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DONEZK

Ukraine-Krieg droht die HIV-Krise zu verschlimmern

Die im November 2014 von Kiew verfügte Abkoppelung der ostukrainischen Krisengebiete von humanitärer Hilfe hat dort zu dramatischen Engpässen in der Versorgung von Menschen mit HIV und Tuberkulose sowie von Drogengebrauchern geführt.

Laut Berichten von Hilfsorganisationen seien tausende Drogengebraucher in den von Separatisten kontrollierten Gebieten Donezk und Luhansk sowie mindestens 800 weitere auf der im Mai 2014 annektierten Krim dringend auf eine Substitutionsbehandlung mit Methadon oder anderen Opiatersatzmitteln angewiesen. Doch Kiew habe bisher alle Bitten von Hilfsorganisationen ignoriert, die dafür nötigen Medikamente zusammen mit sterilen Spritzen und Kondomen in die betroffenen Gebiete liefern zu lassen.

Aufgrund des russischen Verbots der Substitutionstherapie liefere auch Russland nicht die nötigen Substitutionsmittel nach Donezk, dessen Hilfsgütertransporte bereits ein paar der dringend benötigten Medikamente wie Insulin und Schmerzmittel dorthin gebracht hätten, so der Guardian.

Laut der Internationalen Allianz gegen HIV/Aids in der Ukraine (Alliance Ukraine) hätten bereits über 300 Substituierte keinen Zugang zur Behandlung mehr, und für weitere 550 reichten die Medikamente nur noch einen Monat aus. Die unterbrochene Versorgungskette habe für Kiew wegen des Krieges keine Priorität, so Pavlo Skala, Geschäftsführer von Alliance Ukraine, gegenüber dem Nachrichtensender Aljazeera America. „Aufgrund der Verantwortungslosigkeit der Regierung ist es fast unmöglich, diese Gebiete mit Substitutionsmitteln zu versorgen.“ Das werde zu einer Zunahme von HIV-Infektionen, Tuberkulose und anderen übertragbaren Krankheiten führen.

Knapp werden auch die HIV-Medikamente, wie Sputnik Deutschland berichtet. Laut Nikolai Graschdanow, Chefarzt des Donezker Gebietszentrums für Immunologie und Aids-Prophylaxe, reichten sie nur noch bis Ende Februar. Die von Hilfsorganisation geschickten Medikamente könnten an den Kontrollposten der ukrainischen Armee nicht durchgelassen und wegen der Kampfhandlungen nicht über die Frontlinie gebracht werden, so Graschdanow. Nach seinen Angaben gebe es in der von den Separatisten ausgerufenen „Volksrepublik Donezk“ rund 24.000 HIV-Infizierte.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2013 in der Ukraine über 3.500 Menschen an den Folgen von Aids, und 90 Prozent der in Europa diagnostizierten HIV-Infektionen entfallen auf die Ukraine und Russland. Doch in den letzten Jahren haben umfassende schadensmindernde Programme in der Ukraine zu einem stetigen Rückgang der Neuinfektionszahlen bei Drogengebrauchern geführt.

Die Blockade-Politik Kiews werde, so befürchten nun Hilfsorganisationen, die Fortschritte in der Bekämpfung der Aidsepidemie in der Ukraine zunichte machen.

(ch)

Quellen:

Sputnik Deutschland vom 29.01.2015

Kyiv Post vom 29.01.2015

America Aljazeera vom 26.01.2015

The Guardian vom 26.01.2015

 

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Christine Höpfner

Christine Höpfner

Christine Höpfner war langjährige Mitarbeiterin der Deutschen AIDS-Hilfe. Sie ist feste freie Redakteurin von magazin.hiv.

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