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	<description>Hintergründe zum Leben mit HIV, Aids, STIs, Hepatitis</description>
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		<title>Pionier aus Verzweiflung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastbeitrag]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2026 13:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
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					<description><![CDATA[1985 starb Gerd Schreiber an Aids. Er war der erste HIV-Positive, mit dem die Aidshilfe Köln in Kontakt kam. Johannes J. Arens und Michael Jähme erinnerten an den notgedrungenen Pionier und Gründer der ersten Positivengruppe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>1985 starb Gerd Schreiber an Aids. Er war der erste HIV-Positive, mit dem die <a href="https://www.aidshilfe-koeln.de/">Aidshilfe Köln</a> in Kontakt kam. Johannes J. Arens und Michael Jähme erinnern an den notgedrungenen Pionier und Gründer der ersten Positivengruppe. <a href="https://magazin.hiv/magazin/gedenken-an-michael-jaehme/">Michael Jähme verstarb im August 2026.</a> Wir veröffentlichen den Artikel hier mit freundlicher Genehmigung der <a href="https://www.stadtrevue.de/artikel-archiv/artikelarchiv/09456-pionier-aus-verzweiflung/">Stadtrevue, wo der Artikel zuerst im November 2025 erschien</a>.</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Anzeige findet sich in der Dezemberausgabe der Stadtrevue von 1984, in den Kleinanzeigen auf Seite 105. Darüber sucht ein 44-Jähriger einen netten Freund für gemeinsame Unternehmungen, darunter eine Frau einen geistvollen Partner. Dazwischen die Überschrift „AIDS-Verdacht AIDS-krank?“ und folgender Text:</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Betroffener Mann, 28, sucht Menschen, die auch mit AIDS konfrontiert sind. Vielleicht schaffen wir‘s gemeinsam besser, damit klarzukommen!“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Der Verfasser der Anzeige ist Gerd Schreiber, zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 28 Jahre alt. Vermutlich wurde er kurz zuvor positiv auf HIV getestet, damals noch als Humanes T-Zell-Leukämie-Virus III (HTLV-III) bezeichnet. Erst seit Kurzem gibt es die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Die Krankheit verbreitet sich vor allem unter Männern, die mit anderen Männern Sex haben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Seit Juli 1983 ist immerhin ein erstes Infoblatt mit dem Titel „Aids-Informationen“ erhältlich, Herausgeber ist die Hautklinik der Universität Köln in Zusammenarbeit mit dem Sozialwerk der Gay Liberation Front (glf), in der sich Teile der Community seit 1971 politisch organisieren. Gleichzeitig wird in der Klinik eine Sprechstunde angeboten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Auch andernorts formiert sich Selbsthilfe. Es gibt den „MS Panther“, einen 1974 gegründeten Lederfetisch-Verein, der wegen seiner Karnevalsbälle bekannt ist. Auch die Vereinsmitglieder betrifft Aids, und die Hemmschwelle, darüber zu reden, scheint geringer als in anderen Kontexten. „Die Lederszene besaß einiges, das der Schwulenbewegung zu dieser Zeit fehlte“, zitiert eine Publikation anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereins den Aidshilfe-Mitbegründer Rainer Jarchow. „Sie hatte Vereine, die bundesweit und europaweit zusammengeschlossen waren. Keine andere Szene hatte eine vergleichbare Infrastruktur.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">In die Politik und Verwaltung gelangt das Thema unter anderem durch Michael Schneidewind, der seit 1984 für die Grünen im Rat sitzt. Bei seinen Besuchen in New York bekommt er eine Vorstellung von den Auswirkungen der „Schwulenseuche“. Während des Rückflugs aus den USA überlegt Schneidewind, wie er die Dringlichkeit des Themas deutlich machen kann. „Damals war ich schon Fraktionsgeschäftsführer, und als ich zurückkam, bin ich sofort zu Oberstadtdirektor Kurt Rossa gegangen“, erinnert er sich. „Wir konnten uns gut leiden und ich habe gesagt: „Das geht nicht nur uns schwule Männer etwa an, das wird alle betreffen – auch Ihre Kinder.“ Kurze Zeit  später steht das Thema erstmals auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Anfangs ist man aber auch in links-alternativen Kreisen zögerlich. Wie in der schwulen Community wird die Frage gestellt, ob es sich bei der Aufregung um Aids nicht vielleicht um eine imperialistische Strategie der Unterdrückung handelt. Es gibt noch kaum Wissen über Zusammenhänge und Übertragungswege von Aids, stattdessen machen Verschwörungstheorien die Runde, nach denen das Virus aus einem US-amerikanischen Militärlabor stamme. Die taz veröffentlicht noch 1987 ein Interview mit dem Ost-Berliner Biologen und Stasi-Informanten Jakob Segal unter der Überschrift „Aids. Man Made in USA“.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">In jenen frühen Jahren der Krise gibt es kein Leben mit HIV, es gibt nur Sterben an Aids.</p>

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</blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">In dieser Gemengelage erhält Gerd Schreiber seine Diagnose. Da befindet er sich schon im Vollbild Aids. Drei Jahre nach der Erstbeschreibung der Krankheit gibt es noch keine Behandlungsmöglichkeiten. Die Medizin ist machtlos und das fortgeschrittene Stadium bedeutet den sicheren Tod. In jenen frühen Jahren der Krise gibt es kein Leben mit HIV, es gibt nur Sterben an Aids.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus ist nicht viel über den jungen schwulen Mann bekannt. Dem Vernehmen nach stammt er aus einer frommen Familie im Bergischen Land und arbeitet als Pressereferent bei der Bundesgeschäftsstelle des Arbeiter-Samariter-Bunds in Köln. Wie für viele schwule Männer seiner Generation bedeutet die Anonymität der Großstadt bei gleichzeitiger Anbindung an die sogenannte Subkultur wohl auch für ihn ein Stück Freiheit. Als er die Anzeige aufgibt, ist die erste Liberalisierung des Sexualstrafrechts schon fünfzehn Jahre alt, aber die gesellschaftliche Realität hinkt der Gesetzgebung hinterher. Als sich 1987 in einer Folge der Fernsehserie „Die Lindenstraße“ zwei Männer küssen, verweigert der Bayerische Rundfunk die Wiederholung der Sendung. HIV-positive Menschen werden ausgegrenzt, die Politik spekuliert über die Möglichkeit, Aidskranke in Lagern zu internieren.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Aber 1985 ist auch das Jahr, in dem Bundespräsident Richard von Weizsäcker seine Rede „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ hält. Zum ersten Mal ist im Bundestag auch die Rede von homosexuellen Opfern der Nazi-Diktatur. Rund vierzig Unionsabgeordnete bleiben aus Protest der Gedenkveranstaltung fern.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Aids war wie ein Sturm, der am Horizont steht.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Prosper Schücking, Gründungsmitglied der Kölner Aidshilfe</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">In Köln schlägt Jan Leidel, der neue Leiter des Gesundheitsamts, eine andere Richtung ein. 1986 stellt er Rainer Jarchow als bundesweit ersten Berater für Menschen mit HIV und AIDS ein, gefolgt von Michael Zgonjanin und Bernt Ide, die gemeinsam die sogenannte „Kölner Linie“ entwickeln: statt auf Stigmatisierung und Ausgrenzung wie etwa in Bayern, setzt man auf Kooperation mit der 1985 gegründeten Aidshilfe und den etablierten Strukturen schwulen Alltags wie etwa Kneipen, Saunen und Bars.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Als Gerd Schreiber im Dezember 1984 seine Anzeige in der Stadtrevue aufgibt, gibt es noch keinen Verein. Wohl aber eine Gruppe schwuler Männer, die den Ernst der Lage begreift.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Aids war wie ein Sturm, der am Horizont steht“, erinnert sich Prosper Schücking, Gründungsmitglied der Kölner Aidshilfe. „Es fängt schon an ein bisschen zu regnen und ein Wind kommt auf, und man weiß, es wird ganz Schreckliches kommen, und man versucht sich irgendwie vorzubereiten.“ In diesen Vorbereitungen stößt man auf Schreibers Kleinanzeige. „Einerseits hatten wir in Deutschland schon die politische Hetze gegen Schwule als Krankheitsträger“, so Schücking, „aber wir kannten halt niemanden, der Aids hatte oder positiv war.“</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Man nimmt Kontakt mit Gerd Schreiber auf, trifft sich im Schutz einer Privatwohnung in der Mittelstraße. Bereits in einem Protokoll vom 14. Dezember 1984 findet sich der Name Gerd Schreiber. Er ist Teil der Arbeitsgruppe, die das Thema Selbsthilfe voranbringen soll. Im Januar 1985 werden Aufgaben verteilt: Gerd Schreiber ist dafür zuständig, Kontakt zur Evangelischen Studentengemeinde aufzunehmen und Anzeigen in den schwulen Magazinen wie „Du &amp; Ich“, „Don“ und „Adonis“ zu schalten.</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">In dieser frühen Phase bis April 1985 bleibt Schreiber der einzige HIV-Positive, allein mit den Beratern. Die Selbsthilfetreffen werden beworben, aber nur zögerlich in Anspruch genommen. Zu groß ist die Angst vor Stigmatisierung, zumal die Anzeichen der durch das Virus ausgelösten Krankheiten oft deutlich sichtbar sind.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Wir stellten &#8230; allgemein fest, daß wir zwar die vielfältigen Informationen der ‚Regenbogen‘-Presse kennen, aber im Grunde so gut wie nichts richtig wissen.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Mitarbeiterin des des Arbeiter-Samariter-Bunds 1985</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Mehrheitsgesellschaft reagiert weiterhin mit eisiger Kälte auf die Pandemie, die vor allem Männer trifft, die mit anderen Männern Sex haben. An allen Fronten verschärft das geringe Wissen die Angst. In diesem Klima gibt der 28-Jährige seine Anzeige auf. Gerd Schreiber zieht sich nicht, wie andere HIV-Positive, ins Private zurück. Stattdessen macht er einen Schritt nach vorne. Es gibt noch keine Strukturen, die ihn mit Beratung und Hilfestellung hätten auffangen können. Er ist allein und auf sich gestellt und das will er ändern. Gerd Schreiber wird der erste HIV-Positive sein, mit dem die sich in Gründung befindliche Gruppe in Kontakt kommt, und er wird der erste sein, den der Verein bis zum Tod begleiten wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Er war ein schmaler und zarter Mann“, erinnert sich Prosper Schücking von der Aids-Hilfe, „nicht jemand, der Selbstbewusstsein oder Stärke ausstrahlte, sondern eher eine entschlossene Verzweiflung.“ Am 4. September 1985, weniger als ein Jahr nach seinem Inserat, stirbt Gerd Schreiber, vermutlich in der Uniklinik, an den Folgen von Aids. Nach seinem Tod schreibt eine Mitarbeiterin des Arbeiter-Samariter-Bunds im Auftrag von 48 Kolleg*innen einen Brief an die Deutsche Aidshilfe Köln, wie der Verein sich damals noch nennt. „Wir haben im Kollegenkreis gesammelt, waren aber der Ansicht, daß wir keinen Kranz davon kaufen sollten“, heißt es in dem Schreiben, „sondern den gesammelten Betrag der Deutschen Aids-Hilfe zur Verfügung stellen sollten.“ Im Brief befindet sich ein Scheck in Höhe von 305 D-Mark. Des Weiteren bittet die Verfasserin um die Zusendung von Infomaterial zum Thema Aids. „Wir stellten nämlich allgemein fest, daß wir zwar die vielfältigen Informationen der ‚Regenbogen‘-Presse kennen, aber im Grunde so gut wie nichts richtig wissen.“</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Vorurteile werden steigen und HIV-positive Menschen werden wieder mehr Diskriminierung erleben.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Oliver Schubert, Geschäftsführer Aidshilfe Köln</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vierzig Jahre später ist Gerd Schreiber außerhalb eines engen Zirkels von Mitstreitern und Zeitzeugen so gut wie vollständig in Vergessenheit geraten. Nach ihm ist kein Platz benannt, es gibt keinen Gedenkstein und auch sonst keine Widmung, die an seine Person und seinen Mut erinnert. Der Kampf gegen Aids aber hat sich verändert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Derzeit umfassen die Aufgaben der Aidshilfe Köln etwa Beratung, Testangebote für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen, außerdem Prävention, Aufklärung in Schulen, betreutes Wohnen für Menschen mit HIV und Behinderung, spezielle Angebote für queere Geflüchtete oder Drogengebrauchende.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Geschäftsführer Oliver Schubert warnt vor Mittelkürzungen durch die Stadt und das Land. „Die Aidshilfe ist in vielen Bereichen bereits unterfinanziert. Weitere Kürzungsszenarien stehen im Raum, sodass wir in Zukunft wahrscheinlich Angebote einschränken müssen. Das wird die adäquate Versorgung unmöglich machen“, so Schubert. „Vorurteile werden steigen und HIV-positive Menschen werden wieder mehr Diskriminierung erleben.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Zuerst erschienen in: Stadtrevue, Ausgabe 12-2025, S. 22-24.</em></p>

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<h2 id="h-mehr-aids-geschichte" class="wp-block-heading">Mehr Aids-Geschichte</h2>

              </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="IL6KZKfvU7"><a href="https://magazin.hiv/magazin/interview-aids-chronik-pandemie/">„Es braucht manchmal nur einen einzigen Menschen, um etwas in Bewegung zu setzen“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„„Es braucht manchmal nur einen einzigen Menschen, um etwas in Bewegung zu setzen““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/interview-aids-chronik-pandemie/embed/#?secret=SammuSZ02T#?secret=IL6KZKfvU7" data-secret="IL6KZKfvU7" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="6Fs4wQugrA"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gedenken-an-michael-jaehme/">Gedenken an Michael Jähme</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Gedenken an Michael Jähme“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gedenken-an-michael-jaehme/embed/#?secret=GJunlKMl3m#?secret=6Fs4wQugrA" data-secret="6Fs4wQugrA" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>„Es braucht manchmal nur einen einzigen Menschen, um etwas in Bewegung zu setzen“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/interview-aids-chronik-pandemie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Holger Sweers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2026 12:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[ART]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560477</guid>

					<description><![CDATA[Wir haben mit Axel Schock über sein Buch „Aids. Chronik einer Pandemie“ und über Geschichte(n), die Bedeutung von Erinnern sowie Lehren für die Zukunft gesprochen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir haben mit Axel Schock über sein Buch „Aids. Chronik einer Pandemie“ und über Geschichte(n), die Bedeutung von Erinnern sowie Lehren für die Zukunft gesprochen.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Axel, du schreibst seit vielen Jahren <a href="https://magazin.hiv/author/axel-schock/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Texte für die Deutsche Aidshilfe</a>, häufig zu Filmen und Büchern, aber immer wieder auch Kalenderblätter zu Ereignissen rund um die HIV- und Aids-Geschichte. Jetzt erscheint dein Buch „Aids. Chronik einer Pandemie“. Warum ist es wichtig, die Aids-Geschichte zu bewahren und zu erzählen?</strong></p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dafür gibt es eine Vielzahl sehr guter Gründe. Diese Pandemie hat unsere Gesellschaft auf vielfältige Weise geprägt, beeinflusst und verändert. HIV und Aids haben zu viel Leid und Verlusten, aber auch zu großer Solidarität, zu Engagement und innovativen, positiven Entwicklungen auf breiter gesellschaftlicher Ebene geführt. Allein deshalb ist es wichtig, sich dieser Geschichte zu widmen, auch, weil wir heute oder in späteren Generationen daraus lernen können. Darüber hinaus finde ich, dass all die Menschen, die ihr Leben infolge von HIV und Aids verloren haben, ebenso wie jene, die sich auf vielfältige<s>s</s> Weise engagiert haben – Aktivist*innen, Pflegende, Menschen etwa in der Politik oder Medizin –, es verdienen, dass man sich an sie erinnert und sie nicht vergisst.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es überhaupt eine, globale Aids-Geschichte?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nein, eine einzige Aids-Geschichte gibt es nicht, denn die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sind von Land zu Land zu unterschiedlich und damit auch die jeweils besonders von HIV betroffenen Gruppen, die Möglichkeiten für Prävention und Behandlung oder die Reaktionen von Politik und Gesellschaft auf diese Krise. Mir war deshalb auch wichtig, einen möglichst breiten Blick auf die Entwicklungen zu geben. Indem ich die Geschichte von HIV chronologisch erzähle, konnte ich den Fokus immer wieder weg von Deutschland auf andere Länder lenken. Auch um zu zeigen, wie unterschiedlich sich das Virus ausbreitete und mit welchen Problemen man sich zeitgleich in anderen Regionen der Welt auseinandersetzte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine einzige Aids-Geschichte gibt es nicht, denn die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sind von Land zu Land zu unterschiedlich </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Axel Schock</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bist du dabei auf Geschichten gestoßen, die vielleicht gar nicht oder nur wenig bekannt sind?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In den inzwischen zwei Jahrzehnten, die ich mich journalistisch mit HIV und Aids beschäftige, habe ich die Situation in vielen unterschiedlichen Ländern kennengelernt. Im Laufe der Recherchen merkte ich aber, was ich alles noch nicht auf dem Schirm hatte, und habe mich beispielsweise erstmals intensiver mit der Situation in Kolumbien, Myanmar oder im Iran beschäftigt. Dabei bin ich auf Geschichten gestoßen, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte und die es verdient haben, erzählt zu werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Myanmar zum Beispiel kam es in den späten 1990er-Jahren zu hohen Infektionsraten unter den Arbeitern in Edelsteinminen. Um ihre schwere Arbeit durchstehen zu können, ließen sie sich vor Schichtbeginn in sogenannten <em><a href="https://www.reuters.com/article/world/special-report-myanmar-old-guard-clings-to-8-billion-jade-empire-idUSBRE98S00J/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Shooting Galleries</a></em> Heroin injizieren – alle mit derselben Nadel. <a href="https://www.hhrjournal.org/2016/10/13/hiv-and-the-right-to-health-in-colombia/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aus Kolumbien dagegen gibt es eine positive Geschichte im Buch. Dort nutzten Menschen mit HIV und Aktivist*innen ab 1992 einen juristischen Weg, nämlich Anträge bei Gerichten auf Schutz des Rechts auf Gesundheit, um Krankenversicherungen zur Bezahlung von HIV-Medikamenten zu verpflichten</a>. Seit 1997 muss dort die gesamte HIV-Therapie von der staatlichen Krankenversicherung übernommen werden – und der HIV-Aktivismus hat zu einer breiten gesellschaftlichen Verständigung auf das Recht auf Gesundheit geführt, sodass es heute zum Beispiel auch ein Anrecht auf eine Krebsbehandlung oder Nierentransplantation gibt.</p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kannst du dich noch daran erinnern, wie und in welcher Lebenssituation du selbst zum ersten Mal von Aids gehört oder gelesen hast?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Als völlig unbedarfter Teenager mitten im Coming-out war ich Mitglied einer schwul-lesbischen Schüler*innengruppe in Heidelberg. Bei einem Treffen, das muss nach der ersten SPIEGEL-Titelgeschichte zu Aids 1983 gewesen sein, überraschte uns ein Biologiestudent mit einem Referat. Er erklärte uns, was man über das Virus bislang wusste und was im Körper genau vorgeht. Ich verstand die Tragweite des Ganzen damals nicht, aber ich spürte, wie aufgewühlt und panisch der Student war. Als ich zwei Jahre später zum Studium nach Berlin zog, war Aids bereits zu einer überall gegenwärtigen, bedrohlichen Realität geworden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gewidmet hast du dein Buch der Erinnerung an Hans-Jürgen Smith (1955–1992). Magst du von ihm erzählen?</strong></p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Hans-Jürgen war mein allererster Lebenspartner, und als wir uns kennenlernten, war er HIV-positiv. Uns blieben knapp sechs Jahre, die letzten von der Krankheit geprägt. Diese Erfahrungen, auch die des Sterbens, des Verlusts und der Reaktionen von Familie und Umfeld, stellten mein Leben völlig auf den Kopf – und prägten meinen weiteren Lebensweg. Ohne sie hätte ich mich sicherlich nicht in diesem Maße mit HIV und Aids beschäftigt und mich auch nicht in Projekten wie „Aidsgeschichte ins Museum“ (<a href="https://www.aidsarchive.net/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aidsarchive.net</a>) engagiert. Ohne Hans-Jürgen und seinen Tod infolge von Aids gäbe es dieses Buch nicht. Deshalb ist es ihm gewidmet.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufgebaut ist die Chronik fast wie ein Film mit vielen kurzen Schlaglichtern, meist auf konkrete Personen oder Situationen. Erst nach und nach werden Verbindungslinien sichtbar. Wieso hast du diesen Aufbau gewählt?</strong></p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Form ist eigentlich aus einer inneren Notwendigkeit heraus entstanden. Ich bin kein Wissenschaftler, hatte also nicht vor, mich der Geschichte dieser Pandemie mit einer konkreten Forschungsfrage zu nähern. Stattdessen wollte ich wichtige Ereignisse, Entwicklungen und Informationen zusammentragen und sie so aufbereiten, dass sie auch ohne Vorkenntnisse leicht und hoffentlich gut und mit Gewinn zu lesen sind. Und das gelingt am besten, so meine eigene Erfahrung als Leser und als Journalist, indem ich konkrete Situationen schildere und als Ausgangspunkt nehme, um Sachverhalte zu erklären. Oder indem ich von Menschen erzähle, deren Schicksal exemplarisch für viele Tausend andere steht. Manchen Menschen folgt man daher im Buch tatsächlich über zwei, drei und mehr Stationen, zum Teil über Jahre hinweg, und kann so bestimmte Entwicklungen beispielhaft miterleben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2026 ist es 30 Jahre her, seit auf der Welt-Aids-Konferenz in Vancouver die damals neue Kombinationstherapie aus drei Medikamenten gegen HIV vorgestellt wurde</a>. Wie hast du selbst diesen Einschnitt wahrgenommen und wie zeigt er sich im Buch?</strong></p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie einschneidend und entscheidend dieser Forschungserfolg sein würde, habe ich damals noch gar nicht einschätzen können. Viele waren auch skeptisch. <a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/so-gross-die-hoffnung-war-so-schnell-ist-sie-wieder-verflogen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Medikament AZT war Jahre zuvor zunächst ebenfalls gefeiert worden und sich dann als fragwürdige Therapie mit massiven Nebenwirkungen und schneller Resistenzentwicklung erwiesen</a>.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin auch selbst Zeitzeuge und, wenn man so will, von der Aidskrise verwundet und von Erfahrungen geprägt, die Menschen in ganz anderen Regionen der Welt ähnlich gemacht haben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Axel Schock</cite></blockquote>

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      </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeitete damals als Redakteur beim schwulen Magazin „magnus“ und erinnere mich an einen Kollegen, der eines Tages im Büro ganz euphorisch erzählte, dass man das Virus bei ihm nicht mehr nachweisen könne. Das war ein ganz besonderer Moment. Ich freute mich so sehr für den Kollegen und war überrascht, wie schnell diese erhoffte Wirkung der Kombitherapie eingetreten war; zugleich war ich sehr traurig, weil so viele Menschen diesen Moment nur sehr knapp verpasst haben.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie bei vielen anderen zentralen Ereignissen in der Aidsgeschichte erzähle ich auch diese Zäsur aus verschiedenen Perspektiven. Auf Abschnitte zu den medizinischen Aspekten folgen Schilderungen vom Welt-Aids-Kongress in Vancouver, auf dem 1996 Studien zur Wirksamkeit der Kombitherapie präsentiert wurden, sowie Stimmen von Aktivist*innen, einem behandelnden Arzt und von Patient*innen, die den ersten Medikamentenkombinationen ihr Leben verdanken, aber zum Teil auch unter enormen Nebenwirkungen litten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du hast sehr viel Quellenmaterial zusammengetragen: Tagebuchnotizen, Behördendokumente, Zeitungsartikel, Forschungsstudien und vieles mehr. Wie bist du bei der Recherche vorgegangen, was hast du dabei erlebt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte zunächst auf meine eigene journalistische Arbeit der letzten zwei Jahrzehnte zurückgreifen. Ich habe, wie ich dann doch überrascht feststellen musste, allein für magazin.hiv und aidshilfe.de im Laufe der Jahre einige Hundert Artikel zu den unterschiedlichsten Themenfeldern geschrieben und dafür unendlich viele Interviews geführt. Über die Jahre ist so ein eigenes kleines Archiv entstanden. Darüber hinaus habe ich unter anderem in Archiven in Wien und Berlin recherchiert, unzählige Zeitschriften und andere Medien durchforstet und auch eine ganze Reihe Interviews gezielt für das Buch geführt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hat dich bei deiner Beschäftigung mit den Quellen am meisten überrascht, was hat dich am tiefsten berührt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das Schöne bei solchen Recherchen ist: Man sucht nach etwas ganz Bestimmtem und entdeckt etwas völlig Unerwartetes. Die Gefahr dabei ist, dass man irgendwann den Überblick verliert. Was mir nicht gelungen ist: mich nicht zu sehr emotional berühren zu lassen. Als Journalist versuche ich, Sachverhalte so objektiv wie möglich darzustellen. Ich bin jedoch auch selbst Zeitzeuge und, wenn man so will, von der Aidskrise verwundet und von Erfahrungen geprägt, die Menschen in ganz anderen Regionen der Welt ähnlich gemacht haben. Und so gab es immer wieder Momente bei der Lektüre von Quellen, in denen ich erst mal eine Pause brauchte, weil die Beschäftigung damit unweigerlich auch emotional belastend war.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du bist auch Kulturjournalist. Welche Rolle spielen in deinen Augen die künstlerischen Auseinandersetzungen mit HIV und Aids für den Umgang mit der Pandemie?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für mich persönlich waren solche Filme, Theaterstücke, Romane und Kunstwerke sehr wichtig, um meine eigenen Erfahrungen darin zu spiegeln. Ich glaube, dass gerade künstlerische Verarbeitungen eine Möglichkeit sind, auch einem Publikum, das mit HIV und Aids bislang nur wenig in Berührung gekommen ist, die damit verbundenen essenziellen Fragen und Reaktionen auf die Krise zu vermitteln – sei es Trauer, der Umgang mit Endlichkeit oder die Energie, die aus Wut und Solidarität entstehen kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was unterscheidet in deinen Augen die Aids-Pandemie von anderen Pandemien, zum Beispiel Malaria oder Covid?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zunächst natürlich die Übertragungswege und die Möglichkeiten, sich vor den verschiedenen Krankheiten zu schützen, sie zu behandeln oder sich sogar dagegen impfen zu lassen. Was HIV und Aids jedoch bis heute fundamental unterscheidet, sind die damit verbundene Stigmatisierung und Scham sowie Schuldzuweisungen. Dass dies auch nach Jahrzehnten noch nicht überwunden wurde, ist eigentlich nicht zu begreifen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was haben wir aus der Aids-Pandemie gelernt, was müssten wir noch lernen?</strong></p>

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  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Darauf eine kluge Antwort zu geben, fällt mir schwer. Ich habe für mich im Laufe der Arbeit zwei sehr einfache Erkenntnisse gewonnen, die nicht sonderlich überraschend sind, die ich aber augenfällig fand: Wichtige Veränderungen, große wie kleine und selbst überlebensnotwendige Projekte, wurden überall auf der Welt fast immer von Einzelpersonen oder sehr kleinen Gruppen angestoßen. Es braucht manchmal nur einen einzigen Menschen mit einer zündenden Idee, um etwas in Bewegung zu setzen. Das sollte ermutigen, aktiv zu werden, gerade in Zeiten, in denen man sich schnell ohnmächtig fühlen kann.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Aids ist nicht nur Medizingeschichte, sondern auch Sozial-, Sexual-, Politik- und Kulturgeschichte und nicht zuletzt die persönliche Geschichte unterschiedlichster Menschen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Axel Schok</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">Die andere, letztlich auch recht banale, aber grundlegende Erkenntnis: Unwissen, falsche Narrative, Vorurteile und Vorverurteilungen haben die Pandemie über all die Jahrzehnte enorm befeuert. Der Schlüssel zur Verbesserung von Lebensumständen wie auch zur Prävention ist Wissen und Aufklärung. Beispiele aus aller Welt, und sei es im Kleinen, lassen sich im Buch in großer Zahl finden. Und wenn ich ehrlich bin, sind dies für mich einige der wichtigsten Passagen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Perspektiven kommen in Behandlungen mit Aidsgeschichte(n) immer noch zu wenig vor? Wo bist du selbst auf Lücken gestoßen?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das globale Panorama, das ich mir mit diesem Buchprojekt vorgenommen habe, kann natürlich nur lückenhaft sein. Das gilt selbst für den Blick auf Deutschland – allein diese Geschichte verdiente ein eigenes, umfassendes Buch. Denn die Geschichte von Aids ist nicht nur Medizingeschichte, sondern auch Sozial-, Sexual-, Politik- und Kulturgeschichte und nicht zuletzt die persönliche Geschichte unterschiedlichster Menschen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe versucht, möglichst viele Perspektiven und Aspekte in dieser Chronik zu berücksichtigen, gerade auch jene, die sonst weniger beachtet oder ganz vergessen werden. Etwa der sogenannte Bluterskandal in den 1980er-Jahren oder die Geschichte von Kindern und Jugendlichen, die von Geburt an mit HIV leben. Es gibt aber auch Aspekte, die weithin tabuisiert sind und über die aus verschiedenen Gründen nicht gesprochen wird. Zum Beispiel die aktive Sterbehilfe in den Hochzeiten der Aidskrise oder die Tatsache, dass auch in Deutschland Frauen mit HIV zu Abtreibungen genötigt und zwangsweise sterilisiert wurden. Es war nicht einfach, hier konkrete Fälle zu recherchieren und erzählen zu können. Aber auch solche Geschichten sind Teil der Aidsgeschichte und sollen nicht vergessen werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit der Eröffnung des <a href="https://www.aidsarchive.net/liste-der-archive/haeberle-hirschfeld-archiv-in-der-humboldt-universitaet-berlin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aids-Archivs </a>der Humboldt-Universität in Berlin, an dessen Aufbau du zusammen mit Corinna Gekeler seit 2014 gearbeitet hast, sowie der Veröffentlichung deiner Chronik konntest du nun zwei große Projekte abschließen. Hast du dir schon etwas Neues vorgenommen oder ist jetzt erst mal Durchatmen dran?</strong></p>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von HIV und Aids ist ja leider nicht abgeschlossen, sondern sie geht weiter. Und ich werde mich ganz sicherlich auf die eine oder andere Weise auch weiter mit ihr beschäftigen. Aber tatsächlich widme ich mich gerade einem neuen, ganz anderen Projekt, nämlich der Erschließung und Archivierung des literarischen Nachlasses des Berliner Schriftstellers Detlev Meyer, der 1999 infolge von Aids starb. Ganz so fern ist diese Arbeit von den anderen Projekten letztlich also doch nicht.</p>

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<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:35% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/10/aids_9783518128350_cover.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="625" height="1024" src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/10/aids_9783518128350_cover-625x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1560502 size-full" srcset="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/10/aids_9783518128350_cover-625x1024.jpg 625w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/10/aids_9783518128350_cover-183x300.jpg 183w, https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/10/aids_9783518128350_cover.jpg 638w" sizes="auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Axel Schock: Aids. Chronik einer Pandemie. Suhrkamp, Berlin 2026, 657 Seiten, 28 Euro</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Erscheinungsdatum: 27.10.2026</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Beiträge zur Aids-Geschichte auf magazin.hiv (Auswahl):</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/">ART: 30 Jahre HIV-Therapie</a> (Landingpage zu einer Beitrags-Serie; Juni 2026)</p>

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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="VhOjrr9zDM"><a href="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/">ART: 30 Jahre HIV-Therapie</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„ART: 30 Jahre HIV-Therapie“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/embed/#?secret=PV1jNmoCZn#?secret=VhOjrr9zDM" data-secret="VhOjrr9zDM" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://magazin.hiv/magazin/dokus-hiv-aids/">Vier Jahrzehnte Aids: 8 Dokumentarfilme zu HIV/Aids</a> (11. Januar 2024)</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="vCx5r1UlRh"><a href="https://magazin.hiv/magazin/dokus-hiv-aids/">Vier Jahrzehnte Aids: 8 Dokumentarfilme zu HIV/Aids</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Vier Jahrzehnte Aids: 8 Dokumentarfilme zu HIV/Aids“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/dokus-hiv-aids/embed/#?secret=o6X4fysyqu#?secret=vCx5r1UlRh" data-secret="vCx5r1UlRh" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://magazin.hiv/magazin/10-sachbuecher-aids-geschichte/">Vier Jahrzehnte Aids: 10 Bücher voller Wissen und Erfahrungen</a> (24. Januar 2022)</p>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="i5XeRVO6g4"><a href="https://magazin.hiv/magazin/10-sachbuecher-aids-geschichte/">Vier Jahrzehnte Aids: 10 Bücher voller Wissen und Erfahrungen</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Vier Jahrzehnte Aids: 10 Bücher voller Wissen und Erfahrungen“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/10-sachbuecher-aids-geschichte/embed/#?secret=B9KLwUukXJ#?secret=i5XeRVO6g4" data-secret="i5XeRVO6g4" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/10-spielfilme-aids-geschichte/">Vier Jahrzehnte Aids: 10 Spielfilme, die Geschichte schrieben</a> (18. Dezember 2021)</p>

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<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-magazin-hiv wp-block-embed-magazin-hiv"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="Bsv0Da6gcI"><a href="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/10-spielfilme-aids-geschichte/">Vier Jahrzehnte Aids: 10 Spielfilme, die Geschichte schrieben</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Vier Jahrzehnte Aids: 10 Spielfilme, die Geschichte schrieben“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/10-spielfilme-aids-geschichte/embed/#?secret=H2gntX1c1n#?secret=Bsv0Da6gcI" data-secret="Bsv0Da6gcI" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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					<wfw:commentRss>https://magazin.hiv/magazin/interview-aids-chronik-pandemie/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>„Altern geht stark mit Verlustängsten einher“</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/hiv-und-alter/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/hiv-und-alter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2026 10:48:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560473</guid>

					<description><![CDATA[Welche Wohn- und Lebensmodelle wünschen sich Menschen mit HIV im Alter? Jan Bockemühl von der Interessenvertretung schwuler Senioren (BISS) berichtet von Best-Practice-Modellen, schlägt Bündnisse vor und appelliert an die Politik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Welche Wohn- und Lebensmodelle wünschen sich Menschen mit HIV im Alter? Dies war eine der zentralen Fragen bei unserer HIV-Konferenz <a href="https://www.aidshilfe.de/de/pobe2026">„Positiven Begegnungen“</a>, die Mitte August in Magdeburg stattfand. Jan Bockemühl von der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) beschäftigt sich seit Längerem damit. Er berichtet von Best-Practice-Modellen, schlägt Bündnisse vor und appelliert an die <a href="https://magazin.hiv/magazin/altersbericht-lgbtiq-im-alter/">Politik</a>, auf allen Ebenen zu unterstützen.</em></strong></p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Allein, dass wir heute über das Älterwerden mit HIV sprechen können, ist ein riesiger Erfolg“, sagte Sven Warminsky, Geschäftsführer der Aidshilfe Sachsen-Anhalt und Vorstandsmitglied der Deutschen Aidshilfe, bei seiner Rede zur Eröffnung der diesjährigen Positiven Begegnungen (PoBe) in Magdeburg. Denn in den Jahren der Aidskrise in den 1980er und 90er Jahren wäre ein solcher Schwerpunkt auf der Selbsthilfekonferenz zum Leben mit HIV kaum vorstellbar gewesen. „Damals ging es nicht um die Frage, wie Menschen mit HIV alt werden“, erinnerte Warminsky, „sondern darum, ob sie überhaupt alt werden.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Frage, mit der wir uns heute auseinandersetzen müssen, ist deshalb eine ganz andere: Wie sorgen wir dafür, dass wir im Alter auch mit HIV gut leben? Dass dieses Thema die Konferenz-Teilnehmenden bewegt, zeigte sich an der enormen Resonanz und auch daran, wie engagiert und leidenschaftlich sich in den Arbeitsgruppen dazu ausgetauscht wurde.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir erleben jetzt, wie die erste Generation HIV-positiver Menschen tatsächlich das Älterwerden gestalten. Das kann zum Vorbild für die nachfolgenden Generationen werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Jan Bockemühl</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen davon, dass die Bedarfe in einer alternden Gesellschaft immer weiter steigen, sehen viele Menschen mit HIV, insbesondere wenn sie queer oder Drogengebraucher*innen sind oder eine migrantische Biografie haben, die klassischen Altersthemen und Pflegeeinrichtungen mit großer Skepsis. „Es reicht nicht, lange zu leben, sondern gut zu leben“, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Das heißt, auch ohne Angst vor neuerlicher Diskriminierung – sei es aufgrund der HIV-Infektion, der sexuellen Identität oder der Herkunft. Denn eine die unterschiedlichen Lebensweisen respektierende kulturspezifische Pflege ist noch lange keine Selbstverständlichkeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-interview-jan-bockemuhl" class="wp-block-heading">Interview Jan Bockemühl</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Als Leiter der Geschäftsstelle der</strong> <a href="https://schwuleundalter.de/"><strong>Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS)</strong></a> <strong>setzt sich Jan Bockemühl bereits seit langer Zeit intensiv mit dem Thema Altern auseinander. Er hat bei den Positiven Begegnungen einige Veranstaltungen des Themenstrangs „HIV und Alter“ begleitet und saß zudem mit auf dem Podium zum Thema „Vielfalt im Alter“.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Aspekte haben die Teilnehmenden dieser Diskussionsrunde besonders bewegt?</strong> Sehr intensiv diskutiert wurde das Thema, wie viel Verantwortung wir in unseren Freund*innen-Kreisen innerhalb der Communitys übernehmen. Aus der Erfahrung bei BISS wissen wir, dass bei schwulen Männern die Verantwortungsübernahme beziehungsweise die Gemeinschaft meist da endet, wo Freizeitaktivitäten aufhören. Sobald Menschen aus unterschiedlichen Gründen – sei es aufgrund fehlender Mobilität, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit – nicht mehr in diesen Gruppen teilhaben können, fallen sie heraus. Das Caring-Community-Prinzip, das über die Freizeitgestaltung hinausgeht, ist bei Schwulen zu wenig verankert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Diskussion traf also gleich einen wunden und wichtigen Punkt.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Richtig. Manche haben auch offen ausgesprochen, dass sie sich mit den vielen Fragen rund ums Älterwerden noch gar nicht auseinandergesetzt haben: Wer kümmert sich um mich, wenn es notwendig wird? Wen statten wir mit Vorsorgevollmachten aus? Wer weiß über Patient*innenverfügung und Testament Bescheid? Was ist überhaupt mein Wille, wenn ich pflegebedürftig bin und wie kommuniziere ich das?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Vorstellungen vom Leben im Alter wurden von den Teilnehmenden formuliert?</strong> Vielen geht es darum, so lange wie möglich selbständig zu sein. Die Auseinandersetzung mit dem Altern geht also ganz stark mit Verlustängsten einher: dem Verlust von Selbstbestimmtheit und Autonomie, aber auch der Angst vor Ausgrenzung. In den Workshops haben einige Menschen von solchen Erfahrungen berichtet, sei es in Strukturen der offenen Senior*innenarbeit oder auch in Pflegesituationen. Es wurden auch Situationen geschildert, in denen Ältere ablehnende Haltungen erlebten, weil sie HIV-positiv oder queer sind. Am Ende geht es allen darum, gut und auch würdevoll zu altern und nicht wieder zurück in den Schrank zu müssen und wieder unsichtbar gemacht zu werden. Viele befürchten aber, dass genau dies notwendig sein könnte, sobald sie sich in eine Abhängigkeit begeben, wie es etwa bei der Pflege durchaus der Fall ist.</p>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Lösung wäre also, besondere Wohnmodelle und Pflegeeinrichtungen zu initiieren.</strong><br>Wir erleben jetzt, dass die erste Generation HIV-positiver Menschen tatsächlich alt wird. Wie sie das Älterwerden gestalten, kann Modellcharakter haben und zum Vorbild für die nachfolgenden Generationen werden. Es gilt nun, Best-Practice-Beispiele zu entwickeln und auszuprobieren, wie ein gutes Altern für Menschen mit HIV abseits der cisgeschlechtlich heteronormativen Lebenswelt und Lebensrealität gestaltet werden kann.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen über den Community-Tellerrand hinausschauen und mit anderen Verbänden der Altersarbeit Bündnisse schaffen.</p>

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<cite>Jan Bockemühl</cite></blockquote>

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<h2 id="h-aktivismus-und-selbsthilfe-auch-im-alter" class="wp-block-heading">Aktivismus und Selbsthilfe auch im Alter</h2>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den Workshops des Themenstrangs wurden nicht nur entsprechende Wünsche formuliert, sondern auch Ideen für solche Lebens- und Wohnmodelle entwickelt. Welche Hürden gilt es nun zu überwinden, um diese Ideen längerfristig in konkreten Projekten tatsächlich auch zu verwirklichen? Das hat auch viel mit Teilhabe zu tun: Wie können wir sichtbar und auch wirksam bleiben?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dieser Frage ist ja ein eigener Workshop nachgegangen. Eine Erkenntnis war: Aktivismus und Selbsthilfe sind auch im Alter möglich. Dazu müssen wir jedoch über den Community-Tellerrand hinausschauen und mit anderen Verbänden der Altersarbeit Bündnisse schaffen, um dann vereint an Politik und die Trägerinnen der Altenhilfearbeit herantreten zu können. Ich habe deshalb einfach mal eine Bundesaltenkonferenz ins Spiel gebracht, auf der unterschiedlichste Interessenvertretungen gemeinsame politische Forderungen erarbeiten könnten. Wir brauchen beispielsweise analog zum Kinder- und Jugendhilfeplan des Bundes ein Seniorinnenteilhabegesetz, mit dem die Senior*innenarbeit zu einer verpflichtend zu finanzierenden Aufgabe gemacht und damit auch mit einem vernünftigen Budget ausgestattet wird.</p>

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    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sind derzeit die größten Hürden, die es dafür zu überwinden gilt?</strong><br>Eine der entscheidenden Herausforderungen sind die leeren Kassen. Die andere, dass diese Aufgaben nicht von Ehrenamtlichen allein gestemmt werden können. Es braucht irgendwo immer auch eine gut ausgestattete hauptamtliche Stelle, die das Ganze koordiniert und organisiert. Es gibt nichts Frustrierenderes als Menschen, die ideengeschwängert und voller Elan von einer Konferenz wie der PoBe nach Hause kommen und in einen luftleeren Raum fallen, weil es die notwendigen Strukturen gar nicht gibt oder, wenn doch, diese sie nicht unterstützen können, weil sie knapp bei Kasse sind.</p>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was also muss passieren, damit die Dinge wirklich ins Rollen kommen?</strong><br>Wir müssen in unseren Communitys über positive Altersbilder sprechen, weil viele immer noch auf Ablehnung treffen, eben weil sie älter sind. Wir müssen den politischen Willen herstellen, dass Altersarbeit in den Communitys gefördert wird. Und das geht nur durch die Unterstützung von Selbstorganisationen – sei es auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene. Ich finde, das ist immer ein wichtiger Dreiklang, auch in der fachlichen Zusammenarbeit. Eine Aufgabe wäre dann auch, bereits bestehende Projekte vorzustellen und Best-Practice-Beispiele zu sammeln, die sich alle anderen zum Vorbild nehmen können. Es gibt bereits viele gute Ideen und Ansätze, doch damit diese kleinen, zarten Sprösschen wachsen können, braucht es eben auch ein bisschen mehr finanziellen Dünger.</p>

              </div>
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<h2 id="h-mehr-zum-thema-hiv-und-alter" class="wp-block-heading">Mehr zum Thema HIV und Alter</h2>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Kurzvideo: <a href="https://www.youtube.com/shorts/8PZyoybHgqg">&#8222;Menschen mit HIV fordern jetzt auch die Alternhilfe heraus&#8220;</a></p>

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		<title>Der Hass durchzieht Gesellschaft und Institutionen</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/the-hate-review-anti-gender-bewegung-europa/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 10:39:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Transrechte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560443</guid>

					<description><![CDATA[Die Anti-Gender-Bewegung hat sich zu einer ernsthaften Bedrohung der Menschenrechte in ganz Europa entwickelt. Das zeigt die Studie „The Hate Review“. Längst zeigt sich auch in Deutschland der erschreckende Einfluss.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Anti-Gender-Bewegung hat sich zu einer ernsthaften Bedrohung der Menschenrechte in ganz Europa entwickelt. Das zeigt die Studie „The Hate Review“ der Organisation <a href="https://www.forbidden-colours.com/?lang=de">Forbidden Colours</a>. Wie etwa in Russland, Ungarn und der Türkei zeigt sich auch in Deutschland der erschreckende Einfluss.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Rechte von Frauen und LGBTIQ+-Personen geraten in Europa zunehmend ins Visier einer Bewegung, die auch den Zugang zu reproduktiver Selbstbestimmung infrage stellt. <a>Forbidden Colours</a>, eine in Brüssel ansässige zivilgesellschaftliche Organisation, die sich für Menschenrechte und Demokratie sowie die Rechte von LGBTIQ+-Personen in Europa einsetzt, hat die Entwicklung über einen Zeitraum von 25 Jahren intensiv recherchiert. Das Ergebnis – der 457 Seiten starke „The Hate Review“ – ist <a href="https://www.forbidden-colours.com/hate-review/">ein aufwühlendes und beunruhigendes Dokument</a>. Der Bericht zeichnet nach, wie sich die sogenannte Anti-Gender-Bewegung in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat. Grundlage sind Länderanalysen aus den 46 Mitgliedern des Europarats und Russland.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie sich diese Entwicklung konkret vollzieht, zeigen die Länderberichte anhand zahlreicher Beispiele, die trotz nationaler Unterschiede vergleichbare Grundmuster erkennen lassen.</p>

              </div>
    </div>
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</blockquote>

        </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-unterschiedliche-strategien-aber-gemeinsame-feindbilder" class="wp-block-heading">Unterschiedliche Strategien, aber gemeinsame Feindbilder</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deutlich wird dabei, dass die Bewegung längst kein Randphänomen mehr ist. Inzwischen finden sich ihre Akteur*innen, Kampagnen und Deutungsmuster in allen untersuchten Ländern. Bei den europaweiten Recherchen wurden mehr als 700 Thinktanks, Netzwerke, politische Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen – etwa für strategische Klagen –, religiöse Institutionen, Elterninitiativen und Medien der Anti-Gender-Bewegung identifiziert. Auch wenn sich die verschiedenen Akteur*innen nicht zwangsläufig als Verbündete betrachten, verfolgen sie in unterschiedlichen nationalen Zusammenhängen immer wieder ähnliche Ziele und teilen gemeinsame Feindbilder: die sogenannte „Gender-Ideologie“ samt Feminismus, Gender Studies und Gleichberechtigungspolitik ebenso wie queere Menschen und deren Rechte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung unter anderem in Russland, Ungarn, Aserbaidschan, der Türkei und Georgien. Aber auch in Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich sowie in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden verzeichnet der Bericht besorgniserregende Entwicklungen.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Er verweist dabei auf einen scheinbaren Widerspruch: Auch Staaten, in denen Frauen und LGBTIQ+-Personen wichtige Rechte erkämpft haben, können stark von der Anti-Gender-Bewegung geprägt sein. Die erzielten Fortschritte wurden für sie zum Mobilisierungsthema – und lieferten zugleich die Grundlage für neue Gegenkampagnen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Rechte, selbst wenn sie über Jahrzehnte erkämpft wurden, sind deshalb nicht dauerhaft gesichert. Und sind gesellschaftliche Netzwerke und Narrative, die diese Rechte wieder zurückdrängen wollen, erst einmal etabliert, verschwinden sie nicht einfach wieder, sondern schlagen sich in politischen Entscheidungen nieder. Inzwischen zeigen sich bereits konkrete Folgen: Gesetze, politische Maßnahmen und bestehende Rechte werden infrage gestellt oder zurückgedrängt. Wie sich diese Entwicklung konkret vollzieht, zeigen die verschiedenen Länderberichte anhand zahlreicher Beispiele, die trotz ihrer nationalen Unterschiede vergleichbare Grundmuster erkennen lassen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h2 id="h-die-anti-gender-bewegung-agiert-langst-auch-in-der-politik" class="wp-block-heading">Die Anti-Gender-Bewegung agiert längst auch in der Politik</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zunehmend werden Gerichte, Parlamente und Behörden zu Schauplätzen der Auseinandersetzung. Parallel geraten zivilgesellschaftliche Organisationen und unabhängige Medien unter Druck. Werden diese Räume eingeschränkt und demokratische Kontrollmechanismen geschwächt, verringern sich auch die Möglichkeiten, der Bewegung wirksam entgegenzutreten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Damit geht es sogar um mehr als die Rechte von Frauen, queeren Menschen und die reproduktive Selbstbestimmung. Auf dem Spiel stehen ebenso demokratische Teilhabe und Rechtsstaatlichkeit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht von Forbidden Colours bündelt die Entwicklung auf europäischer Ebene. Die 47 Länderanalysen zeigen, wie unterschiedlich sich diese Dynamik in den einzelnen Staaten entfaltet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Deutschland zählt zu jenen Ländern, in denen der Einfluss von Anti-Gender-Interessensgruppen auf politische Entscheidungen weiter wachse.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
</blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-die-situation-in-deutschland-regierungsparteien-sind-teil-des-problems" class="wp-block-heading">Die Situation in Deutschland: Regierungsparteien sind Teil des Problems</h2>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie also blickt die Studie auf die gegenwärtige Situation hierzulande? Deutschland verbindet einen der am weitesten entwickelten Rechtsrahmen Europas für die Rechte von LGBTIQ+-Personen und Frauen mit einer zunehmend strukturierten und politisch verankerten Anti-Gender-Bewegung, wie „Hate Review“ feststellt. Gleichzeitig konnten Anti-Gender-Akteur*innen in mehreren Bundesländern Verbote geschlechtergerechter Sprache durchsetzen und in verschiedenen Regionen teilweise Zugeständnisse bei inklusiven Lehrplänen zur Sexualaufklärung erreichen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Kampagne gegen das Selbstbestimmungsgesetz in den Jahren 2022 bis 2024 hat eine sogenannte „genderkritische“ Strömung gestärkt, die direkte transnationale Verbindungen zu britischen und US-amerikanischen Anti-Trans-Netzwerken unterhält.</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit 2025 hat sich mit der Bildung der CDU/CSU-geführten Merz-Regierung ein entscheidender Wandel vollzogen. Die Anti-Gender-Rhetorik, wie sie bisher vor allem bei der AfD und in rechtsextremen Medien verbreitet war, macht sich zunehmend im politischen Diskurs der bürgerlichen Mitte breit.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Als Beispiel werden im Bericht die Vorgänge im Rahmen des Berliner CSDs genannt. Die Beflaggung mit Pride-Flaggen an Bundestagsgebäuden wurde verboten, und die Teilnahme von Bundestagsbeschäftigten an Pride-Veranstaltungen in ihrer beruflichen Funktion wurde eingeschränkt. Begründet wurden diese Entscheidungen der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mit dem Verweis auf institutionelle Neutralität. Im Zusammenspiel mit der bereits bundesweit strukturell verankerten AfD und einer wachsenden neonazistischen Bewegung, die Gewalt gegen Pride-Veranstaltungen zu einem Mittel der Rekrutierung und öffentlichen Sichtbarkeit gemacht hat, könnte dies in den kommenden Jahren zu einer bedrohlichen Dynamik und zur Normalisierung von Anti-Gender-Politik führen, so „The Hate Review“.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dieser Prozess, sagt Vincent Reillon von Forbidden Colours, werde zudem bereits im Bundestag und in Landtagen vorangetrieben. Anträge, die im Parlament zunächst zu scheitern scheinen, können dennoch erfolgreich die politische Agenda bestimmen, Normen verschieben und progressive Akteur*innen so weit in die Defensive drängen, bis diese schließlich inhaltliche Zugeständnisse machen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auf Bundesebene brachte die AfD ab 2020 etwa wiederholt Bundestagsanträge zur Sexualaufklärung ein. Alle diese Vorschläge wurden zwar abgelehnt, sie trugen jedoch dazu bei, den irreführenden Begriff „Frühsexualisierung“ in der Bundestagsdebatte präsent zu halten und gegen geschlechtergerechte Sprache vorzugehen. Auf diese Weise konnten Forderungen normalisiert werden, die zuvor als randständig gegolten hatten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Auch vonseiten der CDU/CSU droht nach Darstellung des Berichts Gefahr. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) etwa möchte ein dauerhaftes Register schaffen, in dem alle Personen erfasst werden, die das Selbstbestimmungsgesetz in Anspruch nehmen. Dort soll auch der frühere Geschlechtseintrag festgehalten werden und das Register soll staatlichen Behörden zugänglich sein. AfD und andere rechte bzw. rechtskonservative Akteur*innen wollen mit pseudowissenschaftlichen Begründungen gar einen „Trans-Hype“ ausgemacht haben.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Agitation gegen sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung ist längst Teil einer breiter angelegten „Anti-Woke“-Argumentation. Diese richtet sich gegen inklusive Bildungs- und Gleichstellungspolitik und versucht, über die eigene traditionelle Wählerschaft hinaus Anschluss zu finden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht nennt zudem die koordinierten Proteste gegen Drag-Lesungen oder die AfD-nahe Kampagne #Stolzmonat als medienwirksame Beispiele rechter Mobilisierung. Wie weit diese Mobilisierung reicht, zeigt sich laut Bericht auch daran, dass immer mehr CSD-Veranstaltungen in Deutschland von Rechtsextremen gestört werden.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-ein-beangstigendes-und-gut-finanziertes-netzwerk-agiert-gegen-geschlechtergerechtigkeit" class="wp-block-heading">Ein beängstigendes und gut finanziertes Netzwerk agiert gegen Geschlechtergerechtigkeit</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bewegungen gegen queere Rechte und Feminismus können inzwischen auf ein vielschichtiges Netzwerk von Akteur*innen bauen. Diese sind zwar selten formell unter einem einzigen Dach organisiert, teilen jedoch teilweise Personal, Finanzierungsnetzwerke und ideologische Grundlagen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Neue neonazistische Gruppen bilden dabei den gewaltbereiten Rand einer Bewegung, die ansonsten über Parteien, Institutionen und Medien agiert – von konservativen evangelikalen Netzwerken wie dem Weißen Kreuz bis hin zur AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, die Forschung, Veröffentlichungen und Jugendaktivitäten finanziert, die mit Anti-Gender-Positionen übereinstimmen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet diese Entwicklung für Deutschland? Das Resümee von „The Hate Review 2026“ fällt alles andere als zuversichtlich aus. Neben Spanien, Italien, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden zählt der Bericht Deutschland zu jenen Ländern, in denen der Einfluss von Anti-Gender-Interessensgruppen auf politische Entscheidungen weiter wachse.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-ist-diese-entwicklung-noch-aufzuhalten" class="wp-block-heading">Ist diese Entwicklung noch aufzuhalten? </h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine einfache und schnelle Lösung werde es nicht geben, konstatiert der Bericht von Forbidden Colours. Eine wirksame, langfristige Reaktion müsse deshalb:</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>früh ansetzen, bevor sich die Bewegung weiter verfestigt und ihre politischen Folgen zunehmen,</li>



    
<li>Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume schützen, damit Gegenwehr möglich bleibt, und</li>



    
<li>dauerhaft und an den Ursachen arbeiten – indem die Akteur*innen, ihre Mobilisierung und ihre Narrative sichtbar gemacht und gezielt angegangen werden.</li>

</ul>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für den ersten Punkt dürfte es in Deutschland bereits zu spät sein, an der Umsetzung von Punkt 2 und 3 arbeiten bereits eine ganze Reihe von Initiativen und Organisationen, die bei ihrer Arbeit weiterhin große Unterstützung benötigen. </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Derweil ist jede*r Einzelne aufgerufen, sich immer und überall, sei es in Vereinen, der Familie oder im Freund*innen- und Bekanntenkreis, Flagge zu zeigen. Kostenlose <strong>Argumentationshilfen </strong>für solche Gespräche gibt es bereits in großer Zahl zu verschiedenen Themen:</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Der Deutsche Frauenrat hat ein <a href="https://www.frauenrat.de/toolkit-gegen-antifeminismus/">Toolkit gegen Antifeminismus</a> herausgegeben, die Amadeu-Antonio-Stiftung eine <a href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/antifeminismus/das-koennen-sie-tun/">Handreichung</a> dazu erstellt. Auf ihrer Webseite hat die Stiftung zudem eine <a href="https://antifeminismus-begegnen.de/de/meldestelle-antifeminismus">digitale Meldestelle für antifeministische</a> Angriffe eingerichtet.</li>



    
<li>In der Mediathek von „Antifeminismus begegnen“ lassen <a href="https://antifeminismus-begegnen-mediathek.de/de/media/bild/antwortmoeglichkeiten-zu-klassischen-antifeministischen-und-vielfaltsfeindlichen">Antwortmöglichkeiten zu klassischen antifeministischen und vielfaltsfeindlichen Behauptungen</a> nachlesen. Auf der Webseite steht zudem eine digitale Broschüre mit <a href="https://antifeminismus-begegnen-mediathek.de/de/media/bild/transfeindlichen-mythen-einige-richtigstellungen">Richtigstellungen von transfeindlichen Mythen</a> zum kostenlosen Download bereit.</li>



    
<li>Der Verein Tadel verpflichtet hat zehn zentrale <a href="https://www.kleinerfuenf.de/10-anti-gender-argumente-widerlegt">Anti-Gender-Argumente</a> widerlegt.</li>



    
<li>Verdi kontert sieben häufig genannte <a href="https://www.verdi.de/jugend/antidiskriminierung/hass-gegen-lgbtiqa">Vorurteile gegenüber LGBTIQ+</a> mit Fakten.</li>

</ul>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em><a href="https://www.forbidden-colours.com/hate-review/">„The Hate Review“ 2026 steht (in englischer Sprache) kostenlos zum Download bereit.</a></em><strong><em><br></em></strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="jrJTxrZF7L"><a href="https://www.forbidden-colours.com/hate-review/">The Hate Review</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="“The Hate Review” — Forbidden Colours" src="https://www.forbidden-colours.com/hate-review/embed/#?secret=RO051Ay1ZC#?secret=jrJTxrZF7L" data-secret="jrJTxrZF7L" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<h2 id="h-mehr-zum-thema" class="wp-block-heading">Mehr zum Thema</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="YednhgZZTZ"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/">Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Aidshilfe bleibt stabil – für Solidarität, gegen Spaltung“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfe-bleibt-stabil/embed/#?secret=Wz1JgySxJI#?secret=YednhgZZTZ" data-secret="YednhgZZTZ" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="G9W74l94Yp"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transfeinde-stressen-segm/">Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Transfeinde stressen – und die Community stresst zurück“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transfeinde-stressen-segm/embed/#?secret=ByLbU7ZuYV#?secret=G9W74l94Yp" data-secret="G9W74l94Yp" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="Yyl3NHZdtG"><a href="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/">Transhass als Motor des Rechtsrucks</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Transhass als Motor des Rechtsrucks“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/transhass-als-motor-des-rechtsrucks/embed/#?secret=WKeGVpoKiO#?secret=Yyl3NHZdtG" data-secret="Yyl3NHZdtG" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="8boV8Vc38G"><a href="https://magazin.hiv/magazin/landtagswahlen-2024-afd/">Unsozial, rassistisch, menschenverachtend: Was will die AfD?</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Unsozial, rassistisch, menschenverachtend: Was will die AfD?“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/landtagswahlen-2024-afd/embed/#?secret=xJQio7lC4J#?secret=8boV8Vc38G" data-secret="8boV8Vc38G" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="JwZ56pIUs4"><a href="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfen-und-der-rechtsruck-wir-bleiben-ein-sicherer-ort/">Aidshilfen und der Rechtsruck: „Wir bleiben ein sicherer Ort!“</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Aidshilfen und der Rechtsruck: „Wir bleiben ein sicherer Ort!““ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/aidshilfen-und-der-rechtsruck-wir-bleiben-ein-sicherer-ort/embed/#?secret=8szwqzYmtc#?secret=JwZ56pIUs4" data-secret="JwZ56pIUs4" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Hot Rubber: Erfolgsgeschichte des schwulen Kondoms</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/hot-rubber-kondom/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/hot-rubber-kondom/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 13:09:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Aidshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[DAH-Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Aidshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Kondome]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560409</guid>

					<description><![CDATA[Mit dem Vertrieb der Schweizer Marke „Hot Rubber“ trug die Deutsche Aidshilfe vor 40 Jahren entscheidend zur „Kondomisierung“ der schwulen Community bei. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit dem Vertrieb der Schweizer Marke „Hot Rubber“ trug die Deutsche Aidshilfe vor 40 Jahren entscheidend zur „Kondomisierung“ der schwulen Community bei. Im Herbst 1985 begann die Geschichte eines Präventionscoups.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mit Parisern hatte der schwule Mann vor der Aidskrise nur wenig am Hut und kaum Erfahrung, denn Schwangerschaften mussten beim Sex nicht verhütet werden. Nun aber hatten Kondome einen ganz anderen Zweck: Sie schützen vor HIV. Für Safer Sex waren Präservative unverzichtbar. Doch wie dieses beim Geschlechtsverkehr eher als störend empfundene Utensil an den (schwulen) Mann bringen? Das Design der herkömmlichen Gummiwaren war klar auf eine heterosexuelle Zielgruppe zugeschnitten. Die Schachteln zeigten meist nackte Frauen, gerne auch in Verbindung mit einem Sonnenuntergang. Damit würde man die neue Zielgruppe nur schwerlich erreichen und für den Kondomgebrauch begeistern können. Das sah man auch in der Aids-Hilfe Schweiz – und wurde kreativ.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Die Verwendung von Präservativen wird nicht als tragisches, bedauerliches, lustminderndes, aber eben notwendiges Übel, sondern als der letzte Schrei, voll im Trend liegend dargestellt.“</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Friedrich Wilhelm Kronenberg, CDU, in einem BZgA-Bericht von 1987</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In Zusammenarbeit mit einem Hersteller wurde für eine bereits bewährte Marke ein neuer Name kreiert, „The Hot Rubber“, und ab November 1985 direkt von der Aidshilfe landesweit vertrieben. Auf den als unsexy geltenden Reservoirzipfel verzichtete man beim Hot Rubber ebenso wie auf Pin-ups auf der Verpackung. Das Design ist stattdessen in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten, wobei die beiden „b“ im Schriftzug von The Hot Rubber unverkennbar Hoden samt erigiertem Penis darstellen. Begleitet wurde die Markteinführung von einer professionellen, offensiven PR-Kampagne. Die monatlich wechselnden Werbemotive, die als Plakate in Bars und Saunen hingen bzw. als Anzeigen in der schwulen Presse geschaltet wurden, zeigten attraktive nackte Männer und transportieren eindeutige Botschaften.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Die Verwendung von Präservativen wird nicht als tragisches, bedauerliches, lustminderndes, aber eben notwendiges Übel, sondern als der letzte Schrei, voll im Trend liegend dargestellt“, wird 1987 der CDU-Politiker Friedrich Wilhelm Kronenberg in einem Bericht im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Schweizer Präventionsmaßnahmen konstatieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph">So ansprechend die Plakate auch waren, sie tatsächlich in den Bars und Saunen aufzuhängen war gar nicht so einfach, wie sich Roger Staub von der Aidshilfe Schweiz später erinnert: „Die Inhaber befürchten, dass Aids-Aufklärung die Besucher abhalten könnte, weil sie in ihrer Freizeit nicht mit einer tödlichen Krankheit konfrontiert sein wollen.“ Es bedurfte großer Überzeugungsarbeit, um die Betreiber umzustimmen. Der Einsatz lohnte sich. Nach wenigen Monaten war der Absatz so hoch, dass für den Hot Rubber eine eigene Firma gegründet wurde.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich gelang es, dem Präservativ ein neues Image zu geben. Nichts erinnert an jene Hilfsmittel zur Schwangerschaftsverhütung, die verschämt in Drogerien erworben oder aus Automaten auf öffentlichen Toiletten gezogen wurden.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Plakatmotive wie auch die begleitend zur Markteinführung produzierten Aufklärungsbroschüren propagierten lustbetonte Sexualität, spielten mit Szene-Codes und nutzten auch mal schweizerische Nationalsymbole wie das Matterhorn, um die Zielgruppe zu Safer Sex zu bewegen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Vertrieben werden die reißfesten Kondome jeweils als Zweierpack („Sicherheit für beide“) inklusive Portionspäckchen mit wasserlöslichem und fettfreiem Gleitgel, welches das Gummi nicht porös macht. Der Hot Rubber wie auch das Lubricant wurden mit minimaler Gewinnspanne verkauft und waren damit konkurrenzlos günstig. Der Verkaufserlös floss in die Kasse der Aidshilfe Schweiz.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Der Erfolg dieser Safer-Sex-Kampagne blieb auch in Deutschland nicht unbemerkt. Der noch junge Dachverband Deutsche AIDS-Hilfe kontaktierte die Hot Rubber Company und übernahm im Herbst 1986 offiziell den Vertrieb in Deutschland. Doch zunächst bedurfte es noch der staatlichen Genehmigung, das Kondom nach Paragraf 20 des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten auf den Markt bringen zu dürfen – so viel deutsche Ordnung musste sein.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Für den Vertriebsaufbau kommt Karl Georg Kruse, Begründer der Münchner Aids-Hilfe, nach Berlin. Im März 1987 ist das Kondom schließlich bundesweit flächendeckend in schwulen Saunen, Bars, Sexshops und Kommunikationszentren erhältlich. Beworben wird es mit den bereits in der Schweiz erprobten unmissverständlichen Plakatmotiven – etwa dem Foto eines nackten Männerhinterns mit dem Slogan „Für jede Ladung“. Auch in Deutschland ist die Kampagne erfolgreich: Zeitweilig ist die Nachfrage so groß, dass es zu Lieferengpässen kommt. Dazu trägt ganz sicher auch die Bewertung „sehr gut“ durch die Stiftung Warentest bei, was das Vertrauen in die neue Marke stärkte.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Auch das neue Mitbewerberprodukt HT Spezial (mit dem der Hersteller Blausiegel in einer neutralen, aber ansprechenden Verpackung ebenfalls die neue mann-männliche Käuferschaft anpeilte) hatte dieses Prädikat erhalten. Der Hot Rubber unterschied sich jedoch durch drei Eigenschaften: Er war preisgünstiger (denn auch die DAH bringt das Kondom nur mit einem geringen Aufpreis auf den Markt), dünner (und damit „gefühlsechter“) und länger. Entscheidend für die Reißfestigkeit eines Kondoms ist nämlich nicht die Dicke, wie man denken würde, sondern das Berstvolumen. Der Hot Rubber hielt selbst größte Belastungen aus und war deshalb auch für Analverkehr besonders gut geeignet. Damit werben durfte man allerdings nicht. „Das Kondom war darauf ja nicht geprüft“, sagt Schilling. „Wie auch.“ Ein besonderes Testverfahren für den Einsatz bei dieser Sexualpraktik gab es nicht.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Der Hot Rubber fand in Deutschland dabei nicht nur bei schwulen Männern reißenden Absatz. Die Aidshilfe Konstanz etwa belieferte auch die örtlichen Bordelle.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Stiftung Warentest hatte am Hot Rubber dann aber doch etwas zu bemängeln, allerdings weniger an dem aus der Schweiz importierten Überzieher, sondern an der von der DAH verantworteten Verpackung. Das harsche Urteil der Tester: Der Text der Gebrauchsanweisung sei zu dröge und zu technisch. Der damalige Schwulenbeauftragte der DAH,dessen Amt überhaupt erst nach dem Hot-Rubber-Deal eingerichtet wurde,  fühlte sich dadurch bestätigt. Denn auch Rainer Schilling hatte sich eine direktere Ansprache und eine lebensnahere Anleitung gewünscht.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Der Hot Rubber fand in Deutschland dabei nicht nur bei schwulen Männern reißenden Absatz. Die Aidshilfe Konstanz etwa belieferte auch die örtlichen Bordelle; die Aidshilfe Frankfurt verteilte die Swiss-made-Kondome bei einem Aktionstag gegen staatliche Zwangs- und Kontrollmaßnahmen an Passant*innen aller Geschlechter.</p>

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              Hot Rubber Company / Deutsche AIDS-Hilfe 
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<p class="wp-block-paragraph">Ob es tatsächlich gelang, wie es der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker einmal kritisch formulierte, Kondome zu „erotisieren“, ist durchaus fraglich. Nur ein Fünftel der vom Soziologen Michael Bochow für dessen 1993 veröffentlichte Studie „Die Reaktionen homosexueller Männer auf AIDS in Ost- und Westdeutschland“ befragten Männer gab an, dass sie das Kondom „problemlos“ in sexuelle Handlungen einbringen können. Knapp die Hälfte berichtete, dass die Kondomverwendung bei Analverkehr zu Erektionsschwierigkeiten führe und die Handlungen „zu technisch“ mache. Die schwule Community hatte ihr Sexual- und Schutzverhalten ungleich schneller und konsequenter angepasst und verändert.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Dennoch war es durch die Einführung und Bewerbung des Hot Rubber als Teil der Präventionsmaßnahmen gelungen, die „Kondomisierung“ des schwulen Mannes entscheidend voranzutreiben. Innerhalb weniger Jahre wurde der Präservativgebrauch zum neuen Standard beim Sex zwischen Männern.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Während vor Aids ein Drittel der Schwulen kondomlosen rezeptiven Analverkehr außerhalb fester Partnerschaften hatte, waren es nach 1986 nur noch drei Prozent, ermittelte Martin Dannecker in seiner Studie „Homosexuelle Männer und AIDS“.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zum Vergleich der Gesamtdynamik erhob auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ab 1988/1989 Daten in der Gesamtbevölkerung. Fast die Hälfte der dafür Ende der 1980er-Jahre Befragten gab an, generell keine Kondome zu nutzen. Die schwule Community hatte, auch bedingt durch die akute Existenzbedrohung, ihr Sexual- und Schutzverhalten ungleich schneller und konsequenter angepasst und verändert.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Damit war bereits wenige Jahre nach Markteinführung des Hot Rubber das Ziel erreicht und zudem auch eine zielgruppenspezifische Bewerbung von Präservativen nicht mehr notwendig. Vom BZgA-Slogan „Mach’s mit“ konnten und sollten sich ganz verschiedene Menschen angesprochen fühlen. Zwischenzeitlich hatten zudem auch deutsche Kondomhersteller Produkte auf den Markt gebracht, die auch für eine schwule Zielgruppe ansprechend waren. Mit der Wende kam mit den ehemaligen VEB Plastina Gummiwerken „Werner Lamberz“, dem Hersteller der in der DDR gängigen Mondo-Kondome, eine der größten Fabrikationsanlagen für Präservative hinzu. Die durch die HIV-Pandemie gewachsene Nachfrage nach Kondomen konnte aus deutscher Produktion bedient werden und Importe aus der Schweiz waren schon lange nicht mehr notwendig.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ein für 2007 geplanter Relaunch der Marke Hot Rubber als „erstes Kondom aus fair gehandeltem Latex“ verlief schließlich im Sande. Der Markt war schlicht gesättigt.</p>

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		<title>Eine Frage der Gerechtigkeit</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/aidskrise-kenia-call-me-queen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 13:07:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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		<category><![CDATA[HIV]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Spielfilm „Call Me Queen“ erzählt Emily Atef von der Aidskrise im Kenia der 1990er-Jahre, wo sich Frauen zusammenschlossen, um für einen gerechten Zugang zur HIV-Therapie zu kämpfen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In ihrem empathischen und mitreißenden Spielfilm „Call Me Queen“ erzählt Emily Atef von der Aidskrise in Ostafrika Ende der 1990er-Jahre – und davon, wie sich Frauen zusammenschließen, um für einen gerechten Zugang zur HIV-Therapie zu kämpfen. Heute ist die Medikamentenversorgung in Kenia und anderen afrikanischen Ländern wieder bedroht.</strong></p>

              </div>
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<h2 id="h-vernachlassigte-perspektiven-der-aidskrise" class="wp-block-heading">Vernachlässigte Perspektiven der Aidskrise</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Nairobi 1999: Diese Frau weiß sich durchzusetzen. Sie muss es auch. Damit die alleinerziehende Queen (Eliane Umuhire) ihre zwei Kinder mit mehr als nur dem Allernötigsten versorgen kann, benötigt sie einen besseren Job. Mit Durchsetzungskraft, wie sie sich der irischen Auslandskorrespondentin Anne mit Charme und dezenter Hartnäckigkeit als Haushilfe geradezu aufdrängt, beweist Queen auch ihre Fähigkeit, entschlossen auf Menschen zuzugehen.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bald putzt sie nicht nur im Wohnsitz und Arbeitsplatz der Journalistin, sondern verhilft Anne (Denise Gough) auch zu wichtigen Recherchekontakten innerhalb der Bevölkerung. Und schließlich zu Einblicken in das, was die Politik und Gesellschaft Kenias, wie die vieler anderer afrikanischer Länder in den Neunzigerjahren, nicht mehr ignorieren können: die sich stetig ausbreitende Aidskrise.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Als auch bei Queen Aids diagnostiziert wird, erlebt Anna, was diese Krankheit für die Einheimischen wirklich bedeutet. Denn was für Patient*innen zu dem Zeitpunkt in weiten Teilen der Welt selbstverständlich ist, gilt hier nicht. Die Medikamente sind für die Menschen unbezahlbar. Vor der Klinik bilden sich lange Schlangen. Von den wenigen, die stationär aufgenommen werden können, sterben die meisten in kurzer Zeit. 700 Menschen sind es im Land, und zwar Tag für Tag.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Queen überlebt, weil Anna ihr die Behandlung finanzieren kann. Anna möchte über diese viel zu wenig beachtete humanitäre Katastrophe berichten, doch ihr Redakteur im fernen London winkt ab. Es herrschen so viele Krisen und Kriege in der Welt, die ins Blatt müssten. Mit Aids jedoch lockt man keine Leser*innen. Der Bosnienkrieg und die Einführung des Euro haben Priorität.</p>

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<h2 id="h-mit-den-mitteln-des-kinos-gegen-die-ignoranz" class="wp-block-heading">Mit den Mitteln des Kinos gegen die Ignoranz</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Gerade in jüngster Zeit wächst das Interesse von Filmschaffenden an den dramatischen Jahren der Aidskrise. Der österreichische Regisseur Manuel Wetscher etwa erzählt in „Eklipse“, wie ein Teenager die Erkrankung seines Vaters im Jahr 1999 erlebt. Andrew Scott porträtiert in dem biografischen Drama „Elsinore“ den 1989 verstorbenen britischen Schauspieler Ian Charleson in seinen letzten Lebensmonaten. „Call Me Queen“ ist jedoch besonders, weil der Film den Blick auf eine Region lenkt, die in diesem Kontext vom Kino bislang weitgehend ignoriert wurde. So wie schon in den Neunzigerjahren weithin Desinteresse an der Aidskrise auf diesen Ländern herrschte.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die iranisch-deutsch-französische Regisseurin Emily Atef („3 Tage in Quiberon“) führt das Publikum in ihrem auf Lara Santoros Roman „Mercy“ sowie auf realen Personen und Ereignissen basierenden Film empathisch an das Thema heran. Vor allem aber verpackt sie jede Menge Basisinformationen in ein geschickt konstruiertes, dabei keineswegs aufdringlich didaktisches Drehbuch. Atef setzt dabei auf bewährte Erzählstrukturen und die Verbindung von gesellschaftskritischem Drama, emotionalem Aktivismus und ausdrucksstarken Bildern.</p>

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<h2 id="h-der-kampf-um-bezahlbare-medikamente" class="wp-block-heading">Der Kampf um bezahlbare Medikamente</h2>

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<p class="wp-block-paragraph">Nach Wochen der Krankheit erscheint Queen dank der Medikamente wie von den Toten auferstanden bei einem Treffen von Frauen ihrer Gemeinde. Viele sind selbst erkrankt oder pflegen Familienangehörige. Darüber reden können sie nur in diesem geschützten Raum, und auch hier wagen sie nicht, das allzu Offensichtliche auszusprechen. Wie unheilvoll sich Scham und Angst vor Diskriminierungen auswirken, wird hier in wenigen Filmminuten mit einem pointierten Schlagabtausch eindrücklich deutlich.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Queen aber hat nach den Wochen das Krankenhaus als eine andere verlassen. Nicht nur, dass sie ihre Lockenpracht abgeschnitten hat und sich nun mit Glatze präsentiert. Sie will das Schweigen brechen. Sichtbar werden, laut werden. Und das für alle einfordern, was ihr nur dank der Journalistin ermöglicht wurde: Zugang zu preiswerten HIV-Medikamenten, genauer gesagt zu Generika.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">In Ländern wie Thailand wurde dadurch der Bann gebrochen, das Sterben weitgehend beendet. Doch Kenia ist, wie viele andere afrikanische Länder, dem Welthandelsabkommen beigetreten und hat sich damit verpflichtet, geistiges Eigentum zu schützen. Für internationale Pharmakonzerne bedeutet dies, dass sie auch in diesen armen Staaten ihre Originalpräparate mit enormem Profit verkaufen können.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Erpressung“ nennt es Queen in einem informellen Gespräch mit dem Staatssekretär des Gesundheitsministers. Bei einem schnellen Espresso lässt dieser nebenbei noch fallen, dass der Staat aufgrund gestiegener Preise den Import der HIV-Medikamente nunmehr komplett einstellen wird.</p>

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<h2 id="h-die-widerstandige-macht-der-frauengemeinschaft" class="wp-block-heading">Die widerständige Macht der Frauengemeinschaft</h2>

              </div>
    </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Emily Atef verbindet und verdichtet die sozialen und kulturellen Hintergründe und die komplexen wirtschaftspolitischen Vorgänge mit emotionalen Entwicklungen zu einem Drama, das diese Informationen sehr geschickt über die Handlung und mit einem sehr lebendigen, facettenreichen Figurenensemble vermittelt. Zugleich gelingt es ihr, weiße Privilegien offenzulegen und gezielt auf Schwarze Perspektiven zu setzen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">„Mir war es wichtig zu zeigen, welche Kraft entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, um den Status quo in Frage zu stellen und sich ihre Stimme zurückzuholen. Es geht um die Macht der Gemeinschaft und des Widerstands.“</p>

              </div>
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<cite>Emily Atef</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">„Call Me Queen“ vermeidet dabei das Pathetische und Überdramatische. Der Film ist deutlich, aber nicht plakativ. Er verdeutlicht eindrücklich die verzweifelte Situation von Menschen, denen beigebracht wurde, sich nicht zu beschweren, sondern ihr Schicksal hinzunehmen. Queen will das ändern. Was in einer kleinen Gruppe skeptischer Frauen beginnt, wird unter der charismatischen Queen am Ende zu einer Demonstration mit vielen hundert Teilnehmenden anwachsen, die ihr Recht auf bezahlbare Medikamente und damit auf die Chance zu leben einfordern.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ohne Medienöffentlichkeit, das hat Queen durch Anna gelernt, entsteht kein Druck, und ohne Druck erwächst keine Veränderung. Darin liegt für Emily Atef auch die Botschaft dieser Geschichte für die Gegenwart. „Mir war es wichtig zu zeigen, welche Kraft entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, um den Status quo in Frage zu stellen und sich ihre Stimme zurückzuholen“, sagt die Regisseurin. „Es geht um die Macht der Gemeinschaft und die Macht des Widerstands.“ Den Mut, aufzubegehren, das Tabu zu brechen und Veränderungen einzufordern, haben in „Call Me Queen“ – abgesehen von einem unterstützenden Priester – ausschließlich Frauen. Auch in den eingebauten Dokumentaraufnahmen von Demonstrationen, auf denen eine HIV-Therapie für alle gefordert wird, sind nur wenige Männer zu sehen.</p>

              </div>
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              Hélène Louvart, Ringel Film 2026
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<p class="wp-block-paragraph">Was am Ende des Films nicht im Detail deutlich wird: Die Proteste zeigten Wirkung, vor allem auf den damaligen kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi. Er erklärte im November 1999 die HIV-Epidemie in seinem Land zu einer nationalen Katastrophe und machte damit den Weg frei, um Generika der lebensrettenden HIV-Medikamente importieren zu können.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen steht Kenia im Kampf gegen Aids erneut an einem Scheideweg. Die US-Regierung will die notwendige finanzielle Unterstützung bei der Medikamentenversorgung nur dann wieder aufnehmen, wenn Kenia im Gegenzug vollen Zugriff auf alle Patient*innen-Daten gewährt. Man könnte es auch Erpressung nennen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Call Me Queen“. Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2026, 105 Min. Regie Emily Atef, mit Eliane Umuhire, Denise Gough, Danny Sapani, Charlie Carrick, Dominic West u. a. Kinostart: 15.10.2026</em></p>

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<h2 id="h-trailer-zu-call-me-queen" class="wp-block-heading">Trailer zu &#8222;Call Me Queen&#8220;</h2>

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		<title>Voguing als politischer Akt: The Beauty of Ballroom</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Schock]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 17:18:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[Die mitreißende Kinodokumentation „The Beauty of Ballroom“ taucht tief in die queere Ballroom-Szene Asiens ein und stellt empowernde Geschichten von Malaysia über Thailand bis zu den Philipinen vor. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph" id="h-die-mitreissende-kinodokumentation-the-beauty-of-ballroom-taucht-tief-in-die-queere-voguing-und-ballroom-szene-asiens-ein-und-stellt-empowernde-geschichten-von-malaysia-uber-thailand-bis-zu-den-philipinen-vor-express-yourself"><strong>Die</strong> <strong>mitreißende Kinodokumentation „The Beauty of Ballroom“ taucht tief in die queere Ballroom-Szene Asiens ein und stellt empowernde Geschichten von Malaysia über Thailand bis zu den Philipinen vor. Express yourself!</strong></p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Madonna ist schuld, definitiv. Von ihrer Aufforderung „Strike a pose“ fühlten sich Menschen rund um den Erdball angesprochen. Mit ihrem Video zum Hit „Vogue“ verschaffte die Popdiva einem US-amerikanischen Underground-Phänomen 1990 globale Aufmerksamkeit. Im selben Jahr zeigte Jennie Livingston in ihrem Dokumentarfilm „Paris Is Burning“, was die von Schwarzen, Latinx, queeren und trans Menschen geprägte Szene ausmacht, wie sich ihre Mitglieder zu Wahlfamilien, sogenannten Houses, zusammenschließen und auf fantasievollen Bällen und Wettbewerben eine ganz eigene Form der Selbstermächtigung, Selbstverwirklichung und des künstlerischen Ausdrucks entwickelt haben. Jahrzehnte später brachte die Serie <a href="https://magazin.hiv/schlagwort/serie-pose/" data-type="post_tag" data-id="10554">„Pose“</a> die Ballroom-Szene der 80er und 90er Jahre einem breiten Publikum näher, erinnerte an ihre Kämpfe auch angesichts der Aidskrise und verschafft Voguing neuen Auftrieb. Auch die deutsche TV-Serie „House of Bellevue“ knüpfte zuletzt an das Erbe der New Yorker Community im Berlin der Gegenwart an. Derweil strahlte der Mythos Ballroom in alle Ecken der Welt und inspiriert Menschen, die in ihrer Gesellschaft marginalisiert und diskriminiert werden, eine schützende und bestärkende eigene Gemeinschaft aufzubauen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Voguing ist für die Beteiligten mehr als Tanzen, es ist ein Mittel zum Überleben und ein politischer Akt.</p>

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</blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph">So wie etwa Aurora Sun Labeija: Er wuchs bei Adoptiveltern in Norwegen auf, ist heute aber das Herz und die Seele der thailändischen Ballroom-Szene und lässt auf ganz selbstverständliche Weise die Spiritualität und die Traditionen dieses Landes in ihre Performancekunst einfließen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Oder Teddy Oricci. Nachdem er vor der Gewalt seines homophoben Vaters geflohen war, erschuf er in Kuala Lumpur einen Ort, an dem Menschen wie er ein Zuhause finden: The Kiki House for Lost Queers. Alte Familienfotos zeigen einen introvertiert wirkenden jungen Mann. Heute kann der Kontrast kaum größer sein – mit Topfschnitt, extravaganter Brille und Ganzkörpertattoos. Im Film ist Teddy als vor Energie überschäumender Macher zu erleben, der sich auf dem Dancefloor in akrobatischen Moves bewegt, sich aber auch als herzensguter Freund und Seelentröster, als tougher Organisator sowie als HIV-Aktivist erweist. Gleich bei einem seiner ersten sexuellen Erlebnisse infizierte er sich aus Unwissenheit mit dem Virus. Nun nutzt er die Ballroom-Events auch zur HIV-Aufklärung. Vor Ort werden sogar HIV-Tests angeboten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die Bälle mögen nicht ganz so überbordend, extravagant und opulent sein wie ihre US-Vorbilder, sind aber mindestens so kreativ.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Mit Xyza Mizrahi wird auch eine hetero cis Frau in der sonst von LGBTIQ-Personen dominierten Ballroom-Szene porträtiert. Die politisch engagierte Philippina hat hier einen Ort gefunden, in der sie sich als Tänzerin ausprobieren kann und gleichzeitig aufgehoben fühlt. Und Voguing ist für sie ein Weg, ihre Weiblichkeit auf neue Weise zu leben. Das von ihr gegründete House of Mizrahi führt sie mit straffer Hand. Sie finanziert es nicht nur weitgehend selbst, sondern ermöglicht, dass alle unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten Kurse belegen können. Die Bälle mögen nicht ganz so überbordend, extravagant und opulent sein wie ihre US-Vorbilder, sind aber mindestens so kreativ.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für den Film begleitete Choreograf*in und LGBTQIA+-Aktivist*in Chan Sze-Wie – selbst aus Singapur – Persönlichkeiten der Ballroom-Szene in Thailand, Malaysia und auf den Philippinen über einen Zeitraum von sieben Jahren, auch durch die Corona-Zeit. Trotz der durch die Pandemie bedingten Einschränkungen ist die Ballroom-Community nicht zerbrochen, sondern hat dadurch vielmehr einen enormen Aufwind erhalten. Die Menschen saßen zuhause fest, ließen sich von Voguing-Videos dazu inspirieren, selbst ihre Performances ins Netz zu stellen. Statt auf analogen Bällen vernetzten sich und kommunizierten viele queerer junger Südostasiat*innen nun digital. Dabei dokumentiert der Film nicht nur die Entwicklung der Ballroom-Communitys im asiatischen Raum, sondern auch die Lebensgeschichten seiner Protagonist*innen. Chan Sze-Wei liefert den gesellschaftlichen Hintergrund, schöpft aus reichlich dokumentarischem Material und präsentiert natürlich zahlreiche Tanzperformances.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Schließlich begleitet der Film Teddy Oricci und Xyza Mizrahi auf eine Art Pilgerreise nach New York, in die Heimat des Voguing. Dort treffen sie jene legendären Mothers und Ikonen, deren House ihre eigenen inspiriert haben. Mehr als einmal sagen sie, dass sie sich selbst nach der Aneignung dieser Kultur immer noch wie Gäste darin fühlen – ein klares Bekenntnis zu den Black- und Latinx-Communitys, die Ballroom ins Leben gerufen haben. Und doch geht dieser Respekt mit einer starken Rückbesinnung auf ihre eigenen kulturellen Wurzeln einher – Sun beispielsweise greift in seinen Darbietungen auf buddhistische Ikonografie und Philosophie zurück, während Teddy Oricci malaiische Gesänge in seine Performances einfließen lässt.</p>

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            <img loading="lazy" decoding="async" class="lazyload js-lazyload"  alt=""Sogie Equality now" steht auf Engelsflügeln bei einer Ballroom-Performance" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" data-src="https://magazin.hiv/wp-content/uploads/2026/09/Sogie-Angel_Rise-And-Shine-Cinema-scaled-1-1600x0-c-center.jpg" data-sizes="auto" width="1600" height="900" >
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              Rise and Shine Cinema
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<p class="wp-block-paragraph">Bei aller Überfülle verliert der Film nicht den Fluss, sondern gewinnt durch diese offene Struktur an Lebendigkeit. Da sind die euphorische Glücksmomente, energetische von den Beats befeuerte Performances, in denen die Zuneigung und Verbundenheit zu den Community-Mitgliedern, aber auch zu Familienangehörigen auf berührende Weise zum Tragen kommen. Dann wieder erzählen die Protagonist*innen von der Trans- und Queerfeindlichkeit, die sie erlitten haben, von traumatisierenden Konflikten mit der Herkunftsfamilie, von Gewalt und Leid unterschiedlichster Art.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Teddy Oricci und sein House-Mitglied Kimmy werden während der Dreharbeiten 2022 in dem muslimisch regierten Malaysia von der „Religionspolizei“ festgenommen, weil sie sich „als Frau ausgegeben“ hätten. Ohnehin ist die queere Community in dem durch eine repressive Kultur geprägten Land immer wieder Schikanen ausgesetzt. Voguing ist deshalb für die Beteiligten mehr als Tanzen, es ist ein Mittel zum Überleben und ein politischer Akt.</p>

              </div>
    </div>
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<h2 id="h-mehr-zu-beauty-of-ballroom" class="wp-block-heading">Mehr zu &#8222;Beauty of Ballroom&#8220;</h2>

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    </div>
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<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="THE BEAUTY OF BALLROOM - Offizieller Filmtrailer" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/Y2PPe4er6z0?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>„The Beauty of Ballroom“. Regie: Chan Sze-Wei.</em> <em>Philippinen, Singapur, Indonesien, Deutschland 2025, 96 Minuten, Kinostart: 24.9.2026.</em></p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Events zum Kinostart in Deutschland mit Aurora Su Labeija</em></strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><em>MÜNCHEN: Arena Filmtheater, 18.9., 18.30 Uhr</em></li>



    
<li><em>WIESBADEN: Caligari Filmbühne, 19.9., 20.00 Uhr</em></li>



    
<li><em>KÖLN: Odeon, 20.9., 20.00 Uhr</em></li>



    
<li><em>BERLIN: Kino International, 21.9., 21.30 Uhr, Special Guest: European Mother Leo Saint Laurent</em></li>



    
<li><em>HAMBURG: Zeise Kino, 22.9., 20.00 Uhr</em></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
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		<item>
		<title>Neue Leitlinie zu HIV und Nervensystem: Was drinsteht, was fehlt</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/leitlinie-hiv-nervensystem-2026/</link>
					<comments>https://magazin.hiv/magazin/leitlinie-hiv-nervensystem-2026/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Siegfried Schwarze]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 06:34:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Leben mit HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Leitlinien]]></category>
		<category><![CDATA[Neurokognitive Störungen]]></category>
		<category><![CDATA[Neurologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560357</guid>

					<description><![CDATA[Eine Einordnung der Leitlinie 2026 zu HIV und neurokognitiven Beeinträchtigungen aus Community-Sicht – von Siegfried Schwarze]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Einordnung aus Sicht der Community</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2026 ist die überarbeitete Leitlinie „Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erschienen<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a>. Sie richtet sich an Neurolog*innen und beschreibt, wie Erkrankungen des Nervensystems bei Menschen mit HIV erkannt und behandelt werden sollen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Solche Leitlinien sind wichtig. Sie bestimmen mit, was in der Sprechstunde passiert, welche Untersuchungen gemacht werden und welche Therapie vorgeschlagen wird. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick.</p>

              </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vorweg: Vieles in dieser Leitlinie ist solide und hilfreich. Sie fasst gut zusammen, worauf bei seltenen, aber ernsten Komplikationen zu achten ist, sie warnt vor Wechselwirkungen zwischen HIV-Medikamenten und Medikamenten aus der Neurologie und sie ist ohne Geld der Industrie entstanden. Für den Alltag in einer neurologischen Klinik ist das ein brauchbares Nachschlagewerk.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">An einer zentralen Stelle bleibt sie aber deutlich hinter dem zurück, was international seit Jahren diskutiert wird. Und diese Stelle betrifft ausgerechnet das Thema, das viele Menschen mit HIV am meisten beschäftigt: das Gedächtnis, die Konzentration, die Frage „Macht das Virus mein Gehirn kaputt?“.</p>

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<h2 id="h-1-die-zahlen-in-der-leitlinie-sind-erschreckend-und-sie-sind-wahrscheinlich-falsch" class="wp-block-heading">1. Die Zahlen in der Leitlinie sind erschreckend. Und sie sind wahrscheinlich falsch.</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In der Leitlinie steht, dass 30 bis 50 Prozent aller Menschen mit HIV im Lauf ihres Lebens eine „neurokognitive Beeinträchtigung“ entwickeln, also eine Beeinträchtigung von Gedächtnis oder Denkvermögen, und dass rund 60 Prozent irgendwann eine neurologische Funktionsstörung bekommen.</p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wer das liest und selbst mit HIV lebt, erschrickt zu Recht.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Diese Zahlen stammen aus Studien, die mit einem bestimmten Messverfahren gearbeitet haben, den sogenannten Frascati-Kriterien von 2007. Und dieses Verfahren hat ein handfestes Problem: Es stuft sehr viele Menschen als beeinträchtigt ein, die es gar nicht sind.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Was &#8230; als „HIV-Effekt“ gemessen wird, ist teilweise etwas ganz anderes.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der Grund ist rechnerischer Natur. Man macht sechs bis sieben verschiedene neurologische Tests. Wenn die Ergebnisse bei zweien davon etwas unter dem Durchschnitt liegen, gilt man nach diesen Kriterien bereits als beeinträchtigt. Nur: Etwas unter dem Durchschnitt liegt man bei einzelnen Tests auch als völlig gesunder Mensch ziemlich leicht. Fachleute haben nachgerechnet: Rund ein Viertel aller kognitiv gesunden Menschen würden mit diesem Verfahren fälschlich als auffällig eingestuft, je nach Auswertungsart sogar noch mehr.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wie sehr das die Ergebnisse verzerrt, zeigt ein Beispiel aus Südafrika. Forschende nahmen eine einzige Gruppe von Menschen mit HIV und werteten deren Tests auf zwanzig verschiedene, jeweils gebräuchliche Arten aus. Je nach Rechenweg lag die „Häufigkeit von Beeinträchtigung“ zwischen 20 und 97 Prozent. Bei denselben Menschen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt: Die Tests messen nicht direkt den Zustand des Gehirns. Die Ergebnisse werden stark davon beeinflusst, wie viel Schulbildung jemand hatte, in welcher Sprache getestet wird, wie es der Person sozial und finanziell geht, ob sie gut schläft, ob sie depressiv ist. Menschen mit HIV haben aus vielen Gründen häufiger belastende Lebensumstände als der Bevölkerungsdurchschnitt. Was dann als „HIV-Effekt“ gemessen wird, ist teilweise etwas ganz anderes.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Und schließlich: Nicht jede Gedächtnisstörung bei einem Menschen mit HIV kommt von HIV. Bluthochdruck, Diabetes, durchgemachte Schlaganfälle, Alkohol, Substanzkonsum, Depression, Schlafstörungen, Alter – all das wirkt aufs Gehirn. Die alten Kriterien schreiben solche Fälle trotzdem der HIV-Infektion zu.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Große Langzeitstudien zeigen inzwischen ein anderes Bild. In mehreren US-Kohorten unterschied sich der geistige Abbau von Menschen mit HIV <strong>nicht</strong> von dem HIV-negativer Vergleichsgruppen. Wo Unterschiede gefunden wurden, waren sie sehr klein und deutlich geringer als der Einfluss von Bildung, Alter oder Einkommen. In einer italienischen Kohorte<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> lag die Rate HIV-assoziierter Demenz zuletzt bei 0,4 Prozent.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das heißt nicht, dass es keine Probleme gibt.</strong> Es gibt Menschen mit HIV, die real unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen leiden, und diese Menschen verdienen gute Abklärung und Hilfe. <strong>Es heißt aber</strong>: Die Aussage „Fast jede zweite Person mit HIV entwickelt irgendwann eine Hirnleistungsstörung“ ist nach heutigem Kenntnisstand nicht haltbar, und sie unkommentiert zu wiederholen, schadet.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-2-die-einteilung-die-die-leitlinie-benutzt-gilt-international-als-uberholt" class="wp-block-heading">2. Die Einteilung, die die Leitlinie benutzt, gilt international als überholt</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">2023 hat eine internationale Arbeitsgruppe aus zwanzig Fachleuten und Community-Vertreter*innen – etwa zur Hälfte aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz – Empfehlungen für eine neue Einteilung kognitiver Beeinträchtigungen bei Menschen mit HIV veröffentlicht. Die Europäische AIDS-Gesellschaft EACS hat diesen Ansatz noch im selben Jahr übernommen.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zwei Punkte daraus sind besonders wichtig:</p>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erstens</strong> soll unterschieden werden zwischen Schäden, die HIV wirklich selbst verursacht, und Schäden mit anderen Ursachen. Das klingt selbstverständlich, war es bisher aber nicht.</p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweitens</strong>, und das ist praktisch entscheidend: Es wird unterschieden zwischen <em>Alt-Schäden</em> und <em>aktivem Geschehen</em>. Alt-Schäden sind Folgen aus der Zeit vor der Therapie, oft aus einer späten Diagnose bei sehr niedrigen Helferzellzahlen. Sie sind da, aber sie schreiten nicht weiter fort. Ein aktives Geschehen wäre etwas, das gerade jetzt weiter Schaden anrichtet und womöglich schlimmer wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für Betroffene ist das ein enormer Unterschied. „Ich habe eine Narbe aus den 90er-Jahren, die bleibt, aber sie wird nicht schlimmer“ ist etwas völlig anderes als „Mein Gehirn wird gerade fortlaufend geschädigt“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Außerdem empfiehlt die Arbeitsgruppe, Menschen mit auffälligen Testergebnissen ohne Beschwerden nicht länger eine Krankheitsdiagnose anzuhängen. Man beschreibt dann eine niedrige Testleistung, statt einer Person eine Störung zu bescheinigen, die sie nicht spürt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.2#quote"></use>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe eine Narbe aus den 90er-Jahren, die bleibt, aber sie wird nicht schlimmer“ ist etwas völlig anderes als „Mein Gehirn wird gerade fortlaufend geschädigt“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Leitlinie erwähnt immerhin, dass es zu den alten Kriterien eine Kontroverse gibt. Sie behandelt sie in einem Halbsatz, arbeitet dann aber weiter mit der alten Einteilung. Die Empfehlungen von 2023 und ihre Übernahme durch die EACS kommen nicht vor. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil die Leitlinie sich bei der <strong>Behandlung</strong> anderer Erkrankungen ausdrücklich an den EACS-Leitlinien orientiert.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-3-warum-das-die-eigene-therapie-betreffen-kann" class="wp-block-heading">3. Warum das die eigene Therapie betreffen kann</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Leitlinie stellt eine Empfehlung prominent nach vorn: Wenn jemand eine HIV-bedingte Demenz entwickelt, soll auf Medikamente umgestellt werden, die besser ins Nervenwasser (Liquor) übergehen.</p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diese Empfehlung hat drei Schwächen.</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Erstens sagt die Leitlinie an anderer Stelle selbst, dass der Zusammenhang zwischen diesem „Penetrationsindex“ der Medikamente (wie gut gehen die Medikamente vom Blut ins Nervenwasser) und der tatsächlichen Hirnleistung umstritten ist. Sie zitiert sogar eine Schweizer Studie, die keinen Zusammenhang fand.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: Die Liste der besonders gut ins Nervenwasser übergehenden Substanzen enthält vor allem ältere Medikamente wie AZT, Nevirapin oder Lopinavir. Das sind Wirkstoffe, die heute aus guten Gründen kaum noch eingesetzt werden, weil sie weniger wirksam sind oder mehr Nebenwirkungen haben. Eine Umstellung auf solche Substanzen ist nicht harmlos.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Drittens, und das ist der Kern: Wenn eine Beeinträchtigung ein Alt-Schaden ist, kann keine Therapieumstellung sie rückgängig machen. Dazu passt, dass bislang <strong>alle</strong> Behandlungsstudien, die genau das versucht haben, <strong>ohne Erfolg</strong> geblieben sind.</p>

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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">[D]iese Zahlen bleiben nicht in Fachzeitschriften. Sie landen in Gutachten, in Personalabteilungen, in Diskussionen über Berufsfähigkeit. </p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Ausnahme, und die ist wichtig: Bei einem kleinen Teil der Menschen ist das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar, aber im Nervenwasser doch. Das nennt man CSF-Escape. Diese Fälle sind bei den heutigen Therapien selten, aber hier ist eine Anpassung der Therapie tatsächlich sinnvoll. Diesen Teil behandelt die Leitlinie richtig.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was fehlt, ist die klare Ansage: Erst prüfen, ob überhaupt ein aktives Geschehen vorliegt. Und nur dann umstellen.</strong></p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-4-was-sonst-noch-auffallt" class="wp-block-heading">4. Was sonst noch auffällt</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Neue Medikamente fehlen.</strong> Die Übersichtstabelle der HIV-Medikamente endet bei Substanzen, die 2018 und 2021 zugelassen wurden. Lenacapavir und Fostemsavir werden im Text kurz erwähnt, tauchen in der Tabelle aber nicht auf. Für die langwirksamen Spritzentherapien, über die viele gerade nachdenken, gibt es zur Frage „Wie gut kommt das ins Gehirn?“ schlicht keine Angaben und auch keine Diskussion darüber, dass diese Angaben fehlen.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Text ist über weite Strecken der von 2021.</strong> Der Kasten „Was gibt es Neues?“ nennt weiterhin Medikamente als neu, die im Jahr 2026 seit sieben beziehungsweise fünf Jahren verfügbar sind.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was fehlt, ist das, was heute den Alltag prägt.</strong> Die meisten Menschen mit HIV in Deutschland werden älter, sind gut behandelt und beschäftigen sich mit Herz-Kreislauf-Risiken, mit der gleichzeitigen Einnahme vieler Medikamente, mit Schlaf, Erschöpfung und psychischer Gesundheit sowie mit der Frage, wie man „normales Altern“ von etwas Behandlungsbedürftigem unterscheidet. Das Thema Neurokognitive Beeinträchtigungen kommt allenfalls am Rande vor.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es war niemand von uns dabei.</strong> Im Redaktionsteam der Leitlinie saß keine Patient*innenvertretung. Es gibt keine Fassung in verständlicher Sprache und keine Berücksichtigung dessen, was Betroffene selbst als belastend berichten. Die internationale Arbeitsgruppe, deren Empfehlungen die Leitlinie übergeht, hatte Community-Vertreter*innen von Anfang an mit am Tisch. Genau dort wurde erkannt, dass überhöhte Zahlen nicht nur ein wissenschaftliches, sondern ein soziales Problem sind.</p>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Denn diese Zahlen bleiben nicht in Fachzeitschriften. Sie landen in Gutachten, in Personalabteilungen, in Diskussionen über Berufsfähigkeit. In Großbritannien z.&nbsp;B. durften Pilot*innen mit HIV lange nicht arbeiten, unter anderem wegen Bedenken hinsichtlich der geistigen Leistungsfähigkeit. Gute Nachricht: Ein Betroffener hat dagegen geklagt und gewonnen. Er war virologisch supprimiert und hatte alle Standardtests bestanden. Für sich und alle anderen britischen Pilot*innen und Anwärter*innen war dies ein großer Erfolg.<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-5-was-das-fur-menschen-mit-hiv-bedeutet" class="wp-block-heading">5. Was das für Menschen mit HIV bedeutet</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li><strong>Kein Grund zur Panik.</strong> Wer gut behandelt ist und keine Beschwerden hat, hat nach heutiger Datenlage kein wesentlich erhöhtes Risiko für geistigen Abbau im Vergleich zu HIV-negativen Menschen gleichen Alters mit vergleichbarer Biografie und in vergleichbaren Umständen.</li>



    
<li><strong>Beschwerden ernst nehmen, aber breit abklären.</strong> Wenn Gedächtnis oder Konzentration nachlassen, gehört das untersucht. Häufige und gut behandelbare Ursachen sind Depression, Schlafstörungen, eine Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12-Mangel, Alkohol- oder Substanzkonsum, Nebenwirkungen anderer Medikamente, Bluthochdruck.</li>



    
<li><strong>Ein auffälliger Testwert ist keine Diagnose.</strong> Wenn ein neuropsychologischer Test ein Ergebnis „unter dem Durchschnitt“ ergibt, lohnt die Frage, wie viele Tests gemacht wurden und wie ausgewertet wurde.</li>



    
<li><strong>Bei vorgeschlagener Therapieumstellung nachfragen.</strong> Sinnvolle Fragen sind: Wurde das Nervenwasser untersucht und ist dort Virus nachweisbar? Geht es um einen alten, stabilen Befund oder um etwas, das sich verschlechtert? Welche Nebenwirkungen bringt das vorgeschlagene neue Regime mit?</li>



    
<li><strong>Bei komplexen Fragen an erfahrene Stellen wenden.</strong> Das empfiehlt die Leitlinie selbst, und sie hat damit recht.</li>

</ul>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-6-was-wir-fordern" class="wp-block-heading">6. Was wir fordern</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ol class="wp-block-list">    
<li>Eine Aktualisierung des Kapitels zur Hirnleistung entlang des internationalen Konsenses von 2023, den die EACS bereits übernommen hat.</li>



    
<li>Prävalenzzahlen nur noch noch gemeinsam mit der Angabe, wie viele kognitiv gesunde Menschen das verwendete Verfahren fälschlich als auffällig einstuft.</li>



    
<li>Eine klare Unterscheidung zwischen Alt-Schäden und aktivem Geschehen, bevor eine Therapieumstellung empfohlen wird.</li>



    
<li>Patient*innenvertretung im Leitliniengremium bei der nächsten Überarbeitung. Die Leitlinie gilt bis 2031. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, um mit veralteten Zahlen zu leben.</li>



    
<li>Eine Kurzfassung in verständlicher Sprache.</li>

</ol>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen</strong></p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Die besprochene Leitlinie</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Hahn K., Maschke M. et al.: Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen. S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 030/044, Version 6.0, inhaltlich überarbeitet am 10.03.2026, gültig bis 09.03.2031. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Volltext (PDF, frei zugänglich): <a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-044l_S1_Diagnostik-Therapie-HIV-1-assoziierter-neurologischer-Erkrankungen_2026-05.pdf">https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-044l_S1_Diagnostik-Therapie-HIV-1-assoziierter-neurologischer-Erkrankungen_2026-05.pdf</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Leitlinienseite der DGN: <a href="https://www.dgn.org/leitlinie/diagnostik-und-therapie-hiv-1-assoziierter-neurologischer-erkrankungen">https://www.dgn.org/leitlinie/diagnostik-und-therapie-hiv-1-assoziierter-neurologischer-erkrankungen</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Grundlage der hier vorgetragenen Kritik</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nightingale S., Ances B., Cinque P. et al.: Cognitive impairment in people living with HIV: consensus recommendations for a new approach. Nature Reviews Neurology 2023;19:424–433. Die sechs Konsensempfehlungen der International HIV-Cognition Working Group.</p>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.nature.com/articles/s41582-023-00813-2">https://www.nature.com/articles/s41582-023-00813-2</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">PubMed: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37311873">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37311873</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nightingale S.: The Changing Spectrum of Cognitive Impairment in People with HIV; Establishment and Updates of the International HIV-Cognition Working Group. Current HIV/AIDS Reports 2026;23:15. Open Access, gut lesbare Zusammenfassung der Debatte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://doi.org/10.1007/s11904-026-00779-y">https://doi.org/10.1007/s11904-026-00779-y</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">European AIDS Clinical Society (EACS): Guidelines Version 12.0, 2023. Hier wurde der neue Ansatz erstmals in eine europäische Behandlungsleitlinie übernommen (siehe S. 113).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.eacsociety.org/media/guidelines-12.0.pdf">https://www.eacsociety.org/media/guidelines-12.0.pdf</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gegenposition, der Fairness halber</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Cysique L.A., Brew B.J., Bruning J. et al.: Cognitive criteria in HIV: greater consensus is needed. Nature Reviews Neurology 2024;20:127–128. Zustimmung im Grundsatz, Nachbesserungsbedarf im Detail.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.nature.com/articles/s41582-024-00927-1">https://www.nature.com/articles/s41582-024-00927-1</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die im Text erwähnten Einzelstudien (unter anderem die südafrikanische Auswertung mit zwanzig verschiedenen Rechenwegen, die US-Kohorten MACS, WIHS und CHARTER sowie die italienische Kohorte) sind vollständig im Literaturverzeichnis der beiden Arbeiten von Nightingale nachgewiesen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-separator block--align-left ">
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  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Anmerkungen der Redaktion</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Siehe Literatur am Ende des Beitrags. Beteiligt waren auch die Österreichische Gesellschaft für Neurologie und die Schweizerische Neurologische Gesellschaft.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Mastrorosa I, Pinnetti C, Brita AC, et al. Declining prevalence of HIV-associated neurocognitive disorders in more recent years and associated factors, in a large cohort of ART-treated HIV-infected individuals. Clin Infect Dis. 2023;76(3):e629–37. Online verfügbar unter <a href="https://academic.oup.com/cid/article/76/3/e629/6671582">https://academic.oup.com/cid/article/76/3/e629/6671582</a>, abgerufen am 07.09.2026</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Siehe z.&nbsp;B. <a href="https://www.bbc.com/news/uk-england-stoke-staffordshire-61912451">https://www.bbc.com/news/uk-england-stoke-staffordshire-61912451</a>. Die britische Flugsicherheitsbehörde Civil Aviation Authority (CAA) traf zunächst nur eine Einzelfallentscheidung, änderte dann aber die Flugtauglichkeitskriterien für alle Pilot*innen und Anwärter*innen (siehe z.&nbsp;B. <a href="https://tht.org.uk/news/landmark-changes-announced-commercial-pilots-living-hiv">https://tht.org.uk/news/landmark-changes-announced-commercial-pilots-living-hiv</a>). Seither ist eine HIV-Infektion an sich kein Ausschlussgrund für Flugtauglichkeit mehr (<a href="https://www.caa.co.uk/media/szlnkgq2/20260508-v40-guidance-for-applicants-living-with-hiv.pdf">https://www.caa.co.uk/media/szlnkgq2/20260508-v40-guidance-for-applicants-living-with-hiv.pdf</a>).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>

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		<title>HIV heilen? Wo die Forschung heute steht</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/hiv-heilen-wo-die-forschung-heute-steht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Siegfried Schwarze]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 12:48:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[HIV-Heilung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560340</guid>

					<description><![CDATA[Stand der HIV-Heilungsforschung und Studien dazu: Chancen, Risiken und was bei einer Studienteilnahme zu bedenken ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Schlagzeilen zur Heilung von HIV tauchen regelmäßig auf. Mal geht es um Gentherapie, mal um Antikörper oder um gentechnisch veränderte Immunzellen. Für Menschen mit HIV können solche Meldungen Hoffnung machen, manchmal aber auch verwirrend sein. Ist eine Heilung tatsächlich in greifbarer Nähe? Oder werden Erwartungen geweckt, die die Forschung noch gar nicht erfüllen kann?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die kurze Antwort lautet: <strong>Die HIV-Heilungsforschung hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Gleichzeitig gibt es derzeit noch keine allgemein verfügbare Therapie, die HIV sicher und dauerhaft heilen kann.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Dieser Beitrag soll helfen, den aktuellen Stand der Forschung realistisch einzuordnen, und Menschen unterstützen, die überlegen, an einer Heilungsstudie teilzunehmen.</p>

              </div>
    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Erfolgsgeschichte der HIV-Therapien verändert die Maßstäbe</strong></p>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vor vierzig Jahren war eine HIV-Infektion fast immer lebensbedrohlich. Vor <a href="https://magazin.hiv/magazin/art-30-jahre-hiv-therapie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dreißig Jahren</a>, 1996, war die Kombinationstherapie ein medizinischer Durchbruch. Heute ermöglicht eine moderne antiretrovirale Therapie (ART) den meisten Menschen mit HIV eine nahezu normale Lebenserwartung. <a href="https://www.aidshilfe.de/de/schutz-therapie" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unter erfolgreicher Behandlung wird HIV sexuell nicht übertragen („U = U“)</a>, und viele Menschen erleben die Therapie als selbstverständlichen Teil ihres Alltags.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Darin liegt aber auch die besondere Herausforderung der Heilungsforschung: Eine neue Therapie muss heute nicht mehr besser sein als eine unbehandelte HIV-Infektion – sie muss sich mit einer Behandlung messen, die bereits ausgesprochen wirksam und vergleichsweise sicher ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-die-gute-nachricht-eine-hiv-heilung-ist-biologisch-moglich" class="wp-block-heading">Die gute Nachricht: Eine HIV-Heilung ist biologisch möglich</h2>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Lange Zeit war nicht einmal klar, ob HIV überhaupt heilbar sein könnte. Heute wissen wir: Ja, grundsätzlich schon.</p>

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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Fachleute unterscheiden dabei zwei Ziele: eine <strong>sterile Heilung</strong>, bei der das Virus vollständig aus dem Körper entfernt ist (auch „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eradikation" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eradikation</a>“ genannt), und eine <strong>funktionelle Heilung</strong> (auch „Remission“ genannt), bei der HIV zwar im Körper bleibt, aber dauerhaft ohne Medikamente kontrolliert wird. Die meisten heutigen Ansätze zielen auf das realistischere zweite Ziel.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Menschen leben inzwischen seit Jahren ohne HIV-Medikamente, nachdem sie wegen einer Leukämie oder einer anderen schweren Blutkrebserkrankung eine <a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/meine-hiv-heilung-hat-alles-veraendert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stammzelltransplantation</a> erhalten hatten<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1].</a> Bei den ersten dieser Fälle trugen die Spenderinnen und Spender eine seltene genetische Veränderung („<a href="https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/ccr5-genetischer-schutz-hiv-kuerzere-lebenserwartung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CCR5</a>-Δ32-Mutation“), die die meisten HIV-Varianten<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> daran hindert, Immunzellen mit dieser Mutation zu infizieren.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine neue Therapie [zur HIV-Heilung] muss heute nicht mehr besser sein als eine unbehandelte HIV-Infektion – sie muss sich mit einer Behandlung messen, die bereits ausgesprochen wirksam und vergleichsweise sicher ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen zeigt sich jedoch, dass diese Mutation nicht die alleinige Erklärung für die Heilung von HIV ist. Beim „<a href="https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/hiv_heilung_an_der_charite_der_zweite_berliner_patient/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zweiten Berliner Patienten</a>“<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> trug der Spender die Veränderung nur auf einer der beiden Genkopien, im Fall des „<a href="https://www.nature.com/articles/s41591-024-03277-z" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Genfer Patienten“ fehlte sie sogar ganz</a> – und dennoch verschwand HIV. Vermutlich spielen mehrere Faktoren zusammen, etwa das gegen HIV gerichtete neue Immunsystem aus den Spenderzellen. Die genauen Mechanismen werden derzeit erforscht (siehe Literatur).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-bisherige-hiv-heilungen-wissenschaftliche-meilensteine-aber-keine-realistische-behandlungsoption" class="wp-block-heading">Bisherige HIV-Heilungen: wissenschaftliche Meilensteine, aber keine realistische Behandlungsoption</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Diese Fälle gelten als wissenschaftliche Meilensteine. Sie beweisen, dass HIV unter bestimmten Voraussetzungen dauerhaft verschwinden oder zumindest so weit zurückgedrängt werden kann, dass keine Therapie mehr erforderlich ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für die allermeisten Menschen mit HIV ist dieses Verfahren jedoch keine realistische Behandlungsoption. Eine Stammzelltransplantation gehört zu den belastendsten Therapien der modernen Medizin. Sie ist mit erheblichen Risiken verbunden – das prozedurbedingte Sterberisiko liegt je nach Ausgangslage, Alter und Verfahren im zweistelligen Prozentbereich, in älteren Statistiken teilweise über 30 Prozent – und wird nur durchgeführt, wenn sie zur Behandlung einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung notwendig ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der eigentliche Auftrag der Heilungsforschung lautet deshalb heute: Wie lässt sich derselbe Erfolg mit deutlich sichereren Verfahren erreichen?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<h2 id="h-warum-hiv-so-schwer-zu-besiegen-ist" class="wp-block-heading">Warum HIV so schwer zu besiegen ist</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der wichtigste Gegner der Heilungsforschung ist nicht das „freie“ Virus im Blut – sondern das Virus, das sich in den Zellen versteckt und „stillhält“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Sofort nach der Infektion mit HIV gelangen einzelne Viren in langlebige Immunzellen und bauen dort ihr Erbgut in die DNA (das Erbmaterial der Zelle) ein. Anschließend können diese Zellen über Jahre oder sogar Jahrzehnte in einem Ruhezustand verbleiben. In diesem Zustand produzieren sie kaum oder gar keine neuen Viren und bleiben deshalb für das Immunsystem praktisch unsichtbar. Die HIV-Medikamente wiederum können zwar die Vermehrung des Virus blockieren, die bereits infizierten, ruhenden Zellen selbst aber nicht beseitigen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der wichtigste Gegner der HIV-Heilungsforschung ist nicht das „freie“ Virus im Blut – sondern das Virus, das sich in den Zellen versteckt und „stillhält“.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Diese sogenannten <strong>Virusreservoire</strong> sind der Hauptgrund dafür, dass HIV nach dem Absetzen der Therapie meist innerhalb von Tagen bis Wochen wieder nachweisbar wird: Sobald der Schutz durch die ART wegfällt, können diese Zellen wieder aktiv werden und neue Viren bilden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie beseitigt man das Virus im Blut?“, sondern: „Wie erreicht man die wenigen infizierten Zellen, die sich im gesamten Körper verstecken?“ Ihre Zahl ist klein (Schätzungen zufolge trägt nur etwa eine von einer Million ruhenden Abwehrzellen vermehrungsfähiges HIV in sich), doch schon sie genügen, um die Infektion wieder aufflammen zu lassen. An diesem Problem arbeiten Forschende weltweit.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-mogliche-wege-zur-hiv-heilung-die-wichtigsten-forschungsansatze" class="wp-block-heading">(Mögliche) Wege zur HIV-Heilung: die wichtigsten Forschungsansätze</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In den Medien erscheinen regelmäßig neue Begriffe und Abkürzungen. Dahinter verbergen sich jedoch einige grundlegende Strategien:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-therapieintensivierung" class="wp-block-heading">Therapieintensivierung</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Hier wird die ART verstärkt, also um weitere Wirkstoffe ergänzt, um selbst kleinste Reste der Virusvermehrung zu unterdrücken. Der Gedanke dahinter: Wenn wirklich keine Zelle mehr neu infiziert wird, kann sich das Reservoir nicht mehr auffüllen – und weil die infizierten Zellen nach und nach von selbst absterben, würde es über die Zeit langsam kleiner („ausgehungert“). Das Problem: Die Reservoire sind extrem langlebig; Schätzungen zufolge würde es auf diesem Weg mehrere Jahrzehnte<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a> dauern. Der Ansatz käme daher allenfalls für sehr früh Behandelte mit kleinem Virusreservoir infrage.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-ccr5-ausschaltung" class="wp-block-heading">CCR5-Ausschaltung</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Statt fremder Spenderzellen ließen sich möglicherweise die eigenen Stammzellen mit „Genscheren“ (etwa CRISPR) so verändern, dass sie kein CCR5 (eine Eintrittspforte für das Virus) mehr bilden. Erste Studien laufen. Nötig ist dafür aber eine sogenannte <a href="https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/konditionierung/@@guideline/html/index.html">Konditionierung</a>: eine Art vorbereitende Chemotherapie, die im Knochenmark Platz für die veränderten Zellen schafft und mit teils erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-das-hiv-erbgut-herausschneiden-oder-stilllegen" class="wp-block-heading">Das HIV-Erbgut herausschneiden oder stilllegen</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Nach der Infektion baut HIV sein Erbgut fest in die DNA der Zelle ein; dieser eingebaute Bauplan wird „Provirus“ genannt. Maßgeschneiderte Genscheren sollen ihn wieder herausschneiden oder dauerhaft stilllegen. Je nach Methode fallen die Risiken unterschiedlich aus. Bei <strong>CRISPR/Cas</strong> kann es etwa zu ungewollten Schnitten an falschen Stellen der DNA kommen („Off-Target-Effekte“), in deren Folge fehlerhafte Eiweiße entstehen oder andere Gene gestört werden können. Für die alternative <strong>Brec1-Rekombinase</strong> deuten umfangreiche <a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0298542">Laboruntersuchungen</a> dagegen auf ein günstiges Sicherheitsprofil hin: Es fanden sich keine nachweisbaren zell- oder erbgutschädigenden Effekte. Allerdings stammen diese Daten von der entwickelnden Arbeitsgruppe und aus vorklinischen Versuchen – die erste Anwendung am Menschen steht noch aus.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Studie am Menschen mit dem CRISPR-Wirkstoff <a href="https://www.aidsmap.com/news/may-2024/crispr-gene-therapy-ebt-101-does-not-prevent-hiv-viral-rebound">EBT-101</a> gab es keine schweren Nebenwirkungen – den Virusanstieg nach Absetzen der ART verhinderte er aber nicht. Offen ist, ob sich alle infizierten Zellen erreichen lassen (und ob das überhaupt notwendig ist).</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-shock-amp-kill-5" class="wp-block-heading">„Shock &amp; Kill“<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a></h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.healthequitymatters.org.au/resources/hivs-hide-and-seek-how-latency-reversal-could-be-a-key-to-curing-hiv" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Idee: Ruhende Zellen werden gezielt aktiviert („shock“), damit das schlafende Virus erwacht und für ART und Immunsystem angreifbar wird („kill“).</a> Viele frühe Ansätze waren jedoch zu giftig oder zu schwach wirksam; eine massive Immunaktivierung kann einer Sepsis (Blutvergiftung) ähneln. Neuere Strategien versuchen, gezielter zu aktivieren und die Immunantwort zugleich zu stärken.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-block-amp-lock-6" class="wp-block-heading">„Block &amp; Lock“<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a></h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Der umgekehrte Weg: HIV soll im „stummen“, latenten Zustand dauerhaft eingesperrt werden, so dass es nicht mehr aktiviert werden kann. Tierversuche verliefen vielversprechend, noch gibt es aber keinen Wirkstoffkandidaten für die klinische Erprobung am Menschen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-therapeutische-impfung" class="wp-block-heading">Therapeutische Impfung</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Eine therapeutische Impfung soll das Immunsystem so trainieren, dass es HIV selbst kontrolliert. Trotz vieler Konzepte fehlt bislang ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis („proof of principle“); sie dürfte nur bei gut erhaltenem Immunsystem funktionieren. Neue Ansätze setzen auf die mRNA-Technik oder auf schlagkräftige Abwehrzellen (CD8-Zellen), die selbst nach jahrelanger Therapie erhalten bleiben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Rückschläge gehören zur HIV-Heilungsforschung dazu. [&#8230;] Auch sie liefern wichtige Erkenntnisse für die nächsten Schritte.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-car-t-zellen" class="wp-block-heading">CAR-T-Zellen</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Körpereigene T-Zellen (eine Art „Wächterzellen“ des Immunsystems) erhalten im Labor einen zusätzlichen Rezeptor, mit dem sie HIV-infizierte Zellen erkennen und zerstören können – ein bei einigen Krebsarten bereits bewährtes Prinzip. Bei den sogenannten duoCAR-T-Zellen werden gleich zwei verschiedene neue Rezeptoren eingebaut, damit das Virus nicht so leicht durch Veränderungen (Mutationen) der Erkennung entgehen kann. Erste Ergebnisse zeigten keine schweren Nebenwirkungen; bei einzelnen Teilnehmenden hielt die Viruskontrolle nach Absetzen der ART länger an, vor allem bei früh Behandelten. Ohne vorbereitende und belastende <a href="https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/konditionierung/@@guideline/html/index.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konditionierung</a> können sich die Zellen aber auch bei diesem Verfahren nicht im Körper etablieren., außerdem ist das Verfahren aufwändig und teuer.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-breit-neutralisierende-antikorper-bnabs" class="wp-block-heading">Breit neutralisierende Antikörper (bnABs)</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Einige wenige Menschen bilden nach Jahren ohne Therapie Antikörper, die viele HIV-Varianten nicht nur erkennen, sondern auch unschädlich machen („neutralisieren“) können. Solche Antikörper lassen sich künstlich herstellen und verabreichen. Die Herstellung ist technisch anspruchsvoll und nicht billig; die Anwendung selbst ist jedoch deutlich weniger belastend als eine Zell- oder Gentherapie: Die Antikörper werden als Infusion oder Spritze gegeben, eine Konditionierung ist nicht nötig. An länger wirksamen Varianten wird gearbeitet.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In den Studien RIO<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a> (Europa) und FRESH<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a> (Südafrika) blieb ein erheblicher Teil der Teilnehmenden nach Antikörpergabe ohne ART viele Monate ohne Virusanstieg; einzelne sogar über ein Jahr hinaus, lange nach dem Abbau der Antikörper. Fachleute sprechen von einem „impfähnlichen“ Effekt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Bei <a href="https://www.aidsmap.com/news/mar-2026/african-paediatric-studies-croi-hiv-remission-children-three-bnabs-babies-two-years" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kindern in Botswana</a> konnten drei kombinierte Antikörper die tägliche ART ersetzen: Alle zehn Kinder hielten ihre Viruslast allein mit den Antikörpern unter der Nachweisgrenze. Wichtig zur Einordnung: Die Antikörper wurden dabei fortlaufend gegeben. Ob die Kinder HIV auch dann noch kontrollieren, wenn die Antikörper abgesetzt werden, muss die nächste Studienphase erst noch zeigen. Die bnABs zählen damit derzeit zu den Ansätzen, mit denen die meisten Hoffnungen verbunden sind – eine dauerhafte Heilung bedeuten sie aber noch nicht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-ruckschlage-gehoren-zur-hiv-heilungsforschung-dazu" class="wp-block-heading">Rückschläge gehören zur HIV-Heilungsforschung dazu</h2>

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    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Fehlschläge sind ein normaler Teil der Forschung – und zwar bei allen Ansätzen. So verzögerten etwa mehrere immunmodulatorische Wirkstoffe (Substanzen, die das Immunsystem gezielt anregen sollen, darunter N-803/Anktiva oder Budigalimab/Trosunilimab) den Virusanstieg, verhinderten ihn aber nicht dauerhaft; ihre Weiterentwicklung wurde 2026 eingestellt. Solche Ergebnisse sind kein Grund zur Enttäuschung: Auch sie liefern wichtige Erkenntnisse für die nächsten Schritte.</p>

              </div>
    </div>
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  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-warum-viele-hiv-heilungsstudien-eine-therapieunterbrechung-vorsehen" class="wp-block-heading">Warum viele HIV-Heilungsstudien eine Therapieunterbrechung vorsehen</h2>

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  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für viele Menschen mit HIV ist dies vermutlich der schwierigste Teil einer Heilungsstudie. Schließlich lautet seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Botschaften der HIV-Medizin: Eine wirksame HIV-Therapie sollte möglichst nie eigenständig unterbrochen werden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Warum bitten Forschende manche Studienteilnehmende dann genau darum? Der Grund ist einfach: Solange die HIV-Medikamente das Virus vollständig unterdrücken, lässt sich kaum beurteilen, ob eine experimentelle Behandlung tatsächlich wirkt. Erst wenn die Medikamente vorübergehend pausiert werden, zeigt sich, ob das Immunsystem HIV auch ohne ART kontrollieren kann.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Diese geplante Unterbrechung wird als Analytical Treatment Interruption (ATI) bezeichnet. Eine ATI ist jedoch keine Therapiepause und kein unkontrolliertes „Absetzen auf Probe“. Sie erfolgt ausschließlich im Rahmen einer klinischen Studie nach einem genau festgelegten Protokoll. Die Zahl der HIV-Kopien (Viruslast), die CD4-Zellzahl und weitere Laborwerte werden engmaschig überwacht. Bereits vor Beginn der Studie ist festgelegt, unter welchen Bedingungen die HIV-Therapie wieder aufgenommen wird.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist eine ATI nicht ohne Risiken. Mit steigender Zahl der HIV-Kopien können Entzündungsprozesse zunehmen, und bei ansteigender Viruslast kann man auch wieder andere Menschen anstecken. Deshalb gehören Aufklärung, engmaschige Kontrollen und ein Konzept zum Schutz von Partner*innen zu jeder verantwortungsvoll durchgeführten Studie.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-nicht-jede-hiv-heilungsstudie-ist-gleich" class="wp-block-heading">Nicht jede HIV-Heilungsstudie ist gleich</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In der öffentlichen Diskussion wird häufig von „der Heilungsstudie“ gesprochen. Tatsächlich unterscheiden sich die einzelnen Studien jedoch erheblich.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Studien mit therapeutischen Impfstoffen oder breit neutralisierenden Antikörpern unterscheiden sich oft nur wenig von anderen klinischen Arzneimittelstudien. Das zusätzliche Risiko besteht hier vor allem in einer meist notwendigen ATI.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Menschen nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen an Heilungsstudien teil. [&#8230;] Keiner dieser Beweggründe ist richtig oder falsch, und auf manche treffen auch mehrere Gründe zu.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Andere Verfahren sind deutlich aufwändiger. Dazu gehören beispielsweise CAR-T-Zellen oder genetisch veränderte Stammzellen. Hier ist häufig eine Konditionierung notwendig – jene Form der Chemotherapie, die Platz für die veränderten Zellen schaffen soll. Je nach Verfahren können dabei vorübergehende, aber auch langfristige Nebenwirkungen auftreten.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Noch belastender ist eine allogene Stammzelltransplantation (das heißt, die Stammzellen kommen von Spender*innen, die mit dem Empfänger genetisch nicht verwandt sind). Sie kommt wegen ihrer erheblichen Risiken ausschließlich für Menschen infrage, die zusätzlich an einer lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankung leiden.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-was-spricht-fur-die-teilnahme-an-einer-hiv-heilungsstudie" class="wp-block-heading">Was spricht für die Teilnahme an einer HIV-Heilungsstudie?</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Menschen nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen an Heilungsstudien teil. Einige hoffen auf einen persönlichen medizinischen Nutzen. Andere möchten dazu beitragen, dass zukünftige Generationen vielleicht eines Tages ohne lebenslange HIV-Therapie leben können. Viele schätzen auch die intensive medizinische Betreuung während einer Studie. Keiner dieser Beweggründe ist richtig oder falsch, und auf manche treffen auch mehrere Gründe zu.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Richtig ist jedoch, die eigenen Erwartungen realistisch einzuordnen. Die meisten heutigen Heilungsstudien befinden sich in einer frühen Entwicklungsphase. Ihr wichtigstes Ziel ist häufig zunächst die Prüfung von Sicherheit und Machbarkeit – nicht der Nachweis einer Heilung.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gerade deshalb leisten die Teilnehmenden einen wichtigen Beitrag. Auch Studien, die ihr ursprüngliches Ziel nicht erreichen, liefern Erkenntnisse, die zukünftige Therapien sicherer und/oder wirksamer machen können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-hiv-heilungsstudien-funf-haufige-missverstandnisse" class="wp-block-heading">HIV-Heilungsstudien: Fünf häufige Missverständnisse</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Wenn ich teilnehme, werde ich wahrscheinlich geheilt.“ </strong>Leider nein. Die meisten frühen Studien dienen in erster Linie dazu, Sicherheit und Verträglichkeit neuer Verfahren zu untersuchen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Je belastender die Studie, desto größer meine Chance auf Erfolg.“ </strong>Auch das stimmt nicht. Ein höheres Risiko bedeutet nicht automatisch eine höhere Erfolgsaussicht.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Eine ATI bedeutet, dass meine bisherige Therapie versagt hat.“ </strong>Im Gegenteil. Gerade weil die heutige ART so wirksam ist, muss sie häufig vorübergehend pausiert werden, damit sich der Effekt einer neuen Behandlung überhaupt beurteilen lässt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Wenn das Virus zurückkommt, war die Studienteilnahme umsonst.“ </strong>Nein. Jede Studie trägt dazu bei, die Heilungsforschung besser zu verstehen – unabhängig davon, ob sie den gewünschten Erfolg erzielt.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Ich muss mich schnell entscheiden.“ </strong>In den allermeisten Fällen besteht kein Zeitdruck. Anders als bei vielen Krebserkrankungen bleibt meist ausreichend Zeit, sich zu informieren, Fragen zu stellen und die Entscheidung in Ruhe zu treffen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-woruber-studienunterlagen-nicht-immer-vollstandig-informieren" class="wp-block-heading">Worüber Studienunterlagen nicht immer vollständig informieren</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">In naher Zukunft werden auch in Deutschland Teilnehmende für die ersten Heilungsstudien gesucht. Umso wichtiger ist es, Chancen und Risiken realistisch einschätzen zu können – denn nicht alle Risiken sind in den Studienunterlagen ausführlich beschrieben.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-quote block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
        <div class="quote">
          <svg role="presentation" class="quote__icon" aria-hidden="true"><use xlink:href="https://magazin.hiv/wp-content/themes/dah-theme/assets/svg-sprite/ui.svg?v=1.31.2#quote"></use>
			</svg>
          
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es gibt heute gute Gründe für Hoffnung [auf eine HIV-Heilung] – aber keinen Grund, die bewährte HIV-Therapie vorschnell gegen eine experimentelle Behandlung einzutauschen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Siegfried Schwarze</cite></blockquote>

        </div>
      </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zwei Punkte werden dort erfahrungsgemäß eher knapp behandelt:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Erstens kann die Teilnahme an einer Heilungsstudie dazu führen, dass man von späteren Studien ausgeschlossen wird: Wer heute teilnimmt, verbaut sich unter Umständen die Teilnahme an einer künftigen, möglicherweise größeren Erfolg versprechenden Studie.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zweitens ist vorgeschrieben, dass bei Studien, die gentechnische Veränderungen beinhalten, die Teilnehmenden über 15 Jahre nachbeobachtet werden. Aber wer gewährleistet diese Nachbeobachtung, wenn die Firma oder Gruppierung, die die Studie durchführt, in 15 Jahren nicht mehr existiert?</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das sind keine Gründe, von einer Teilnahme abzuraten, wohl aber gute Gründe, gezielt nachzufragen und sich unabhängig beraten zu lassen, zum Beispiel bei einer Aidshilfe oder einer Patient*innenvertretung. Die folgende Checkliste kann dabei helfen.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-checkliste-hiv-heilungsstudien-gut-vorbereitet-ins-aufklarungsgesprach" class="wp-block-heading">Checkliste HIV-Heilungsstudien: gut vorbereitet ins Aufklärungsgespräch</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vor einer Entscheidung über die Teilnahme an einer HIV-Heilungsstudie kann es hilfreich sein, folgende Fragen mit dem Studienteam zu besprechen:</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-ziel-der-studie" class="wp-block-heading">Ziel der Studie</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Geht es um Sicherheit, um eine Remission (Remission heißt: HIV wird ohne Medikamente kontrolliert, ist aber möglicherweise nicht vollständig verschwunden) oder um eine dauerhafte Heilung?</li>



    
<li>In welcher <a href="https://magazin.hiv/magazin/vom-labor-in-die-apotheke-medikamentenentwicklung-und-vermarktung/">Studienphase</a> befindet sich das Verfahren?</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-nutzen-und-risiken" class="wp-block-heading">Nutzen und Risiken</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Welche kurzfristigen und langfristigen Risiken sind bekannt?</li>



    
<li>Ist eine Konditionierung notwendig, also eine Form der Chemotherapie?</li>



    
<li>Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich?</li>



    
<li>Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?</li>



    
<li>Welche Unsicherheiten bestehen noch?</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-therapieunterbrechung" class="wp-block-heading">Therapieunterbrechung</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Ist eine ATI vorgesehen?</li>



    
<li>Wann wird die ART wieder begonnen?</li>



    
<li>Wie häufig finden Kontrollen statt?</li>



    
<li>Wie können Partner*innen während einer ATI geschützt werden?</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-nach-der-studie" class="wp-block-heading">Nach der Studie</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Wie lange erfolgt die Nachbeobachtung?</li>



    
<li>Wer übernimmt die Behandlung bei Spätfolgen?</li>



    
<li>Kann eine Teilnahme dazu führen, dass ich später von anderen Studien ausgeschlossen werde?</li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-personliche-fragen" class="wp-block-heading">Persönliche Fragen</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-list block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<ul class="wp-block-list">    
<li>Passt die Studie zu meiner aktuellen Lebenssituation?</li>



    
<li>Welche finanzielle Kompensation gibt es?</li>



    
<li>Bin ich bereit, Zeit, mögliche Belastungen und Unsicherheiten in Kauf zu nehmen?</li>



    
<li>Habe ich alle Informationen verstanden und ausreichend Zeit für meine Entscheidung gehabt?<strong></strong></li>

</ul>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-fazit" class="wp-block-heading">Fazit</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die HIV-Heilungsforschung befindet sich heute an einem spannenden Punkt. Erstmals liefern mehrere unterschiedliche Forschungsansätze Hinweise darauf, dass eine langfristige Kontrolle von HIV ohne Medikamente grundsätzlich möglich sein könnte. Das ist ein großer wissenschaftlicher Fortschritt.</p>

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    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig befindet sich fast die gesamte Forschung noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Ob CAR-T-Zellen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genome_Editing">Geneditierung</a>, breit neutralisierende Antikörper oder andere Verfahren – alle müssen in größeren Studien zeigen, dass sie nicht nur wirksam, sondern auch sicher und praktisch anwendbar sind.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen mit HIV bedeutet das vor allem eines:<strong> Es gibt heute gute Gründe für Hoffnung – aber keinen Grund, die bewährte HIV-Therapie vorschnell gegen eine experimentelle Behandlung einzutauschen.</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wer sich für eine Heilungsstudie interessiert, sollte weder aus Angst noch aus Euphorie entscheiden, sondern gut informiert. Eine Teilnahme ist keine Entscheidung für oder gegen die HIV-Heilungsforschung, sondern für oder gegen eine ganz bestimmte Studie mit ihren individuellen Chancen und Risiken.</p>

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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h2 id="h-weiterfuhrende-informationen-und-quellen" class="wp-block-heading">Weiterführende Informationen und Quellen</h2>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">(Überwiegend auf Englisch; deutschsprachige Quellen am Ende)</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-grundlagen-und-aktueller-uberblick" class="wp-block-heading">Grundlagen und aktueller Überblick</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wagner JA, Sandel DA, Deitchman AN et al. (2026): Advances in Immune-Based Approaches for the Cure of HIV Infection. <em>Drugs. </em><a href="https://doi.org/10.1007/s40265-026-02311-3">doi.org/10.1007/s40265-026-02311-3</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>ausgezeichnete Open-Access-Übersichtsarbeit zu CAR-T-Zellen, bnABs, ATI, therapeutischen Impfstoffen und aktuellen Heilungsstrategien</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Zhang C et al. (2026): Searching for a HIV-1 Cure. <em>Theranostics. </em>Kostenlos online verfügbar unter <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12712796/">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12712796/</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>umfassender aktueller Übersichtsartikel zu Geneditierung, Zelltherapie, Antikörpern und Kombinationstherapien</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-stammzelltransplantation-und-geheilte-patient-innen" class="wp-block-heading">Stammzelltransplantation und „geheilte“ Patient*innen</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Vallet L, Lebreton F (2026):L’Actu vue par Remaides: AIDS 2026: Deux nouveaux cas de rémission VIH (27.7.2026). Online verfügbar unter <a href="https://www.aides.org/actualite/lactu-remaides-aids-2026-nouveaux-cas-remission-vih">https://www.aides.org/actualite/lactu-remaides-aids-2026-nouveaux-cas-remission-vih</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Übersicht über die bisher dokumentierten Heilungsfälle</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Allers K, Gaebler C (2026): Not just a viral co-receptor: the role of CCR5 in HIV cure after allogeneic stem cell transplantation. <em>Current Opinion in HIV and AIDS. </em><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41701014/">pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41701014</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>aktuelle Übersicht zur Rolle von CCR5 und dazu, warum die Mutation nicht der einzige Faktor ist (Bezahlschranke)</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-geneditierung-crispr-brec1-und-ebt-101" class="wp-block-heading">Geneditierung: CRISPR, Brec1 und EBT-101</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Highleyman L (2024): CRISPR gene therapy EBT-101 does not prevent HIV viral rebound. Online verfügbar unter <a href="https://www.aidsmap.com/news/may-2024/crispr-gene-therapy-ebt-101-does-not-prevent-hiv-viral-rebound">https://www.aidsmap.com/news/may-2024/crispr-gene-therapy-ebt-101-does-not-prevent-hiv-viral-rebound</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Beschorner N et al. (2024): Preclinical toxicity analyses of lentiviral vectors expressing the HIV-1 LTR-specific designer-recombinase Brec1. <em>PLoS ONE. </em>Online verfügbar unterhttps://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0298542</p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Vorklinische Sicherheitsdaten zu Brec1 (von der entwickelnden Gruppe) – vielversprechend, aber noch nicht am Menschen bestätigt.</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-car-t-zelltherapie" class="wp-block-heading">CAR-T-Zelltherapie</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Beasley D: Small study shows one-time cell therapy can control HIV infection. Online verfügbar unter <a href="https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/small-study-shows-one-time-cell-therapy-can-control-hiv-infection-2026-05-11/">https://www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/small-study-shows-one-time-cell-therapy-can-control-hiv-infection-2026-05-11/</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>gut verständliche Zusammenfassung der ersten duoCAR-T-Daten vom ASGCT-Kongress 2026</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-breit-neutralisierende-antikorper" class="wp-block-heading">Breit neutralisierende Antikörper</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Cairns G (2026): African paediatric studies at CROI – HIV remission in children on three bnAbs (6.3.2026). Online verfügbar unter <a href="https://www.aidsmap.com/news/mar-2026/african-paediatric-studies-croi-hiv-remission-children-three-bnabs-babies-two-years">https://www.aidsmap.com/news/mar-2026/african-paediatric-studies-croi-hiv-remission-children-three-bnabs-babies-two-years</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-internationale-heilungsforschung-und-patient-inneninformation" class="wp-block-heading">Internationale Heilungsforschung und Patient*inneninformation</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">IAS – Towards an HIV Cure. <a href="https://www.iasociety.org/ias-programme/towards-hiv-cure">iasociety.org/ias-programme/towards-hiv-cure</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">NAM aidsmap – Übersichtsseite „HIV vaccine and cure research“: <a href="https://www.aidsmap.com/topic/hiv-vaccine-cure-research">aidsmap.com/topic/hiv-vaccine-cure-research</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>aidsmap ist eine der weltweit besten und verständlichsten Informationsquellen für Menschen mit HIV</em></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-heading block--align-left block--type-core-heading-3">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<h3 id="h-auf-deutsch" class="wp-block-heading">Auf Deutsch</h3>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Schwarze S. (2025): Vom Labor in die Apotheke – Medikamentenentwicklung und Vermarktung (15.01.2025). Online verfügbar unter <a href="https://magazin.hiv/magazin/vom-labor-in-die-apotheke-medikamentenentwicklung-und-vermarktung/">https://magazin.hiv/magazin/vom-labor-in-die-apotheke-medikamentenentwicklung-und-vermarktung/</a></p>

              </div>
    </div>
  </div>
  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>erklärt unter anderem die Phasen in klinischen Studien</em></p>

              </div>
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<p class="wp-block-paragraph">Fachstelle Gentechnik und Umwelt: Inhärente Risiken von CRISPR/Cas-Anwendungen (PDF), Stand: Juni 2021. Online abrufbar unter <a href="https://fachstelle-gentechnik-umwelt.de/wp-content/uploads/FGU_CRISPR_Risiken2.pdf">https://fachstelle-gentechnik-umwelt.de/wp-content/uploads/FGU_CRISPR_Risiken2.pdf</a> (abgerufen am 25.8.2026)</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Anm. d. Red.: Eine Übersicht bietet dieser französischsprachige Beitrag (Stand: Juli 2026): <a href="https://www.aides.org/actualite/lactu-remaides-aids-2026-nouveaux-cas-remission-vih">https://www.aides.org/actualite/lactu-remaides-aids-2026-nouveaux-cas-remission-vih</a></p>

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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Anm. d. Red.: Laut <a href="https://clinicalinfo.hiv.gov/en/guidelines/hiv-clinical-guidelines-adult-and-adolescent-arv/co-receptor-tropism-assays">neueren Studien</a> sind die meisten heute übertragenen HIV-Varianten auf den CCR5-Korezeptor angewiesen, um Zellen infizieren zu können – die angegebenen Zahlen bewegen sich oft um die 80 Prozent. Daneben gibt es HIV-Varianten, die (auch) den anderen Korezeptor CXCR4 nutzen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Anm. d. Red.: Der erste „Berliner Patient“ war Timothy Ray Brown: <a href="https://magazin.hiv/magazin/szene-community/hoffnungstraeger-timothy-ray-brown/">https://magazin.hiv/magazin/szene-community/hoffnungstraeger-timothy-ray-brown/</a></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Anm. d. Red.: Siehe z.&nbsp;B. Lau CY, Adan MA, Maldarelli F: Why the HIV Reservoir Never Runs Dry: Clonal Expansion and the Characteristics of HIV-Infected Cells Challenge Strategies to Cure and Control HIV Infection. Viruses. 2021 Dec 14;13(12):2512. doi: 10.3390/v13122512. PMID: 34960781; PMCID: PMC8708047. Online verfügbar unter <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8708047/">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8708047/</a> (abgerufen am 1.8.2026)</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Anm. d. Red.: Siehe z. B. Tanaka K, Ellis H &amp; Lau J (2025): HIV’s Hide and Seek: How Latency Reversal could be a key to curing HIV. Veröffentlicht am 12.12.2015 auf <a href="http://www.healthequitymatters.org.au">www.healthequitymatters.org.au</a>, online verfügbar unter <a href="https://www.healthequitymatters.org.au/resources/hivs-hide-and-seek-how-latency-reversal-could-be-a-key-to-curing-hiv">https://www.healthequitymatters.org.au/resources/hivs-hide-and-seek-how-latency-reversal-could-be-a-key-to-curing-hiv</a> (abgerufen am 5.8.2026)</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Anm. d. Red.: Siehe z.&nbsp;B. Vansant G, Bruggemans A, Janssens J, Debyser Z. (2020): Block-And-Lock Strategies to Cure HIV Infection. Viruses. 2020 Jan 10;12(1):84. doi: 10.3390/v12010084. PMID: 31936859; PMCID: PMC7019976. Online verfügbar unter <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7019976/">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7019976/</a> (abgerufen am 5.8.2026)</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Anm. d. Red.: Siehe z.B. Lee M, Cherrill L, Zacharopoulou P et al.: Time to HIV rebound after infusion of long-acting broadly neutralising antibodies 3BNC117-LS and 10-1074-LS and analytical treatment interruption (the RIO trial): a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. The Lancet HIV, 2026; 13, e527-e537 (online verfügbar unter <a href="https://www.thelancet.com/journals/lanhiv/article/PIIS2352-3018(26)00059-7/fulltext">https://www.thelancet.com/journals/lanhiv/article/PIIS2352-3018(26)00059-7/fulltext</a>, abgerufen am 25.8.2026)</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Anm. d. Red.: Siehe z.B. Simon Collins: CROI 2025: Two bNAbs enable viral suppression off-ART in African women in the FRESH cohort. HIV i-Base, 1.3.2025 (online: <a href="https://i-base.info/htb/50674">https://i-base.info/htb/50674</a>, abgerufen am 25.8.2026)</p>

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			</item>
		<item>
		<title>Die Aidskrise als Zäsur in der queeren Literatur</title>
		<link>https://magazin.hiv/magazin/aidskrise-queere-literatur/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nadin Wildt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2026 16:41:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Aidsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Aidskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://magazin.hiv/?p=1560322</guid>

					<description><![CDATA[Marlon Brand schreibt über queere Literatur und ihre Geschichte. Im Interview erklärt er, warum die Aidskrise darin eine wichtige Rolle spielt, was Jüngere aus ihr lernen und welche Begegnungen daraus entstehen können.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Die Geschichte der LGBTQ+-Literatur ist eine Geschichte der Spurensuche.“ Von diesem Ausgangspunkt schreibt Marlon Brand seit rund 10 Jahren seinen Blog <a href="https://booksaregayasfuck.de/">„Books are gay as fuck“</a>, der im Logo den rosa Winkel trägt, auch als Referenz auf ACT UP. Gemeinsam mit Tobi Schiller, der mit ihm auch den Newsletter „Queerer Kanon?“ herausgibt, und Bianca-Maria Braunshofer veröffentlichte er nun das Buch </strong><a href="https://www.leykamverlag.at/produkt/und-jetzt-queer"><strong>„Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm“</strong></a><strong>. Im Interview erklärt er, warum die Literatur der Aidskrise darin eine wichtige Rolle spielt, was Jüngere aus ihr lernen können, welche Begegnungen daraus entstehen – und wie man auch heute noch mit Sexszenen für Irritation sorgt.</strong></p>

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<h2 id="h-queere-kanon-communitys" class="wp-block-heading">Queere Kanon-Communitys</h2>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Euer Buch gibt auf gerade einmal 250 bunt illustrierten Seiten einen Gesamtüberblick zu queerer Literatur: Themen, Historie, Autor*innen, Räume usw. Wie ist dieses ambitionierte Projekt entstanden?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Da wir „Und jetzt queer!“ zu dritt geschrieben haben, gibt es mindestens genauso viele Antworten auf diese Frage. Wir alle haben uns in verschiedenen Kontexten intensiv mit queerer Literatur beschäftigt: Bianca in ihrer queerfeministischen Buchhandlung o*books, Tobi und ich während des Studiums oder auch auf Social Media und seit 2022 dann gemeinsam in Form des Newsletter-Magazins „Queerer Kanon?“, der sich mit Klassikern der queeren Literatur beschäftigt, aber auch mit Neuerscheinungen und Vergessenem. So stand irgendwann die Frage im Raum, ob sich aus unseren Themen nicht auch ein Buch machen ließe. Schließlich hat Ludwig Lohmann vom Leykam Verlag dann ganz konkret angefragt. </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Wir wollten von Anfang an unsere Perspektive erweitern und nicht nur als zwei schwule weiße cis Dudes über Queerness schreiben. Mit Bianca haben wir eine wunderbare Co-Autorin gefunden, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Erfahrungen als Buchhändlerin auch eine ganz eigene Perspektive ins Buch eingebracht hat. Außerdem kennt sie sich im Gegensatz zu Tobi und mir wahnsinnig gut in der Kinder- und Jugendliteratur aus. Ohne ihren Blick wäre das Buch in seiner jetzigen Form undenkbar.</p>

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    </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Obligatorische Frage: Was bedeutet für euch „queere Literatur“ im Kern bzw. wo zieht ihr evtl. Grenzen?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ganz kurz: Literatur, die sich mit dem Leben und Lieben jenseits heteronormativer Vorstellungen beschäftigt. Abseits davon versuchen wir ja möglichst keine Grenzen zu ziehen, auch weil queere Literatur in den unterschiedlichsten Genres zuhause ist. Mittlerweile gibt es queere Krimis, queere Science-Fiction, queere Familienromane, queere Romances und so weiter. Wir sprechen im Buch von „Arbeitsdefinitionen“, auch weil Queerness etwas Fluides ist und Leser*innen mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen ihre Lektüre auswählen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Einigen genügt es, wenn im Roman eine Hauptfigur ganz selbstverständlich queer ist, ohne, dass dies großartig thematisiert wird. Andere wünschen sich wiederum Romane, in denen das Zusammenspiel von Identität, Begehren und Gender verhandelt wird, queere (Sub-)Kulturen vorkommen und dies vielleicht auch auf formaler Ebene reflektiert wird – wie z. B. in „Die Argonauten“ von Maggie Nelson oder „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon. Ich denke, das sind alles wichtige und gleichberechtigte Perspektiven, die viel über unsere unterschiedlichen Bedürfnisse verraten.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beim Thema „Queerer Kanon“ – dem Tobi und du auch euren Newsletter widmet – zitiert ihr die schöne Idee von „canon communities“. Wie kann ein Kanon verbindend sein, Gemeinschaft erschaffen?</strong></p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung des einen verbindlichen Kanon, der nur alte weiße Männer kennt, ist natürlich total überholt, hält sich aber weiterhin hartnäckig. Ich denke, solange sich Menschen akademisch mit Literatur beschäftigen, Genres, Strömungen, Epochen, Traditionen etc. irgendwie zu fassen bekommen wollen, wird es auch Kanones in den unterschiedlichsten Ausprägungen geben. Kanones – und dazu gehören auch die queeren – fungieren ebenso als Speichermedium einer Kultur, ihrer Tradition und Werte. Sie sind also identitätsstiftend und <br>-versichernd. Wir verstehen queere Kanones als eine Art Spurensuche oder auch eine Roadmap, anhand derer sich die Traditionen der eigenen Community erlesen lassen. Kurzum: Sie zeigen, dass es ‚uns‘ schon immer gegeben hat. </p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Es ist aber auch möglich, oftmals im Austausch mit anderen Queers, von den vorgegebenen Strecken abzuweichen und zu erkunden, was jenseits der vorgefertigten Pfade liegt und zu entdecken ist. Gerade im digitalen Zeitalter ergeben sich hier Möglichkeiten, bisher vergessene Traditionen zu erkunden und gemeinsam neue Verlinkungen sichtbar zu machen.</p>

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  </div>
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<h2 id="h-schreiben-angesichts-der-katastrophe" class="wp-block-heading">Schreiben angesichts der Katastrophe</h2>

              </div>
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  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein verbindender historischer Einschnitt für viele queere Menschen ist die Aidskrise. Welche Rolle spielt sie in der Literatur?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine Frage, deren Beantwortung ein ganzes Buch füllen könnte. Die Aidskrise stellt auch innerhalb der queeren Literatur eine Zäsur dar, die vielen der gesellschaftlichen wie politischen Errungenschaften der Emanzipationsbewegung ein Ende bereitet hat. Viele Autor*innen haben sich gefragt, wie sie im Angesicht dieser Katastrophe schreiben können. Für den Autor und Aidsaktivisten Larry Kramer z. B. stand fest, dass es die Verantwortung aller schwulen Autoren sei, sich der Epidemie zu stellen. Edmund White, selbst HIV-positiv, war zu dieser Zeit in Frankreich und schrieb seine Biografie über Jean Genet, auch um zu beweisen, dass es weiterhin ein Leben jenseits der Krankheit gibt. Die Literatur der Aidskrise lässt sich also nicht so leicht auf eine Sache herunterbrechen. Sie ist ein Zeitdokument individueller und kollektiver Schicksale und sie erzählt vom politischen Widerstand und vom Leben im Angesicht des Todes. Und vieles mehr.</p>

              </div>
    </div>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">  <div class="block block--type-core block--type-core-paragraph block--align-left ">
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Die Aidskrise stellt auch innerhalb der queeren Literatur eine Zäsur dar, die vielen der gesellschaftlichen wie politischen Errungenschaften der Emanzipationsbewegung ein Ende bereitet hat. Viele Autor*innen haben sich gefragt, wie sie im Angesicht dieser Katastrophe schreiben können.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
<cite>Marlon Brand</cite></blockquote>

        </div>
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    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von klar politischen Schriften bis zu Lyrik: Stimmst du dem Eindruck zu, dass es HIV-Literatur quasi in allen Genres gibt?</strong></p>

              </div>
    </div>
  </div>
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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ja, absolut! Diese Vielfalt ist ja auch der Tatsache geschuldet, dass viele Autor*innen damit gerungen haben, wie sie überhaupt über eine Krankheit wie HIV bzw. Aids schreiben können. Welche Form, welche Sprache ist angemessen? Darauf wurden ganz unterschiedliche Antworten gefunden in Form von Sachbüchern, Ratgebern, Romanen, Memoiren, Lyrik und Theaterstücken.</p>

              </div>
    </div>
  </div>
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    <div class="l-container">
      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph">Ich finde es weiterhin erstaunlich, dass mit Napoleon Seyfarth („Schweine müssen nackt sein“) und Detlev Meyer („Ein letzter Dank den Leichtathleten“) ausgerechnet zwei deutsche Autoren mit beißendem Humor eine literarische Antwort auf die Aidskrise gefunden haben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr beschreibt, wie die Aidskrise und der HIV-Aktivismus damals Brücken zwischen den einzelnen Communitys geschlagen haben. Meinst du, dieser Brückenschlag gelingt der Literatur auch zwischen den Generationen? Ist das Thema heute noch relevant für junge Queers?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Viele der Autor*innen, die Zeugnis über die HIV- und Aids-Epidemie abgelegt haben, gehören zu ihren Opfern. Infolge ihres Todes werden ihre Texte nicht mehr verlegt oder sind nur noch einem eingeweihten Publikum bekannt. Eine der größten Herausforderungen ist also, dass viele der Texte nur noch schwer erhältlich sind. Ich halte das Thema dennoch für absolut relevant für junge Queers. Die Literatur der Aidskrise ist auch eine Dokumentation ihrer politischen Kämpfe, die uns noch viel über die Gegenwart verraten können. Die Aktivist*innen haben im Kampf gegen die apathische Regierungspolitik Solidarität und Kreativität bewiesen. Das kann in Zeiten rechten Pushbacks Vorbildcharakter haben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Aber unabhängig davon, was die Aidskrise uns lehren kann: Es gibt ja die Legende, dass eine ganze Generation infolge der Aids-Epidemie gestorben sei. Es haben aber auch viele überlebt, Menschen, die mit ihren Traumata allein gelassen wurden. Ich denke, wir jüngeren Queers haben eine gewisse Pflicht, ihre Geschichten zu kennen. Literatur kann da ein guter Anfang sein.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bianca widmet sich im Buch auch geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in Schullektüre. Hier taucht das Thema allerdings nicht auf. Welches Buch zur Aidsgeschichte würdest du Jugendlichen empfehlen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Es gibt weiterhin leider eine recht überschaubare Liste an Jugendbüchern, die HIV und Aids thematisieren wie z. B. einige der Romane von Lutz van Dijk oder „Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt“ von David Levithan. Es gibt allerdings zwei Sachbücher, die intelligent und zugänglich sind und die ich für junge Erwachsene für geeignet halte: „Queer. Eine deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis heute“ von Benno Gammerl setzt die Aidskrise innerhalb eines Kapitels in den Kontext der gesamten deutsch-queeren Geschichte. „Die Kapsel. Aids in der Bundesrepublik“ von Martin Reichert setzt sich unter anderem auch mit der Frage auseinander, warum Menschen, welche diese Zeit selbst nicht miterlebt haben, sich mit ihr beschäftigen sollten.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Es haben viele überlebt, Menschen, die mit ihren Traumata allein gelassen wurden. Wir jüngeren Queers haben eine gewisse Pflicht, ihre Geschichten zu kennen.</p>

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<cite>Marlon Brand</cite></blockquote>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am Beispiel von „Ein wenig Leben“ wird gezeigt, dass heutige Bestseller durchaus auf Aidsgeschichte zurückgreifen, aber teilweise ohne es deutlich zu machen – in diesem Fall ohne HIV oder Aids zu benennen. Kehrt da ein Tabu zurück?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Vermutlich ist dieses Tabu nie ganz verschwunden. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zeigen aber durchaus die traurige Tendenz, Wörter wie HIV und Aids oder auch Queerness nicht mehr auszusprechen und sie unter dem vermeintlichen Banner der Universalität unsichtbar zu machen – so wie es ja auch zahlreiche Politiker*innen nach dem Anschlag auf den Berliner CSD getan haben. Auch einige Autor*innen haben es vermieden, in ihren Texten explizit von HIV und/oder Aids zu schreiben.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehört z. B. der italienische Schriftsteller Pier Vitorrio Tondelli mit seinem Roman „Getrennte Räume“. Trotzdem wird anhand des Textes sehr deutlich, von welcher Krankheit hier die Rede ist. Als „Getrennte Räume“ 2025 in einer Neuauflage erschien, hat der Gutkind Verlag den Roman trotzdem als eine universelle Liebesgeschichte beschrieben, dessen Protagonist den langen Tod seines Partners nicht erträgt. Das ist zum einem falsch, da im Roman die Eltern des Sterbenden jeglichen Kontakt zwischen den Liebenden untersagen, zum anderen reproduziert es das gängige Klischee des feigen Homosexuellen, der vor der Verantwortung flieht und den Sterbenden dadurch in den rettenden Schoß der Kernfamilie zurücküberführt. In der Realität war es aber genau andersrum. Dieses Verschweigen halte ich für sehr gefährlich, auch weil HIV und Aids nicht der Vergangenheit angehören und für viele eben weiterhin eine Lebensrealität darstellen.</p>

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<h2 id="h-neugierde-und-der-wunsch-einander-zu-verstehen" class="wp-block-heading">Neugierde und der Wunsch, einander zu verstehen</h2>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zu queerer Literatur gehört selbstverständlich Sexualität. Das Kapitel zu erotischer Literatur stellt – „Sappho wäre happy&#8220; – überraschend lesbisch-queere Bücher vor. Ist Sex in schwuler Literatur zu selbstverständlich, um extra thematisiert zu werden? Oder habt ihr hier bewusst den Fokus auf andere Aspekte dieser Bücher gelegt?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Wir haben mit Bianca ganz bewusst eine Co-Autorin für das Buch gewinnen dürfen, deren Perspektive und Lesebiografie sich von der von Tobi und mir unterscheidet. Hätte einer von uns beiden, und nicht Bianca, über erotische Literatur geschrieben, hätte sich dieser lesbisch-queere Fokus mit Sicherheit verschoben. Das wäre schade, gerade weil weibliche und vor allem lesbische Sexualität so oft unsichtbar gemacht wird und weil Queerness natürlich mehr ist als schwul und cis.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Ich würde aber behaupten, dass auch schwule Sexualität weiterhin alles andere als selbstverständlich ist. Denn Geschichten wie „Heated Rivalry“ sind zwar punktuelle Hypes, die in ihnen dargestellte Sexualität soll aber vor allem für ein weibliches und nichtqueeres Publikum konsumierbar sein. Wäre schwule Sexualität selbstverständlich, wären beispielsweise die erotischen und selbstbewusst schwulen Romane von Phil Andros nicht in Vergessenheit geraten. Mehr Menschen würden die Romane von Guillaume Dustan oder Brontez Purnell kennen. Und vermutlich hätte im vergangenen Jahr „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç mit seinen wirklich ganz wunderbaren Sexszenen für nicht für so viel Irritation bei der Leser*innenschaft auf Social Media gesorgt.</p>

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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schon beim Lesen von „Und jetzt queer!“ ist ganz klar, dass es ein offenes Community-Projekt ist, das zur weiteren Debatte einlädt. Wie erlebst du den Austausch seit dem Erscheinen?</strong></p>

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<p class="wp-block-paragraph">Die bisherigen Lesungen haben ein wunderbar gemischtes Publikum angelockt, sowohl queere als auch nichtqueere Menschen aller Altersklassen und mit ganz unterschiedlichen Biografien. Viele, vor allem junge Menschen, freuen sich natürlich über die Anregungen zu queerer Literatur. Besonders schön sind die Begegnungen mit Familienmitgliedern, die dankbar sind, ihren queeren Kindern durch die Gespräche über Literatur etwas näher zu kommen.</p>

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<p class="wp-block-paragraph">Für mich besonders schön: Eine ältere Lesbe drückte mir nach einer Lesung einen Empfehlungszettel mit Titeln in die Hand, was ich ihrer Meinung nach noch lesen muss (sie sind alle auf die Liste gekommen, versprochen!). Das mag etwas pathetisch klingen, aber diese Begegnungen geben mir Hoffnung. Dahinter stecken immer sehr viel Neugierde, Offenheit und der Wunsch, einander zu verstehen.</p>

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      <div class="l-content-column block-content">
                  
<p class="wp-block-paragraph"><em>Marlon Brand, Bianca-Maria Braunshofer, Tobi Schiller:</em> <a href="https://www.leykamverlag.at/produkt/und-jetzt-queer"><em>UND JETZT QUEER! Lesen jenseits der Norm.</em></a><em> Mit Illustatrationen von EL BOUM (Jasmina El-Bouamraoui). Leykam Verlag 2026. 25,50 Euro.</em></p>

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<h2 id="h-mehr-uber-queere-literatur" class="wp-block-heading">Mehr über queere Literatur</h2>

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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="wYDaJTgH45"><a href="https://magazin.hiv/magazin/10-sachbuecher-aids-geschichte/">Vier Jahrzehnte Aids: 10 Bücher voller Wissen und Erfahrungen</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Vier Jahrzehnte Aids: 10 Bücher voller Wissen und Erfahrungen“ – magazin.hiv" src="https://magazin.hiv/magazin/10-sachbuecher-aids-geschichte/embed/#?secret=5BRlPscyCR#?secret=wYDaJTgH45" data-secret="wYDaJTgH45" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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