Grenzenlos solidarisch: Positive Begegnungen 2026
Europas größte HIV-Selbsthilfe-Konferenz, die Positiven Begegnungen (kurz: PoBe), findet vom 13. bis 16. August in Magdeburg statt. Was die rund 400 Teilnehmenden diesmal unter dem Motto „Grenzenlos (und) solidarisch“ erwartet, verrät Heike Gronski, DAH-Fachreferentin „Leben mit HIV“ und Organisatorin der Konferenz.
Die Positiven Begegnungen finden in der Regel alle zwei Jahre statt und sind das zentrale Ereignis für die HIV-Community und HIV-Selbsthilfe. Gibt es thematische Schwerpunkte, die bei der Konferenz im Zentrum stehen werden?
Für das Programm hat ein Team mit Menschen aus den verschiedenen Communitys über viele Monate hinweg all die Themen zusammengetragen, die die Menschen mit HIV derzeit besonders beschäftigen. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner vor Ort, dem Zentrum für sexuelle Gesundheit Magdeburg, haben wir nun ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das diese aktuellen Fragen und Herausforderungen in fünf Überthemen bündelt, die jeweils von Impulsvorträgen eingeleitet werden.
Das umfangreiche Programm bündelt aktuelle Fragen in fünf Überthemen: inklusives Gesundheitssystem, positiv im Alter, Digitalisierung im Gesundheitswesen, Rausch ohne Stigmatisierung und solidarisches Miteinander.
Unter dem Titel „Selbsthilfe bleibt aktiv: Für ein inklusives Gesundheitssystem“ werden wir uns mit Mental Health, den neuen Richtlinien für Schwangere mit HIV, der Diskriminierung marginalisierter Gruppen im Gesundheitswesen und der Heilungsforschung beschäftigen. Im Themenbereich „Selbsthilfe bleibt im Wandel: Für positive Aussichten im Alter“ geht es unter anderem um alternative Wohn- und Pflegemodelle und darum, wie wir mit den altersbedingten gesundheitlichen Herausforderungen umgehen.
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den Chancen sowie den potentiellen Gefahren, die sich durch „Künstliche Intelligenz“ und Digitalisierung ergeben. Wir wollen uns unter anderem darüber austauschen, was die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeutet, und wie sie in der Selbsthilfe und Beratung als hilfreiches Werkzeug eingesetzt werden kann.
Im Themenblock „Selbsthilfe bleibt selbstbestimmt: Für Rausch ohne Stigmatisierung“ wird es Gelegenheit gebe, eigene Erfahrungen mit Chemsex zu reflektieren und über die Drogenpolitik und Druck-Checking zu diskutieren. Den Fünften Themenstrang haben wir mit „Selbsthilfe bleibt stabil: Für ein solidarisches Miteinander“ überschrieben.
Dieser Titel spielt natürlich auf die DAH-Kampagne „Aidshilfe bleibt stabil“ an.
Richtig. Wir sind mit den Positiven Begegnungen in Sachsen-Anhalt zu Gast, wo drei Wochen später Landtagswahlen stattfinden werden. Der Rechtsruck in der Gesellschaft und die damit verbundenen Themen wie Rassismus, Antifeminismus und Queerfeindlichkeit betrifft Aidshilfen und die verschiedenen Communitys in ganz besonderem Maße. Wir wollen uns in verschiedenen Workshops nicht nur über die politischen Entwicklungen und deren Folgen austauschen bzw. Handlungsmöglichkeiten entwickeln, sondern auch der Frage nachgehen, inwieweit unsere eigenen Vorurteile der Realität standhalten. Wählt der Osten wirklich anders und wenn ja, warum? Wir wollen aber auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen und die Entwicklungen in Europa und im Rest der Welt in den Blick nehmen. Zum Beispiel, welche Folgen die Kürzungen im Gesundheitsbereich auf europäischer sowie globaler Ebene haben und was die erneute Kriminalisierung von LGBTIQ* in vielen Ländern für die Communitys dort und für uns bedeutet.
In den letzten beiden Positiven Begegnungen war die ukrainische Community sehr stark eingebunden.
Das wird auch in dieses Jahr wieder der Fall sein. Wir haben ohnehin versucht, bei der Programgestaltung eine größtmögliche Diversität bei den Teilnehmenden zu ermöglichen.
Es wird also Programmpunkte geben, die jüngere bzw. ältere Menschen im besonderen Maße ansprechen, und wir berücksichtigen Themen, die für Menschen aus den migrantischen Communitys – sowohl aus den afrikanischen als auch aus dem osteuropäischen Raum – von besonderer Bedeutung sind.
Ein kleiner Themenstrang wiederum richtet sich explizit an russischsprachige Aktivist*innen, die Drogen konsumieren, um so die Strukturen dieser Community zu fördern. Ein weiterer Workshop wird von in Deutschland lebenden Ukrainer*innen mit HIV gestaltet. Bei vielen Veranstaltungen werden wir eine Übersetzung sowohl ins Englische und Französische als auch ins Russische und Ukrainische anbieten, sodass Begegnungen auch über Sprachgrenzen hinweg möglich sein werden. Damit auch Eltern entspannt an der Konferenz teilnehmen können und die Kinder gut versorgt wissen, werden wir wieder eine umfangreiche Kinderbetreuung ermöglichen.
Die Konferenz ist vor über 25 Jahren aus der Bundespositivenversammlung hervorgegangen. Seitdem richten sich die Positiven Begegnungen nicht mehr nur an Menschen mit HIV. Wer ist dazu eingeladen und kann sich anmelden?
In der Tat sind die Positiven Begegnungen nicht nur für Menschen mit HIV offen, sondern für alle, die im HIV-Kontext leben und arbeiten. Also beispielsweise An- und Zugehörige und Menschen, die beispielsweise im Gesundheitswesen oder in Aidshilfen tätig sind. Wir erhoffen uns dadurch bei vielen Themen, die auf der Tagesordnung stehen, einen regen und produktiven Austausch. Ich denke da etwa an das Thema Alter: Wie können Aidshilfen und andere Institutionen Hand in Hand mit der Selbsthilfe die zukünftigen Bedarfe meistern?
Die Positiven Begegnungen sind nicht mehr nur für Menschen mit HIV offen, sondern für alle, die im HIV-Kontext leben und arbeiten, wie An- und Zugehörigen oder Mitarbeitenden im Gesundheitswesen oder Aidshilfen.
Worauf dürfen sich die Konferenzteilnehmenden jenseits der zahlreichen Workshops freuen?
Zum Beispiel auf die große Eröffnungsveranstaltung, zu der wir die junge ghanaische Musikerin und trans Aktivistin Angel Maxine erwarten. Wir freuen uns sehr, dass wir die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, als Schirmfrau der Positiven Begegnungen gewinnen konnten. Sie wird leider nicht anreisen können, aber eine Grußbotschaft an alle Teilnehmenden senden. Für den Samstag planen wir eine Demonstration durch die Magdeburger Innenstadt und am Abend werden wir die Konferenz mit einem Fest abschließen.
Anmeldung zu den Positiven Begegnungen vom 13. bis 16. August 2026 in Magdeburg sind über seminar.aidshilfe.de möglich. Dort gibt es auch nähere Informationen zur gestaffelten Teilnahmegebühr, zur Unterkunft und zum Ablauf.
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