Das Robert Koch-Institut (RKI) informiert über einen zweiten bestätigten Fall von Wundbotulismus bei einem Heroinkonsumenten in Bochum.

Ein 40-jähriger Mann sei vor einer Woche mit neurologischen Symptomen (Seh- und Schluckstörungen) in ein Krankenhaus aufgenommen worden, heißt es in einem Schreiben des RKI.

Ein anderer, symptomatisch ähnlicher Fall aus Bochum ist dem RKI bereits am 1. Juli gemeldet worden. Der 52-jährige Mann befindet sich noch immer in intensivmedizinischer Behandlung und muss weiterhin beatmet werden. Bei beiden Patienten konnte durch eine Wundabstrich-Probe Botulinum Neurotoxin Typ B (BoNT/B) BoNT/B eindeutig nachgewiesen werden.

Beide Männer hielten sich nach Informationen des RKI regelmäßig in demselben Drogenkonsumraum auf. Dieser sei dem Gesundheitsamt bekannt, werde regelmäßig überprüft und sei mit sauberen Spritzen ausgestattet. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass nicht auch außerhalb der Einrichtung Drogen konsumiert worden sind.

Zwei Fälle von Wundbotulismus innerhalb kurzer Zeit deuteten darauf hin, dass kontaminiertes Heroin im Umlauf ist, so das RKI weiter. In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu Häufungen von Wundbotulismus bei injizierenden Drogengebraucher_innen. Der letzte bestätigte Fall in Deutschland wurde Anfang 2015 gemeldet. Weitere Fälle traten damals zeitgleich in Norwegen und Schottland auf. Ursache war vermutlich mit Botulismus-Sporen kontaminiertes Heroin.

Wie die Sporen (eine Dauerform der Bakterien) in das Heroin gelangten, lässt sich meist nicht ermitteln. Vorstellbar ist eine Verunreinigung beim Transport, durch das Zusetzen von Strecksubstanzen oder bei der Zubereitung des Heroins (über Lösemittel, verunreinigtes Spritzbesteck). Bei den Fällen aus Norwegen und Schottland wird in den Muskel oder unter die Haut injiziertes „black tar heroin“ als Ursache der Infektion diskutiert.

Ungefähr vier bis 14 Tage nach der Infektion bildet sich das Krankheitsbild aus. Neben lokalen Symptomen einer schweren Wundinfektion verursacht die Vergiftung typischerweise Hirnnervenlähmungen, Doppeltsehen, Ptosis (Herabhängen der Augenlider) sowie Schluck- und Atemlähmungen, sodass unter Umständen eine länger dauernde Beatmung notwendig wird.

Behandelt wird Wundbotulismus mit einem Botulinum-Antitoxin (nur in den ersten 24 Stunden wirksam), einer symptomatischen Therapie und einer chirurgischen Wundversorgung (breite Öffnung der Wunde) sowie – anders als beim lebensmittelbedingten Botulismus – mit Antibiotika (Penizillin G).

Da es zu weiteren Fällen (auch in anderen Bundesländern) kommen kann, bittet das RKI um erhöhte Aufmerksamkeit in Drogenhilfeeinrichtungen, Substitutionspraxen und anderen Einrichtungen, die mit Drogengebraucher_innen in Kontakt sind. Klinische Verdachtsfälle sind unverzüglich dem lokalen Gesundheitsamt zu melden.

Für Rückfragen zur Diagnostik und zum Probentransport kann das Konsiliarlabor für Clostridium botulinum kontaktiert werden. Ansprechpartnerin ist Frau Dr. Dorner: DornerB@rki.de, Tel.: 030 18754 2500. Weitere Informationen gibt es auf der RKI-Internetseite. 

(ascho)

Weitere Informationen:

„Wundbotulismus bei Heroingebrauchern in Europa aufgetreten“ – Meldung auf magazin.hiv vom 8. Januar 2015

Das RKI zu früheren Fällen von Wundbotulismus 

EMCDDA-Bericht:  Wound botulism in people who inject heroin in Norway and the United Kingdom

RKI-Bericht zu einer Häufung von Wundbotulismus bei injizierenden Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2005

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Axel Schock

Axel Schock, freier Autor und Journalist, schreibt seit 2010 Beiträge für aidshilfe.de und magazin.hiv.

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