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„Ich bin in einer mehr als privilegierten Situation“

Am 7. Juni 2011, einen Tag vor der UN-Generalversammlung zu HIV/Aids in New York, trafen sich über 60 Jugendliche aus allen Kontinenten zu einem Jugendgipfel, um zu beraten, wie die Regierungen der Weltgemeinschaft zur Einhaltung ihrer Versprechungen verpflichtet werden können. Von ihren Eindrücken berichtet Barbara Grappa aus Mannheim: Sie war eine der HIV-positiven Delegierten, die Deutschland vertreten haben.

Auf der UN-Vollversammlung zu HIV/Aids in New York präsentierten junge Menschen aus aller Welt ihre Forderungen. Foto: Thomas Stallkamp, pixelio.de

Auf der UN-Vollversammlung zu HIV/Aids in New York präsentierten junge Menschen aus aller Welt ihre Forderungen. Foto: Thomas Stallkamp, pixelio.de

Ich lebe als junge HIV-positive Frau in Deutschland und engagiere mich seit vier Jahren in der Positivenselbsthilfe. Der Zugang zu Medikamenten ist für mich gesichert, die Menschenrechte werden eingehalten und Institutionen wie die Deutsche AIDS-Hilfe bieten mir individuelle Beratung, Unterstützung und die Möglichkeit, mich mit anderen Positiven zu vernetzen. Ich kann deshalb selbstbewusst und selbstbestimmt mit meiner Infektion leben, ein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft sein und meine Zukunft planen.

„Ich kann selbstbewusst und bestbestimmt mit meiner Infektion leben“

Damit bin ich in einer mehr als privilegierten Situation, denn in vielen Ländern dieser Welt leiden Millionen Menschen mit HIV und Aids unter mangelnder medizinischer Versorgung und unter Diskriminierung. Viele junge Positive, die mit mir am Jugendgipfel teilnahmen, berichteten über ihr Glück, mehr oder weniger zufällig in ein Programm geraten zu sein, das ihnen wenigstens ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung und Unterstützung bietet. Dass man ihnen eine Chance gibt, die vielen Menschen in ihrem Umfeld vorenthalten wird, empfinden sie als Willkür.

Mehr Teilhabe für junge HIV-positive Menschen weltweit!

Allen Menschen mit HIV und Aids die Chance zu geben, bei möglichst guter Gesundheit und in Würde zu leben, ist ein Ziel, für das wir jungen Positiven gemeinsam kämpfen. Als Jugenddelegierte haben wir diesen Gipfel in New York dazu genutzt, uns unabhängig von Regierungen und Organisationen weltweit zu vernetzen und Forderungen zu formulieren, die wir auf der UN-Vollversammlung vorgestellt haben (Key Advocacy Messages for Youth 2011 FINAL Youth Caucus). Die wichtigsten lauten:

  • Mehr Teilhabe von jungen HIV-Positiven – nicht nur in lokalen Projekten, sondern auch auf nationaler und internationaler Ebene! Wir wollen bei allen Entscheidungen, die uns als HIV-Positive betreffen, direkt einbezogen werden.
  • Zugang zu sämtlichen Präventionsmethoden und Medikamenten sowie zu anonymer und kostenloser HIV-Testung für alle weltweit! Dieses Ziel muss endlich erreicht werden – auch für Jugendliche. Junge HIV-Positive sollten HIV-Medikamente erhalten können, ohne sich bei ihren Eltern outen zu müssen.
  • Spezielle Programme für junge Menschen mit HIV, die ihnen eine Zukunftsplanung ermöglichen und den Weg ins Berufsleben eröffnen!

Die Versprechungen, die die Weltgemeinschaft in New York gegeben hat, müssen eingehalten werden: Bis zum Jahr 2015 muss für 15 Millionen Menschen mit HIV und Aids der Zugang zur antiretroviralen Therapie ermöglicht werden!

Weitere Informationen zum Jugendgipfel finden sich bei facebook und auf den Seiten des Aktionsbündnisses gegen Aids.

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