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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
	<lastBuildDate>Fri, 08 May 2026 12:48:50 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Neue Leitlinie zur Behandlung von Menschen, die Opioide konsumieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Holger Sweers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 11:49:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention & Wissen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Leitlinie „Opioidbezogene Störungen“ macht Hoffnung auf eine bessere medizinische Versorgung, so Dirk Schäffer von der Deutschen Aidshilfe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><strong>Fast drei Jahre wurde an ihr gearbeitet, im Februar 2026 wurde sie veröffentlicht: Die Leitlinie „Opioidbezogene Störungen“ macht Hoffnung auf eine bessere medizinische Versorgung, so Dirk Schäffer von der Deutschen Aidshilfe, der an ihr mitgearbeitet hat.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p><strong>Dirk, die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie ist eine sogenannte S3-Leitlinie. Kannst du uns erläutern, was S3-Leitlinien sind?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>S3-Leitlinien sind die höchste Qualitätsstufe<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> evidenzbasierter medizinischer Leitlinien in Deutschland, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Sie basieren auf systematischer Erhebung der wissenschaftlichen Fakten, ihrer Bewertung und einem strukturierten Konsensprozess durch Expert*innen. S3-Leitlinien bieten damit evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen und dienen der Vereinheitlichung von Behandlungsstandards, etwa in der Suchtmedizin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Noch viel zu oft müssen sich [Opioide konsumierende] Patient*innen mit Therapien und Auflagen herumschlagen, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen und die ihren Alltag unnötig erschweren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug der Deutschen Aidshilfe</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Mitgewirkt haben um die 70 Personen, darunter du als Drogenreferent der Deutschen Aidshilfe und auch als Aktivist der Selbsthilfe. In der Leitlinienkommission standest du für die Bürger*innen- und Patient*innenbeteiligung. Wie sah diese Arbeit aus?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich war erstmals Teil eines solchen Prozesses und hatte den Vorsitz einer Arbeitsgruppe zum Thema Selbsthilfe bzw. Selbstorganisation. Darüber hinaus war ich auch Mitglied einer weiteren Arbeitsgruppe zum Thema Versorgungsfragen. In diesen Arbeitsgruppen haben wir uns mehrere Male online getroffen und die entsprechenden Abschnitte der Leitlinie erarbeitet, diskutiert und schließlich zum Konsens gebracht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was sind die Ziele der Leitlinien?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>An erster Stelle steht, dass die Versorgungsqualität verbessert werden soll. Das ist auch dringend nötig, denn noch viel zu oft müssen sich Patient*innen mit Therapien und Auflagen herumschlagen, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen und die ihren Alltag unnötig erschweren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein Beispiel ist, dass viele Ärzt*innen sogenanntes retardiertes Morphin für die Take-Home-Versorgung ausschließen – das heißt, man muss für jede Tablette in die Praxis kommen, anstatt das Medikament wie bei anderen Wirkstoffen für mehrere Tage mit nach Hause zu bekommen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Praxen sind voll und es ist kein Platz für neue [Substitutions-]Patient*innen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dirk Schäffer, Deutsche Aidshilfe</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ein weiteres Ziel ist die bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten an der Patient*innenversorgung. Die Leitlinie richtet sich an Fachpersonal im ambulanten, stationären und teilstationären Bereich. Dazu gehören unter anderem Ärzt*innen in der Grundversorgung und Spezialversorgung, Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen, aber auch Pflegekräfte und Sozialarbeiter*innen.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und nicht zuletzt sollen die Leitlinien auch dazu beitragen, dass mehr Ärzt*innen in die Behandlung opioidabhängiger Menschen einsteigen. Denn leider zeigen die jüngsten Daten zum Substitutionsregister, dass die Zahl der substituierenden Ärzt*innen auf einen historischen Tiefstand gesunken ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>2025 haben gut 2.300 Ärzt*innen fast 79.000 Substitutionspatient*innen behandelt, wobei 501 von diesen Ärzt*innen nur jeweils bis zu zehn Patient*innen hatten, weil sie keine suchtmedizinische Qualifikation haben, sondern im Rahmen des sogenannten Konsiliarverfahrens unter Anleitung einer suchtmedizinisch erfahrenen Person handeln. Das Ergebnis: Die Praxen sind voll und es ist kein Platz für neue Patient*innen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Die ersten Leitlinien zur „Therapie der Opiatabhängigkeit“ wurden 2011 bis 2013 entwickelt, um insbesondere die Substitutionstherapie zu regeln. Was hat sich seither getan, was sind die Neuerungen bei den aktuellen Leitlinien?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es ist nicht ganz einfach, die mehr als 270 Seiten Leitlinie in aller Kürze zusammenzufassen. Allerdings kann man einige bemerkenswerte Veränderungen herausgreifen. Zum Beispiel schon allein, dass es ein Kapitel zur stützenden Funktion der Suchtselbsthilfe und zur Selbstorganisation von Menschen gibt, die Opioide konsumieren – diese Wirkung ist ja wissenschaftlich mittlerweile gut belegt. Das hat sich dann in den Empfehlungen 13.1 bis 13.3 niedergeschlagen, dass nämlich Patient*innen immer auch auf regionale Selbsthilfegruppen und Online-Selbsthilfeangebote hingewiesen werden sollen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Die Auswahl des Arzneimittels zur Substitutionsbehandlung sollte sich nach der von Betroffenen präferierten und zugelassenen Applikationsform richten.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Zitat aus der S3-Leitlinie Opioidbezogene Störungen</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Außerdem würde ich die verstärkte Einbeziehung der Patient*innen bei der Wahl des Medikaments und der Anwendungsform hervorheben. Der entsprechende Satz in der Leitlinie heißt: „Die Auswahl des Arzneimittels zur Substitutionsbehandlung sollte sich nach der von Betroffenen präferierten und zugelassenen Applikationsform richten.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Grundlage dafür ist auch, dass jetzt alle zur Substitutionsbehandlung zur Verfügung stehenden Wirkstoffe wie Methadon, Levomethadon, Buprenorphin, Buprenorphin/Naloxon, retardiertes Morphin oder Diamorphin gleichrangig bewertet werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Viele denken beim Thema Therapie für Menschen, die Opioide konsumieren, wahrscheinlich an das Ziel Abstinenz. Kommt dieses Thema eigentlich auch in den Leitlinien vor?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, aber vor allem in dem Sinne, dass mit den Patient*innen besprochen werden soll, was ein realistisches Ziel für sie ist – die langfristige Substitutionstherapie oder eine qualifizierte Entzugsbehandlung zum Erreichen einer Abstinenz. Und wenn sich Patient*innen in einer Substitutionsbehandlung befinden, soll ein Entzug nur dann angeboten werden, wenn ansonsten die Ziele der Substitution gefährdet sind oder ein Abbruch droht oder wenn Patient*innen selbst immer wieder den Wunsch nach einer Entzugsbehandlung äußern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>In der Leitlinie gibt es auch Empfehlungen zum Thema Schadensminimierung, also zur Senkung der Risiken beim Opioidkonsum. Das würde man ja in einer klassischen Behandlungsleitlinie nicht unbedingt erwarten, oder?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich persönlich war auch sehr überrascht, dass die Leitlinie Empfehlungen zum Thema Schadensminderung aufgenommen hat. Konkret werden die bedarfsgerechte Vergabe von Konsumutensilien, Drogenkonsumräume, Take-Home-Naloxon – um bei Drogennotfällen Leben zu retten –, Straßensozialarbeit und niedrigschwellige Kontaktläden genannt. Der Gedanke ist, dass man mit diesen Angeboten die Gesundheit erhält – zum Beispiel, indem man Übertragungen von HIV und Hepatitis C, Abszesse oder Überdosierungen verhindert – und die Inanspruchnahme von Therapien und Behandlungen verbessert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe die klare Erwartung, dass Mediziner*innen in der Substitutionsbehandlung diese Leitlinien ernst nehmen und die Empfehlungen, die alle auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse in hoher Übereinstimmung verabschiedet wurden, auch in die Praxis umsetzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug der Deutschen Aidshilfe</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Gibt es noch etwas, was du hervorheben willst?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe mich sehr gefreut, dass das Thema Take-Home-Naloxon mit einer klaren Empfehlung benannt wird. Naloxon soll opioidabhängigen Personen zur Verringerung drogenbedingter Todesfälle zur Verfügung gestellt werden. Dies gilt selbstverständlich auch für die Substitutionsbehandlung und ich habe Hoffnung, dass diese Empfehlung zur flächendeckenden Verbreitung von Naloxon-Nasensprays beiträgt. Leider ist es nämlich noch immer so, dass Menschen, die sich Naloxon-Spray verschreiben lassen wollen, oft vor unnötigen Hürden stehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welche Hoffnung verbindest du mit den neuen Leitlinien?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe die klare Erwartung, dass Mediziner*innen in der Substitutionsbehandlung diese Leitlinien ernst nehmen und die Empfehlungen, die alle auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse in hoher Übereinstimmung verabschiedet wurden, auch in die Praxis umsetzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dies gilt insbesondere für die engere Einbeziehung der Patient*innen in wesentliche Entscheidungen über Behandlungsziele, eingesetzte Medikamente und Anwendungsformen. Auch die Empfehlung zu Take-Home-Naloxon ist extrem wichtig für die Selbstbestimmung und Teilhabe.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und nicht zuletzt bieten die Leitlinien Menschen, die sich damit beschäftigen, ob sie in der Substitutionsbehandlung aktiv werden wollen, einen klaren und verlässlichen Rahmen und eine gute Grundlage für eine Entscheidung für diese wichtige Behandlungsform.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die neuen S3 Leitlinien sind hier zu finden:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/076-012l_S3_Opioidbezogene-Stoerungen_2025-11.pdf">https://register.awmf.org/assets/guidelines/076-012l_S3_Opioidbezogene-Stoerungen_2025-11.pdf</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Anm. d. Red.: S1-Leitlinien sind Handlungsempfehlungen von Expert*innengruppen, die informell einen Konsens finden; S2k-Leitlinien sind konsensbasierte Leitlinien eines repräsentativen Gremiums, die in einem strukturierten Verfahren einen Konsens finden; S2e-Leiltinien sind evidenzbasierte Leitlinien, die auf systematischer Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur basieren. S3 Leitlinien verbinden die evidenz- und die konsensbasierten Leitlinien; vgl. https://www.awmf.org/regelwerk/stufenklassifikation-nach-systematik</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p><a id="_msocom_1"></a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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			</item>
		<item>
		<title>Martina H.: Ich habe meine Jahre der Sucht wenig als negativ erlebt und bereue nichts</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/interview-martina-drogengebrauch/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/interview-martina-drogengebrauch/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philine Edbauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 09:57:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Szene & Community]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
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		<category><![CDATA[Substitution]]></category>
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					<description><![CDATA[Martina H. fing als Teenager an, Heroin zu konsumieren. Später hat sie dann die Selbstorganisation JES Berlin mitbegründet. Im Interview mit magazin.hiv erzählt sie ihre Geschichte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><strong><strong>Martina H. fing als Teenager an, Heroin zu konsumieren. Später hat sie dann die Selbstorganisation JES Berlin mitbegründet. Im Interview mit magazin.hiv erzählt sie ihre Geschichte.</strong></strong></p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-martina-du-hast-angefangen-heroin-zu-konsumieren-ungefahr-als-das-buch-wir-kinder-vom-bahnhof-zoo-uber-christiane-felscherinow-erschien-oder">Martina, du hast angefangen, Heroin zu konsumieren, ungefähr als das Buch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_Kinder_vom_Bahnhof_Zoo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“</a> über Christiane Felscherinow erschien, oder?</h3>

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<p>Ja, Anfang der 80er <em>[„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erschien 1978, Anm. d. Red.]</em>. Das Buch habe ich in der 9. Klasse gelesen. Das weiß ich noch wie heute, wie ich es unter dem Schultisch verschlungen habe. Es hat mich wirklich inspiriert.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-was-daran">Was daran?</h3>

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<p>Das Berliner Nachtleben zum Beispiel. Ich wuchs in einer bürgerlichen Kleinstadt auf, zusammen mit meiner jüngeren Schwester, Großeltern, Tanten und Cousins. Ich war ein Opakind. Samstags putzten alle Männer ihre Autos und die Frauen fegten die Bürgersteige oder arbeiteten im Garten. Alle taten dasselbe, und wenn jemand mal nicht sichtbar war, fragte man besorgt: „Alles in Ordnung bei euch? Ist jemand krank?“ Das war nichts für mich. Ich dachte mir immer, ich erwarte irgendwie mehr vom Leben.</p>

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<p>Dann las ich das Buch – und war begeistert. Es war so toll beschrieben, was diese jungen Menschen alles erlebten. Das hat mich völlig angefixt, das wollte ich auch haben. Einen Teil davon in unserer Kleinstadt zu finden, war dann gar nicht mehr so weit. Bei uns gab es einen Club, eine Diskothek, wie wir damals sagten. Und auch wenn man noch keine 16 Jahre alt war, so wie meine Freundinnen und ich, war es sehr einfach, reinzukommen.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-und-da-gab-es-dann-gleich-alles-auch-sachen-zum-spritzen">Und da gab es dann gleich alles? Auch Sachen zum Spritzen?</h3>

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<p>Nicht alles, was es heute gibt, aber genau, auch zum Spritzen. Der Kontakt war sehr schnell hergestellt. Wenn du einmal da warst, dann hattest du Christiane F. gleich ganz nah.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-das-buch-beschreibt-auch-deutlich-die-negativen-erlebnisse-die-mit-ihrem-heroinkonsum-einhergingen-warum-war-das-nicht-abschreckend">Das Buch beschreibt auch deutlich die negativen Erlebnisse, die mit ihrem Heroinkonsum einhergingen. Warum war das nicht abschreckend?</h3>

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<p>Der Reiz und die Versuchung waren einfach größer. Die paar negativen Zeilen, die kamen mir unbedeutend vor. Das andere hat überwogen, es war viel mächtiger.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-ging-es-weiter-nachdem-du-als-teenager-angefangen-hast-heroin-zu-konsumieren-hast-du-die-schule-abgeschlossen">Wie ging es weiter, nachdem du als Teenager angefangen hast, Heroin zu konsumieren? Hast du die Schule abgeschlossen?</h3>

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<p>Ja. Ich habe mit 16 eine einjährige Ausbildung als Bekleidungsnäherin in einer Hosenfabrik gemacht und danach in einer Polstermöbel-Fabrik gearbeitet. Mit 18 war ich aber nicht mehr imstande, täglich zur Arbeit zu gehen. Anfangs war ich mehr auf Speed unterwegs und konnte damit sehr gut und schnell nähen. Wenn der Chef freitags fragte „Wer kommt Samstag zur Arbeit?“ war ich immer dabei, weil ich sowieso die Nacht durchgemacht habe.</p>

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<p>„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ hat mich wirklich inspiriert.&#8220;</p>

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<p>Aber als ich dann stark auf Heroin war, ging das nicht mehr. Mein Chef kam sogar zu meiner Mutter und fragte, was denn mit dem Mädchen los sei, „sie war doch immer so fleißig“. So ging es abwärts und bald bin ich dann zum ersten Mal beim Klauen erwischt worden. Da kippte langsam auch zu Hause alles.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-dein-mehrjahriger-konsum-war-bis-dahin-also-nicht-aufgefallen">Dein mehrjähriger Konsum war bis dahin also nicht aufgefallen?</h3>

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<p>Nein, die ersten ein, zwei Jahre nicht. Als es rauskam, ist meine Mutter zur Drogenberatung gegangen, um sich Hilfe holen. Die Hilfe der Drogenberatung bestand jedoch darin zu sagen: „Entweder das Kind will jetzt zur Therapie gehen oder du musst es vor der Tür setzen.“ Sozusagen mit der Pistole auf der Brust hat man mir diese beiden Möglichkeiten gegeben, also habe ich mich mit 18 zu meiner ersten Therapie breitschlagen lassen. Ich war zu dem Zeitpunkt auch wegen Diebstählen vor Gericht und durch die Therapie bekam ich eine Bewährungsstrafe statt Haft<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a>.</p>

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<p>Nach drei Monaten habe ich die Therapie aber abgebrochen, der Haftbefehl ging raus und ich kam das erste Mal ins Gefängnis.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-du-warst-als-teenager-heroinabhangig-und-hast-haftstrafen-erhalten">Du warst als Teenager heroinabhängig und hast Haftstrafen erhalten?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, mit gerade mal 18 Jahren. Die Strafen waren erst für kleine Ladendiebstähle, dann Autoradios, Lederjacken und so weiter. Man hatte seine Kundschaft. Mit den Diebstählen habe ich das finanziert, was hätte ich anderes machen sollen. Heroin war damals richtig teuer, zwischen 300 und 500 DM pro Gramm. Beim ersten Mal Knast waren es nur drei Monate Jugendstrafe. Beim zweiten Mal acht Monate und beim dritten Mal war ich dann etwas über ein Jahr drinnen. Es waren schnelle Wechsel zwischen Therapien und Knast.</p>

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<p>Meine Eltern hatten mir zwischendurch meinen Hausschlüssel abgenommen. Zu Hause kam ich nur noch rein, wenn sie auch da waren, weil auch Freund*innen von mir bei meinen Eltern lange Finger gemacht haben – Papas Lederjacke, Geld aus der Keramikdose und so weiter. Ich habe daraufhin bei drei Kumpels gewohnt, war viel draußen und bin nach Holland geflüchtet. Auch mit dem Schmuggeln von Drogen von Holland nach Deutschland konnte ich meine Sucht finanzieren. Das ging immer bis zum nächsten Therapie- oder Haftantritt gut.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-fur-deine-dritte-inhaftierung-hat-auch-deine-familie-eine-wichtige-rolle-gespielt-richtig-wie-lief-das-ab">Für deine dritte Inhaftierung hat auch deine Familie eine wichtige Rolle gespielt, richtig? Wie lief das ab?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In Deutschland lief wieder ein Haftbefehl gegen mich. An Weihnachten hatte ich mit meinen Eltern telefoniert. Ich hatte Heimweh. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um mich abzuholen und im Auto versteckt über die Grenze zu bringen, damit wir Weihnachten zusammen zu Hause verbringen können. Es war abgesprochen, dass sie mich danach wieder zurück nach Holland bringen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe ihnen gesagt, wo ich bin, und dann sind mein Vater, meine Mutter und mein Schwager losgefahren. Ich war bei meinem Dealer untergekommen und er hatte mir für die Tage auch noch was mitgegeben, damit ich nicht in den Entzug komme. Damals waren die Grenzen noch besetzt und es war also ein heikles Spiel, mich rüberzuholen. Ich habe mich unter dem Rücksitz unter einer Kapuze versteckt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich weiß, dass meine Eltern mir nichts Böses wollten. Sie waren ja auch verzweifelt und wussten nicht, was sie machen sollten.</p>

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    </div>
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</blockquote>

        </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Am Ende der Fahrt ist mein Schwager aber nicht nach Hause abgebogen, sondern weiter geradeaus gefahren. Wahrscheinlich hätten sie es lieber gehabt, wenn die Polizei an der Grenze zugeschlagen hätte, aber da ist alles gut gegangen. Sie brachten mich zur Polizeistation, ich hab mich erfolglos gewehrt. Weihnachten habe ich dann also im Polizeigewahrsam verbracht, bis ich ein, zwei Tage später in den Frauenknast nach Köln gekommen bin.</p>

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<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-blickst-du-heute-darauf">Wie blickst du heute darauf?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Meine Eltern und besonders meine Mutter waren froh, dass sie wieder schlafen konnten. Ich weiß, dass meine Eltern mir nichts Böses wollten. Sie waren ja auch verzweifelt und wussten nicht, was sie machen sollten. Damals aber war ich völlig irritiert, sauer und vor den Kopf gestoßen. Wenn wir heute miteinander über diese alten Geschichten sprechen, ist es immer noch nicht einfach für uns. Meine Mutter fängt noch heute an zu weinen und dann ich&nbsp;…</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sie haben wirklich viel durchgemacht. Mein Vater war immer arbeiten und hat sich eher rausgehalten. Wenn ich in Therapie war und Elterngespräche anstanden, hat er sich sehr schwer damit getan. Meine Mutter war offener. Sie ist zum Elternkreis gegangen, der hauptsächlich aus Frauen bestand. Aus Müttern, die sich mit der Drogenberaterin einmal in der Woche im Stuhlkreis zusammengesetzt und ausgetauscht haben. Jede hat erzählt, was zu Hause vorgefallen ist. Es war die einzige Stütze, die meine Mutter hatte.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In dem Elternkreis gab es allerdings leider wenig andere Vorstellungen von Lösungswegen als das Vor-die-Tür-Setzen, Therapie und Knast. Man glaubte, man müsse erst einmal ganz unten ankommen, bevor Hilfe möglich sei. Ich hoffe, das ist in den Elternkreisen heute anders. Meine Mutter hat sogar einmal zu Hause einen Entzug mit mir durchgemacht und sich nicht von meiner Seite bewegt. Es ging mir dann aber so schlecht, dass sie den Hausarzt rufen musste. Er hat uns etwas zur Beruhigung dagelassen. Lange habe ich allerdings nicht ausgehalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-war-es-in-haft-wie-muss-man-sich-das-vorstellen">Wie war es in Haft? Wie muss man sich das vorstellen?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die ersten Tage sind wirklich sehr schlimm. Und wenn man zudem einen Entzug durchmacht, ist das eine ganz üble Zeit. Sie haben einem das Licht in der Zelle nie ausgemacht, weil man immer unter Beobachtung stand. Haben ständig durch den Spion geschaut, ob man sich selbst etwas antut. Man versucht, das Licht zum Schlafen irgendwie abzuhängen, und wenn sie es merken, bollern sie gegen die Tür, bis das Tuch die Lampe nicht mehr abdeckt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Aber ich muss sagen, nachdem diese ersten Tage überstanden waren und der kalte Entzug vorbei war, ist es eigentlich eine recht coole Zeit gewesen. Nach zwei Wochen konnte man ohne Licht schlafen. Ich kann mich wirklich nicht beschweren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wenn ich in eine Situation komme, gucke ich sie mir an und für mich gibt es nicht nur Schwarz und Weiß. Ich versuche, aus allem irgendwie das Beste zu machen.</p>

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    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe alle drei Male, als ich im Knast war, super Jobs abgegriffen. Man lernt beim ersten Mal ziemlich schnell die Arbeitsbereiche kennen. Beim zweiten und dritten Mal weiß man schon, in welchen Bereichen man arbeiten will. Paletten auf dem Hubwagen mit neuer Ware zum Etikettieren und Verpacken durch die Gegend fahren, um die anderen Häftlinge mit Arbeit zu versorgen, war ein guter Job.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hinterher war ich Hausarbeiterin, das heißt, du hast in Jugendhaft den ganzen Tag die Zelle offen und versorgst das Haus, in dem du auch selber liegst. Du bringst den anderen Essen, gehst also von Tür zu Tür und kriegst immer mit, wo gerade Besuch war, wo was läuft, wer breit ist und wer nicht. Mit dem Essenswagen kamst du auch in die Großküche im Männertrakt. Dort habe ich jemanden getroffen, den ich von draußen kannte. So kamen kleine Lieferungen unter den Tabletts zu uns ins Haus.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich hatte im Knast auch die erste Erfahrung mit einer Frau. Es waren also viele schöne Momente dabei.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-es-hort-sich-so-an-als-ob-du-jemand-bist-die-sich-egal-was-im-leben-passiert-an-die-situation-schnell-anpasst-immer-schnell-freund-innen-findet-und-aus-jeder-situation-irgendwie-etwas-schones-macht">Es hört sich so an, als ob du jemand bist, die sich, egal was im Leben passiert, an die Situation schnell anpasst, immer schnell Freund*innen findet und aus jeder Situation irgendwie etwas Schönes macht.</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, ich denke schon. Wenn ich in eine Situation komme, gucke ich sie mir an und für mich gibt es nicht nur Schwarz und Weiß. Ich versuche, aus allem irgendwie das Beste zu machen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-aber-muss-man-sich-die-haft-nicht-auch-frustrierend-vorstellen">Aber muss man sich die Haft nicht auch frustrierend vorstellen?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, ich war schon auch mal wütend, aber immer nur kurzzeitig. Zum Beispiel, als mein Opa gestorben ist und ich nicht zur Beerdigung rausgelassen wurde, obwohl es als „besonderer Grund“ eigentlich hätte ermöglicht werden können – aber nicht als BtM-Inhaftierte. Auch der Entzug war sehr schlimm, denn du hast keine Medikamente bekommen. Aber die anderen Zeiten haben überwogen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-konnte-man-sagen-dass-die-haft-in-deinem-fall-sinnvoll-war">Könnte man sagen, dass die Haft in deinem Fall sinnvoll war?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Nein, das hätte nicht sein müssen. Man hätte es anders regeln können und müssen. Für meine Eltern war es wiederum gut, weil sie dachten, dass mir im Knast nichts passieren würde.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-waren-die-auferlegten-therapien-sinnvoll">Waren die auferlegten Therapien sinnvoll?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Therapien waren vergleichsweise hilfreich für mich, um über mein Suchtverhalten etwas zu lernen, aber auch überhaupt über mich. Das hast du ja im Knast nicht, im Knast bist du ja einfach nur weggesperrt und arbeitest, hörst Musik, isst und schläfst. Mehr machst du ja nicht und hast vielleicht ein bisschen Sex mit einer Frau und das war’s.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Aber mit viel Tränen und Wut in der Therapie, ob in Einzel- oder Gruppensitzungen, machst du schon einiges mit. Menschen da mit Auflage vom Gericht hinzuschicken, ist schon krass. Es muss gewollt sein, ansonsten funktioniert es nicht. Aber nicht nur für Süchtige, sondern auch für andere Menschen kann eine Therapieerfahrung gut sein. Es gibt leider immer noch genug Leute, die nie eine solche Erfahrung gemacht haben. Ich finde, man sollte es allen ein bisschen näherbringen, dass sie mal ausprobieren, an sich zu arbeiten. Aber eben nicht mit Strafen, es muss ihr Wille sein.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie denkst du generell über rechtliche Strafen bei Drogengebrauch?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es ist einfach nicht nachvollziehbar, warum ich mir zwei Flaschen Korn am Abend reinziehen kann oder Whiskey und das anders betrachtet wird. Wenn ich das mehrere Wochen lang täglich mache, bin ich auch Alkoholikerin. Und das hat keine rechtlichen Folgen, aber wenn ich ein bisschen Heroin rauche oder zieh mir Koks rein, wie auch immer, werde ich eine Verbrecherin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Alle gehen Risiken ein, ob im Straßenverkehr oder im Sport. Das würde man auch nicht verbieten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich hoffe, dass sich irgendwann mal was ändern wird, um alles gleich zu behandeln. Entweder wer trinkt, wird ebenfalls bestraft. Oder andersrum, das wäre natürlich besser. Es ist doch mein Körper und nicht der des Staates. Ich bin der Meinung, es sollte allen frei überlassen werden, ob und was sie konsumieren möchten. Ich bin davon überzeugt, dass der Konsum zurückgehen wird. Der Reiz des Verbotenen wäre weg.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-aber-drogenkonsum-ist-mit-risiken-verbunden-ist-da-vermeiden-nicht-besser">Aber Drogenkonsum ist mit Risiken verbunden, ist da Vermeiden nicht besser?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Alle gehen Risiken ein, ob im Straßenverkehr oder im Sport. Das würde man auch nicht verbieten.&nbsp;Man sollte die Angebote für Hilfen und Therapien ausbauen und mehr fördern und nicht wegen der Kosten noch mehr einsparen. Früher waren zwölf Monate Therapie mit sechs Monaten Nachsorge normal. Heute ist dies gekürzt auf drei bis sechs Monate und ohne Nachsorge. Uns hat man damals die Therapie wirklich noch ans Herz gelegt. Heute scheint das anders zu sein.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Therapie war schon sinnvoller für mich als der Knast, besonders die letzte, auch wenn ich die nicht ganz abgeschlossen habe. Die ersten beiden habe ich abgebrochen, aus der dritten wurde ich rausgeschmissen, weil ich schwanger wurde. Mit der Schwangerschaft kam dann für mich aber die Kehrtwende in meinem Leben und ich habe alles umgekrempelt.&nbsp;</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-du-hast-deinen-ehemann-dort-kennengelernt-und-bist-wahrend-der-dritten-therapie-schwanger-geworden-da-gab-bestimmt-einige-vorurteile-oder">Du hast deinen Ehemann dort kennengelernt und bist während der dritten Therapie schwanger geworden. Da gab bestimmt einige Vorurteile, oder?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dass zwei Süchtige sich gegenseitig helfen können, das hätten unsere Therapeut*innen damals nie gedacht. Eine Beziehung dort in der Therapie, das gehe gar nicht, sagten sie. Das könne doch nicht funktionieren, wenn beide süchtig sind. Und jetzt kam noch ein Kind dazu, um Gottes willen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es hieß, man könne das in der Klinik nicht tragen. Man ließ uns die Therapie nicht zu Ende machen. Mein Mann, damals mein Partner, war zu dem Zeitpunkt elf Monate dort. Nach zwölf Monaten warst du fertig und gingst in die Nachsorge. Ich war acht Monate da. Aber das Argument war, ich würde jetzt von den anderen Patient*innen bevorzugt und das wäre nicht gut.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-inwiefern-bevorzugt-das-verstehe-ich-nicht">Inwiefern bevorzugt? Das verstehe ich nicht.</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zum Beispiel könne jemand aus der Gruppe mir beim Putzdienst Arbeit abnehmen wollen, weil ich ja schwanger war, und jemand anderes könne dann sagen: „Wenn sie die Aufgaben nicht mehr macht, dann mache ich sie auch nicht mehr.“ So dachte man damals. Und dann haben die uns echt rausgeschmissen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir haben ihnen es dann aber gezeigt, dass sie falschlagen, und sind zwei bis drei Jahre zusammen mit dem Kind zu den Ehemaligen-Treffen gegangen, die in dieser Einrichtung stattfanden. Plötzlich waren alle ganz stolz auf dieses Kind, das dort bei ihnen gezeugt worden ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-wie-alt-warst-du-bei-dem-rausschmiss-und-wie-ging-es-dann-fur-euch-weiter">Wie alt warst du bei dem Rausschmiss und wie ging es dann für euch weiter?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich war 25. Wir sind dann nach Bonn gezogen und haben ein ganz neues Leben aufgebaut mit völlig fremden Leuten, mit völlig fremden Nachbar*innen, ohne Familie ums Eck. Zunächst sind wir bei einem Kumpel eingezogen, der zu seiner Freundin zog. Kurz danach haben wir ein Zimmer in einem Haus für Leute bekommen, die unter Bewährung standen oder aus dem Knast gekommen sind und obdachlos waren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Unsere Eltern haben uns angeboten, nach Hause zu kommen, aber das wäre wirklich das Dümmste gewesen, was wir hätten machen können, wieder zurück in die alte Umgebung zu gehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir wollten neu anfangen und nicht zurück nach Hause. Deswegen hat uns die Bewährungshelferin in diesem Haus ein Zimmer besorgt. Das war nicht besonders schön, aber da konnten wir erst einmal unterkommen und Kontakt zu den Ämtern aufnehmen, um die Dringlichkeit für eine richtige Wohnung wegen der Schwangerschaft zu erklären. In dieser Unterkunft haben wir sogar noch geheiratet. Ja, das war schon auch krass, unsere Hochzeit im heruntergekommenen Haus, in diesem kleinen Zimmer mit Gemeinschaftsbad.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-waren-eure-eltern-bei-der-hochzeit-dabei">Waren eure Eltern bei der Hochzeit dabei?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, die Eltern, Schwiegereltern, meine Schwester und Schwager, also die engste Familie. Wir waren beim Standesamt im Stadthaus und dann schön im Restaurant essen, was meine Eltern bezahlt haben. Aber in die Hütte haben wir sie danach nicht reingelassen. Die hätten die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, wenn sie gesehen hätten, wie wir da hausten. Allein schon im Flur, diese Dusche und Toilette, die alle mitbenutzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Aber sonst wären wir ja wirklich auf der Straße gewesen. Unsere Eltern haben uns angeboten, nach Hause zu kommen, aber das wäre wirklich das Dümmste gewesen, was wir hätten machen können, wieder zurück in die alte Umgebung zu gehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dank der Hilfe meiner Schwiegermutter hat es dann auch schnell geklappt, eine eigene Wohnung zu bekommen. Sie hat damals an den Vorsitzenden vom Wohnungsamt geschrieben und unsere Geschichte erzählt, von der Therapie und dass wir jetzt versuchten, ein neues Leben zu starten. Man müsse doch den jungen Menschen helfen. Dieser Leiter vom Wohnungsamt hat uns dann eingeladen und uns versichert, dass er versuchen wird, uns ganz schnell zu helfen. Und es hat wirklich geklappt, dass wir im Oktober in unsere Wohnung gezogen sind. Im Dezember kam mein erster Sohn zur Welt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
      <div class="block block--type-core block--type-core-image block--spacing-small block--align-none">
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Martina H. mit Mitte 20 in der ersten gemeinsamen Wohnung in Bonn</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-damals-hast-du-eine-substitutionstherapie-angefangen-wie-lief-das">Damals hast du eine Substitutionstherapie angefangen. Wie lief das?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das ging damals nur, weil ich schwanger war. Damals kam man nur in die Substitution, wenn man Aids hatte oder ähnlich schwer krank war, wenn man mindestens drei Therapien abgebrochen hatte oder eben schwanger war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Anfang der 90er Jahre war es in der Substitution auch noch so, dass man das Ziel vorgegeben hatte, schnell clean zu werden. Die Leute mussten nach ein, zwei Jahren Substitution anfangen, runterzudosieren, sind dann aber wieder rückfällig geworden. Das ist auch mir passiert, aber mein Arzt hat mich, Gott sei Dank, schnell wieder aufgenommen. So konnte ich die Substitution fortsetzen, was wichtig war, weil ich ja derweil Mutter geworden war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Krankenkassen hatten es inzwischen gecheckt, dass es mit dem Runterdosieren nicht funktioniert. Zusammen mit den Ärzt*innen konnte man dann bei den Krankenkassen einen Antrag auf Substitution auf Lebenszeit stellen, was auch für mich gelang. Heute ist die Länge einer Substitutionsbehandlung zum Glück kein Thema mehr.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-konntest-du-beruflich-wieder-einsteigen">Konntest du beruflich wieder einsteigen?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, das lief für uns beide wunderbar. Mein Mann war sofort untergebracht in einem Kunststoffschlosserbetrieb. Und ich habe im Krankenhauskiosk einen Minijob gemacht. Nachdem man mich dort kennengelernt hatte, konnte ich hinterher in die Krankenhauskantine. Ein paar Jahre später kam der Sprung, wohl auch durch die Arbeit im Krankenhaus, zur Arbeit im Pflegeheim. Wir hatten wirklich eine gute Zeit in Bonn.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Vor allen Dingen habe ich da Claudia S. zufällig vor der Arztpraxis wiedergetroffen. Wir kannten uns noch aus unserer Heimat aus der Schulzeit. Es war ja damals keine Handyzeit, dass man sich mal eben connecten konnte. Nachdem wir zehn Jahre in Bonn gewohnt haben, sind wir ziemlich zeitgleich im Jahr 2001 nach Berlin gezogen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-ihr-habt-zusammen-jes-berlin-gegrundet-und-engagiert-euch-seither-fur-die-rechte-von-drogengebrauchenden-und-substituierten-kannst-du-davon-erzahlen">Ihr habt zusammen JES Berlin gegründet und engagiert euch seither für die Rechte von Drogengebrauchenden und Substituierten. Kannst du davon erzählen?</h3>

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<p>Am Anfang standen Claudia und ich noch ganz alleine am Kotti <em>[Anm. der Red.: Platz um den U-Bahnhof Kottbusser Tor, eine Gegend, in der sich unter anderem viele marginalisierte Drogengebrauchende treffen und verweilen]</em> und haben darauf aufmerksam gemacht, dass wir auf der Suche nach Menschen sind, die sich anschließen möchten. Wir wollten die User*innen wissen lassen, dass es da jetzt eine Gruppe gab. Die Menschen, die wir aufgesucht haben, hatten ein Recht darauf, zu wissen, was ihnen zusteht, wie zum Beispiel die Behandlung von Hepatitis C. Ein anderes Hauptanliegen wurde die Aufklärung von Konsumierenden und Ärzt*innen über die Substitution.</p>

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    </div>
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<h3 class="wp-block-heading" id="h-welche-irrtumer-begegnen-euch-haufig">Welche Irrtümer begegnen euch häufig?</h3>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Durch mein jahrelanges Engagement bei JES und auch in meinem Job bei <a href="https://felix-pflegeteam.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Felix</a> <em>[ambulanter Spezialpflegedienst in Berlin, Anm. d. Red.]</em>, wo ich mit vielen suchtkranken Menschen zu tun hatte, ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Substitution oftmals nicht gut läuft. Viele Ärzt*innen haben ihr persönliches Standardmedikament, auf das sie selber schwören, aber es ist nicht für jede*n das Richtige. Manche brauchen eben etwas anderes.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Liebe Ärzt*innen, traut euch, die richtige Dosis und den richtigen Wirkstoff gemeinsam mit den Patient*innen zu finden!</p>

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</blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich glaube, die meisten Ärzt*innen müssten sich mehr Zeit nehmen, ein bisschen genauer hinhören und nicht direkt so rigoros sein. Es wird so schnell geurteilt und sanktioniert, wenn die Urinproben <em>[zur Kontrolle von sog. „Beikonsum“, d.&nbsp;h. die Analyse über Abbaustoffe nichtverschriebener psychoaktiver Stoffe, Anm. d. Red.]</em> positiv ausfallen, und Patient*innen haben viel Angst davor. Der Beikonsum kann an einer zu niedrigen Dosis oder einem nicht passenden Substitut <a>liegen.</a> Ein Medikamentenwechsel kann bedeuten, dass der Suchtdruck schnell weg ist.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Liebe Ärzt*innen, traut euch, die richtige Dosis und den richtigen Wirkstoff gemeinsam mit den Patient*innen zu finden! Als im Jahr 2015 Substitol <em>[retardiertes und daher langwirksames Morphinsulfat, Anm. d. Red.]</em> in Deutschland eingeführt wurde, waren nicht viele Ärzt*innen bereit, ihre Patient*innen umzustellen. Aber die, die es gemacht haben, haben schnell gemerkt, dass die damit Substituierten keinen Suchtdruck mehr hatten – oder, wenn überhaupt, nur ganz wenig.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Einführung von Substitol und auch von Diamorphin <em>[medizinisch reines Heroin, <a href="https://magazin.hiv/magazin/diamorphin-substitution-interview-dirk-schaeffer/">zur Substitutionsbehandlung seit 2009 zugelassen, wenn auch mit relativ hohen Hürden</a>, Anm. d. Red.]</em> haben sehr dazu beigetragen, dass für viele Opiatabhängige das Mittel ihrer Wahl endlich verfügbar war. Tricksereien mit den Urinkontrollen waren endlich vorbei.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für keine*n war es schön, mit den Ärzt*innen nicht offen über den Beikonsum sprechen zu können. Man hatte ständig die Sanktionen im Kopf, die automatisch folgten, wenn die Probe positiv war. Zum Beispiel wurde Take-Home <em>[gut auf das Substitutionsmittel eingestellte Patient*innen können für bis zu sieben oder in begründeten Fällen bis zu 30 Tage Rezepte für eine eigenverantwortliche Einnahme beanspruchen, Anm. d. Red.] </em>sofort gestrichen, selbst für die Berufstätigen. Der tagtägliche Weg zur Praxis macht das Leben sehr schwierig, zum Beispiel wenn man arbeitet.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Aber es gibt sie, die richtigen Medikamente und die richtige Dosis für alle, die sie brauchen! Bis auf die wenigen, die den Originalstoff Heroin bevorzugen.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-zum-schluss-wurde-ich-gerne-noch-kurz-mit-dir-daruber-sprechen-wie-du-gesundheit-krankheit-und-sucht-siehst-wie-fandest-du-es-damals-1983-die-sucht-diagnose-zu-erhalten-als-beim-ersten-gerichtsverfahren-der-therapiestatt-strafe-antrag-gestellt-wurde">Zum Schluss würde ich gerne noch kurz mit dir darüber sprechen, wie du Gesundheit, Krankheit und Sucht siehst. Wie fandest du es damals, 1983, die Sucht-Diagnose zu erhalten, als beim ersten Gerichtsverfahren der Therapiestatt-Strafe-Antrag gestellt wurde?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Als ich noch drauf war, habe ich solche Dinge überhaupt nicht wahrgenommen. Ich habe mich erst dann darüber geärgert, als ich gemerkt habe, dass die Diagnose seitdem auf jeder ärztlichen Überweisung steht: „Zustand nach Heroinabusus“ <em>[Abusus ist der lateinische Begriff für „Missbrauch“, Anm. d. Red.]</em>. Selbst wenn ich zum MRT muss, egal was. Es wird direkt klargemacht, dass ein Mensch mit Heroinabusus in die Praxis kommt. Damit man mir bloß kein Betäubungsmittel gibt. Es interessiert nicht, dass ich schon lange kein Heroin mehr angepackt habe. Der Hinweis bleibt einfach stehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-was-ist-in-deinen-augen-ein-gesundes-leben">Was ist in deinen Augen ein „gesundes Leben“?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Laufen zu können, zumindest einigermaßen fit zu sein, satt zu sein. Also im Grunde bin ich da ganz einfach gestrickt, ich habe da nicht so hohe Ansprüche, ich muss keine muskulösen Körperteile haben oder so. Ich muss mich bewegen können, ich muss aufs Klo gehen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe mich nie als chronisch kranker Mensch gefühlt. Nur ab und zu krank, wenn ich entzügig war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Mit zunehmendem Alter kam die Frage nach Gesundheit für mich überhaupt erst auf. Als junger Mensch, kann ich sagen, habe ich mich damit überhaupt nicht beschäftigt. Gedanken mache ich mir erst über meine körperliche Gesundheit, seitdem ich angefangen habe, Schmerzen beim Gehen zu fühlen, die Spritzen vom Orthopäden irgendwann nicht mehr reichten und es eine Knie-OP brauchte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 class="wp-block-heading" id="h-ist-sucht-eine-krankheit">Ist Sucht eine Krankheit?</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, na ja, irgendwie schon und irgendwie nicht. Es ist eine psychische Erkrankung oder eine psychische und körperliche Erkrankung. Es kommt bei jeder Person darauf an. Es ist schon gut, wenn Sucht als Krankheit betrachtet wird. Aber ich habe das Gefühl, dass Krankheit gleich so negativ verstanden wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich habe meine Jahre der Sucht wenig als negativ erlebt, muss ich ehrlich sagen. Eigentlich waren es gute Zeiten und ich bereue nichts. Ich habe mich nie als chronisch kranker Mensch gefühlt. Nur ab und zu krank, wenn ich entzügig war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Bei Krankheit denkt man: Oh Gott, der arme Mensch hat da vor sich hin vegetiert. Aber ich habe viele schöne Jahre erlebt, obwohl ich ein süchtiger Mensch bin. Auch einfach mal los nach Spanien brettern und dort Zeit verbringen&nbsp;&#8230; Mein Leben war schön und kein Leben voller Krankheit. Ich habe wirklich viele schöne Zeiten erlebt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Anm. d. Red.: Bei einer Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren wegen einer Straftat, die auf eine diagnostizierte Abhängigkeit von illegalisierten Stoffen („Betäubungsmittelabhängigkeit“) zurückgeführt wird, kann ein Freiheitsentzug zurückgestellt werden, sofern sich die Person wegen dieser Abhängigkeit in einer staatlich anerkannten Einrichtung behandeln lässt (siehe § 35 Absatz 1 BtMG, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/__35.html">https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/__35.html</a>).<a id="_msocom_2"></a><a id="_msocom_3"></a><a id="_msocom_4"></a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/interview-martina-drogengebrauch/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Lust auf Reden über Sex</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/lust-auf-reden-ueber-sex/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/lust-auf-reden-ueber-sex/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Kossow]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2026 12:33:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Hausärzt*innen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Let's talk about Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Über Sex reden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559684</guid>

					<description><![CDATA[Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil menschlicher Gesundheit. Hausärzt*innen können dazu beitragen, dass selbstverständlich und sensibel über sie gesprochen wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil menschlicher Gesundheit. Hausärzt*innen können dazu beitragen, dass selbstverständlich und sensibel über sie gesprochen wird.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sexualität ist ein integraler Bestandteil menschlicher Gesundheit. Dennoch wird sie in der medizinischen Kommunikation – insbesondere in der hausärztlichen Versorgung – häufig gar nicht, oder wenn dann nur selektiv und anlassbezogen thematisiert. Dabei ist sie diagnostisch, therapeutisch und präventiv von erheblicher Relevanz. Daher wurde das Sprechen über Sexualität auf dem <a href="https://www.hiv-sti-fortbildung.de/de/fachtag-2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fachtag 2025 „Lust auf Reden – Sprechen über Sexualität in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung und Versorgung</a>“, Ende 2025 vom Projekt „Let’s talk about Sex“ der Deutschen Aidshilfe in Berlin durchgeführt, in den Fokus gerückt: Hausärzt*innen begleiten Patient<em>*</em>innen oft über viele Jahre, kennen ihre Lebenskontexte und genießen Vertrauen. Gerade hier sollte das Gespräch über Sexualität einen selbstverständlichen Platz haben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-sexualitat-hat-viele-dimensionen">Sexualität hat viele Dimensionen</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sexualität lässt sich als bio-psycho-soziales Erleben verstehen:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Auf biologischer Ebene ist sie an körperliche Funktionen gebunden, die durch Erkrankungen, Behinderungen, operative Eingriffe oder medikamentöse Therapien beeinflusst werden können.</li>



    
<li>Psychisch umfasst sie kognitive Bewertungen, Emotionen, Lernerfahrungen und mögliche Traumafolgen.</li>



    
<li>Sozial ist Sexualität in Beziehungskontexte und kulturelle Normen eingebettet, die Erwartungen und „Skripte“ vorgeben und patriarchal geprägt sind.</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ergänzend werden in der Sexualmedizin drei Dimensionen unterschieden: Lust-, Fortpflanzungs- und Beziehungsdimension (Beier et al. 2017).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Die Lustdimension umfasst die landläufig als „Sex“ bezeichneten Aspekte wie sexuelle Appetenz, Erregung oder Orgasmus.</li>



    
<li>Die Fortpflanzungsdimension betrifft (unerfüllten) Kinderwunsch, Zeugung, Empfängnis und Verhütung, Schwangerschaft und Elternschaft.</li>



    
<li>Die Beziehungsdimension spiegelt Bedürfnisse nach Bindung, Anerkennung und emotionaler Nähe wider.</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eine strukturierte Sexualanamnese sollte alle drei Dimensionen berücksichtigen, um Sexualität nicht auf genitale Funktionen oder heteronormative Praktiken zu verengen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-reden-uber-sexualitat-ist-nicht-nur-im-kontext-von-stis-und-verhutung-wichtig">Reden über Sexualität ist nicht nur im Kontext von STIs und Verhütung wichtig</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Im Kontext sexuell übertragbarer Infektionen (STIs) und Kontrazeption ist die Notwendigkeit eines Gesprächs über Sexualität noch am offensichtlichsten. Beratung zu Safer-Sex-Praktiken, Impfungen oder Testangeboten sollten zum medizinischen Standard gehören. Allerdings orientieren sich viele Gespräche – so sie denn stattfinden – noch an normativen Szenarien, die queere Lebensrealitäten, „normabweichende“ Präferenzen oder vielfältige Beziehungskonzepte unzureichend oder gar nicht einbeziehen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Aber auch darüber hinaus besitzt die Sexualanamnese erhebliche diagnostische Bedeutung. Sexuelle Funktionsstörungen sind häufig; die <a href="https://gesid.eu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GeSiD-Studie zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland</a> weist eine 12-Monats-Prävalenz nach <a href="https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/uebersetzung/_node.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ICD-11</a> von etwa 13–18 % in der Allgemeinbevölkerung aus (Briken et al. 2020) <em>[das heißt, bei 13 bis 18 Prozent der Allgemeinbevölkerung von 18 bis 75 Jahren tritt innerhalb eines Jahres eine der in der 11. Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-11) gefassten Störungen auf, Anm. d. Red.]</em>. Darunter fallen vor allem</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>die Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens,</li>



    
<li>die Dysfunktion der (weiblichen und männlichen) sexuellen Erregung, insbesondere die ausbleibende Lubrikation und Schwellung der Genitalorgane sowie die fehlende nicht-genitale Reaktion auf adäquate Stimulation</li>



    
<li>die Dysfunktionen des Orgasmus, insbesondere das Ausbleiben des Orgasmus</li>



    
<li>die Dysfunktionen der Ejakulation, insbesondere die männliche vorzeitige Ejakulation</li>



    
<li>sowie sexuelle Schmerzstörungen. .</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
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<p>Der Penis ist die Antenne des Herzens</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dr. Stephanie Kossow</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eine neu aufgetretene, generalisierte Erektionsstörung – also auch bei Masturbation und morgendlicher Erektion – gilt als möglicher Marker einer Störung der Gefäßfunktion und sollte kardiovaskulär abgeklärt werden. Zwischen erektiler Dysfunktion und kardialem Ereignis besteht häufig ein Zeitfenster von zwei bis fünf Jahren (Hackett 2010). Merke: Der Penis ist die Antenne des Herzens. Die frühzeitige Thematisierung kann somit präventiv sein.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen können die Sexualität betreffen. Antidepressiva wie beispielsweise selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, blutdrucksenkende Medikamente oder hormonelle Therapien können Appetenz, Erregbarkeit oder Orgasmusfähigkeit beeinträchtigen. Bleiben diese Effekte unangesprochen, kann es zu Non-Adhärenz kommen <em>[also dazu, dass die Medikamente nicht oder nicht nach Vorschrift genommen werden, Anm. d. Red.]</em>, sowohl aufgrund realer Nebenwirkungen als auch bereits durch die Befürchtung derselben. Ebenso sollten vor operativen Eingriffen – insbesondere im kleinen Becken – mögliche sexuelle Folgen explizit besprochen werden, auch im Sinne einer informierten Zustimmung (<em>informed consent</em>).</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sexuelle Gewalt und grenzverletzende Erfahrungen sind häufig, bleiben jedoch oft unerwähnt. Traumafolgestörungen verursachen nicht nur individuelles Leid, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten; für Deutschland wurden jährliche Traumafolgekosten in Milliardenhöhe geschätzt (Heim et al. 2012). Eine sensible, nichtvoraussetzende Gesprächsführung kann Betroffenen ermöglichen, Belastungen anzusprechen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Positiv erlebter Körperkontakt kann Blutdruck, Herzfrequenz und Stresshormone senken</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dr. Stephanie Kossow</cite></blockquote>

        </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auch Machtasymmetrien im Gesundheitswesen selbst bergen Risiken. „Professional sexual misconduct“ <em>[auf Deutsch etwa: sexuelles Fehlverhalten im Beruf, Anm. d. Red.]</em> ist ein Tabuthema, obwohl überall dort, wo Abhängigkeiten bestehen, Missbrauch möglich ist. Transparente Information über Rechte, Beschwerdewege und professionelle Grenzen stärkt Patient*innen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Besonders wichtig scheint mir an dieser Stelle noch mal der Hinweis, dass sexualisierte Gewalt, auch organisierte Formen, auch an Kindern, auch unter Zuhilfenahme von Betäubungsmitteln, kein Randphänomen ist und es von immenser Bedeutung ist, Betroffenen zuzuhören und ihnen Glauben zu schenken.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Soziale und intime Beziehungen beeinflussen Morbidität und Mortalität erheblich. Einsamkeit ist mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert (Holt-Lunstad et al. 2010). Positiv erlebter Körperkontakt kann Blutdruck, Herzfrequenz und Stresshormone senken (Ditzen et al. 2009). Umgekehrt wirken sich chronisch konflikthafte Beziehungen negativ auf kardiovaskuläre, endokrine <em>[im Blut messbare Hormone und deren Regulationsfaktoren, Anm. d. Red.]</em> und immunologische Parameter aus. Die Beziehungsdimension von Sexualität sollte daher als potenzielle Ressource in der Primärversorgung berücksichtigt werden.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Qualitativ befriedigende Sexualität korreliert weniger mit reiner genitaler Funktion als mit Authentizität, emotionaler Verbundenheit und gelingender Kommunikation (Kleinplatz 2006). Diese Perspektive relativiert eine rein funktionsorientierte Betrachtung sexueller „Leistungsfähigkeit“.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-u-ber-sexualitat-ins-gesprach-kommen">Ü<strong>ber Sexualität ins Gespräch kommen</strong></h2>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Warum wird dennoch so selten über Sexualität gesprochen? Häufig genannt werden Zeitmangel, fehlende Vergütung, Unsicherheit im Umgang mit Vielfalt sowie persönliche Scham oder mangelnde Ausbildung. Hinzu kommen unreflektierte Normannahmen zu Geschlecht, Körper, Praktiken oder Beziehungsformen.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Stigmatisierung aber wirkt gesundheitsschädlich und erhöht das Risiko für Depression, Angststörungen und Suizidalität. In einer US-amerikanischen Studie berichteten 19 % von BDSM praktizierenden Personen, aus Angst vor Diskriminierung medizinische Hilfe verzögert gesucht zu haben (Wright 2013).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Eine reflektierte, diskriminierungssensible Sprache ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine vertrauensvolle Ärzt*innen-Patient*innen-Beziehung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Dr. Stephanie Kossow</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Patient*innen testen die Gesprächsoffenheit häufig indirekt. Reaktionen auf beiläufige Hinweise, inklusive Sprache, das Abfragen von Pronomen oder sichtbare Zeichen von Diversitätssensibilität beeinflussen, ob weiterführende Themen angesprochen werden. Hier kann jede*r von uns einen Unterschied machen!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die ICD-11 führt Zustände mit Bezug zur sexuellen Gesundheit in einem eigenen Kapitel und entpathologisiert einvernehmliche sexuelle Praktiken sowie Geschlechtsinkongruenz (WHO 2019). Diese Neubewertung unterstützt eine weniger stigmatisierende Versorgung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Auch die konkrete Wortwahl ist bedeutsam. Begriffe wie „Vaginalausgang“ statt „Scheideneingang“ oder „innere und äußere Vulvalippen“ statt „Schamlippen“ vermeiden normative Zuschreibungen. Eine reflektierte, diskriminierungssensible Sprache ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine vertrauensvolle Ärzt*innen-Patient*innen-Beziehung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-fazit">Fazit</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sexualität ist weder Randthema noch Spezialdisziplin, sondern Querschnittsaufgabe hausärztlicher Versorgung. Sie liefert diagnostische Hinweise, beeinflusst Therapieadhärenz, eröffnet präventive Chancen und stärkt Gesundheitsressourcen. Voraussetzung ist eine professionelle Haltung, die Vielfalt anerkennt, Sprache reflektiert einsetzt und aktiv Gesprächsangebote macht. Wer Sexualität systematisch in die Anamnese integriert, verbessert die ganzheitliche Versorgung – und nutzt ein bislang unterschätztes Potenzial der Primärmedizin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-literatur">Literatur</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Beier, K. M., Bosinski, H. A. G. &amp; Loewit, K. (Hrsg.). (2017). <em>Sexualmedizin</em>. Elsevier.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Briken, P. et al. (2020). GeSiD – Gesundheit und Sexualität in Deutschland. <em>Bundesgesundheitsblatt</em>.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ditzen, B. et al. (2009). Positive couple interaction and endocrine responses. <em>Psychosomatic Medicine</em>, 71(5), 476–482. <a href="https://doi.org/10.1097/PSY.0b013e318187aef7">https://doi.org/10.1097/PSY.0b013e318187aef7</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hackett, G. (2010). The link between erectile dysfunction and cardiovascular disease. <em>International Journal of Clinical Practice</em>, 64(6), 682–696. <a href="https://doi.org/10.1111/j.1742-1241.2010.02410.x">https://doi.org/10.1111/j.1742-1241.2010.02410.x</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Heim, C. et al. (2012). Deutsche Traumafolgekostenstudie.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Holt-Lunstad, J. et al. (2010). Social relationships and mortality risk. <em>PLoS Medicine</em>, 7(7), e1000316. <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1000316">https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1000316</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kleinplatz, P. J. (2006). The components of optimal sexuality. <em>Family Process</em>, 45(3), 333–347. <a href="https://doi.org/10.1177/1066480706294126">https://doi.org/10.1177/1066480706294126</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>WHO (2019). <em>International Classification of Diseases 11th Revision (ICD-11).</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wright, S. (2013). Stigma and discrimination against BDSM practitioners. <em>American Journal of Public Health</em>, 103(7), 1139–1147. <a href="https://doi.org/10.2105/AJPH.2012.301069">https://doi.org/10.2105/AJPH.2012.301069</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/lust-auf-reden-ueber-sex/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Geht raus, trefft euch, verbündet euch!&#8220;</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/geht-raus-trefft-euch-verbuendet-euch/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/geht-raus-trefft-euch-verbuendet-euch/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 09:31:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfen gegen Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Queerfeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsruck]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559666</guid>

					<description><![CDATA[Was der wachsenden Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit für die queere Community bedeuten und wie sie sich vor Anfeindungen und Repressalien schützt, das erläutert IWWIT-Kampagnenchef Jonathan Gregory im Interview. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Mit der Kampagne #AidshilfeBleibtStabil setzt die Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen gegen den wachsenden Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit. Was diese Entwicklungen für die queere Community bedeuten und wie sie sich vor Anfeindungen und Repressalien schützt, das erläutert IWWIT-Kampagnenchef Jonathan Gregory im Interview.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em><a href="https://www.iwwit.de/gayzine/aidshilfe-bleibt-stabil/">Der Artikel erschien zuerst auf iwwit.de.</a></em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-ruckzug-aus-safe-spaces-was-rechtspopulismus-fur-queere-menschen-bedeutet">Rückzug aus Safe Spaces: Was Rechtspopulismus für queere Menschen bedeutet</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Rechte und rechtspopulistische Ansichten finden nicht nur eine zunehmende Verbreitung in Gesellschaft und Öffentlichkeit, auch Parteien, die solches Gedankengut vertreten, gewinnen an Zuspruch. Welche politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die queere Community?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ich beobachte hier gleich mehrere Reaktionen. Durch den Druck, den insbesondere marginalisierte Gruppen wie queere Menschen zunehmend erleben, ziehen sich immer mehr aus ihren Safe Spaces zurück.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das IWWIT-Team reist insbesondere zur CSD-Saison viel durchs Land, und im letzten Jahr habe ich durch Gespräche vor Ort verstärkt mitbekommen, dass sich viele Queers immer weniger trauen, Community-Orte aufzusuchen, weil sie ihnen nicht mehr sicher erscheinen. Etwa, weil es dort immer wieder zu Vandalismus kommt oder die Besucher*innen sogar Angst haben, belästigt oder attackiert zu werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir beobachten zudem, dass durch Sparmaßnahmen auf kommunaler wie auf Landesebene immer mehr auch queere Projekte betroffen sind. Die Folge ist, dass solche Angebote weniger werden und schließlich ganz verschwinden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-wenn-community-orte-verschwinden-verlust-von-vernetzung-und-teilhabe">Wenn Community-Orte verschwinden: Verlust von Vernetzung und Teilhabe</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Diese Orte sind ja nicht nur wichtig als Treffpunkt und als Safe Spaces von LGBTIQ*, sondern auch als Ankerpunkt zum Beispiel für die Arbeit von IWWIT.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das ist richtig. Queere Menschen haben lange dafür gekämpft, sich nicht mehr verstecken zu müssen, sondern offen und frei leben zu können. Wenn uns nun aber solche Orte verloren gehen, wird auch die Community-Arbeit schwerer. Natürlich kann man sich auch digital vernetzen und sich online austauschen. Aber es ist einfach etwas anderes, wenn man sich im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht austauschen, kennenlernen oder organisieren möchte. Wenn sich Menschen aufgrund der politischen Lage wieder zurückziehen, verlieren sie dadurch auch den Zugang zu Gemeinschaft, wie zu Kultur-, Freizeit-, und Gesundheitsangeboten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Das bedeutet also, dass Online-Angebote zunehmend wichtiger werden. Zum Beispiel um queeren Menschen Informationen zu Gesundheitsthemen zu vermitteln.</strong></p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hier kommen wir zu einer anderen besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Entwicklung. <a href="https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/youtube-loescht-schwulen-praeventionskanal-puenktlich-zum-pride-month" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise der YouTube-Kanal von IWWIT gesperrt</a>. Eigentümer ist bekanntlich der Google-Mutterkonzern Alphabet. Auch in Europa sind wir in eine große Abhängigkeit von US-amerikanischen Online-Plattformen geraten, die ihre ganz eigene Vorstellung von Zensur haben. Wenn Web-Inhalte nicht dem entsprechen, was die US-Regierung für richtig und wichtig erachtet, wird sehr schnell mit Löschung und Sperrung reagiert. Und das hat natürlich große Auswirkungen auf unsere Präventionsarbeit, aber auch auf die Möglichkeiten der Vernetzung.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-forderung-unter-druck-iwwit-zwischen-bewahrung-und-politischem-gegenwind">Förderung unter Druck: IWWIT zwischen Bewährung und politischem Gegenwind</h2>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie wird es unter diesen veränderten Bedingungen in den kommenden Jahren mit der IWWIT-Kampagne weitergehen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ob es mit IWWIT weitergeht, wird alle fünf Jahre entschieden. Dann nämlich, wenn die Fördergeberinnen, das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, unsere Arbeit evaluieren und unser Konzept für die Zukunft prüfen.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Und das ist euch gelungen, trotz der deutlich veränderten politischen Stimmungslage?</strong></p>

              </div>
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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ja, und wir sind sehr froh, dass wir die Verantwortlichen von der Notwendigkeit und Wichtigkeit unserer Arbeit, aber auch von unserem Konzept für die nächsten Jahre überzeugen konnten. Wir stellen allerdings auch fest, dass IWWIT als Projekt und auch das, wofür es steht, von vielen verschiedenen Akteur*innen verstärkt hinterfragt wird – jedoch nicht auf kritisch-konstruktive, sondern eher auf eine vernichtende und abwertende Art und Weise.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Diese Entwicklung zeigt sich auch auf politischer Ebene, etwa durch kleine oder große Anfragen von einzelnen Parteien im Bundestag. Wir hatten durchaus Sorge, ob unsere Arbeit weiter gefördert wird. Andere wichtige Projekte, gerade auch im Bereich Gesundheitsförderung, Anti-Rassismus oder LGBTIQ*-Rechte, die auf öffentliche Mittel angewiesen sind, müssen um ihre Existenz bangen. Wenn gespart werden muss, fallen solche Initiativen und Projekte oft als erstes weg, weil sie zunehmend nicht mehr für wichtig erachtet und für verzichtbar gehalten werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-kurzungen-treffen-queere-projekte-einzelfalle-oder-systemversagen">Kürzungen treffen queere Projekte: Einzelfälle oder Systemversagen?</h2>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>In einigen Städten, etwa in Potsdam und in Halle (Saale), mussten die lokalen Aidshilfen kürzlich ihre Schulpräventionsprojekte auf Eis legen, weil die Förderung dafür nicht verlängert wurde.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dies sind leider keine Einzelfälle. Die tatsächlichen Summen, mit denen solche und andere Projekte von Organisationen, Vereinen und Initiativen mit öffentlichen Zuschüssen gefördert werden, sind oft gar nicht so groß, aber sie stellen einen wichtigen Teil der Gesamtfinanzierung dar. Fehlt dieses Geld, entfallen die Angebote deshalb oft komplett.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wenn zum Beispiel ein Kontaktcafé oder eine Beratungsstelle zwar ehrenamtlich betrieben wird, die Raummiete aber bislang wesentlich durch Fördergelder finanziert wurde, gehen mit der Streichung dieser Gelder solche Orte verloren. Damit verlieren viele Menschen – seien es queere oder solche mit Migrationsgeschichte – eine wichtige Möglichkeit, Anschluss und Teilhabe am sozialen Leben zu finden. Auch deshalb ist es wichtig, dass Aidshilfe stabil bleibt – damit uns diese Netzwerke nicht verloren gehen und dadurch all die Menschen, die sonst durchs Raster fallen. Wir müssen also nicht nur unsere Orte und Angebote, sondern auch unsere Community stärken.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welchen Beitrag kann IWWIT dazu leisten?</strong></p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Aidshilfen und IWWIT haben Präventionsarbeit und auch sexuelle Bildung immer schon als politisch betrachtet. Denn wir stehen nicht nur für Menschen mit HIV, sondern für unterschiedlichste marginalisierte Gruppen ein. Zum Beispiel für Menschen mit HIV, die vielleicht jeglichen Zugang zu Gesundheitssystemen verlieren, sollte sich die politische Lage noch weiter zuspitzen. Wir stehen auch dafür ein, dass Menschen mit Fluchterfahrungen überhaupt einen Zugang zum Gesundheitssystem erhalten.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir werden deshalb unsere Präventionsarbeit mehr als bisher auch mit einer politischen Bildungsarbeit verbinden. Denn wir merken, dass das eine nicht ohne das andere geht. Wir sprechen natürlich gerne über Sexualität und Sex und alles, was dazugehört. Wir alle wollen Liebe, wollen Räume, in denen wir uns sicher und wohlfühlen, und wir wollen von der Gesellschaft als das anerkannt und respektiert werden, was wir sind: queere Menschen. Das alles jedoch ist nicht mehr selbstverständlich.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir wollen die Community nicht nur aufklären, sondern auch dazu animieren, über solche Themen zu sprechen und nicht unsichtbar zu werden: Geht raus, trefft euch, verbündet euch!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-digital-prasent-bleiben-und-selbst-aktiv-werden">Digital präsent bleiben – und selbst aktiv werden</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Gerade solche analogen Angebote werden ja immer weniger, wie wir bereits festgestellt haben.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir haben uns für die neue Förderperiode selbst einen klaren konzeptionellen Fokus gesetzt. Wir werden versuchen, stärker als zuvor auf den verschiedenen digitalen Plattformen, die wir bereits bespielen, präsent zu sein. Eben, um mehr denn je mit Menschen in Kontakt zu treten, die wir im analogen Leben, etwa bei Veranstaltungen während der CSD-Saison, nicht oder nicht mehr erreichen. IWWIT hat deshalb auch einen eigenen TikTok-Kanal gestartet, um auf diesem Weg eine weitere, sehr junge Zielgruppe mit hineinzuholen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Und hast du Tipps, was jede*r einzelne dazu beitragen kann, damit nicht nur Aidshilfe stabil bleibt, sondern auch unsere Community?</strong></p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das ist eine gute Frage. Aktivismus hat sehr viele Facetten und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, etwas zu bewirken. Du kannst mit vielen anderen gemeinsam auf einer CSD-Demo deine Rechte einfordern und für Sichtbarkeit sorgen. Du kannst einen Brief an einen Bundestagsabgeordneten oder an Verantwortliche in deiner Stadtverwaltung schreiben. Aber auch jedes einzelne Gespräch kann in deinem eigenen persönlichen Umfeld etwas ändern, allein dadurch, dass du klare Haltung zeigst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wichtig dabei ist: Achte auf dich und bleib informiert. Es geht nicht allein darum, was im Bundestag oder bei den Parteien passiert, sondern auch, was bei dir auf lokaler Ebene, direkt vor der Haustür geschieht. IWWIT und die Deutsche Aidshilfe werden weiterhin eine vertrauenswürdige Plattform sein, wo ihr Informationen zu bestimmten Fragen erhaltet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Was mir aber auch wichtig ist zu sagen: Wir leben in unruhigen Zeiten und die vielen schlechten Nachrichten können uns mental belasten. Deshalb: Wer sich aktivistisch engagiert und Haltung zeigt, kann dies nur, wenn er auch auf sich selbst und die eigene Gesundheit achtet, und sich auch notwendige Ruhe und Auszeiten gönnt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zur-kampagne-aidshilfebleibtstabil"><strong>Mehr zur Kampagne #AidshilfeBleibtStabil</strong></h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="dI8ZKFrMAb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/embed/#?secret=jpzf4wfPlu#?secret=dI8ZKFrMAb" data-secret="dI8ZKFrMAb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="I8tFtURl0I"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/">Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/embed/#?secret=SvDB4rUXPm#?secret=I8tFtURl0I" data-secret="I8tFtURl0I" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 08:18:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe gegen Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsruck]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturelle Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559438</guid>

					<description><![CDATA[Mit der Kampagne #AidshilfeBleibtStabil setzen wir ein Zeichen: Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz. Wir stehen zu unseren Werten – und an der Seite all unserer Communitys!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Mit der Kampagne #AidshilfeBleibtStabil setzt die Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen: Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz. Wir stehen zu unseren Werten – und an der Seite all unserer Communitys!</strong><br><br><em>Read this text in English: <a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/#h-aidshilfe-stays-strong-for-solidarity-against-division">Aidshilfe stays strong – for solidarity, against division</a></em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Menschenverachtende Ansichten sind in den letzten Jahren immer sichtbarer geworden. Rechtspopulistische Forderungen, autoritäre Vorstellungen, rassistische Vorurteile und Hetze gegen Emanzipation und Vielfalt brechen sich immer weiter Bahn.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Sie treffen ganz besonders diejenigen Gruppen, für die wir uns stark machen: Menschen mit HIV, Schwule, Lesben, Bisexuelle und andere Queers, trans, nicht-binäre und inter Personen, Menschen in Haft, mit Migrationsgeschichte, in der Sexarbeit, Drogen konsumierende, kranke und behinderte Personen – all diese Gruppen werden von der zunehmenden Menschenfeindlichkeit massiv bedroht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das zeigen zum Beispiel queerfeindliche Angriffe und Aufmärsche gegen CSDs, die immer härter werdende Migrations- und Asylpolitik, die transfeindliche Forderung, das Selbstbestimmungsgesetz zurückzunehmen, antifeministische Angriffe in sozialen Medien oder verachtende Äußerungen gegen Menschen mit Behinderung. Auch Aidshilfen werden immer öfter direkt attackiert; insgesamt gerät zivilgesellschaftliches Engagement zunehmend unter Druck: Förderungen werden gestrichen, demokratiestützende Organisationen diskreditiert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kern von HIV-Prävention ist aber: Menschen können ihre Gesundheit nur selbstbestimmt schützen, wenn sie ohne Angst vor Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung leben können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Mit unserer Kampagne #AidshilfeBleibtStabil sagen wir deshalb ganz klar:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Aidshilfe ist und bleibt Teil einer offenen und vielfältigen Zivilgesellschaft.</li>



    
<li>Aidshilfe steht an der Seite der von rechts bedrohten Communitys.</li>



    
<li>Wir halten zusammen – für Vielfalt, Respekt und Solidarität!</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Diese Werte sind für Aidshilfearbeit zentral – sie setzen Maßstäbe, an denen wir uns orientieren und messen wollen. Und sie zeigen sich in unserem täglichen Tun:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir gehen in Gefängnisse, damit Menschen in Haft ihre Gesundheit schützen können. Wir besuchen Bordelle und den Straßenstrich, um Sexarbeitende zu unterstützen. Wir tauschen Spritzen und bieten Materialien für Safer Use beim Drogenkonsum an, weil wir wissen, was wirklich hilft.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir sind vor Ort in den schwulen und queeren Communitys. Wir beraten zu allen Themen der sexuellen Gesundheit. Wir unterstützen bei sozialen und rechtlichen Fragen und stärken den Rücken im Diskriminierungsfall. Wir gehen in die Schulen und überallhin, wo sexuelle Bildung gefragt ist. Wir arbeiten mit verschiedenen Migrant*innen-Communitys zusammen, um die Versorgung zu verbessern und gemeinsam Prävention zu gestalten.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Und wir mischen uns ein – in Debatten um sexuelle und queere Rechte, geschlechtliche Selbstbestimmung, Sexarbeit, Migrations-, Drogen- und Gesundheitspolitik – und arbeiten daran, dass Diskriminierung irgendwann Geschichte ist.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dabei nehmen wir nicht hin, dass benachteiligte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Uns leitet die Grundhaltung, dass alle Menschen gleichwertig sind und das Menschenrecht auf Gesundheit für alle gilt.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wir lassen uns nicht spalten! Für ein solidarisches Miteinander – Aidshilfe bleibt stabil!</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<div class="wp-block-yoast-seo-table-of-contents yoast-table-of-contents"><h2>Inhaltsverzeichnis</h2><ul><li><a href="#h-aidshilfe-stays-strong-for-solidarity-against-division" data-level="2">Aidshilfe stays strong – for solidarity, against division</a></li><li><a href="#h-aidshilfebleibtstabil-zum-mitmachen" data-level="2">#AidshilfeBleibtStabil zum Mitmachen</a></li><li><a href="#h-aidshilfe-gegen-rechts-weitere-aktionen" data-level="2">Aidshilfe gegen rechts &#8211; weitere Aktionen</a></li><li><a href="#h-hintergrundartikel" data-level="2">Hintergrundartikel</a></li><li><a href="#h-forderungen-und-positionen-der-aidshilfe-auswahl" data-level="2">Forderungen und Positionen der Aidshilfe (Auswahl)</a></li></ul></div>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-aidshilfe-stays-strong-for-solidarity-against-division"><strong>Aidshilfe stays strong – for solidarity, against division</strong></h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>With #AidshilfeBleibtStabil campaign, Deutsche Aidshilfe sends a clear message: there is no place for right-wing populism and hatred in our work. We stay true to our values and stand by all our communities!</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In recent years, dehumanizing attitudes have become more and more visible. Right-wing, populist demands, authoritarian ideas, racist prejudice, and hate speech against emancipation and diversity keep gaining ground.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>They particularly affect the groups we stand up for: People living with HIV, gays, lesbians, bisexual and queer people, trans, non-binary and intersex people, people in prisons, migrants, sex workers, people who use drugs, people with disabilities and other health conditions are facing growing levels of hate and discrimination.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>We see this in queerphobic attacks and anti-pride marches, restrictive migration and asylum policies, transphobic demands to roll back the self-ID law, anti-feminist abuse on social media, or disparaging statements against people with disabilities. HIV service organizations are also targeted more frequently. With funding being cut and pro-democracy organizations being discredited, the civil society as a whole is put under mounting pressure.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>However, HIV prevention depends on people living without fear of stigma, exclusion, and discrimination – only then will they be able to protect their health freely and independently.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>That’s why our campaign #AidshilfeBleibtStabil makes clear:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Aidshilfe is, and will remain, part of an open and diverse civil society.</li>



    
<li>Aidshilfe stands in solidarity with communities threatened by the political right.</li>



    
<li>We stand together – for diversity, respect, and solidarity!</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>These values are central to HIV services – they set the standards we strive to live up to and shape our everyday work:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>We visit prisons to help incarcerated people take better care of their health. We go into brothels and onto the streets to support sex workers. We run needle exchanges and provide materials for safer use, because we know what actually works.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>We’re on the ground in gay and queer communities. We provide counselling on all aspects of sexual health. We support people with social or legal issues and we have their back when they face discrimination. We work in schools and wherever sexual education is needed. We collaborate with different migrant communities to improve access and shape prevention services together.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>We’re actively involved in debates on sexual and queer rights, self-identification, sex work, migration, drug, and health policy. We’re fighting for a future where discrimination is a thing of the past.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In doing so, we refuse to accept disadvantaged groups being pitted against each other. We’re guided by the principle that all people are equal and that the human right to health applies to everyone.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>We won’t be divided! For a community based on solidarity – Aidshilfe stays strong!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-aidshilfebleibtstabil-zum-mitmachen"><strong>#AidshilfeBleibtStabil zum Mitmachen</strong></h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Mit unseren Grafiken kannst du ganz einfach ein Zeichen setzen, unseren Aufruf verbreiten und die Kampagne mitgestalten. Hier geht es zum <a href="https://cloud.aidshilfe.de/s/K8g4qjASfowwaPW" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Download-Ordner</a> für Mitgliedsorganisationen der DAH (Passwort: ABS2026). Verwende bei deinen Social-Media-Posts bitte den Hashtag #AidshilfeBleibtStabil, danke!<br><br>In unserem Shop kannst du zur Kampagnen ein <a href="https://www.aidshilfe.de/de/shop/aidshilfe-bleibt-stabil-wir-stehen-zusammen-Plakat-2026">Poster</a>, den <a href="https://aidshilfe.de/node/12686">Fensteraufkleber</a> und als Give-away einen Button in&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12746">grün</a>&nbsp;oder&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12747">pink</a> bestellen &#8211; sowie die Kampagnenaufkleber mit allen Slogans:&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12687">Wir gehen auf den Strich.</a>&nbsp;&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12688">Wir kommen in den Knast.</a>&nbsp;&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12691">Wir machen Schule.</a>&nbsp;&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12689">Wir lassen es uns nicht nehmen.</a>&nbsp;&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12690">Wir heißen dich willkommen.</a>&nbsp;&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12692">Wir stehen zusammen.</a>&nbsp;&nbsp;<a href="https://aidshilfe.de/node/12693">We stand together.</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
      <div class="block block--type-core block--type-core-image block--spacing-small block--align-none">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-aidshilfe-gegen-rechts-weitere-aktionen"><strong>Aidshilfe gegen rechts &#8211; weitere Aktionen</strong></h2>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Seit vielen Jahren engagieren sich Aidshilfen gegen Rechtspopulismus: mit kreativen Slogans, als Teil von Demonstrationen, mit solidarischen Aufrufen und klarer Haltung. Sie zeigen deutlich: Aidshilfe steht für ein respektvolles Miteinander. Rechtsextremes Denken schadet unseren Communitys und der HIV-Prävention.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hier findet ihr aktuelle Kampagnen:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><strong><a href="https://www.hiv-migration.de/aktuelles-aus-dem-bereich-migration" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Internationale Wochen gegen Rassismus</a>, </strong>das Programm der Deutschen Aidshilfe mit Online-Angeboten und Medien</li>



    
<li><strong><a href="https://www.aidshilfe-hamburg.de/informieren/vielfalt-ist-alternativlos" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vielfalt ist alternativlos</a> </strong>und <strong><a href="https://www.aidshilfe-hamburg.de/informieren/aktuelles/default-320e6a346a9c9a14a87584d82bf3ee03-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trans Rights are Human Rights</a></strong>, zwei Kampagnen der Aidshilfe Hamburg</li>



    
<li><a href="https://nrw.aidshilfe.de/themen/leben-mit-hiv/aktionen/helferzellen-gegen-rechts" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Helferzellen gegen rechts</strong></a>, Aktion von POSITHIV HANDELN NRW</li>



    
<li><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfen-gegen-rassismus/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Aidshilfen gegen Rassismus</strong></a>, Kampagne der Deutschen Aidshilfe</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
      <div class="block block--type-core block--type-core-image block--spacing-small block--align-none">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-hintergrundartikel"><strong>Hintergrundartikel</strong></h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Warum ist Transfeindlichkeit ein integraler Bestandteil rechten Denkens? Was will die AfD konkret? Wie betrifft Aidshilfen der Rechtsruck in ihrer Arbeit und was tun wir dagegen? Wir untersuchen rechtsextreme Denkmuster, analysieren die Folgen des politischen Wandels und stärken unsere Communitys bei einer klaren Haltung. Hier eine Auswahl an Artikeln zum Thema:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
    <div class="block block--type-core-columns block--spacing-small">
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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">    
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-bottom is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="crURW0IOAP"><a href="https://magazin.hiv/magazin/geht-raus-trefft-euch-verbuendet-euch/">&#8222;Geht raus, trefft euch, verbündet euch!&#8220;</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;&#8222;Geht raus, trefft euch, verbündet euch!&#8220;&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/geht-raus-trefft-euch-verbuendet-euch/embed/#?secret=AuUFs4W5hV#?secret=crURW0IOAP" data-secret="crURW0IOAP" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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              </div>
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  </div>
</div>



    
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wenn Community-Orte verschwinden und Kürzungen queere Projekte treffen : Was die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen für die queere Communitys bedeuten und wie sie sich vor Anfeindungen und Repressalien schützt, das erläutert IWWIT-Kampagnenchef Jonathan Gregory im Interview. Mit einem Aufruf, selbst aktiv zu werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</div>

</div>

      </div>
    </div>
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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">    
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-bottom is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Betreuung und Unterstützung von Menschen in Haft gehört für viele Aidshilfen in Deutschland zu ihren Kernaufgaben. Welche Bedeutung diese Arbeit für die Gefangenen hat, zeigt sich im Emsland. Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte hat hier über Jahrzehnte hinweg das vorbildliche und preisgekrönte Programm <strong>„Gesundheit in Haft</strong>“&nbsp;entwickelt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</div>



    
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="vMhznE9EhM"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/">Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/embed/#?secret=vIrJDADPcu#?secret=vMhznE9EhM" data-secret="vMhznE9EhM" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</svg>
            
<p class="has-text-align-left is-style-is-attention">Schon im Vorfeld der Europa- und Landtagswahlen 2024 zeichnete sich ein deutlicher Stimmenzuwachs für rechtsextreme Parteien ab. Auch viele Mitgliedsorganisationen der Deutschen Aidshilfe spüren den gesellschaftlichen Rechtsruck. Doch bleibt diese Entwicklung nicht unwidersprochen. Momentaufnahmen aus Brandenburg, Berlin, Sachsen und Thüringen im Juni 2024.</p>

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			</svg>
            
<p class="is-style-is-attention">Die Positiven-Selbsthilfe POSITHIV HANDELN NRW reagiert auf die zunehmende Ausbreitung und Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Bewegungen in Deutschland mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne. Was hinter dem Slogan <strong>„Helferzellen gegen rechts“</strong> steht, erläutert Gottfried Dunkel im Interview.</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="gP7cQFPLr6"><a href="https://magazin.hiv/magazin/die-demokratie-braucht-viele-helferzellen/">Die Demokratie braucht viele Helferzellen</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Die Demokratie braucht viele Helferzellen&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/die-demokratie-braucht-viele-helferzellen/embed/#?secret=UJg96Nzrq3#?secret=gP7cQFPLr6" data-secret="gP7cQFPLr6" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</svg>
            
<p class="is-style-is-attention">Trans Menschen werden immer mehr zur Zielscheibe eines rechten Populismus. Mine Pleasure Bouvar analysiert die Strategien der internationalen <strong>Anti-Gender-Bewegung</strong> zur Verbreitung von Transhass, Transmisogynie und antisemitischen Verschwörungsnarrativen.</p>

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			</svg>
            
<p class="is-style-is-attention">Anlässlich der Landtagswahlen 2024 nahmen wir Inhalte und <strong>Forderungen der AfD</strong> genau unter die Lupe, die sich gern als „Partei der kleinen Leute“ inszeniert. In Wirklichkeit aber verfolgt sie einen zutiefst unsozialen Kurs. Ihr Rassismus und ihre Menschenverachtung sind dabei nicht zu übersehen.</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="66dw12Nst5"><a href="https://magazin.hiv/magazin/landtagswahlen-2024-afd/">Unsozial, rassistisch, menschenverachtend: Was will die AfD?</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Unsozial, rassistisch, menschenverachtend: Was will die AfD?&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/landtagswahlen-2024-afd/embed/#?secret=2cuWUFvGmg#?secret=66dw12Nst5" data-secret="66dw12Nst5" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="8MBM7B201G"><a href="https://magazin.hiv/magazin/angst-vor-abschiebung-women-in-exile/">Angst vor Abschiebung: „Ein Gefühl, mit dem ich leben muss“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Angst vor Abschiebung: „Ein Gefühl, mit dem ich leben muss“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/angst-vor-abschiebung-women-in-exile/embed/#?secret=4fx3CxdQEg#?secret=8MBM7B201G" data-secret="8MBM7B201G" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</svg>
            
<p class="is-style-is-attention">Mary kam aus Kenia nach Deutschland, um Asyl zu beantragen. Zurück ließ sie ihre Zwillinge, die inzwischen zwölf sind. Sie ist geduldet und fürchtet, jederzeit abgeschoben werden zu können. Kraft gibt ihr in dieser unsicheren Situation ihr Engagement für <strong>Women in Exile</strong>, einer Peer-to-Peer-Initiative, bei der Geflüchtete andere unterstützen. In Unterkünften haben Frauen mit Problemen wie sexualisierter Gewalt, fehlender Privatsphäre und mangelnder Hygiene zu kämpfen.</p>

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			</svg>
            
<p class="is-style-is-attention">Keine Behandlung und krankmachende Lebensumstände: Geflüchtete Menschen, die psychisch erkrankt sind, bekommen in Deutschland oft keine Behandlung. Die Psychosozialen Zentren können nur wenigen eine <strong>psychotherapeutische Versorgung </strong>ermöglichen – die Finanzierungslücke ist eklatant. Dabei zeigt das Beispiel von Wali Shafique*, was professionelle Unterstützung bewirken kann.</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="Eta2stB3jc"><a href="https://magazin.hiv/magazin/keine-behandlung-und-krankmachende-lebensumstaende/">Keine Behandlung und krankmachende Lebensumstände</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Keine Behandlung und krankmachende Lebensumstände&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/keine-behandlung-und-krankmachende-lebensumstaende/embed/#?secret=btWRo1kRkK#?secret=Eta2stB3jc" data-secret="Eta2stB3jc" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="i5S7X6bvwt"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transfeinde-stressen-segm/">Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transfeinde-stressen-segm/embed/#?secret=WKEdurwtmv#?secret=i5S7X6bvwt" data-secret="i5S7X6bvwt" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="is-style-is-attention">Die&nbsp;„Society for Evidence based Gender Medicine“ veranstaltete in Berlin eine Konferenz mit Akteur*innen der internationalen <strong>Anti-trans-Bewegung</strong>. Aktuelle Standards der Transgesundheit wurden dort unter dem Gesichtspunkt „ethischer Bedenken” besprochen.&nbsp;Das Bündnis&nbsp;„Transfeinde stressen“ mobilisierte Protest. Aber auch große Medien übernahmen transfeindliche Positionen&nbsp;und der Präsident der Bundesärztekammer hielt eine Rede zur Eröffnung.</p>

          </div>
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<p class="is-style-is-attention"></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-forderungen-und-positionen-der-aidshilfe-auswahl"><strong>Forderungen und Positionen der Aidshilfe (Auswahl)</strong></h2>

              </div>
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                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht. Wir fordern deshalb gesundheitliche Versorgung für alle.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Menschen ohne Aufenthaltspapiere haben zurzeit keinen sicheren Zugang. Darum muss die <a href="https://magazin.hiv/magazin/gleichbehandeln/">Übermittlungspflicht nach § 87 des Aufenthaltsgesetzes</a> abgeschafft werden. Wir fordern außerdem die <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/deutsche-aidshilfe-welt-aids-konferenz-medizinische-versorgung-alle-deutschland">Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes</a>, Gleichbehandlung von Geflüchteten bei der sozialen und gesundheitlichen Versorgung sowie die Versorgung von <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/eckpunkte-papier-gesundheit-haft">Menschen in Haft über die gesetzliche Krankenversicherung statt über die Justizministerien der Länder, damit sie gesundheitlich so versorgt werden wie Menschen „draußen“</a>.</p>

            </div>
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          <div class="highlight__panel">
                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Wir fordern eine humane, akzeptierende Drogenpolitik – sie rettet Menschenleben und verhindert individuelle und soziale Schäden.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Dazu gehört für uns, dass <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/todesfall-wegen-geschlossen-bayerns-erster-drogenkonsumraum-nur-durchs-schaufenster-sehen"><u>alle Bundesländer sogenannte Drogenkonsumräume ermöglichen</u> </a>und dass weitere lebensrettende Maßnahmen bundesweit umgesetzt und leicht zugänglich gemacht werden, etwa die <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/gedenktag-217-taeglich-fuenf-tote-falsche-drogenpolitik"><u>Vergabe von Naloxon (gegen Überdosierungen) oder Drugchecking </u></a>(Testen auf Inhaltsstoffe und Wirkmengen von Drogen).</p>

            </div>
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        </div>
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      </div>
    
  

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                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Wir fordern, Aufklärung und Prävention rund ums Thema sexuelle Gesundheit und sexuelles Wohlbefinden zu sichern und auszubauen.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Das heißt zum Beispiel, den <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/zugang-sexueller-bildung-verhuetungsmitteln-jugendliche-verbessern"><u>Zugang </u><u>zu sexueller Bildung und zu Verhütungsmitteln für Jugendliche zu verbessern</u></a> und Aufklärungs-, Beratungs- und Test-<a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/welt-aids-tag-112-erfolge-deutschen-hivaids-praevention-gefahr">A<u>ngebote von Aidshilfen und Drogenhilfen finanziell abzusichern</u></a> statt zu kürzen.</p>

            </div>
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          <div class="highlight__panel">
                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Wir fordern Akzeptanz für Sexarbeit und den Abbau von Diskriminierung.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Unsere <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/sexarbeit-deutschland-druck-nimmt-hilfsangebote-wichtiger-denn-je"><u>Studie zu den Bedarfen von Sexarbeiter*innen in Sachen Prävention von HIV und Geschlechtskrankheiten</u></a> hat erneut gezeigt: Diskriminierung fördert Gewalt, Kriminalisierung verdrängt Sexarbeiter*innen in unsichtbare und unsichere Bereiche, wo sie für Prävention und Hilfsangebote nicht mehr erreichbar sind. Wir fordern daher die Abschaffung von Sperrbezirken in allen Bundesländern und eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen die <a href="https://www.aidshilfe.de/sexkaufverbot-verhindern-unterstuetzung-statt-nordisches-modell"><u>statt eines Sexkaufverbots</u></a>.</p>

            </div>
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        </div>
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    </div>
  
      </div>
    
  

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          <div class="highlight__panel">
                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Wir engagieren uns gegen HIV-bezogene Diskriminierung – sie macht krank, erschwert Prävention und schädigt das soziale Umfeld.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Eine von vielen Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung ist ein <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/hiv-tests-arbeitsleben-verbieten"><u>Verbot von HIV-Tests im Arbeitsleben</u></a>. Wir fordern außerdem die <a href="https://aids-nrw.de/front_content.php?idcat=1669&amp;idart=8216&amp;lang=51">Erweiterung des Allgemeinen Gesetzes zur Gleichbehandlung (AGG) um das Merkmal „chronische Erkrankungen“</a> sowie ein <a href="https://hiv-diskriminierung.de/aktuelles/agg-reform-jetzt">Verbandsklagerecht</a>, um besser gegen Diskriminierung vorgehen zu können. Wir verstehen Antidiskriminierungsarbeit als Demokratiearbeit und fordern in unserem Positionspapier <a href="https://www.aidshilfe.de/de/positionspapier-antidiskriminierungsarbeit">„Zusammenhalt und Vielfalt – unsere Zukunft gestalten“</a> die Absicherung einer vielfältigen Antidiskriminierungs- und Menschenrechtsarbeit.</p>

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                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Wir fordern eine rassismusfreie Versorgung.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p><a href="https://www.aidshilfe.de/de/aidshilfen-gegen-rassismus-0">Antirassimusarbeit ist Teil von struktureller HIV-Prävention.</a> Darum engagieren wir uns für die Beseitigung von Rassismus in der Gesundheitsversorgung und fördern eine rassismuskritische Auseinandersetzung in Verband und Bundesgeschäftsstelle.</p>

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          <div class="highlight__panel">
                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Wir fordern den Erhalt des neuen Selbstbestimmungsgesetzes und den Ausbau von Angeboten für trans und nicht-binäre Menschen.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Dazu gehören communitynahe Angebote rund um sexuelle Gesundheit, die<a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/angebote-sexueller-gesundheit-trans-nichtbinaere-menschen-mangelhaft"> <u>Schulung von Fachpersonal </u><u>unter anderem in medizinischen Einrichtungen </u>und die Sicherstellung der medizinischen Versorgung bei der Transition</a>.</p>

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                          <h2 class="highlight__heading">
                <span>Die Förderung von Selbstbestimmung ist ein zentraler Pfeiler der HIV-Prävention – auch beim Umgang mit den eigenen Daten.</span>
              </h2>
                        <div class="highlight__content content">
              <p>Wir fordern deshalb eine <a href="https://www.aidshilfe.de/meldung/offener-brief-karl-lauterbach-epa-noch-startklar"><u>Überarbeitung der elektronischen Patient*innenakte (</u><u>ePA</u></a>), damit die Daten sicher sind und Patient*innen die Sichtbarkeit ihrer Daten leicht selbst steuern können.</p>

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<p></p>

              </div>
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			</item>
		<item>
		<title>Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:35:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>
		<category><![CDATA[Haft]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsruck]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturelle Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559626</guid>

					<description><![CDATA[Die Unterstützung von Menschen in Haft gehört für viele Aidshilfen zu ihren Kernaufgaben. Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte arbeitet seit langem mit dem preisgekrönten Projekt "Gesundheit in Haft".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Die Betreuung und Unterstützung von Menschen in Haft gehört für viele Aidshilfen in Deutschland zu ihren Kernaufgaben. Welche Bedeutung diese Arbeit für die Gefangenen hat, zeigt sich im Emsland. Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte hat hier über Jahrzehnte hinweg das vorbildliche und preisgekrönte Programm &#8222;Gesundheit in Haft</strong>&#8220; <strong>entwickelt.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Mit der Kampagne <a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">#AidshilfeBleibtStabil</a> setzt die Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen: Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz. Wir stehen zu unseren Werten – und an der Seite all unserer Communitys!</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Aussicht auf Kaffee und Kuchen, das ist natürlich erst einmal für jede*n ein Anreiz. Aber selbst wer sich nur deshalb zur Gruppe anmeldet, sagt Thomas*, merkt schnell, dass es noch ganz andere Gründe gibt, dabei zu bleiben und mitzumachen. „Melanie und Kerstin schaffen es, alle zusammenzubringen und mitzunehmen, und auf eine nette Art und Weise, Vertrauen aufzubauen.“ Bei den Frauen, denen das gelingt, handelt es sich um Kerstin Billig und Melanie Kura vom <a href="https://zsg-ev.de/">Zentrum Sexuelle Gesundheit Ems-Vechte (ZSG)</a>, wie die Aidshilfe Emsland seit 2024 heißt. Sie besuchen nicht nur nach Bedarf Gefangene im Justizvollzugskrankenhaus Lingen, sondern bieten in den Haftanstalten Meppen und Hesepe zudem feste Gruppen an.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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            <img loading="lazy" decoding="async" class="lazyload js-lazyload"  alt="Hans-Peter-Hauschild-Preis für die AIDS-Hilfe Emsland" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" data-src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2023/12/6000x4000px-300dpi-11MB-scaled-1600x0-c-center.jpg" data-sizes="auto" width="1600" height="1067" >
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              © Brigitte Dummer | DAH
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-anstoss-zur-selbstvorsorge">Anstoß zur Selbstvorsorge</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p>Seit mittlerweile über sechs Jahren gestalten sie diese wöchentlichen Treffen des eigens entwickelten innovativen Konzepts <a href="https://zsg-ev.de/gesundheit-in-haft/">„Gesundheit in Haft“</a>. Die Hälfte der zehn Sitzungen ist einem bestimmten Gesundheitsthema gewidmet, genauer gesagt sexuell übertragbaren Krankheiten – von Hepatitis und Syphilis bis HPV. „Viele Dinge, insbesondere zu HIV, waren mir tatsächlich neu, etwa die Behandlungsmethoden und die <a href="https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep">PrEP</a>. Von <a href="https://www.aidshilfe.de/de/mpox-affenpocken">Mpox</a> hatte ich davor nur in den Nachrichten gehört“, sagt Thomas, der in der JVA Hesepe an dem Gruppenangebot teilgenommen hat. Er fand es zur Erweiterung des eigenen Horizonts beispielsweise auch sehr informativ, von den Infektionsrisiken durch das Teilen von Spritzen und Röhrchen zu erfahren, obwohl er selbst keine Drogen konsumiert. „Aber es ist immer gut, über sowas Bescheid zu wissen und dieses Wissen vielleicht an andere weitergeben zu können.“ </p>

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<p>Auf diese Weise wächst auch wieder das Vertrauen in die Gesundheitssysteme und ihre Institutionen.</p>

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<cite>Kerstin Billig, Gesundheit in Haft</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für Kerstin Billig dienen diese Aufklärungsstunden nicht allein der Prävention. Ihr geht es auch darum, die Insass*innen zu mehr Selbstvorsorge zu motivieren. „Wir regen sie auch an, gegebenenfalls HPV- oder Hepatitis-Impfungen nachzuholen.“ In den Sitzungen bekommen sie das Rüstzeug, um mit ihren Anstaltsärzt*innen darüber zu sprechen. Und auf diese Weise, so Kerstin Billigs Hoffnung, wächst auch wieder das Vertrauen in die Gesundheitssysteme und ihre Institutionen.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-vertrauliche-gesprache-zu-psychischen-sorgen">Vertrauliche Gespräche zu psychischen Sorgen</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Für Thomas besonders hilfreich waren jedoch jene Sitzungen, in denen es darum ging, mit welchen Übungen man Stress, dem Inhaftierte unweigerlich ausgesetzt sind, besser bewältigen kann. Und vielleicht noch wichtiger sind für viele die offenen Gesprächsrunden. Denn für Inhaftierte gibt es wenig Möglichkeiten, den Haftraum zu verlassen, unter anderen Menschen zu sein und offen über die alltäglichen Sorgen und Nöte sprechen zu können.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zwar haben alle Gefangenen die Möglichkeit, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, doch gerade Männer scheuen sich davor. Zudem bleibt die Unsicherheit, ob das, was mit den Psycholog*innen besprochen wurde, vielleicht doch in der Haftakte landet oder an die Anstaltsleitung weitergegeben wird. In den Gruppen des Zentrums Sexuelle Gesundheit gilt hingegen die Vereinbarung: Alles, was dort besprochen wird, wird nicht weitergegeben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kerstin Billig ist selbst immer wieder davon überrascht, wie wertschätzend und respektvoll der Umgang untereinander in den Sitzungen ist und wie schnell die Teilnehmenden sich öffnen. Es sind eigentlich ganz alltägliche Dinge aus dem Haftalltag, die hier ungefiltert ausgesprochen werden können. Ganz häufig, sagt Thomas, geht es um die Sorge, was nach der Haft kommt: „Welche Möglichkeiten habe ich? Wie werde ich draußen angenommen?“ </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hier werden die Inhaftierten nicht darüber definiert, weshalb sie einsitzen. Wir wissen nicht, weshalb sie verurteilt wurden, und wollen das auch bewusst nicht wissen.</p>

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<cite>Kerstin Billig, Gesundheit in Haft</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Kerstin Billig weiß, wie wichtig diese wöchentlichen Sitzungen für die Teilnehmenden sind. Diese Treffen sind ein kleiner Lichtblick im Haftalltag. „Wir bieten einen relativ sicheren Raum, sich auszutauschen und auch mal Gefühle zu zeigen. Hier werden sie nicht über die Verbrechen definiert, weshalb sie einsitzen. Das ist für viele eine wichtige Erfahrung. Wir wissen nicht, weshalb sie verurteilt wurden, und wollen das auch bewusst nicht wissen.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Oftmals bleibt der Kontakt zum Zentrum Sexuelle Gesundheit auch nach der Haftentlassung noch eine Weile bestehen. Manchmal kommen ehemalige Gefangene einfach mal zum wöchentlichen Regenbogenfrühstück im Zentrum vorbei. Manche benötigen Unterstützung, etwa wenn es um den Kontakt zu Arbeitgeber*innen oder Institutionen geht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Vor allem während der Haftzeit bleiben die Mitarbeiterinnen des ZSG Ems-Vechte Ansprechpartnerinnen. Die Gefangenen können jederzeit einen Beratungs- und Gesprächstermin in der Haftanstalt vereinbaren. Das Entscheidende dabei: Diese Gespräche sind anonym und finden ohne Anwesenheit von Vollzugsbeamt*innen statt. Diese Beratungstermine können zudem auch für Tests auf HIV, Syphilis und Hepatitis C genutzt werden. Auch das erfolgt völlig anonym und die Ergebnisse werden nicht weitergegeben. Kerstin Billig und Melanie Kura beraten dann im Falle positiver Testergebnisse über Behandlungsmöglichkeiten.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-beharrliches-engagement-seit-1986">Beharrliches Engagement seit 1986</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Dass eine Aidshilfe-Einrichtung innerhalb einer Haftanstalt anonyme Tests durchführen kann, ist keineswegs selbstverständlich, sondern spricht für das Vertrauen, das ihnen von Seiten der Anstaltsleitungen in Meppen und Hesepe entgegengebracht wird. Die Sozialpädagogin Kerstin Billig und die Psychotherapeutin Melanie Mura profitieren hier von der Arbeit ihrer Vorgänger*innen. Denn die Aidshilfe Emsland engagiert sich bereits seit ihrer Gründung 1986 in den Haftanstalten. Über all diese Jahrzehnte hinweg ist so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit erwachsen. Die Arbeit, die das ZSG Ems-Vechte für die Gefangenen leistet, wird von allen Seiten gewünscht, geschätzt und gewürdigt. Probleme und Wünsche können deshalb auf dem kurzen Dienstweg besprochen werden. Der Erfolg ihrer Arbeit und das Engagement des ZSG Ems-Vechte wurde längst über Niedersachsen hinaus wahrgenommen. 2023 wurde die kleine Aidshilfe im Emsland mit dem Hans-Peter-Hauschild-Preis für besondere Verdienste um die strukturelle Prävention gewürdigt.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Als das ZSG nach einer Corona-bedingten Pause mit dem neuen Konzept wieder die Arbeit in den Justizvollzugsanstalten aufnehmen konnte, war der Zulauf noch verhalten. Mittlerweile ist die Skepsis der Inhaftierten verflogen, und das Angebot wird durch Mund-zu-Mund-Propaganda stetig weiterempfohlen. Auch Thomas hatte darüber von der Gruppe erfahren. Rund 50 Menschen haben übers Jahr die Möglichkeit, an diesem Programm teilzunehmen. Die Nachfrage ist allerdings deutlich höher. Doch für zusätzliche Gruppen fehlt es dem ZSG Ems-Vechte an personellen Ressourcen. Im Mai beginnt in Hesepe ein neuer Durchgang des Seminars. Thomas möchte unbedingt noch einmal daran teilnehmen und wird sich deshalb erneut dafür bewerben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>*Name redaktionell geändert</em></p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zu-gesundheit-in-haft">Mehr zu &#8222;Gesundheit in Haft&#8220;</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="TdzTLa4tau"><a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/gesundheit-in-haft-es-hakt-immer-dann-wenns-teuer-wird/">Gesundheit in Haft: „Es hakt immer dann, wenn&#8217;s teuer wird“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Gesundheit in Haft: „Es hakt immer dann, wenn&#8217;s teuer wird“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/gesundheit-in-haft-es-hakt-immer-dann-wenns-teuer-wird/embed/#?secret=JoayqsoG4Y#?secret=TdzTLa4tau" data-secret="TdzTLa4tau" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zur-kampagne">Mehr zur Kampagne</h2>

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<p></p>

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		<item>
		<title>Wider das Verschweigen</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/romeria-aidskrise-spanien/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/romeria-aidskrise-spanien/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 13:34:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559618</guid>

					<description><![CDATA[In ihrem autobiografisch geprägten Spielfilm „Romería“ erinnert die Regisseurin Carla Simón an die tabuisierte Aidskrise im Post-Franco-Spanien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Nach dem Ende der Franco-Diktatur erlebte Spanien eine gesellschaftliche Aufbruchstimmung, in deren Folge das Land viele Drogen- und Aidstote zu beklagen hatte. In ihrem autobiografisch gefärbten Spielfilm „Romería“ erinnert die Regisseurin Carla Simón an diese tabuisierten Krisenjahre.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die 18-jährige Marina hat ihre biologischen Eltern nie richtig kennengelernt; der Vater starb, als sie ein Baby war, und die Mutter nur wenige Jahre später. Im Jahr 2004 macht sich Marina auf den Weg nach Galizien, um erstmals die Familie ihres Vaters Alfonso zu treffen. Der Anlass ist pragmatisch: Für ein Stipendium an einer Filmhochschule benötigt sie dessen Sterbeurkunde. Das, so denkt Marina (Llúcia Garcia), dürfte doch kein Problem sein. Doch dann muss sie feststellen, dass sie in den offiziellen Unterlagen gar nicht als Tochter genannt ist. Sie gerät nun unweigerlich in die Situation, ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Leicht machen es ihr die neuen Onkel, Tanten, Neffen und Nichten nicht. Von den zurückweisenden Großeltern abgesehen wird sie von ihrem weitverzweigten Familienclan jedoch herzlich aufgenommen. Immer wieder bekommt sie zu hören, wie sie ihrer Mutter aus dem Gesicht geschnitten sei. Sie wird geradezu überschüttet mit Geschichten und bruchstückhaften Erinnerungen an ihre verstorbenen Eltern. Mit gesundem Misstrauen und sanfter Neugier auf diese quirlige Großbürgerfamilie gelingt es Marina, sich weder vereinnahmen noch abkanzeln zu lassen.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Denn so manches Berichtete deckt sich überhaupt nicht mit dem, was ihr bisher über Alfonso erzählt worden war, selbst grundlegende Fakten wie sein Todesjahr. Jetzt erfährt sie, dass er erst Jahre nach ihrer Geburt gestorben ist. Vieles, das sie von ihren Eltern zu wissen glaubte, entpuppt sich als Notlüge, Realitätsverweigerung oder der dreiste Versuch, die Wahrheit zu vertuschen. Ihr Cousin glaubt zu wissen, dass Alfonso, abgeschirmt von Freund*innen und Familienangehörigen, in einem Zimmer eingesperrt gestorben sei: „Du musst dir das so vorstellen: Großmutter betrat den Raum nur mit Maske und Handschuhen.“ Niemand habe ihn besuchen dürfen, damit sich sein Zustand nicht in der Stadt herumsprach. Und auch über Marina selbst scheinen seltsame Dinge zu kursieren. Zwei Kinder plaudern aus, dass man ihnen eingeschärft habe, sich Marina nicht zu sehr zu nähern: Mit ihrem Blut sei etwas nicht in Ordnung.</p>

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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Es war eine glückliche Periode, aber auch eine, in der in einigen Regionen des Landes Drogen überhandnahmen. Damit ging eine schnelle Verbreitung von HIV einher.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Carla Simón</cite></blockquote>

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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wie schon in ihrem Vorgängerfilm, dem Berlinale-Gewinner „Alcarràs – Die letzte Ernte“, hat Carla Simón ein feines Gespür dafür, Familiendynamiken präzise und fast beiläufig offenzulegen und emotionale Zwischentöne zu gestalten. Erzählerisch knüpft die spanische Regisseurin und Drehbuchautorin mit „Romería“ an ihren Erstlingsfilm <a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/zehn-tage-filmrausch/">„Fridas Sommer“</a> an: Dort kommt ein kleines Mädchen nach dem Tod ihrer Eltern bei der Verwandtschaft auf dem Lande unter. Dass sie drogenabhängig waren und an den Folgen von Aids starben, ist dem Kind nicht bewusst.</p>

              </div>
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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In „Romería“ – das spanische Wort bedeutet Pilgerfahrt – steht nun eine Jugendliche im Zentrum, die durch ihr beharrliches Nachfragen vom Schicksal ihrer Eltern erfährt: von deren Drogenabhängigkeit und Aids-Erkrankung Ende der 1980er Jahre.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Carla Simón greift in diesen Filmen auf ihre eigene Lebensgeschichte zurück. Auch ihre Eltern gehörten zu jener Generation, die in den achtziger Jahren nach dem Ende der Franco-Diktatur neue Lebensmodelle ausprobierten und im Zuge der gesellschaftlichen und kulturellen Aufbruchsstimmung die neugewonnene Freiheit auskosteten. Dazu gehörte auch der Drogenkonsum. „Es war eine glückliche Periode, aber auch eine, in der in einigen Regionen des Landes Drogen überhandnahmen. Damit ging eine schnelle Verbreitung von HIV einher“, erklärt Carla Simón in einem <a href="https://taz.de/Regisseurin-Carla-Simon-ueber-Romeria/!6166521/">Interview mit der taz</a>. Doch obwohl so viele Menschen in Spanien in dieser Zeit an den Folgen von Aids starben, sei das Thema weiterhin tabuisiert. Mit ihrem Film möchte sie daher erreichen, dass mehr über diese Generation gesprochen wird. „Auch, weil sie diejenigen waren, die mit gestrigen Wertvorstellungen brachen, mit streng konservativen und erzkatholischen Überzeugungen, die nach der Diktatur noch sehr präsent waren.“</p>

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            <img loading="lazy" decoding="async" class="lazyload js-lazyload"  alt="Dreharbeiten mit mehreren Personen auf einem Schirm im Hafen." src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" data-src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/04/Romeria__c_MarioLlorca_-Carla-Simon-bei-den-Dreharbeiten-1600x0-c-center.jpg" data-sizes="auto" width="1600" height="1067" >
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              Piffl Medien, Mario Llorca 
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<p>Aus dem, was Marina aus den Gesprächen über ihre Eltern erfährt, imaginiert sie Szenen aus deren jungem, wildem, exzesshaftem Leben. Zwar sind es keine eigenen Erinnerungen – denn sie war ja nicht dabei –, aber so könnte es vielleicht gewesen sein. Es ist ihr Weg, mit dem Verlust und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit umzugehen und diese Leerstelle in ihrer Biografie zu füllen. Die Rückblenden, in denen wir die Eltern im Film kennenlernen, sind nichts anderes als Imaginationen <a>– </a>Marina und deren Mutter werden immerhin von der derselben Schauspielerin verkörpert.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Drastische Bilder fügen sich in Carla Simóns präzise montierten Patchwork aus Spielszenen, Archivmaterial und stimmungsvollen Motiven der iberischen Atlantikküste zu einem poetisch-melancholischen Gesamtbild.</p>

              </div>
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</blockquote>

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<p>Um das große Sterben in jener Zeit zu visualisieren, lässt Simón die Besucher*innen eines Clubs zu dem spanischen 80er-Jahre-Hit „Bailaré sobre tu tumba“ (zu Deutsch: „Ich werde auf deinem Grab tanzen“) streng choreografiert bewegen. Nach und nach erstarren Tänzer*innen und werden mit einem Leichentuch verhüllt. Auch solch drastische Bilder fügen sich in Carla Simóns präzise montierten Patchwork aus Spielszenen, Archivmaterial und stimmungsvollen Motiven der iberischen Atlantikküste zu einem poetisch-melancholischen Gesamtbild. Am Ende wird Marina ihren Eltern zum ersten Mal wirklich nahegekommen sein. Vor allem aber hat sie das jahrelange Verschweigen durchbrochen und der aus der gesellschaftlichen Ächtung befeuerten Scham, die ihre Großeltern für Alfonsos Aidstod immer noch empfanden, ein Ende bereitet.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em><a href="https://pifflmedien.de/filme/romeria/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“</a>, Spanien 2025. Regie Carla Simón, mit Llúcia Garcia, Tristán Ulloa, Tristán Ulloa, Sara Casasnovas. 115 Min., OmU.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-vorfuhrungen-von-romeria-mit-anschliessenden-gesprachen"><strong>Vorführungen von &#8222;Romería&#8220; mit anschließenden Gesprächen</strong></h2>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Karlsruhe, 9.4., 18.15 Uhr, Schauburg, in Kooperation mit dem Zentrum für sexuelle Gesundheit, Identität und Aufklärung Karlsruhe (ZeSIA)</li>



    
<li>Nürnberg: 9.4., 20.15 Uhr, Filmhaus. Filmgespräch im Anschluss mit Beate Lischka, Sozialpädagogin der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e. V.</li>



    
<li>Soest: 7.5., 20 Uhr, Kulturhaus Alter Schlachthof, in Kooperation mit der Aidshilfe im Kreis Soest e.V.</li>

</ul>

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  </div>
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<p></p>

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  </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-filme-zur-aidsgeschichte">Mehr Filme zur Aidsgeschichte</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="17afmOV0Oa"><a href="https://magazin.hiv/magazin/filme-hiv-aids/">Vier Jahrzehnte Aids: 9 Filme zum Leben mit HIV/Aids</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Vier Jahrzehnte Aids: 9 Filme zum Leben mit HIV/Aids&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/filme-hiv-aids/embed/#?secret=oIxuK2UVyR#?secret=17afmOV0Oa" data-secret="17afmOV0Oa" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<item>
		<title>„Das Urteil schafft Rechtssicherheit und stärkt Betroffene beträchtlich“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/interview-eugh-geschlechtliche-selbstbestimmung/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/interview-eugh-geschlechtliche-selbstbestimmung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 12:39:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[EuGH]]></category>
		<category><![CDATA[geschlechtliche Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[trans]]></category>
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					<description><![CDATA[EU-Mitgliedsstaaten müssen Reisedokumente und Zivilstandseinträge der gelebten Geschlechtsidentität anpassen, so der Europäische Gerichtshof. Wir sprachen mit Richard Köhler von TGEU.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong><strong>EU-Mitgliedsstaaten müssen Reisedokumente und Zivilstandseinträge der gelebten Geschlechtsidentität anpassen, so der Europäische Gerichtshof. Wir sprachen mit Richard Köhler von <a href="https://www.tgeu.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TGEU</a>.</strong></strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Richard, wie schätzt du die aktuelle politische und rechtliche Situation von trans und nicht-binären Menschen in Europa ein?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir beobachten derzeit in Europa – wie auch weltweit – einen besorgniserregenden Rollback gegen demokratische Institutionen und Minderheitenrechte. Trans Menschen sind dabei besonders stark betroffen. Viele Menschen kennen keine trans Personen persönlich und sind dadurch anfällig für gezielte Desinformation und Manipulation. Das ist oft der erste Schritt zur Entmenschlichung und zur Spaltung der Gesellschaft – so hat es auch in Putins Russland und in Ungarn begonnen. Autoritäre Akteur*innen in Regierungen und Parteien, von Ungarn über die Slowakei bis zur AfD, Vox oder CHEGA, greifen diese Strategien begeistert auf. In mehreren europäischen Ländern sind derzeit Gesetze in Arbeit, die die Rechte von trans Menschen massiv einschränken. Für die Mehrheitsgesellschaft ändert sich dadurch kaum etwas – für die Betroffenen sind die Auswirkungen hingegen tiefgreifend und schmerzhaft.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Wie wirken sich transfeindliche Haltungen, die durch US-Politik und hiesige rechte bis rechtsextreme Regierungen, Parteien und Strömungen vorangetrieben werden, auf trans Menschen, Projekte und Organisationen in Europa aus?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Folgen sind extrem spürbar. Wir erleben steigende Gewalt – physisch, sexuell und digital. Gleichzeitig geraten Projekte und Organisationen zunehmend unter Druck, vor allem in Zentralasien, wo durch die aktuelle Kahlschlagpolitik der Mittelzufluss abrupt gestoppt wurde und kaum jemand einspringen kann. Auch in sogenannten liberalen Staaten verschärft sich der Ton. In Deutschland etwa erleben wir Debatten über die Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes, Angriffe auf trans Frauen und den erschwerten Zugang zu Gesundheitsversorgung für trans Kinder. Letzteren wird unter dem Deckmantel des „Kindeswohls“ der Zugang zu Pubertätsblockern verwehrt – ein zutiefst unethisches Vorgehen, das Kinder gezielt im Stich lässt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Welche Bedeutung hat in dieser Situation das <a href="https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/eugh-c4324-transsexualitaet-pflicht-mitgliedsstaaten-anpassung-ausweise" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 12. März 2026</a>?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Urteil ist ein echter Meilenstein. Der EuGH hat entschieden, dass Mitgliedsstaaten die Freizügigkeit innerhalb der EU nur dann garantieren können, wenn Reisedokumente und Zivilstandseinträge der tatsächlichen Geschlechtsidentität einer Person entsprechen. Sonst wird dieses Grundrecht eingeschränkt. Zudem hat das Gericht betont, dass Richter*innen EU-Recht auch dann anwenden müssen, wenn nationale Gesetze oder höhere Instanzen anderer Meinung sind. Das schafft Rechtssicherheit und stärkt Betroffene beträchtlich.</p>

              </div>
    </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Der EuGH hat entschieden, dass Mitgliedsstaaten die Freizügigkeit innerhalb der EU nur dann garantieren können, wenn Reisedokumente und Zivilstandseinträge der tatsächlichen Geschlechtsidentität einer Person entsprechen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Richard Köhler, TGEU</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Urteil greift unsere zentrale Beobachtung auf: Ohne Dokumente, die der gelebten Geschlechtsidentität entsprechen, bleibt vielen trans Menschen der Zugang zu elementaren Grundrechten verwehrt. Im aktuellen Fall <em>Shipova</em> wird das besonders deutlich – eine Klägerin aus Bulgarien musste sich über zehn Jahre lang durch alle Instanzen kämpfen, um als Frau anerkannt zu werden. Sie lebt in Italien und muss sich dort ständig erklären, warum sie mit Dokumenten unterwegs ist, die nicht zu ihr passen. Wir hoffen, dass sie und viele andere nun endlich rechtliche Klarheit und Würde erfahren werden. Ob die bulgarischen Behörden das Urteil zügig und konsequent umsetzen, werden wir genau beobachten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Kannst du dazu kurz erläutern, inwiefern das Urteil bindend für EU-Länder ist? Auch in einigen anderen Ländern gibt es ja Gesetze, die diesem Urteil widersprechen, neben Bulgarien sind das zum Beispiel Ungarn und die Slowakei.</strong></p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>EuGH-Urteile sind für alle Mitgliedsstaaten verbindlich – sie haben Vorrang vor nationalem Recht. Wenn also nationale Gesetze dem Urteil widersprechen, müssen sie angepasst oder von Gerichten unangewendet gelassen werden. Richter*innen in den Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, sich direkt auf EU-Recht und EuGH-Rechtsprechung zu berufen, auch wenn nationale Regelungen oder höhere Gerichte dem entgegenstehen. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wenn ein Staat sich weigert, das Urteil umzusetzen, kann die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten. Betroffene Personen können außerdem nationale Gerichte anrufen, die dann wiederum den EuGH einschalten können. Kurz gesagt: Es gibt klare Mechanismen, um sicherzustellen, dass Grundrechte in der gesamten EU tatsächlich gelten – auch gegen politischen Widerstand.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Ermöglicht das Urteil bei der Anpassung der Geschlechtsidentität in Dokumenten eigentlich auch eine diverse Geschlechtsidentität oder bleibt es im binären System Frau/Mann?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Urteil bezieht sich konkret auf die Anerkennung der gelebten Geschlechtsidentität, legt dabei aber keine binäre Grenze fest. Der EuGH hat offengelassen, wie Mitgliedsstaaten das geschlechtliche Selbstverständnis einer Person genau umsetzen müssen. Das bedeutet: Wo nationale Systeme bereits eine dritte oder offene Kategorie kennen, sind diese ausdrücklich von der Entscheidung erfasst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Gleichzeitig zeigt das Urteil, dass es in Europa noch strategische Gerichtsverfahren braucht, um die Rechte nicht-binärer Menschen explizit abzusichern. Denn solange nationale Register und Verwaltungssysteme am binären Modell festhalten, wird der Schutz nicht-binärer Personen faktisch unterlaufen. Solche gerichtlichen Klärungen sind notwendig, um das Prinzip der Geschlechtsidentität im europäischen Recht weiterzuentwickeln – hin zu echter rechtlicher Gleichstellung aller Geschlechter. TGEU unterstützt gerne solche strategischen Klagen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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        <div class="quote">
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Urteil zeigt auch, dass es in Europa noch strategische Gerichtsverfahren braucht, um die Rechte nicht-binärer Menschen explizit abzusichern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Richard Köhler, TGEU</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Was fordern TGEU und befreundete Organisationen angesichts dieses Urteils?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir fordern erstens eine zügige und vollständige Umsetzung der EuGH-Urteile durch alle EU-Mitgliedsstaaten. Zweitens muss die EU-Kommission nicht nur unterstützen, sondern auch entschieden gegen Staaten vorgehen, die ihre rechtlichen Verpflichtungen ignorieren. Sie muss ihre phlegmatische Haltung dringend aufgeben und in die Aktion kommen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Darüber hinaus lehnen wir die sogenannten Reformen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) entschieden ab. Sie stehen für eine systematische Aushöhlung grundlegender Menschenrechte. Mit der Einführung „sicherer Herkunftsstaaten“, beschleunigten Verfahren an Außengrenzen und der faktischen Auslagerung von Verantwortung werden Schutzsuchende entrechtet und kriminalisiert. Das betrifft nicht nur LSBTI-Geflüchtete – es bedeutet für viele Menschen unermessliches Leid, Gewalt bis hin zum Tod. Wer Menschen in Folter, Verfolgung oder Krieg zurückschickt, verliert seine eigene Menschlichkeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die EU-Kommission muss auch entschieden gegen Staaten vorgehen, die ihre rechtlichen Verpflichtungen ignorieren</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Richard Köhler, TGEU</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p>Schließlich wünschen wir uns, dass demokratische Kräfte – auch konservative – sichtbarer für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt eintreten. Auch konservative Politiker*innen sollten sich nicht in die Falle rechter Anti-Trans-Rhetorik locken lassen – denn am Ende geht es um die Grundlage unserer gemeinsamen Menschlichkeit.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>Richard Köhler (er/ihm) ist seit zwei Jahrzehnten als Trans-Aktivist engagiert und setzt sich im Rahmen der Arbeit von <a href="https://www.tgeu.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TGEU – Trans Europe and Central Asia</a> – für die geschlechtliche Selbstbestimmung und den Schutz der Rechte von trans Personen ein.</em></p>

              </div>
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zum-thema-transrechte">Mehr zum Thema Transrechte</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="rLzRpgP6GR"><a href="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/">„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/embed/#?secret=Og8ut56v93#?secret=rLzRpgP6GR" data-secret="rLzRpgP6GR" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="xmTt25gwTw"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/">Transhass als Motor des Rechtsrucks</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Transhass als Motor des Rechtsrucks&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/embed/#?secret=OwcLNPAYLB#?secret=xmTt25gwTw" data-secret="xmTt25gwTw" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Genf verschreibt Kokain gegen die Crack-Krise</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Ryser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 12:40:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Crack]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[In den kommenden Monaten erhalten schwer abhängige Crack-Konsument*innen pharmazeutisches Kokain nach dem Vorbild der Heroinabgabe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p><strong><strong>In den kommenden Monaten erhalten schwer abhängige Crack-Konsument*innen pharmazeutisches Kokain nach dem Vorbild der Heroinabgabe.*</strong></strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Schweiz hat ein Problem, das in keinen Tresor passt. Die alpine Bastion der Neutralität und Hüterin des globalen Kapitals sieht sich von einer Substanz belagert, die nichts von helvetischer Zurückhaltung versteht. Crack-Kokain, eine Droge, die weder Bankkonto noch Alpenblick verlangt, hat sich in Gassen und Pärken eingenistet wie ein ungebetener Gast, der die Hausordnung nicht lesen will. In <a href="https://www.zentralplus.ch/gesellschaft/luzern-plant-crack-platz-anwohner-sind-entsetzt-2844840/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Luzern</a> sitzen Tourist*innen mit Rollkoffern neben Drogenkonsumierenden, die mit Glasröhrchen Crack rauchen. Anwohnende von <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/offene-drogenszene-vom-stadtpark-ins-gebaeude-neuer-konsumraum-in-chur" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chur</a> bis <a href="https://tsri.ch/a/baeckeranlage-drogenkonsum-verlagert-sich-ins-wohnquartier-zuerich-crack" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zürich</a> sorgen sich und die Gründe liegen vielfach auf der Hand.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Berichte der Schweizerischen <a href="https://newsletter.lu.ch/files/SK/Mitteilungen%202025/09_Sep/20250910_Bericht%20Umgang%20mit%20Crack%20Infodrog.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Koordinations- und Fachstelle Sucht</a> (Infodrog) sowie von <a href="https://newsletter.lu.ch/files/SK/Mitteilungen%202025/09_Sep/20250910_Strategie-%20und%20Massnahmenbericht%20Crack.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kantonalen Gesundheitsdepartementen</a> <a href="https://www.bag.admin.ch/dam/de/sd-web/MRliaFDvfKA-/runder_tisch_crack.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dokumentieren</a> die Ausbreitung der Droge. Besonders in Genf, wo man sonst gerne über das Leid ferner Länder konferiert, stellte man schon <a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/88042.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vor vier Jahren</a> fest, dass das Elend direkt vor der eigenen Haustür parkt. Die Wiege humanitärer Konventionen erlebt die Krise mit <a href="https://www.suchtschweiz.ch/press/crack-die-lehren-aus-genf-eine-neue-studie-von-sucht-schweiz-zieht-bilanz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">besonderer Intensität</a>.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Es ist kein Konsumraum und keine Kontakt- und Anlaufstelle, sondern ein Therapieraum.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Daniele Zullino, Leiter der Genfer Suchtpsychiatrie, zum neuen Angebot der Kokain-Verschreibung für Crack-Süchtige</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Parallel dazu hat sich die fachliche Debatte über den Umgang mit Crack-Konsum verschoben. Nachdem Crack lange Zeit als nicht therapierbar in den Zuständigkeitsbereich von Polizei und Sozialarbeit verbannt worden war, vollziehen Fachleute nun eine Kehrtwende.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-verschreiben-statt-verbieten">Verschreiben statt verbieten</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Genfer Universitätsspital bereitet sich darauf vor, Kokain auf Rezept zu verschreiben beziehungsweise vor Ort in die rauchbare Freebase-Form umzuwandeln und zu verabreichen. Das ist eine pharmazeutische Lösung für das schwer zu bewältigende Problem der Crack-Abhängigkeit und ein Novum in der Weltgeschichte der Drogen und des Umgangs mit Sucht. Der Architekt dieses bemerkenswerten Projekts heißt Daniele Zullino, Leiter der Genfer Suchtpsychiatrie und seit drei Jahrzehnten auf dem Gebiet der Suchtmedizin tätig, wo er seit zwanzig Jahren die lokale Heroinabgabe leitet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Die rechtlichen Voraussetzungen sind erfüllt, die Substanz ist vorhanden“, sagt Zullino im Gespräch. „Was noch fehlt, sind geeignete Räume: ein Inhalationsraum, ein Raucherzimmer, eine ausreichende Belüftung. Der Beginn ist in den nächsten Monaten geplant.“ Wo diese Räume entstehen, das sei klar: Das Programm, das Teil einer <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/massive-drogenprobleme-genf-forciert-kampf-gegen-crackschwemme-in-der-stadt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">umfassenden Strategie</a> der Genfer Regierung gegen die Crack-Epidemie in der Stadt ist, wird in denselben Räumen des Universitätspitals stattfinden, in denen bereits die heroingestützte Behandlung läuft.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zullino legt Wert auf die Begrifflichkeit, weil sie politisch und rechtlich entscheidend ist: „Es geht nicht um die Abgabe einer Droge, sondern um ihre ärztliche Verschreibung“ – also um Therapie, nicht um Konsum. Es sei demnach „kein Konsumraum“, also „keine Kontakt- und Anlaufstelle“, sondern ein „Therapieraum“. Und die Zielgruppe sind natürlich nicht Wochenend-Hedonist*innen mit der Fähigkeit, Kokainkonsum auf Vernissagen als Networking zu verbuchen, sondern jene Menschen, deren Lebenslauf auf der Straße endet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-der-zurcher-prazedenzfall">Der Zürcher Präzedenzfall</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Was wir hier beobachten, ist keine medizinische Bastelei. Es ist die Konsequenz einer politischen Bildung, die durch pragmatische Experimente hart erkämpft wurde. Als Zürich in den 1990er-Jahren unter dem Gewicht der <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/30-jahre-platzspitz-raeumung-was-vom-drogenelend-am-zuercher-platzspitz-uebrig-geblieben-ist" target="_blank" rel="noreferrer noopener">offenen Drogenszene</a> zusammenzubrechen drohte und mit einer Epidemie von Überdosierungen und HIV-Infektionen konfrontiert war, entschied man sich für die skandalöseste aller Lösungen: <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/schweiz-die-kontrollierte-heroinabgabe-eine-erfolgsgeschichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die Vernunft</a>. Die Ergebnisse des Vier-Säulen-Modells, eines Rahmenkonzepts, das die <a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=93452">Abgabe von Heroin</a> in kontrollierter Qualität vorsah, waren für den rationalen Verstand ebenso vorhersehbar wie für den moralistischen schockierend: geringere Sterblichkeit, weniger Kriminalität, stabilisierte Lebensumstände und die Verlagerung des Konsums aus den Straßen in kontrollierte Einrichtungen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Wir haben in der Schweiz beim Heroin gelernt, dass [Abstinenz als vorrangiges Ziel] keinen Sinn ergibt. Die Leute lehnen das Angebot dann ab und kommen einfach nicht mehr.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Daniele Zullino, Leiter der Genfer Suchtpsychiatrie, zum neuen Angebot der Kokain-Verschreibung für Crack-Süchtige</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Durch die Verschreibung von medizinischem Kokain domestiziert die Genfer Regierung nun eine Substanz, die zuvor ausschließlich in der Schattenwirtschaft <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MnP1XmxyqxA" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zu finden war</a>. Zullino, der vor über drei Jahrzehnten an der Entwicklung der heroingestützten Behandlung beteiligt gewesen war, wendet den Pragmatismus des Vier-Säulen-Modells nun auf Kokain an, ohne dabei zu beschönigen. „Kokain ist immer ungesund“, sagt er. Die größte Gefahr liege in der Vasokonstriktion, der Verengung kleiner Arterien. Die Therapie in Genf ziele nicht darauf ab, Kokain harmlos zu machen, sagt er, sondern darauf, seine Risiken überschaubar.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-chemie-des-cracks">Die Chemie des Cracks</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><a>Chemisch gesehen entsteht Crack aus Kokainsalz, dem Natron zugesetzt wird</a>. Entscheidend ist nicht die Stärke der Substanz, sondern die Geschwindigkeit der Absorption <em>[Aufnahme ins Blut, Anm. d. Red.]</em>, ein Prinzip, das schon die Tabakindustrie mit Ammoniak ausgenutzt hat, um die Nikotinaufnahme zu beschleunigen. „Substanzen machen umso schneller süchtig, je schneller sie das Gehirn erreichen“, sagt Zullino, eine Reise, die beim Inhalieren nur wenige Sekunden dauere.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Ziel sei es, mittelfristig eine Form zu entwickeln, bei der Kokain als möglichst reiner Dampf inhaliert werden könne, sodass das Lungengewebe von schädlichen Partikeln verschont bleibe. „In der Zwischenzeit werden die Patient*innen Pfeifen verwenden, in denen unter kontrollierten medizinischen Bedingungen das verschriebene Kokainsalz mit Natron zur inhalierbaren Form aufbereitet und erhitzt wird. Später könnten auch elektrische Vaporizer verwendet werden“, sagt der Suchtpsychiater.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-beziehungsarbeit-statt-abstinenz">Beziehungsarbeit statt Abstinenz</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die kurze pharmakologische <a>Wirkungsdauer von Crack</a> – ein flüchtiger, meist zehn- bis fünfzehnminütiger <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZpIhsGg2SJ0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neurochemischer Hochgenuss</a>, viel kürzer als Heroin – stellt den Genfer Arzt dabei vor ein Planungsproblem, das dem der SBB <em>[Schweizerische Bundesbahn, Anm. d. Red.] </em>in nichts nachsteht: „Die Patient*innen können dreimal täglich vorbeikommen und zweimal pro Besuch eine Dosis einnehmen, wobei zwischen den Dosen eine obligatorische Pause von zwei Stunden liegen muss.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Crack wirkt schnell. Es verschwindet noch schneller. Nach ein paar Minuten ist das High schon wieder verpufft. Für die Stunden zwischen den Besuchen am am Universitätsspital verschreibt Zullino den Klient*innen langwirksame Amphetamine, die den Suchtdruck dämpfen sollen. Dieser pharmazeutische Trick, der sich in der Heroinabgabe mit anderen Substanzen sehr bewährt habe, wie Zullino sagt, ersetzt ein Stimulans durch ein anderes. Keine Entwöhnung, sondern Regulierung: Stabilisierung durch Substitution, seit dreißig Jahren ein Leitprinzip der Schweizer Drogenpolitik.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-hilfe-ohne-vorbedingung"><strong>Hilfe ohne Vorbedingung</strong></h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zullino formuliert, was rationale Beobachter*innen verstanden und Studien dokumentiert haben, moralisch Argumentierende jedoch nicht anerkennen wollen: dass <a href="https://www.infodrog.ch/de/aktivitaeten/schadensminderung.html#:~:text=Die%20Schadensminderung%20erg%C3%A4nzt%20seit%20Mitte,Jahrhunderts." target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schadensminderung</a>, Stabilisierung und therapeutisches Engagement den einzig konstruktiven Ansatz zur Suchtbekämpfung darstellen. „Abstinenz ist nicht unser vorrangiges Ziel“, sagt er. „Wir haben in der Schweiz beim Heroin gelernt, dass das keinen Sinn ergibt. Die Leute lehnen das Angebot dann ab und kommen einfach nicht mehr.“</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Strategie räumt häufigen klinischen Kontakten Vorrang vor moralistischen Haltungen ein und verbindet diese Begegnungen durch Partnerschaften mit Genfer Museen mit kulturellem Engagement. Ehemalige Süchtige, die nun als Peer-Berater*innen ausgebildet sind, organisieren diese Ausflüge und verwandeln Cracksüchtige in Galeriebesucher*innen. Die Ergebnisse sprechen laut Zullino für sich: „Es ist erstaunlich, was da möglich ist. Leute, die auf der Straße zwanzig Mal am Tag konsumieren, kommen plötzlich einen Tag lang ohne Crack aus.“</p>

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<p>Jemand musste den ersten Schritt machen.</p>

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<cite>Daniele Zullino, Leiter der Genfer Suchtpsychiatrie, zum neuen Angebot der Kokain-Verschreibung für Crack-Süchtige</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die Genfer Regierung hat die Fiktion aufgegeben, dass eine Cracksucht erst überwunden werden muss, bevor Hilfe geleistet werden kann. Eine Vorstellung, die genauso absurd ist wie die Forderung, dass ein Ertrinkender erst trocken werden muss, bevor man ihm eine Rettungsweste zuwirft. Stattdessen erkennt sie, wie beim Heroin, die Hartnäckigkeit der Sucht an und behandelt sie als Realität, nicht als moralisches Versagen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Von ehemaligen Süchtigen organisierte Museumsbesuche können nicht den Rausch ersetzen – solch magisches Denken gehört in evangelikale Erweckungsversammlungen, nicht in die Gesundheitspolitik. Aber sie geben einem ansonsten chaotischen Leben eine gewisse Struktur. Dreimal täglich stattfindende Abgabetermine ersetzen die Schwarzmarkt-Transaktionen an Straßenecken, während Stabilität die Illusion der Heilung ersetzt, jene moralische Fiktion der Prohibition, die in einem <a href="https://www.republik.ch/2018/10/08/wir-haben-jede-nacht-zweihundert-kilo-crack-gekocht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">globalen Drogenkrieg</a> endete, der statt Substanzen zu bekämpfen Menschen zerstörte. Die Genfer Schadensminderung mit ihrem pharmazeutischen Kokain, bei dem jeder Schritt vom legalen Anbau der Coca-Pflanze bis zur Produktion <a href="https://www.woz.ch/1812/drogenpolitik/zertifiziertes-kokain-fuer-alle" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dokumentiert werden muss</a>, verlagert damit einen Teil dieses Geschäfts aus der Schattenwirtschaft in staatliche Kontrolle.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-blicken-mit-interesse-nach-genf"><strong>„Blicken mit Interesse nach Genf“</strong></h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Jemand musste den ersten Schritt machen“, sagt Daniele Zullino. Andere Kantone – Basel-Stadt, Zürich, Graubünden – verfolgen das Experiment in Genf mit der Intensität von Laborwissenschaftler*innen, die einen möglichen Durchbruch erwarten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit werden die Erträge beträchtlich sein.</p>

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<cite>Daniele Zullino, Leiter der Genfer Suchtpsychiatrie, zum neuen Angebot der Kokain-Verschreibung für Crack-Süchtige</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>„Wir blicken mit großem Interesse nach Genf“, sagt Regine Steinauer, Leiterin der Abteilung Sucht im Gesundheitsdepartement Basel-Stadt. „Das Projekt ist mutig. Es gibt nichts Vergleichbares und viele Fragen sind offen.“ In Basel habe man im vergangenen Jahr eine Umfrage unter Konsumierenden bezüglich therapeutischer Crack-Verschreibung durchgeführt. Die Crack-Konsument*innen selbst äußerten sich skeptisch. Man sei hier auf jeden Fall noch nicht so weit für ein vergleichbares Projekt, sagt Steinauer. Der Druck durch die offene Szene <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/offene-drogenszene-crack-suechtige-bringen-basler-quartierbevoelkerung-um-den-schlaf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sei geringer</a> als in Genf. Und natürlich sei der Aufbau eines solchen Angebots mit erheblichen Kosten verbunden. Man wolle deshalb zunächst die Erfahrungen aus Genf abwarten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zur Kostenfrage sagt Daniele Zullino: „Die Kokainbehandlung ist, wie schon die Heroinbehandlung, nicht darauf ausgelegt, Gewinne zu erzielen. Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit aber werden die Erträge beträchtlich sein.“</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><em>*Dieser für magazin.hiv leicht angepasste Beitrag erschien zuerst am 20. März 2026 auf </em><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise/"><em>infosperber.ch</em></a><em>. Wir danken Daniel Ryser und der Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung.</em></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Weitere Beiträge zum Thema Crack und Heroin auf magazin.hiv und aidshilfe.de (Auswahl):</strong></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Crack als Herausforderung für die Drogenhilfe (28.10.2025)</li>

</ul>

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    </div>
  </div>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="t6HTJwIMZb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/crack-drogenhilfe/">Crack als Herausforderung für die Drogenhilfe</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Crack als Herausforderung für die Drogenhilfe&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/crack-drogenhilfe/embed/#?secret=9gzndEOPmn#?secret=t6HTJwIMZb" data-secret="t6HTJwIMZb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><a href="https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/synthetische-opioide-und-crack-konsum-grosse-herausforderungen-der-gegenwart" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Synthetische Opioide und Crack-Konsum – große Herausforderungen der Gegenwart</a> (Pressemitteilung vom 30.9.2025)</li>



    
<li>„Diamorphin muss jedem Menschen mit Opiatkonsum zugänglich gemacht werden“ (17.12.2024)</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="33mP45SW15"><a href="https://magazin.hiv/magazin/diamorphin-substitution-interview-dirk-schaeffer/">„Diamorphin muss jedem Menschen mit Opiatkonsum zugänglich gemacht werden“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Diamorphin muss jedem Menschen mit Opiatkonsum zugänglich gemacht werden“&#8220; &#8211; magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/diamorphin-substitution-interview-dirk-schaeffer/embed/#?secret=Z6rhkLTlLA#?secret=33mP45SW15" data-secret="33mP45SW15" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Materialien der Deutschen Aidshilfe zum Thema Risikominierung beim Crackkonsum</strong></p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Faltblatt <a href="https://www.aidshilfe.de/de/shop/risiken-mindern-abc-crackkonsums" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Risiken mindern – ABC des Crackkonsums (2025)</a></li>

</ul>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><a href="https://www.aidshilfe.de/de/shop/handreichung-anpassung-angebote-aids-drogenhilfe-fur-crack-konsumentinnen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handreichung zur Anpassung der Angebote in Aids- und Drogenhilfe für Crack-Konsument*innen (2024)</a></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>„Als würde man neben jemandem im Bett aufwachen“: Porträts von Peter Hujar</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/peter-hujar-fotograf/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/peter-hujar-fotograf/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 16:53:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1559544</guid>

					<description><![CDATA[Der früh infolge von Aids verstorbene New Yorker Fotograf Peter Hujar blieb zu Lebzeiten ein Geheimtipp. Nun erlebt er eine Wiederentdeckung. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p><strong>Der früh infolge von Aids</strong> <strong>verstorbene New Yorker Fotograf Peter Hujar blieb zu Lebzeiten ein Geheimtipp. Nun erlebt er als empfindsamer Chronist einer Zeit der gesellschaftlichen Veränderungen und sexuellen Emanzipation eine Wiederentdeckung. Aktuell sind Retrospektiven in Berlin und Bonn zu sehen.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-bandbreite-mannlicher-emotionen">Bandbreite männlicher Emotionen</h2>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Was genau sehen wir hier eigentlich? Einen Mann, der aus Verzweiflung weint? Oder ist sein Gesicht vor Schmerz oder vielleicht aus Lust verzerrt? Als Hanya Yanagihara ihrem Verlag dieses Foto als Covermotiv für ihren Roman „Ein wenig Leben“ vorschlug, war man dort wenig begeistert. Das Bild schien zu übergriffig zu sein, zu intim, zu herausfordernd. Die New Yorker Autorin aber setzte sich durch. Ihr 2017 auch auf Deutsch erschienenes Buch wurde ein Weltbestseller, und das Umschlagmotiv – da sind sich die Leser*innen einig – fängt die ganze Bandbreite der emotionalen Extreme des Romans – männliche Verletzlichkeit, Schmerz, Verzweiflung und Ekstase – in einem einzigen Ausdruck ein. </p>

              </div>
    </div>
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<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="196" height="300" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/Ein-wenig-Leben_CT0_9783446255586_0001-196x300.jpg" alt="Buchcover des Romans &quot;Ein wenig Leben&quot; von Hanya Yanagihara zeigt ein Gesicht mit zusammengekniffenen Augen" class="wp-image-1559545 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/Ein-wenig-Leben_CT0_9783446255586_0001-196x300.jpg 196w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/Ein-wenig-Leben_CT0_9783446255586_0001.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Foto von Peter Hujar auf dem Romancover von Hanya Yanagihara </p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>© Hanser</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Bild erfuhr auf diesem Weg eine enorme Verbreitung und Aufmerksamkeit. Was aber viele überraschte: Entstanden ist das Foto mit dem Titel „Orgasmic Man“ bereits im Jahr 1969 – es stammt von Peter Hujar.</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Zu Lebzeiten war der 1987 verstorbene New Yorker Fotograf nur mäßig erfolgreich. Lediglich ein Band „Portraits in Life and Death“ – Porträts befreundeter Künstler und Autor*innen wie Susan Sontag, Robert Wilson, Fran Lebowitz und William S. Burroughs neben Fotos von mumifizierten Leichen in den Katakomben von Palermo – hat Hujar zu Lebzeiten veröffentlicht.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Doch seit wenigen Jahren erlebt sein Werk eine erstaunliche Wiederentdeckung. Im vergangenen Jahr kam <a href="https://salzgeber.de/peterhujar">„Peter Hujar’s Day“</a> von Ira Sachs in die Kinos. Vorlage für dieses intime Porträt sind Gespräche, die Hujars befreundete Autorin Linda Rosenkrantz im Laufe eines Tages im Jahr 1974 protokollierte. Eine von der Londoner Galerie Raven Row erarbeitete Retrospektive gastiert derzeit in der Bonner Bundeskunsthalle. Parallel dazu wird auch <a href="https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau/programm/2026/ausstellungen/peter-hujar-liz-deschenes">im Berliner Martin-Gropius-Bau mit „Persistence of Vision“</a> eine Übersicht seines fotografischen Schaffens gezeigt (gekoppelt mit abstrakten Arbeiten der zeitgenössischen Fotografin Liz Deschenes). Hier sind nun auch Originalprints von „Orgasmic Man“ zu sehen.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 class="wp-block-heading" id="h-intimitat-empathie-und-verletzlichkeit">Intimität, Empathie und Verletzlichkeit</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>In den Achtzigerjahren wurden einige von Hujars Männeraktfotografien, darunter viele Selbstporträts, vielfach reproduziert. Im Zuge der Gay-Liberation-Bewegung hatten schwule Fotografen damit begonnen, den nackten Mann technisch und handwerklich perfekt in Szene zu setzen, ihn als Motiv in die Fotokunst einzuschreiben und damit ein Tabu zu brechen.</p>

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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Anders als <a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/provokationen-in-schwarz-weiss/">Robert Mapplethorpe</a>, der mit seiner unterkühlten Ästhetik und inszeniertem Glamour zum Starfotografen erhoben wurde, reduziert Hujar seine Modelle nicht allein auf die Perfektion ihrer Körper. Vielmehr versuchte er in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien, deren Persönlichkeit einzufangen. Dazu verbrachte er viele Stunden mit ihnen, bis schließlich das eine, entscheidende Foto gelungen war. Viele der Porträtierten waren ohnehin Freund*innen und Bekannte mit der Bereitschaft, sich vor der Kamera nicht nur zu entblößen, sondern auch zu öffnen.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Peter Hujar gelangen auf diese Weise Bilder, die ganz der Tradition der Porträtfotografie verpflichtet sind und zugleich soviel Intimität, Empathie und Verletzlichkeit ausstrahlen, dass sie bis heute zu berühren vermögen. „Ein Hujar-Porträt anzusehen“, sagt die Fotografin Lynn Davis, „ist fast so, als würde man neben jemandem im Bett aufwachen“.</p>

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    </div>
  </div>
      <div class="block block--type-core block--type-core-image block--spacing-small block--align-none">
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              © Peter Hujar “Larry Ree Backstage (II)”, 1974 © 2025 Tue Peter Hujar Archive/Artists Rights Society (ARS), NY, DACS London and Pace Gallery
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-wahlfamilie-und-beseelte-stadtlandschaften">Wahlfamilie und beseelte Stadtlandschaften</h2>

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<p>Im gerade auf Deutsch erschienenen, zwischen Autobiografie und Fiktion changierenden Roman „Foto auf Anfrage“ erzählt der französische Autor Simon Chevrier von einem jungen Sexworker und Grindr-Date-Maniac, der von einem Bild Hujars derart fasziniert ist, dass er in einer obsessiven Recherche versucht, das Schicksal dieses Fotomodells zu ergründen. Das Bild – „Daniel Schook Sucking Toe“ – zeigt einen unbekleideten, sehr gelenkigen Mann, der an seinen eigenen Fußzehen lutscht, und den Betrachter direkt anzuschauen scheint. Eine solche Szene entsteht aus einer Vertrautheit, die sich auf das Bild und schließlich auf die Betrachter*innen überträgt, ohne diese in die Rolle von Voyeur*innen zu drängen.</p>

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<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="212" height="300" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/foto-auf-anfrage-212x300.jpg" alt="Buchcover &quot;Foto auf Anfrage&quot; von Simon Chevrier mit Hujars Fotografie &quot;Daniel Schook Sucking Toe&quot;, die eine nackte, gelenkige Person zeigt, die an den eigenen Fußzehen lutscht und in die Kamera guckt." class="wp-image-1559548 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/foto-auf-anfrage-212x300.jpg 212w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/03/foto-auf-anfrage.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Das Foto von Peter Hujar spielt eine wichtige Rolle im Roman von Simon Chevrier </p>

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<p>© Albino/Salzgeber</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Hujars Arbeitsweise und Wirkung erinnert stark an <a href="https://magazin.hiv/schlagwort/nan-goldin/">Nan Goldin</a>, wenngleich die US-Fotografin ihren erweiterten Freund*innen- und Bekanntenkreis gewissermaßen ganz spontan, aus dem Moment heraus, mit der Kamera festhält. Doch bei Goldin wie bei Hujar fügen sich die einzelnen Aufnahmen in der Gesamtschau zu einem Gruppenporträt eines queeren Netzwerks.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Darüber hinaus hat Peter Hujar auch sein Umfeld mit der gleichen Aufmerksamkeit und Sensibilität im Bild festgehalten wie diese erweiterte Wahlfamilie: etwa die heruntergekommenen West Side Piers in Manhattan – eine morbide Kulisse und zugleich schwule Cruising-Area –, zarte Wellen auf dem Hudson River, Drag Queens, menschenleere Stadtlandschaften sowie Clowns und Artist*innen in einem Zirkus. Er fotografierte aber auch Tiere auf Bauernhöfen in Germantown, einer von Deutschen gegründeten Siedlung unweit von Philadelphia, mit der gleichen Aufmerksamkeit.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Pferde, Hunde und Kühe oder das Wasser im Fluss sind für ihn ebenso beseelt wie der Stadtraum und die darin lebenden Menschen. Nichts ist zu banal, als dass es seine Aufmerksamkeit verdiente; nichts zu intim, als dass man es nicht mit der Kamera festhalten, bannen und zeigen dürfte. Angesichts all des Schmerzes und Leids, der Vergänglichkeit und des Verfalls sucht Peter Hujar beharrlich nach Schönheit, einem Moment des Glücks – und wird fündig.</p>

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<h2 class="wp-block-heading" id="h-post-stonewall-nostalgie-und-queere-geschichtsschreibung">Post-Stonewall-Nostalgie und queere Geschichtsschreibung</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Die hedonistische Revolte, der Aufbruch, die sich in Hujars Porträts der Sechziger- und Siebzigerjahre spiegeln, stimmen nostalgisch. Seine Bilder atmen die Aufbruchsstimmung, den Hedonismus und das Freiheitsgefühl, das die queere Subkultur nach dem Stonewall-Aufstand 1969 in New York erlebte. In diesen Aufnahmen ist zugleich ein New York vor dem Vergessen bewahrt, das durch die Gentrifizierung lange schon verschwunden ist, und eine Kunstszene und Bohéme, die innerhalb weniger Jahre durch Aids einen wahren Kahlschlag erlebte. Mit vielen dieser Menschen war Hujar befreundet, und er hat sie in seiner karg möblierten Wohnung im East Village, die auch als Atelier diente, fotografiert – wie etwa den Künstler Paul Thek, die Schauspielerin und Kolumnistin Cookie Mueller und seinen kurzzeitigen Geliebten, den Künstler, Schriftsteller und Aids-Aktivisten <a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/kreative-wut-und-hommage-an-frank-wagner/">David Wojnarowicz</a>.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Als Peter Hujar am 26. November 1987, nur wenige Monate nach der Diagnose, im Alter von 53 Jahren an einer Aids-bedingten Lungenentzündung in einem New Yorker Krankenhaus starb, fotografierte und filmte David Wojnarowicz den ausgemergelten Leichnam und nutzte die Aufnahmen für künstlerische Arbeiten – seine Form der Hommage und Trauerarbeit.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Drei dieser eindringlichen und ergreifenden Aufnahmen sind in der Bonner Ausstellung zu sehen. Sie bilden ein unerbittliches, fast sakral wirkendes Triptychon, das wie eine moderne Pietà wirkt: das hagere, bärtige Gesicht des Fotografen, seine rechte Hand, die ein Laken zu umklammern scheint, seine blassen Füße mit verkrümmten Zehen, die unter der Bettdecke hervorragen. Entstanden sind diese Aufnahmen im gleichen Krankenzimmer, in dem Hujar viele Jahre zuvor seinerseits Candy Darling, eine Pionierin der US-Trans-Bewegung und Star in vielen Andy-Warhol-Filmen, auf dem Sterbebett fotografiert hatte.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p>Viele Künstler*innen und Akteur*innen dieser Ära, die Teil von Hujars Kosmos waren und von ihm porträtiert wurden – wie Wojnarowicz oder der Performancekünstler und Modedesigner Leigh Bowery – haben in den vergangenen Jahren neue Aufmerksamkeit erfahren. Im Zuge einer Neubefragung der 1980er Jahre zur queeren Geschichtsschreibung, der Aidskrise und der ACT-UP-Bewegung rücken diese Menschen wieder in den Fokus. Dabei wird auch deren Einfluss auf nachfolgende Generationen immer deutlich. So erlebt nun Peter Hujar, fast vier Jahrzehnte nach seinem Tod, die verdiente Anerkennung, die ihm zu Lebzeiten weitgehend versagt geblieben ist.</p>

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              Peter Hujar, Selbstportrait (III), 1980 © The Peter Hujar Archive / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy of The Peter Hujar Archive / ARS, New York, and
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<h2 class="wp-block-heading" id="h-aktuelles-zu-peter-hujar">Aktuelles zu Peter Hujar</h2>

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<ul class="wp-block-list">    
<li><em><a href="https://www.bundeskunsthalle.de/hujar">Peter Hujar: „Eyes Open In The Dark”,</a> Bundeskunsthalle Bonn, bis 23. August 2026.<br></em></li>



    
<li><em><a href="https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau/programm/2026/ausstellungen/peter-hujar-liz-deschenes">Peter Hujar/Liz Deschenes: „Persistence of Vision”,</a> Martin-Gropius-Bau Berlin, bis 28. Juni 2026.</em></li>

</ul>

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<ul class="wp-block-list">    
<li><em><a href="https://salzgeber.de/de/buch/chevrier-fotoaufanfrage/">Simon Chevrier: „Foto auf Anfrage“.</a> Aus dem Französischen von Christian Ruzicska. </em><em>Albino Verlag, 155 S., 24 Euro</em></li>

</ul>

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<p></p>

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<p></p>

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<p></p>

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