Das ugandische „Anti-Homosexualitäts-Gesetz“ führt zu Diskriminierung, Schikanen, Erpressung und Verletzung der Rechte von LGBTIQ*-Personen durch die Polizei und auch die Gesellschaft.

Im Mai 2023 setzte der ugandische Präsident Yoweri Kaguta Museveni mit seiner Unterschrift den „Anti-Homosexuality Act“ in Kraft. Wir sprachen mit Alex* (*Pseudonym, der Name ist der Redaktion bekannt), Geschäftsführer einer ugandischen NGO, über die Auswirkungen dieses Gesetzes auf LGBTIQ*-Personen, die Zivilgesellschaft und die HIV/Aids-Prävention und -Versorgung.

Lieber Alex*, du arbeitest für ein als NGO eingetragenes Netzwerk, das sich für Frauenrechte und Frauengesundheit im Kontext des Klimawandels sowie für die sexuelle und reproduktive Gesundheit und die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzt. Könntest du unseren Leser*innen das Netzwerk etwas näher vorstellen?

Unser Netzwerk ist eine Frauenrechtsorganisation aus mehreren hundert Einzelmitgliedern und mehr als 30 registrierten und nicht registrierten Gruppen, darunter LGBTIQ*, Sexarbeiter*innen, Geflüchtete und Anwält*innen. Wir haben uns vor etwa zehn Jahren gegründet, um den Status und die Sichtbarkeit von Frauen, Mädchen und LGBTIQ* zu verbessern und uns für Klimagerechtigkeit, Gesundheit, Menschenrechte und wirtschaftliches Empowerment zu engagieren.

Unsere NGO ist landesweit tätig, wir haben zwölf Vollzeitmitarbeiter*innen und zwei Ehrenamtliche, die die Aktivitäten der Organisation am Laufen halten.

Unser Netzwerk befasst sich mit Fragen des Klimawandels, der Gesundheit von Frauen und der wirtschaftlichen Selbstversorgung und betreibt unter anderem Lobbyarbeit, Kompetenzentwicklung, die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten sowie klimagerechte Landwirtschaft.

Wir können auf eine lange Erfolgsbilanz bei der Durchführung von Projekten in Uganda verweisen, unter anderem im Bereich der HIV-Prävention in Schlüsselgruppen. Dabei berücksichtigen wir die Grundsätze „niemanden zurücklassen“ und „nichts über uns ohne uns“.

Mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden können wir marginalisierte Frauen auf dem Land, LGBTIQ* und Sexarbeiter*innen unterstützen. Durch unsere Netzwerke und Einzelmitglieder gelingt es uns, die Herausforderungen, mit denen die Schlüsselgruppen in Uganda konfrontiert sind, zu identifizieren und ihnen zu begegnen.

Was sind die eklatantesten geschlechtsspezifischen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in Uganda?

Geschlechtsspezifische Ungleichheiten schränken die Möglichkeiten von Frauen und Mädchen ein, in vollem Umfang an Entwicklungsprogrammen in Uganda teilzunehmen und davon zu profitieren.

Diese Geschlechterungleichheiten werden durch formelle und informelle Institutionen wie das Patriarchat, Religion, Ehe und Familie sowie soziale und kulturelle Praktiken aufrechterhalten. Besonders wirkmächtig sind dabei die eklatanten Unterschiede beim Besitz von Vermögenswerten – insbesondere beim Landbesitz haben Frauen das Nachsehen, und auch was die Beschäftigungsmöglichkeiten angeht, haben Frauen im Vergleich zu Männern nur begrenzte Chancen.

Geschlechterungleichheit und Diskriminierung berauben Frauen und Mädchen ihrer grundlegenden Menschenrechte

Alex*, Geschäftsführer einer ugandischen NGO

In Uganda entfallen außerdem sechs von sieben HIV-Neuinfektionen bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren auf Mädchen. Bei Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit HIV leben, doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Männern.

Die hohe HIV-Prävalenz bei Frauen ist auf geschlechtsspezifische Ungleichheit und Diskriminierung zurückzuführen, die Frauen und Mädchen ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt – einschließlich des Rechts auf Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Entfaltung. Die daraus resultierende Entmachtung verwehrt Frauen und Mädchen auch sexuelle Autonomie, Entscheidungsmacht, Würde und Sicherheit.

Eine der schrecklichsten Formen der Geschlechterungleichheit ist geschlechtsspezifische Gewalt. Sie erhöht nachweislich das Risiko einer HIV-Infektion für Frauen und Mädchen, und bei Frauen, die mit HIV leben, kann sie den Zugang zur Behandlung und die Therapiefortführung beeinträchtigen.

Wie ist die allgemeine Lage in Sachen HIV und Aids in Uganda? Wie sieht die Strategie der Regierung aus und wie wird sie vor Ort umgesetzt?

2017 lag die HIV-Prävalenz bei Erwachsenen von 15 bis 64 Jahren in Uganda bei 6,2 Prozent: 7,6 Prozent bei Frauen und 4,7 Prozent bei Männern. Das entsprach etwa 1,2 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, die in Uganda mit HIV lebten.

Nach Angaben der Weltbank ist diese Prävalenz bis 2021 auf 5,2 Prozent gesunken, während der Anteil der Frauen an allen Menschen mit HIV ab 15 Jahren von 62 auf 63 Prozent gestiegen ist.

In Uganda wurde der Zugang zu HIV-Angeboten durch das 2014 verabschiedete Gesetz zur Prävention und Kontrolle von HIV und Aids erschwert. Es stellt Verhaltensweisen unter Strafe, die zu einer HIV-Übertragung durch Personen führen könnten, die ihren HIV-Status kennen, und erlaubt es Mitarbeiter*innen aus dem Gesundheitswesen, den HIV-Status einer Person gegenüber Dritten offenzulegen.

Dies hat vorhersehbarerweise dazu geführt, dass sich weniger Menschen auf HIV testen lassen. Der Anteil von Menschen aus den Schlüsselgruppen, die ihren HIV-Status kennen, HIV-Angebote in Anspruch nehmen, sich in Behandlung begeben und diese auch fortführen, ist immer noch gering. Dies ist auf mangelndes Wissen über HIV, die Kriminalisierung, Stigmatisierung und Diskriminierung in Verbindung mit einem hohen Maß an Menschenrechtsverletzungen zurückzuführen.

Ugandas Fünf-Jahres-Strategie gegen HIV und Aids ist ein Koordinierungsinstrument für die nationalen Aktivitäten, das auf Grundlage von Erfahrungen aus der nationalen HIV/Aids-Partnerschaft entwickelt wurde. Der Plan setzt Prioritäten für die Themenbereiche Prävention, Versorgung, Behandlung sowie soziale Unterstützung und skizziert die wichtigsten Schritte, um die Systeme für die Leistungserbringung zu stärken. Diese Prioritäten und Vorgaben spiegeln wider, welche schwierigen Entscheidungen getroffen werden mussten, um trotz begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen die Zahl der HIV-Neuinfektionen möglichst weit zu verringern.

Sexarbeiter*innen sind eine weitere Schlüsselgruppe. Wie ist ihre rechtliche und soziale Situation in Uganda?

Prostitution steht nach Paragraf 139 des Strafgesetzbuchs unter Strafe. Nach diesem Paragrafen begeht jede Person, die Sexarbeit ausübt oder sich an ihr beteiligt, eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren geahndet wird.

Da solche Straftaten jedoch schwer zu beweisen sind, greift die Polizei häufig auf die Bestimmungen gegen Belästigung oder Erregung öffentlichen Ärgernisses sowie gegen Herumlungern oder Landstreicherei gemäß den Paragraphen 167 und 168 des Strafgesetzbuchs zurück, um Sexarbeiter*innen und LGBTIQ*-Personen willkürlich zu verhaften.

Im Mai 2023 erhielt die Parlamentsabgeordnete Anna Adeke die Erlaubnis, erneut ein Gesetz über Sexualdelikte einzubringen. Präsident Museveni hatte sich 2021 noch geweigert, ein solches Gesetz zu unterzeichnen. Der Gesetzentwurf enthielt Bestimmungen zur Verhinderung und Bestrafung sexueller Gewalt, doch gleichzeitig wurden LGBTIQ*-Personen und Sexarbeiter*innen sowie Organisationen, die ihre Interessen vertreten und für ihre Rechte kämpfen, weiter kriminalisiert. Das Gesetz enthielt zudem Bestimmungen, die Diskriminierung aufgrund des HIV-Status vorsehen.

Wie ist die Situation für LGBTIQ* in Uganda ganz aktuell? Beeinflussen die Gesetze, schwulenfeindliche Hetze und Homophobie den Alltag von Menschen, die nicht in die „heterosexuelle Norm“ passen, noch stärker als bisher? Wirken sie sich auf die Arbeit deiner Organisation aus, und wenn ja, auf welche Weise?

In Uganda erleben LGBTIQ* heute Diskriminierung, Belästigung, Erpressung und Rechtsverletzungen durch die Polizei sowie durch Menschen aus den Communitys, in denen sie leben, durch Barbesitzer*innen und Gesundheitspersonal.

Männer, die Sex mit Männern haben, werden zu Analuntersuchungen gezwungen und erleiden Outings und unrechtmäßige Verhaftungen durch die Polizei, einigen wird aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechtsausdrucks der Zugang zu Gesundheitsdiensten verweigert.

In Uganda erleben LGBTIQ* heute Diskriminierung, Belästigung, Erpressung und Rechtsverletzungen

Alex*, Geschäftsführer einer ugandischen NGO

LGBTIQ* erleben häufig öffentliche Demütigungen, gewalttätige Angriffe und andere Formen der Diskriminierung: Sie werden entlassen, von Familien und Religionsgemeinschaften ausgeschlossen, zusammengeschlagen und ihnen wird der Zugang zu Bildung, Wohnraum und Beschäftigung verwehrt.

Das zivilgesellschaftliche Engagement in Uganda wird unterdrückt. Das ugandische NGO-Gesetz aus dem Jahr 2016 erschwert nach wie vor die Arbeit von Organisationen, die sich mit Themen wie LGBTIQ* und Sexarbeit befassen, indem es den Organisationen „besondere Verpflichtungen“ auferlegt, nichts zu tun, was den „Gesetzen Ugandas“ sowie der „Sicherheit“ und den „Interessen“ der Ugander*innen schadet.

Das neue Anti-LGBTIQ*-Gesetz verstärkt den Druck auf unsere Organisation und unsere Partner*innen sowie auf kleinere, von Menschen aus den Schlüsselgruppen geführte Organisationen. Wir sind zur Zielscheibe geworden: Unsere Mitarbeiter*innen werden verdächtigt, selbst zur Gruppe der LGBTIQ* zu gehören oder LGBTIQ* zu fördern, was unser Leben zum Beispiel aufgrund des Drucks von Vermieter*innen oder Dienstleister*innen gefährdet.

Wir haben von LGBTIQ* gehört, die mit HIV leben und keinen Zugang mehr zu antiretroviralen Medikamenten haben, entweder aus Angst um ihr Leben, weil ein Mob sie erwartet oder aus Furcht vor Verhaftung. Einigen Menschen mit HIV wird sogar die Behandlung verweigert, weil die Mitarbeiter*innen von HIV- und Aids-Kliniken Angst davor haben, „homosexuelle Menschen zu unterstützen“. Kannst du das bestätigen? Und hat das auch Auswirkungen auf andere Menschen mit HIV und Aids – und wenn ja, auf welche Weise?

Ja, ich kann bestätigen, dass die Zahl der Menschen in den Kliniken und Krankenhäusern aufgrund von Angst zurückgegangen ist. Die Auswirkungen des ugandischen Anti-LGBTIQ*-Gesetzes führen dazu, dass die HIV-Kliniken fast leer sind. In der Hauptstadt Kampala ist der übliche tägliche Zustrom von etwa 50 Patient*innen praktisch versiegt, und antiretrovirale Medikamente liegen ungenutzt herum, da viele Patient*innen untergetaucht sind.

In ländlichen Gegenden sind LGBTIQ*-Personen bekannt und können leicht identifiziert werden, was ihnen den Zugang zu Gesundheitsdiensten erschwert und auch die Gesamtöffentlichkeit beeinträchtigt. Zum einen sind LGBTIQ* unsere Kinder. Und zum anderen hat der größte Geldgeber für antiretrovirale Medikamente gegen HIV/Aids, die USA im Rahmen von PEPFAR Uganda, damit gedroht, die Unterstützung für die Bereitstellung von Medikamenten und die finanzielle Unterstützung für die Regierung von Uganda einzustellen, da das neue Anti-LGBTIQ*-Gesetz die Arbeit von PEPFAR „illegal“ machen könnte.

Welche Rolle spielt die Religion bei all dem? Wir haben von Christ*innen gehört, die sagen: „Es ist in Ordnung, Homosexuelle zu töten, um ‚unsere Kinder zu schützen‘.“

Einflussreiche Meinungsmacher*innen schüren oft die Stigmatisierung und legitimieren sie, spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung von Normen, Einstellungen und der öffentlichen Meinung zu Schlüsselgruppen und beeinflussen das Ausmaß der öffentlichen moralischen Empörung, Verurteilung und Diskriminierung.

Von vielen religiösen Führungspersönlichkeiten gibt es Beispiele von Hassrede gegen Männer, die Sex mit Männern haben, und andere sexuelle Minderheiten. Sie schließen Mitglieder der Schlüsselgruppen aus ihren religiösen und traditionellen Gemeinschaften aus.

Hassrede und diskriminierende Äußerungen haben wir auch vom Erzbischof der Kirche von Uganda, Kazimba Mugalu, gehört: „Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sie in die falsche Richtung gehen, und ich möchte die Kirche von Uganda, alle Gläubigen und die Diözesen dazu aufrufen, mit eigenen Projekten unsere Einnahmen zu erhöhen, damit wir uns nicht von den Geldern der verirrten Kirche verlocken lassen“, sagte Kazimba, nachdem die Generalsynode der Kirche von England im Februar 2023 einen Antrag verabschiedet hatte, der Priestern die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erlaubt.

„Homosexualität, Lesbianismus, Transgender und andere Dinge dieser Art … die Kirche von Uganda ist immer noch stark und wird immer stark sein. Wir können nicht in dieselbe Richtung gehen wie diejenigen, die vom Weg abgekommen sind. Es ist ein Prozess, wir diskutieren, die Bischöfe diskutieren, und am Ende wird es eine Provinzialversammlung geben, in der das Oberhaupt der Laien, die Provinz und andere eine offizielle Erklärung abgeben werden“, so Erzbischof Kazimba weiter.

Die meisten religiösen Führungspersönlichkeiten, darunter der Erzbischof der Kirche von Uganda und führende muslimische Vertreter*innen, haben den ugandischen Präsidenten Museveni zur Unterzeichnung des Anti-LGBTIQ*-Gesetzes beglückwünscht.

Was sind derzeit die dringlichsten Bedarfe von LGBTIQ*-Personen? Kann man ihnen überhaupt noch helfen, ohne Gefahr zu laufen, wegen Unterstützung von Menschen angezeigt zu werden, die des „Vergehens der Homosexualität schuldig“ sind?

In Uganda sind LGBTIQ* heute starker Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt. Männer, die Sex mit Männern haben, und trans Personen werden nach wie vor aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität und ihres Geschlechtsausdrucks, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Lebensstils, der Art und Weise, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen, oder einfach aufgrund der Tatsache, dass sie mit HIV oder Aids leben, ausgegrenzt und kriminalisiert. LGBTIQ* wird häufig vorgeworfen, die HIV-Epidemie anzuheizen, was sie noch stärker stigmatisiert und marginalisiert.

Die starke Stigmatisierung, Diskriminierung und Marginalisierung von LGBTIQ* führt zu einem hohen Maß an Stress, Depressionen und vielen anderen psychischen Problemen. Die Folge ist häufig Alkohol- und Drogenkonsum, was wiederum das Wohlbefinden beeinträchtigt und zu mehr riskantem Sexualverhalten sowie zu Problemen bei der konsequenten Durchführung der HIV-Behandlung führt.

Einige Personen brauchen Nahrung und Flüssigkeit, eine Unterkunft und Geld, um ihre alltäglichen Bedürfnisse zu decken.

Ja, wir können LGBTIQ*-Personen unterstützen. Unser Schwerpunkt wird dabei auf finanzieller Nachhaltigkeit und nationaler und internationaler Vernetzung liegen, um ein stärkeres, unabhängiges und diverses Netzwerk sowie die Zivilgesellschaft zu fördern. Wir werden diese Stärken und Strategien auch als Katalysator nutzen, um Kapazitäten bei unseren Partner*innen und anderen kleinen, von Schlüsselgruppen geführten Organisationen zu stärken, damit sie dem Druck der Regierung standhalten können.

Glaubst du, dass deine Organisation in der schwierigen und gefährlichen Situation, die durch das „Anti-Homosexualitäts-Gesetz“ entstanden ist, überhaupt noch etwas bewirken kann?

Ja. Die Erfahrung aus früheren Projekten zeigt, dass der Peer-to-Peer-Ansatz eine kosteneffiziente und wirksame Methode zur Förderung nachhaltiger Entwicklungsveränderungen ist, die den Begünstigten fast unmittelbar und direkt zugutekommt, sie stärkt und ihr Selbstwertgefühl verbessert.

Die starke Stigmatisierung, Diskriminierung und Marginalisierung von LGBTIQ* führt zu einem hohen Maß an Stress, Depressionen und vielen anderen psychischen Problemen

Alex*, Geschäftsführer einer ugandischen NGO

Diese Methode werden wir gegenüber den Begünstigten fortsetzen, sie wird aber auch unsere Arbeit mit den Verantwortungsträger*innen inspirieren. Wir werden Verantwortliche bei Polizei und Gesundheitsdienstleister*innen, die wir bereits geschult haben, zur Schulung von Kolleg*innen und zum Aufbau von Kapazitäten einsetzen. Wir werden uns auch weiterhin stark darauf konzentrieren, den Austausch von Methoden, Erkenntnissen, Kapazitäten und Best Practices zwischen den Partner*innen zu erleichtern. Wir werden verstärkt Kapazitäten zwischen Partner*innen und Begünstigten als Katalysator für Veränderungen aufbauen und neue Möglichkeiten schaffen, um unsere Ansätze zu erneuern und die Umsetzung neuer Aktivitäten und Methoden zu beschleunigen, um sowohl Begünstigte als auch Interessengruppen einzubinden.

Dazu gehören die Verteilung von HIV-Selbsttests, HIV-Medikamenten und Kondomen an Sexarbeiter*innen, der Aufbau von Kapazitäten für die Online-Kommunikation für Sitzungen und Schulungen, die Nutzung digitaler Mittel zur Unterstützung der Einnahmetreue bei der HIV-Behandlung und der PrEP sowie die Nutzung von psychosozialen WhatsApp-Selbsthilfegruppen.

Unsere NGO bildet zudem Partner*innen in digitalen Schulungen zu Ausbilder*innen für HIV und sexuelle Gesundheit allgemein aus.

Weitere Informationen zum Netzwerk vom Geschäftsführer Alex*

Unser Netzwerk hat verschiedene Programme zur Unterstützung von marginalisierten Frauen, LGBTIQ*, Sexarbeiter*innen und Geflüchteten in Uganda. Wir veranstalten Workshops, öffentliche Dialoge, Radiotalkshows, Gesundheitsaufklärung und setzen Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung in den Communitys sowie zum wirtschaftlichen Empowerment um.

Die Qualifizierung von Frauen, Mädchen und LGBTIQ* gehört zu unseren Prioritäten. Wir stärken die Möglichkeiten von Frauen zur Wertschöpfung über verschiedene Kleinstunternehmen, etwa zur Herstellung von wiederverwendbaren Damenbinden oder in den Bereichen Schneiderei, Weberei und Kunsthandwerk oder Herstellung von Holzkohlebriketts, wir stärken die Vernetzung junger Frauen zum Austausch von Fähigkeiten, Aufbau kollektiver Geschäftsbeziehungen und den Marktzugang, und wir fördern die Beschäftigung von Frauen und LGBTIQ* in Uganda durch Unterstützung der Unternehmensentwicklung, durch Förderung beruflicher und technischer Fertigkeiten, um die Chancen auf Zugang zum Arbeitsmarkt durch Lohnarbeit oder Selbstständigkeit zu verbessern, durch Vermittlung marktrelevanter beruflicher und technischer Fertigkeiten für gefährdete Jugendgruppen (einschließlich Frauen/Mädchen und Flüchtlinge) und durch Förderung der Entwicklung von Wertschöpfungsketten zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, mit denen Menschen ihren Lebensunterhalt sichern.

Frauen, Klimawandel und Umwelt: Neben der Qualifizierung von Frauen befähigen wir sie auch in Sachen klimagerechte Landwirtschaft, damit sie bessere Erträge erzielen und zugleich unsere Umwelt schützen. Frauen in Uganda sind zunehmend stärker durch die Auswirkungen des Klimawandels gefährdet als Männer, vor allem, weil sie die Mehrheit der Bevölkerung unter der Armutsgrenze stellen und proportional stärker von den bedrohten natürlichen Ressourcen abhängig sind.

LGBTIQ* und Gesundheit von Frauen: Frauen und LGBTIQ* haben besondere Gesundheitsbedarfe. Angesichts der zunehmenden HIV-, Krebs- und Müttersterblichkeit bei Frauen entwickelt unsere NGO Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung, Beratung und Versorgung an der Basis vor Ort, um der Frauensterblichkeit entgegenzuwirken. Wir organisieren Gesundheitscamps für HIV- und Krebsvorsorgeuntersuchungen und führen öffentliche Dialoge durch, um das Bewusstsein für diese Themen in ländlichen Gemeinden zu verstärken.

Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit (SRGR) für LGBTIQ* und Frauen: Unser Ansatz ist, dass LGBTIQ* und Frauen bei uneingeschränktem Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit auch Zugang zu Familienplanung, Beratung, Information und Aufklärung, zu Angeboten im Zusammenhang mit ungewollten Schwangerschaften, Prävention, Kinderwunsch, sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) und zu Maßnahmen gegen schädliche traditionelle Praktiken wie die weibliche Genitalverstümmelung haben und sich dadurch ihre Lebensbedingungen verbessern. Unser Netzwerk konzentriert sich dabei auf die Themen geschlechtsspezifische Gewalt, Gesundheitsrechte von Müttern und Rechte marginalisierter Gemeinschaften. In diesem Bereich führen wir Workshops zum Kapazitätsaufbau für Gesundheitspersonal und Village Health Teams (VHTs), aufsuchende Arbeit und Camps für HIV-Tests und -Beratung, Krebsvorsorge sowie öffentliche Dialoge durch, um Wissen und Kenntnisse in Sachen HIV und Aids sowie andere Krankheiten zu vermitteln. Außerdem veranstalten wir regelmäßig Radio- und Fernseh-Talkshows, um das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen.

Bekämpfung von Gewalt gegen LGBTIQ* und Frauen: Gewalt gegen LGBTIQ*, Frauen und Mädchen ist eine schwere Menschenrechtsverletzung mit unmittelbaren sowie auch langfristigen körperlichen, sexuellen und psychischen Folgen – bis hin zum Tod. Unsere Aufgabe ist es, die Zivilgesellschaft, Gruppen und Fraueninitiativen zu mobilisieren, um diesem Übel ein Ende zu setzen. Der beste Weg zur Beendigung von Gewalt gegen LGBTIQ*, Frauen und Mädchen besteht unserer Überzeugung nach darin, sie von vornherein zu verhindern, indem wir ihre Wurzeln und strukturellen Ursachen angehen. Deswegen arbeiten wir mit Jungen und Mädchen, um respektvolle Beziehungen und die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern.

Zu unseren weiteren Maßnahmen gehören politische Dialoge, Bewusstseinsbildung, Lobbyarbeit sowie der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, um geschlechtsspezifische Gewalt zu beobachten, zu dokumentieren, darüber zu berichten und ihr etwas entgegenzusetzen.

Politische Teilhabe von LGBTIQ* und Frauen: Politische Teilhabe ist eine Grundvoraussetzung für die Gleichstellung der Geschlechter und für Demokratie überhaupt. Sie erleichtert die direkte Beteiligung von LGBTIQ* und Frauen an öffentlichen Entscheidungsfindungsprozessen und sichert die Rechenschaftspflicht der Entscheider*innen gegenüber Frauen und LGBTIQ*. Unsere NGO baut Kapazitäten von LGBTIQ* und Frauen auf, damit sie als politische Akteur*innen wirksam handeln können und die Entscheidungsprozesse geschlechtergerechter gestaltet werden können. Dabei unterstützen wir marginalisierte Frauen und LGBTIQ* sowohl als Kandidat*innen als auch als Wähler*innen.

HIV- und Aids-Prävention

Unsere NGO setzt sich insbesondere dafür ein, das Wohlbefinden und die Resilienz von LGBTIQ* zu verbessern, und zwar durch

  • Stärkung von LGBTIQ* und ihrer Fähigkeiten, sich vor HIV und Aids zu schützen
  • Verbesserung des Zugangs von LGBTIQ* und Frauen zu stigmatisierungsfreien Gesundheitsdiensten
  • Beseitigung struktureller sozialer, kultureller und rechtlicher Hindernisse für eine wirksame HIV-Prävention und -Behandlung
  • Ausbau der Kapazitäten von LGBTIQ*, von Frauen und von Organisationen, die Angehörigen sexueller Minderheiten geführt werden.

Unser Netzwerk baut Kapazitäten von zivilgesellschaftlichen Organisationen (CSOs) und Partner*innen aus den Schlüsselgruppen auf, damit sie als starke zivilgesellschaftliche Akteur*innen agieren können, und stärkt vor allem ihre Fähigkeit, die Ursachen für HIV-Infektionen anzugehen und das Wohlbefinden und die Resilienz von LGBTIQ* in Uganda zu stärken.

Wir bauen Kapazitäten der zivilgesellschaftlichen Organisationen sexueller Minderheiten und ihrer Partner*innen auf und stärken ihre Resilienz, damit sie sich für die Rechte von Schlüsselpersonen und die HIV-Prävention einsetzen können.

Wir klären die Menschen über ihr Recht auf Gesundheit auf und stärken sie dafür, dieses Recht einzufordern sowie sich vor HIV und sexuell übertragenen Infektionen zu schützen.

Wir befähigen Sexarbeiter*innen, sich neue Einkommensquellen zu erschließen, und vermitteln minderjährige Sexarbeiter*innen an Sozialdienste, um sie zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, aus der Sexarbeit auszusteigen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden.

Wir bauen die Kapazitäten des Gesundheitspersonals aus, damit es die Bedürfnisse und Rechte sexueller Minderheiten kennt und seiner Verpflichtung zu einer diskriminierungsfreien Gesundheitsversorgung nachkommt.

Wir setzen uns auf lokaler und nationaler Ebene für die Rechte von LGBTIQ* und Frauen sowie für Inklusion ein und motivieren Verantwortungsträger*innen und Interessengruppen dazu, die Rechte der Menschen aus den Schlüsselgruppen zu achten.

Mit diesem vielschichtigen Ansatz ebnen wir den Weg für eine verstärkte HIV-Prävention, besseres Wohlbefinden und größere Resilienz der Schlüsselgruppen in Uganda.

Wir gehen davon aus, dass Kapazitätsaufbau und stärkere Vernetzung zur Entwicklung starker, nachhaltiger zivilgesellschaftlicher Organisationen beitragen, welche die Rechte von Schlüsselpersonen stärken, sich wirksam für deren Rechte einsetzen und als Katalysatoren des Wandels zu einer stärkeren Zivilgesellschaft in Uganda beitragen können. Wir gehen davon aus, dass Personen aus den Schlüsselgruppen durch Schulungen in den Bereichen Kreditwesen, Sparen und Unternehmensführung ihre Resilienz stärken und leichter aus der Armut kommen. Dies steigert ihr Selbstwertgefühl und ihr Wohlbefinden, und stärkt ihre Fähigkeit, sich vor HIV zu schützen, die Behandlung fortzuführen und die HIV-Inzidenz zu senken.

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HIV in Belarus: Höchste Infektionszahlen bei Jugendlichen

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Holger Sweers

Holger Sweers, seit 1999 als Lektor, Autor und Redakteur bei der Deutschen Aidshilfe, kümmert sich um die Redaktionsplanung des Magazins.

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