Der globale Kampf gegen HIV und Aids wird durch die Finanzkrise dramatisch geschwächt. Das geht aus einem Bericht der Weltbank hervor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet derweil in einem Bericht zu ihren „Milleniumszielen“ deutliche Verbesserungen bei der Behandlung von Menschen mit HIV weltweit – vor der Krise.

1,7 Millionen Menschen sind aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen von Therapieunterbrechungen bedroht, warnt die Weltbank. Viele weitere könnten gar nicht erst mit einer dringend benötigten antiretroviralen Therapie (ART) beginnen. Betroffen seien HIV-Positive in Afrika, Osteuropa, der Karibik und Asien.

Millionen Menschen mit HIV könnten ihre Therapie verlieren.

Besonders schlimm ist die Lage im östlichen und südlichen Afrika: Dort könnten bis zu 70 Prozent der Menschen, die ART bekommen, diese verlieren, fürchtet die Weltbank.

Auch die Präventionsprogramme vieler Länder seien gefährdet, vor allem in Osteuropa und Zentralasien.

Die Weltbank hatte im März dieses Jahres die Aids-Programme von 69 Entwicklungsländern unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind publiziert in dem umfangreichen Bericht „Averting the Human Crisis during the global downturn“ („Die menschliche Krise im globalen Abschwung vermeiden“).

Der Grund für die drohenden Rückschläge im Kampf gegen HIV/Aids: Die meisten Länder sind auf Unterstützung der Weltgemeinschaft angewiesen. Zusagen des Globalen Fonds gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria laufen jedoch in vielen Fällen in diesem oder im nächsten Jahr aus. Der Fonds selber erwartet für 2010 krisenbedingt ein Defizit von 4 Milliarden US-Dollar und hat seine aktuelle Acquise-Phase gerade bis November verlängert.

Ganze Gesundheitssysteme werden beschädigt.

Mit dem Wegfall der Mittel gegen HIV würden ganze Gesundheitssysteme stark beschädigt. So hat beispielsweise Tansania sein HIV/Aids-Budget bereits um 25 Prozent gekürzt, Kenia hat seinen Gesundheitshaushalt insgesamt zurückgefahren.

„Die internationale Gemeinschaft steht in der Pflicht, die Leute weiter zu versorgen, die sie zu einer Antiretroviralen Therapie gebracht hat“, proklamiert die Weltbank. Man habe eine eindeutige Zusage gemacht, Menschen mit HIV, die eine Therapie benötigen, diese zu ermöglichen.“

Der Bericht betont die schwerwiegenden Folgen, die aus Therapieunterbrechungen resultieren können: „Therapien zu beenden ist tödlich und führt zu anderen gesellschaftlichen Kosten.“ Es drohe die Gefahr von Resistenzbildungen, außerdem würden teure Second-Line-Therapieregimen notwendig. Die Zahl der Neuinfektionen könnte steigen, weil Infizierte ohne Therapie infektiöser seien.

Gemeint ist aber auch: Familien verlieren ihre Ernährer, die Gesellschaften qualifizierte Arbeitskräfte.

Die Folgen der Finanzkrise gefährden damit die wackeligen Erfolge der weltweiten Bemühungen im Kampf gegen das Virus – die es durchaus gibt.

Vor der Krise: Immer mehr Menschen erhielten Therapien.

Immer mehr Menschen haben in den letzten Jahren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO Zugang zu antiretroviralen Therapien (ART) erhalten: Von den knapp 10 Millionen Menschen in Entwicklungsländern, die eine ART benötigen, hat immerhin ein gutes Drittel sie laut WHO im Jahr 2007 auch bekommen. 3,4 Millionen Menschen wurden behandelt – eine Million Menschen mehr als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Erwachsenen, die mit HIV/Aids leben, ist in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. 33 Millionen Menschen lebten nach Schätzungen von UNAIDS im Jahr 2007 mit dem Virus. In Teilen Afrikas, vor allem im Osten und im Süden des Kontinents, stieg jedoch die Zahl der Todesfälle weiter an.

2,7 Millionen Menschen infizieren sich jährlich weltweit mit HIV, zwei Millionen sterben an den Folgen von Aids.

Zurück

DAH hat neuen WEB-Host

Weiter

DAH: Gesetz zur Regelversorgung mit Diamorphin ein Meilenstein

Über

Holger Wicht

Holger Wicht, Journalist und Moderator, ist seit 2011 Pressesprecher der Deutschen Aidshilfe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

+ 87 = 92

Das könnte dich auch interessieren