Interventionen gegen Gewalt durch Beziehungspartner senken die HIV-Inzidenzrate und reduzieren Gewalt gegen Frauen. Von Carole Leach-Lemens*

Die Einbeziehung von Strategien gegen Gewalt durch Beziehungspartner in ein HIV-Präventionsprogramm im ugandischen Rakai führte zu einer signifikanten Senkung der HIV-Inzidenzrate und der von Frauen erlebten körperlichen und sexuellen Gewalt durch ihre Intimpartner. Dieses Ergebnis wurde auf der 20. Internationalen Aids-Konferenz in Melbourne vorgestellt.

In einer randomisierten Studie mit mehr als 11.000 Männern und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren kam es demnach zu einer signifikanten Reduzierung von HIV-Risikoverhalten und partnerschaftlicher Gewalt (bereinigte Prävalenzrate [aPRR]: 0,80, 95 % CI: 0,66–0,97) und häufiger zur Offenlegung des HIV-Status, berichtete Dr. Fred Nalugoda vom Rakai Health Services Programme.

Bis zu 69 % der Frauen berichten von Gewalterfahrungen

Von Beziehungspartnern ausgeübte körperliche, sexuelle und psychische Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichten 10 bis 69 Prozent der Frauen, dass sie mindestens einmal in ihrem Leben körperlich misshandelt wurden, 6 bis 47 Prozent der erwachsenen Frauen geben an, dass sie mindestens einmal sexuelle Gewalt durch Intimpartner erlebt haben, und 7 bis 48 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 10 und 24 Jahren berichten, dass sie zu ihrem ersten Geschlechtsverkehr gezwungen wurden.

Die hohen HIV-Infektionsraten bei Frauen, insbesondere jüngeren Frauen zwischen 15 und 24 Jahren, werfen ein Schlaglicht auf die zugrunde liegenden Geschlechterungleichheiten und hier vor allem auf die Gewalt gegen Frauen. Studien haben gezeigt, dass Frauen und Mädchen, gegen die Gewalt ausgeübt wurde, ein erhöhtes HIV-Risiko haben.

Gewalt durch Intimpartner untergräbt die HIV-Prävention

Gewalt durch Intimpartner ist sowohl ein Risikofaktor für HIV-Infektionen als auch eine mögliche Folge, und sie untergräbt die HIV-Prävention. Die Zusammenhänge zwischen Gewalt in der Partnerschaft und HIV sind komplex und umfassen biologische, sozioökonomische und kulturelle Faktoren.

Gewalt durch Beziehungspartner kann direkt zu HIV-Übertragungen führen, wenn eine Frau zum Geschlechtsverkehr mit einem HIV-infizierten Partner gezwungen oder genötigt wird.

Es gibt Hinweise darauf, dass Gewalt durch Beziehungspartner mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für riskantes Verhalten sowohl bei den Opfern als auch den Tätern assoziiert ist. Außerdem können Frauen und Mädchen in Settings, in denen Gewalt gegen Frauen die Norm ist, nicht frei darüber entscheiden, wann und wie sie Sex haben, weshalb es ihnen kaum möglich ist, den Kondomgebrauch durchzusetzen. Und nicht zuletzt kann Angst vor Gewalt Frauen davon abhalten, sich auf HIV testen zu lassen, ihren HIV-Status offenzulegen oder eine Behandlung aufzunehmen.

Geschlechterungleichheit schränkt Gesundheitschancen massiv ein

Bisher allerdings habe man nur wenige Interventionen evaluiert, die Prävention von Gewalt in der Partnerschaft mit HIV-Prävention verbinden, und keine davon habe Gewalt und HIV-Risiken wirkungsvoll reduziert, so Dr. Nalugoda.

Die von ihm vorgestellte Substudie, die von 2005 bis 2009 lief, untersuchte die Wirkungen des SHARE-Programms (Safe Homes and Respect for Everyone [SHARE] Project) gegen Gewalt in der Beziehung auf das Auftreten von Gewalt und auf die HIV-Inzidenz.

In vier Bezirken des Untersuchungsgebiets erhielten 5.337 Personen erweiterte Angebote zur HIV-Prävention (darunter Beratung zu der Frage, wie man den HIV-Status am besten mitteilen kann, ohne sich zu gefährden) sowie Angebote zur Prävention von Gewalt in der Partnerschaft (darunter Interessenvertretung, Programme für Männer und Jungen, Jugendprogramme, Kapazitätsentwicklung, Aufklärung). Außerdem wurden HIV-Berater und Mitarbeiter des Gesundheitssystems zum Thema Gewalt in der Beziehung fortgebildet.

Untersucht wurden die Wirkungen des SHARE-Programms

Die Kontrollgruppe umfasste 6.111 Personen in sieben Distrikten, die lediglich die Standard-Angebote zur HIV-Versorgung erhielten und über die Bedeutung des Kondomgebrauchs, von HIV-Tests für Paare und eines offenen Umgangs mit dem HIV-Status aufgeklärt wurden.

Analysiert wurden Daten aus drei Runden der „Eltern“-Studie (Rakai Community Cohort Study – a family planning outreach study), und zwar von einem Startpunkt sowie aus zwei Folge-Erhebungen. Die Interventionen wurden so geplant, dass die Startpunkt-Daten vor der Umsetzung der Maßnahmen erhoben und die Interventionen in jeder Untersuchungsregion ungefähr gleich lang umgesetzt wurden.

Verwendet wurde eine überarbeitete Version der Conflicts Tactics Scale (CTS). Als primäre Ergebnisse wurden drei Arten von Gewalt in der Beziehung im zurückliegenden Jahr definiert, nämlich emotionale, körperliche und sexuelle Gewalt. Frauen wurden als Opfer von Gewalt befragt, Männer als Täter.

Signifikante Abnahme körperlicher und sexueller Gewalt

Als sekundäre Ergebnisse wurde HIV-Risikoverhalten mit direkter oder indirekter Verbindung zwischen Gewalt in der Beziehung und HIV-Risiko untersucht, darunter Vergewaltigung in der Ehe im Jahr vor der Befragung, die Gesamtzahl der Sexualpartner sowie die Zahl außerehelicher Partner, Sex unter Alkoholeinfluss, Kondomgebrauch und Offenlegung des HIV-Status.

Während die Gewalt in Beziehungen in beiden Studienarmen abnahm, kam es im Arm mit den SHARE-Interventionen im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer statistisch signifikanten Abnahme körperlicher (aPRR: 0,80, 95 % CI: 0,68–0,93) und sexueller Gewalt gegen Frauen (aPRR: 0,82, 95 % CI: 0,69–0,99).

Auf die von Männern berichtete Gewaltausübung hatte SHARE keinen Einfluss.

Signifikante Abnahme der HIV-Inzidenz

SHARE war auch mit einer signifikanten Abnahme der HIV-Inzidenz in der Gesamtpopulation assoziiert (bereinigte Inzidenzrate [aIRR]: 0,64, 95 % CI: 0,43–0,95, p = 0,028; bei Männern lag die aIRR bei 0,63, 95 % CI: 0,39–099, p = 0,049, bei Frauen war die Signifikanz im Grenzbereich mit einer aIRR von 0,69, 95 % CI: 0,45–1,06, p = 0.088).

Nicht assoziiert war SHARE mit Veränderungen bei den Partnerzahlen, beim Sex unter Alkoholeinfluss oder beim Kondomgebrauch.

Dr. Nalugoda zog aus seiner Studie den Schluss, dass HIV-Präventionsprogramme auch die Prävention von Gewalt in Beziehungen integrieren sollten. Der SHARE-Ansatz, so der Forscher, könne dabei auch in anderen Settings in Uganda oder der Region effektiv zur Prävention von Gewalt durch Beziehungspartner beitragen.

Literatur

Wagman J et al. A cluster randomised trial of the impact of an intimate partner violence and HIV prevention intervention on emotional, physical and sexual abuse, sexual risk and HIV incidence in Rakai, Uganda, 20th International AIDS Conference, Melbourne, abstract THAC0103, July 2014.

 

*Original: „Intimate partner violence intervention reduces HIV incidence and violence against women“ von Carole Leach-Lemens, aidsmap.com, 7.8.2014; Übersetzung: Literaturtest

Vielen Dank an NAM/aidsmap.com für die Erlaubnis zur Veröffentlichung!

Zurück

Drogennotfall und Lebensrettung im Junkie-Bund-Café

Weiter

„Mensch Jürgen, tut das weh!“

Über

Gastbeitrag

Gastautor_innen schreiben für magazin.hiv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

+ 30 = 40

Das könnte dich auch interessieren