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Heilungsforscher in Melbourne. Ganz rechts: Ole Schmeltz Søgaard. Foto: Holger Wicht

Ein dänischer Wissenschaftler hat in Melbourne bedeutsame Ergebnisse einer Studie zur „Kick-and-kill“-Strategie vorgestellt: Ihm ist es gelungen, „schlummernde“ HI-Viren aus Reservoiren im Körper zu locken, um sie zu zerstören. Aus Melbourne berichtet Holger Wicht

Heilung ist eines der großen Themen der 20. Welt-Aids-Konferenz. Nachdem beim berühmten „Mississippi-Baby“ nun doch wieder HI-Viren nachweisbar sind, changierte anfangs die Stimmung der Veranstaltungen zum Thema zwischen konstruktiver Ernüchterung und fleißigem Optimismus. Statt von „cure“ wurde teilweise von „remission“ (Abklingen, Nachlassen) als dem nächsten Ziel gesprochen.

Seit heute Mittag kommt nun doch noch Begeisterung auf:  Der dänische Forscher Ole Schmeltz Søgaard von der Universität Aarhus stellte eine neue Studie zur „Kick-and-kill“-Strategie vor. Es ist ihm offenbar gelungen, einige HIV-Reservoire im Körper zu leeren.

Von diesem Ansatz versprechen sich viele Forscher besonders viel. Die Preisfrage: Welche Substanz kann „Schläferzellen“ aufwecken, in denen HIV über Jahre und Jahrzehnte im Körper überdauern kann? Das ist so wichtig, weil sich HIV von dort aus wieder vermehren kann, wenn man die bereits verfügbaren HIV-Medikamente absetzt. So ist es beim Mississippi-Baby geschehen, wenn auch erst nach relativ langer Zeit.

Nach der vermeintlichen Heilung des Babys dachten viele, die Bildung der Reservoirs sei durch eine sehr frühe HIV-Therapie verhindert worden. Nun ist klar: Zumindest einige HIV-Reservoire bilden sich sehr schnell, kurz nachdem jemand mit HIV infiziert wurde. Ein deutlicher Dämpfer. Die Lösung muss also einen Weg beinhalten, diese Virenspeicher zu beseitigen.

Neue Erkenntnisse zu „Kick and kill“

Gelingt es, die Zellen aus dem Dornröschen-Schlaf zu holen, wird mit den Zellen auch das HI-Virus aktiviert, das darin schlummert. Die bereits verfügbaren HIV-Medikamente würden dabei die Vermehrung des Virus im Körper verhindern. Die Schläferzellen jedoch würden nach der Aktivierung eines natürlichen Todes sterben oder vom Immunsystem beseitigt werden, das sie nun als infiziert erkennen würde.

Versuch gelungen: Viruslast steigt

Das dänische Forscher-Team gab HIV-Patienten mit einer gut wirksamen HIV-Therapie in einwöchigen Abständen dreimal das Krebsmedikament Romidepsin. (Für Fachleute: Das ist ein Hemmer des Enzyms Histon-Deacetylase).

Die gute Nachricht: Nach den Behandlungen stieg die Viruslast der Patienten kurzfristig erheblich an – für die Forscher ein Zeichen dafür, dass HIV aus den Reservoiren freigesetzt und damit unschädlich gemacht wurde. Ein kleiner Durchbruch. Die schlechte Nachricht: Auch nach dieser Prozedur gab es noch HI-Viren in schlafenden Zellen.

Das Problem ist das folgende: Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Zellen, die HIV-Reservoire bilden. Es sind noch nicht einmal alle Zellen bekannt, die man aktivieren müsste.

Kommen „kombinierte Heilmittel“?

Schmeltz Søgaard folgert, dass die getestete Substanz ein Baustein der Heilung werden könnte, aber alleine nicht ausreichen wird. Nach seiner Einschätzung wird die Heilung möglicherweise nur durch eine Kombination verschiedener Ansätze möglich werden. Der HIV-Community ist das Prinzip wohlvertraut: Nach den Kombinationstherapien und der „kombinierten Prävention“ wären das dann die „kombinierten Heilmittel“.

Nach den Sensationen (Berlin-Patient, Mississippi-Baby) folgen nun also die Mühen der Ebene. Das es voran geht, zeigt diese Studie. Es bleibt dabei: Die Heilung könnte in absehbarer Zeit greifbar werden. Nur hängen die süßesten Früchte halt ziemlich hoch.

Holger Wicht

Aktualisiert am 22.7., 17:23 Uhr

 

Hier die Pressemitteilung der dänischen Forscher vom 22.7.2014 (PDF-Datei in englischer Sprache): Media release Sogaard

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Holger Wicht

Holger Wicht, Journalist und Moderator, ist seit 2011 Pressesprecher der Deutschen Aidshilfe

1 Kommentar

  1. Jede Meldung bzgl „Heilung Impfstof“ war eine Frucht die sehr hoch hing. Es war der Hype der mit jeder Meldung einer „baldigen möglichen Heilung“ einherging der diese Frucht in greifbare Nähe rücken ließ. Auch die Ansätze waren mehr der weniger „immer vielversprechend“.

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