Die Finanzkrise geht auch an der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) nicht vorbei: Für Menschen mit HIV/Aids in Deutschland steht in diesem Jahr sehr viel weniger Geld zur Verfügung als 2008. „Sinkende Einnahmen zwingen uns dazu, unsere Unterstützung auf die Bedürftigsten zu konzentrieren“, sagt Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der DAS.

Kapitalerträge sinken drastisch seit 2008

300.000 Euro hat die DAS im laufenden Jahr für die Einzelfallhilfe eingeplant. Im Jahr 2008 konnte sie noch 650.000 Euro verteilen. Der Grund für den starken Rückgang liegt vor allem in gesunkenen Kapitalerträgen. Im Jahr 2008 erwirtschaftete die Hilfsorganisation mit Wertpapieren und Aktien 275.000 Euro weniger als im Jahr davor. Das schlägt nun auf das Budget durch.

In der Praxis wird dies nach Aussage der Stiftung bedeuten, dass Einzelfallhilfen weitgehend auf finanzielle Unterstützung im medizinischen und pflegerischen Bereich beschränkt werden müssen: Einen Rollator wird man zum Beispiel auch weiterhin bewilligt bekommen, eine Urlaubsreise nicht.

Zugleich soll eine „effektivere Vergabe“ der Mittel erfolgen. Sie werden verstärkt für Projektangebote in bestimmten Handlungsfeldern eingesetzt werden. Dazu zählt vor allem das Betreute Wohnen. Hier sei eine steigende Nachfrage zu verzeichnen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Deutsche AIDS-Stiftung hat schon seit einigen Jahren Einbußen durch sinkende Zinssätze bei Wertpapieren zu beklagen. Wenn Wertpapiere ausliefen und das Geld neu angelegt werden müsse, bekomme man heute deutlich schlechtere Zinskonditionen als früher, erklärt Volker Mertens, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der DAS. Bis vor kurzem habe man die Defizite noch durch Gewinne aus Aktien kompensieren können. Das sei nun durch die Folgen der Finanzkrise nicht mehr möglich.

Aktienwerte der Stiftung sind um 780.000 Euro gesunken

Ganz im Gegenteil: Die Aktien der DAS sind im letzten Jahr um 780.000 Euro im Wert gesunken. Die Gesamtbilanz der Stiftung weist darum unterm Strich ein entsprechendes Minus auf. Da die betroffenen Aktien bislang nicht verkauft wurden, kann sich dieser Verlust allerdings wieder reduzieren, wenn die Wirtschaftslage sich bessert.
Die DAS hat ihr Geld nach eigenen Angaben „konservativ“ zu etwa 80 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, die restlichen 20 Prozent in Aktien beziehungsweise Aktienfonds.

Beim Blick auf die Bilanz der DAS wird das Dilemma bei der Einzelfallhilfe nicht sofort deutlich. Die Erträge aus Spenden und Benefizerlösen sind im Jahr 2008 nämlich sogar um 295.000 Euro gestiegen. „Viele der Zuwendungen sind aber zweckgebunden, erläutert Volker Mertens, „etwa für internationale Hilfsprojekte“. Außerdem sei eine Erbschaft von 400.000 Euro in der Summe enthalten. Auch die sei zweckgebunden, und man könne erst im kommenden Jahr darüber verfügen, da es sich um eine Immobilie handele.

Die Deutsche AIDS-Stiftung hat auf die neue finanzielle Situation auch mit Einsparungen innerhalb der Organisation reagiert.

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Holger Wicht

Holger Wicht, Journalist und Moderator, ist seit 2011 Pressesprecher der Deutschen Aidshilfe

3 Kommentare

  1. Es ist Zeit, dass die DAS sich wieder auf ihr Kerngeschäft besinnt. Gute Vermögensverwaltung und Einzelfallhilfe. Alles andere kam im Laufe der Jahrzehnte hinzu und nun, in einer wirtschaftlichen Krisenlage, wird ausgerechnet am raison d’etre der DAS gespart. Ich finde das für die DAS peinlich.
    Besonders pikant: Menschen mit HIV/Aids erfahren davon aus der Presse und über die DAH und sind nicht in den Prozess der Entscheidungsfindung einbezogen. Auch hier sollte ein Motto der 90-er Jahre endlich ankommen: Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.

  2. So ganz kann ich Deiner Interpretation der Bilanz im Geschäftsbericht von 2008 nicht folgen, falls Du Dich auf die Zahlen im Geschäftsbericht von 2008 beziehst.

    Die Erträge (Spenden,Zuwendungen)2008 haben minimal um ca 20000 gegenüber 2007 zugenommen.
    Die Unterstützungen sind in 2008 gegenüber dem Jahr um 190000 zurückgegangen.

    Die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit sind um 60000 zurückgegangen sodaß die gestiegenen Personalaufwendungen von 25000 aufgefangen worden sind.

    Die einzigsten Posten die bei mir Fragen aufwerfen sind zum einen die sonstigen Aufwendungen in Höhe von 503000 sowie die außerordentlichen Aufwendungen von 841000. Das sind zwei paar verschiedene Schuhe.

    Was den sinkenden Aktienwert betrifft – nun das ist erst mal ein buchhalterischer Wert der dann zu Buche schlagen würde, wann man die angelegten Papier HEUTE verkaufen würde. Dies ist aber nicht der Fall.
    Was die Rendite auf betrifft, da gebe ich Dir recht. Allerdings wird die erst in 2009 voll zum tragen kommen, vorausgesetzt das Spendenaufkommen sollte gleich bleiben und. Hier liegt es also an der Aids Stiftung dahingehend tätig zu werden um dies wenn ich zu verhindern so doch in verträglichen grenzen zu halten. verträglich insofern das nicht das eine oder Ziel – wie z.b. die Einzefallhilfe nicht mehr verfolgen kann so wie es der Zielsetzung entspricht.

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