Prävention & Wissen

Fast 40% weniger HIV-Diagnosen bei schwulen und bisexuellen Männern in Australien

Der größte australische Bundesstaat New South Wales kommt seinem Ziel näher, HIV-Übertragungen bis 2020 praktisch zu beenden. Im ersten Halbjahr 2017 gab es fast 40 % weniger HIV-Diagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), als im Durchschnitt der letzten sechs Jahre.

So wenig HIV-Diagnosen bei MSM in Australien wie nie

„Wir erleben einen der schnellsten Abnahmen von neuen HIV-Diagnosen bei schwulen und bisexuellen Männern auf der Welt“, erklärte Dr. Kerry Chant vom Gesundheitsministerium von New South Wales gegenüber der Presse.

Insgesamt gab es vom Januar bis zum Juni dieses Jahres 102 HIV-Diagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der australischen Epidemie im Jahr 1985. Der MSM-Anteil an allen HIV-Diagnosen des ersten Halbjahrs 2017 liegt bei 70 Prozent.

Viele Gründe für den Erfolg

Wesentlichen Anteil an diesem Präventionserfolg haben laut der Initiative „We can end HIV by 2020“ (Wir können HIV bis 2020 beenden) hohe HIV-Testraten und ein hoher Anteil von frisch Diagnostizierten, die rasch mit einer HIV-Therapie beginnen, der hohe Anteil von Menschen mit HIV, die das Virus dank wirksamer Therapie nicht weitergeben können, der Kondomgebrauch und der PrEP-Gebrauch.

Dazu beigetragen haben Aufklärungs-Kampagnen wie „How do you do it“, die Kondome, die PrEP und Schutz durch Therapie als gleichwertige Safer-Sex-Methoden bewerben, sowie Kampagnen zur Erhöhung der Testbereitschaft.

Hohe Testbereitschaft bei MSM

Die Zahl der HIV-Tests, die in speziellen Zentren für HIV und Geschlechtskrankheiten bei MSM durchgeführt wurden, lag um 18 % höher als im gleichen Zeitraum 2016. Außerdem dürften HIV-Selbsttest („Heimtest“) zu in Australien zugelassen – er erleichtert vor allem Menschen in ländlichen Gebieten die HIV-Testung.

Der Anteil der Menschen, die schon länger HIV-infiziert sind, an allen positiv Getesteten war im ersten Halbjahr 2017 mit etwa 43 % allerdings nach wie vor sehr hoch. Hier besteht nach wie vor Handlungsbedarf – offenbar wissen zahlreiche Menschen mit HIV nach wie vor nichts von ihrer Diagnose.

Schutz durch Therapie wirkt

Ein weiterer wichtiger Beitrag zum Präventionserfolg ist die Rate derjenigen, die nach einer HIV-Diagnose rasch mit einer antiretroviralen Behandlung beginnen. 86 Prozent der Menschen, die vom Januar bis zum September 2016 eine HIV-Diagnose bekommen hatten, waren spätestens sechs Monate später in antiretroviraler Therapie. Sinkt die Virusmenge in ihrem Blut dadurch unter die Nachweisgrenze der gängigen Verfahren, können sie HIV nicht weitergeben.

Die HIV-PrEP schützt

Einen gewichtigen Anteil an den sinkenden HIV-Neuinfektionen hat nicht zuletzt wohl auch der bessere Zugang zur Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Seit März 2016 haben 6.336 MSM im Rahmen der Implementierungsstudie EPIC-NSW mit einer solchen medikamentösen HIV-Prophylaxe begonnen (im März 2017 waren es noch 5.376) und sind dadurch vor HIV geschützt.

Diese HIV-PrEP ist in Australien seit 2016 zugelassen. Allerdings müssen Anwender_innen die Kosten bislang noch selbst tragen, sofern sie nicht an einer Studie teilnehmen.

(ascho/hs)

 

Weiterführende Links:

Quartalszahlen des Gesundheitsminsiterums NSW zu HIV-Neuinfektionen und zur HIV-Behandlung (auf Englisch)

New South Wales HIV Strategy 2016–2020 (PDF, auf Englisch)

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Axel Schock

Axel Schock, freier Autor und Journalist, ist seit 2010 Mitglied der DAH-Online-Redaktion.

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