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Gerüchteküche Internet: Es lohnt sich, die vermeintlichen Online-Wahrheiten unter die Lupe zu nehmen

Das Internet beflügelt die Fantasie und weckt zugleich schlimmste Befürchtungen: Vereinsamen wir vor dem Computer? Fallen beim Online-Date alle Hemmungen? Alles Quatsch. Die fünf größten Online-Mythen im Wirklichkeits-Check

Mythos 1: Im Netz tummeln sich nur Spinner! Normale Menschen suchen online nicht nach Freunden

Nerds und Neurosen

„Bei der sozialen Integration lassen sich keine Unterschiede zwischen Usern und Nicht-Usern feststellen“, weiß Psychologin Christiane Eichenberg von der Universität zu Köln. „Dass nur die Verzweifelten online sind, ist ein längst widerlegtes Vorurteil.“ Im Gegenteil: Wer im realen Leben beliebt ist und viele Freunde hat, wird auch im Netz umschwärmt. Außenseiter haben es auch in der Webwelt schwer.

Mythos 2: Das Internet fördert oberflächliche Beziehungen. Sie sind so schnell vorbei, wie sie begonnen haben

Kaum verliebt, schon getrennt

Ob Beziehungen, die online beginnen, häufiger und schneller zu Ende gehen als solche die offline geknüpft werden, muss erst noch untersucht werden. Die ersten Langzeitstudien laufen noch. Unter anderem vergleichen sie Liebespaare, die sich entweder online oder offline kennengelernt haben. Untersucht wird, wer wann zusammenzieht, wer wie viele Kinder bekommt und sich wann trennt.
Eines aber ist schon jetzt klar: In vielen Fällen fördert das Internet zwischenmenschliche Beziehungen. „Die Gefahr der Vereinsamung sinkt“, urteilt Christiane Eichenberg. Und: „Marginalisierte Gruppen wie zum Beispiel Homosexuelle finden sehr viel leichter einen Partner als früher.“


Mythos 3: Wegen der vielen Dating-Portale haben die Leute zwar viel Sex, aber die Liebe kommt zu kurz

Nur die Liebe fehlt

Wenn jemand häufig mit wechselnden Partnern Sex hat, liegt das weniger am Internet, sondern mehr an seinen erotischen Vorlieben. Michael Bochow vom Wissenschaftszentrum Berlin hat das Sexleben schwuler Männer untersucht und urteilt: „Ein sexuell aktiver Mann in einer Millionenstadt kam vor der Erfindung des Internets auf eine ähnliche hohe Zahl von Sexualpartnern wie heutzutage. Er hat sie eben an traditionellen Sexorten wie Sauna, Darkroom oder Cruising-Gebiet gefunden.“ Christiane Eichenberg ergänzt: Platonische Beziehungen, die im Internet geknüpft wurden, sind in der Regel sehr verlässlich. „77 Prozent der online geschlossenen Freundschaften bestehen den Wirklichkeitstest und werden offline fortgeführt.“


Mythos 4: Die meisten Online-Profile sind gefälscht, die Personen dahinter frei erfunden

Alles Faker – außer Mutti

Menschen sind im Internet nicht weniger ehrlich als sonst. Natürlich trifft man dort Lügner und Betrüger – aber die lauern auch abseits des Computers. Warum haben trotzdem viele User den Eindruck, dass sie regelmäßig betrogen werden? Weil das Internet die perfekte Wunschprojektionsmaschine ist. Wirkungsvolle Fotos und detaillierte Angaben – auch zu sonst sorgsam gehüteten Geheimnissen wie den sexuellen Vorlieben – spornen die Fantasie des Betrachters an. Das weckt oft unerfüllbare Hoffnungen. „Gerade auf Datingportalen werben die User mit vielen Mitteln um Aufmerksamkeit“, erläutert Clemens Sindelar von der Deutsche AIDS-Hilfe. „Das ist eine Form der Verführung, die gab es schon immer. Im Internet ist sie nur pointierter als in der Bar, wo mit sexy Kleidung und Schminke nachgeholfen wird.“

Mythos 5: Im Netz schert sich keiner um Safer Sex. Im Gegenteil: „Bareback“-Portale verleiten Schwule zum One-Night-Stand ohne Kondom

Das Internet fördert HIV-Infektionen

In der Anonymität des Internet sprechen die meisten sehr viel offener über ihre sexuellen Fantasien, als sie es sonst tun würden. Doch die saftigen Botschaften sollte man nicht für bare Münze nehmen. „Viele malen sich in ihrer Fantasie das wildeste Sexleben aus und inszenieren sich auch so auf ihren Profilfotos“, stellt Matthias Kuske fest, Manager der DAH-Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU. „Aber den meisten ist klar, dass sie das in der Realität niemals machen würden – weil ihnen ihre Gesundheit wichtiger ist.“

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