Während die Zahl neuer HIV-Infektionen in Deutschland bereits im zweiten Jahr rückläufig ist, nehmen einige sexuell übertragbare Infektionen (STIs) zu.

Plakat mit der Aufschrift "Super ich  hab Syphilis"
Plakatmotiv der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Einige Fakten zu STIs in Deutschland

Sexuell übertragbare Infektionen, umgangssprachlich auch Geschlechtskrankheiten genannt, werden unter anderem durch Bakterien (Chlamydien, Syphilis/Lues und Gonorrhoe/Tripper), Viren (HIV-Infektion, Herpes genitalis, Feigwarzen und Hepatitis B), Pilze (Candida albicans), Protozoen (Trichomonas vaginalis) und Arthropoden (Filzläuse, Krätzmilben) ausgelöst.

STIs sind für HIV-Positive von besonderer Bedeutung

Mit STIs Infizierte haben ein deutlich erhöhtes Risiko, sich zusätzlich mit HIV zu infizieren. HIV wird beispielsweise leichter übertragen, wenn bei den Genitalschleimhäuten entzündliche Veränderungen vorliegen. Umgekehrt tragen HIV-Infizierte ein erhöhtes Risiko, sich mit anderen STIs anzustecken. Einige STIs verlaufen bei Menschen mit HIV außerdem schwerer und sind schlechter behandelbar; das ist besonders bei Herpes, Infektionen mit humanem Papilloma-Virus und bei Syphilis der Fall. Häufig muss bei der STI-Behandlung die HIV-Therapie darauf abgestimmt werden.

STIs in Zahlen

Zu den meisten Geschlechtskrankheiten liegen keine verlässlichen Zahlen vor. Sicher ist, dass Hepatitis-B-Infektionen rückläufig sind, seit 1995 die Hepatitis-B-Impfung bei Kindern und Jugendlichen eingeführt wurde.

Zu den häufigsten STIs in Deutschland zählen Chlamydien-Infektionen. In Einzelstudien wurden bei 20- bis 24-jährigen Frauen Prävalenzraten von bis zu 10 % ermittelt. Schätzungen zufolge bleiben beispielsweise mehr als 100.000 Frauen in Deutschland durch unbehandelte Chlamydien-Infektionen ungewollt kinderlos.

Chlamydien-Infektionen sind auch ein besonderes Problem bei Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben, was jedoch erst vor einigen Jahren erkannt wurde. Eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) in dieser Gruppe ergab, dass knapp 12 % der Untersuchten mit Chlamydien und/oder Gonokokken infiziert waren.

Im Gegensatz zu den anderen STIs werden Syphilis-Fälle bereits seit Jahrzehnten systematisch erfasst. Die Zahl der gemeldeten Fälle ist seit den 1970er Jahren – nicht zuletzt unter dem Eindruck von Aids – von über 9.000 zur Jahrtausendwende auf unter 2.000 gesunken. Seither ist die Zahl, besonders unter Männern, allerdings wieder sehr deutlich angestiegen. Jährlich werden rund 3.000 Syphilis-Erkrankungen registriert. „Damit ist die Zahl der Betroffenen inzwischen ähnlich hoch wie vor dem Bekanntwerden von Aids“, sagt Dr. Ulrich Marcus vom RKI.

Testempfehlungen

Die meisten STIs lassen sich, sofern rechtzeitig erkannt, gut behandeln. Daher ist es wichtig, die Symptome zu kennen. Wer Sex mit wechselnden Partnern hat, sollte sich auch ohne akute Beschwerden einmal im Jahr auf STIs untersuchen lassen.

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg empfiehlt beispielsweise folgende Testungen:

Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben: HIV, Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, Hepatitis B. Männer, die mit mehr als zwei Männern im Monat Sex haben, sollten sich vierteljährlich durchchecken lassen. Männer mit weniger Partnern wird eine halbjährliche oder jährliche Untersuchung angeraten.

Prostituierte: HIV, Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, Hepatitis B, Trichomoniasis. Frauen wird außerdem eine Untersuchung auf bakterielle Vaginose empfohlen.

Drogengebraucher: HIV, Syphilis, Hepatitis B und C

Personen aus der übrigen Bevölkerung

  • mit häufig wechselnden heterosexuellen Kontakten: Gonorrhö, Chlamydien, Hepatitis B und ggf. HIV
  • mit sexuellen Kontakten zu Menschen aus Hochprävalenzländern und aus Osteuropa: Gonorrhö, Chlamydien, Hepatitis B und. HIV
  • mit sexuellen Kontakten zu Prostituierten: Gonorrhö, Chlamydien, Hepatitis B und HIV

Mädchen und Frauen bis 25 Jahren: Chlamydien

Menschen aus Hochprävalenzländern und aus Osteuropa: Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, Hepatitis A, B und C sowie HIV.

 

(sho)

 

Weiterführende Links:

Grundlegende Informationen zu den wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen auf aidshilfe.de

DAH-Broschüre „Sexuell übertragbare Krankheiten“ (pdf-Download)

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„Die allermeisten Männer wollen sich auch auf andere STIs testen lassen“

Über

Axel Schock

Axel Schock, freier Autor und Journalist, schreibt seit 2010 Beiträge für aidshilfe.de und magazin.hiv.

2 Kommentare

  1. Chlamydien-Infektionen sind auch ein besonderes Problem bei Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben, was jedoch erst vor einigen Jahren erkannt wurde. Eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) in dieser Gruppe ergab, dass knapp 12 % der Untersuchten mit Chlamydien und/oder Gonokokken infiziert waren.

    12 % von ?? Untersuchten?

    ehrlich gesagt habe ich da so meine probleme damit. Dazu kommt , wenn ich mich in einschlägigen Foren und webseiten so umschaue, Vögeln, blasen ohne Kondom und sperma schlucken hat hochkonjunktur. ich denke mal das die infektionszahlen unter den ganz normalen „freiern i.e. puff- bordell, wohnungsbordellbesucher und seitensprungbörsen, unverhältnismäßig größer ist als unter MSM bzw HIV infizierten im kontext zu der scene bzw aller HIV Positiven.

    wenn die normale bevölkerung auf bestehende ärztliche angebote zurückgreifen würde wie die „scene“ auf die angebote der IWWIT kampagne, dann wäre ein ansteig von STD´s kein Thema wage ich mal zu behaupten.

    also mal schön die kirche im dorf lassen . . .

  2. „Männer, die mit mehr als zwei Männern im Monat Sex haben, sollten sich vierteljährlich durchchecken lassen.“

    Ich hab da erst „durchschlecken lassen“ gelesen.

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