familie leiden unter einer Depression. Es fällt schwer, Kontakt zu halten und Gespräche zu führen. Betroffene sollten trotzdem versuchen, den Kontakt zu Partnern, Freunden oder Familie nicht abreißen zu lassen – so gut das eben geht. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, sich wenigstens einmal am Tag oder in der Woche zu festen Zeiten zu einer gemeinsamen Unternehmung zu verabreden.

10 Zur Seite stehen

Freunde und Angehörige eines an Depression Erkrankten sind wichtige Unterstützer: Sie können Verständnis zeigen, Ängste nehmen und Hilfe vermitteln – etwa indem sie gemeinsam mit dem Erkrankten nach einem Therapeuten oder einer Selbsthilfegruppe suchen. Die Unterstützung sollte aber nicht in Bevormundung umschlagen. Die Situation ist für alle Beteiligten schwierig, gerade bei der Langzeitbehandlung ist viel Geduld erforderlich. Angehörige sollten daher auch auf die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit achten.

Zusammenstellung: Michael Thiele/Philip Eicker

Das Dossier HIV & Depression im Überblick

Teil 1: Depression – die unbekannte Volkskrankheit (13.06.13)
Teil 2: Grenzen der Belastbarkeit (13.06.13)
Teil 3: „Von Hühnern und Rosinen“ – Paar-Reportage (13.06.13)
Teil 4: Was hilft bei Depression? Zehn Anregungen (14.06.13)
Teil 5: Pillen oder Psychologen? Was hilft besser gegen Depression? (14.06.13)
Teil 6: Keinen Nerv für die Gesundheit: Diskriminierung schürt Depression (15.06.13)
Teil 7: HIV und Depression? Alles im Griff! (15.06.13)

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Philip Eicker

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1 Comment

  1. Pascal
    16. Dezember 2015 at 7:47 — Antworten

    Ich schlage als 11. Anregung eine anti-inflammatorische Ernährung und Lebensweise vor. Es spricht viel dafür, dass Depressionen sehr häufig durch sog. stille Entzündungen (engl. silent inflammation) im Körper des Betroffenen verursacht werden können, d.h. sub-akute Entzündungen. Hoch verarbeitete Lebensmittel enthalten stets viele pro-inflammatorische chemische Verbindungen wie z.B. omega-6-Fettsäuren. Auch Stress und Elektrosmog kommen als Ursache für stille Entzündungen im Körper in Frage. Ein anti-inflammatorischer Lebensstil ist die Grundlage für ein ausgeglichenes Sein.

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