Sie hat sich jahrzehntelang in der Aids- und Selbsthilfe engagiert und war ein vitales Beispiel dafür, was im Leben mit HIV möglich ist. Damit hat sie vielen anderen Menschen mit HIV Mut und Hoffnung gegeben. Mit ihrer Beharrlichkeit hat sie dazu beigetragen, dass Aidshilfe heute auch ein Platz für Frauen und streitbar, vielfältig und stark ist.

Nun ist unser Ehrenmitglied Gaby Lenz am 2. Dezember im Alter von 58 Jahren verstorben.

Wir sind ihr dankbar für alles, was sie war, und sie wird uns fehlen. Aber sie bleibt in unserer Erinnerung und unserer Geschichte.

Wer Bilder (nur mit Einverständnis der abgebildeten Person/en und Fotograf_innen-Angabe), Zitate von Gaby oder andere Erinnerungen teilen möchte, kann sich gerne an die Redaktion wenden (redaktion@dah.aidshilfe.de).


Patrik Maas

Gaby, Du hast viel erreicht! Ich erinnere mich, wie ich mit Dir am Rande eines Ländertreffens im April 2015 durch den Park in Weimar spazierte und Du mich auf unsere Stellenausschreibung angesprochen hast, dass Du Dich dafür interessierst. Ich gebe zu, ich war erstmal ziemlich erschrocken, ich habe mich ein bisschen überfordert gefühlt. Du starker Mensch, mit klarer Meinung, ein Vorbild im Aktivismus, mit übergroßer Herzenswärme – Du willst Dich bei uns bewerben? Wie die Geschichte ausgeht: Du hast im August 2015 bei uns angefangen und ich war sehr stolz darauf, dass Du Dich für uns entschieden hattest. Die kurze Zeit, die wir zusammengearbeitet haben, blieb eine stetige Herausforderung: Du hast gefordert, Du hast gestaltet, Du hast gestritten, Du hast es krachen lassen, Du hast gelacht und geliebt.

Und ich gebe zu: Meine Rolle als Dein Chef war kaum zu bewältigen. Oft war es eher eine Zähmung als eine Führung, die ich Dir anbieten konnte. Aber Du hast mich und uns geprägt, mit Deinen Ideen, Deiner Kraft, Deiner oft auch kompromisslosen Art und Deinen unkonventionellen Herangehensweisen.Ich habe Dich als fordernden, oft eben auch Deine Umwelt im besten Sinne überfordernden, Menschen kennen gelernt – Deinen Weg gehend. Gut, dass wir auch immer eine private sehr freundschaftliche Ebene hatten, in die wir uns auch oft genug fallen lassen durften.

Dabei waren auch wunderbare, mystische und intensiv rauschhafte Momente, in denen es nicht mehr um den Verstand, sondern um die Nähe von Herzen ging. Auch dieser Mensch, den ich dabei erleben durfte, hat meine Seele sehr berührt.Ich will nicht schreiben, dass Du uns fehlen wirst. Du bist doch gar nicht weg. Vieles von dem, was Du angestoßen hast, was Dir am Herzen lag, lebt weiter. Du hast Deine Welt geprägt. Diese Prägung bleibt, da kannst Du Dir sicher sein.Ich bin sehr dankbar, dass wir die Chance hatten, einen kleinen Teil Deines Weges gemeinsam gehen zu dürfen.

Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW


Klaus Koch

Ein langer Weg voller Elan, Träumen, Lebensfreude, (Tat)Kraft, Freundschaft, Verbundenheit und Hoffnung ist zu Ende gegangen!Als wir uns kennenlernten (damals noch Gaby Wirz), waren wir anfänglich etwas voneinander entfernt, was sich mit unseren gemeinsamen Jahren im Delegiertenrat der Deutschen Aidshilfe, vielen Fahrten mit der Bahn nach Stuttgart und später in ihrer Zeit als Geschäftsführerin der AIDS Hilfe Baden-Württemberg grundlegend ändern sollte.

Über Jahre hinweg arbeiteten wir eng zusammen, und so entstanden manche nahe, tiefsinnige, intensive, lustige, oft schräge, immer interessante Gespräche über „Gott und die Welt drumherum“, manchmal auch unter Einbeziehung unseres engeren Umfeldes.

Gaby war eine zielgerichtete Aktivistin

Gaby habe ich als zielgerichtete Aktivistin erlebt, die für ihre Sache einstand und andere mitziehen konnte. Als wir sie 2006 als Geschäftsführerin einstellten, hat sie manchen Baden-Württembergischen Landesbeamten in arge Bredouillen gebracht. Als offen lebende Betroffene, Fachfrau und zeitgleich Diakonin konnten sich ihr viele nur schwer dem Thema gegenüber abwehrend verhalten.

Ende des ersten Jahrzehnts stellten wir dann zusammen mit Mitstreiter*innen den Antrag Gaby für ihren enormen ehrenamtlichen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz zu belohnen. Die Auszeichnung wurde ihr dann 2012 in Ludwigsburg überreicht.

Nach meinem Ausscheiden aus dem Vorstand der AIDS- Hilfe Baden-Württemberg blieben wir weiter in Kontakt. Mit ihrem Umzug, den neuen Aufgaben in der Aidshilfe NRW und ihren für sie wichtigen und unterstützenden Freundeskreis in Köln, reduzierte sich dieser dann leider immer mehr. Obwohl in Gedanken häufig bei ihr, ergab es sich nur selten, dass wir uns persönlich trafen.

Mit einer genialen Idee hat sie sich 2019 entschieden, ihren Freundeskreis in einer WhatsApp-Gruppe an ihrem Leben teilnehmen zu lassen. Diese sollte sich dann als ein Begleiter und fast schon unendliche Unterstützung in guten und auch schlechteren Zeiten (nicht nur für Gaby) herausstellen.

Im Nachhinein denke ich bei Gaby an eine energiegeladene, liebevolle Frau, die nicht nur ich vermissen werde. Ich bin dankbar, dass ich sie näher kennenlernen durfte. Mit einen meiner Lieblingstexte von Dietrich Bonhoeffer möchte ich schließen:

Von guten Mächten

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Klaus Koch, am 2. Dezember 2020

 


Sven Warminsky

Gestern schon habe ich überlegt, wie ich mit dieser Nachricht, die sicher nicht überraschend ist, aber als sie kam, mich umhaute, umgehe. Lange habe ich überlegt, was ich dazu schreiben oder anders von mir geben kann. Mir fällt irgendwie nichts ein, was dir gerecht werden würde. Du warst eine so wundervolle Frau, Aktivistin, Vorbild und so unbequem. Fragend, fordernd, lächelnd und so herzlich, dass es mir gerade das Herz zerreißt, dass du nicht mehr da sein sollst. Ich bin darüber so unendlich traurig und so unendlich froh, dass das Leiden für dich nun endlich zu Ende ist. Mach dir ne Kippe an, setz dich auf ein Wölkchen und schau auf uns runter und pass ein bissel auf uns auf. Fühl dich ein letztes mal in den Arm genommen und ganz doll gedrückt. Du wirst mir, der Community und vielen Menschenkindern fehlen. Hab eine gute Reise.

Dein Sven

 


Arno Lafrentz

Man ist einfach assungslos, wenn man diese eine Nachricht bekommt, die man eigentlich nie bekommen möchte. Du musstest uns leider viel zu früh verlassen.

Gaby habe ich in Saarbrücken vor mehr als 20 Jahren kennengelernt, und wir hatten sofort eine Wellenlänge, was sich in den vielen Jahren sehr vertiefte.

Wir haben gelacht, gefeiert und auch geweint. Kaffee und Zigarette durfte nie fehlen. Diese Stärke  dieser Mut  diese Kraft, und immer dieses Strahlen, das hatte sie immer, auch in ihrer schwersten Zeit.

Du warst nicht nur eine Freundin, du warst die beste, so wie man sich eine Freundschaft vorstellt, und nicht nur für mich.Trotz deiner vielen Arbeit, deine Freunde hatten immer Platz.

Bayern und der Chiemsee wird dich auch vermissen.

Hoffe, du hast dir die fluffigste Wolke ausgesucht, um uns hier auf Erden mit allen anderen Engeln 😇 zu beschützen….

Du wirst immer in meinem, unseren Herzen bleiben…denn da hast du immer einen Platz bis wir uns wiedersehen.

Tschüss, du Stern am Himmel!

 


 

Björn Beck

Liebe Gaby,

„So stelle ich mir Engel vor: noch wenn sie weinen, stolz und stark!“ So beginnt eines meiner Lieblingslieder und es passt so gut zu Dir: stolz, stark und dennoch auch zerbrechlich und sensibel. Meine Engel sind wie Du, wie Bernd und Guido: stolz und doch bescheiden, selbst-bewusst und selbst-kritisch, lustvoll berauscht und nüchtern nachdenklich. Du bist ein solcher Engel.

Ich erinnere mich noch sehr gut an unsere erste Begegnung bei der PoBe. Du kamst in den Raum und Du warst da. Du hast eine unglaubliche Energie und Kraft ausgestrahlt und gleichzeitig eine ganz herzliche Wärme und Heiterkeit. Das hat mich sofort gefangengenommen.

Jede einzelne, noch so kurze, Begegnung hat etwas hinterlassen. Dein Marzipan-Rezept hat mir so einige schöne und lustige Situationen beschert.

Deine Offenheit machte es einem leicht mit Dir in Kontakt zu kommen und von deinen Erfahrungen zu lernen. Ich konnte Dir so Fragen stellen, deren Antworten ich in dieser Form sonst nie erhalten hätte. Für diese zum Teil sehr intimen Einblicke bin ich Dir unglaublich dankbar.

Du hast mich als Mensch und Aktivistin sehr beeindruckt und auch viele andere. Du hast viel(e) bewegt und das bleibt Dir und uns für immer erhalten.

Wie Bernd (Aretz) hast Du mir Einblicke geschenkt, das Leben (mit HIV) besser zu verstehen und mein Leben damit anzunehmen und selbstbestimmt zu gestalten. Auch Du hast mich darin bestärkt, Konventionen und. Normen nicht einfach hinzunehmen, sondern für die eigenen Überzeugungen und Bedürfnisse Freiräume zu erkämpfen und nicht zu leichtfertig auf Kompromisse einzulassen.

Was ich Bernd nachrief, möchte ich auch Dir nachrufen: Dein Vermächtnis ist mir ein Auftrag und deine Freundschaft eine Ehre. Nun schwebt ihr beiden vielleicht gemeinsam mit Sven Karl, Guido und vielen anderen auf einer Wolke, geniesst dein Marzipan und euer Sein.

 


 

Michèle

Liebe Gaby

Ich hab wenig Worte.
Du fehlst.
Dein Lachen schleicht sich seit Tagen in meine Träume.
Schmerzt und beglückt zugleich.
Dankbar Dir begegnet zu sein, mit Dir zusammen gekämpft, debattiert, gearbeitet, gelacht, geweint, getanzt und die Nächte um die Ohren geschlagen zu haben.
Traurig, dass dies nie mehr wird…
Mein herzliches Beileid an Jochen und all deine Lieben.
Bis später, liebe Gaby. Bis später. ❤
Michèle

Jacob Hösl
Gaby ist gestorben. Ich hab so viele gemeinsam erlebte Momente im Kopf! Ich glaube, ich habe sie das erste Mal 1999 getroffen bei dem Treffen des „Kasseler Kreises“ in Hannover. Ich war gerade drei Jahre als Rechtsanwalt zugelassen, und meine Sozialrechtsbroschüre und die zum Arzt-Patient-Verhältnis sollte herausgegeben werden. Bei dem Treffen haben wir vereinbart, dass der Kasseler Kreis – ehrlich gesagt – eher Gaby, meinen Text redigiert und mir dann Hinweise für Änderungen gibt. Und dann kamen sie, die Änderungen: Es war ein ganzer Haufen, was Gaby zu kritisieren hatte, und ich fühlte mich – das erste Mal – von Gaby etwas überfordert. Seitdem hatten wir Kontakt, und es entstand eine Freundschaft in Fachfragen und im Persönlichen.

Ich erinnere mich an die Situation nach einer der letzten Sitzungen des Delegiertenrats, nachdem dessen Auflösung innerhalb kürzester Zeit beschlossene Sache war, weil er über die Jahre seinen Sinn und seine Aufgabe aus den Augen verloren hatte. Wir saßen in einer Pause auf der Terrasse des Ristorante Diomira (das Stresemannstübchen hatte noch zu) und tranken Rotwein und schwiegen. Nach einer doch recht langen Zeit des Schweigens brachen wir beide in lautes Lachen aus, so unwirklich erschien uns, was da eben passiert war.

Ich erinnere mich an den Welt-Aids-Tag 2011, bei dem ich die Ehre hatte, die Festrede im Saal der Außenhandelskammer der Freien und Hansestadt Hamburg halten zu dürfen. Ich war schon Wochen davor und an diesem Abend so unglaublich nervös, dass ich kaum sprechen konnte, aber Gaby stand vor mir im Publikum und lächelte mir zu. Sie half mir, das zu schaffen. Aber nicht nur das, sondern ich hatte den Text meiner Rede zum Thema HIV und Arbeit in den Wochen davor immer wieder mit ihr besprochen; sie hat mir auch hier wieder unglaublich viel in meiner Verfassereinsamkeit geholfen und das – wie soll ich sagen – nicht gerade zimperlich. Nach dem offiziellen Abend waren wir noch mit Sylvia Urban und unseren Hamburger Gastgebern im ehrwürdigen Hamburger Ratskeller, und ich glaube, ich habe kaum einmal in meinem Leben so viel gelacht wie an diesem Abend. Und dann noch so viel und lautes Schwäbisch! Die doch als eher zurückhaltend bekannten Hamburger an den Nebentischen guckten schon ganz komisch.

Dann kommt mir die Erinnerung an ihren 50. Geburtstag auf dem Sportflugplatz in Ludwigsburg. Ein tolles Fest! Mit viel Alkohol! Und mit meinem ersten Flug in einem kleinen Sportflugzeug; ich durfte sogar mal kurz selbst lenken! Das Video habe ich heute noch. (Dann haben Gaby und ich gesehen, wie einige Gäste das auf dem Tisch in einem Brotkorb liegende Graubrot in eine Serviette eingepackt und in die Handtasche (!) gesteckt haben. Wir mussten raus, damit sie unseren Lachanfall nicht sehen. (Ihr Lachen war auch eine liebevolle Betrachtung ihrer Wurzeln; es war voller Zugewandtheit.)

Es sind diese Erlebnisse, die ich im Kopf habe. Es sind so viele! Nie werde ich ihr verschmitztes Lächeln vergessen, als sie im Delegiertenrat für das ihr kurz zuvor verliehene Bundesverdienstkreuz beklatscht wurde. Ein vielsagendes Lächeln, eine Mischung aus der grundsätzlichen Überzeugung, dass das Bundesverdienstkreuz als Zeichen staatlicher Anerkennung (ein Orden!) eigentlich etwas Albernes hat, dem Wissen, dass eben solche Symbole wichtig sind, wenn man im Diskurs mit Politik und Gremien in der HIV-Arbeit gehört werden will; und da war doch auch zurecht Stolz über die Verleihung eingedenk ihres nicht gerade einfachen Lebenswegs. In diesem Lächeln vereinigte sich irgendwie alles, was Gaby ausgemacht hat.

Nachdem sie krank wurde, habe ich sie noch ein paar wenige Male zuhause und im Krankenhaus besucht. Ja, sie war eine Kämpferin! Mir schwante ehrlich gesagt schon recht bald, dass das vielleicht nicht gut ausgehen würde. Solche Gedanken waren aber nicht ihre Sache. Sie hatte nicht vor, so einem Arschloch wie einem Tumor das Feld zu überlassen. Ich kann kaum sagen, wie traurig ich bin, dass sie ausgerechnet diesen Kampf nicht gewonnen hat.


Harriet

Köln, 3.12.2020 – Unsere Fachbeirätin in der Gemeinnützigen Stiftung Sexualität und Gesundheit (GSSG), Gaby Lenz – die die meisten noch als Gaby Wirz kennen – ist gestern gestorben. Nach langer Krankheit, friedlich und ohne Schmerzen, daheim im eigenen Bett, wie ihr Mann Jochen mich informiert hat.

Gaby war nicht nur Fachbeirätin der GSSG, sondern auch eine enge Freundin. „Herzensfreundinnen“ seien wir, sagte sie. Neben der persönlichen Verbundenheit, die schon in den frühen 1990er Jahren begann, legte Gaby auch die Grundsteine der Stiftung. Denn sie war von Beginn an bei fast allen Projekten der GSSG aktiv und gestaltend beteiligt.

Allen voran gilt das für das bundesweite Netzwerk Frauen und Aids. Bei einem seiner Treffen haben wir uns Anfang der 1990er Jahre im Waldschlösschen kennengelernt. Schon bei dieser ersten Begegnung „klickte“ es zwischen uns. In den Folgejahren haben wir gemeinsam Treffen geleitet, Themen entwickelt und leidenschaftlich gestritten. Denn wo ich Grenzen ziehen wollte, baute sie Brücken. Gaby war es, die durchsetzte, dass an den Treffen des Netzwerks auch interessierte Männer teilnehmen konnten – sofern die Leitung dem zustimmte. Wo ich polarisierte, wirkte sie integrierend.

Für die DHIVA, das Magazin für Frauen zu Sexualität und Gesundheit, war Gaby bis zuletzt als Ressortleiterin engagiert. Als das Magazin im Jahr 2001 noch kein Magazin, sondern eine schwarz-weiße Kopiervorlage war, sicherte Gaby mit einer Notausgabe, der Nummer 19, den Fortbestand des Heftes. Die DHIVA ist bis heute 80 Mal erschienen.

Es ist sicher kein Zufall, dass Gabys festes DHIVA-Ressort der letzten Jahre den Titel „LiebesLeben“ trägt. Denn das war eines ihrer Lebensthemen: die Liebe zu den Menschen. Sie liebte unkonventionell und umfassend, im Privaten wie im Professionellen. Was für Gaby ohnehin ineinander floss. Genauso wenig ist es Zufall, dass sie die Podcast-Reihe „Standpunkt“ initiierte, und damit unseren kontroversen Diskussionen einen Rahmen gab. Denn immer wieder forderte sie mich mit ihren anderen Ansichten heraus, half mir, andere Perspektiven einzunehmen und meine eigenen Positionen zu überdenken. Sie forderte Vielfalt ein, lange bevor ich lernte, die als „Diversity“ buchstabierten. Das lässt sich heute noch gut an der gemeinsamen Postkarten-Serie ablesen, die sie 2009 als Geschäftsführerin des Landesverbands der Aids-Hilfen Baden-Württemberg mit der GSSG herausbrachte. Im Twinning-Projekt der GSSG zur Welt-Aids-Konferenz in Wien hat sie mitgearbeitet, damit möglichst viele Frauen aus Ost und West daran teilnehmen konnten. Sie selbst konnte dann nicht dabei sein. Als ich klagte, dass sie mir vor Ort fehlte, ließ sie mich das Kopfkissen in meinem Pensionszimmer dekorieren: „Dann bin ich symbolisch bei euch.“

Gaby war nicht nur in der GSSG engagiert. Sondern vor allem auch in der Arbeit von Aidshilfen. Von der Aidshilfe im Saarland über den Landesverband Baden-Württemberg, die Deutsche Aids-Hilfe und die Aids-Hilfe NRW führten ihre beruflichen und ehrenamtlichen Stationen. Als eine von wenigen Frauen, die sich mit ihrer HIV-Infektion öffentlich machten, musste sie auch Verletzungen ertragen. Als sie in den Nationalen Aids-Beirat berufen wurde, hagelte es Anfeindungen, ihr wurde sogar der eigene HIV-Status abgesprochen. Gaby hat sich von solchen Anwürfen nicht aus dem Konzept bringen lassen. Als studierte Diakonin war sie geübt darin, ihre Feind:innen zu umarmen. Und das meinte sie dann tatsächlich aufrichtig.

Öffentliche Anerkennung fand ihr enormes gesellschaftliches und politisches Engagement 2012. Im Januar erhielt sie, als eine der jüngsten Frauen in Baden-Württemberg, das Bundesverdienstkreuz. In ihrer Dankesrede bekannte sie sich zum Ursprung ihres Engagements, zu ihrem nicht unterdrückbaren „Kampfesgeist gegen Ungerechtigkeit“. Ich durfte die Verleihung mit ihrer wunderbaren Familie und ihrem Freund feiern.

Auch im Privaten war Gaby unkonventionell, kreativ und liebend. Bei einem unserer gemeinsames Segeltörns wurde sie schlimm seekrank. Doch statt zu jammern, strahlte sie nach jedem „Fischefüttern“ den Rest der Crew an, begeistert vom Abenteuer. Und schrieb dann zauberhafte Gedichte über den Seegang und zeichnete elegante Sturmvögel. Genau so werde ich sie in Erinnerung behalten: voller schöpferischer Energie und umfassender Liebe.

Die Whatsapp-Gruppe, mit denen ihre Freund:innen sie in ihrer Erkrankung begleiteten konnten, hieß „Kobi muss kleiner werden“. Auch darüber haben wir gestritten. Kobi, wie sie ihren Tumor nannte, sollte nur „kleiner werden“? Ich hätte viel lieber gelesen: „Kobi muss weg.“ Aber irgendwie hat sie wohl sogar ihre Krebszellen geliebt.




Deutsches Expertennetzwerk HIV / Hepatitis e.V. (DCAB)

Die Nachricht von Gabys Tod lässt uns zutiefst schockiert und traurig zurück.
Wir erinnern uns an Gaby als einen wunderbaren Menschen
Eine Streiterin und Aktivistin, die für unsere Sache kämpfte, dabei immer so positiv, liebevoll und lebensfroh. Alle konnten sich in ihrer Gegenwart sofort wohlfühlen und geborgen fühlen.
Als eine Wegbereiterin der Selbstvertretung von Menschen mit HIV hat sie in ganz unterschiedlichen Positionen gegen Stigmatisierung und Diskriminierung gekämpft; auch, als es für sie gesundheitlich immer schwerer wurde.
Als Teil des DCAB hat sie uns begleitet. Nach schwerer Krankheit muss sie nun nicht mehr leiden, ein nur schwacher Trost für uns.
Wir werden Gaby vermissen und ihren positiven Geist in unserem Herzen bewahren.
Unser Mitgefühl und Beileid gelten besonders dir, lieber Jochen, Gabys Schwester Dagmar und Gabys Familie.

Im Namen aller Mitglieder und des Vorstands
Annette Piecha
Jens Ahrens
Jens Rüsenberg
Deutsches Expertennetzwerk HIV / Hepatitis e.V. (DCAB)

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