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Antikörpertherapie blockiert dauerhaft die Vermehrung von HIV-ähnlichem SIV

Ein internationales Forschungsteam hat mit einer zeitlich begrenzten neuartigen Antikörpertherapie die Vermehrung des HIV-ähnlichen Virus SIV bei Rhesusaffen dauerhaft unterdrückt.

Ihr Experiment beschreiben die Forscher_innen, zu denen auch Mitarbeiter_innen des Deutschen Primatenzentrums gehören, in einer am 14. Oktober im Magazin Science veröffentlichten Studie:

18 mit SIV infizierte Rhesusaffen begannen in der fünften Woche nach ihrer Infektion mit einer dreimonatigen antiretroviralen Therapie (kurz: ART; dabei handelt es sich um Medikamente, wie sie auch bei Menschen mit HIV eingesetzt werden). Nach drei Wochen ART war die Viruslast, also die Virenmenge im Blut, bei allen Affen unter der Nachweisgrenze, das heißt, es konnten keine Viren mehr nachgewiesen werden.

11 der Affen bekamen ab der Woche neun nach der Infektion zusätzlich zur ART alle drei Wochen experimentelle Antikörpern gegen α4β7 Integrin verabreicht, die restlichen sieben Affen erhielten jeweils ein Placebo. Die antiretrovirale Therapie wurde nach der 18. Woche nach der Infektion beendet, die Antikörper wurden über einen Zeitraum von 23 Wochen gegeben. Drei Affen wurden aufgrund der Bildung von Antikörpern gegen die Antikörper aus der Studie ausgeschlossen.

32 Wochen nach der Infektion wurde auch die Antikörperbehandlung gestoppt. Bei den sieben Affen aus der Placebo-Gruppe stieg die Viruslast danach innerhalb von zwei Wochen stark wieder an und blieb auf einem hohen Niveau.

Bei sechs der verbliebenen acht Affen aus der Antikörper-Gruppe stieg die Viruslast zwar vorübergehend an, fiel dann aber innerhalb von vier Wochen wieder unter die Nachweisgrenze, bei den anderen zwei Affen blieb die Viruslast die ganze Zeit unter der Nachweisgrenze.

23 Monate nach Therapieende ist bei keinem der acht Affen SIV im Blut oder in der Darmschleimhaut mehr nachweisbar. Ihr Immunsystem sei intakt, die für die Immunabwehr wichtigen CD4-Zellen („Helferzellen“) seien in ausreichender Zahl vorhanden und die Affen seien gesund, so das Deutsche Primatenzentrum in einer Pressemitteilung.

Der Leiter der Forschungsgruppe, der Immunologe Aftab Ansari, betonte laut einem Beitrag auf sciencemag.org, dass die Affen nach wie vor infiziert und nicht geheilt seien. Er und sein Forschungskollege Anthony Fauci seien von den Ergebnissen überrascht – was genau im Immunsystem passiert sei, wisse man nicht. Andere Forscher äußerten sich vorsichtig abwartend: Louis Picker von der Oregon Health & Science University zum Beispiel sagte, der verwendete SIV-Stamm könnte abgeschwächt gewesen sein – bei seinen eigenen Experimenten mit demselben Stamm sei die Viruslast bei unbehandelten Affen weit höher gewesen. Außerdem ist zu bedenken, dass eine antiretrovirale Behandlung schon ab der fünften Woche nach der Infektion in der Realität nur höchst selten vorkommen dürfte.

Die Wissenschaftler_innen planen, ihren Ansatz auf Menschen mit HIV zu übertragen. Eine menschliche Variante des bei den Rhesusaffen eingesetzten Antikörpers ist seit 2014 in den USA und in Europa als Medikament Vedolizumab auf dem Markt. Eingesetzt wird es zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, bei denen die CD4-Zellen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Professor Lutz Walter vom Deutschen Primatenzentrum ist optimistisch: „Wir haben guten Grund zur Hoffnung, dass die Therapie im Menschen ganz ähnlich funktioniert. Es wäre ein Durchbruch für die zukünftige Behandlung von HIV-Patienten“, so Walter.

Eine kleine Phase-I-Studie mit HIV-Patient_innen, bei der eine antiretrovirale Therapie mit dem Medikament Vedolizumab verbunden wird, ist in den USA bereits angelaufen.

(ascho/hs)

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