<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>magazin.hiv</title>
	<atom:link href="https://magazin.hiv/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://magazin.hiv/</link>
	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
	<lastBuildDate>Thu, 20 Aug 2026 16:16:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
<image>
	<url>https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2022/02/cropped-Favicon_Magazin-32x32.png</url>
	<title>magazin.hiv</title>
	<link>https://magazin.hiv/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>„Wenn Personen konsumieren, dann wünsche ich ihnen einen Buddy an ihrer Seite“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/chemsex-interview-markus-dezemberkind/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/chemsex-interview-markus-dezemberkind/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Sweers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 11:18:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[ChemP]]></category>
		<category><![CDATA[Chemsex]]></category>
		<category><![CDATA[Chemsex-Probleme]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Dezemberkind]]></category>
		<category><![CDATA[quapsss]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsthilfe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560295</guid>

					<description><![CDATA[Wir haben mit Markus Dezemberkind über seine Geschichte mit Chemsex und sein Engagement beim niedrigschwelligen Selbsthilfeprogramm CheMP gesprochen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wir haben mit Markus Dezemberkind über seine Geschichte mit Chemsex und sein Engagement beim niedrigschwelligen Selbsthilfeprogramm CheMP gesprochen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Markus Dezemberkind sieht sich als humorvollen, bunten, lebensfrohen Menschen. Obwohl er seit seiner Kindheit „sehr viel Dreck fressen“ musste, sieht er sich als „hoffnungslosen Optimisten“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anfang des Sommers 2026 haben wir mit ihm über seine Geschichte mit Chemsex und sein Engagement bei <a href="https://www.aidshilfe.de/de/chemp" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CheMP</a> gesprochen, einem niedrigschwelligen Selbsthilfeprogramm der Deutschen Aidshilfe für Männer, die Sex mit Männern haben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hallo Markus, wo bist du gerade, wie geht es dir?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin mitten in den Vorbereitungen für das neue Show-Programm bei einem großen Reiseveranstalter. Die haben mich nach einigen Jahren Sendepause wieder angefragt. Gleichzeitig habe ich mich an der Universität eingeschrieben und werde ab September erneut Sozialpädagogik studieren, um später als Suchtberater arbeiten zu können. Ich bin gerade auf einer sehr guten Welle.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Herzlichen Glückwunsch und viel Power dafür! Lass uns zunächst bitte über dich sprechen. Magst du davon erzählen, wie du aufgewachsen bist?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Also, ich war immer schon sehr dick, auch als Kind. Ich habe mit Puppen gespielt. Ich habe mich als Frau verkleidet und schon immer viel gesungen. Und ich bin groß geworden in einer Familie mit braunem Gedankengut, in der sehr heftig getrunken und geraucht wurde. Deshalb habe ich mich auch immer vor Alkohol und Zigaretten geekelt. Meine Kindheit war gewaltvoll, Schläge waren die einzige körperliche Nähe.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hast du Geschwister?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich bin der Älteste von zehn Kindern von vier Männern. Nach der Scheidung meiner Eltern, als ich drei Jahre alt war, bin ich allein bei meinem Papa groß geworden, kam dann aber mit zehn Jahren im tiefsten Schwarzwald in ein kleines familiengeführtes Kinderheim. Das waren die schönsten vier Jahre meiner Kindheit. Mein Papa war eigentlich ein toller Mensch, aber er war mit mir haushoch überfordert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was ich als Kind nicht wusste: Es gab schon damals Morddrohungen gegen mich. Ich war in diesem kleinen Ort bei Saarbrücken der dicke, schwule Junge, Mobbing-Opfer hoch zehn. Zigarettenausdrücken auf der Haut oder Attacken mit Reißnägeln waren noch harmlos.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie ging es nach der Zeit im Kinderheim weiter?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit 14 hatte ich Tuberkulose und kam in eine Spezialklinik im Allgäu. Da war ich dann zwei Jahre, ein Jahr davon komplett unter Quarantäne. Nach der Entlassung kam ich in eine Jugendwohngruppe im Saarland. Ich konnte kochen, konnte putzen – das habe ich mir alles bei meiner Oma und der Köchin im Heim abgeguckt. Und so habe ich schon mit 16 Jahren eine eigene Wohnung im betreuten Wohnen bekommen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich war in diesem kleinen Ort bei Saarbrücken der dicke, schwule Junge, Mobbing-Opfer hoch zehn. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Markus Dezemberkind</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Seit ich 18 war, bin ich dann als Schlagerkünstler und Animateur durch die Welt gezogen. Mit 23 habe ich neben einem freiwilligen sozialen Jahr in einem Seniorenheim meinen Hauptschulabschluss gemacht. Im Anschluss bin ich von Saarbrücken nach Duisburg gezogen, habe zwei Ausbildungen gemacht, zum Kinderpfleger und zum Erzieher, und hab schließlich als Einziger in der Familie studiert – Sozialpädagogik –, wenn auch wegen meiner Sucht nicht zu Ende.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Trotz Abneigung gegen Zigaretten und Alkohol hast du irgendwann angefangen, Drogen beim Sex zu nehmen. Wie kam das?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">2013, da war ich 29, habe ich das erste Mal auf einer privaten Party Drogen konsumiert. Das waren ein Pärchen, das ich kannte, und ein dritter Mann, der auch auf <a href="https://queer-lexikon.net/2020/05/30/chubby/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chubbys</a> stand. Der meinte, dass der Sex mit Drogen besser zu machen ist und ich entspannt bin. Und dann hat er mir Zeug hingelegt und ich habe jedes Mal, wenn ich auf die Toilette gegangen bin, wieder gezogen, obwohl ich keine Ahnung hatte, was das war und wie das wirkt. Ich hab es einfach gemacht, für den Kick. Bis ich dann nachts um drei Uhr auf der Intensivstation gelandet bin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hast du im Krankenhaus gedacht?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das weiß ich gar nicht mehr. Aber der eine von dem Paar hat mich am nächsten Morgen abgeholt und nach Hause gebracht. Die hatten totalen Schiss, dass ich eine Anzeige mache oder so was. Für mich war das aber einfach passiert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie ging es für dich weiter mit dem Thema Sex und Drogen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich wog immer so um die 160 Kilo, hatte immer irgendwie ein gestörtes Sexualleben. Entweder habe ich mich im Doggy-Style aufs Bett gekniet, die Wohnungstür war angelehnt und es kamen irgendwelche Männer, die sich abgerackert haben; wenn sie fertig waren, haben sie ihren Ehering wieder angezogen und sind gegangen. Oder ich hab in der Sauna meine Dildos an die Wand gepackt. Einmal habe ich einen heftigen <a href="https://www.homowiki.de/Chubby_Chaser" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chaser </a>kennengelernt, mit dem ich eine Sexbeziehung hatte. Aber Sex so mit Zärtlichkeiten und Küssen kenne ich gar nicht. Das erlerne ich gerade erst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">2014 bin ich nach Berlin gezogen. Wegen der Entfernung eines Magentumors habe ich mir einen Schlauchmagen machen lassen und dann innerhalb von einem halben Jahr 80 Kilo abgenommen. Und auf einmal war ich in Berlin in der Szene.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin von einer Sexparty zur anderen mitgekommen, war in den ganzen Clubs. Da waren halt auch irgendwann mal Drogen mit dabei. Am Anfang war es nur GBL. Letztendlich habe ich aber alles konsumiert habe, was da auf dem Tisch lag. Ich wusste zum Teil gar nicht, was ich nehme, und auch nicht die Menge und die Häufigkeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste zum Teil gar nicht, was ich nehme, und auch nicht die Menge und die Häufigkeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Markus Dezemberkind</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dein Sexualleben war irgendwie gestört, hast du gesagt. Siehst du da für dich eine Verbindung zu deiner Kindheit und zu deiner Chemsex-Geschichte?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im Nachhinein, auch mit dem Wissen, von wie viel Suchtproblematiken ich als Kind umgeben war, sehe ich hier schon eine Verbindung. All das hat dazu beigetragen, dass ich später keine Selbstakzeptanz hatte, keine Eigenliebe, keinen Eigenwert sah.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ist dir beim Konsum eigentlich mal was passiert, wenn du so viele Sachen genommen hast?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nach dieser Sache mit der Intensivstation nie wieder was Schlimmeres. Es waren immer mal so Kleinigkeiten, ich bin hingeflogen, hab mir Rippenprellungen geholt und, und, und, aber Gott sei Dank nie wieder was Schlimmes, obwohl ich wirklich extrem heftig konsumiert habe. Ich war immer schon ein Grenzgänger.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hattest du das Gefühl, du konntest deinen Konsum kontrollieren, auch weil nichts Schlimmes passiert ist?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang ja. Als Entertainmentmanager bei einem Reiseveranstalter waren es immer nur diese langen Wochenenden, also ich sag mal, Pfingsten, Ostern, Weihnachten. Da habe ich es krachen lassen, wenn ich in Deutschland war. Ansonsten nicht, da konnte ich auch aufhören. Und ich habe auch nie alleine konsumiert, immer nur auf Sexpartys mit anderen Männern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das hat sich dann irgendwann geändert?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">2018 auf 2019 habe ich ein halbes Jahr lang jemanden intensiver gedatet. Durch ihn bekam ich dann eine Nummer von einem Dealer. Und da habe ich dann das erste Mal meine eigenen Drogen bestellt. Das war auch die Phase, als es mit dem Job Probleme gab.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und dann wurde es mehr. Ich war auf einmal viel mehr zu Hause in Berlin, da ging es jede Woche von Donnerstag bis Sonntag. Donnerstag Fetisch-Club, dann in der Nacht weiter in die Bars. Samstag in den KitKatClub und Sonntag oder am Montagmorgen als Letzter wieder raus. Plus zwischendurch oder danach noch mal irgendwelche Privatpartys.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>War der Chemsex immer noch reizvoll?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Jeder User, mit dem du sprechen wirst, wird dir sagen: Es hat ja auch was Geiles. Ich fand dieses Gefühl, dieses anfängliche Fliegen, dieses zappelige Durch-die-Wohnung-Laufen und du hast gefühlt fünf Füße, schon immer geil.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und dass ich auch sexuell alles machen konnte. Und man ist kommunikativer. Und du nimmst alles anders wahr als im normalen Zustand.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du sagtest, es wurde schlechter im Job. Wie war es bei den Chills?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Damals nannte man es „Long Sessions“. Auch da wurde es immer heftiger. Ich habe zum Beispiel mal aus Wut eine Glastür eingetreten, weil ich aus einer Session rausgeflogen bin, und mir dadurch eine so tiefe Wunde geholt, dass ich zwei Monate im Krankenhaus war, mit zehn OPs. Es war kurz davor, dass sie mein Schienbein amputieren mussten, weil einfach sämtliche Nerven kaputt waren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum bist du rausgeflogen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Weil ich eingeschlafen bin, während ich jemanden penetriert habe. Wegen einer Überdosis <a href="https://www.aidshilfe.de/drogen/droge/ghb-liquid-ecstasy" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GBL</a>.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Oder ich war fünf Tage unterwegs und hatte einen Cockring an, der dann aufgesägt werden musste. Der Hoden war so entzündet, dass ich fünf Tage ins Krankenhaus musste.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ein anderes Mal bin ich in einem U-Bahnhof die ganzen Treppen runtergeknallt und hatte Rippenbrüche und einen Lendenwirbelbruch und musste auch ein paar Tage ins Krankenhaus.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hat mal irgendjemand gefragt: „Mensch Markus, was ist denn da eigentlich los?“</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Durch die Arbeit beim Reiseveranstalter konnte ich nie einen wirklichen Freundeskreis aufbauen. Meine Freunde waren die Gäste. Ich kann heute in fast jeder Stadt umsonst schlafen, aber außer meiner Seelenfreundin, welche im Saarland lebt, hatte ich niemanden. Die hat immer gesagt: Markus, das hört sich alles nicht gut an, das ist alles zu exzessiv.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sonst hatte ich keinen, der was hätte merken können. Ich war für mich alleine. Wenn ich meine Jobs hatte, habe ich funktioniert. Dann war ich 100 Prozent da.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es auf den Chills Austausch? Setzt man sich mal zusammen und fragt: Wie geht es dir?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nein, man spricht meistens nur im sexuellen Kontext oder sehr oberflächlich miteinander. Alle leben das so für sich alleine durch. Da entwickeln sich keine großen Freundschaften. Ich hatte einen einzigen Fuck-Buddy aus der Schweiz, mit dem ich wirklich viel unterwegs war. Wir haben auch Kurzurlaub zusammen gemacht, aber da ging es dann auch öfters um gemeinsamen Konsum und Gruppensessions. Ich war sehr oft Host <em>[Gastgeber, Anm. d. Red.] </em>in der Zeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dieser Buddy hat aber irgendwann den Kontakt beendet, weil er gesagt hat, das ist mir zu viel mit dir. Ich hab jedes Mal meinen Schlüssel verloren, jedes Mal wurde mein Handy geklaut. Ich war wirklich dieser Kandidat, der in der Ringbahn fünfmal um Berlin gefahren ist und wach wurde und nichts mehr hatte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hast du damals mal über eine Therapie nachgedacht?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das kam bei mir durch die Corona-Pandemie. Bei meinem Arbeitgeber hat das bereits Ende Januar zugeschlagen. Auf einmal war ich für unbestimmte Zeit in meiner Wohnung allein. Im April war ein Fuckboy bei mir und hat seine Drogentasche unter meiner Couch vergessen. Da habe ich das erste Mal allein zu Hause konsumiert. Ich konnte nach Wochen endlich mal wieder schlafen. Doch die Konsummengen wurden in sehr kurzer Zeit extrem. Im August wollte ich dann aus dem vierten Stock springen und war schon mit einem Bein aus dem Fenster, als in einer Halluzination meine verstorbene Oma im saarländischen Dialekt sagte: „Spring doch, du bisch eener vun de Dreckssäck, die leie bleiwe“ – heißt, ich werde als Querschnittsgelähmter überleben. Wie mit einem unsichtbaren, aber für mich spürbaren Schubs bin ich in mein Wohnzimmer zurückgeflogen. Da sind dann bei mir alle Alarmglocken angegangen. Hier stimmt was nicht!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum wolltest du nicht weiterleben?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Weil ich auf einsam war. Ich hatte eine 90-Quadratmeter-Bumshöhle in Berlin, wo wir nachts, also während der Corona-Pandemie, trotzdem Partys gemacht haben. Aber tagsüber war ich alleine und es hat keinen interessiert. Es hat keiner bei mir angerufen. Keiner meiner Kollegen kam, keiner meiner „Freunde“. Ich hätte in dieser Wohnung sterben können und es wäre wahrscheinlich erst ein halbes Jahr später aufgefallen, weil keine Mietzahlungen eingegangen wären. Selbst an meinem 40. Geburtstag haben nur fünf Leute an mich gedacht. Gefeiert und doch einsam und allein. Das zieht sich mein ganzes bisheriges Leben so durch.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hast du nach deinem Suizidversuch gemacht?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte ein längeres Telefonat mit einer tollen Mitarbeiterin von der Telefonseelsorge und dann schnell einen Termin in einer Suchtberatungsstelle in meiner Nähe. Am 1. Dezeber 2020 fing dann schon meine Langzeittherapie inklusive Entgiftung an.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich heute zurückblicke, denke ich: Ja, ich hätte einen „Buddy“ gebraucht, der mir sagt: Hör zu, da ist ein Risiko, pass da und da auf, versuche dich da und da zu schützen, halte dich an ein paar Regeln.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Markus Dezemberkind</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin da rein und ich wusste, ich war durch mit den Drogen, auch wenn die Therapie insgesamt 15 Wochen ging.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In der Therapie ging es aber nur um das Thema Drogen. Das Thema Chemsex hatte bis 2022, bis ich eine Suchtverlagerung auf Alkohol hatte und 2023 eine weitere Therapie machte, keinen Namen. Ich wusste all die Jahre gar nicht, was ich da betrieben habe.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hättest du dir gewünscht, dass dich schon früher mal jemand mal angesprochen hätte, abgesehen von deiner Seelenfreundin?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich heute zurückblicke, denke ich: Ja, ich hätte einen „Buddy“ gebraucht, der mir sagt: Hör zu, da ist ein Risiko, pass da und da auf, versuche dich da und da zu schützen, halte dich an ein paar Regeln. Wahrscheinlich hätte ich das nicht befolgt, aber ich hätte es gehört, und vielleicht wären bei mir viel früher die Alarmglocken angegangen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Spätestens, als ich die zwei Monate wegen des Beins im Krankenhaus war, da hätte ich gern jemanden an meiner Seite gehabt. Vielleicht hätte ich dann schon mal reflektiert und gesagt: Okay, das ist gerade nicht gut, was ich da mache.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wieso meinst du, du hättest das wahrscheinlich nicht angenommen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht. Für mich waren ja die Drogen der einzige Türöffner, um Sex zu haben, um gesehen zu werden, um Spaß zu haben, um überhaupt zu irgendeiner Clique, zu irgendeiner Community dazuzugehören. Ansonsten war ich für mich alleine.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Leute denken immer, auf der Bühne in ihrem Urlaub, da werde ich gefeiert und habe jeden Tag meine eigene Show. Aber auf dem Zimmer war ich allein. Ich war alleine mit meinen Kollegen unterwegs. Wir waren so eine Zwangsfamilie in dem Moment, aber ich saß dann alleine im Flieger, 23 Stunden. Ich saß stundenlang alleine im ICE. Weihnachten, Silvester? Ich war alleine zu Hause.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und die Drogen waren auch meine einzige Möglichkeit, um meine Komplexe wegen meines Körpers auszuschalten. Ich konnte einfach jemand sein, der ich nicht war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und wie war es dann, durch zu sein mit den Drogen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte nichts mehr, keine Lebensfreude, keine Perspektive mehr. Die Therapie hat mir meinen Sex genommen, meine Kontakte, alles. Ich bin jetzt sechseinhalb Jahre abstinent, aber ich habe alles verloren, was ich jahrelang geil fand, was mir Spaß gemacht hat.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich aus der Klinik kam, habe ich meine Wohnung für viel Geld saniert und neue Möbel gekauft. Aber dann war ich doch wieder alleine. Und ich fühlte mich auf einmal unwohl in dieser großen Stadt, in dieser großen Wohnung. Da kam auf einmal zu der Einsamkeit, die ich in mir hatte, Lebensfrust dazu. Ich rutschte immer öfter in Depressionen</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und in dieser Corona-Einsamkeit kamst du zum Alkohol?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja. Ich habe studiert, Sozialpädagogik, aber durch die Suchtverlagerung den Bachelor nicht gemacht. Also, wir reden über sieben Flaschen Weißwein am Tag. Da war natürlich nicht mehr an Prüfungen zu denken. Damals habe ich auch wieder ein bisschen für meinen Reiseveranstalter gearbeitet. Diesmal nur in Deutschland, also meine ganzen längeren Reisen waren weg. Da habe ich dann schon im Hotelzimmer oder Zug auf dem Heimweg getrunken. Und es gab mehrere Meetings, nach denen Kollegen auf mich zukamen und sagten: Irgendwas stimmt doch hier gerade nicht, geh dich mal bitte auskurieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin dann zu meiner Beraterin gegangen und habe gesagt: Okay. jetzt haben wir ein anderes Problem. So kam ich in eine Traumata-Sucht-Therapie in NRW. Durch meine sehr tolle Therapeutin bekam das Kind endlich mal einen Namen: Chemsex! Und nach einem für mich sehr intensiven Sechs-Tage-Workshop <a href="https://wearevillage.org/shop/ways-out-of-chemsex/w50-2024" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Wege aus dem Chemsex – Schritte zur Nähe &amp; Verbundenheit“</a> im Village Berlin<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> wurde mir dann auch klar, dass ich in einem anderen Klinikkonzept besser aufgehoben wäre. Nach einigem Hin und Her bin ich dann in die Salus Klinik in Hürth gekommen. Das war damals die einzige Klinik in Deutschland, die das Thema Chemsex mit einem speziellen „Lust-und-Rausch“-Konzept für schwule Männer behandelt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>War das eine Entlastung für dich? Hast du vorher gedacht, du bist mit diesen Problemen alleine?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, absolut. Da hatte ich mal ein Aha-Erlebnis, und zwar beim Infoabend zu dem Workshop im Village Berlin. Da war so ein richtig hübscher Typ, der sagte auf einmal: Ich habe seit vier Jahren keinen Sex mehr, weil ich mir das ohne Drogen nicht vorstellen kann. Und ich sah den an und dachte: Krass. Ich bin nicht alleine.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Drogen waren meine einzige Möglichkeit, um meine Komplexe wegen meines Körpers auszuschalten. Ich konnte einfach jemand sein, der ich nicht war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Markus Dezemberkind</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dieser Workshop an drei Wochenenden hat ganz viel mit mir gemacht. Eine Aufgabe war zum Beispiel, sich mit einem Partner zusammenzutun und sich von dem für drei Minuten was zu wünschen. Und er hat sich von mir gewünscht, mich drei Minuten in den Arm nehmen zu dürfen. Ich hab ihm dann drei Minuten das T-Shirt vollgeheult, weil das das erste Mal war, dass mich jemand einfach nur in den Arm genommen hat.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Danach war die Aufgabe, sich drei Minuten in die Augen zu gucken. Das war das Intimste, was ich jemals gemacht habe. Weil ich bei klarem Verstand war, weil ich auf einmal gemerkt habe: Darum geht es also. Ich muss erlernen, wie es ist, Gefühle zuzulassen. Wie es ist, einfach nur mal gestreichelt zu werden ohne sexuellen Aspekt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vermisst du Chemsex manchmal?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich will nicht sagen, dass ich Chemsex vermisse. Ich bin eher an dem Punkt, dass ich es vermisse, dass jemand neben mir liegt, mich streichelt und mich küsst und ich einfach kuscheln kann und auch weiß, dass Sexualität auch ohne Drogen geht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deswegen habe ich jetzt eine Sexualtherapie angefangen. Das Nächste, was ich mache, ist ein Kuschelworkshop. Und dann will ich Gay Tantra versuchen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lass uns jetzt bitte über <a href="https://www.aidshilfe.de/de/chemp">CheMP</a> sprechen. Da hat kürzlich das Auftakttreffen stattgefunden und du warst dabei. Kannst du kurz erzählen, wie du von CheMP erfahren hast und was das das Projekt für dich bedeutet?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mir wurde immer wieder gesagt, ich solle meine Geschichte „laut“ erzählen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Seit 2024 bin ich unter anderem bei SHALK NRW – Selbsthilfe queerer suchtkranker Menschen – aktiv und habe dort bei der Fachtagung „Queere Suchtselbsthilfe“ in einer Podiumsdiskussion über meine Erlebnisse in den Online- und Präsenz-Selbsthilfegruppen gesprochen. Dort war auch ein Mitarbeiter der Deutschen Aidshilfe anwesend. Den habe ich kurz darauf bei einem Seminar zu „Beratungskompetenz Chemsex“ wiedergetroffen, und dort war auch ein anderer DAH-Mitarbeiter, mit dem ich früher mal eine tolle Schlager-Freundschaft gehabt hatte. Er ist der Gründer des CheMP-Programms, das er dort auch vorstellte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich war bei dem Seminar der Einzige unter den 20 Teilnehmenden, der eigene User-Erfahrungen mit Sucht hatte und nun als Beratender in der Selbsthilfe tätig ist, und deshalb haben sie mich gebeten, zu CheMP dazuzukommen – als Ex-Chemsex-User neben Beratenden und Menschen, die aktuell konsumieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sind die Ziele von CheMP?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ziel ist es, Chemsex-User*innen, die Chills besuchen oder veranstalten, praktische Hilfen und Orientierung an die Hand zu geben, um Chills möglichst gesund, sicher und erfolgreich zu gestalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was für Hilfen zum Beispiel?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gab schon viele tolle Vorschläge, zum Beispiel einen „Buddy in der Hosentasche“ – eine Faltkarte oder ein kleines Checkheft zum Mitnehmen. Bewusst nicht als App, denn ein Akku kann auch einmal leer sein. Den Geldbeutel oder Rucksack hat man dagegen meist dabei, sodass die Informationen jederzeit griffbereit sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was könnte auf dieser Klappkarte stehen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel eine Checkliste, mit der sich User*innen vorbereiten können: Habe ich alle meine Sachen eingepackt –Gleitgel, Crisco, Röhrchen –, habe ich Aufkleber, wo ich Namen draufschreiben kann, habe ich einen Kugelschreiber, habe ich Hygienetücher, den Anal-Duschaufsatz, evtl. eine Wechsel Unterhose, Medikamente, meine Konsum-Sachen, hab ich Bargeld (keine EC-Karte mitnehmen), hab ich eine Notfallnummer im Handy – solche Sachen. Und vor allen Dingen die wichtigsten drei Fragen: Wie geht es mir heute? Habe ich wirklich Bock auf den Chill? Fühle ich mich safe?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Genauso für den Host: Habe ich genügend Teller oder Tabletts für die verschiedenen Drogensorten? Habe ich blaue Säcke für die Sachen der Gäste, die man mit Namen beschriften kann, damit man später nicht rumsuchen muss? Habe ich eine Playlist mit Pornos und mit Musik erstellt? Haben wir eine Liste mit Notfallnummern an der Tür? Gibt es besondere Regeln für den Abend, zum Beispiel keine Fotos und Videos?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mein Motto ist immer: Meine Geschichte muss nicht deine Geschichte werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Markus Dezemberkind</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht eine Safety-Tasche mit verschiedenen Röhrchen oder Hygienetüchern und einem Hinweis wie: Hier kriegst du Hilfe, wenn was passiert – Aidshilfe, Suchtberatungsstellen usw.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der zentrale Gedanke: Wir brauchen was für das Davor, das Währenddessen und das Danach.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für das Danach?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, für die Tage danach: Habe ich mir was vorgekocht? Habe ich eine Freundin, mit der ich sprechen kann, jemanden, der Bescheid weiß, dass ich am Wochenende losziehe, der mich telefonisch erreichen kann, gibt es einen festen Termin in der Woche danach, wo ich definitiv wieder fit sein muss? Was kann ich mir am Tag danach Gutes tun?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Also Regeln und Grenzen setzen. Das war so der Kern der Gedanken, den wir hatten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hat dich etwas in diesem Auftaktworkshop besonders berührt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In erster Linie die respektvolle, sehr offene und großartige Zusammenarbeit unter uns 20 Entwicklern. Es waren Konsumenten wie Beratende mit und ohne Konsumerfahrung dabei. Wir hatten drei sehr konstruktive Tage mit dem gleichen Ziel und Wunsch: ein großartiges und hilfegebendes Projekt auf die Beine zu stellen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mich persönlich hat das erste Mal in den sechs Jahren Abstinenz Suchtdruck besucht. Ich war am Abend mit fünf Männern der Gruppe in der Sauna, und dort wurde über mein Hauptkonsummittel Ketamin hitzig und aufgeilend gesprochen. Da war zwei Minuten so ein Kribbeln und der Gedanke an schöne Erinnerungen, aber dann hat mein inneres System Alarm geschlagen und meine erlernten Skills haben gegriffen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>CheMP ist ja ein Projekt der Aidshilfe. War eigentlich in deiner Konsumzeit HIV ein Thema für dich? Hast du zum Beispiel mal über das Thema PrEP nachgedacht?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, als 2017 die 50-Euro-PrEP zum Selbstzahlen verfügbar wurde, hab ich gedacht, die PrEP wäre gut für mich, weil es alle ohne Kondom gemacht haben. Wir haben dann die Tests gemacht für die PrEP und dann kam Freitag spät – ich war gerade auf einem Seminar – ein Anruf und der Arzt hat mir am Telefon gesagt: Sie haben HIV.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte damit gerechnet, für mich war es nur eine Frage der Zeit, dass ich HIV bekommen werde. So wie ich unterwegs war&nbsp;… Ich hätte die PrEP genommen, aber da war es dann eben schon zu spät.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Engagierst du dich auch deshalb, damit es anderen nicht so geht wie dir?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, mein Motto ist immer: Meine Geschichte muss nicht deine Geschichte werden. Was mir dabei auch ganz wichtig ist: Es gibt durchaus Leute, die können das kontrollieren. Die können sagen: Heute Abend gönne ich mir das. Oft machen das Leute nur mit ein, zwei festen Partnern. Nicht jeder, der konsumiert, ist suchtkrank und abhängig.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wenn Personen konsumieren, dann wünsche ich ihnen einen Buddy an ihrer Seite. Jemanden, der offen von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, ein offenes Ohr hat und seine Gedanken, Meinungen und Anregungen respektvoll, ehrlich und unterstützend teilt. Jemanden, der einfach da ist, wenn er gebraucht wird – einen Buddy, den ich selbst damals gebraucht hätte. Und weitere Harm-Reduction-Projekte wie CheMP!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> <em>Anm. d. Red.: Dieser Workshop geht auf das Bundesmodellprojekt quapsss der Deutschen Aidshilfe zurück. Das Gruppenangebot gibt es in verschiedenen Städten in Deutschland. Weitere Infos und Materialien: <a href="https://www.aidshilfe.de/de/chemsex-support-quapsss">https://www.aidshilfe.de/de/chemsex-support-quapsss</a>.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Informationen zum Selbsthilfe-Projekt ChemP</strong>: <a href="https://www.aidshilfe.de/de/chemp-selbsthilfe-bei-chemsex" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.aidshilfe.de/de/chemp-selbsthilfe-bei-chemsex</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Beiträge zum Thema Chemsex</strong> (Auswahl):</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://magazin.hiv/magazin/klarheit-ueber-chemsex-dank-quapsss/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klarheit über Chemsex dank quapsss</a> (magazin.hiv, 1. März 2022)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="xtG3xdtmYB"><a href="https://magazin.hiv/magazin/klarheit-ueber-chemsex-dank-quapsss/">Klarheit über Chemsex dank Quapsss</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Klarheit über Chemsex dank Quapsss“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/klarheit-ueber-chemsex-dank-quapsss/embed/#?secret=F35XST1pQG#?secret=xtG3xdtmYB" data-secret="xtG3xdtmYB" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/chemsex-erfahrungen-konzepte-und-hilfreiche-infos/">Chemsex: Erfahrungen, Konzepte und hilfreiche Infos</a> (Landingpage zu einer Artikelserie auf magazin.hiv, 18. April 2019)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="LDmU98ksYb"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/chemsex-erfahrungen-konzepte-und-hilfreiche-infos/">Chemsex: Erfahrungen, Konzepte und hilfreiche Infos</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Chemsex: Erfahrungen, Konzepte und hilfreiche Infos“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/chemsex-erfahrungen-konzepte-und-hilfreiche-infos/embed/#?secret=stkFeT9l2M#?secret=LDmU98ksYb" data-secret="LDmU98ksYb" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/chemsex-interview-markus-dezemberkind/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gedenken an Michael Jähme</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/gedenken-an-michael-jaehme/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/gedenken-an-michael-jaehme/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2026 11:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivimus]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenken]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Jähme]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560262</guid>

					<description><![CDATA[Leidenschaftlicher Aktivist, Zeitzeuge und Geschichtsforscher: Unser Ehrenmitglied Michael Jähme ist am 13. August 2026 nach einem Unfall in den Bergen verstorben. Wir erinnern mit einem Gedenkbuch an ihn.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Leidenschaftlicher Aktivist, Zeitzeuge und Geschichtsforscher:</strong> <strong>Unser Ehrenmitglied</strong> <strong>Michael Jähme</strong> <strong>ist am 13. August 2026 nach einem Unfall in den Bergen verstorben. Wir erinnern mit einem Gedenkbuch an ihn.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Michael hat uns oft an unseren Anspruch „Selbstvertretung geht vor Stellvertretung“ erinnert – besonders im Zusammenhang mit der für Menschen mit HIV so befreienden <a href="https://magazin.hiv/magazin/nn-schutz-durch-therapie/">n=n-Botschaft</a>, mit der wir uns als Aidshilfe anfangs schwertaten. Er hat Gesicht gezeigt und stand für eine selbstbewusste, unbequeme Selbsthilfe, die auf Augenhöhe agiert und sich Rechte erkämpft – auch das auf eine selbstbestimmte Sexualität. Ob in seiner Arbeit als Sozialpädagoge, als Projektbeirat der positiven stimmen oder mit seinem öffentlichen Auftreten: Michael hat sich immer vehement gegen Stigmatisierung und Diskriminierung eingesetzt. Sein Herzensprojekt in den letzten Jahren war, die Biografien von Menschen aus der Community zu dokumentieren und die Geschichte von HIV/Aids in Köln aufzuarbeiten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ist Michael im Alter von 67 Jahren verstorben. Er ist Teil dessen, was uns ausmacht, und bleibt mit seiner ungewöhnlichen Ausstrahlung und seinem warmherzigen Charme in unserer Erinnerung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Wer Bilder (nur mit Einverständnis der abgebildeten Person/en und Fotograf*innen-Angabe), Zitate von Michael oder andere Erinnerungen teilen möchte, kann sich gerne an die Redaktion wenden (redaktion@dah.aidshilfe.de).</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sylvia Urban, </strong>Bundesvorstand der Deutschen Aidshilfe</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Michael hat an die Veränderbarkeit von Dingen geglaubt. Er hat vorgelebt, dass Aidshilfe die Vielfalt von Selbsthilfe als wertvolle Ressource von Fähigkeiten begreifen und die Menschen aus den Communitys mit ihren unterschiedlichen Lebenserfahrungen ernstnehmen und beteiligen muss. Eine „echte Kooperation“ hat er das einmal genannt. Er hat sie besonders unnachgiebig eingefordert, als mit dem Schweizer EKAF-Statement die bahnbrechende Nachricht veröffentlicht wurde, dass das Virus unter funktionierender Therapie nicht weitergegeben werden kann. Dass wir den Schutz durch Therapie schließlich als wirkungsvolle Präventionsmethode propagiert haben, hat auch viel mit Michaels Beharrlichkeit zu tun.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Michael hat Diskurse eingefordert, die im Alltagsgeschäft oft verlorengehen – zum Beispiel zum Drogenkonsum oder zur Genderfrage. Sein Credo war: „Wir finden doch Bündnispartner, wir können doch überzeugen! Ich glaube an die Werte, an die freiheitliche Kultur von Aidshilfe. Wir können Prozesse anstoßen für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir sehr könnten wir diesen kämpferischen, kritischen Geist gerade in diesen Zeiten gebrauchen! Michaels Stimme fehlt uns, aber wir werden sie im Ohr behalten und in seinem Sinne weiterarbeiten. Unsere Gedanken sind bei allen, die um Michael trauern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christoph Weber, </strong>Vorstand der Aidshilfe Wuppertal</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Keinen bezahlten Job habe ich in meinem Leben so lange ausgeübt wie mein Ehrenamt als Vorstand der Aidshilfe Wuppertal. Wir gelten im Verband als eine „kleine“ Aidshilfe, aber dank Personen wie Michael Jähme war die AHW immer größer, als sie hätte sein müssen. Michael nahm mich unter seine Fittiche, als ich vor 22 Jahren mit der Vorstandsarbeit begann. Er war das institutionelle Gedächtnis nicht nur für unseren Verein, sondern auch für die alptraumhaften Jahre der Aids-Krise vor der Einführung der Kombinationstherapie. Ich habe durch Michael unendlich viel über Mut und Kampfgeist gelernt. Und auch, wenn es zwischen ehrenamtlichen Chef und hauptamtlichen Mitarbeitern manchmal krachen muss, waren wir irgendwann Freunde und sind es immer geblieben. Beim CSD-Empfang 2025 klagte er über die Spuren des Alters: Das Gehör, das Augenlicht. Ich erwiderte: Michael, wer hätte 1995 gedacht, dass du 2025 mal über das Altwerden klagen würdest? Da musste er lachen und sagte: „Ja, ich bin noch hier.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ist Michael nicht mehr hier, aber es war weder die Krankheit noch das Alter, die ihn erwischt haben. Es war die Liebe zur Natur und zum Abenteuer. Und das macht mich wieder, ein letztes Mal, stolz auf Michael Jähme.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Corinna Gekeler und Axel Schock</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was bleibt von einem langen Aktivistenleben, wenn irgendwann die Erinnerungen der Menschen verblasst sind? Michael Jähme hat seine Auseinandersetzung mit HIV, seine Arbeit in der Selbsthilfe, in Aidshilfen und in einer Vielzahl von Projekten, Gruppen und Initiativen in zahlreichen Aufzeichnungen und Dokumenten festgehalten. Zunächst einmal für die eigene Auseinandersetzung und Selbstvergewisserung. Aber ihm war auch stets bewusst, dass, wer zur Geschichte von HIV und Aids forschen, wer über die herausfordernden Kämpfe, Errungenschaften und Bewegungen schreiben will, authentische Quellen benötigt. Und dass diese bewahrt werden müssen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vor mittlerweile fast 15 Jahren haben wir Michael in einer Arbeitsgruppe kennengelernt, die sich genau diese Aufgabe gestellt hat. Ein paar Jahre später saßen wir gemeinsam in seiner Kölner Wohnung und er zeigte uns Unmengen an Kartons und Aktenordnern, um seinen Vorlass zu sichten. Fein säuberlich und mit bemerkenswerter Akkuratesse hat Michael sein Leben mit HIV und den Einsatz für andere Menschen mit HIV in eigenen Texten, Materialsammlungen und Dokumenten archiviert.&nbsp; Dieses bemerkenswerte Konvolut war einer der ersten Vorlässe, die wir in das damals noch entstehende <a href="https://www.aidsarchive.net/european-hiv-aids-archive-ehaa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aids-Archiv der Humboldt-Universität zu Berlin</a> einbringen konnten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Michael blieb aber danach nicht untätig. Die letzten Jahre hat er mit der gleichen Akribie und einem enormen Rechercheaufwand die Geschichte von HIV und Aids seiner Wahlheimat Köln erforscht, <a href="https://magazin.hiv/magazin/aidsgeschichte-forschungsthemen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">und an der Kölner Uni konnte er als Zeitzeuge angehende Historiker*innen dafür begeistern, sich mit der Thematik zu beschäftigen</a>.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Michael wird sehr vielen Menschen für sehr vieles in Erinnerung bleiben, auch, weil er in den vielen Jahrzehnten in so unterschiedlichen Kontexten und an so vielen Orten sich eingebracht hat – und sich damit selbst auch in die Geschichte von HIV und Aids in Deutschland an vielen Stellen eingeschrieben hat. Was als Vorlass ins Haeberle-Hirschfeld-Archiv der Historischen Sammlung der HU-Bibliothek eingegangen ist, ist nun auch ein Teil seines Vermächtnisses. Und eine Aufforderung, sich der Geschichte von HIV und insbesondere auch der HIV-Selbsthilfebewegung anzunehmen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wolfgang Vorhagen, </strong>DAH-Ehrenmitglied, Berlin</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ach Michael!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sechs Wochen ist es her, dass wir beide während der Gesundheitstage für Positive im Waldschlösschen bei einem gemeinsamen Spaziergang darüber sprachen, wie sehr es dich inzwischen in deinem Alltag beeinträchtigt, immer schlechter hören und sehen zu können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aber das Thema streiften wir nur, denn aufs Klagen hast du dich nie lange zurückgezogen, sondern dich trotz der krankheitsbedingten Zumutungen, die du in deiner langen Biografie mit HIV ertragen musstest, nicht von deiner Neugier und dem Interesse für die Menschen und das Leben um dich herum abbringen lassen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es ging bei unserem Spaziergang auch um deine große Vorfreude auf das schwule Bergwandercamp in Mogno im Tessin, dass du nicht zum ersten Mal besuchtest, aber meintest, dass es aufgrund deiner körperlichen Verfassung vermutlich das letzte Mal sein würde.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Du warst nicht jemand, mit dem ich in einem ständigen Kontakt war, aber alle paar Wochen tauschten wir uns per SMS oder auch bei längeren Telefonaten aus, wenn es einen Anlass gab. Unser Telefonat nach dem Tod von Rita Süßmuth und unser Versuch der Selbstanalyse, warum ihr Ableben bei uns beiden so erstaunlich viel Trauer hervorrief, ist mir noch so gut in Erinnerung geblieben. Es war immer wieder überraschend, wie oft du und ich Parallelen in unserem „In-der-Welt-Sein“ entdeckten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dankbar bin ich dir für dein Angebot von biografischen Interviews als Rückblick auf Stationen meines Lebens, die du mir als Geschenk angeboten hattest und in denen sich dann oft viele Anknüpfungspunkte für tiefe Gespräche unter uns beiden ergaben, festgehalten auf Band! Dabei entwickelte sich eine gemeinsame Zeitreise, du vor allem in der Rolle des aufmerksamen Zuhörers mit wohlbedachten und klugen Fragen. Für deinen nächsten Berlinaufenthalt hatten wir ein weiteres Interview vorgesehen, in dem es dann vor allem um meine Zeit im Waldschlösschen gehen sollte, die du als noch junger Teilnehmer seit 1992 mit begleitet hast.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In unseren Gesprächen warst du aufmerksam und zugewandt, mit manchmal überraschend neuen Perspektiven auf unsere Themen, hattest deinen manchmal etwas eigenen Kopf und zugleich einen wunderbaren Humor! Unvergesslich ist mir ein Interview im Tempelgarten auf dem Tempelhofer Feld, einem der Lieblingsorte in meiner Berliner Heimat, bei dem du nach einem zweistündigen intensiven Gespräch feststelltest, dass du vergessen hattest, die Batterien zu wechseln. Zwei ältere schwule Herren, die statt großem Bedauern in großes Gelächter ausbrachen, da wir wussten, dass diese zwei Stunden nicht umsonst gewesen waren – vielleicht die Gelassenheit des Älterwerdens.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als Teilnehmer warst du ein Gewinn in den vielen meiner Seminare, in denen ich dich erleben durfte. Du konntest viel zu den Themen aus deinem reichen und wechselvollen Leben beitragen, manchmal auch anecken, und immer mit einer großen Präsenz.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als Referent z.B. bei den Positiventreffen oder den Seminaren für ältere Schwule gaben deine Impulse oft Anstöße für weitere gute Diskussionen mit einem oft hohen Erkenntnisgewinn.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Andere Nachrufe werden zurecht deine großen Verdienste bei der Aufarbeitung der Aidsgeschichte und in Köln und in NRW hervorheben, die du mit großer Leidenschaft betrieben hast, und dabei deine wichtige Rolle in der Positivenselbsthilfe und der Aidshilfe. Du warst auch Gründungsmitglied bei BISS e.V. und an den Diskussionen um die von uns gesetzten inhaltlichen Schwerpunkte engagiert beteiligt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit deinem Tod verliere ich einen langjährigen Wegbegleiter und Gesprächspartner, wenn es um Aspekte meiner Arbeit im Waldschlösschen, aber auch im privaten Leben ging, im Diskurs über das Leben mit HIV/Aids, aber auch im Austausch über unsere Erfahrungen als ins Alter gekommene schwule Männer. Das du es so weit geschafft hattest vor dem Hintergrund der höchstens zwei bis drei Jahre an Lebenszeit, die dir nach deiner HIV-Diagnose damals Anfang der 90iger-Jahre gegeben wurden, erfüllte dich immer wieder auch mit Dankbarkeit und zurecht auch mit einem gewissen Stolz.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deine Nachricht am 25. Juli vom Wandercamp im Tessin lautete:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Angekommen! Es ist ganz schön wild und steil hier. Und angenehme Temperaturen und rauschender Wind. Jetzt geht´s los, all die Namen von uns 35 zu lernen und Eselsbrücken zu finden. Es ist schön, hier zu sein…“ &nbsp;</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich werde dich, unsere Gespräche, deine unverwechselbare Stimme mit dem mir so vertrauten rheinischen Singsang und dein wunderbares Lachen vermissen. In Dankbarkeit und Erinnerung an einen besonderen Menschen!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Patrik Maas</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es ist wohl um die dreißig Jahre her. Wir trafen uns das erste Mal beim Runden Tisch von Herzenslust „kreathiv – präventhiv“. Es ging um die Vision einer Zeit nach Aids. Was würde sich verändern, was wären unsere Wünsche, unsere Sehnsüchte, wenn wir dieses Aids endlich hinter uns gelassen hätten? Für Dich, lieber Michael, ging es dabei erst mal nicht nur um Sterben, um Tod oder um Leid. Für Dich ging es darum, wieder lustvoller sein zu können. Dein Satz in dieser Runde „Endlich wieder Sperma schlabbern dürfen“ hat mich als Mittzwanziger Jungschwulen doch erst mal ziemlich irritiert. Aber wie man heute sieht: Diesen Satz habe ich nie vergessen. Ich war vielleicht auch ein bisschen neidisch, dass Du Zeiten erleben durftest, in denen so vieles unbeschwerter war. Beeindruckt war ich von diesen klaren, auch scharfen, Worten, ohne Angst, was diese bei anderen auslösen könnten – daraus durfte ich lernen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">So habe ich Dich in den Folgejahren auch immer wieder erleben dürfen: Leicht hast Du es Deinem Umfeld nie gemacht, Du bist für Deine Interessen eingetreten, hast Deine Ansprüche und Interessen formuliert. Ich gebe zu, nicht immer fiel es mir leicht, mit Dir ins Gespräch zu gehen, denn ich wusste, danach würde sich meine To-do-Liste deutlich füllen. Dabei warst Du aber immer zugewandt, Du konntest auch wertschätzen, Du konntest loben. Und ein Lob von Dir tat gut, kam an und bestärkte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das letzte Mal, als ich Dich sah, war vor wenigen Wochen, beim Bäcker an der Straßenecke in der Nähe des Büros. Ich stand auf der anderen Straßenseite und überlegte noch kurz, dich anzusprechen. Wie so oft war ich in Eile und dachte, das nächste Mal, schnell vorbei und an den Schreibtisch – das ist mir gelungen, Du hattest mich nicht gesehen. Wie schade! Nun gibt es kein nächstes Mal. Wie gerne würde ich mich erinnern, dass ich Dich dort angesprochen hätte, wir uns wie immer herzlich umarmt hätten. Diesen kurzen, wertschätzenden Austausch geführt, der immer mir Dir möglich war. Gerne hätte ich auch den obligatorischen Auftrag mitgenommen, den Du mir dieses Mal mitgegeben hättest. Dein Herzensanliegen war es, zu erinnern an die Verfolgung, an die Geschichte von Aids. Dabei hast Du aber auch immer die Gegenwart und die Zukunft lustvoll mitgestaltet. Diese Erinnerung werde ich nun als Dauerposten auf meine Aufgabenliste setzen!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Du wirst mir fehlen!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Matti Seithe, </strong>Bundesstiftung Magnus Hirschfeld</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Och Mensch Michael, jetzt bist Du wirklich fort? Die Nachricht von Deinem Tod hat mich und auch meine Kolleg_innen in der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sehr berührt und einfach traurig gemacht. Natürlich hatte ich schon früher von Dir gehört, als ich selbst für die Deutsche Aidshilfe arbeitete. Näher kennenlernen durfte ich Dich dann letztes Jahr auf der Dezembertagung der Akademie Waldschlösschen, die wir von der BMH unterstützt haben. Du hast uns damals ohne zu Zögern aus der kleinen Patsche geholfen und bist für den Themenblock zur Geschichte von HIV und Aids eingesprungen, nachdem wir eine kurzfristige Absage vom ursprünglich geplanten Referenten hatten. Vorab meinte ich im Small Talk zu Dir „Ja, Dich, Michael, kennen wir in der BMH natürlich gut. Du hast ja unserem Archiv der anderen Erinnerungen 2023 mit acht Stunden das bislang längste lebensgeschichtliche Interview im gesamten Projekt gegeben… .&#8220;</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und Du nur so: „Ja, aber ich bin ja nur bis zur Hälfte gekommen!“ Von Dir ganz ernst gemeint, hast Du mich damit dennoch spontan zum Lachen gebracht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch dann selbst, das wir beide vor den Teilnehmenden der Dezembertagung miteinander geführt haben, ist mir noch in klarer Erinnerung. Deine warme Stimme und Deine präzisen Erinnerungen an die Zeit in der Aidshilfe Wuppertal und an viele weitere Stationen – ebenso wie Deine Reflexionen dazu, wie geschlechtliche Vielfalt im Laufe der Jahre auch in den Aidshilfen mehr und mehr mitgedacht wurde – und Deinen unverkrampften und stets respektvollen Umgang damit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich war fest davon ausgegangen, dass wir uns auch dieses Jahr wiedersehen würden im Waldschlösschen und unsere Gespräche von 2025 vertiefen könnten. Das wird es nun nicht mehr geben. „Michael, Du fehlst“ lese ich in nicht wenigen Posts auf Social Media. Da möchte ich einfach ein leises „Mir auch“ hinzufügen. Danke Michael und mach es gut!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Winfried Holz, </strong>DAH-Bundesvorstand</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gerade haben viele HIV-Positive und ihre Allies&nbsp;bei den Positiven Begegnungen gemeinsam diskutiert, gestritten und Kraft geschöpft aus einer Gemeinschaft, die über&nbsp;Generationen, Lebenswelten- und -erfahrungen&nbsp;hinweg für ein selbstbestimmtes und solidarisches Miteinander steht. Ein gutes Leben mit HIV im Alter war eines der großen Themen, ebenso wie eine stabile und solidarische Selbsthilfe. Du hättest uns sicher gerne weiter vorgelebt, wie das geht. Denn dies waren Themen,&nbsp;mit denen du dich nicht nur theoretisch, sondern immer auch höchst praktisch beschäftigt hast.&nbsp;Jetzt ist es an uns, dein Werk fortzuführen und an dein Leben und deine beispielgebende Biografie zu erinnern, so wie du an so viele Biografien erinnert und gezeigt hast, dass es lohnt, sie festzuhalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Lieber Michael, ich werde dich, deine ruhige, bestimmte und zielstrebige Art ebenso vermissen, wie die Falten in deinem Gesicht, die mir zeigten, dass du dein Leben richtig gelebt hast.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Michèle Meyer</strong>, DAH-Ehrenmitglied</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Lieber Michael,</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">ich bin traurig.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Du bist auf deiner letzten Reise. Gegangen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin froh &amp; dankbar.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dass Du warst. Auch in meinem Leben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Glücklich mit Dir geredet, Dir zugehört, mit Dir debattiert, gemeinsam laut gedacht, „gestritten“, mich geärgert, andere provoziert, zusammen gelacht, geweint, geschwiegen, eingestanden und aufgestanden zu sein.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Danke.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Michèle</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Queeres Netzwerk NRW</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit großer Anteilnahme nimmt das Team des Queeren Netzwerks NRW Abschied von Michael Jähme. Sein unermüdlicher Einsatz für die historische Aufarbeitung queerer Lebens- und Diskriminierungserfahrungen sowie sein langjähriges Engagement im Bereich der Aidshilfe und -prävention werden in den queeren Communities unvergessen bleiben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Dankbarkeit bewahren wir die Erinnerung an einen Menschen, der mit viel Herz und Verstand für Gleichberechtigung, Vielfalt und die Akzeptanz queerer Lebensweisen eintrat, wichtige Pionierarbeit leistete, zahlreiche Menschen inspirierte und unsere Welt zu einem besseren Ort für alle machte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Manuel Izdebski</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ein geschätzter Kollege, streitbarer Aktivist, kluger und reflektierter Kopf unserer Bewegung. Er wird fehlen!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jürgen Heimchen</strong>, DAH-Ehrenmitglied und Sprecher der 2016 aufgelösten Elterinitiative für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik Wuppertal, und Wiltrud Heimchen<br><br>Lieber Michael,<br>du hast uns, die Eltern,vom Tag unserer Gründung 1993 als einer der Wenigen immer unterstützt.<br>Wir werden dich nicht vergessen!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wiltrud Heimchen</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich 1995 als Ehrenamtlerin zur AHW kam, war es Michael, der mich mit der Aidshilfearbeit vertrautvmachte. Unter anderem hat er mich zur Drogenhilfeeinrichtung Gleis 1 mitgenommen, die ich bisher nur als betroffene Mutter kannte und nun aus einer anderen Perspektive kennenlernte. Er hat mich ermutigt, auch an Seminaren teilzunehmen, die ich nicht im Fokus hatte. Und es war immer ein Gewinn. Er hat mir manches Mal mehr zugetraut als ich mir selbst. Er hatte immer ein offenes Ohr, wenn es gebraucht wurde. Seine Zugewandtheit und Warmherzigkeit standen nicht im Widerspruch zu seinem Kämpferherz. Zusammen waren sie das, was Michael für mich ausgemacht hat.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin dankbar, ihn kennengelernt zu haben, und für die vielen Jahre, die er mich begleitet hat. All die Zeit war er für mich das Gesicht der AHW.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Tschüss, Michael!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/gedenken-an-michael-jaehme/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alarmierende Versorgungslücke für trans Personen</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/alarmierende-versorgungsluecke-fuer-trans-personen/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/alarmierende-versorgungsluecke-fuer-trans-personen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nora Eckert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 13:29:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTIQA+]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Transition]]></category>
		<category><![CDATA[Transrechte]]></category>
		<category><![CDATA[TSG]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560225</guid>

					<description><![CDATA[Was ist los mit der Gesundheitsversorgung von trans Personen? Nora Eckert sortiert die beunruhigenden Nachrichten, die in Community und Medien kursieren. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist los mit der Gesundheitsversorgung von trans Personen? Eine medizinische Transition, die lange Zeit in einigermaßen kalkulierbaren Bahnen verlief, scheint aktuell aus dem Ruder zu laufen. Konkreter gesagt: Es wird immer schwieriger, eine Kostenübernahme für geschlechtsangleichende Operationen und weitere medizinische Leistungen im Rahmen einer Transition zu erreichen. Das sind die besorgniserregenden Nachrichten, die in der Community und in den Medien schon eine Weile kursieren.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Schauen wir uns also um, was in der Trans-Gesundheitsversorgung gerade nicht oder nur unzureichend läuft. Warum schlagen Trans-Beratungen mit einem Mal Alarm? Warum ist es nötig, einen Brandbrief an die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zu schreiben? Was bringt Grüne und Linke als Oppositionsparteien im Bundestag dazu, initiativ zu werden in Bezug auf die aktuelle Versorgungsunsicherheit von trans Personen?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-ein-urteil-wie-ein-blitzeinschlag-ins-wankende-system" class="wp-block-heading">Ein Urteil wie ein Blitzeinschlag ins wankende System</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Probleme entstehen für gewöhnlich nicht aus dem Nichts – will sagen, Probleme haben immer eine Vorgeschichte. Dass Entwicklungen irgendwann eskalieren, hat zwar oft ein konkretes Ereignis als Auslöser, aber ebenso kann von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgegangen werden, die dieses Ereignis zum Flächenbrand werden lassen. In unserem Fall ist das wohl so. In das Szenario der finanziellen Schieflage der Krankenkassen mit stetig steigenden Ausgaben und sinkenden Einnahmen und der anhaltenden Debatte um Leistungskürzungen, konnte 2023 daher ein Urteil des Bundessozialgerichts wie ein Blitz einschlagen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In dem zu verhandelnden Fall ging es um die Kosten für eine Mastektomie (Entfernung der Brüste), die eine nichtbinäre Person beantragt hatte. Die Kostenübernahme wurde von der Kasse abgelehnt, woraufhin der Fall schließlich beim Bundessozialgericht landete. Dieses wiederum wies die Klage zurück (Aktenzeichen B1 KR 3/22 R) mit der Begründung, es gebe in den medizinischen Leitlinien keinen nichtbinären Phänotyp. Damit blieben seither nichtbinäre Personen von Behandlungen und deren Kostenübernahme durch die Kassen ausgeschlossen. Aber nicht nur das, ins Wanken geriet das gesamte System, auch wenn sich binär verortende trans Personen, für die es gültige, obschon überarbeitungsbedürftige medizinische Leitlinien gibt, einen sogenannten Vertrauensschutz beanspruchen können. Aber auch bei diesen im Grunde ‚klaren‘ Fällen zeigt sich bei genauerem Hinsehen eine widersprüchliche Realität.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-ein-kurzer-ruckblick-gesundheitsversorgung-seit-1981" class="wp-block-heading">Ein kurzer Rückblick: Gesundheitsversorgung seit 1981</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ‚Wer zahlt?‘ stand stets im Raum. Denn als 1981 das Transsexuellengesetz (TSG) in Kraft trat, konnten trans Menschen zwar unter bestimmten Voraussetzungen Namens- und Personenstandsänderungen erhalten, nur hatte das TSG die medizinische Seite der Transition konsequent ausgeklammert, obschon für eine Personenstandsänderung, also für die Änderung des Geschlechtseintrags, zwingend eine geschlechtsangleichende Operation und so eine medizinische Maßnahme vorgeschrieben war. Es konnte deshalb nur eine Frage der Zeit sein, dass das Thema der Kostenübernahme eine Grundsatzentscheidung verlangt und beim Bundessozialgericht verhandelt werden würde – und so kam es schließlich. Das Gericht kam 1987 zu dem Schluss (Aktenzeichen 3 RK 15/86), ja, die Klägerin habe einen Krankenpflegeanspruch – mit anderen Worten, die Kasse müsse die Kosten für die Geschlechtsangleichung übernehmen. Und daraus ergab sich letztendlich die Praxis für die folgenden Jahrzehnte – eben bis zu dem Knall des Jahres 2023.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend war ebenfalls, dass „Transsexualität“ als behandlungsbedürftige Krankheit eingestuft wurde, festgeschrieben im Internationalen Diagnosekatalog ICD10. Inzwischen gibt es als Nachfolger den ICD11, der Transsein nicht länger als psychische Erkrankung führt, sondern in entpathologisierender Absicht als Geschlechtsinkongruenz definiert. Doch ist der ICD11 in der Bundesrepublik noch immer nicht anerkannt, weshalb er nach wie vor nicht für die Abrechnung ärztlicher Leistungen herangezogen werden kann. Wird das eines Tages der Fall sein, dürfte auch das die Trans-Gesundheitsversorgung in einen neuen Kontext stellen. Das bleibt jedoch vorerst Zukunftsmusik und so bleiben die entwürdigenden Bedingungen für eine Kostenübernahme weiter bestehen, verbunden mit einer jetzt größer gewordenen Unsicherheit, ob überhaupt etwas und wenn ja, was genehmigt wird. Auf Seiten der Kassen wuchs zumindest bei einigen spürbar die Verweigerungshaltung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur das. Bis 2023 war die Kostenübernahme bei Hormontherapien kein Thema, denn sie wurden lediglich ärztlich verordnet, aber nicht eigens bei den Kassen beantragt. Für die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) galt das bislang als sogenannte Off-Label-Behandlung (darunter ist der Einsatz eines anerkannten Medikaments zu verstehen).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-dringender-handlungsbedarf-aber-keine-losung-in-sicht" class="wp-block-heading">Dringender Handlungsbedarf, aber keine Lösung in Sicht</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Bundessozialgerichtsurteil verbreitete sich – warum auch immer – eine Verunsicherung unter den Ärzt*innen, von denen nun einige plötzlich anfingen, Hormontherapien ebenfalls zu beantragen. Und schon war das ohnehin entstandene Chaos um ein neues Feld erweitert. Es bleibt unklar, wie aus der verfahrenen Situation herauszukommen ist und wie eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu erarbeitende Richtlinie für eine umfassende Trans-Gesundheitsversorgung am Ende aussieht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dass sich die Kassen trotz der finanziellen Schieflage nicht aus der Verantwortung stehlen können, dürfte wohl klar sein. Denn selbst wenn es nur um das Geld gehen sollte, dann dürfte es am Ende finanziell kaum einen Unterschied machen zwischen Versorgung und Nicht-Versorgung. Denn Letzteres wird mit Sicherheit zu mehr psychischen Problemen führen, deren Behandlung nicht zum Nulltarif zu haben sein wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht-Versorgung wird mit Sicherheit zu mehr psychischen Problemen führen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Nora Eckert</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anfang des Jahres hatte die Lesben Informations- und Beratungsstelle (LIBS e.V.) in Frankfurt/Main einen offenen Brief an die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken initiiert, den eine Reihe regionaler Organisationen mit Trans-Beratung mitunterzeichnet haben – darunter auch die AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. Der Brief ging ausführlich auf die hier beschriebene prekäre Situation in der Gesundheitsversorgung ein, verursacht durch jene sozialrechtliche Blockade. Gefordert wurde die Rückkehr zu einer leitliniengerechten medizinischen Versorgung, die Herstellung einer grundsätzlichen Rechtssicherheit, dazu endlich ICD-11 umzusetzen und – neben weiteren Forderungen – „sich deutlich für Einzelfallentscheidungen zu positionieren und generelle Ablehnungen nicht zu dulden“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Meine Rückfrage bei einer Person aus der Trans-Beratung der Frankfurter AIDS-Hilfe bestätigte die hier beschriebenen Probleme. Ergänzend hieß es, dass ja schon der allererste Einstieg in eine medizinische Transition und noch fernab von irgendwelchen Indikationen oft mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Denn einen geeigneten Therapieplatz zu finden, bedeutet in der Regel eine enorme Herausforderung. Zudem sind nicht alle Psychotherapeut*innen offen für trans Personen. Erschwerend sei auch, dass nach wie vor der veraltete und pathologisierende ICD10 gelte, und dass nicht-binäre Personen, um überhaupt irgendeine Chance zur medizinischen Behandlung zu haben, sich aus naheliegenden Gründen binär verorten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine leitliniengerechte Versorgung ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern Bestandteil der gesundheitlichen Regelversorgung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Psychotherapeutenkammer Hamburg</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Übrigens hatte auch die Psychotherapeutenkammer Hamburg im Mai eine Resolution verabschiedet und die <a href="https://ptk-hamburg.de/2026/05/21/resolution-leitliniengerechte-versorgung-von-trans-personen-jetzt-sicherstellen/">Sicherstellung einer „leitliniengerechten Versorgung von trans* Personen“</a> gefordert. Nicht ohne dabei auf die erheblichen „strukturellen Defizite“ in der Versorgung hinzuweisen. „Eine leitliniengerechte Versorgung ist keine freiwillige Zusatzleistung“, heißt es darin, „sondern Bestandteil der gesundheitlichen Regelversorgung.“ Und weiter: „Jenseits bereits begonnener Behandlungen, für die noch Vertrauensschutz besteht, fehlt es derzeit aufgrund der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts […] für die gesamte Versorgung von trans* Personen an einer verlässlichen Rechtsgrundlage. Dies gefährdet die körperliche und psychische Gesundheit der Betroffenen erheblich.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, haben auch die queerpolitischen Sprecher*innen Nyke Slawik (Bündnis 90/Die Grünen) und Maik Brückner (Die Linke) inzwischen erkannt und wollen mit inhaltlich abgestimmten Anträgen ein Signal setzen für eine angemessene Gesundheitsversorgung von trans und nichtbinären Personen. Es geht ihnen um eine gesetzliche Klarstellung, um das Ende der Verunsicherung und um das Ende der Willkür auf Seiten der Kassen. Und hier schlösse sich die Frage an: Wo bleiben die entsprechenden Signale der queerpolitischen Sprecher*innen der Regierungsparteien? Denn bekanntlich macht nicht die Opposition die Politik, sondern die Regierung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-mehr-zu-trans-gesundheit" class="wp-block-heading">Mehr zu Trans-Gesundheit</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="IbnmNdlJ0a"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transfeinde-stressen-segm/">Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transfeinde-stressen-segm/embed/#?secret=gQvJ0038HY#?secret=IbnmNdlJ0a" data-secret="IbnmNdlJ0a" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="rTjrtOuiXQ"><a href="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/">„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Trans und nicht-binäre Menschen machen viele, viele schlechte Erfahrungen““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/trans-und-nicht-binaere-menschen-machen-viele-viele-schlechte-erfahrungen/embed/#?secret=LOis4G3mCO#?secret=rTjrtOuiXQ" data-secret="rTjrtOuiXQ" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/alarmierende-versorgungsluecke-fuer-trans-personen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Meine ersten Diskriminierungserfahrungen habe ich im Gesundheitssystem gemacht“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/30-jahre-art-interview-mit-heike-gronski-und-katja-schraml/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/30-jahre-art-interview-mit-heike-gronski-und-katja-schraml/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 11:51:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[30 Jahre ART]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung im Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Stigmatisierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560227</guid>

					<description><![CDATA[Ihre HIV-Diagnose erhielt Heike Gronski vor der Verfügbarkeit der ART, Katja Schraml danach. Wir sprachen mit ihnen über ihren Umgang mit HIV und besondere Hindernisse für sie als Frauen mit HIV.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zwischen ihren HIV-Diagnosen liegen nur wenige, aber entscheidende Jahre. Wie die Verfügbarkeit der ART den Umgang mit der eigenen Infektion beeinflusst hat und mit welchen besonderen Hindernissen sie als Frauen mit HIV konfrontiert waren, berichten Heike Gronski und Katja Schraml im Interview.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Autorin und Aktivistin Katja Schraml arbeitet seit 2010 für die Deutsche Aidshilfe im Referat Medizin, Beratung und Qualitätsentwicklung, Heike Gronski ist seit 2011 Leiterin des Fachbereichs „Leben mit HIV“.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wann hast du, Heike, deine HIV-Diagnose erhalten?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Ich habe mich 1992 zum ersten Mal testen lassen, eigentlich nur, um mein Gefühl, negativ zu sein, bestätigt zu bekommen. Das positive Ergebnis traf mich deshalb völlig unvorbereitet. HIV und Aids waren fern meiner Lebensrealität. Der Arzt meinte zu mir: „Leben Sie einfach so weiter wie bisher, ein paar Jahre haben Sie voraussichtlich noch.“ Und damit war ich entlassen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie bist du mit diesem Schock umgegangen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Vielleicht war es von Vorteil, dass ich zu diesem Zeitpunkt so wenig wusste. Ich bin mit der Diagnose relativ offen umgegangen und hab es auch in meinem Freundeskreis erzählt. Mir war schlicht nicht bewusst, wie stark stigmatisiert eine HIV-Infektion war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie war das bei dir, Katja? Du hast deine HIV-Diagnose ja erst entscheidende Jahre später bekommen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Ich hatte vor allem erst einmal Probleme, als Frau überhaupt einen Test machen zu können. Meinen ersten Test habe ich 1999 gemeinsam mit einer Freundin in einer Arztpraxis gemacht. Da wurde ich gefragt, welcher Art Risikokontakte ich denn gehabt hätte. Ich konnte dieses Wort überhaupt nicht mit mir in Zusammenhang bringen. Weil ich keinen solchen Risikokontakt benennen konnte, musste ich den Test dann auch selbst bezahlen. Zwei Jahre später, da lebte ich schon in Berlin und in einer Beziehung, bin ich zu einem Gesundheitsamt. Ich gab an, dass eine Infektion innerhalb meiner Beziehung stattgefunden haben könnte. Sie haben mich dann aber weggeschickt, weil der Risikokontakt – das Wort kannte ich ja jetzt schon – noch keine drei Monate zurücklag. Ich bin dann zu einem anderen Gesundheitsamt gefahren und gab an, dass der Risikokontakt bereits vor über einem Vierteljahr stattgefunden hatte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich [nach meiner HIV-Diagnose] in meine Wohnung zurückfuhr, kam ich an einer Uhr vorbei, deren Zeiger sich ganz schnell gedreht haben. Das war so völlig unwirklich und zugleich so symbolhaft.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Katja Schraml</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie hast du dieses Erlebnis in Erinnerung?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, dass solche Tage sich bei allen Menschen mit HIV tief ins Gedächtnis einbrennen, weil sie eine einschneidende Zäsur im Leben darstellen. Ich erinnere mich noch, dass die Leute beim Test so unfreundlich waren und dreimal daneben gestochen haben, bis sie endlich das Blut abnehmen konnten. Als ich das Ergebnis abholte, waren sie auffallend nett. Da ahnte ich schon, dass etwas nicht stimmt. Als ich in meine Wohnung zurückfuhr, kam ich an einer Uhr vorbei, deren Zeiger sich ganz schnell gedreht haben. Das war so völlig unwirklich und zugleich so symbolhaft. Ich habe mein Leben dann komplett auf den Kopf gestellt. Ich hatte gerade mein Abi hinter mir und wollte eigentlich für einige Zeit ins Ausland gehen. Stattdessen bin ich zurück zu meiner Familie nach Bayern. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um mich wieder zu fangen und dann mit dem Studium zu beginnen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hast du dich auch medizinisch betreuen lassen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Ich habe mich in der Uniklinik in Würzburg noch mal testen lassen, und dort habe ich dann auch recht schnell eine Therapie begonnen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deine Familie wusste von deiner Diagnose, wie offen bist du ansonsten damit umgegangen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Ich habe in meinem süddeutschen Umfeld sehr schnell davon erzählt. Ich musste für mich selbst erst Erfahrungen sammeln und lernen, was die Diagnose für mich bedeutet und welche Rolle sie in meinem Leben spielen wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie waren denn die Reaktionen an der Uni?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Es gab eigentlich wenig direkte negative Reaktionen, aber sehr viel Unwissenheit. Eine Person etwa hat zu mir gesagt: „Ich habe mich gerade gefragt, ob das okay war, dass ich dir die Hand gegeben habe.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Später habe ich dann auch mitbekommen, dass Leute von meiner HIV-Diagnose wussten, denen ich das gar nicht erzählt hatte. Es hatte mittlerweile die Runde gemacht. Ich habe mich dann bald auch wieder zurückgezogen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hast du damals selbst entschieden, eine Therapie zu beginnen, oder wurde es dir von ärztlicher Seite nahegelegt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Als man mir beim Gesundheitsamt das Testergebnis mitteilte, sagte man mir, dass ich jetzt einfach so weiterleben solle, Medikamente würden erst notwendig, wenn das Immunsystem deutlich geschwächt sei. Bei einer recht frischen Infektion wie bei mir würde das frühestens in ein paar Jahren der Fall sein. Der möglichst späte Therapiebeginn war seinerzeit noch die Behandlungsstrategie.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei der Nachtestung ein halbes Jahr später in Würzburg lagen meine Helferzellen bereits unter 200. Entweder lag die Infektion doch schon länger zurück oder es ging bei mir ziemlich schnell. Ich sollte deshalb möglichst schnell mit der Therapie anfangen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hast du diesen Vorschlag angezweifelt? Fühltest du dich in die Entscheidung eingebunden?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Dass innerhalb weniger Monate alles so dramatisch geworden schien, habe ich nicht verstanden. Mir fehlte in der Klinik auch eine Vertrauensperson, bei der ich das Gefühl gehabt hätte, dass ich als Mensch und mit meinen Ängsten ernst genommen werde und die mir die Entscheidungen so erklärt, dass ich sie mittragen kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Fachlich war ich in dieser Klinik in besten Händen, aber emotional fühlte ich mich sehr alleingelassen. Das änderte sich später, als ich zu einem anderen Arzt wechselte. Er empfahl mir, jeden Tag so zu leben, als ob es der letzte wäre. Da war ich 25 und hab gedacht: „Das ist die richtige Einstellung“. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er fachlich den Überblick hat und sich emotional nicht entzieht. Da konnte ich diese Verantwortung, was die medizinischen Fragen angeht, abgeben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das ist auch bei meiner jetzigen Ärztin so. Wenn irgendwas nicht richtig läuft, kann ich das mit ihr besprechen. Ich bin nicht einfach nur eine CD4-Zahl oder diese nicht nachweisbare Viruslast in der Krankenakte, sondern fühle mich als Mensch wahrgenommen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Als du, Heike, 1992 dein Testergebnis erhalten hast, waren die Behandlungsmöglichkeiten noch sehr eingeschränkt und oft auch mit sehr heftigen Nebenwirkungen verbunden. Hast du deshalb mit der Therapie gehadert oder dem Rat der Ärzt*innen vertraut?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Meine Helferzellen waren wenige Monate nach der Diagnose bereits unter 300 gerutscht und ich hatte körperlich stark abgebaut. Daher war mir klar, dass ich etwas tun musste. Die Frage: „Fange ich mit der Therapie an?“, die hat sich gar nicht gestellt. Ich habe immer genommen, was ich kriegen konnte. Jedes neue Medikament war vielleicht die einzige und letzte Chance zu überleben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn war dies die AZT-Monotherapie. Mir ging es dann kurzfristig ein bisschen besser, aber als Nebenwirkung fiel der <a href="https://www.gesundheitsinformation.de/haemoglobin.html">Hb-Wert</a> ab; weil sich keine roten Blutkörperchen mehr bildeten, musste ich Bluttransfusionen bekommen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich dann von einer Monotherapie in die nächste gerettet. 1994 war ich an einem absoluten Tiefpunkt angelangt und körperlich am Ende. Ich hatte so viel Gewicht verloren, dass ich meine Erkrankung auch nicht mehr verheimlichen konnte und dann endlich auch meine Familie eingeweiht habe. Das hatte ich immer vor mir hergeschoben, weil ich es ihnen nicht zumuten wollte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Einnahmeschemata [der ersten HIV-Therapie] waren gelinde gesagt eine Herausforderung. Bei dem einen Medikament durfte man zwei Stunden vorher und eine Stunde nachher nichts essen, die anderen mussten mit einem bestimmten Saft genommen werden, wieder andere unbedingt mit Nahrung. Manche musste man alle vier oder sechs, andere alle acht Stunden nehmen. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Heike Gronski</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe dann zum Glück einen Arzt gefunden, bei dem ich mich auf eine Art und Weise aufgehoben fühlte, wie es Katja eben beschrieben hat. Er hatte sehr viel Erfahrung, war eine Koryphäe in diesem Bereich und hat mich dann die nachfolgenden zwei Jahre engmaschig medizinisch betreut und für mich sogar auf irgendwelchen Umwegen aus Mexiko ein Medikament besorgt, das hier noch nicht zugelassen war. Dieser Mann hat mir letztlich das Leben gerettet und mich durch die zwei Jahre hindurchgebracht, bis 1996 die Kombitherapie kam. Er hatte mich zuvor bereits in eine der Studien eingeschleust, sodass ich schon früher von einem <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/proteaseinhibitoren-hiv">HIV-Proteasehemmer</a> profitieren konnte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haben sich der Proteasehemmer und dann die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART), wie sie damals hieß, gleich als Game Changer erwiesen? Die Kombi-Therapie war ja eine Art Glücksspiel: Man wusste schlicht nicht, welche Kombinationen individuell tatsächlich passen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Die Einnahmeschemata waren gelinde gesagt eine Herausforderung. Bei dem einen Medikament durfte man zwei Stunden vorher und eine Stunde nachher nichts essen, die anderen mussten mit einem bestimmten Saft genommen werden, wieder andere unbedingt mit Nahrung. Manche musste man alle vier oder sechs, andere alle acht Stunden nehmen. Diesen Plan aufzustellen war eine logistische Herausforderung, und um ihn auch einzuhalten, brauchte man sehr viel Selbstdisziplin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte zudem ja auch Begleiterkrankungen. Der Infusionsständer war mein ständiger Begleiter, denn irgendwie hing man immer am Tropf. Ich hatte das Glück, dass es inzwischen bereits Spezialpflegedienste gab, die zu mir nach Hause kamen, und ich wirklich nur ins Krankenhaus musste, wenn es unvermeidbar war. Die Pflegekräfte waren sehr zugänglich und vor allem angstfrei auf mich zugekommen. Sie haben mich dann auch so weit geschult, dass ich die Infusionen selbst wechseln konnte. Das war natürlich eine unglaubliche Steigerung der Lebensqualität, weil ich in meiner Wohnung bleiben konnte. Wenn die Infusion dann gerade mal abgehängt war, konnte ich auch mal einkaufen gehen. Ich bin sogar mit Infusionen Auto gefahren. Die Flasche habe ich dann an den Haltegriff gehängt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie lange hat es gedauert, bis die Therapie zu einer deutlichen Verbesserung deines Gesundheitszustands geführt hat?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Irgendwann wusste man ja nicht mehr, was Wirkung und was Nebenwirkung ist. Ich hatte beispielsweise enorme Probleme mit der Bauchspeicheldrüse. Letztlich habe ich zwei Jahre für die Rekonvaleszenz gebraucht. 1998 war ich so weit, dass ich wieder arbeiten konnte. Diese zwei Jahre hat der Körper aber auch gebraucht, damit aus diesem Häufchen Elend wieder eine Frau mit einer normalen Kleidergröße wurde und ich meine Klamotten nicht mehr in der Kinderabteilung kaufen musste. Ich hatte erstmals wieder eine Perspektive vor mir und stand mitten im Leben. Aber es hat noch sehr lange gedauert, bis ich das Vertrauen hatte, tatsächlich über ein, zwei Jahre hinaus in die Zukunft zu planen oder gar an die Rente zu denken.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für dich, Katja, war die Haltung, den einzelnen Tag zu leben und zu genießen, eine Befreiung. Du hast also zunächst auch nicht weit in die Zukunft geplant, obgleich die HIV-Therapie damals schon sehr weit fortentwickelt war.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Mit Nebenwirkungen hatte ich in der Tat vergleichsweise wenig Probleme. Mir wurde auch nie mitgeteilt, warum bestimmte Medikamente bei mir ersetzt wurden. Ich habe mir das meiste Wissen selbst angeeignet, weil ich wissen wollte, was da passiert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aber im Vordergrund standen für mich lange Zeit die psychischen Aspekte. Als bei mir AZT durch Sustiva, also den Wirkstoff Efavirenz, ersetzt wurde, durchlebte ich eine extrem schwierige Zeit. Das Medikament wirkte bei mir enorm psychoaktiv und ich hatte heftige Albträume. Hinzu kam, dass die HIV-Medikamente die gefühlt größten Tabletten waren, die ich jemals einnehmen musste. Ich entwickelte einen solchen inneren Widerstand, dass ich sie irgendwann einfach nicht mehr schlucken konnte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mein neuer Arzt hat mich dann auf Viramune umgestellt und ich habe diese Kombitherapie 20 Jahre lang nicht mehr geändert. Ich wollte einfach kein Risiko eingehen. Erst im letzten Jahr reichte es mir dann mit den schlechten Nachrichten zu Abacavir <em>[Anm. d. Red.: Mehrere Studien deuteten auf erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere für Herzinfarkte hin]</em>, und wir – also die Ärztin und ich – sind auf eine Zweierkombi mit nur einer Tablette täglich, umgestiegen. Jetzt ist auch Platz für die Statine. <em>[Anm. d. Red.: Die Europäische Aids-Gesellschaft EACS empfehlt Menschen mit HIV, bei erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen Statine einzunehmen].</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, es macht einen Unterschied, ob ich über mich sage: „Ich bin HIV-positiv“, „Ich habe HIV“ oder „Ich lebe mit HIV“. Es hat zum Beispiel damit zu tun, wie viel Raum HIV in meinem Leben einnimmt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Katja Schraml</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich musste eben schmunzeln, als du, Heike, die Rente angesprochen hast. Ich bin tatsächlich bis heute nicht an den Punkt gekommen, so weit im Voraus zu denken. Das hat sicherlich damit zu tun, dass man mir damals nach der Diagnose Sätze sagte wie: „Gut 30 Jahre haben Sie noch.“ Ich arbeite nun in der Aidshilfe, ich kenne die Studien und die Fakten und kann sie auch vermitteln. Aber für mich selbst ist es manchmal trotzdem schwierig. Wer diese alten Bilder mit sich herumträgt, dem fällt es schwer, sich davon zu lösen. Das fängt schon damit an, wie man sich selbst bezeichnet. Das prägt ja nicht nur das Selbstbild, sondern auch, wie man nach außen hin erscheint.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kannst du das näher erläutern?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Ich nehme jetzt täglich eine Tablette. Bin ich deshalb chronisch krank, obwohl ich mich gar nicht krank fühle? Früher sprach man von HIV-Infizierten, damit wurde indirekt auch transportiert, ansteckend zu sein. Sich infektiös zu fühlen und als ansteckend zu begreifen, das macht auch mit einem selbst etwas. Ich denke, es macht einen Unterschied, ob ich über mich sage: „Ich bin HIV-positiv“, „Ich habe HIV“ oder „Ich lebe mit HIV“. Es hat zum Beispiel damit zu tun, wie viel Raum HIV in meinem Leben einnimmt, wie sehr ich mich über die Infektion definiere oder sie vielleicht auch mich definiert. Je nach Kontext sage ich vielleicht auch etwas anderes.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ist diese Auseinandersetzung auch eine Generationenfrage? Also, ob man sich zu den Langzeitüberlebenden zählt oder die HIV-Infektion zu einer Zeit diagnostiziert wurde, als sie bereits therapierbar war?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Ich glaube, darauf gibt es keine generalisierende Antwort, sondern das hat viel mit der individuellen Lebenssituation und auch mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur zu tun hat. Für mich war HIV/Aids damals zunächst eine sexuell übertragbare Infektion und für mich als Frau, die zum Großteil in heterosexuellen Zusammenhängen gelebt hat, nicht stigmabeladen. Als ich meine Diagnose erhielt, war ich 28, also schon einige Jahre sexuell aktiv, und lebte nicht in einer langfristigen festen Partnerschaft. In meinem Umfeld gab es niemanden, der durchgängig Safer Sex betrieben hatte. Es gab also auch niemanden, der den ersten Stein hätte werfen können. Mich hatte es nun mal getroffen, aber das war Zufall. Es hätte jede und jeden aus meinem Bekannten- und Freundeskreis treffen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die eklatanten Wissenslücken, gerade auch im Gesundheitswesen, aber auch die Selbststigmatisierung vieler Menschen mit HIV waren eine Hauptmotivation, weshalb ich angefangen habe, in Aidshilfe und Selbsthilfe zu arbeiten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Heike Gronski</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bezeichnend finde ich, dass ich meine ersten Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitssystem gemacht habe. Eines Morgens stand der langjährige Hausarzt meiner Eltern um 8 Uhr völlig verschämt vor der Haustür. Um 9 Uhr hätte ich in seine Praxis kommen sollen, um eine Bluttransfusion zu bekommen. Das Praxispersonal sei jetzt panisch geworden und habe ihn vor die Wahl gestellt: „Wenn die kommt, sind wir weg.“ Da wurde mir erstmals klar, dass es hier nicht um tatsächlich bestehende Risiken geht, sondern um etwas ganz anderes. Das war wohlgemerkt nicht in den frühen Achtzigern, sondern Mitte der Neunzigerjahre. Zugleich habe ich, als ich in einer WDR-Reportage als HIV-positive Frau porträtiert wurde, keinerlei negative Reaktionen erhalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie haben solche Erfahrungen deinen eigenen Umgang mit dem Positivsein verändert?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Diese eklatanten Wissenslücken, gerade auch im Gesundheitswesen, aber auch die Selbststigmatisierung vieler Menschen mit HIV waren eine Hauptmotivation, weshalb ich angefangen habe, in Aidshilfe und Selbsthilfe zu arbeiten. Ich wollte Kontakt zu anderen Menschen haben, die in einer ähnlichen Situation leben wie ich, aber auch verstehen, weshalb so viele nicht so selbstverständlich offen mit ihrem HIV-Status umgehen, wie ich das tat.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte es vielleicht leichter, offen aufzutreten. Zum einen durch diese extremen körperlichen Krankheitserfahrungen, aber auch weil ich von Natur aus eine resiliente Person bin und nicht, wie etwa schwule Männer, zu einer bereits zuvor stigmatisierten Gruppe gehöre. Mich hat es immer sehr berührt, wie Menschen oft jahrzehntelang ihre HIV-Infektion versteckt halten, wie sie unter der Angst leben, dass ihr Lügenkonstrukt zusammenbrechen könnte und sie dann Job und Karriere, die Familie und die Freunde – alles, was ihr Leben ausmacht – verlieren könnten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hatte es die nachkommende Generation, die nach ihrer Diagnose bereits auf die ART zurückgreifen konnte, deutlich leichter?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Spätestens ab den Nullerjahren war HIV zu einer gut behandelbaren Infektion geworden, das ist richtig. Anders als ich und meine Generation mussten sich Menschen, die sich ab dieser Zeit infizierten, nicht mehr zwangsläufig mit massiven körperlichen Folgen der Krankheit auseinandersetzen. Stattdessen standen die Angst vor Diskriminierung und Ausgrenzung, Fremd- wie Selbststigmatisierung, im Vordergrund.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Seit den Achtzigerjahren hat HIV den Schrecken der lebensbedrohenden Krankheit verloren. Die Stigmatisierung aber ist geblieben. Und das unterscheidet HIV eben doch immer noch von anderen chronischen Krankheiten wie etwa Diabetes. Zum Glück hat sich in dieser Hinsicht in den vergangenen zehn Jahren aber viel getan. Dennoch sind wir nicht am Ziel.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Frauen mit HIV waren in den Aidshilfen in den ersten beiden Jahrzehnten deutlich unterrepräsentiert. Hat sich das eurer Ansicht nach verändert?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Als ich um 1994 zum ersten Mal Kontakt zu Aidshilfen hatte, waren das in der Tat sehr männlich dominierte Einrichtungen. Ich habe dann auch einige durchprobiert, bis ich schließlich in der Aidshilfe Köln gelandet bin. Das war seinerzeit meines Wissens die einzige in NRW, bei der es eine Selbsthilfegruppe für Frauen und eine Ansprechperson für Frauen mit HIV gab. Seitdem hat sich eine Menge getan, das muss man einfach mal so festhalten. Vielleicht sind noch nicht so viele Frauen in Führungsstrukturen, wie man sich das wünschen würde, aber Frauen sind in allen Bereichen viel selbstverständlicher präsent. Auch gibt es weitaus mehr spezifische Angebote, etwa rund um die Schwangerschaft. Wir müssen aber auch festhalten, dass nicht alle Frauen gleichermaßen repräsentiert werden; ich denke da etwa an Drogengebraucherinnen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Rein epidemiologisch betrachtet steigt der Anteil der Frauen unter den HIV-Positiven. In der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch innerhalb des HIV-Bereichs spielen sie dennoch eine eher untergeordnete Rolle. Global betrachtet ist es zwar anders, bei uns jedoch zählen Frauen nicht zu den „Hauptbetroffenengruppen“, um mal diesen alten Begriff zu verwenden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Es genügt allerdings auch nicht zu sagen: „Wir öffnen unsere Angebote, etwa Test- und Sexualberatung, nun auch für Frauen. Die machen wir einfach noch mit.“ Ohne entsprechende Aus- und Weiterbildung fehlt es an Kompetenz und damit geht die Qualität dieser Angebote verloren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie sieht es eigentlich mit den ganz jungen Menschen aus, den Millennials und der Gen Z? Auch unter ihnen gibt es Menschen mit HIV, aber ich habe den Eindruck, dass sie die Aidshilfen kaum nutzen. Benötigen sie diese Angebote womöglich gar nicht mehr?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heike: Diese Wahrnehmung ist nicht ganz falsch. Ich merke das auch in meiner Arbeit. Ich habe etwa bereits zum dritten Mal ein Jungpositiven-Treffen absagen müssen, weil es zu wenig Anmeldungen gab. Ich würde mir sehr wünschen, dass diese jüngere Generation tatsächlich keinen Stress mehr mit ihrer HIV-Infektion und einen selbstverständlicheren Umgang damit gefunden hat. Umso empörter – und ganz zu Recht – sind sie, wenn sie wegen ihrer Infektion dann doch eines Tages Diskriminierung erfahren und aus allen Wolken fallen, weil ihr Leben wegen HIV ausgebremst wird. Sie finden dann aber z.B. den Weg zur <a href="https://hiv-diskriminierung.de/">DAH-Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung</a>, um sich beraten zu lassen und sich zu wehren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich wünsche mir, dass Menschen die [Aidshilfe-]Angebote immer weniger benötigen, um mit HIV umgehen und leben zu können. Zugleich finde ich es ungeheuer wichtig, diesen großen Schatz, den die Aidshilfe als institutionalisierte Struktur letztlich darstellt, zu bewahren und weiterzuentwickeln.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Katja Schraml</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und dann gibt es noch die Generation der Menschen, die mit HIV geboren wurden und heute meist zwischen 18 und 30 Jahren alt sind. Bei diesen Menschen habe ich nicht das Gefühl, dass die Geschichte ihrer HIV-Infektion schon zu Ende erzählt ist. Viele haben die Stigmatisierung gewissermaßen von ihren Familien in die Wiege gelegt bekommen und brauchen vielleicht noch ein paar Jahre, bis sie sich daraus wieder befreien.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Werden Aidshilfen also doch nicht so schnell überflüssig werden?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Katja: Ich wünsche mir, dass Menschen – anders als etwa Heike und ich in unseren ersten Jahren nach der Diagnose – diese Angebote immer weniger benötigen, um mit HIV umgehen und leben zu können. Zugleich finde ich es ungeheuer wichtig, diesen großen Schatz, den die Aidshilfe als institutionalisierte Struktur letztlich darstellt, zu bewahren und weiterzuentwickeln, damit sich die Menschen bei Bedarf an sie wenden zu können. Denn im Laufe einer lebenslangen stigmatisierten chronischen Krankheit wird sich dieser Bedarf irgendwann ergeben. Und dann ist es wichtig, Menschen zu haben, die ich ansprechen kann, die meine Interessen vertreten und von denen ich weiß, dass sie für mich das Beste wollen. Und noch besser wäre natürlich, wenn man diese Angebote nicht nur bei Bedarf nutzt, sondern sie auf die eine oder andere Weise auch unterstützt, sich engagiert und so auch Teil des Ganzen wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieses Interview ist Teil einer Serie zu 30 Jahren ART. Links zu den anderen Beiträgen der Serie und weitere Informationen:</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="uqBqVM620F"><a href="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/">ART: 30 Jahre HIV-Therapie</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„ART: 30 Jahre HIV-Therapie“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/embed/#?secret=hpYDc8ax8L#?secret=uqBqVM620F" data-secret="uqBqVM620F" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/30-jahre-art-interview-mit-heike-gronski-und-katja-schraml/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit rappenden Genitalien gegen den Backlash</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/liebelove-and-the-sexperts/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/liebelove-and-the-sexperts/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 13:48:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärungstheater]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Youth work]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560205</guid>

					<description><![CDATA[Vor 15 Jahren hat die Aidshilfe Unna ein Aufklärungsstück für Jugendliche angeregt. „LiebeLove and the Sexperts“ ist zu einem Dauerbrenner geworden, an dem sich nun zeigt, wie sich das politische Klima verändert hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor 15 Jahren hat die Aidshilfe Unna ein Aufklärungsstück für Jugendliche angeregt. „LiebeLove and the Sexperts“ ist zu einem Dauerbrenner geworden, an dem sich auch zeigt, wie sich das Klima für Sexualaufklärung verändert hat.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Mit der Kampagne<a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">&nbsp;#AidshilfeBleibtStabil</a>&nbsp;und der begleitenden <a href="https://magazin.hiv/schlagwort/aidshilfe-bleibt-stabil/">Artikelserie </a>setzen wir als Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen gegen den wachsenden Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit.&nbsp;</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
      <div class="block block--type-core block--type-core-image block--spacing-small block--align-none">
              <div class="l-container">
          <div class="l-content-column">
            <figure class="media-image" >
    <div class="media-image__placeholder" style="--aspect-ratio:0.75;">
                <a class="media-image__link" href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski.jpg"  >
    <picture>
          <source data-srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-600x0-c-center.webp 600w 450h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-800x0-c-center.webp 800w 600h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-1000x0-c-center.webp 1000w 750h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-1200x0-c-center.webp 1200w 900h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-1400x0-c-center.webp 1400w 1050h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-1600x0-c-center.webp 1600w 1200h" type="image/webp">
            <img loading="lazy" decoding="async" class="lazyload js-lazyload"  alt="farbenfrohe Szene mit vier Personen auf einer Bühne" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" data-src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Manuel-Izdebski-1600x0-c-center.jpg" data-sizes="auto" width="1600" height="1200" >
  </picture>
    </a>
  <footer class="media-image__footer">
    <small class="copyright">
              Manuel Izdebski 
          </small>
  </footer>

          </div>                              <figcaption class="media-image__caption"><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus &#8222;LiebeLove and the Sexperts&#8220;</figcaption></figcaption>
                            </figure>
          </div>
        </div>
          </div>
    <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Dinge, die Kinder und Jugendliche in jeder neuen Generation durchleben und durchleiden. Dabei stellen sich Fragen, die allzu oft unbeantwortet bleiben. Da helfen dann weder das Biologie-Lehrbuch noch die im Netz leicht verfügbaren Pornos weiter: Wie etwa sage ich einer Person, dass ich sie liebe? Und wie läuft das eigentlich beim ersten Mal?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Theaterstücke können da ein wunderbarer Eisbrecher und zudem ein unterhaltsamer Weg sein, um Informationen beispielsweise über Verhütung, Schwangerschaft oder Safer Sex zu vermitteln. Jahrzehntelang&nbsp;hat&nbsp;das Aufklärungsstück&nbsp;des&nbsp;Berliner Theaters Rote Grütze „Was heißt hier Liebe?“ diese wichtige Aufgabe&nbsp;erfüllt&nbsp;und Hunderttausende Jugendliche wie Erwachsene begeistert. Doch dieses 1976 uraufgeführte und an über einhundert Theatern&nbsp;gespielte&nbsp;Stück war zunehmend in die Jahre gekommen. Und nichts Neues war in Sicht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bitte bloß keinen erhobenen Zeigefinger und keine Gefahrenabwehr-Pädagogik.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Manuel Izdebski, Aidshilfe Unna</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Manuel Izdebski, Sexualpädagoge und Geschäftsführer der Aidshilfe Unna,&nbsp;sah hier einen wichtigen Bedarf und&nbsp;stieß&nbsp;vor inzwischen anderthalb Jahrzehnten ein solches Stück bei der freien Gruppe&nbsp;theaterspiel&nbsp;an. Das mobile Theater aus&nbsp;Witten&nbsp;tourte damals mit Suzanne van Lohuizens Zwei-Personen-Stück „Dossier Ronald Akermann“ über das Sterben&nbsp;eines an Aids erkrankten Mannes&nbsp;durch die Lande,&nbsp;dessen&nbsp;Aufführungen zumeist von örtlichen Aidshilfen unterstützt wurden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Bitte bloß keinen erhobenen Zeigefinger und keine Gefahrenabwehr-Pädagogik“, hatte Manuel Izdebski als Wunsch<strong> </strong>für das Stück formuliert. Wild und überbordend sollte es<strong> </strong>nach Ansicht von Beate Albrecht werden. Als die Autorin und Schauspielerin nach langem Überlegen dann die Idee für ein Konzept gefunden hatte, ging sie auch tatsächlich in die Vollen. Nichts ist langweiliger für das Zielpublikum – Schüler*innen der 7. bis 9. Klassen –, als auf der Bühne einen frontalen Aufklärungsunterricht zu erleben. Und so wird das frisch verliebte Paar auf der Bühne von Pepe Penis und Regina Vagina auf humorvolle Weise beraten. Dafür schlüpfen Darsteller*innen in entsprechende lebensgroße und quietschbunte Kostüme.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bereits über 800-mal haben die flauschigen Geschlechtsorgane quer durch die Republik über Sex gerappt. Denn auch Songs gehören zur Show. Sie sorgen für gute Laune und machen es den Jugendlichen umso leichter, sich mit den oft schambesetzten Themen auseinanderzusetzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei der Entwicklung von „LiebeLove and the Sexperts“ standen Manuel Izdebski und Pro Familia Witten beratend zur Seite. Etwa alle zwei Jahre wird das Stück überarbeitet, erklärt Beate Albrecht. Doch es geht dabei meist nur um Nuancen, etwa mit Blick auf die sich doch schnell entwickelnde Jugendsprache.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Verändert haben sich aber die Reaktionen der jungen Zuschauer*innen: „Als wir in den 2010er Jahren ‚Dossier Ronald Akermann‘ spielten, war auffällig, dass wir in den anschließenden Publikumsgesprächen über HIV und Aids sprechen konnten, aber nicht über Homosexualität.“ Das habe sich in den Jahren danach deutlich geändert. Auch die Lehrer*innen waren offener und mutiger geworden – und haben die Produktion an ihre Schulen eingeladen. Denn auch wenn Sexualunterricht auf dem Lehrplan steht, bedeutet dies natürlich noch lange nicht, dass man das Thema auch mit einer Theaterproduktion weiter vertieft. Das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales fördert deshalb alle Auftritte im eigenen Bundesland mit einem Zuschuss.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„LiebeLove and the Sexperts“ ist das politische Stück im Repertoire geworden. Ich hätte nie gedacht, dass es so kommen würde.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Beate Albrecht von theaterspiel</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch seit etwa zehn Jahren erlebt Beate Albrecht, dass sich die gesellschaftliche Stimmung verändert. Angefangen habe es bei einer Gastspieltour durch Südtirol. Ein Rechtsanwalt sei ihnen regelrecht nachgereist, um die Veranstalter*innen anzuzeigen und die Arbeit der dortigen Sexualpädagog*innen zu torpedieren. In Deutschland kommt der Widerstand von ganz unterschiedlicher Seite. Da gibt es immer wieder mal kleinere Tumulte bei Aufführungen, wenn muslimisch sozialisierte Jugendliche auf das Bühnengeschehen mit „Haram“-Rufen reagieren. Eltern wiederum versuchen zu verhindern, dass ihre Kinder sich das Stück überhaupt anschauen. Rechten Kreisen, die eine vermeintliche „Frühsexualisierung“ verhindern wollen, aber auch manchen muslimischen und evangelikalen Gruppen ist der offene Umgang mit Sexualität im Allgemeinen und Homosexualität im Besonderen ein Dorn im Auge. In einigen Gegenden in NRW, wo es große evangelikale Gemeinden unter Russlanddeutschen gibt, mussten Aufführungen deshalb abgesagt werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Politik hat darauf allerdings reagiert. In verschiedenen Bezirksregierungen ist die Teilnahme von Schüler*innen an solchen sexualpädagogischen Veranstaltungen inzwischen verpflichtend. Wenn die Eltern dies verhindern, müssen beide Elternteile eine Strafe zahlen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was bei der Uraufführung vor fünfzehn Jahren einfach nur eine kunterbunte, lebensbejahende und aufklärende Show für junge Menschen war, ist heute unerwartet zu einem politischen Stück geworden. Beate Albrecht hat mit ihrer Truppe theaterspiel bereits Stücke über Widerstand im Nationalsozialismus und rechte Gewalt auf die Bühne gebracht. „LiebeLove and the Sexperts“ aber sei nun das politische Stück im Repertoire von theaterspiel geworden, sagt sie. „Ich hätte nie gedacht, dass es so kommen würde.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sie beobachtet, dass immer mehr Lehrer*innen inzwischen davon Abstand nehmen, eine Produktion wie „LiebeLove and the Sexperts“ an ihre Schulen zu holen, um dem erwartbaren Ärger mit Eltern aus dem Weg zu gehen – auch wenn sie es pädagogisch für sinnvoll und notwendig erachten. Sexualaufklärung werde dann eben aufs Allernotwendigste reduziert, also auf die biologischen Fakten. „Damit ist das Thema abgehakt, und das war’s.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
      <div class="block block--type-core block--type-core-image block--spacing-small block--align-none">
              <div class="l-container">
          <div class="l-content-column">
            <figure class="media-image" >
    <div class="media-image__placeholder" style="--aspect-ratio:0.72201317027281;">
                <a class="media-image__link" href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2.jpg"  >
    <picture>
          <source data-srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-600x0-c-center.webp 600w 433h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-800x0-c-center.webp 800w 578h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-1000x0-c-center.webp 1000w 722h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-1200x0-c-center.webp 1200w 866h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-1400x0-c-center.webp 1400w 1011h, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-1600x0-c-center.webp 1600w 1155h" type="image/webp">
            <img loading="lazy" decoding="async" class="lazyload js-lazyload"  alt="" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" data-src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/theater-spiel_1000120_galeriedownload-2-1600x0-c-center.jpg" data-sizes="auto" width="1600" height="1155" >
  </picture>
    </a>
  <footer class="media-image__footer">
    <small class="copyright">
              Manuel Izdebski
          </small>
  </footer>

          </div>                              <figcaption class="media-image__caption"><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus „LiebeLove and the Sexperts“</figcaption></figcaption>
                            </figure>
          </div>
        </div>
          </div>
    <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Stück liefert aber offenkundig deutlich mehr. „Die haben das gut gemacht“, sagt der 14-jährige René, der eine Vorführung an der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen besuchte. „Ich fühle mich jetzt gut aufgeklärt.“ Auch der gleichaltrige Jean-Luca hat dazugelernt: „Man kriegt Informationen, die man vorher nicht wusste.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei den Aufführungen ist eine halbstündige Nachbesprechung fester Bestandteil der Gastspiele. Das Ensemble, zu dem die Zuschauer*innen durch die Handlung bereits Sympathien aufgebaut haben, sammelt Reaktionen und Eindrücke. Besondere Fragen können direkt an Expert*innen gestellt werden; meist sind es Sexualpädagog*innen örtlicher Aidshilfen wie etwa Manuel Izdebski.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Wir würden hier niemandem raten, sich zu outen. Niemandem.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Jugendlicher nach einer Schulvorstellung in Magdeburg</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was die Jugendlichen bewegt und was das Theatererlebnis bei ihnen angestoßen hat, ist von Aufführung zu Aufführung unterschiedlich und hängt auch davon ab, wie das junge Publikum zusammengesetzt ist. Beate Albrecht erlebt dabei zunehmend eine Zerrissenheit, weil die Haltungen etwa zu Homosexualität, wie sie in den Familien oder im sozialen Umfeld propagiert werden, dem eigenen inneren Kompass widersprechen, es aber immer schwieriger wird, das offen deutlich zu machen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Während der Vorstellung feiern die Jugendlichen, wenn zwei Jungs als Liebespaar zueinanderfinden. Die Realität aber ist eine andere. „Wir würden hier niemandem raten, sich zu outen. Niemandem“, sagte ein Jugendlicher im Nachgespräch bei einer Schulvorstellung in Magdeburg.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Beate Albrecht, die über die letzten Jahre hinweg diesen schleichenden Backlash deutlich beobachten konnte, ist über die Phase des Entsetzens hinweg. Sie will stattdessen „mit Lust in die Zukunft“. Es wird zwar schwieriger, Menschen zu finden, die angesichts der politischen Veränderungen die notwendige Standhaftigkeit beweisen, um gegenzuhalten und beispielsweise auch sexualaufklärerische Projekte wie „LiebeLove and the Sexperts“ zu unterstützen. „Aber wir müssen jetzt aushalten, dass uns da ein bisschen Wind um die Ohren pfeift“, gibt sich Beate Albrecht kämpferisch.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidshilfe Unna ist über die fünfzehn Jahre hinweg eine treue Partnerin geblieben. Statt den eigenen Geburtstag mit einem Festakt zu feiern, hat die Aidshilfe anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums zwei Aufführungen für Schulklassen in Unna und Bergkamen ermöglicht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-mehr-zu-liebelove-and-the-sexperts" class="wp-block-heading">Mehr zu „LiebeLove and the Sexperts“</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.theater-spiel.de/stuecke/produktion/1000120">Webseite zum Stück</a> </p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="LiebeLove and the Sexperts | Trailer" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/HP5yyj3fdj4?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/liebelove-and-the-sexperts/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>20 Jahre AGG: Ein Reförmchen zum Geburtstag</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/diskriminierung-in-deutschland-schutz-durch-das-agg/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/diskriminierung-in-deutschland-schutz-durch-das-agg/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 07:44:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[AGG]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Antidiskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560166</guid>

					<description><![CDATA[Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Menschen vor Diskriminierung schützen, doch das gelingt nur bedingt. Anka Hellauer und Kerstin Mörsch von der Kontaktstelle HIV-Diskriminierung zum AGG-Jubiläum.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph" id="h-millionen-menschen-erfahren-diskriminierung-in-deutschland-sei-es-aufgrund-ihrer-sexuellen-identitat-herkunft-behinderung-oder-auch-wegen-ihres-hiv-status-das-allgemeine-gleichbehandlungsgesetz-soll-menschen-davor-schutzen-doch-das-gelingt-nur-bedingt-anka-hellauer-und-kerstin-morsch-von-der-dah-kontaktstelle-hiv-diskriminierung-blicken-auf-20-jahre-agg-sowie-beschlossene-und-notige-reformen"><strong>Millionen Menschen erfahren Diskriminierung in Deutschland, sei es aufgrund ihrer sexuellen Identität, Herkunft, Behinderung oder auch wegen ihres HIV-Status. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Menschen davor schützen, doch das gelingt nur bedingt. Anka Hellauer und Kerstin Mörsch von der DAH-Kontaktstelle HIV-Diskriminierung blicken auf 20 Jahre AGG sowie beschlossene und nötige Reformen. &nbsp;</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, schützt Menschen vor Diskriminierung zum Beispiel aus rassistischen oder antisemitischen Gründen, aufgrund des Alters, der Religion, der sexuellen Identität, des Geschlechts oder wegen Behinderung. Auch für Menschen mit HIV ist es von besonderer Bedeutung, sagen <a href="https://hiv-diskriminierung.de/">Anka Hellauer und Kerstin Mörsch von der DAH-Kontaktstelle HIV-bedingte Diskriminierung</a>. Das AGG, das am 18. August 2006 in Kraft trat, ist eine wichtige Errungenschaft für die Gleichbehandlung aller Menschen. Aber es hat Lücken. Und es ist womöglich in Gefahr. Das AGG wurde nun reformiert, der aktuelle Entwurf vom Bundeskabinett am 6. Mai 2026 beschlossen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-diskriminierungsschutz-mit-einschrankung" class="wp-block-heading">Diskriminierungsschutz mit Einschränkung</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) war alles andere als ein Wunschprojekt der damaligen Bundesregierung. Die Europäische Kommission hatte erst mehrere Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten müssen, weil versäumt worden war, vier europäische Antidiskriminierungsrichtlinien umzusetzen. Warum taten sich die politisch Verantwortlichen so schwer damit, tatsächlich allen Menschen gleiche Behandlung zuzusichern?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Es gab seinerzeit unter anderem großen Protest vonseiten der Arbeitgeberverbände. Sie sahen riesige Klagewellen auf sich zukommen, wenn sie Bewerber*innen ablehnen, und spezialisierte Rechtsanwält*innen, die hier ein neues Geschäftsfeld für Rechtstreitigkeiten fänden. Eingetreten ist das aber keineswegs. Dennoch wurde ein ähnliches Szenario auch bei Einführung des <a href="https://www.berlin.de/sen/lads/recht/ladg/">Landesantidiskriminierungsgesetzes in Berlin</a> heraufbeschworen: Die Polizei betrachtete dieses beispielsweise als unnötig, da man sich ja ohnehin auf dem Boden des Grundgesetzes bewege. Deshalb könne es gar nicht sein, dass durch Polizeibedienstete Menschen diskriminiert würden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Grund, weshalb konservative Regierungen ein solches Gesetz im Kern ablehnen, liegt darin, dass sie die strukturelle Dimension von Diskriminierung nicht wahrnehmen oder anerkennen wollen. Von deren Warte aus handelt es sich bei Diskriminierungen stets um individuelle Fälle, die zivilrechtlich geklärt werden können. Deshalb brauche es dafür kein gesondertes Gesetz. Aber es gibt nun einmal Gruppen in dieser Gesellschaft, die aufgrund bestimmter Eigenschaften diskriminiert werden, und sie brauchen einen besonderen rechtlichen Schutz.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anka Hellauer:</strong> Hinzu kommt meines Erachtens, dass in Deutschland ein moralischer Anspruch darauf besteht, dass wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft frei von Diskriminierung leben. Die Forderung nach einer rechtlichen Ausweitung dieses Schutzes wird daher wie ein Affront aufgenommen, weil sie impliziert, dass in Deutschland nicht alle Menschen vor Diskriminierung geschützt sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-media-text block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/DAH-Anka-Hellauer.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="3791" height="5679" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/DAH-Anka-Hellauer.jpg" alt="Porträt Anka Hellauer " class="wp-image-1560178 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/DAH-Anka-Hellauer.jpg 3791w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/DAH-Anka-Hellauer-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 3791px) 100vw, 3791px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Forderung nach einer rechtlichen Ausweitung dieses Schutzes wird wie ein Affront aufgenommen, weil sie impliziert, dass in Deutschland nicht alle Menschen vor Diskriminierung geschützt sind.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>


  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anka Hellauer<br><br><em>(Foto: Thomas Schützenberger, DAH)</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
</div></div>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gibt es nun seit 20 Jahren. Wie hilft es euch in der Antidiskriminierungsstelle, Menschen zu Recht und Gleichberechtigung zu verhelfen oder gegen Diskriminierung vorzugehen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Für uns ganz entscheidend ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2013. Damit war die HIV-Infektion als Merkmal für eine Behinderung ins AGG eingezogen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was konkret besagt dieses Urteil in diesem Zusammenhang?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Es stellte fest, dass Menschen mit HIV allein aufgrund der Infektion an Teilhabe gehindert werden, weil es bei HIV eben Vorurteile oder soziales Vermeidungsverhalten gibt. Damit sind die Voraussetzungen, unter denen die UN-Behindertenkonvention den Begriff Behinderung definiert, erfüllt. Es bedarf also keines festgestellten Grad der Behinderung oder einen Behindertenausweises, um im Sinne des AGG als behindert zu gelten. Und dies gilt nicht nur im Bereich Arbeit, in dem dieses Urteil gefällt wurde, sondern für alle Bereiche, auf die sich das AGG bezieht, also auch für die zivilrechtlichen Alltagsgeschäfte. Etwas Derartiges gibt es bislang für keine andere Erkrankung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auf der Grundlage dieses Urteils kann nicht nur bei Diskriminierungen im Arbeitsleben geklagt werden. Für unsere Kolleg*innen in den Beratungsstellen vor Ort wie auch für uns in der Kontaktstelle ist das AGG ein wichtiges Gesetz geworden. Wir haben darüber hinaus im Laufe der letzten Jahre enge Kontakte zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes aufgebaut. Deren juristische Einschätzung in Diskriminierungsfällen ist für Berater*innen wie Ratsuchende sehr wertvoll.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-media-text block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<div class="wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Das BAG stellte fest, dass Menschen mit HIV allein aufgrund der Infektion an Teilhabe gehindert werden. &#8230; Das gilt für alle Bereiche, auf die sich das AGG bezieht, auch die zivilrechtlichen Alltagsgeschäfte.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>


  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Kerstin Mörsch<br><br><em>(Foto: Dirk Hetzel, DAH)</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Kerstin_Moersch.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1063" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Kerstin_Moersch.jpg" alt="Porträt Kerstin Mörsch" class="wp-image-1560180 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Kerstin_Moersch.jpg 768w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/08/Foto-Kerstin_Moersch-217x300.jpg 217w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a></figure></div>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wo sind die Grenzen des AGG? Bei welchen Problemen und Diskriminierungen greift es nicht oder nicht gut genug?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Ausgerechnet im Bereich Gesundheit, wo Menschen mit HIV besonders Diskriminierungen erfahren – bezüglich ihrer Infektion, aber auch aufgrund von „Hautfarbe“ oder Herkunft.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wo liegt das Problem?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Es ist hier juristisch nicht abschließend geklärt, ob Dienstleistungen im Gesundheitsbereich ein sogenanntes Massengeschäft darstellen oder „massengeschäftsähnlich“ sind. Daher steht rechtlich in Frage, ob das AGG anwendbar ist. Zum Beispiel, wenn Menschen in einer Zahnarztpraxis aufgrund ihrer HIV-Infektion nicht behandelt werden. Oder, was überraschend häufig vorkommt, privat bezahlte Haartransplantationen verweigert werden oder ein Aufpreis verlangt wird, weil der OP-Saal danach angeblich aufwendig desinfiziert werden müsse.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kannst du ein Beispiel dafür geben, was ein typisches Massengeschäft ist, bei dem das AGG greift?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anka Hellauer:</strong> Ein klassisches Beispiel ist der Wohnungsmarkt: Eine Wohnungsgesellschaft mit mehr als 50 Wohneinheiten – diese Größe hat der Gesetzgeber festgelegt – betreibt ein Massengeschäft. Wenn ein*e Interessent*in bestimmte Vorgaben erfüllt, steht einer Vermietung nichts im Wege. Wird die Person z. B. aufgrund ihres Alters, Geschlechts oder HIV-Status abgelehnt, könnte dies ein Fall von Diskriminierung sein, und dann greift der im AGG verankerte Diskriminierungsschutz.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn mir hingegen eine Privatperson ihre Wohnung nicht vermietet, greift das AGG nicht?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anka Hellauer:</strong> Richtig, es sei denn, die Ablehnung erfolgt aufgrund von rassistischer Diskriminierung oder – durch die nun geplante Änderung – aufgrund des Geschlechts. Rassistische Diskriminierung ist auch dann ein Verstoß gegen das AGG, wenn es sich nicht um ein Massengeschäft handelt. Bei Diskriminierung aufgrund einer Behinderung, der sexuellen Identität oder des Lebensalters ist das bisher nicht der Fall.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Wir haben den Standpunkt, dass eine Zahnarztpraxis, die eine Leistung standardmäßig anbietet – zum Beispiel die Zahnreinigung, die vielleicht 200-mal im Jahr durchgeführt wird – ein Massengeschäft darstellt. Das ist aber, wie gesagt, rechtlich nicht geklärt. Massengeschäfte sind per Definition Geschäfte ohne Ansehen der Person. Einem Schuhladen ist es egal, wer das Geschäft betritt, um sich Schuhe zu kaufen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im Gesundheitswesen aber könnte argumentiert werden, dass zwischen Ärzt*innen und Patient*innen ein besonderes Vertrauensverhältnis herrscht. Die <a href="https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Standpunkte/01_Behandlungsvertraege.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=12)">Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist allerdings bereits vor einigen Jahren zu dem Schluss gekommen</a>, dass es sich bei Gesundheitsdienstleistungen ebenfalls um ein Massengeschäft handelt. Während der Ampel-Regierung gab es tatsächlich eine Initiative, das AGG in dieser Hinsicht zu ändern. Denn das Gesundheitswesen ist leider sehr anfällig für Diskriminierungen, nicht nur für Menschen mit HIV. Aber passiert ist leider nichts.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Gesundheitswesen ist leider sehr anfällig für Diskriminierungen, nicht nur für Menschen mit HIV. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Kerstin Mörsch</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unlängst hat eine blinde Frau geklagt, weil sie von einer Reha-Anstalt abgelehnt wurde.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Wir hatten uns tatsächlich viel von diesem Urteil des Bundesgerichtshofs versprochen. Aber leider hat das Gericht gerade die Frage des Massengeschäfts im Gesundheitswesen nicht geklärt, sondern sich herausgewunden. Die Klage der blinden Frau wurde abgewiesen, weil es der Reha-Anstalt nicht zuzumuten sei, entsprechende Vorkehrungen für deren Aufenthalt zu treffen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dieses Argument würde bei einer Diskriminierung aufgrund von HIV jedoch nicht greifen. Eine Zahnarztpraxis muss keine besonderen Maßnahmen ergreifen, um HIV-positive Menschen behandeln zu können. Es genügt, die üblichen Hygienevorschriften einzuhalten – wie bei allen anderen Patient*innen auch.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Menschen, die aufgrund ihrer HIV-Infektion von Zahnärzt*innen Diskriminierung erfahren, können sich in solchen Fällen also nicht juristisch wehren?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anka Hellauer:</strong> Das schon, aber es ist völlig unklar, ob sie damit bis in die letzte Instanz tatsächlich durchkommen, also ob auch bei Gesundheitsdienstleistungen ein rechtlicher Diskriminierungsschutz besteht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir erleben zwar immer wieder, dass Menschen ihre Ansprüche geltend machen. Aber wir haben noch keinen Fall erlebt, dass jemand in der vorgeschriebenen Frist von drei Jahren dann tatsächlich auch den Klageweg bestritten hat. Der Verfahrensausgang ist überhaupt nicht einzuschätzen. Wir können diese Personen beraten, aber die Entscheidung, sich in so einen absehbar langen, unsicheren Prozess zu begeben, liegt allein bei ihnen. Und das ist ein Riesenproblem im AGG.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das liegt auch daran, dass es bisher kein Verbandsklagerecht gibt. Warum wird das verhindert?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Bislang muss immer der*die Einzelne klagen, und das wird den Betroffenen alles andere als leicht gemacht. Das Verbandsklagerecht wäre ein wirklich scharfes Schwert. Dann müssten sich die Gerichte mit der strukturellen Dimension von Diskriminierung auseinandersetzen. Davor haben konservative Regierungen Angst. Wir sehen es beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der auf juristischem Wege unsinnige Autobahnbauten oder umweltzerstörende Maßnahmen verhindern kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-die-stimme-der-antidiskriminierungsstelle" class="wp-block-heading">Die Stimme der Antidiskriminierungsstelle</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Antidiskriminierungsstelle mit ihrer Leiterin Ferda Ataman schafft eine Art Gegenöffentlichkeit und weist auf strukturelle Probleme wie antimuslimischen Rassismus hin.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Kerstin Mörsch</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das AGG soll gewissermaßen zum 20. Geburtstag ein wenig reformiert werden. Die Änderungen wurden von vielen Interessensverbänden lange angemahnt. Der Gesetzesentwurf wurde im Juni in erster Lesung im Bundestag besprochen und der <a href="https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2026/0201-0300/282-26(B).pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesrat hat eine Stellungnahme dazu beschlossen</a>. Was wird sich verbessern?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Personen, die von Diskriminierung betroffen sind, sollen vier statt wie bisher zwei Monate Zeit haben, um ihre Ansprüche nach dem AGG geltend zu machen. Außerdem soll das AGG bei Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts immer anwendbar sein, auch wenn es sich nicht um ein Massengeschäft handelt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Einige Änderungen betreffen die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. So soll sie eine Schlichtungsstelle einrichten, an die sich Menschen wenden können, um außergerichtlich zu einer Streitbeilegung zu kommen. Außerdem soll die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bei Gerichtsprozessen Menschen als Beistand vertreten können oder Stellungnahmen einreichen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das klingt nach sehr wichtigen und hilfreichen Änderungen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Entscheidend wird sein, wie dies in der Praxis aussehen wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anka Hellauer:</strong> <a href="file:///C:/Users/Anka/Downloads/Stellungnahme_RefEntw_AGG_04_2026-1.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat zu der Änderung Stellung genommen</a> und darauf hingewiesen, dass sehr viel an der künftigen personellen und finanziellen Ausstattung der Antidiskriminierungsstelle hängt. Denn bei mehr Aufgaben sind auch mehr Ressourcen notwendig. Das Institut moniert außerdem, dass die Stellungnahmen nur auf Ersuchen des Gerichts eingereicht werden können und sich nur auf grundlegende Rechtsfragen beziehen sollen. Das sind deutliche Einschränkungen einer sonst hilfreichen Änderung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bisweilen hat man das Gefühl, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zwar Stellungnahmen veröffentlichen kann, aber nur bedingt Einfluss hat. Die Politik ist ja nicht dazu verpflichtet, Vorschläge und Kritik in die Gesetzgebung und das politische Handeln auch einfließen zu lassen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Es ist überdeutlich, dass die jetzige Regierung versucht, die Arbeitsmöglichkeiten und den Einfluss der Antidiskriminierungsstelle kleinzuhalten. Dem Förderprojekt „Respekt.Land“, über das landesweit lokale und regionale Antidiskriminierungsstellen aufgebaut bzw. bezuschusst werden konnten, wurde mit Jahresbeginn eingestellt. Auch beim Bundesprogramm „Demokratie leben“ wurde der Rotstift angesetzt, wodurch wichtige Präventionsprojekte in ihrer Existenz bedroht sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst unter diesen Bedingungen macht die Antidiskriminierungsstelle mit ihrer Leiterin Ferda Ataman eine gute und wichtige Arbeit; auch weil sie eine Art Gegenöffentlichkeit schafft und auf <a href="https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/aidshilfe-bleibt-stabil-auch-gegen-antimuslimischen-rassismus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">strukturelle Probleme wie antimuslimischen Rassismus </a>hinweist. Die Antidiskriminierungsstelle gibt dadurch auch jenen Menschen eine Stimme, denen ihre Diskriminierungserfahrungen im Alltag immer wieder abgesprochen werden. Sie belegt etwa durch Umfragen, dass bestimmte Diskriminierungen eben keine Einzelfälle sind, sondern die Dimension von gesellschaftlicher Ausgrenzung einnehmen. Wir sehen es gerade bei der Kritik der Bundesdatenschutzbeauftragten an den geplanten Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes: Es ist wichtig, an einer staatlichen Stelle eine Person zu haben, die in solchen Fällen widersprechen und eine Diskussion dazu anstoßen kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Erosion der Demokratie hat bereits begonnen, wie man bei der Abschaffung von „Respektland!“ und der Bedrohung von „Demokratie leben!“ sehen kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Anka Hellauer</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Den klassisch konservativen Parteien war das Gleichbehandlungsgesetz immer ein Dorn im Auge, weil sie dadurch unter anderem die Wirtschaft gefährdet sahen. Die AfD möchte es am besten gleich ganz abschaffen. Wie gefährdet ist das Gesetz, wenn sich in den Parlamenten die Mehrheiten entsprechend verschieben?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Das AGG ist ein Bundesgesetz, es wurde auf Bundesebene beschlossen und gilt deutschlandweit. Mit entsprechenden Mehrheiten kann es selbstverständlich auch geändert werden. Dazu muss die AfD nicht einmal an die Macht kommen. Es genügt eine Diskursverschiebung, wie wir sie in den letzten Jahren auf so vielen Feldern bereits erleben konnten. Bei rechten und rechtsextremen Parteien ist die Diskriminierung von Minoritäten programmatisch. Sie haben also kein Interesse, diese Gruppen zu Wort kommen zu lassen oder ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen sie die ihnen zustehenden Rechte einklagen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anka Hellauer:</strong> Wir müssen tatsächlich befürchten, dass bei einer entsprechenden Regierungskonstellation das Gesetz abgeschafft wird. Die Erosion der Demokratie hat bereits begonnen, wie man bei der Abschaffung von „Respektland!“ und der Bedrohung von „Demokratie leben!“ sehen kann. Denn mit Akteur*innen, die nicht mehr gefördert werden, fallen auch wichtige Kooperationspartner*innen weg und die zivilgesellschaftliche Landschaft wird dadurch insgesamt kleiner. Das ist gerade in einer Situation, in der Rechtsextreme immer stärker werden, umso gefährlicher. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns als Demokrat*innen dagegen wehren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zugleich erleben wir in der Beratung, dass die Menschen inzwischen auch ein deutliches Gespür gewonnen haben, wenn sie Diskriminierung erleben, und sie das nicht mehr einfach hinnehmen wollen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie stark Menschen sind und sagen: „Nein, das lass ich mir nicht gefallen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Mörsch:</strong> Wir haben in vielen unserer DAH-Mitgliedsorganisationen quer durchs Land fitte und geschulte Leute, die sie im Diskriminierungsfall beraten können, und die Menschen nehmen diese Angebote auch mehr und mehr wahr. Auch die Mitarbeitenden in den Aidshilfen haben das Thema Diskriminierung auf dem Schirm. Wir sind gut vernetzt, um uns gegenseitig zu unterstützen. Wir haben diese Struktur noch, und wir sollten sie bestmöglich nutzen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-mehr-zum-agg" class="wp-block-heading">Mehr zum AGG</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="5c7Ng5MlTE"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gleichbehandlung-ist-ein-gewinn-fuer-uns-alle/">„Gleichbehandlung ist ein Gewinn für uns alle“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Gleichbehandlung ist ein Gewinn für uns alle““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gleichbehandlung-ist-ein-gewinn-fuer-uns-alle/embed/#?secret=RRoTK74Zzc#?secret=5c7Ng5MlTE" data-secret="5c7Ng5MlTE" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="PRvLFRegyM"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gleiche-rechte-fuer-alle/">Gleiche Rechte für alle</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Gleiche Rechte für alle“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/gleiche-rechte-fuer-alle/embed/#?secret=IxengxcxIl#?secret=PRvLFRegyM" data-secret="PRvLFRegyM" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/diskriminierung-in-deutschland-schutz-durch-das-agg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>“Governments make decisions about lives like mine”</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/governments-make-decisions-about-lives-like-mine/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/governments-make-decisions-about-lives-like-mine/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastbeitrag]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2026 18:28:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[trans]]></category>
		<category><![CDATA[Welt-Aids-Konferenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560151</guid>

					<description><![CDATA[HIV and trans activist Erika Castellanos spoke on behalf of the community at the opening press conference of the International AIDS Conference. We are publishing her powerful speech in full.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>HIV and trans activist Erika Castellanos spoke on behalf of the community at the opening press conference of the International AIDS Conference. We are publishing her speech in full.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;It is always impossible to speak after Erika,&#8220; a fellow panelist remarked recently at an event hosted by the Konrad Adenauer Foundation in New York City, reflecting on the powerful and deeply moving words of the speaker before her. On 27 July 2026, Erika Castellanos took the stage at the opening press conference of the International AIDS Conference in Rio de Janeiro, representing the community perspective. Once again, she found words that were both compelling and unforgettable.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Below, we publish the full remarks of the HIV and trans activist and Executive Director of GATE (Global Action for Trans Equality). Castellanos is from Belize, a country on the eastern coast of Central America.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">I am the Executive Director of GATE. I am from Belize. I am 50 years old. And just that is a success in my life and in the story of many trans people.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">I’m speaking first as a mother, a daughter, a sister, a wife, a trans woman who has lived with HIV since 1995. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Science did not fail those people. Politics did.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">I have lived through more than 30 years of promises, breakthroughs and funerals. I have watched medicines transform HIV from a death sentence into a manageable health condition. But I have also watched people die while those medicines existed. I have watched many of my friends die while those medicines existed.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Science did not fail my friends. Science did not fail those people. Politics did.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Survival is determined by a healthcare system recognizing our humanity, a government considering our lives worth protecting, and a world that is willing to pay the cost of keeping us alive.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">I know what it means to enter systems that were never designed with people like me in mind. Will my name be respected? Will my body be judged? Will I be humiliated? Will I be safe? Will I receive care at all?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">This was not an earthquake or a natural disaster. The funding was cut.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Today, we are told that funding for the global HIV response has “plunged” by 25% in one year. But funding did not fall by itself. This was not an earthquake or a natural disaster. The funding was cut.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">The United States made a political decision to withdraw support. Other wealthy donor governments made political decisions not to step forward. These decisions have consequences. A clinic closing, an outreach worker losing their job, and life-saving medicine becoming unavailable.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">By telling communities to be resilient, what is really being asked is that we survive abandonment. When funding disappears, services for trans people, sex workers, gay and bisexual men, people who use drugs, migrants and other criminalized communities and women and young girls are treated as expendable.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Human rights are fundamental to the infrastructure of the HIV response.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">I am alive today because of science, activism and community.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">I am alive today because of science, activism and community. People like me survived because communities organized, because we organized care for one another, challenged governments and refused to disappear. I am here today because the IAS has committed to bringing science closer to everyone, because UNAIDS continues to provide the global political leadership that is required, and because funders like the Global Fund gave me the opportunity to stay alive and make a difference.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">So, I say this directly:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Fund this response like lives depend on it &#8211; because they do. People living with HIV are not a line item in a report. We are the ones holding this response together while decisions are made far from their consequences. It is time to change that.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Let us be in the room when the decisions are made, not informed of them afterward. And if governments choose not to act, they should at least have the courage to call that choice what it is: a decision about whose lives they think are expendable.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Lives like my one.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Thank you.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/governments-make-decisions-about-lives-like-mine/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Regierungen entscheiden über Leben wie meines“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/regierungen-entscheiden-ueber-leben-wie-meines/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/regierungen-entscheiden-ueber-leben-wie-meines/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastbeitrag]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2026 14:17:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Community]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[trans]]></category>
		<category><![CDATA[Welt-Aids-Konferenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560116</guid>

					<description><![CDATA[Die HIV- und Trans-Aktivistin Erika Castellanos sprach bei der Eröffnungspressekonferenz der Welt-Aids-Konferenz für die Community. Wir dokumentieren ihre beeindruckende Rede im Wortlaut.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die HIV- und Trans-Aktivistin Erika Castellanos sprach bei der Eröffnungspressekonferenz der Welt-Aids-Konferenz für die Community. Wir dokumentieren ihre Rede im Wortlaut.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist immer unmöglich, nach Erika zu sprechen“, sagte kürzlich eine Diskussionsteilnehmerin bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in New York City, beeindruckt von den treffenden und berührenden Worten ihrer Vorrednerin. In Rio de Janeiro saß Erika Castellanos am 27. Juli 2026 bei der Eröffnungspressekonferenz der Welt-Aids-Konferenz auf dem Podium, um die Community-Perspektive zu vertreten. Und wieder fand sie einzigartige Worte. Wir dokumentieren hier den Redebeitrag der HIV- und Trans-Aktivistin und Geschäftsführenden Direktorin der Organisation GATE („Global Action for Trans Equality“). Sie stammt aus Belize, einem Land an der Ostküste Mittelamerikas.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin die Geschäftsführende Direktorin von GATE. Ich bin aus Belize. Ich bin 50 Jahre alt. Und allein das ist schon ein Erfolg in meinem Leben und in der Geschichte vieler trans Menschen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heute spreche ich vor allem als Mutter, Tochter, Schwester, Ehefrau und als trans Frau, die seit 1995 mit HIV lebt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht die Wissenschaft hat diese Menschen im Stich gelassen. Es war die Politik.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mehr als 30 Jahre voller Versprechen, Durchbrüche und Beerdigungen erlebt. Ich habe gesehen, wie Medikamente HIV von einem Todesurteil zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung gemacht haben. Aber ich habe auch erlebt, wie Menschen starben, obwohl diese Medikamente längst verfügbar waren. Ich habe viele meiner Freund*innen sterben sehen, als es diese Medikamente schon gab.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nicht die Wissenschaft hat diese Menschen im Stich gelassen. Es war die Politik.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ob wir überleben, hängt davon ab, ob ein Gesundheitssystem unsere Menschlichkeit anerkennt, ob eine Regierung unser Leben für schützenswert hält und ob die Welt bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, uns am Leben zu erhalten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, wie es sich anfühlt, in ein System zu kommen, das nie für Menschen wie mich geschaffen wurde.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wird mein Name respektiert? Wird mein Körper verurteilt? Werde ich gedemütigt? Bin ich sicher? Werde ich überhaupt medizinisch versorgt?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Heute hören wir, dass die Finanzierung der globalen HIV-Bekämpfung eingebrochen ist. Doch diese Finanzierung ist nicht von selbst verschwunden. Es war weder ein Erdbeben noch eine Naturkatastrophe. Die Mittel wurden gekürzt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es war weder ein Erdbeben noch eine Naturkatastrophe. Die Mittel wurden gekürzt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinigten Staaten haben eine politische Entscheidung gefällt, ihre Unterstützung zurückzuziehen. Andere wohlhabende Geberländer haben sich politisch dagegen entschieden, diese Lücke zu schließen. Diese Entscheidungen haben Konsequenzen: Gesundheitszentren müssen schließen, aufsuchende Sozialarbeiter*innen verlieren ihre Arbeit und lebensrettende Medikamente werden unzugänglich.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wenn Communitys aufgefordert werden, resilient zu sein, bedeutet das in Wahrheit, dass wir überleben sollen, wenn man uns zurücklässt. Wenn finanzielle Mittel wegfallen, werden Angebote für trans Menschen, Sexarbeiter*innen<em>, </em>schwule und bisexuelle Männer, Drogen konsumierende Menschen, Migrant*innen, andere kriminalisierte Gemeinschaften sowie Frauen und junge Mädchen als verzichtbar behandelt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Menschenrechte sind ein grundlegender Pfeiler für die Infrastruktur der HIV-Bekämpfung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich lebe heute, weil es Wissenschaft, Aktivismus und solidarische Communitys gibt. Menschen wie ich haben überlebt, weil Communitys sich organisiert, füreinander gesorgt, Regierungen herausgefordert und sich geweigert haben zu verschwinden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich lebe heute, weil es Wissenschaft, Aktivismus und solidarische Communitys gibt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich stehe heute hier, weil sich die IAS (die Internationale AIDS-Gesellschaft, Veranstalterin der Welt-Aids-Konferenz, Anm.d.Red.) dafür einsetzt, wissenschaftliche Errungenschaften allen Menschen zugänglich zu machen. Weil UNAIDS weiterhin die globale politische Führung übernimmt, die wir brauchen. Und weil Geldgeber wie der Globale Fonds mir die Chance gegeben haben, am Leben zu bleiben und etwas zu bewirken.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deshalb sage ich ganz deutlich: Finanzieren Sie die HIV-Bekämpfung so, als hingen Menschenleben davon ab – denn genau so ist es.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit HIV sind keine Auftragsposition in einem Bericht. Wir sind diejenigen, die die Maßnahmen gegen die Epidemie zusammenhalten, während Entscheidungen weit entfernt von den Orten getroffen werden, an denen ihre Folgen spürbar sind. Es ist Zeit, das zu ändern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Lassen Sie uns mit am Tisch sitzen, wenn Entscheidungen getroffen werden – statt uns erst danach darüber zu informieren. Und wenn Regierungen sich entscheiden, nicht zu handeln, sollten sie wenigstens den Mut haben, diese Entscheidung als das zu benennen, was sie ist: eine Entscheidung darüber, wessen Leben sie für entbehrlich halten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Leben wie meines.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Danke.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/regierungen-entscheiden-ueber-leben-wie-meines/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„HIV im Strafvollzug ist auch ein politisches Thema“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/haftarbeit-aidshilfe-interview-haeussler-wiessner/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/haftarbeit-aidshilfe-interview-haeussler-wiessner/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastbeitrag]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2026 13:50:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe bleibt stabil]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfen]]></category>
		<category><![CDATA[Haftarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention in Haft]]></category>
		<category><![CDATA[Strafvollzug]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560091</guid>

					<description><![CDATA[Im Interview lassen Ute Häußler und Peter Wiessner die Aidshilfearbeit in Haft in Bayern und darüber hinaus lebendig werden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Interview lassen Ute Häußler und Peter Wiessner die Aidshilfearbeit in Haft lebendig werden.*<br></strong><br><em>Mit der Kampagne<a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/"> #AidshilfeBleibtStabil</a> setzen wir als Deutsche Aidshilfe ein klares Zeichen gegen den wachsenden Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit. </em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ute und Peter, ihr habt die Anfänge der Arbeitsgemeinschaft Aids und Haft (jetzt AG HIV und Haft) in Bayern miterlebt. Wann und wie kam es zur Gründung der AG?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter: Nachdem ich ab September 2001 in der Beratungsstelle der Münchner Aidshilfe mit dem Arbeitsschwerpunkt Haft begonnen hatte, suchte ich den Austausch mit bayerischen Aidshilfe-Kolleg*innen, die ebenfalls in dem Bereich arbeiteten. Der Arbeitsbereich Haft war für mich neu, der Austausch war mir auch deshalb sehr wichtig.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Schnell wurde mir dabei deutlich, dass das Thema „Aids in Haft“ neben all den psychosozialen Fragen und Notlagen vor allem auch politische Fragen berührt. Der psychosoziale Austausch, den die Treffen mit Kolleg*innen boten, war wichtig, aber bei Weitem nicht genug.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nach einem Treffen der Bundesarbeitsgemeinschaft Haft – ein Austauschformat, zu dem Bärbel Knorr von der Deutschen Aidshilfe regelmäßig bundesweit einlud – entstand die Idee zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Aids und Haft in Bayern. Das erste Treffen dieser AG, das ich im Auftrag der Münchner Aidshilfe initiiert hatte, muss dann im ersten Halbjahr 2002 stattgefunden haben, kurz bevor Ute dazukam. Von Anfang an dabei waren Kolleg*innen der Aidshilfen Augsburg, Memmingen, Nürnberg, München und der Bayerischen Aids-Stiftung. Der Versuch, auch die in der Haftarbeit tätigen Aids-Beratungsstellen in Bayern zu integrieren, ist uns dagegen leider nicht gelungen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ein bis heute fortwäh­rendes Thema in Haft [ist der] Schutz vor Diskriminierung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Peter Wiessner</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ute: Ich habe im Juli 2002 bei der Augsburger Aidshilfe angefangen. Meine Vorgängerin hatte noch das erste Treffen besucht. Da in jeder Aidshilfe, die Haftarbeit anbietet, nur eine Person dafür zuständig ist, war der Wunsch nach Austausch und gegenseitiger Unterstützung groß. Schnell wurde klar, dass die dicken Mauern der Haftanstalten auch für uns eine schwierige Barriere darstellen und wir ohne politische Arbeit wenige Erfolge erzielen werden. Da die AG kaum von Personalwechsel betroffen war, hat sie sich in kürzester Zeit zu einem Ort der Inspiration und Schlagkraft entwickelt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie war damals die Situation für Menschen mit HIV in bayerischen Haftanstalten? Welche Themen waren in dieser Zeit wichtig?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ute: Damals und heute ist Vieles gleich geblieben: schwieriger Zugang zu Kondomen, kein Zugang zu sterilen Konsumutensilien, fehlender Krankenversicherungsschutz bei Entlassung. Wer arbeitet, zahlt nicht in seine Rentenversicherung ein. Diese Liste könnte man beliebig fortsetzen. Ein Thema von damals war die Verurteilung HIV-positiver Menschen wegen unge­schütztem Geschlechtsverkehr, ohne den*die Partner*in über die Infektion zu informieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter: Neben den unzureichenden Schutzmöglichkeiten war es in vielen Beratungssituationen vor allem auch die persönliche Situation der Gefangenen, die Herausforderungen an uns stellte: Welche Unterbringungsmöglichkeiten und Unterstüt­zungsmaßnahmen gibt es nach Entlassung, vor allem dann, wenn kein soziales Netzwerk vorhanden ist? Eine Kooperation mit unterschiedlichen Einrichtungen – manchmal auch aus anderen Bundesländern – war hier wichtig. Natürlich musste auch die Fortführung der HIV-Therapie sichergestellt sein; im Einzelfall war das gar nicht so einfach.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ein bis heute fortwäh­rendes Thema in Haft war schon damals der Schutz vor Diskriminierung: Häftlinge mit HIV haben ihre Infektion oft aus gutem Grund verborgen, nur die wenigsten konnten mit ihrer Infektion selbstbewusst umgehen, ohne Angst vor anderen Gefangenen haben zu müssen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Fragen der medizinischen Versorgung in Haft standen bei vielen der mit uns in Kontakt stehenden Gefangenen im Mittelpunkt. Wir versuchten dann in der Rolle als Mittler*innen im Ge­spräch mit den Anstaltsärzt*innen das Beste für die Gefangenen herauszuholen, haben Informationen geliefert und die Behandlung in Haft unterstützt, manchmal auch hinterfragt: Ab wann zum Beispiel ist eine chronische Hepatitis C als HIV-Ko-Infektion dringend behandlungsbedürftig? Kann bis zur Haftentlassung abgewartet werden, sodass die Behandlung von den Krankenkassen und nicht vom knappen Etat der Haftanstalten bezahlt werden muss? Ab wann ist eine Konsultation der Gefangenen bei HIV-Schwerpunktärzt*innen dringend erforderlich? In welchen Situationen stellt eine HIV-Infektion ein Abschiebehindernis dar? Solche und ähnliche Fragen gehörten zum „täglichen Brot“ unserer Haftarbeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Jahren unserer Tätigkeit wurde die Haftarbeit durch die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS) erleichtert. Sie bezuschusste jede*n HIV-positive*n Gefangene*n mit dem geringen Betrag von 30 Euro im Monat für Zusatzernährung. Zur Kontaktaufnahme zu den Gefangenen hat es sich als Türöffner erwiesen. Bedauerlicherweise hat die DAS ihre Unterstützung in den ersten Jahren nach der Gründung der Arbeitsgemeinschaft eingestellt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres wichtiges Thema war die im 2006 vollzogene Gesetzesnovelle, nach der die Zuständigkeit für die Situation in Haft vom Bund auf die Bundesländer übertragen wurde. Da sich Bayerns Regierungspartei auf Bundesebene gerne als besonders hart und durchgreifend darstellt, befürchteten wir, dass dies die Situation von Häftlingen in Bayern weiter verschlechtern könnte. Unser Appell „Schäbigkeitswettlauf vermeiden“ an Landespolitiker*innen zur Bewahrung der Gesetzgebungskompetenz des Bundes beim Strafvollzug blieb leider erfolglos.<strong></strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gab es bei aller Schwere und Ernsthaftigkeit der Problemlagen auch lustige Anekdoten?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ute: Bei der Frage muss ich lange nachdenken und dann schmunzeln: Nein, gab es nicht. Haftarbeit ist schwer und ernst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter: Was wir hier zu berichten haben, hört sich schwer, manchmal auch dramatisch an. Trotzdem gab es immer auch Situationen, die erfüllend und irgendwie doch zufriedenstellend waren – dies sowohl mit Gefangenen als auch im Kontakt mit den Justizvollzugsbeamt*innen, den medizinischen oder den psychosozialen Diensten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gab Situationen, in denen Haltungsfragen und Grenzen zwischen uns als – von außen kommenden – Aidshilfemitarbeiter*innen und den im Vollzug tätigen Kräften deutlich wurden. Ich denke an eine Mitarbeiterin des psychosozialen Dienstes im Vollzug, die liebevoll von „ihren Giftlern“ gesprochen hat; eine Bezeichnung, die ich nie wählen würde. Deutlich wird hier aber, dass jenseits von Sprache und Haltung manchmal eine Basis gefunden werden kann, auf der eine persönliche Begegnung und ein Austausch zum Wohl der Gefangenen möglich wurden. Das ist viel und manchmal kann man dabei schmunzeln.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wirklich lustig und erfrischend war es, wie wir unsere Kondombefragung in bayerischen Haftanstalten eingetütet haben. Auf eine Anfrage im Justizministerium, wie viele Kondome in den Haftanstalten Bayerns verteilt werden, erhielt wir die folgende, etwas genervt-unwillige Bemerkung der Mitarbeiterin: „Ja, wenn sie schon so gute Kontakte zu den Ärzten in Haft haben, dann fragen sie die doch einfach.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Jenseits von Sprache und Haltung kann manchmal eine Basis gefunden werden &#8230;, auf der eine persönliche Begegnung und ein Austausch zum Wohl der Gefangenen möglich werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Peter Wiessner</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bingo! Wir nutzten das als Steilvorlage und schickten unseren vorbereiteten Fragebogen an alle 36 Haftanstalten in Bayern mit dem Vermerk der offiziellen Unterstützung durch das bay­erische Justizministerium. Aus dem Anschreiben: „Wir sind mit dem Bayerischen Justizministerium im regen Austausch. Dabei ist uns und Mitarbeiter*innen des Bayerischen Justizvollzugs aufgefallen, dass es hinsichtlich der Vergabe von Kondomen an Gefangene kaum verlässliche Informationen gibt. Weder die Anzahl der vergebenen Kondome ist bekannt noch herrscht Klarheit über die genaue Vergabepraxis. Da Kondome eine wichtige Schutzmöglichkeit gegen HIV und Hepatitiden darstellen, haben wir auf Anregung von Mitarbeiter*innen des Justizministeriums einen Fragebogen entworfen, mit dem wir diese Wissenslücke schließen möchten. Wir bitten Sie darum, den beiliegenden Fragebogen auszufüllen und bis spätestens zum 1. November 2006 an uns zurückzuschicken. Ein frankier­ter Umschlag liegt bei. Selbstverständlich werden wir Sie über die Ergebnisse dieser Befragung informieren.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für mich war das eine der besten Aktionen, die wir im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft durchgeführt haben. Natürlich haben wir die erschreckenden Ergebnisse gut ausgewertet, ironisch kommentiert und mit dem Ministerium geteilt: <a href="https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/politik/detailansicht-politik/artikel/43-kondome-fuer-13-000-maenner.html#topPosition" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zwischen 2003 und 2005 wurden im bayerischen Strafvollzug jährlich durchschnittlich 42,6 Kondome an insgesamt 7.230 Gefangene ausgegeben. </a>An der Erhebung beteiligten sich 18 Haftanstalten: In lediglich vier Einrichtungen wurden tatsächlich Kondome verteilt, während 14 Anstalten im gesamten Zeitraum kein einziges Kondom an Gefangene ausgaben. Umgerechnet bedeutet dies: Nur etwa jeder 170. Gefangene erhielt im Laufe eines Jahres ein Kondom zum persönlichen Schutz. Was für ein erstaunlicher Beitrag des bayerischen Strafvollzugs zur HIV-Prävention!</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Erfolge hat die AG im Laufe der Jahre erzielt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ute: Es gab zwei eingereichte Petitionen, die Erfolg hatten. Aufgehoben wurde das Sportverbot im Fitnessraum für HIV- und Hepatitis-C-positive Häftlingen. Ebenso musste 2015 die Verwaltungsvorschrift „HIV-positive Häftlinge dürfen nicht in der Küche oder in anderen Bereichen mit Verletzungsgefahr arbeiten“ aufgehoben werden. Verletzungsträchtige Arbeit ist zum Beispiel Frisör*in.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der sofortige Entzug der Substitution bei Haftantritt, ohne das Medikament auszuschleichen, ist wahrlich eine unmenschliche Behandlung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Ute Häußler</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der größte Erfolg jedoch war die Klage eines Häftlings mit HIV und Hepatitis, der 40 Jahre seines Lebens immer wieder drogenabhängig und in Freiheit zwei Jahrzehnte lang vor seiner Inhaftierung substituiert war und dem die Drogenersatztherapie bei Haftantritt und ohne Überprüfung durch eine sachverständige Person vom Anstaltsarzt gestrichen wurde. Unterstützt wurde der gesamte Klageweg von der AG Haft, der Deutschen Aidshilfe und dem engagierten Rechtsanwalt Florian Haas und weiteren Mitkämpfer*innen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Klage begann 2011 und durchlief alle Instanzen vom Amtsgericht über das Oberlandesgericht und den Bundesgerichtshof, bis 2016 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte entschieden wurde, dass es nötig gewesen wäre, eine*n unabhängige*n und in Substitution erfahrene*n Mediziner*in außerhalb der Gefängnismauern als Sachverständige*n hinzuzuziehen. Artikel 3 der Menschenrechtskonvention besagt, dass niemand unmenschlicher Behandlung unterworfen werden darf. Der sofortige Entzug der Substitution bei Haftantritt, ohne das Medikament auszuschleichen, ist wahrlich eine unmenschliche Behandlung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auf magazin.hiv erschien dazu am 1.9.2016 ein Artikel mit der Überschrift „<a href="https://magazin.hiv/magazin/neuigkeiten/urteil-des-europaeischen-gerichtshofs-fuer-menschenrechte-staerkt-das-recht-auf-substitution-in-haft/">Eine schallende Ohrfeige für den bayrischen Vollzug</a>“. Das sagt doch alles.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin musste der Abstinenzgedanke in bayerischen Haftanstalten neu gedacht und verändert werden, sodass heute in den meisten Haftanstalten in Bayern substituiert wird. Der klagende Häftling war bei Urteilsspruch schon längst entlassen und ist leider vor ein paar Jahren verstorben. Wir verdanken ihm viel. Dass die AG Haft so eng an einer so weitreichenden Entscheidung beteiligt war, die ganz Bayern betrifft und den bayrischen Strafvollzug nachhaltig verändert, macht richtig stolz.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter: Ich bin bis zu meinem Wegzug aus München bis 2008 in der AG AIDS und Haft aktiv gewesen. Es ist gut zu sehen, wie diese gemeinsame Initiative über die Jahre hinweg greifbare Erfolge erzielt hat. Das Wichtigste ist vielleicht, dass wir durch die kontinuierliche politische und psychosoziale Arbeit im Vollzug als ernst zu nehmende Begleiter*innen wahrgenommen wurden und uns sowohl im Justizministerium als auch bei den medizinischen und psychosozialen Diensten im Vollzug Respekt verschaffen konnten. Die Begegnungen waren sicher nicht immer auf Augenhöhe, haben aber für die durch uns be­gleiteten Gefangenen an der einen oder anderen Stelle Positives bewirken können und die Situation in kleinen Schritten verändert. Ohne die Arbeitsgemeinschaft wäre dies so nicht möglich gewesen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was bleibt aus eurer Sicht noch zu tun? Was möchtet ihr den jüngeren Kolleg*innen mit auf den Weg geben?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Peter und Ute gemeinsam: Die Arbeit im Vollzug ist durchaus interessant. Sie vermittelt Einblicke in ein System, die man nirgendwo sonst erhalten könnte. Manchmal eröffnen sie auch Handlungsspielräume in Bezug auf die Eröffnung von Möglichkeiten für Gefangene. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Die Arbeit im Vollzug kann lohnend sein. Die Gründung unserer Arbeitsgemeinschaft hat sicher dazu beigetragen, das Thema HIV im Vollzug auf der Agenda zu halten. Die Gründung hat unsere Arbeit bereichert und diese leichter gemacht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wenn es etwas gibt, was wir mit auf den Weg geben können, dann wäre es die Anregung, sich zusammenzuschließen und das Thema HIV im Vollzug auch als politisches Thema zu begreifen. Es wird zu keinen revolutionären Ergebnissen kommen. Die Themen sind heute den Themen von vor 20 Jahren sehr ähnlich: Nach wie vor wird die Frage der Substitution in Haft nicht anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern entlang parteilicher Ideologien aufgefasst, noch immer gibt es Kondome nicht überall frei zugänglich, nach wie vor werden nicht alle Häftlinge mit einer chronischen Hepatitis C therapiert, von dem gesetzlichen Anspruch, dass die medizinische Versorgung in Haft der Versorgung außerhalb gleichgestellt sein müsse, sind wir immer noch weit entfernt. Es sind politische Entscheidungen, die dies begünstigen und verschleiern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Trotz allem: Es ist lohnend, sich damit zu beschäftigen. Und wer sollte diese Arbeit tun, wenn nicht wir?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>*Dieser für magazin.hiv leicht angepasste Beitrag erschien zuerst in der <a href="https://www.aidshilfe-nuernberg.de/system/files/document/DR_1-2026_Screen_NEU_1.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ausgabe Sommer 2026 von „denkraum“</a>, dem Magazin der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth. Wir danken dem Interviewer Manfred Schmitdt und den Interviewten Ute Häußler und Peter Wiessner herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Interviewer: <a href="https://www.aidshilfe-nuernberg.de/de/vorstand-0">Manfred Schmidt, Fachvorstand der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth</a></em> </p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em><a href="https://augsburg.aidshilfe.de/de/team" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ute Häußler ist Geschäftsführerin der Aidshilfe Augsburg</a> und arbeitet dort zudem in den Bereichen Beratung, Begleitung und Eingliederungshilfe.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em><a href="https://www.aids-kampagne.de/aktuelles/2025-10-06-health-equity-me-peter-wiessner" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Peter Wiessner</a> ist seit 2014 Referent für Advocacy- und Öffentlichkeitsarbeit beim Aktionsbündnis gegen AIDS.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
    <div class="l-container">
              <div class="l-content-column block-content">
          
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>

        </div>
          </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Beiträge auf magazin.hiv zum Thema Gesundheit in Haft (Auswahl)</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“ (magazin.hiv, 14.4.2026)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="2ERYpnZJMd"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/">Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Lichtblick im Gefängnisalltag: „Gesundheit in Haft““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesundheit-in-haft/embed/#?secret=7ZtCz8NJ9Q#?secret=2ERYpnZJMd" data-secret="2ERYpnZJMd" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssten ihr zu Ehren einen Preis ausloben“ (Beitrag aus der Reihe „Erinnern und Gedenken“ zu Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit; magazin.hiv, 1.2.2024)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="jExVAWEFYL"><a href="https://magazin.hiv/magazin/peschel-gutzeit-wir-muessten-ihr-zu-ehren-einen-preis-ausloben/">„Wir müssten ihr zu Ehren einen Preis ausloben“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Wir müssten ihr zu Ehren einen Preis ausloben““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/peschel-gutzeit-wir-muessten-ihr-zu-ehren-einen-preis-ausloben/embed/#?secret=6mhBUU6bxL#?secret=jExVAWEFYL" data-secret="jExVAWEFYL" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Letztlich empfahl der Anstaltsarzt meinem Bruder, sich im Hof Drogen zu besorgen“ (magazin.hiv, 14.6.2021)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="RSwfE5qkHm"><a href="https://magazin.hiv/magazin/drogen-haft-substitution-claudia-jaworski/">„Letztlich empfahl der Anstaltsarzt meinem Bruder, sich im Hof Drogen zu besorgen“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Letztlich empfahl der Anstaltsarzt meinem Bruder, sich im Hof Drogen zu besorgen““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/drogen-haft-substitution-claudia-jaworski/embed/#?secret=5UxB5FtAja#?secret=RSwfE5qkHm" data-secret="RSwfE5qkHm" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Warum Menschen sich in Haft mit Hepatitis C infizieren (magazin.hiv, 4. Juli 2019)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="THrskAS2N2"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/knast-hepatitis-c/">Warum Menschen sich im Knast mit Hepatitis C infizieren</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Warum Menschen sich im Knast mit Hepatitis C infizieren“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/knast-hepatitis-c/embed/#?secret=eERJP4PY2v#?secret=THrskAS2N2" data-secret="THrskAS2N2" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Das Gefängnis soll das Recht durchsetzen und es nicht brechen“ (magazin.hiv, 28.4.2019)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-embed block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="ZeyApvZ1Mw"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hepatitis-c-behandlung-gefaengnis-montpellier/">„Das Gefängnis soll das Recht durchsetzen und es nicht brechen“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Das Gefängnis soll das Recht durchsetzen und es nicht brechen““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/hepatitis-c-behandlung-gefaengnis-montpellier/embed/#?secret=ePD0X6iLs6#?secret=ZeyApvZ1Mw" data-secret="ZeyApvZ1Mw" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
</div></figure>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/haftarbeit-aidshilfe-interview-haeussler-wiessner/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Es braucht ein bisschen Mut für außergewöhnliche Lösungswege“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/dille27-drogenkonsumraum-koeln-selbsthilfe/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/dille27-drogenkonsumraum-koeln-selbsthilfe/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2026 12:32:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[DILLE27]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenkonsumraum]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenselbsthilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Vision e.V.]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560079</guid>

					<description><![CDATA[Ende Mai 2026 hat in Köln mit der DILLE27 der weltweit erste Drogenkonsumraum in Trägerschaft einer Selbsthilfeorganisation eröffnet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende Mai 2026 hat in Köln die <a href="https://www.vision-ev.de/angebote/drogenkonsumraum/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DILLE27</a> eröffnet. Es ist der weltweit erste Drogenkonsumraum in Trägerschaft einer Selbsthilfeorganisation, des Kölner Vereins <a href="https://www.vision-ev.de/verein/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">VISION e.V.</a></strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der offizielle Name – DILLE27 – gibt Außenstehenden zunächst Rätsel auf. Er ist aber schlicht die Kurzform der Adresse Dillenburger Straße 27 in Kalk, einem Kölner Bezirk, der als Brennpunkt von Kriminalität, Drogenhandel und -konsum immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat. Bereits seit 2008 konnte der Verein für innovative Drogen(selbst)hilfe VISION e.V. in unmittelbarer Nähe auf einem großen Freigelände in der Neuerburgstraße einen Containerbau errichten, in dem neben Büros eine Anlauf- und Kontaktstelle untergebracht ist. Nun können in der DILLE27 mitgebrachte Drogen in einem geschützten und hygienischen Umfeld konsumiert werden. Dazu wurden insgesamt neun Plätze für inhalativen und intravenösen Konsum eingerichtet. Wir haben mit VISION-Geschäftsführerin Claudia Schieren und der DILLE27-Leiterin Jona Pfaff gesprochen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drei Dutzend <a href="https://www.aidshilfe.de/drogen/drogenkonsumraeume" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Drogenkonsumräume und Drogenkonsummobile</a> gibt es mittlerweile in Deutschland, verteilt auf 19 Städte. Was unterscheidet die DILLE27 von anderen Konsumräumen, die es sonst in der Republik gibt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jona Pfaff:</strong> VISION hat 35 Jahre Erfahrung in der Selbsthilfe gesammelt. Diese ganz besondere Expertise konnten wir bereits bei der Planung und dann auch bei der Einrichtung des Drogenkonsumraums einbringen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine große Besonderheit ist etwa unser Tagesruheraum mit zwei Ruhebetten und Sitzsäcken, wo die Menschen nach dem Konsum dann auch noch einmal ein bisschen Ruhe finden. Es ist ein kleiner, geschützter Raum, der etwas abgedunkelt ist und in dem sich Leute, die ewig lange unterwegs sind und tagelang nicht ruhig geschlafen haben, einfach mal zurückziehen können. Wir haben von den Nutzer*innen bereits sehr viel Lob für die Gestaltung bekommen. Unser recht großer Wartebereich hat hohe Decken, alles ist sehr offen und lichtdurchflutet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir haben uns für viel Farbe entschieden und einige Elemente mit Graffiti gestalten lassen, die thematisch passen. Auch die Konsumplätze haben wir nicht nach Ziffern gestaltet. Bei uns hat jeder Platz ein passendes Schließfach und beides hat einen einheitlichen Namen. Das haben wir mit viel Phantasie, Liebe und Leidenschaft entworfen – Beschriftungen wie „Feel Welcome“ oder im Inhalativ-Raum „silver pub“, das steht sinngemäß für „Blech rauchen“. Wir haben die Räume auch dahingehend gestaltet, dass sie den praktischen Bedürfnissen beim Konsum bestmöglich entsprechen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Worin zeigt sich das zum Beispiel?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jona Pfaff:</strong> In den vier Tischen, an denen intravenös konsumiert werden kann, befinden sich Abwurflöcher, in denen nach dem Konsumvorgang die Spritzen direkt entsorgt werden. Es gibt eine abgetrennte Kabinenecke mit einem Vorhang, hinter dem die Leute beim intravenösen Konsum im Leistenbereich oder beim <a href="https://www.aidshilfe.de/drogen/your-bum" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Analkonsum ohne Nadel</a> sichtgeschützt die Hose herunterlassen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zudem einen „Roller Seat“. Das ist gleich der erste Platz im intravenösen Konsumbereich, der bevorzugt für Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen reserviert ist. Für den schnellen Konsum wurde ein Crack-Express-Platz eingerichtet, damit auch diese Konsument*innen verstärkt zu uns kommen. An diesem Platz liegt die Nutzungsdauer bei fünf Minuten, bei den anderen Plätzen bei maximal 30 Minuten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Standort der DILLE27 ist gezielt gewählt.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jona Pfaff:</strong> Unser Kontaktladen liegt in direkter Nähe, quasi gegenüber, sodass die Leute nicht sofort nach dem Konsum wieder auf die Straße geschickt werden, sondern die Möglichkeit haben, sich im angrenzenden Kontaktladen aufzuhalten und sämtliche Grundbedürfnisse zu erfüllen. Dort stehen Sanitäranlagen und eine Dusche zur Verfügung, es gibt eine Kleiderkammer und jeden Tag frisches Mittagessen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr als Selbsthilfeverein einen eigenen Konsumraum betreibt? Das ist ein absolutes Novum.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Claudia Schieren:</strong> Das ist richtig. Die Idee ist aber keineswegs neu und tatsächlich aus der Selbsthilfe heraus entstanden. <a href="https://jesnrw.de/jes-nrw/gedenken/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bernd Lemke, der 1990 den Kölner Junkie Bund gründete</a>, die Vorläuferorganisation von VISION e.V., schwebte damals schon eine eigene, von Selbsthilfe betriebene Einrichtung vor, in der Menschen Drogen konsumieren dürfen. Damals war die Zeit dafür aber noch nicht bereit und bis zur Verwirklichung hat es tatsächlich 36 Jahre gedauert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.1#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das riesige Erfahrungswissen [von Drogenkonsument*innen] muss genutzt werden. In dieser Hinsicht sind die gesetzlichen Voraussetzungen zum Betrieb von Drogenkonsumräumen zu hochschwellig.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Claudia Schieren</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Forciert wurde die Umsetzung über viele Jahre vom früheren Vision-Geschäftsführer <a href="https://magazin.hiv/magazin/gedenken-marco-jesse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marco Jesse</a>, der dazu kontinuierlich mit der Stadt in Kontakt stand und immer wieder den Bedarf angemeldet hat. 2017 hat der Stadtrat dann tatsächlich beschlossen, dass rechtsrheinisch ein Konsumraum geschaffen werden sollte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als ich 2020 die Geschäftsführung übernahm, wurde das Ganze konkreter. Als Standort wurde Köln-Kalk bestimmt und zufälligerweise wurden direkt gegenüber unserem Kontaktladen passende Räume dafür gefunden. Damit stand auch inoffiziell praktisch fest, dass VISION, auch als Drogenberatungsstelle anerkannt, den Konsumraum betreiben würde. Für einen anderen Träger ohne weitere Infrastruktur vor Ort, über die wir bereits verfügten, wäre das kaum möglich gewesen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anfangs wurde von uns noch ein großer finanzieller Eigenanteil für die Einrichtung erwartet, den wir aber nicht hätten aufbringen können. Als es deshalb öffentlich und von verschiedenen politischen Parteien Druck gab, hat die Stadt neu entschieden und der Konsumraum ist nun in vollem Umfang öffentlich finanziert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie viele Menschen sind derzeit bei DILLE27 in Teil- bzw. Vollzeit im Einsatz?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Claudia Schieren:</strong> Das Team besteht derzeit aus zwölf Personen und wird sukzessive weiter aufgebaut. Im Gegensatz zu unserem Angebot im Kontaktladen, wo das Team ausschließlich aus Menschen mit Konsumerfahrung besteht und durch Ehrenamtliche und Sozialstündler*innen unterstützt wird, arbeiten im Konsumraum fast ausschließlich Fachkräfte und keine Konsument*innen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auch hier Menschen mit Konsumerfahrung partizipieren zu lassen, wäre eine immense Aufwertung der Angebote in den Konsumräumen. Dieses riesige Erfahrungswissen muss genutzt werden. In dieser Hinsicht sind die gesetzlichen Voraussetzungen zum Betrieb von Drogenkonsumräumen zu hochschwellig. Um dies umzusetzen, müssen die Bedingungen und gesetzlichen Vorgaben überarbeitet werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Aus allen Richtungen ruft es nach Partizipation, Entstigmatisierung und Wertschätzung Drogen gebrauchender Menschen: Das wäre ein Anfang.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Aufgabenbereiche decken die Mitarbeiter*innen der DILLE27 aktuell ab?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Derzeit arbeiten im Drogenkonsumraum Pflegefach- und Hilfskräfte sowie Sozialarbeitende; darunter auch eine Kollegin, die für die Umfeldpflege zuständig ist und sich um Vernetzung, Kooperationstreffen und Arbeitskreise kümmert. Sie fungiert zudem als Ansprechperson für die Nachbarschaft und achtet darauf, dass es um den Drogenkonsumraum herum nicht zu Störungen kommt. <a href="https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/drug-checking-modellprojekt-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sobald das in NRW geplante Modellvorhaben zum Drug-Checking startet</a>, wollen wir unser Angebot auch damit erweitern.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie haben die Anwohnenden reagiert, als der Standort des Konsumraums bekannt gegeben wurde? Gab es Widerstand oder wurde er vielleicht sogar begrüßt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Claudia Schieren:</strong> Wir hatten tatsächlich Glück. Sehr viele Anwohner*innen gibt es eigentlich nicht, aber in direkter Nachbarschaft befindet sich eine Grundschule. Mit der haben wir sehr früh Kontakt aufgenommen und Informationsabende veranstaltet, um alles genau zu erklären. Denn natürlich machen sich Eltern Sorgen, dass ihre Kinder vielleicht mitbekommen, was hier passiert, und das nicht einordnen können. Im Großen und Ganzen ist der Konsumraum hier sehr willkommen, auch, weil damit die Hoffnung verbunden ist, dass dadurch weniger Konsum auf den Straßen passiert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Konsumraum hat seine Türen seit Ende Mai geöffnet. Wie wird das Angebot bislang angenommen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jona Pfaff:</strong> Wir merken, wie die Nutzungszahlen von Woche zu Woche steigen. Beim ersten Besuch müssen sich die Menschen anmelden, das geschieht noch in Papierform. Danach sind sie im digitalen System und wir können so auch direkt ersehen, dass die Zahl der Nutzer*innen kontinuierlich steigt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Anfangs hatten wir nur von 12 bis 18 Uhr geöffnet, inzwischen können wir bereits um 10 Uhr morgens öffnen. Innerhalb des ersten halben Jahres werden wir die Öffnungszeiten auf 14 Stunden erweitern, und zwar an allen sieben Tagen der Woche. Das ist nicht nur ein Wunsch, sondern eine feste Zielvorgabe im Rahmen unserer Kooperationsvereinbarung mit den Behörden. Deshalb suchen wir auch weiterhin nach Fachkräften.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jona, nach der Vorbereitungszeit und den ersten Wochen als Leiterin der DILLE27: Hast du deine Entscheidung schon bereut?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jona Pfaff:</strong> Coole Frage. Ich gestehe, dass ich mir das sehr gründlich überlegt habe. Es ist schon ein Brett und eine ziemlich verantwortungsvolle Arbeit. Ich hatte vorher jedoch bereits zweieinhalb Jahre bei Vision als Streetworkerin gearbeitet. Daher kannte ich nahezu alle Prozesse, wusste von der ganzen Entstehungsgeschichte und ahnte auch, was auf mich zukommen würde. Und ich fand es einfach eine großartige Chance, gemeinsam mit Claudia das Team aufzubauen und die Haltung des Kontaktladens in den Konsumraum hinüberzutragen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie haltet ihr es mit dem <a href="https://www1.wdr.de/nrw/koeln/zuericher-modell-drogenkonsum-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mikrohandel</a>? Dieses sogenannte Zürcher Modell wird ja gerade <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/in-kleinen-mengen-lauterbach-will-mikrohandel-von-harten-drogen-unter-abhangigen-tolerieren-15745601.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in vielen Städten diskutiert</a>, auch in Köln.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Claudia Schieren:</strong> Wir haben sehr feste Hausregeln für alle Besucher*innen unserer Einrichtungen, das gilt sowohl für den Konsumraum wie für unseren Kontaktladen: Keine Gewalt, weder verbal noch körperlich, keine Beleidigungen, keine Waffen, kein Konsum – außer im Konsumraum. Und keine Weitergabe von Substanzen. Diese Regeln gelten auf dem gesamten Gelände, auch für das schwarze Zelt, das wir im Außenbereich als Aufenthaltsraum anbieten. Wir kontrollieren all unsere Bereiche nicht konstant, das widerspräche unserem Konzept, unserer Haltung und Arbeitsweise. Wenn sich Probleme oder Auffälligkeiten anbahnen, sind wir zur Stelle und handeln. Solange alles friedlich ist, haben wir allerdings keinen Grund, dort regelmäßig zu kontrollieren. <em>(Claudia lächelt verschmitzt.)</em> Wir tolerieren keine illegalen Handlungen auf unserem Gelände. Wenn wir solche sehen würden, würden wir selbstverständlich einschreiten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beim Zürcher Modell ist der Mikrohandel, also die Weitergabe von Substanzen in kleinen Mengen, innerhalb einer Drogenhilfeeinrichtung erlaubt. Wie siehst du dieses Konzept?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Claudia Schieren:</strong> Es lässt sich nicht vollständig verhindern, dass Drogen verkauft werden und Konsument*innen untereinander Drogen weitergeben. Denn irgendwo muss die Substanz herkommen, die im Konsumraum legal konsumiert werden darf. Blicken wir auf Hamburg, das liegt übrigens in Deutschland, da wird in einem begrenzten Radius seit Jahren illegaler Mikrohandel betrieben und toleriert. Es wird nur nicht so benannt und erhält vielleicht deshalb auch nicht so viel Aufmerksamkeit. Es ist längst an der Zeit, dass der Gesetzgeber hier einen Weg findet, um diesen irrsinnigen Widerspruch aufzulösen. Wie dringend das ist, zeigt die Tatsache, dass sich inzwischen sehr viele Städte damit beschäftigen. Die gesetzlichen Regelungen im Betäubungsmittelgesetz sind in Deutschland und in der Schweiz sehr ähnlich. Die Schweizer erfinden ja nachweislich als Erste gute Dinge. Daran kann man sich orientieren. Es braucht nur erstmal ein bisschen Mut für außergewöhnliche Entscheidungen und Lösungswege.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/dille27-drogenkonsumraum-koeln-selbsthilfe/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>

<!--
Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: https://www.boldgrid.com/w3-total-cache/?utm_source=w3tc&utm_medium=footer_comment&utm_campaign=free_plugin

Page Caching using Disk: Enhanced 
Database Caching 21/103 queries in 0.064 seconds using Disk

Served from: magazin.hiv @ 2026-08-24 02:23:37 by W3 Total Cache
-->